Total feministisch motivierter Blog-Meta-Content

Mein Lieblings-Nuf schrieb heute morgen etwas über die Relevanz von von Frauen geführter Blogs und weil sie das so schön gemacht hat und mich außerdem noch als einen ihrer gern gelesenen Blogs (Hurra! Juchu! Yay!) verlinkte, möchte ich es ihr gleich tun und da ebenfalls mal meine soundsoviel Cents zu beisteuern.

Ich bin ja eher so halb-politisch engagiert. Innerlich bin ich immer total engagiert, aber nach außen dringt da nur wenig vor, schon weil ich ja so grauselig harmoniebedürftig und ungesund tolerant bin und mir zu jeder Meinung, die ich so habe, direkt zwei weitere Gedanken einfallen:

Erstens: “Also das ist jetzt meine Meinung, aber ich kann natürlich auch verstehen, wenn man Sache X, Y oder Z aus diversen Gründen anders sieht.”

Zweitens: “Ogottogottogott, hoffentlich hab ich jetzt niemanden, der eigentlich total nett ist, in irgendeiner Weise damit vor den Kopf gestoßen. HILFE!”

Das ist nicht immer so gut, aber ich war halt auch schon immer so. Fakt ist, dass mich vor mittlerweile fast schon zehn Jahren der beste Freund in der Berufsschule darauf hinwies, dass ich mich nicht immer schon im Vorfeld für das entschuldigen sollte, was ich gleich sagen würde. Und damit hatte er leider recht.

Aus diesem Grund geht es in diesem Blog eher um hübsche Fotos und nette Geschichten, um Bahnhofsrezensionen und Sachen, die ich so erlebe und seltener um die politisch oder gesellschaftlich relevanten großen Themen oder kritische Töne zum aktuellen Weltgeschehen. Ein weiterer Grund ist vielleicht, dass ich mich tatsächlich stundenlang über bestimmte Themen auslassen könnte, das tut mir aber selbst nicht gut, ich bin dann nachher schlecht gelaunt und finde die Welt doof und ungerecht und weil ich das schon vorher weiß, lasse ich es einfach.

Jetzt habe ich es also schon wieder gemacht. Mich schon mal im Vorfeld, ohne dass überhaupt die Frage bestand, dafür entschuldigt, warum mein Blog möglicherweise, wenn man alle Eventualitäten und so betrachtet, unter Umständen nicht relevant sein könnte.

Aber da kann man ja schon wieder fragen: Relevant für was? Oder für wen? Und warum überhaupt? Und was bedeutet das? Relevanz ist ja kein objektives Kriterium. Man könnte ja jetzt die Besucherzahlen angucken, aber wer weiß denn, ob jemand, der auf welchem Weg auch immer, auf einem Blog gelandet ist, auch gelesen hat, was da so steht. Und selbst wenn, was nützt das, wenn derjenige das sofort wieder vergisst. Oder doof findet.

In einem Mini-Selbstversuch hab ich mir mal meine eigene Blogroll angeguckt, und festgestellt, bei mir überwiegen eindeutig die von Frauen geschriebenen Blogs und zwar so doll, dass ich mir jetzt dringend ein paar gute von Männern geschriebene suchen sollte, um mir nicht selber vorwerfen zu müssen, ich wäre nachher noch männerfeindlich. Ich weiß auch gar nicht, was jetzt den typischen Männer- vom typischen Frauenblog unterscheidet. Gefühlsmäßig kenne ich mehr Frauenblogs, auf denen es hübsche Bilder vom Selbstgekochtem und Selbstgemachten gibt. Gefühlt ähneln einige dieser Blogs noch eher dem klassischen Tagebuchschreiben. Männer sammeln (ebenso gefühlt) eher Links zusammen und kommentieren diese und äußern sich zu irgendwas Gesellschaftlichem, das mich vielleicht interessiert aber eventuell auch nicht.

Ich glaube aber, dass das alles wirklich nur gefühlt ist. Ich vermute nämlich, dass es ebenso viele Frauenblogs gibt, die sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen, genau wie Männerblogs existieren, auf denen es schöne Fotos, leckere Rezepte gibt oder wo sich auch einfach mal ganz dezent emotional ausgekotzt wird.

Wenn ich aber so aus dem Stand zwei der meiner Ansicht nach bekanntesten und damit auch irgendwie relevantesten Blogs nennen müsste, dann würde ich sagen: ankegroener.de und dooce.com. Beides Frauen.

Das sind Blogs, von denen ich weiß oder zumindest vermute, dass sie Zugriffszahlen haben, von denen ich nur träumen kann. Heather Armstrong kann mittlerweile davon leben, dass sie bloggt. Das ist natürlich Blödsinn, sie kann davon leben, dass sie bloggt und Bücher geschrieben hat und auftritt und Zeugs verkauft und was-weiß-ich-nicht-noch. Beides sind aber auch Blogs, in denen die Autorinnen in erster Linie von sich selbst berichten. Erweitertes Tagebuchbloggen, sozusagen.

Selbstverständlicherweise ist meine Sicht auf Blogs schlicht und einfach durch meine persönliche Präferenz verzerrt. Ich habe, um es einfach zu sagen, überhaupt keine Ahnung, was so die meistgelesensten deutschen Blogs sind und ich behaupte, die meisten lese ich auch gar nicht, entweder, weil ich sie noch nicht entdeckt habe, oder weil ich sie nicht interessant finde. Das mag auch an meiner Scheu vor Polarisierungen liegen, damit kann ich nichts anfangen. Provozieren, um eine Reaktion zu bekommen, da stehen mir die Haare zu Berge, da verstecke ich mich ganz schnell in der Ecke und komme erst wieder raus, wenn die Reaktionsprovozierer, die “Ich sag das doch nur so krass, damit du dich auch mal äußerst…”-Sager, wieder weg sind. Ich diskutiere gerne, und ich durchschaue solche Spielchen gewöhnlich sehr schnell, ich mache da aber nicht mit.

So kommen wir über Hölzchen und Stöckchen zu dem, was ich eigentlich sagen wollte. Meine persönliche Blogpräferenz ist genau das: sehr persönlich. Ich lese gerne Alltagsgeschichten, vor allem, wenn diese in amüsante und/oder schöne Worte verpackt sind. Ich gucke gerne schöne Bilder und werde von tollen Ideen inspiriert. In den letzten Wochen sammle ich Ruhrpott-Blogs, weil ich gerne lese und gucke, wie andere Leute die Region, in der ich lebe, und die ich schon sehr, sehr liebgewonnen habe, wahrnehmen. Und ich vertraue darauf, dass die Leute, deren Blogs diese meine Wunschkriterien erfüllen, alles intelligente Menschen sind, die sich auch gelegentlich mal zu anderen Themen äußern und mich zum Nachdenken anregen.

Diese Blogs sind für mich relevant, weil sie meinen Alltag positiv bereichern. Ihr findet sie ohnehin schon in meiner Blogroll. Und weil ich finde, dass da sehr viele schlaue, hübsche und äußerst amüsante Frauen dabei sind, hebe ich diese noch mal besonders hervor:

Im Übrigens habe ich ganz viele Dinge ausgelassen, zum Beispiel meine Ideen dazu, warum auf Veranstaltungen wie der rp12, auf der ich ja nun auch selber nicht war, Frauen immer noch unterrepräsentiert werden. Oder meine Gedanken zu der Frage, wie wichtig man seine Blogstatistik so nimmt oder nehmen sollte. Es ist ein weites Feld. Wie so oft.

13 Antworten auf „Total feministisch motivierter Blog-Meta-Content“

  1. Ich finde dieses ganze Männer-Frauen-Gerede manchmal einfach nur anstrengend. Alles muss analysiert und interpretiert und hinterfragt und auf den Kopf gestellt werden. Vielleicht bin ich da auch zuuu tiefenentspannt…aber letztlich: mir gefällt, was mir gefällt…egal was wie wer oder sonstwas. Bloggen und das Lesen von Blogs soll Spaß bringen. Ich setze mich tagtäglich an anderer Stelle mit so viel Mist auseinander…da muss ich mich im Blog nicht auch noch mit „harten“ Themen auseinandersetzen…
    Im Blog sollet n bisskn „für schön“ sein…meine persönliche Auszeit…oder auch mal meine persönliche Auskotzzeit :)

    Ich lese SLOMO sehr gerne…da sind beim Lesen schon so einige Tränken gekullert und ich ziehe den Hut davor, wie persönlich und von Herzen sie schreibt. Der Mut würde mir fehlen…sofern ich so einen Blog nicht anonymisiert schreiben würde :)

    Jedenfalls freue ich mich, in Deiner schönen Liste „relevanter“ Blogs gelandet zu sein…zusammen mit SLOMO…hach…DATT is schön <3

    Und ich bin sicher: Unser Blogowski wird SUPER!

    1. Ich find’s auch anstrengend, und es betrifft mich glücklicherweise auch persönlich eher peripher, aber ich kann mich trotzdem drüber aufregen, wenn ich länger drüber nachdenke, bzw. anderer Leute Erlebnisse lese.

      Wenn ich dann nämlich höre, dass auf Veranstaltungen nach wie vor hauptsächlich männliche Sprecher sind, selbst wenn explizit eine Frauenquote gefordert war, oder wenn ich bei einer Konferenz sehe, dass exakt eine Frau als Speaker engagiert wurde (ja, es handelt sich um eine IT-Konferenz, es nervt mich aber trotzdem) oder wenn ich auf einem Open-Mic-Abend bin und zumindest von den fünf oder sechs Auftritten, die ich mitkriege, die einzige Frau bin oder wenn ich mir gestern Jauch angucke und da sitzen sieben Leute in der Runde und es ist wieder nur eine Frau dabei, das regt mich mittlerweile auf. Ja, im Einzelfall gibt es sicherlich auch immer Gründe (und ich hatte auch schon Open-Mic-Abende, bei denen sehr viele Frauen dabei waren), aber in der Gesamtheit finde ich so ein Missverhältnis doch etwas besorgniserregend.

      Und ich möchte da auch nicht mehr hören „Ja, in der Branche/Szene/Whatever überwiegen halt die Männer, da kann man so nichts machen“. Vielleicht treibe ich mich auch zu sehr in männerdominierten Domänen rum, es fällt mir nur immer öfter auf und ich find’s nicht gut.

      Ansonsten ist so eine tiefenentspannte Art ja auch sehr lobenswert, die möchte ich hier nicht unnötig zerstören. Und wie eingangs gesagt, es betrifft mich selbst noch nicht mal wirklich, ich beobachte nur und wundere mich und finde es suboptimal.

  2. Hallo Anne,
    ich bin noch ziemlich neu hier als Leserin, melde mich aber auch gleich mal zu Wort :-)
    Du sprichst mir absolut aus der Seele. Immer mal wieder stolpere ich über (politisch wichtige) Themen, zu denen ich mir so meine Gedanken mache und dann einen ganz schlauen Blogeintrag schreiben will. Schließlich endet es aber meistens dann damit, dass ich mir die gleichen Gedanken mache, wie du sie beschreibst, mich dartin verheddere und dann lasse ich es lieber gleich ganz.
    Wir sind schon komische Menschen :-)
    Viele Grüße
    Michaela

    1. Ja ja, in meinem Kopf klang das alles immer sehr viel strukturierter, gradliniger und zielführender. Aber wenn ich’s dann lese, weiß ich zwar, da ist jetzt was anderes bei rumgekommen als geplant, aber es passt schon. Und dann finde ich immerhin gut, dass ich mal überhaupt was gesagt hab.

  3. Dass ich hier auftauche, ehrt mich natürlich sehr, vor allem, da die tatsächliche Relevanz meines Blogs natürlich irgendwo an der Unsichtbarkeit vorbeischrammt. Für mich macht er allerdings das Leben ein bisschen schöner und ich hoffe, dass kann ich anderen auch mitgeben :)! Und dass du das Hohoffs kennst: Super ;)!

    1. Na ja, ich kenn’s ja noch nicht. Aber ich muss da unbedingt mal hin. So ein wirklich gutes Steak-Restaurant fehlt auf der persönlichen Ruhrgebietsgastronomie-Hitliste nämlich noch.

  4. Hab ich vorher nie drüber nachgedacht und nu fällt mir auf: Erstens lese ich ausschließlich Frauen-betriebene Blogs und zweitens bin ich offenbar mit einem ziemlichen Macho verheiratet, der der Meinung ist, dass der meiste typische Frauen-Blog-Content eher so auf ‚Bild der Frau‘-Niveau spielt und zwar unterhaltsam, für’s Weltgeschehen aber absolut unrelevant ist. Pffff, Männer… ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.