Kategorie: Biokiste

Tendenziell monothematisches Webgedöns

Seit über einem Monat bekommen wir jetzt die Biokiste, und sind sehr zufrieden. Der Mann ist mehr Obst, ich kratze Rahm vom Milchflaschenrand, esse mehr Joghurt und lerne neue Lebensmittel kennen, die ich mal mehr und mal weniger toll finde.

Zu allem Überfluss habe ich dann thematisch passend „Eating Animals“ von Jonathan Safran Foer gelesen, das unter anderem von der reizenden Isa übersetzt wurde, ein Buch, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Das Thema Massentierhaltung kommt hier für meinen Geschmack sehr schön ohne moralischen Weltverbesserungszeigefinger aus. Die Kritik, das Buch wäre zu essayhaft und subjektiv, kann ich zwar nachvollziehen, genau das fand ich aber sehr angenehm. Objektiv kann man zu diesem Thema nämlich eigentlich nur sagen: Massentierhaltung ist scheiße. Welche Konsequenzen man daraus zieht, sollte jedem  selber überlassen werden.

Mit Biokiste und neuem schrecklichen Wissen über Fleisch geht es jetzt also bei mir weiter.  Mit welchen Konsequenzen ist noch nicht genau abzusehen. Ich war in den letzten Wochen öfter im Biosupermarkt als vermutlich im ganzen letzten Jahr. Ich habe zwei Mal Hühnchenfleisch für das Dreifache des normalen Preises gekauft, wobei man sich natürlich fragen kann, was denn eigentlich der „normale“ Preis sein sollte. Ich habe bei REWE nach der Biomilch mit Biosiegel gesucht und festgestellt, dass es nur eine Sorte gibt.

Ich habe mich zumindest ein bisschen mit Biosiegeln beschäftigt, denn auch da ist ja bekannt, dass viel Augenwischerei und Geldmacherei betrieben wird. Sicher ist man oft nicht, aber ich bin lieber ein bisschen unsicher, dass es vielleicht doch nicht so bio ist, wie ich es gerne hätte, als ganz sicher, dass es definitiv nicht bio ist.

Wie viel ich von den ganzen „Ich mach’s jetzt besser“-Plänen dauerhaft einhalten kann, weiß ich nicht. Aber versuchen ist immer noch besser als nicht versuchen. Sag ich mal.

Passend gibt es gerade bei Isa eine Reihe mit dem schönen Titel „Besser ist das“. Isa beschäftigt sich schon ein bisschen länger mit diesen Fragen und hat in den letzten Tagen lauter Texte geschrieben, die ich nur unterschreiben kann:

Zur gleichen Zeit hat Jenny als Gastautorin auf Isas Blog über ihren veganen Selbstversuch geschrieben, den sie leider aus nachvollziehbaren Gründen nach nicht mal einer Woche abbrechen musste. Die Erfahrungen, die sie in diesen Tagen gemacht hat, lesen sich aber nichtsdestotrotz sehr spannend.

Als Reaktion kann ich den Artikel „The first rule of Food Club is: You do not talk about Food Club.“ von Anke Gröner empfehlen, der mir auch sehr aus der Seele spricht. Ich habe zum Beispiel weniger ein Problem damit, kein „böses“ Hackfleisch mehr zu kaufen als damit, nach den gleichen Grundsätzen nicht mehr die Comfort-Food-Dosenravioli zu kaufen, auf die ich alle halbe Jahre mal ganz schlimmen Nostalgie-Heißhunger bekomme. Ich möchte mir nichts versagen und manchmal wird es wohl darauf hinauslaufen, dass man mit dem ganzen guten Willen, alles richtig machen zu wollen, gegen eine Wand läuft, oder eben gegen das Süßigkeitenregal bei Edeka, mit einem Jieper auf garantiert nicht fair gehandelte After Eights. Und sie dann kauft. Und isst. Und lecker findet.

Zu diesem Thema und auf den Artikel von Anke bezogen, hat Isa dann noch mal einige Sachen erklärt: Besser ist das: Zwischenbemerkung

Ebenfalls passend, wenn auch aus einer etwas anderen Richtung und schön strukturiert schreibt Sandra neuerdings darüber, welche Lebensmittel man durch welche Lebensmittel ersetzen kann. Dankbarerweise fängt sie gleich mit zwei unverzichtbaren Lebensmitteln an: Schokolade und Nougatcreme. Aber es geht natürlich noch weiter.

Wer sich übrigens an Biokistenbildern nicht sattsehen kann, der kann wöchentlich die jeweiligen Kisten bei Frische Brise und Frau Serotonic bestaunen. Diesen beiden Damen ist es auch zu verschulden, dass ich dann irgendwann auch wollte, denn kaum etwas macht mehr Appetit als das bunte Obst und Gemüse anderer Leute.

(Ich mag das ja, wenn sich sowohl unabhängig als auch als Reaktion auf andere Beiträge in meiner persönlichen Filterblase bestimmte Themen rauskristallisieren und man dann völlig ungeplant auf einmal Themenwoche im Internet hat und sich auf ganz andere Art mit diesem oder jenem beschäftigt.)

Dritte und vierte Biokiste

Die Biokistensaga geht weiter. In der dritten Woche bekommen wir: Einen Blumenkohl, drei kleine Rote Beten, mehrere Möhren, mehrere Äpfel, drei Birnen, eine weiße Grapefruit, Ziegencamembert, Zitronen-Limetten-Holunderblüten-Joghurt, Bionudeln, wie immer (und nicht im Bild) einen Liter Milch, sechs Eier (diesmal bunt und hargekocht wegen Ostern) und ein Brot. Außerdem dazubestellt habe ich eine Tafel Schokolade.

Dritte Biokiste

Das auf dem Bild immer schon Obst fehlt, liegt daran, dass der Mann in den zwei Tagen, die er allein mit der Biokiste ist, immer schon fleißig Äpfel und Konsorten verspeist. Auch die ein oder andere Möhre ist diesem Übereifer meistens schon zum Opfer gefallen, bis ich zum Fotografieren komme. Aber so soll das ja auch sein.

Gekocht habe ich damit:

–  Blumenkohlcurry mit Reisbandnudeln
–  Blumenkohlcremesuppe

Blumenkohlcurry

Blumenkohlcurry mit Möhren und Reisbandnudeln

Blumenkohlcremesuppe

Blumenkohlcremesuppe

Die Roten Beten stellten sich dagegen als nicht ganz unproblematisch dar. Bislang rätsele ich noch rum, was ich damit anstellen soll, und hoffe, dass das, was ich über die Haltbarkeit bei richtiger Lagerung gelesen habe, stimmt.

Aus dieser Lieferung sind dementsprechend die Rote Beten und die Grapefruit übriggeblieben. Weggeschmissen wurde dafür nichts.

Die vierte Biokiste kam dann so daher: Ein Brokkoli, eine Kohlrabi, zwei Fenchelknollen, ein Puntarellensalat, mehrere Möhren, mehrere Äpfel und Bananen (bereits vom Mann dezimiert), einige blaue Trauben, irgendeine Art extremst leckerer Käse, ein Liter Vollmilch, Biohirse, Kirsch-Vanille-Joghurt und wie immer ein Brot und sechs Eier.

Vierte Biokiste

Auch wenn ich ja versucht war, den Puntarellensalat abzubestellen, weil Salat hier so schlecht funktioniert, wollte ich mutig sein. Tja. Dazu kommen wir dann später. Von den Trauben waren wohl schon einige angeschimmelt und wurden vom Mann entsorgt. Bei dieser Lieferung bin ich von der Tetrapackmilch auf die Milch von Demeter umgestiegen. Die ist anscheinend noch mehr Bio, man darf nämlich beim ersten Öffnen erst mal den Rahm vom Flaschenhals kratzen und muss die Milch regelmäßig vorm Konsum durchschüttelt, weil sich sonst kleine Flöckchen bilden. Oder so. Ich hab ja keine Ahnung von Milch, außer, dass ich niemals Veganer werden könnte, weil Milch zu meinen Grundnahrungsmitteln gehört.

Gekocht habe ich damit:

–  Pasta mit Tomaten-Fenchel-Raspelsoße (leicht abgewandelt aus dem Greenbox-Kochbuch von Tim Mälzer)
–  Putranellensalat mit Möhrchen
–  Asia-Nudelpfanne mit Brokkoli und Möhrchen
–  Mozzarella-Fenchel-Salat mit süßen Kirschtomaten (auch aus dem Greenbox-Kochbuch)

Tomaten-Fenchel-Soße

Tomaten-Fenchel-Soße

Mozzarella-Fenchel-Salat

Tomaten-Fenchel-Salat mit süßen Tomaten

Die Trauben konnten uns leider überhaupt nicht begeistern. Ich vergesse regelmäßig, dass Trauben ja auch mit Kernen sein können und ich die nicht mag. Dementsprechend sind davon auch relativ viele im Müll gelandet (schweren Herzens, aber es fanden sich in diesem Zwei-Personen-Haushalt einfach keine Abnehmer). Übrig geblieben sind die Kohlrabi und ein halber kleiner Fenchel.

Nach vier Biokisten kann ich zusammenfassend folgendes feststellen:

–  Obst ist bei uns überhaupt kein Problem. Alles, was nicht gekocht werden muss und im Zweifelsfall mit ins Büro genommen werden kann, wird hier auch gegessen. Gut die Hälfte des Obstes bekomme ich ja gar nicht mehr zu sehen.
–  Der Käse war bisher jede Woche super. Ebenso der Joghurt, den ich auch gerne morgens mit Haferflocken zum Frühstück esse.
–  Bei Milch werde ich komplett auf die Demeter-Milch umsteigen, die ist toll.
–  Beim Brot werde ich eventuell auch komplett auf ein bestimmtes Brot umsteigen, bei dem ich sicher weiß, dass wir es auch essen, weil es einen hohen Roggenanteil hat und nicht zu viel ist.
–  Im Zweifelsfall macht man eben ein Thai-Gemüsecurry. Dazu braucht man lediglich grüne Currypaste (alternativ geht natürlich auch rote) und einen kleinen Vorrat an Kokosmilch. Zumindest Möhren, Brokkoli und Blumenkohl bekommt man da immer untergebracht.
–  Was außerdem immer geht: Gemüsesuppen.
–  Salat bleibt schwierig. Den Puntarellensalat habe ich entweder falsch zubereitet oder wir mögen einfach keine Puntarelle. Dass ich den Salat in der fünften Biokiste trotzdem nicht rausgeschmissen habe, lag einzig und allein daran, dass er im Topf ist und nicht schon nach drei Tagen schlapp rumliegt und mich traurig macht.
–  Brokkoli und Blumenkohl sind dafür sehr vielfältig einsetzbar, allerdings auch ein bisschen langweilig.
–  Das Greenbox-Kochbuch von Tim Mälzer ist super und von den drei vegetarischen Kochbüchern, die ich besitze, das, was mich von den Rezepten her am ehesten anspricht. Ottolenghi ist mir zu aufwändig und abgefahren, obwohl es als Inspirationsquelle sehr gut taugt. Daraus darf mir gerne jemand anders was kochen, der mehr Zeit, Nerven und Gewürze hat.

In der Konsequenz bedeutet das, dass ich in Zukunft wohl nur in seltenen Fällen die Biokiste so lassen werde, wie sie standardmäßig daherkommt. Ich werde Milch und Brot austauschen, je nach Bedarf auch den Joghurt weglassen. Außerdem werde ich beim Gemüse schweren Herzens weniger experimentierfreudig sein, bzw. den Gemüseanteil reduzieren und dafür mehr Obst in die Kiste packen. Ich habe einfach in den letzten vier Wochen zu viel Gemüse weggeschmissen, bzw. tapfer versucht, irgendwas zu essen, was ich eigentlich nicht so wirklich mochte. Auch wenn ich durchaus finde, dass man auch experimentieren sollte, was immer die Gefahr birgt, dass sich nach zwei Bissen rausstellt, dass man es leider doch nicht mag, dafür sind mir Lebensmittel eigentlich zu schade.

 

Die Biokiste wird einmal wöchentlich von der Flotten Karotte geliefert. Wir haben das „Komplettpaket“ mit Gemüse, Obst, Eiern, Brot, Milch, Käse, Joghurt und oft noch irgendwas anderem und sind sehr zufrieden. Wer nicht in Essen und Umgebung wohnt, aber auch gerne so eine Biokiste hätte, kann sich bei www.oekokiste.de informieren, ob es in seiner Nähe ähnliche Anbieter gibt.

Biokiste: Zweite Woche

In der nächsten Woche kommen gleich zwei Kisten an, ich habe an der Zusammenstellung nichts geändert, dafür allerdings noch eine Flasche Rotwein dazugepackt.

Wir bekommen: 2 kg Kartoffeln, 2 Mangold, 1 Endiviensalat, ein paar Möhren, ein Tütchen mit Kräuterseitlingen, 2 Pastinaken, 2 Stangen Porree, 1 Ananas, mehrere Äpfel, 1 Glas Vanille-Rhabarber-Joghurt, 1 Liter Milch, 6 Eier, ein Roggenbrot und ein Stück Wildblütenkäse.

Biokiste

Ganz neue Herausforderungen also, vor allem der Mangold und die Kräuterseitlinge, der Rest macht mir nicht so viele Sorgen. Darum gehen wir am Donnertagabend erst mal beim Thai essen und ignorieren die Küche voller Gemüse.

Am nächsten Tag frage ich erstmal, wie man Mangold einfriert. Mangoldeinfrierexperte Dentaku rät: Kurz blanchieren, dann schockfrosten. Also wird ein Mangold blanchiert, dann schnell in Eiswasser abgekühlt und dann halbwegs abgetrocknet ins Gefrierfach gepackt. Ob ich alles richtig gemacht habe, sehen wir dann, wenn ich den eingefrorenen Mangold wieder verwende.

Das mit dem Einfrieren ist bei uns überhaupt ein Problem, wir haben nur ein kleines Eisfach im Kühlschrank integriert. Das reicht für ein bisschen Notvorrat, aber großartig einfrieren kann ich damit nicht. Das ist im Übrigen Absicht, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass man (oder zumindest wir) Dinge, die man einmal eingefroren hat, gerne vergisst und ich da nicht in Versuchung kommen will. Ich weise aber noch mal darauf hin, weil ich schon mehrfach gute Tipps bekommen habe, was man alles einfrieren kann, das bringt mir nur selten etwas, weil es einfach nicht geht.

Ein Mangold passt aber noch ins Gefrierfach und da ist er jetzt auch noch.

Ansonsten zaubere ich aus der Gemüsekiste:

  • Einmal Mangold-Cannelloni nach dem Rezept von Frische Brise
  • Ungefähr ein Liter Gemüsebrühe aus Möhren, Pastinaken und Porree
  • Endiviensalat mit weichgekochtem Ei
  • Frittata mit Kräuterseitlingen (und Porree)

Suppe mit Maultasche

Gemüsebrühe mit Möhre, geschmelzten Zwiebeln und Maultasche (letztere nicht selbstgemacht)

Salat

Endiviensalat mit weich gekochtem Ei

Frittata

Frittata mit Kräuterseitlingen und Porree

Das klappt alles ganz gut, wobei das Befüllen der Cannelloni mich einige Nerven kostet. Die Gemüsebrühe ist mir ein bisschen zu süß, der Mann ist hingegen begeistert und isst die Suppe mit Maultaschen und geschmelzten Zwiebeln tellerweise. Dafür finde ich den Endiviensalat mit auf den Punkt gekochtem weichen Ei leckerer als erwartet, allerdings reicht auch dieser Enthusiasmus nicht für den ganzen Salat. Die Frittata mit Kräuterseitlingen wäre wahrscheinlich total super gewesen, aber in diesem Haushalt leben einfach keine Pilzfreunde. Wir essen tapfer, aber unbegeistert.

Die Ananas hingegen ist super, die mag sogar ich als ausgesprochene Ananasskeptikerin. Möhren und Äpfel gehen immer, die futtert der Mann einfach zwischendurch, dafür mampfe ich den Joghurt fast alleine auf. Auch das Brot wird fast bis zum Knäppchen aufgegessen, Roggen ist genau richtig für den Mann und der Käse ist auch richtig gut.

Übrig bleiben:

  • Der ganze Sack Kartoffeln (was wohl nicht schlimm ist, die halten ja)
  • Der eingefrorene Mangold
  • Das weichgekochte Gemüse von der Gemüsebrühe, das ich noch püriert und dann ebenfalls eingefroren habe
  • Ein Apfel
  • Eine halbe Pastinake
  • Milch, zwei Eier und ungefähr der halbe Käse
  • Der Rotwein

Weggeschmissen habe ich:

  • Ungefähr ein Viertel Endiviensalat
  • Den Rest Salat von der Vorwoche

Gelernt habe ich:

  • Mangold und ich werden keine Freunde. Die Cannelloni waren lecker und vor allem gut geeignet, um den Mangold zu verstecken, aber es ist einfach nicht mein Ding. Vielleicht finde ich noch ein anderes Rezept oder eine bessere Zubereitungsart.
  • Gemüsebrühe ist nicht nur einfach zu machen, sondern auch sehr befriedigend. Next step: Hühnerbrühe!
  • Frische Ananas ist doch ziemlich lecker.
  • Perfekt weichgekochte Eier sind sowieso das Größte. (Wusste ich eigentlich auch schon vorher, kann man aber nicht oft genug sagen.)
  • Pilze und ich, das wird auch keine Freundschaft fürs Leben. Ich kann das essen, möchte aber eigentlich nicht. Lediglich nur kurz gegarte oder angebratene Champignons oder Pfifferlinge, das ist gut. Oder einfach ganz roh, im Salat, geht auch. Das Problem ist bei mir weniger der Geschmack, als die Konsistenz und letztlich ist es einfach Geschmackssache. Aber ich lass mich weiterhin gerne vom Gegenteil überzeugen.
  • Ein großer Salatkopf ist zu viel für uns. Ich mag nichts wegwerfen, aber es ging nicht anders, ich möchte auch nicht schüsselweise Salat in mich hineinstopfen, nur, weil ich sonst ein schlechtes Gewissen habe. Beim nächsten Mal nehme ich den Salat ganz aus der Kiste oder frage nach, ob wir einen kleineren haben können.
  • Es ist unglaublich, wie viele Rezeptideen und Verarbeitungstipps ich aus dem Internet bekomme. Ich muss nur auf Twitter was von „Mangold“ schreiben, schon überschlagen sich alle, erwähne ich Kräuterseitlinge, schwärmt die ganze Timeline auf einmal von Kräuterseitlingen. Es ist toll! Und nur, weil ich nicht sofort dazu komme, alle Rezepte gleichermaßen zu würdigen, heißt das nicht, dass ich das einfach so ignoriere. Im Moment mache ich vieles sehr spontan, aber ich freue mich in jedem Fall über jede Idee und jeden Ratschlag, den ich bekomme. Weitermachen!

Die nächste Kiste ist schon da, aber ich werde den Inhalt wohl erst Sonntag begutachten können, weil es morgen erst mal für ein paar Tage nach Konstanz geht. Aus diesem Grund habe ich zum ersten Mal auch ein paar Sachen abbestellt, weil es sonst einfach zu viel gewesen wäre. Keine Aubergine, kein Eisbergsalat, und statt eines großen Brots ein kleineres, ansonsten aber alles wie vom Lieferanten vorgeschlagen, plus eine Tafel Schokolade. Die nächste Herausforderung heißt dann also Blumenkohl und Rote Bete. Challenge accepted!

Das Gemüsekistenexperiment: Erste Woche mit der flotten Karotte

Dienstag komme ich nach Hause und die Kiste ist da. Die Kiste überhaupt ins Haus zu bekommen war schon ein Abenteuer für sich, das damit endete, das wir an einem Samstag zu einem entlegenen Gewerbehof in Essen-Steele fuhren und dort einen Briefumschlag mit einem Schlüssel in einen rostigen Metallbriefkasten warfen. Ohne Absender versteht sich, wir sind ja nicht doof.

Dafür trägt uns jetzt ein armer Mensch einmal die Woche eine Kiste mit Gemüse, Obst, Milch, Brot, Eiern und anderweitigem Biozeugs bis in den vierten Stock. Schon allein dafür, dass uns jemand etwas in den vierten Stock trägt, lohnt es sich ja fast.

In der Kiste sind Brokkoli, sechs Möhren, vier Zucchini, ein Salat, ein Töpfchen Rucola, eine Kohlrabi, vier Äpfel, viele kleine rote Kullerpflaumen, eine Orange, ein Glas Himbeer-Waldmeister-Joghurt, ein Liter Milch, sechs Eier, eine Packung Schafsfrischkäse, eine Packung Vollkornreis und ein Weizenmohnbrot.

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Damit muss ich jetzt erstmal klarkommen. Ganz viel Gemüse. Obst kann ich ja. Milch, Eier, Käse und Brot sowieso. Reis hält ja länger, außerdem besitze ich einen Reiskocher. Aber was mach ich mit dem Gemüse?

Die Antwort ist relativ einfach, ich mache folgendes aus dem Gemüse:

  • Einmal Thai-Curry inspiriert von Ottolenghi mit Brokkoli, Möhren und Zucchini, dazu kommt noch Biohühnchen.
  • Einmal Salat mit dem Salat (haha!), Möhren und Zucchini.
  • Einmal Kohlrabi-Chinakohl-Salat auch inspiriert von Ottolenghi.
  • Einmal Gemüsesuppe mit Möhren und Zucchini nach irgendeinem Rezept aus der LECKER-Zeitschrift.
  • Einmal eine Shakshuka-Variante mit Brokkoli und drei Eiern, auch mehr oder weniger nach Ottolenghi.

Danach ist fast alles weg. Der Mann hat einmal noch ein bisschen Möhre und Kohlrabi zum Knabbern ins Büro genommen, die Pflaumen, Äpfel und Orangen haben wir so verputzt. Den Joghurt habe ich im Laufe einer Woche alleine aufgegessen, immer mit Haferflocken, schmeckte übrigens gar nicht nach Waldmeister, was ich gut fand, denn ich mag keinen Waldmeister (glaube ich jedenfalls).

Weggeschmissen wurde: Eine Kullerpflaume, weil sie doch schon zu matschig war, fast das halbe Brot (tragisch, ich weiß), weil es zu viel war, nicht so ganz unser Ding, etwas trocken und vor allem sehr schnell hart wurde, ziemlich viele Blätter vom Salat, den ich zu lange draußen rum liegen hatte, ein bisschen was von der Orange.

Übrig geblieben sind: Eine Möhre, ein halber Salat (immer noch), der Rucola (ist ja im Topf, hält also länger), ein Apfel, die Milch (wir hatten noch), drei Eier, der halbe Käse und der Reis. Außerdem der halbe Chinakohl, den ich dazukaufen musste, damit ich den Kohlrabi-Chinakohl-Salat machen konnte.

Apropos dazugekauft: Vollkommen bekloppt, dass ich ausgerechnet diese Woche, wo ich ja eh schon genug Gemüse im Haus hatte, noch welches dazukaufen musste, weil ich mir da Rezepte rausgesucht hatte, wo ich noch zusätzliches Gemüse brauchte. Nicht nur Chinakohl, sondern auch Paprika. Na ja, nicht so viel, aber immerhin.

Gelernt habe ich:

  • Ich kann immer noch nicht nach Ottolenghi kochen, aber ich kann mich ganz gut von seinen Rezepten inspirieren lasse.
  • Ich hab drei vegetarische Kochbücher! Warum? Weshalb? Bei einem (dem hier) hab ich übrigens erst gemerkt, dass es ein vegetarisches Kochbuch ist, als ich es zu Hause in Ruhe anguckte. Die Rezepte sahen eben einfach verdammt lecker aus.
  • Gemüsesuppe ist ganz schön einfach: Gemüse mit ein bisschen Zwiebel und Knoblauch in Öl andünsten, dann Brühe drauf, aufkochen, pürieren, Sahne rein, fertig. Toll.
  • Es dauert ganz schön lange, bis so ein Ei auf niedriger Hitze inmitten von Gemüse gestockt ist. Aber dann ist es schon ziemlich lecker.

Ich fand die erste Gemüsekiste sehr einsteigerfreundlich, obwohl das ja reiner Zufall war. Da war kein Gemüse dabei, das ich nicht prinzipiell kannte und schon mal irgendwie verarbeitet hätte, nichts, was ich absolut nicht mag oder zumindest ziemlich sicher bin, dass ich es nicht mag. Brokkoli, Möhren, Zucchini, zackzackzack. Kenn ich, kann ich.

In der nächsten Kiste sind dagegen schon eher so Dinge für Fortgeschrittene. Mangold. Kräuterseitlinge. Endiviensalat. Mal gucken. Ich hab ein bisschen Angst, find’s aber auch spannend. Mangold liegt mir nicht, genau wie Spinat, Grünkohl und ähnliches Grünzeug. Pilze, hm, auch nicht so meins. Ich mag Pilze, wenn es nicht so viele sind. Kein Witz. Und keine von den labrigen, also das, was in irgendwelchen asiatischen Gerichten so drin ist. Champignons sind okay, Pfifferlinge auch. Dann wird’s schon kritisch. Aber es sind nur 150 Gramm, das werd ich wohl irgendwie schaffen, und diverse Leute versicherten mir auf Twitter und Facebook, Kräuterseitlinge wären ganz großartig und bombadierten mich mit Rezeptvorschlägen. Endiviensalat, tja, ich mag ja nicht so gerne Sachen, die bitter sind.

Aber wie gesagt: Ich finde genau das auch so spannend. Neue Dinge probieren, die ich sonst nie kaufen würde, weil ich davon ausgehe, dass ich sie nicht mag. Aber jetzt muss ich und bestimmt wird das ganz überraschend und toll. Fast immer. Und wenn mal nicht, dann eben nicht, auch nicht schlimm.

Ganz dreist hab ich in die nächste Gemüsekiste auch eine Flasche Biowein gepackt. Wenn uns schon jemand was in den vierten Stock trägt, dachte ich ganz schlau, dann kann ich das auch ausnutzen.

Nächste Woche dann also Mangold und Kräuterseitlinge. Es bleibt spannend.

Die Gemüsekiste kommt von Flotte Karotte, die Essen, Bochum und die ganze Gegend drumherum beliefern und ein ziemlich großes Sortiment haben. Motiviert hat mich übrigens die Frische Brise, die ihre Kommentarfunktion neulich ganz großzügig für einen langen Rant meinerseits zur Verfügung stellte, in dem ich mich mit vielen Worten darüber ausließ, dass es überhaupt schwierig wäre mit zwei Personen und recht flexiblem Lebensstil einen vernünftigen Anbieter zu finden. Und als ich dann fertig war, hab ich geguckt, ob’s vielleicht nicht genauso einen vernünftigen und flexiblen Anbieter schon gibt, und bingo! So einfach kann das sein.