Six Degrees

Beim Mutter-Geburtstag erzähle ich den Freunden meiner Eltern: „Ich hab neulich noch an euch gedacht.“

„Es ist nämlich so, dass ich auf einer Lesung war, und einer von den drei Fragezeichen hat die deutsche Übersetzung gelesen und der hat auch eine Hörspielfirma…“

„Ja ja, die L.“ sagen sie da sofort.

Es stimmt, die L. arbeitet da. Ein seltsames Gefühl irgendwie, ganz zufällig einen Namen zu sehen von einem Menschen, den ich eigentlich gar nicht kenne und auch nie wirklich gekannt hab, den ich aber sofort zuordnen kann, und sofort an andere Leute denke, die ich seit Jahren nicht gesehen habe, die ich dann aber doch wieder treffe, beim Geburtstag eben. Und die die L. kennen, weil die nämlich mit ihrer Tochter befreundet war oder ist und ich war ja auch ein bisschen mit der Tochter befreundet, so wie man halt mit jemandem befreundet ist, der im gleichen Alter ist und deren Eltern mit den eigenen Eltern befreundet sind. So eben.

Und dann erzählen sie ein bisschen von der L. und von der N., das ist die Schwester und vom M., das ist der Bruder.

Und als sie vom M. erzählen, da guckt meine Cousine ein bisschen komisch. Die streichelt gerade den Hund, also den Hund, den einzig wahren Hund, der nichts mehr hört, und hauptsächlich noch rumliegt, sich aber auch sehr freut, wenn man zur Tür reinkommt.

Den M., sagt sie, den kennt sie jetzt aber. Also die Cousine. Das ist nämlich der Freund von der K. (oder der C., wer weiß, wie so Namen geschrieben werden), und mit der ist sie ziemlich gut befreundet.

„Und der M. ist gerade Onkel geworden“, sagt die Cousine.

„Genau“, sagen die Freunde. „Die N. hat nämlich ein Kind gekriegt.“

Und so ist das dann wohl, das man in seinem Leben so ziemlich vielen Menschen über den Weg läuft und eh mal sich’s versieht, arbeitet eine in Berlin bei einer Hörspielproduktion und der Bruder ist der Freund von der Freundin von der Cousine und das mit den Six Degrees klingt mal wieder wie ein ziemlich überzeugendes Dingens.

Panhas-Fest in Hattingen

Panhas-Fest Hattingen

Hattingen, ja ja. Ich hatte ja schon mehrfach gehört, dass die Altstadt da so schön sein soll und dachte immer „Ja ja, ist bestimmt ganz nett, aber soooo dolle wird das wohl auch nicht sein“. Bis ich dann im Juni einmal spontan da war und dachte „HUI! Das ist aber mal ne richtig schöne Altstadt!“. Tatsächlich ist Hattingen wirklich entzückend und wenn man die Gelegenheit hat, kann man ruhig mal hinfahren und ein bisschen zwischen den Fachwerkhäusern spazieren gehen. Es lohnt sich. Und wenn ich das sage, dann kann man das auch ruhig glauben und nicht „Ja ja“ denken.

Hattingen

In Hattingen war dieses Wochenende Panhas-Fest. Panhas ist eine westfälische bzw. rheinische Spezialität. So rheinisch kann sie eigentlich gar nicht sein, denn bisher hab ich noch nie was davon gehört, oder sollte mir da viele Jahre lang was vollkommen entgangen sein?

Panhas ist ein Fleischgericht, das laut Wikipedia ungefähr so entsteht:

Heutiger Panhas besteht aus Hackfleisch, frischer Leber- und Blutwurst, die zusammen mit Zwiebeln und Speck gebraten und anschließend mit Brühe aufgegossen und gewürzt werden. Diese Mischung wird mit Blut und Buchweizenmehl verrührt, eingedickt und dann in fest erkalteter Form zur weiteren Zubereitung angeboten.

Wie das aussieht kann man unten auf den Bildern sehen. Wir haben zwei unterschiedliche Panhas-Gerichte probiert, einmal die Version von Diergardts mit Preißelbeeren und Apfel-Meerrettich und einmal die von Eggers mit Apfelkraut-Senfdipp. Beides kam mit Bratkartoffeln. Insgesamt war die erste Version ein bisschen eleganter, sowohl von den Beilagen als auch vom Panhas her und die Bedienung bei Eggers hätte auch gerne etwas weniger patzig sein können. Trotzdem: Lecker war beides, wenn auch zuviel und für den Spätsommersonnetag fast ein bisschen zu sättigend.

Vom Geschmack her würde ich Panhas am ehesten mit Blutwurst vergleichen, was auch nicht weiter verwunderlich ist.

Panhas I
Panhas II

Nach dieser ordentlichen Portion war nicht mehr viel Hunger für ein weiteres Hauptgericht übrig, also gab’s direkt Nachtisch. Zur Auswahl standen Apfelstrudel, Kaiserschmarren, Stachelbeertörtchen und Blechkuchen. Nach etwas hin und her (Apfelstrudel oder Kaiserschmarren?) wurde der Kaiserschmarren vom Restaurant An der Krüpe gewählt. Auch das war ordentlich bodenständig, nicht spektakulär, aber passend zum Herbstanfang. Außerdem gab’s Himbeerbowle, die ich dann gleich mal mit bestellt habe.

Himbeerbowle und Kaiserschmarren

Zusätzlich zum Panhas-Fest fand noch ein Kunstmarkt und ein Franzosenmarkt statt. Dort konnte man Käse, Wurst, Seife und diverse andere Leckereien kaufen  – oder auch einfach nur probieren. Sogar Andouilette habe ich gesichtet: Mit einem Grinsen auf dem Gesicht, als ich mich an das Andouilette-Debakel vor ein paar Jahren in Lüttich erinnerte. Wer sich fragt, was ich wohl meinen könnte, kann sich ja hier über die Andouilette informieren. Kurz gesagt ist das das bisher einzige Gericht, an dem ich in großem Stil gescheitert bin. Aber wenigstens hab ich’s mal probiert.

Tricolore
Andouilette
Fougasse

Und auch sonst ist es nett in Hattingen. Die Altstadt ist urig schön mit kleinen Cafes und Restaurants mit kleinen Tischen draußen. Und wenn wir nicht schon so satt gewesen wären, dann hätte es vielleicht auch noch eine Waffel geben können. Oder lecker Kuchen. Oder Pfannkuchen. Dann eben demnächst.

Cafe AdeleZur alten Krone

Apfel-Brombeeren-Crumble

Ich bin ja eher so ein Heimatobst-Fan. Mangos, Kiwi & Co. find ich zwar auch lecker, aber richtig kriegen tut man mich mit Äpfeln und Himbeeren und Brombeeren und Aprikosen und Mirabellen und all dem Zeug, das man – wenn schon nicht hier – spätestens in Frankreich auch selbst und höchstpersönlich von den Bäumen und Sträuchern zupfen kann.

Das hab ich auch in Vietnam gemerkt, wo’s beim Hotel-Frühstück eine tolle Auslage mit allem möglichen Obst gab und ich nur etwas ratlos davorstand und dachte: „Schön und gut. Ist ja alles nett hier. Aber könnte ich nicht vielleicht einfach nur einen Apfel haben?“

Insofern fand ich das Apfel-Brombeeren-Crumble-Rezept (ebenfalls aus der Oktober-Ausgabe der Delicious UK) sowieso sehr ansprechend. Weil: a) Apfel, b) Brombeeren und c) Crumble. Ernsthaft, die drei Gründe reichen doch völlig aus.

So ein Crumble ist wie so vieles supereinfach, weil man hauptsächlich Obst schneiden und in eine Schale schmeißen muss. Dann ein bisschen Zucker und Gewürze dran, Streusel drüber, in den Ofen und warten, bis er fertig ist. Bis er fertig ist, duftet so ein Crumble dann schon mal die ganze Wohnung voll, was ein total netter Nebeneffekt ist.

Zum Nachtisch gab’s den Crumble dann mit etwas Vanille-Eis – am besten noch schön warm servieren, dann passt das Eis als kalter Kontrast noch besser.

Apfel-Brombeeren-Crumble

Apfel-Brombeeren-Crumble
für 4 Personen

3 Äpfel
1 Bio-Zitrone
100 g Brombeeren
50 + 25 g Rohrzucker
ein paar Nelken (ganz)
1/2 Tl gemahlener Ingwer
100 g Marzipan
100 g kalte Butter
125 g Mehl
40 g Mandeln (mit Haut)
1/2 Tl gemahlener Zimt

1. Ofen auf 200°/Umluft 180°/Gas Stufe 6 vorheizen. Äpfel schälen, kleinschneiden und in eine feuerfeste Auflaufform füllen. Mit dem Saft einer halben Zitrone mischen. Brombeeren vorsichtig dazu mischen und Nelken, Ingwer und 50 g Rohrzucker dazumischen.

2. Für die Streusel Butterflocken mit Mehl zu Krümeln vermischen. Zucker, ganz grob gehackte Mandeln, Zimt und abgeriebene Zitronenschale dazumischen.

3. Marzipan grob raspeln (oder schneiden) und über dem Obst verteilen. Dann die Streusel drüberstreuseln (hihi, see what I did there?).

4. Im Ofen 45 Minuten backen, dabei vorfreudig den Crumble-Duft genießen. Ein paar ungeduldige Minütchen abkühlen lassen und wahlweise mit Eis, Sahne, Vanillesoße oder auch einfach so verputzen.

Notiz: Das Ganze wird durch die Gewürze und den Marzipan tendenziell weihnachtlich, aber noch nicht übertrieben. Kann man sicherlich variieren, muss man aber nicht. Was ich nicht ganz kapiert habe, ist, wie man mit den Nelken umzugehen hat. Soll man die mitessen? Rausnehmen geht ja nachher schlecht. Ich hab sie einfach dringelassen und eventuell sogar die ein oder andere mitgegessen, aber so ganz richtig kam mir das nicht vor. Whatever. Lecker ist es trotzdem. Und Brombeeren gehen eh immer.

Weitere Notiz: Man kann locker Apfelsorten mischen. Ich hatte zwei verschiedene, aber jetzt natürlich schon wieder vergessen, welche. Wollte ich trotzdem anmerken.

Pesto Pesto

Am Samstag hab ich mal wieder richtig gekocht. Also was Neues. Was ich noch nicht gemacht hab. Nach Rezept. Mit richtig vorher einkaufen. Und leckeren Zutaten. Und im Zweifelsfall gesund. Oder zumindest frisch.

Ich hab Pesto gemacht!

Die Inspiration, nicht nur durch die vielen Kochmagazine und -bücher zu blättern, sondern auch wirklich was daraus auszusuchen und zu machen, war Anke Gröner’s Buch „Nudeldicke Deern“, was es jetzt endlich auch fürs Kindle gibt und was ich in einem Wochenende durchgelesen hab. Beim Lesen hab ich mich dran erinnert, wie gern ich eigentlich koche und wie viel Spaß mir das immer gemacht hat und dass es eigentlich hauptsächlich Bequemlichkeit ist, die mich in den letzten Monaten daran gehindert hat, mehr zu kochen. Und dann eben die Gewohnheit, wenn man sich einmal an die Bequemlichkeit gewöhnt hat.

Delicious UK Cover

In der Oktober-Ausgabe der Delicious (UK) hab ich dann ein Rezept für Artischocken-Pesto gefunden. Prima, denk ich. Pesto geht immer und ist jetzt nach der längeren Kochentwöhnung nicht zu herausfordernd.

War’s auch nicht. Eben im Gegenteil. Pesto ist so eierpipileicht, dass man sich echt fragen muss, warum man auf die Idee kommt, das fertig zu kaufen. Im Wesentlichen geht Pesto ja so: Alles in einen Becher schmeißen, Mixer an und fertig. Und das tollste ist, dass man fast alles mit allem ersetzen kann, also wenn man zum Beispiel, wie gleich beschrieben, keine Babyspinatblätter mehr kriegt, dann nimmt man eben den Rucola, der noch da ist. Ätsch.

Artischocken-Rucola-Pesto

In diesem Fall geht das Rezept so:

Artischocken-Rucola-Pesto
für 2 – 3 Personen

1/2 Dose eingelegte Artischocken
1 Knoblauchzehe
50 g Rucola
1 gutes Bündel Basilikum
40 g Parmesan
1 Bio-Zitrone
Öl (entweder gutes Olivenöl, oder was von dem Einlegeöl der Artischocken)
Salz und Pfeffer

Wie man das macht: Schale der Zitrone abreiben, etwas Saft ausdrücken. Alles in den Mixbecher und kleinmixen, Öl dazurieseln lassen, bis die Konsistenz passt. Nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen. Fertig.

Das sind auch alles ungefähre Angaben. Im Rezept wird das Öl der eingelegten Artischocken genommen. Die, die ich gekauft hatte, waren dooferweise nicht in Öl eingelegt, also hab ich eben normales Olivenöl genommen. Ich hab weder den Rucola noch den Parmesan genau abgewogen, sondern nach Gefühl zugegeben. Außerdem war ich mir nicht so sicher, was den Bio-Grad der Zitrone anging, also hab ich das mit der Schale sein gelassen und nur etwas von dem Saft genommen.

Eigentlich sollte man laut Rezept Babyspinatblätter nehmen. Das ist bestimmt auch total lecker, aber die gab’s nicht mehr, als ich im Supermarkt war. Rucola schien mir eine geeignete Alternative.

Ach, pff, eigentlich kann man bei Pesto alles nach Gefühl machen. Trotzdem lecker.

Das Ganze bastelt man dann noch mit Fusilli und mit Toast-Croutons mit Knoblauch und Petersilie zusammen und fertig ist das Abendessen. Mit ein bisschen Rucola-Blättern und Parmesan bestreuen und fertig ist das.

Fusilli mit Artischocken-Rucola-Pesto