2012. Eine Blog-Bilanz.

Bevor wir zu den anderen Rückblicken kommen, ziehe ich zunächst mal Bilanz für den Blog. Denn hier geht nicht nur das Jahr zu Ende, mein Blog hat somit auch Geburtstag und wird Anfang Januar ein Jahr alt.

Kaum zu glauben. Vor einem Jahr um diese Zeit standen wir in Edinburgh auf einem Berg und guckten auf die Stadt runter. In diesem Urlaub verstand ich auf einmal, dass man selber ja die größte Verantwortung dafür hat, ob das eigene Leben toll oder eher so ochja ist und dass es eben Unfug ist, darauf zu warten, dass irgendwas Tolles passiert, sondern dass man einfach selber damit anfangen muss, tolle Sachen zu machen.

Öfter “Ja” sagen, zu Dingen, die man gut findet, auch manchmal zu sich selber, wenn es nämlich darum geht, den Hintern vom Sofa hochzukriegen. In den allerallerallermeisten Fällen ärgert man sich nämlich über das, was man nicht gemacht hat und nicht über das, was man gemacht hat.

Öfter “Nein” sagen zu Dingen, die einen belasten, die einen anstrengen oder zu denen man schlicht keine Lust hat.

Im Zweifelsfall immer auf sich selbst hören und nicht auf das, was andere sagen.

Das, was mir da in Edinburgh auf dem Berg so klar wurde, habe ich versucht, dieses Jahr umzusetzen und ich glaube, ich war recht erfolgreich. Natürlich gab es auch kleine Rückschläge, faule Tage, die man dann doch auf dem Sofa verbrachte (was ja nicht prinzipiell schlecht ist) und Pläne, aus denen erstmal nichts geworden ist.

Aber seit der letzten Blog-Bilanz Anfang Juli ist wieder einiges passiert: Im Juli tanzte ich nicht nur auf zwei Hochzeiten, eine davon war südlich vom München am Schliersee, so dass wir auch noch einen kleinen Konstanz-Besuch davorquetschen konnten. Die zweite Hochzeit war zwar nicht so weit weg, dafür waren der Mann und ich als Fotografen und Tortenbäcker engagiert, und ich verbrachte einen Tag in der Küche und pampte mit Zuckerguss rum. Ich habe mir den Phoenix-See in Dortmund angeguckt und meine Füße reingehalten, bin mit dem Fahrrad von Essen nach Bochum und wieder zurück gefahren, habe einen wunderbaren Tag in Köln verbracht, mit Seilbahnfahren und Domkletterei, war einen Nachmittag in Stuttgart und einen in München.

Vorm Frankreichurlaub ging dann kurz noch dieses 609060–Ding los, an dem ich mich auch mit Bildern und Worten beteiligte. Ich habe auf dem Ketteler Hof auf Riesenhüpfkissen gehüpft und eine Führung durch ein Hundertwasserhaus mitgemacht. Völlig unerwartet habe ich eine Lomo-Kamera gewonnen und war damit in Köln unterwegs.

In Frankreich haben wir gut gegessen, viel am Strand gelegen und gesurft. Der Artikel zu meinem grandiosen Surfkurs steht noch aus, das war nämlich auch so ein 2012–Highlight.

Zurück zu Hause habe ich mich dann an das schöne “Der Rest von Hamburg”-Projekt von Max Buddenbohm drangehangen und nicht nur selber über Essen-Holsterhausen geschrieben, sondern auch andere Leute dazu angestiftet, über ihren Stadtteil zu schreiben. Gegen Ende des Jahres war dann noch Potsdam und Berlin angesagt, allerdings für eine Konferenz, so dass für Städtebesichtigungen nur wenig Zeit blieb und dann war’s immer schon dunkel. Die Alexandrowka konnte ich noch im Hellen angucken, die war nämlich gegenüber vom Hotel, aber Kreuzberg habe ich nur im Dunkeln gesehen, es war aber trotzdem schön.

Ich habe Amanda Palmer auf einem Mini-Gig in Köln gesehen und mich augenblicklich verliebt. Das schönste Konzert des Jahres war aber das von Jason Mraz in Düsseldorf.

Und dann war schon Dezember, ich habe irgendeine erschreckend hohe dreistellige Anzahl an Keksen gebacken und in jede Ecke von Deutschland verschickt und dann sind wir nach Weihnachten einfach noch schnell drei Tage in Hamburg gewesen und sind da konfus rumgelaufen, z.B. im Schanzenviertel.

Gestern um Mitternacht standen wir in Byfang auf dem Berg und versuchten, das Feuerwerk anzugucken, was sich bei dem Regen als eher so halbspaßig entpuppte. Letztes Jahr in Edinburgh, dieses Jahr in Essen.

Wenn ich mir so angucke, was ich alles gemacht habe, dann bin ich eigentlich ganz zufrieden. Vor allem freue ich mich, dass ich so schön viel rumgekommen sind, im Ruhrgebiet, aber auch in Restdeutschland.

Und dann freut mich natürlich, dass das, was ich hier schreibe, anscheinend auch anderen Leuten Freude macht. Ich freue mich über die vielen Menschen, die ich auch über mein Blog kennengelernt habe, online und offline und ich freue mich darauf, die Leute, die ich bisher nur online kenne, vielleicht schon im neuen Jahr mal so richtig in echt zu treffen. Vor sechs Monaten habe ich an dieser Stelle mal ein paar Zahlen veröffentlicht und das werde ich wieder tun, diesmal für den gesamten Zeitraum von Januar bis Dezember 2012.

Blog2012

  • Artikel: 316
  • Kommentare (inklusive Trackbacks und meiner eigenen Kommentare): 1.122
  • Page Views: 102.032
  • Abonnenten (laut Google Reader): 105

Für mich sind das sehr erfreuliche Zahlen. Natürlich weiß ich, dass sich Blogfreude nicht quantifizieren lässt, trotzdem wäre es Unfug, zu behaupten, ich würde mich nicht auch über den stetigen Anstieg an Seitenaufrufen freuen. Tatsächlich wurde dieser Anstieg aber (zumindest gefühlt) auch mit einer gesteigerten Aktivität im und um den Blog herum begleitet.

Ein weiterer Grund, diese Zahlen hier zu veröffentlichen, ist übrigens dieser Artikel vom Nuf zum Thema Relevanz. Nein, ich halte mich nicht für relevant, aber ich halte aus vielerlei Gründen das Thema “Transparenz” für sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, das Thema Blogstatistik ist so ein Tabuthema, genauso wie man nicht über sein Gehalt spricht, spricht man nicht darüber, wie viele Leute sich so täglich auf dem eigenen Blog rumtreiben. Wahrscheinlich hat das viele Gründe, manche interessiert es einfach nicht, manche denken, dann würden sie ja von den anderen ausgelacht und trauen sich nicht, andere wollen einfach nicht, dass andere Leute ihre Zahlen kennen.

Ich interessiere mich schon dafür, einfach um einen realistischen Blick auf das zu bekommen, was da so geht oder eben nicht. Ein Blog ist für mich nicht wertvoller, wenn mehr Leute ihn lesen, tatsächlich lese ich die meisten der angeblich “wichtigsten” (weil meistbesuchten) Blogs gar nicht, weil sie mich schlicht nicht interessieren.

Vor allem aber finde ich, dass man das Thema Leserzahlen aus dieser “Darüber spricht man nicht”-Ecke rausholen sollte und das geht meiner Ansicht nach immer am besten mit Transparenz. Man kann sich eben auch durchaus über hübsche Statistikwerte freuen, ohne dass man sich etwas darauf einbildet oder glaubt, nur viel gelesene Blogs wären gute Blogs. Das ist selbstverständlich Blödsinn.

Ach, wie immer, ist das ein großes Fass. Vielleicht mache ich es im neuen Jahr einmal etwas weiter auf, es ist nämlich auch ein interessantes Fass. Aber ich muss ja auch noch über den Surfkurs schreiben und hätte noch zwei Filmkritiken und der Rest vom Hamburgausflug fehlt auch noch und… ach ja. Das Schönste ist doch, wenn man in einem Jahr so viel erlebt, dass man gar nicht dazu kommt, über alles zu schreiben.

Auf ein tolles neues Jahr 2013 mit vielen Abenteuern, Ausflügen, Bahnhofsbesuchen, Webzeugs und Keksen! Erlebt tolle Sachen mit tollen Leuten an tollen Orten! Das hab ich jedenfalls vor.

One comment

  1. Pingback: 2012 in der Statistik | Leben im 21. Jahrhundert

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