Nicht so gute Bücher 2015

Die schönsten Bücher des Jahres 2015 habe ich ja schon hier und hier vorgestellt. Allerdings habe ich leider auch Bücher gelesen, mit denen ich gar nicht glücklich war. Da ich erstens einfach zufriedenzustellen bin und zweitens ja schon ganz gut weiß, was mir gefallen könnte und was nicht, lese ich selten Bücher, die ich doof finde. Ich gehöre allerdings auch zu der Sorte Mensch, die Bücher zu Ende lesen, auch wenn sie sie schlecht finden. Außer, wenn es Bücher von Pynchon sind, da versage sogar ich.

Drei schlechte Bücher waren es dieses Jahr, davon eines von einem Lieblingsautoren (bitte hier ein kurzes, aber schweres Seufzen imaginieren) und eines, dass ungefähr alle anderen super fanden. Die Bücher fand ich aus unterschiedlichen Gründen schlecht, aber dazu kommen wir gleich.

 

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte von Salman Rushdie

Ich habe schon hier darüber geschrieben und es hat sich leider auch in der Retrospektive nichts geändert. Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte hat eine tolle Prämisse, die wie gemacht für mich schien, Salman Rushdie kann auch schreiben, aber an jeder Stelle hatte ich das Gefühl, dass es irgendwie zu viel ist, zu aufgesetzt, zu prätentiös und gleichzeitig auf eine sehr unangenehme und unpassende Weise machohaft.

Worum es überhaupt ging, habe ich schon fast wieder vergessen. Eine Geschichte von Flaschengeistern, Djinnis und Ifrits (Ifriten? Was ist die Mehrzahl von Ifrit?), einer Welt im Chaos, fliegenden Menschen und viel Sex und Gewalt. Das ist alles pompös und sprachgewaltig und letztlich in seiner ganzen Pompösität und Sprachgewaltigkeit so irre belanglos, dass man sich am Ende fragt, was der ganze Zauber nun eigentlich sollte.

Ich gehe mal davon aus, dass es nicht das beste Buch von Salman Rushdie ist und werde vielleicht beizeiten mal etwas anderes von ihm lesen.

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Der Circle von Dave Eggers

Dave Eggers, oh, Dave Eggers, wie liebe ich Dave Eggers. You Shall Know Our Velocity hat genauso einen besonderen Platz in meinem Bücherherz wie seine Romanversion von Where the Wild Things Are. Aber irgendwas reitet ihn in den letzten Jahren und er schreibt immer seltsamere Bücher. Bücher mit Prämissen, mit irgendwelche aktuellen Bezügen, mit gesellschaftskritischen Ansätzen oder was-weiß-ich. Während A Hologram for the King da noch irgendwie ganz amüsant war, ist Der Circle wirklich eine zweifach unangenehme Lektüre.

Zunächst (und das ist das Positive), weil die Geschichte um eine junge Uniabsolventin, die sich in die quasi sektenhaften Fänge eines großen Softwarekonzerns begibt, einen tatsächlich zum Nachdenken bringt. Wie transparent wollen wir wirklich sein? Was macht es mit unserem Leben, wenn wir alles ständig mit allen teilen und gleichzeitig das Gefühl haben, dauernd alles zu verpassen? Die Fragen, die Dave Eggers aufwirft, sind nicht falsch, auch wenn sie meines Erachtens eher in dem populäreren Problemen der neuen Social-Media-Welt rumwühlen und es deutlich spannendere, aber vielleicht weniger plakative Themen gibt, über die man auch mal reden könnte. Viel schlimmer und unangenehmer ist aber die zeigefingerartige, eindimensionale und wirkliche simple Weise, mit der uns Dave Eggers diese Geschichte präsentiert.

Wenn mich eines an Büchern wirklich ärgert, ist es, wenn ich das Gefühl habe, der Autor würde den Leser für dumm halten. Alles ist so eindeutig präsentiert, dass man sich an keiner Stelle fragen muss, was der Autor einem sagen wollte. Es gibt nur Schwarz und Weiß, Graustufen sind nicht vorgesehen. Dazu kommt die wirklich schwache Charakterzeichnung aller Figuren, insbesondere der Protagonistin, der offensichtlich naivsten Uniabsolventin der Vereinigten Staaten aller Zeiten. Herrjegottnochmal, man möchte sie alle paar Seiten ein bisschen schütteln, kann aber nicht und es gibt auch niemand anders im Buch, der es für einen erledigt.

Darauf noch eine der wirklich albernsten Transparenzmetapherszenen, die man sich ausdenken kann, bei der (Achtung Spoiler!) ein unsichtbarer Tiefseehai alle anderen unsichtbaren Tiefseefische auffrisst. Herrjeaberwirklichmal! Neben der ganz okayen Prämisse muss man Dave Eggers zumindest zugute halten, dass sich Der Circle zackig liest und man zumindest nicht lange für dieses zudem viel zu seitenstarke Buch braucht. Hoffen wir, dass er demnächst wieder zur Besinnung kommt.

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(Wenn man lieber etwas wirklich Schönes von Dave Eggers lesen will, so greife man bitte zu Ihr werdet noch merken, wie schnell wir sind [Amazon-Werbelink] oder Bei den wilden Kerlen [Amazon-Werbelink]. Beide Bücher bekommen meine uneingeschränkte Leseempfehlung.)

 

Der Marsianer von Andy Weir

Und nun zu dem Buch, das alle Nase lang irgendwer irgendwem empfiehlt, und dem ich nun wirklich so herzlich wenig abgewinnen konnte, dass es leider auch zu den (meinen) schlechtesten Büchern 2015 zählt. Ich habe es in der deutschen Übersetzung als Hörbuch gehört und kann nun nicht ganz sagen, ob es am Hörbuch, an der Übersetzung oder vielleicht doch einfach am Original lag, es hat mich aber in meinem Verdacht beschlichen, dass man sehr gut merkt, wenn Bücher self-published sind.

Was man dem Buch lassen muss: Auch hier ist die Prämisse super und alles das, was einen wesentlichen Teil der Prämisse ausmacht, ist auch gut umgesetzt. Mark Watney strandet auf dem Mars, nachdem er bei einem Sturm von seiner Truppe losgerissen wurde und es nicht mit ins Shuttle zum Raumschiff schaffte. Jetzt gilt es, die Zeit zu überbrücken, bis eine Chance besteht, wieder abgeholt zu werden und unter deutlich widrigen Umstände als einizige Mensch auf dem Mars zu überleben. Das ganze ist gespickt mit wissenschaftlichem Dings und nach allem, was man hört, an dieser Stelle auch durchaus gut gemacht.

Aber herrje, das letzte Mal habe ich so dermaßen stereotype Figuren bei Dan Brown und Andreas Eschbach gelesen, was genau der Grund dafür ist, dass ich keine Bücher von Dan Brown und Andreas Eschbach mehr lese. Man wünscht sich ein Lektorat, dass mal darauf hingewiesen hätte, dass die Story zwar echt gut ist, die Charakter aber vielleicht doch mal ein bisschen weniger klischee- und schablonenhaft und vor allem nicht so furchtbar eindimensional gestaltet werden könnten. Der Protagonist kommt dabei noch am besten weg, ist aber gefühlsmäßig anscheinend auch behindert, denn außer ein paar Witzen fällt ihm zu seiner widrigen Situation auch nicht viel ein. Wo jeder realistische Charakter doch vielleicht das ein oder andere Mal kurz zusammengebrochen und verzweifelt ein paar Marssteine durch die Gegend gekickt hätte, baut Mark Watney Kartoffeln an. Das ist zwar sinnvoller, führte aber bei mir dazu, dass ich für keine der Figuren besonders großes Interesse aufbringen konnte.

An dieser Stelle wird eben auch klar: Ein gutes Buch ist mehr als eine gute Story. Wem eine gute Story reicht, der wird aber vermutlich auch mit Der Marsianer ausreichend glücklich. Es sei ihm gegönnt. (Und Andy Weir im Übrigen auch, in Interviews kommt er sehr sympathisch rüber.)

The Martian von Andy Weir [Amazon-Werbelink]

5 Antworten auf „Nicht so gute Bücher 2015“

  1. Die Mehrzahl von Ifrit dürfte Ifritim sein. Glaub ich zumindest.

    Vom Marsianer hörte ich bislang auch nur Gutes, insofern mal interessant, eine andere Meinung zu lesen. Ich selbst habs noch nicht gelesen.

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