Canneto, 1997

Sarah und ich haben uns beschwert. Wir wollen nicht immer nur nach Frankreich, sondern auch mal woanders hin. Deswegen fahren wir dieses Jahr nach Italien, in die Toskana nach Canneto. Wir fahren über die Schweiz, das ist zumindest mal sehr schön, aber es ist auch weit, sehr weit.

Das Haus ist ein altes Haus am Rande vom Dorf. Abends hören wir Gewehrschüsse aus dem Wald und an den Wänden laufen Hundertfüßler und Käfer, das ist ein bisschen eklig.

Die Landschaft ist schön, aber auch ein bisschen enttäuschend. Der Bach ist ausgetrocknet, zum Baden muss man bis ans Meer fahren und das Meer ist hier in Italien voll, manchmal gibt es gar keinen richtigen öffentlichen Strand, statt dessen steht alles voll mit Liegestühlen, die man bezahlen muss. Morgens holen wir Ciabatta vom Bäcker, das nach nichts schmeckt. Es ist alles ein bisschen wie Frankreich, nur nicht so schön.

Direkt als wir ankommen gibt es ein Dorffest mit Tanz. Wir freuen uns, weil es letztes Jahr in Frankreich so toll war beim Dorffest. Aber das Fest hier ist ganz anders. Getanzt wird auf einer Bühne und nur irgendwelche Standardtänze. Das finden wir alle doof und bleiben auch nicht so lange.

Außerdem ist es sehr heiß, ich jammere und lege mich in den Schatten und decke mich mit einem Handtuch zu und dann schlafe ich meistens einfach ein.

Dafür machen wir Ausflüge: Nach Siena und nach San Gimignano. Siena ist am schönsten, vor allem der gestreifte Dom und der runde Platz in der Stadtmitte. San Gimignano ist aber auch schön mit seinen hohen Türmen.

Abends gehen wir oft eine Runde durchs Dorf spazieren. Die Leute gucken uns nach, grüßen aber nicht. Jeden Tag kaufen wir uns dann ein Eis, ich nehme immer Magnum mit weißer Schokolade, außer in Siena, da holen wir richtiges Eis im Hörnchen.

Ich habe meinen tragbaren CD-Spieler dabei und höre im Auto immer meine CDs. Ich habe gerade angefangen, mich richtig für Musik zu interessieren. Eventuell ist das ein bisschen antisozial, aber ich bin 16 und gerade im besten Teenageralter. Außerdem habe ich selbstaufgenommene Kassetten dabei, alle von den Elch-Charts von SWR3. Das höre ich gerade immer und alle paar Wochen nehme ich eine neue Kassette aus dem Radio auf.

Am Tag der Abfahrt kommt das italienische Vermieterpaar zur Wohnungsübergabe. Sie sind sehr italienisch und ganz begeistert von Lukas, weil er so hell ist und rötliche Haare hat. Das ist in Italien wohl was besonderes, jedenfalls müssen sie ihm immer über den Kopf wuscheln.

Auf dem Rückweg halten wir irgendwo in der Schweiz, um zu übernachten. Eigentlich könnten wir alle im Auto schlafen, aber die Nacht ist klar und nicht zu kalt, also legen wir uns auf die Wiese und gucken den Sternenhimmel an. Der Sternenhimmel irgendwo in den Bergen in der Schweiz ist fast das beste am ganzen Urlaub. Nächstes Jahr fahren wir wieder nach Frankreich.

Eine Antwort auf „Canneto, 1997“

  1. Witzig, in Canneto waren wir 1991 und 2016 :) In einem der mittelalterlichen Häuser mitten drin. Inzwischen gibts da ein tolles Restaurant und eine gemütliche Pizzeria. :)

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