Der Urlaub, der irgendwie keiner war

Man denkt ja, in so Selbstisolationszeiten wäre das mit dem Urlaub noch mal ereignisloser. Jetzt ist es aber so, dass man ja sehr viel Zeit hat und auf einmal sehr viele Ideen, was man machen könnte. Folgendes ist in diesem Urlaub passiert:

  • Drei längere Radfahrten. Noch nicht das, was man als „Tour“ bezeichnen könnte, aber immerhin schon mal Austesten der Reichweiten und des Radeinsatzes im Alltag. An dem Tag, an dem wir eigentlich vielleicht tatsächlich eine Radtour hätten machen wollen, wurde es unerwartet kühl, so dass wir in Steele abbrachen und zurückfuhren. Dabei gelernt, dass die Fahrradtrasse zwischen Gruga und Steele an schönen Sonntagen mehr so Spießrutenlauf mit Slalom ist. In Douglas Adams „Die Letzten ihrer Art“ beschreibt er eine Verkehrssituation entweder in Madagaskar oder China oder ganz woanders, bei der ein Auto ein anderes überholt, das wiederum ein Auto überholt, während das gleiche Manöver auch im Gegenverkehr passiert. Ungefähr so muss man sich Wochenendverkehr auf Essener Fahrradtrassen vorstellen. Entspanntes Fahrradfahren ist anders.
  • Vier Restaurantbesuche. Man tastet sich vorsichtig ran, aber es geht. Zutritt nur mit Maske, Tische werden in großem Abstand besetzt, überall muss man seine Daten hinterlassen, was teilweise per Papierzettel, teilweise per App geschieht. Drei von den vier Restaurantbesuchen geschahen auf den ausdrücklichen Wunsch meines Mannes, es möge jetzt bitte Poutine gegessen werden. Wir können hier die Traumkuh in Essen-Rüttenscheid empfehlen, die Burger sind angenehm portioniert, so dass man sie tatsächlich noch mit der Hand essen kann und die Pommes werden mit Dillsalz gewürzt.
  • Einmal Familienbesuch in Köln, der erste seit über zwei Monaten, damit auch das erste Mal Bahnfahren seit über zwei Monaten. Es ist alles gleichzeitig sehr seltsam und ganz normal, man weiß gar nicht, wie man das mental verarbeiten soll.
  • Einmal Küchenplanung, das kam so: Eigentlich brauchen wir einen neuen Backofen, weil der alte mittlerweile zehn Jahre und schon ziemlich runtergerockt ist. In so einem Küchenladen überlegt man dann, ob man nicht vielleicht doch noch irgendwas ändern könnte und na ja, unsere Küche ist leider so gebaut, dass man quasi nichts ändern kann, ohne das Konzept komplett neu zu überdenken, weil man an jeder Stelle zumindest mal die Arbeitsplatte erweitern müsste, aber vermutlich gibt es das Dekor nicht mehr, man müsste also die Arbeitsplatte komplett austauschen und dann natürlich am besten überall, damit es nicht komisch aussieht und am Ende kann man auch einfach eine neue Küche planen. Küchenplanung dauert übrigens ungefähr drei Stunden und danach kann man nicht mehr geradeaus denken.
  • In dem Zusammenhang schnell noch ein neues Sofa gekauft oder vielmehr bestellt, weil wir endlich eins gefunden habe, das erstens von der Größe passt und das ich auch gar nicht furchtbar hässlich fand, sondern sogar richtig schön. Ich und Sofas, das ist eine komplizierte Geschichte. In dem Zusammenhang noch schnell einen neuen Couchtisch bestellt.
  • Auf der Suche nach Balkonmöbeln spontan nach Venlo gefahren, weil der Gartenmöbelladen in Venlo zeitlich ungefähr so weit weg ist wie der in Recklinghausen, aber den entscheidenden Vorteil hat, direkt neben Albert Heijn zu liegen. Das interessiert hier vielleicht den ein oder anderen: Aktuell keine Grenzkontrollen, in den Niederlanden auch keine Maskenpflicht, dafür viel Abstandhalten und Desinfektionsmittel überall. Keine Gartenmöbel gefunden, aber dann später angemessen bei Albert Heijn eskaliert.
  • Am Samstag spontan Kunstrasen gekauft, einen der Balkone abgedeckt, geputzt und Rollrasen verlegt. In dem Zusammenhang dann noch spontan nach Neuss gefahren, um eine Balkonbank zu kaufen, dabei direkt in eine Vollsperrung gefahren, was ich dazu nutzte den Bulli mal ein bisschen aufzuräumen, denn es lag noch sehr viel Kram aus dem letzten Urlaub herum. Die Bank haben wir dann am Sonntag aufgebaut, jetzt braucht es noch einen Tisch und dann kann man auch auf dem Nordbalkon frühstücken.
  • Beim Notar gewesen, aufgeräumt, endlich wieder gelesen, Gesangsunterricht gehabt, ein kleines Regal aufgehängt und bestimmt noch andere Dinge getan.

Ich brauche jetzt also eigentlich Urlaub vom Urlaub, denn es war wirklich sehr anstrengend, und es hört ja noch gar nicht auf, weil das Küchenthema natürlich noch nicht durch ist, wir den ganzen Balkonmüll wegbringen müssen, der Südbalkon jetzt auch noch mit Kunstrasen belegt werden soll und ja auch die Balkonmöbelsituation noch nicht abschließend geklärt ist. Auf der anderen Seite: Da die Chancen auf Sommerurlaub mit richtig Wegfahren zunehmend sinken, kann man es sich jetzt wenigstens zu Hause schön machen.

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