Aktion: Eine Tasse für Anne

Leute, Leute, ich hab’s gemacht. Mein weder passiver noch aggressiver, sondern freundlicher und problemlösungsorientierter Brief an die Bürokollegen, die immer und immer und immer wieder meine Tasse klauen.

Nun ist es leider so, dass bei uns die absurde Regel gilt, dass Tassen, die im Büroschrank stehen, zur freien Verfügung stehen. Man kann das nur umgehen, indem man die Tasse dauerhaft bewacht, aber das funktioniert nicht so gut, wenn man diese auch mal in die Spülmaschine stellen will und dann am nächsten Tag zum Beispiel erst um 10 Uhr auf die Idee kommt, einen Kaffee zu trinken.

Insofern kann nur noch die Aktion “Eine Tasse für Anne” helfen, und so hilf mir Gott, ich bin kurz davor, eine Domain zu beantragen und das alles mit ausführlichem Bildmaterial und Hintergrundinformationen aufgepeppt noch im Internet zu veröffentlichen.

Aber nun zu dem, von dem ich noch nicht sicher weiß, ob ich’s wirklich an die Büroschranktür kleben will oder ob das vielleicht falsch aufgefasst werden könnte. Es hat auf jeden Fall unglaublich viel Spaß gemacht, das zu schreiben, allein dafür hat sich das schon gelohnt.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich wende mich heute in einer ernsten Angelegenheit an Sie.

Zur Erklärung möchte ich vorab den folgenden Sachverhalt anhand von Bildbeispielen deutlich machen:

Bild A) Hässliche Tasse, passt nicht viel rein, traurig und unbeliebt.

Bild B) Wunderschöne Tasse mit großartigem Motiv, passt schön viel rein, edel und massiv verarbeitet, macht glücklich und ist sehr beliebt.

Ich habe schon mehrfach versucht, die auf Bild B abgebildete, zu meinem Privateigentum gehörende Tasse dauerhaft in meinem Besitz zu halten und habe auch schon zu so drastischen Mitteln wie Schreibtischdauerarrest gegriffen.

Das birgt jedoch andere Problematiken in sich, und ich bin nach intensivem Nachdenken zu dem Schluss gekommen, dass ich diese Tasse auch gerne gelegentlich mit Hilfe moderner Technik reinigen möchte, um so u.a. der Entstehung neuer Lebensformen auf Basis von Kaffeeresten Einhalt zu gebieten.

Dementsprechend stelle ich diese Tasse gelegentlich abends in die Spülmaschine. Am nächsten Tag ist sie dann leider oft verschwunden; tage–, wochen–, manchmal monatelang wird sie auf fremden Tischen gefangen gehalten.

Die Konsequenzen sind akutes Heimweh, Traurigkeit, Depressionen und nicht zu ertragener Weltzweifel. Kurz gesagt: Es ist kaum auszuhalten. Ich brauche wohl nicht anzumerken, dass der Erfolg der Abteilung und des Unternehmens nicht zuletzt auch davon abhängt, ob diese Tasse auf meinem Schreibtisch steht oder auf einem anderen.

Ich verstehe ja durchaus, warum sich diese Tasse so äußerster Beliebtheit erfreut, aber entgegen allen Gerüchten ist diese kein von nordwalisischen Künstlerhänden getöpfertes, handbemaltes Unikat, sondern tatsächlich frei im Handel erhältlich (sehen Sie dazu bitte den Infokasten “Ich will auch so ‘ne Tasse!”).

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“Ich will auch so ‘ne Tasse!”

Diese Tasse ist käuflich für einen erstaunlich geringen Betrag in so ziemlich jeder Starbucks-Filiale in Köln zu erwerben, mit anderem –  ähnlich hübschem –  Motiv (aber gleicher Größe und Ausführung) auch in jeder anderen Starbucks-Filiale der Welt.

Ich bin gerne bereit, Ihnen eine Tasse mit Motiv “Köln” oder “Ruhrgebiet” (auf Anfrage auch “Düsseldorf”) mitzubringen (Bezahlung bei Übergabe, wahlweise Vorkasse). Gerne informiere ich Sie auch über meine aktuellen Reisepläne, sollten Sie ein Interesse an exotischeren Motiven haben.

Bei weiteren Fragen oder zur Vereinbarung von Details wenden Sie sich einfach vertrauensvoll an mich.

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Ich bitte Sie also in Zukunft auch an das Seelenheil Ihrer Kollegin zu denken, und auf jegliche Art von Tassenentführungen zu verzichten.

Ich freue mich auf eine langjährige Zusammenarbeit und vertraue auf Ihre tatkräftige Unterstützung bei unserer Aktion “Eine Tasse für Anne”.

Anne Schüßler

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