Bochum!

Als wir letztes Jahr zur Gourmetmeile das erste Mal in Bochum waren, schrieb ich nachher sowas wie “Bochum sieht so aus, als hätte man in den Sechziger Jahren irgendwann gesagt: ‘Komm, lass gut sein, passt schon’, und seitdem auch wirklich nichts mehr geändert.”

Als wir jetzt zum ersten Mal bewusst und ohne kulinarische Ablenkung an einem ganz normalen Freitag durch Bochum laufen, fallen so Wörter wie “total inhomogen”, “nix passt zum andern” und “komische Stadt”.

Bochum ist tatsächlich irgendwie komisch, in seinem seltsamen Architekturwirrwarr schwer fassbar. Da stehen fiese hässliche Sechzigerjahrebauten neben noch fieseren neben eigentlich ganz hübschen für mich als Architekturlaien schwer datierbaren großen Gebäuden neben Altbau neben Kirchen neben Neubau.

Das Lieblingsziel des Bochumer Vandalen scheinen die komischen Glasdinger in der Innenstadt zu sein und die Lichtanzeige der U-Bahnen. Die sind nämlich beide verlässlich überall kaputt.

Dafür ist Bochum Sushi-Hochburg im Ruhrgebiet, das hatte ich schon vorher geahnt, und wird jetzt bestätigt. Während man in Essen nämlich recht verzweifelt nach Sushi-Optionen suchen kann, läuft man in Bochum regelmäßig an einem Sushiladen vorbei. (Viel interessanter in diesem Zusammenhang ist im Übrigen die Erkenntnis, dass Witten die Ruhrgebietshochburg in Sachen amerikanische Diner ist. Ernsthaft. Witten. WTF?)

Die Erkenntnisse des Tages sind also: Bochum ist nicht unbedingt intuitiv. Man muss schon ein bisschen Willen und Zeit mitbringen, um sich die Stadt zu erarbeiten. Dafür gibt es viel Sushi, einen kleinen Leonidas-Pralinen-Tempel, einen überraschend großend Musikladen, einen sympathischen Weinladen und einen fast ebenso sympathischen Hauptbahnhof.

Außerdem hat Bochum das vermutlich größte und wichtigste Rathaus der Welt. Anders kann ich mir die Anzahl der U-Bahn-Stationen, die sich rund um dieses kulturell wertvolle Bauwerk befinden, nicht erklären. “Rathaus Nord” gibt es, und “Rathaus West” und überall Schilder, die zum Rathaus zeigen. Dass es “Rathaus Nord-Nord-West” nicht gibt, verdanken wir vermutlich nur einem tapferen Stadtplanungsbeamten, der im richtigen Moment ein “Na ja, jetzt wird’s aber doch ein bisschen albern” einwarf. So stelle ich mir das jedenfalls vor.

Häuschen

Rad

Haarstudio

Gebäude

Mehr Gebäude

Mix

Der wilde Bochumer Architekturstilmix in Vollendung.

Verwaschen

Lampe

Kaputt

Vandalismuslieblingsopfer Nummer 1

Ampeldings

Blumen

Die Haltestelle “Bochum Rathaus” gibt’s auch, die ist aber nicht direkt am Rathaus, eher konzeptionell.

Auch kaputt

Vandalismuslieblingsopfer Nummer 2

Trilogie

Eine Trilogie fieser Sechzigerjahrearchitektur

DSC_0388

Blümchen

Rund

Yeah

Trilogie II

Eine weitere Trilogie fieser Sechzigerjahrearchitektur. Bochum lässt sich da nicht lumpen.

Rathaus

Kiosk

Bier ab 60 Cent! Was will man mehr?

Ring

Haus

Sonntag

Beweis: Der Bochumer ist ehrlich und direkt. Sonntag gibt es hier nichts.

18 comments

  1. Aquii

    Das mit dem “zersplitertem”Glas ist glaube ich so gewollt. Es sieht auf jeden Fall schon immer so aus.

    Auch ich werde mit Bochum nicht wirklich warm, aber ich habe demnächst auch noch mal einen Besuch geplant und vielleicht ändert sich das dann….

    • Anne

      Nach dem Einstiegsbesuch muss ich mir beim nächsten Mal konkretere Ziele suchen. Ich lauf beim ersten Mal immer ganz gerne orientierungs- und strukturlos durch eine Stadt, um so eine unbeeinflusste Grundidee der Stadt zu bekommen. Danach find ich’s auch schön, wenn man sich etwas aussucht und dann zielgerichteter hinfährt bzw. rumläuft.

  2. Fabulatoria

    *g* Als Bochumer empfindet man seine Stadt nicht so, aber ich finde deinen Blickwinkel witzig. Der Haltestellenwirrwar am Rathaus ist aber selbst für Bochumer schwer nachzuvollziehen. Es gibt ihn aber zum Glück auch erst seit ein paar Jahren (wahrscheinlich mehr Jahren, als ich grad denke). Danke für deinen Blick auf meine Stadt.

    Liebe Grüße, Carmen

    • Anne

      Ich glaub, das geht einem mit seiner Heimatstadt immer so. Man sieht die Dinge eben anders als jemand, der fremd ist. Deswegen freu ich mich auch immer auf die Reaktionen der Leute, die in der Stadt wohnen und bin gespannt, wo sich der Laienblick auf die Stadt deckt und wo er vollkommen auseinander geht. Beim Rathaus lag ich wenigstens richtig, hurra!

      • Fabulatoria

        Für mich ist diese Haltestelle der misslungene Versuch Straßenbahnen nachträglich unter die Erde zu legen. Obwohl die Haltestelle an sich sehr hübsch gestaltet ist. Haste dir aber sicher nicht direkt angeguckt oder?
        Und was die Bebauung angeht so ist das so, dass nach dem Krieg alles abgerissen wurde was noch stand und die Bochumer Innenstadt komplett neu geplant wurde. Der frühere Hauptbahnhof ist zum Beispiel auch nicht dort gewesen wo der jetzige steht. Entsprechend findet man nur Nachkriegsbauten oder neuere Sachen, wobei gerade bei den neueren Gebäuden die Stadtbadgalerie erwähnenswert ist, denn die ist auch ein Baufehler. Nett anzuzehen, aber durch seine Form sorgt das Gebäude bei Wind dafür, dass es um das Haus pfeift. Ich möchte da nicht drin arbeiten müssen ;o)

        Liebe Grüße, Carmen

  3. Dee

    Hi Anne, aaaaalsoooo… Wennze aus Wuppertal oder Wanne-Eickel komms, dann is Bochum Xanadu! ;) Die zersplitterten Glaslichtschächte sind tatsächlich KEIN Vandalismus, sondern pure Absicht. Vermutlich, um Vandalismus vorzugreifen.

    In der Innenstadt gibt es auch für mich keine wirklichen Highlights, da ist wohl viel im Krieg zerstört worden, wie in Wuppertals Innenstadt auch, die ähneln sich sehr. Dafür gibt es aber noch das absolute Topviertel in Bochum, das Ehrenfeld, die “Innenstadt der Herzen”. Viele Altbauten, jede Menge alternativer Läden und szenige Gastronomie. Da wärste mal besser langmarschiert, da gibt’s jede Menge schöne Fotomotive, grün bebaumte Alleen und Straßenzüge zum liebhaben. <3

    Ich lade dich hiermit herzlich ein nochmals vorbeizukommen, dann zeige ich dir mal die schönen Ecken. ;)

    Wildes Gewinke von Dee aus Bochum

    • Anne

      Ich hatte mich sogar gefragt, ob das Absicht sein sollte, weil’s ja auch irgendwie schön aussieht, aber dann dachte ich, ach Blödsinn, sowas macht doch keiner mit Absicht, das sieht doch trotzdem aus wie rumvandaliert. Sieht man mal.

      Beim nächsten Mal müssen wir uns dann auch mal einen anderen Stadtteil zum Rumlaufen aussuchen. Innenstädte sind ja oft nicht so hübsch, aber als komplette Bochum-Neulinge haben wir uns eben erstmal das offensichtlich angeguckt. Mal abgesehen davon, dass ich ja ein sehr großes Herz für tendenziell städtebaulich verhunzte Städte habe. Immerhin komm ich aus Köln, da isset vielfach auch nicht schön (eben genau: Krieg und so), aber eben herzlich. Insofern ist das erstmal Feststellung und keine Kritik. Wir haben’s doch von Herrn Goosen gelernt: Ne mittelalterliche Stadt mit hübschen Häuschen und Stadtmauer schön finden, das kann jeder. Aber sowas wie Bochum schön zu finden, das muss man wollen.

      (Die Einladung behalte ich natürlich trotzdem im Hinterkopf.)

  4. sean rose

    echt absurd, das mit dem glaskasten. und ich dachte, soetwas gibt es nur in meiner stadt. dachte auch an vandalismus, handelt sich aber um ein mahnmal. falls jemand einen fotoband über das phänomen beginnen möchte, unten befindet sich die url für das motiv nr. 2 (ein mahnmal an dieser stelle, mannomann. das glaubt man erst, wenn man es mit eigenen augen gesehen hat)

    http://maps.google.de/maps?saddr=49.875013,8.634556&daddr=Darmstadt+Hauptbahnhof,+64293+Darmstadt+(Darmstadt+Hbf)&hl=de&ll=49.874966,8.634574&spn=0.00047,0.000862&sll=49.874966,8.634574&sspn=0.00047,0.000862&geocode=%3BCeWjK-Nd1IDIFXf–AIdhK2DACld-liCkHC9RzE1EMuSbV1I1A&t=h&gl=de&mra=mift&mrsp=0&sz=20&z=20

  5. Thorsten

    Also das mit den Glaskästen ist so gewollt. Das ist halt vor nicht allzulanger Zeit mal modern gewesen in der Stadtarchitektur oder so :)

    Warste garnicht in der Ehrenfeldecke? Da ist doch grad Berlin :)

  6. Dee

    Die Butterbrotbar steht nächste Woche auf meiner Gastrotest-Liste. ;) Hoffe auf leckere Stullen! Und vermutlich sehe ich Bochum schöner als es ist, weil hier neuerdings mein Herz ist (Liebe = rosarote Brille und so) und weil Wuppertal bis auf die Schwebebahn und Pina Bausch keine wirklichen Schmuckstücke zu bieten hat. Ich bin also nicht verwöhnt. Aber hier in BO kann ich nun ENDLICH Rad fahren (was ich mir in W IMMER gewünscht habe) und die Straßen, die ich dabei erlebe, sind häufig sehr grün und kuschelig. Darum finde ich Bochum eben doch wunderschön! Kommse rum, kannse kucken!

  7. Ordnungsamtfinder

    Zu dem was du hier geschrieben hast muss ich dir vollkommen recht geben. Habe ungefähr ein Jahr in Bochum gewohnt und das alles genauso wahrgenommen. allerdings schmeckt das Sushi nicht in allen Restaurantes gut ;)

    • Haydee

      Da landet man irgendwie – ich weiß gar nicht wie – auf deinem Blog, liest sich so durch und dann: Bochum.. hach… ok bin voreingenommen! Gebe es ja zu. Aufgewachsen und wohn immer noch hier :-) Mitten inne Stadt. Bochumer Stadtpflanze sozusagen.
      Lustig, die Stadt mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Du hast dir da einige nette aber auch die bestimmt scheußlichsten Ecken, die auch die Bochumer grausig finden, rausgesucht. Ich sach nur: Hotel Eden… ggrrrr…
      Es wurde ja schon ein paar Mal erwähnt: ja die U-Bahnlüftungsschachtabdeckungsglasgebilde SOLLEN so sein. Ob das nun Kunst ist oder eine Vorbeugungsmaßnahme oder ein Pseudokreativer Einfall.. wer weiß das schon. Zwei Drittel der Bevölkerung dachte zu Anfang: na toll, kaum da schon kaputt… bis man bemerkt hatte, die sehen alle so aus. Is wohl gewollt…

      Ja und das Ehrenfeld (das grad einen auf Berlin Prenzelberg in Mini macht) ist durchaus einen Blick wert. Schön zum am Samstag rumschlendern, Geld für schöne und vielleicht unnütze Dinge ausgeben. Jede Menge Kalorien bei Frl. Coffea in sich reinschaufeln (ich sage nur Himbeer-weiße Schoki Tarte!!) und vom Hbf nur 10 min Weg durchs Bermudadreieck entfernt.
      Apropos.. wenn man Bochum besucht, versackt man doch da Abends eigentlich – jedenfalls stehts so überall :-) Also im Bermudadreieck…

      So.. und wenn ich jetzt nicht arbeiten gehe, dann bekomme ich die rote Karte :-)
      Grüße aus der Nachbarstadt
      Haydee

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