Absurde Radiosender oder warum ich manchmal WDR 4 höre und das ernst meine

Wer mir auf Twitter folgt, der wird es vielleicht schon mitbekommen: Zwischen 22 Uhr und Mitternacht kann es durchaus vorkommen, dass ich WDR 4 höre. WDR 4, den absurdesten Sender des Westdeutschen Rundfunks. Der Schlagersender. Konservativ. Irgendwo in der Zeit steckengeblieben. So jedenfalls sind die Vorurteile. Und eventuell stimmen sie sogar.

Ich kann das aber gar nicht beurteilen, ich höre ja immer nur zwischen 22 Uhr und Mitternacht und da kommt “Am Rande der Nacht – Musik zum Träumen”, die vielleicht beste Musiksendung der gesamten deutschen Radiolandschaft, genauso absurd wie der Sender, aber dafür umso wunderschöner. Da wechselt Schlager mit Chanson, folgt Jazzstandard auf irgendeine Orchesterversion irgendeines Klassikers, kommt Folk nach Tango und hastenichgesehn. Auch wenn man hin und wieder mal das ein oder andere Kitschzeug aushalten muss, hier habe ich die großartigsten Stücke gehört, die sonst nie irgendwo laufen würden.

Zum Beispiel habe ich hier vor einiger Zeit diesen seltsamen minimalisten Sprechgesangschanson entdeckt und am nächsten Tag sofort auf den iPod geladen. Ging gar nicht anders.



Francoise Hardy – Modern Times

Heute folgte “Sabine Sabine Sabine” von Trio auf Astrud Gilberto mit irgendwas. Ist ja eigentlich egal, was Astrud Gilberto singt, es ist immer gut.

Und dann kam das hier: “Papis Wiegenlied” von Heinz Erhardt. Sicher, irgendwann schon mal gehört, vor Jahrenden (eher: Jahrendendenden), aber vor allem direkt wieder verliebt. In das Lied und natürlich den Dichter und Interpreten.

Gäbe es die Musik zum Träumen auf WDR 4 nicht, ich hätte das ein oder andere musikalische Kleinod verpasst, schon allein, weil es oft so weit weg von dem ist, was ich sonst so höre, dass ich gar nicht wüsste, wie ich drüber stolpern sollte. Man kann das wirklich gut hören. Und wenn dann doch was von Tony Marshall läuft, oder das Showorchester ein bisschen zu kitschig reinhaut, geschenkt. Woanders kommt auch schlechte Musik, aber die ist dann noch nicht mal amüsant.

7 comments

  1. Haydee

    Guten Morgen,
    ach ist das süß! Das muss ich mir merken! Ich höre immer digital Radio von unitymedia und dort gibt es einen Sender namens “Coffeelounge” – der sendet so ähnliche Musik. Den mache ich auch oft an, wenn ich z.B. gemütlich auf dem Balkon liege auf dem Balkon…. und jetzt hab ich bestimmt den ganzen Tag Heinz Erhardt im Kopf :-))

  2. u_blues

    könnten Sie beim zweiten Lied mit dem merkwürdigen Sprechgesang noch in den Text Titel und Interpretin dazu schreiben? Das geht aus dem Link leider nicht hervor, ich musste den Text googeln um rauszufinden dass das Françoise Hardy mit dem Titel Modern Style ist – wenns dabei steht, müssen die anderen Leser nicht mehr suchen :-)

    Höre mich übrigens grade bei Françoise Hardy durch, gefällt mir sehr, danke für den Link! (und jetzt versteh ich auch den Untertitel des Blogs).

    • Anne

      Ist erledigt. Das Zitat kommt – wenn man dem Internet trauen darf – ursprünglich aus einem Truffaut-Film. Ich finde es passt aber sehr schön zu einem Blog, der keinen roten Faden hat, sondern aus einzelnen Versatzstücken besteht, die sich mal mehr und mal weniger gut zusammenfügen. Muss eben nicht alles im Leben zusammenpassen. (Jetzt wird das hier noch philosophisch. Das hab ich nicht gewollt!)

      • u_blues

        ich finde diesen Gedankengang sehr schön und hilfreich – seitdem ich mich entschieden habe, Widersprüche im Leben einfach so stehen zu lassen ist vieles einfacher *Philosophie-am-Gewittermorgen* :-)

  3. Peter

    Hallo Frau Schuessler,

    dasselbe kann ich auch von mir behaupten und die Sendung bewerte ich auch mit 10 von 10 Punkten. Dies ist selten im Radio!

    Die Sendung höre ich unregelmäßig seitdem ich sie vor etwa 5 Jahren bei meinem Bruder hörte.

    Toller/Tolles Blog übrigens, mir gefällt die Art und Weise Ihrer Beiträge!

    Gruß aus Köln

    Peter

  4. Peter

    Guten Morgen,

    eigentlich auf Wortbeiträge abonniert, höre ich diese wunderbare Sendung seit Jahren regelmäßig. Leider konnte ich noch nicht recherchieren seit wann die Sendung über den Äther geht, aber manchmal habe ich den Eindruck sie schon als Steppke – unter der Bettdecke – gehört zu haben. Und das ist schon ein Weilchen her. Früher gab es aber auch mehr dieser musikalischen Perlen im Radio zu hören.
    Schon zum Ritual geworden: Playliste aufrufen und bei besonders interessanten Stücken Wikipedia, Youtube und die üblichen Verdächtigen zu befragen.

    >> Ach ja, schöner Blog !!! <<

    Träumerische Grüße aus Bottrop,

    Peter

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