Warum ich nicht mehr zu Hohoffs kann

Gestern waren wir ein bisschen spontan in einem sehr teuren Restaurant in Dortmund-Deusen. Es handelt sich dabei um das Hohoffs 800°, wo man hauptsächlich hinfährt, um Steaks in diversen Variationen zu essen. Das macht dann im Wesentlichen auch den Preis aus, denn man bekommt hier nur gutes Fleisch, und das ist eben nicht ganz günstig.

Nun muss man vielleicht noch wissen, dass Steaks in diesem Haushalt sehr ernst genommen werden. Hier wird nicht eben mal so ein Stück Fleisch in die Pfanne gehauen, die Zubereitung wird zelebriert mit gusseiserner Pfanne und Fleischthermometer und allem Drum und Dran. Ich werde auch immer etwas irritiert angeguckt, wenn ich etwas von „Beilagen“ oder „Salat“ erzähle. Soße gibt es hier nicht.

Wir saßen also im Hohoffs auf der Terrasse, hatten leckeres Steak aus den USA und Irland auf dem Teller, dazu Süßkartoffelpüree und gegrillte Paprika, als sich eine Vierergruppe an den Nebentisch setzte. Zwei Damen, zwei Herren mittleren Alters, es gab die Karten und dann ging das Unglück los.

Schon bei der internen Beratung am Tisch wollte ich korrigierend eingreifen.

„Ich nehme ja immer medium plus, das ist sowas zwischen medium und durch.“ („UM GOTTES WILLEN, nehmen Sie bloß nichts, was durch ist, dafür ist das Fleisch doch viel zu schade!“)

„Ich mag das nicht mit dem Blut.“ („Aber das weiß man doch mittlerweile, dass das kein Blut ist, sondern Fleischsaft!)

„Dann bestellen wir zwei Soßen, ja?“ („Wofür denn Soße? Da brauchen Sie auch kein Fleisch für 30 Euro zu bestellen!“)

Tatsächlich versuchten sie dann „medium plus“ zu bestellen, was der Service aber auch nicht wirklich verstand und zu „medium“ korrigierte.

Als dann eine der Damen beim Blick auf die Dessertkarte etwas von „Expresso“ vorlas, lag ich – zumindest metaphorisch – wimmernd unter dem Tisch und wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Aber da durften wir auch schon die Rechnung bestellen. Ein Glück. Ich weiß nicht, ob ich mich noch weiter zusammenreißen hätte können.

Und deswegen kann ich vielleicht nicht mehr zu Hohoffs. Oder nur dann, wenn am Nebentisch Leute sitzen, die entweder sehr leise reden, oder sich ihr Steak nicht durchbraten und mit drei verschiedenen Soßen servieren lassen.

3 Antworten auf „Warum ich nicht mehr zu Hohoffs kann“

  1. Weia – da wird mir ja schon beim Lesen ganz anders. Aber das Hohoffs – das klingt, als müsste ich da auch mal hin. Und tolles Steak essen, natürlich mit Blut – äh Fleischsaft – und sonst nix.

  2. Ich bin mir wohl bewusst, dass Steaks nicht durchgebraten sein dürfen, konnte das aber trotzdem jahrelang nicht essen, weil der rote Anblick für mich sehr unappetitlich war. Hat sich erst in den vergangenen Jahren geändert, aber selbst jetzt geht nur ein schickes rosa und kein knallrot.
    Im übrigen kann ein guter Koch auch ein fast durchgebratenes Steak zart hinbekommen, wenn er guten Willens ist. Man kanns natürlich auch absichtlich zur Schuhsohle verkommen lassen.
    Hat mich in der ganzen Zeit immer sehr geelendet, wenn man dann gleich als Volldepp behandelt wird. Man sucht sich seinen Geschmack und seine Abneigungen doch nicht am Gabentisch aus, verdammt!
    Ich würde nun nicht Expresso sagen, und ich bin auch kein Saucenfan, aber Kräuterbutter auf einem Steak find‘ ich toll, und dieser ganze Beitrag ist wirklich sehr „wir machen’s richtig und ihr nicht“

  3. Dieser Artikel erinnert mich gerade an mein traumatisches Erlebnis, als unser britischer Freund uns einen Gefallen tun wollte und schöne, saftige, grosse Highland-Steaks besorgte – um sie danach zu Tode zu grillieren. Es war fürchterlich!

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