Übung 1

(Lernfeld: Empathie, täglich durchzuführen, Zeitaufwand 5 bis 10 Minuten)

Wenn Sie gerade unterwegs sind, an einem Bahnhof, in der Bahn, in der Stadt, irgendwo, wo viele unbekannte und möglichst unterschiedliche Menschen unterwegs sind, machen Sie folgende Übung:

Wählen sie zufällig einen Menschen aus, ganz egal wen.

Machen Sie sich klar, dass Sie nichts von diesem anderen Menschen unterscheidet.

Machen Sie sich klar, dass dieser Mensch genauso wie sie gerade etwas denkt.

Vielleicht denkt er: „Verdammt, ich muss die Bahn erwischen, sonst muss ich zehn Minuten auf die nächste warten.“

Vielleicht denkt sie: „Was muss ich denn heute noch fürs Abendessen einkaufen?“

Vielleicht denkt er etwas sehr kompliziertes, vielleicht etwas sehr einfaches.

Vielleicht erinnert sie sich gerade an etwas.

Vielleicht geht es dem anderen unbekannten ganz anderen und doch ganz gleichen Menschen gut, vielleicht geht es ihm schlecht.

Machen Sie sich klar, dass dieser Mensch ein komplettes Leben in sich trägt, genau wie Sie.

Ein komplettes Leben mit einer Familie, mit Freunden, mit Schule, mit einem Job, mit schönen Dingen und schlechten Dingen.

Machen Sie sich klar, dass dieser Mensch genauso wie Sie schon mal ganz furchtbar gelitten hat.

Weil die Oma gestorben ist.

Weil er verlassen wurde.

Weil sie nicht wusste, wo das Geld herkommen sollte.

Machen Sie sich klar, dass dieser Mensch genauso wie Sie schon mal ganz furchtbar glücklich war.

Weil sie sich verliebt hat.

Weil er Vater wurde.

Weil sie einen Job in ihrer Traumstadt gefunden hat.

Machen Sie sich klar, dass dieser Mensch genau wie alle anderen Menschen denkt und liebt und leidet, sich ärgert, Angst hat, sich freut, sich langweilt, sich beeilen muss, einkaufen muss, die Nachrichten guckt (oder liest), schläft und aufsteht, isst und trinkt.

Machen Sie sich klar, dass Sie diesen Mensch nie komplett verstehen werden, genauso wie niemand Sie jemals komplett verstehen wird.

Es ist unerheblich, ob Sie diesen Menschen mögen würden.

Vielleicht haben Sie viel gemeinsam.

Vielleicht könnten Sie sich nicht leiden, würden Sie sich näher kennen.

Aber das ist unerheblich für diese Übung.

Dieser andere Mensch hat seine eigene Geschichte.

Er hat seine eigene Vergangenheit und seine eigene Zukunft.

Er ist ganz anders als Sie.

Und dann ist er wieder ganz genauso wie Sie, nämlich ein Mensch.

Komplett ausgestattet mit Gedanken und Geschichten.

Hier und jetzt.

 

Wiederholen Sie die Übung mit dem nächsten zufälligen Menschen.

7 Antworten auf „Übung 1“

    1. Nein, das ist hier selbstverständlich die Auffangstation für kritische Kommentare ohne weiteren Nährwert. Die müssen ja auch irgendwohin.

  1. Genauso ticke und denke ich. Und bin immer wieder überrascht, dass das für andere nicht selbstverständlich ist. Mensch ist Mensch. Groß oder klein, dick oder dünn, schwarz oder weiß. Unterschiedlich und doch gleich.

    1. Auf den Punkt gebracht!
      Anstelle der Bezeichnung „Nationalität“ einfach „Mensch“ setzen…wieviel menschlicher sich das anfühlt!
      Danke für den „Anstoß!“

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