Gelesen im Dezember 2015

Robert Galbraith: Der Seidenspinner

Der zweite Teil der Cormoran-Strike-Serie. Wieder als Hörbuch gehört und wieder sehr angetan. Robert Galbraith bzw. J.K. Rowling hat ein Händchen für detailreiches Worldbuilding, es passt immer alles wunderbar zusammen, viel Personal, als geübter Seriengucker sieht man die Figuren der (noch nicht existenten) Miniserie quasi vor sich.

In diesem Teil geht es um einen verschwundenen Schriftsteller und sein Manuskript, in dem er auf wenig sympathische Art und Weise sämtliche Freunde, Bekannte und die halbe ihm bekannte Literaturszene auseinander nimmt. Verdächtige gibt es also genug, aber vor allem müsste erst mal eine Leiche gefunden werden.

Das ist solide Krimikost, es gibt nichts zu beanstanden, den dritten Teil werde ich wohl auch lesen (oder hören).

Der Seidenspinner von Robert Galbraith (übersetzt von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz), erschienen 2014 bei Blanvalet, 672 Seiten, 19,99 Euro [Amazon-Werbelink] 

 

Jack Finney: Time and Again

Für den Online-Buchclub gelesen, wobei sich im Nachhinein rausstellte, dass es sich eigentlich weder um Science Fiction noch Fantasy handelte, sondern eher um historische Fiktion, die halt irgendwie einen Zeitreiseaufhänger hatte.

Der Zeichner Simon „Si“ Morley wird von einem seltsamen Mann angesprochen und in ein geheimes Zeitreiseprojekt eingeweiht. Der Zeitreisemechanismus hat hier weniger mit irgendwelchen Maschinen zu tun, es gibt zwar ein bisschen wissenschaftliches Hintergrundgedöns, auf jeden Fall ist die Idee vor allem mal etwas anderes, deswegen werde ich jetzt auch nicht zu viel verraten.

Si reist ins New York von 1882 zurück, um den Ursprung eines Briefes zurückzuverfolgen, der in der Familie seiner Freundin zu großem Unglück führte. In die Geschichte verwoben ist dann natürlich noch eine Liebesgeschichte, außerdem erfreulich viele Zeichnungen und Fotos. Während die Geschichte bis zur Hälfte des Buches etwas behäbig mäandert, nimmt dann alles deutlich Fahrt auf und wird überraschend spannend. Eines der Bücher, bei denen man sich fragt, warum sie nicht schon längst verfilmt wurden, die Geschichte bietet sich wirklich an. Wirklich gern gelesen, wenn Finney eins drauf hat, dann das New York sowohl der Siebziger Jahre als auch das von 1882 so detailreich zu beschreiben, dass man selber mitten drin ist.

Time and Again von Jack Finney, englische Erstausgabe erschienen 1970 bei Simon & Schuster, 400 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Mercedes Lackey: Arrows of the Queen

Recht einfache, aber durchaus gut zu lesende YA-Fantasy aus den Achtzigern. Ebenfalls für den Online-Buchclub gelesen, da weiß man ja nicht immer, was einen erwartet. Während vielfach die wohl etwas holprige Sprache und die etwas antiklimaktische Storyführung bekrittelt wurden, fand ich eigentlich nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Manchmal finde ich es ganz entspannend, wenn in einem Buch nicht an jeder Ecke Action ist. Was die Sprache angeht, so vermute ich, dass mich immer noch die Tatsache, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist, davor bewahrt, allzu nölig zu sein. Es geht um Talia, die aus ihrer patriarchalen Familie ausbricht und von einem Pferd (ja ja) aufgegabelt und zur Königin gebracht wird. Wie sich rausstellt, wurde sie von diesem Pferd, dass eben kein gewöhnliches Pferd ist, sondern ein „Companion“, die mit ihren menschlichen Partnern die Botschafter des Landes sind. Dann gibt es ein bisschen Hogwarts, weil Talia eben erst mal alles mögliche lernen muss und ja ja, Zauberpferde, Magie, Schulen, das ist alles sehr Mädchenfantasy, aber so schön unaufgeregt geschrieben und mit einigen überraschenden feministischen Ideen, das man auch damit viel Spaß haben kann. Außerdem liest es sich sehr fix.

Arrows of the Queen von Mercedes Lackey, englische Erstausgabe erschienen 1987 bei DAW Books [Amazon-Werbelink]

 

Herman Melville: Bartleby the Scrivener

Meike Winnemuth erwähnte die Figur Bartleby in ihrem Buch „Um es kurz zu machen“ (Rezension hier) und ich fand die Idee der höflichen Ablehnung „Nein, ich möchte lieber nicht“ sofort sehr entzückend. Die Geschichte des Schreibers Bartleby, der sich zunehmend der Gesellschaft und letztlich auch sich selbst entzieht, ist allerdings eher bedrückend. Auf jeden Fall aber ein Klassiker, den zu lesen sich definitiv lohnt. Das englische Original gibt es fürs Kindle für umsonst.

Bartleby the Scrivener von Herman Melville, englisch Erstausgabe erschienen 1853 [Amazon-Werbelink]

 

Jens Andersen: Astrid Lindgren. Ihr Leben

Die neueste Biographie über Astrid Lindgren. Ich musste erstaunt feststellen, dass ich eigentlich sehr wenig über die schwedische Kinderbuchautorin wusste. Nach der Lektüre würde ich gerne noch mehr erfahren, das ist alles sehr inspirierend und spannend. Ich habe das nicht ohne Grund vor Weihnachten noch schnell überall als wunderbares Geschenk angepriesen. Beim nächsten Elternbesuch müsste ich im Keller mal nach meinen alten Büchern suchen, denn die Figuren und Geschichten von Astrid Lindgren haben mich viele Jahre begleitet.

Eine ausführliche Rezension folgt noch.

Astrid Lindgren von Jens Andersen (übersetzt von Ulrich Sonnenberg), erschienen 2015 im Knaus Verlag, 448 Seiten, 26,99 Euro [Amazon-Werbelink]

 

Kathrin Passig und Johannes Jander: Weniger schlecht programmieren

Das Buch ist natürlich schon aus drei Gründen super: Erstens, weil Kathrin Passig es geschrieben hat, zweitens, weil der Titel super ist und drittens, weil ich drin vorkomme.

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Laut Kathrin Passig war ich zwar nicht Zielgruppe für das Buch, denn es geht im Wesentlichen darum, schlechten Programmierern dabei zu helfen, weniger schlecht zu programmieren, ich habe es trotzdem sehr gerne gelesen und obwohl mir vieles bekannt war, auch das ein oder andere neue gelernt. Außerdem finde ich es durchaus auch legitim, mal etwas lesen und dabei zustimmend mit dem Kopf zu nicken.

Im Prinzip hat auch Monika Scheele-Knight schon alles gesagt, was man über dieses Buch wissen muss. Offensichtlich lassen sich viele Tipps zum besseren Programmieren auch ohne Probleme auf völlig andere Lebensbereiche anwenden.

Weniger schlecht programmieren von Kathrin Passig und Johannes Jander, erschienen 2013 bei O’Reilly, 456 Seiten, 24,90 Euro [Amazon-Werbelink]

 

Fyodor Dostoyevsky: Notes from the Underground

Irgendwo von dem Buch gehört und spontan in den Titel verliebt. Das Buch selber ist zwar ein Klassiker und deshalb quasi automatisch gut, ich war aber nur so mittel beeindruckt. Dazu muss man aber auch sagen, dass ich das Buch in einer Phase gelesen habe, als es um meine Aufmerksamkeit nicht so super stand. Das hat es vermutlich auch nicht verdient. Der erste Teil ist ein Stream of Consciousness des Erzählers über das Wesen der Menschen und überhaupt. Im zweiten Teil erfährt man dann etwas mehr über die Geschichte des Erzählers, einem recht frustrierten und mäßig sympathischen Jungspund, der permanent zwischen Neid und Anbiederei schwankt, und seinen Beweggründen, in den Untergrund abzutauchen. Da wurde es dann auch etwas interessanter. Wahrscheinlich gibt es mehr in diesem Buch zu entdecken, als es mein Gemütszustand beim Lesen zuließ. Hauptsächlich deswegen auf Englisch gelesen, weil es auch dieses Buch für umsonst fürs Kindle gab.

Notes from the Underground von Fyodor Dostoyevsky (leider lässt sich in der Kindleausgabe der Übersetzer nicht ausfindig machen), russische Erstausgabe erschienen 1864 [Amazon-Werbelink]

3 comments

  1. Frau Brüllen

    Danke für den Anstoss, habe die Lindgren Biographie gerade mal bestellt. (meine Mutter hat mich nach der Lindgren-Tochter benannt, gerade lese ich dem kleinen Sohn Karlsson vor, passt also grad perfekt)

  2. Pingback: [Gelesen] im Dezember: The Cuckoo’s Calling – Lady Himmelblau

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