Kochprofileaks oder wie ich einmal im Fernsehen war

Letztes Wochenende war ich im Fernsehen. Da saß ich mit zehn anderen Leuten in einem Restaurant in Witten, aß ein Drei-Gänge-Menü und sagte etwas darüber. Insgesamt saß ich sogar zwei Mal in einem Restaurant in Witten, aß ein Drei-Gänge-Menü und sagte etwas darüber.

Und das kam so:

Anfang Mai bekam ich eine Anfrage von einer Produktionsfirma, ob ich Lust hätte, bei einem neuen Format einer Kochsendung mitzumachen. Details standen nicht in der Mail, also meldete ich mich, bekundete generell mein Interesse und es kam zu detaillierteren Mails und Telefongesprächen. Das Grundkonzept: Die Kochprofis von RTL II machen ein Restaurant Battle. Jeweils vier Restaurants kochen ein Drei-Gänge-Menü von der Karte, das wird gegessen und bewertet, dann werden die Köche einen Tag von den Kochprofis gecoacht und die Gerichte überarbeitet und dann kommt die gleiche Jury und isst und bewertet noch mal. Das Restaurant mit der größten Punktedifferenz zwischen dem ersten und dem zweiten Abend gewinnt Geld.

Das schien mir recht risikofrei zu sein. Bei ähnlichen Kochsendungen dieser Art, die ich zugegebenermaßen gelegentlich auch gucke, spielt die Jury eine untergeordnete Rolle, die sitzen halt rum und essen und sagen ein paar Sätze in die Kamera, die Chancen, hier irgendwie etwas peinliches zu tun oder zu sagen, schienen mir gering. Außerdem will ich ja immer wissen, wie Dinge funktionieren, wie das also auch zum Beispiel ist, bei einer Fernsehsendung mitzumachen und was da so alles passiert. Also sagte ich zu und fuhr an zwei Nachmittagen nach der Arbeit nach Witten und wurde beim Essen und Reden, zwei meiner Kernkompetenzen, gefilmt. Und weil es vielleicht noch andere Leute interessiert, wie das so ist, beantworte ich hier die drängendsten Fragen einfach im Blog.

 

War die Sendung gescripted?

Ein klares Nein, zumindest für die Teile, bei denen ich dabei war. Was tatsächlich passiert: Die Storyverantwortlichen sagen gelegentlich, wer was sagen soll, wo er stehen soll und was die anderen in der Zeit tun sollen. Das sah dann ungefähr so aus: „So, und jetzt kommt ihr rein und dann steht da der J. und begrüßt euch.“ Vor, während und nach dem Essen wurde gelegentlich einzelnen Personen Fragen gestellt, die wir dann beantwortet haben und zwar, ganz wichtig, in ganzen Sätzen! Die Fragen würden später schließlich nicht in der Sendung gezeigt werden, nur die Antworten. Auch Formulierungen wie „wie gesagt“ waren verboten. Außerdem liefen dauernd Leute um den Tisch und hörten sich an, was wir redeten und wenn etwas Sendungstaugliches dabei war, durften wir das noch mal sagen. Und eventuell noch mal. Und eventuell noch mal. Grundsätzlich haben wir aber immer nur Dinge gesagt, die wir auch so meinten bzw. eine Minute vorher spontan gesagt hatten und im Wesentlichen saßen wir einfach zu zehnt an einem Tisch und haben uns über das Essen (und andere Dinge) unterhalten.

Anne und Holger

 

War die Currysuppe wirklich so schlimm?

Jup. Lustigerweise habe ich sie sogar aufgegessen, aber ich habe ja auch schon mal aus Verzweiflung Gemüsebrühepulver vernascht.

 

War die Crème zum Nachtisch wirklich so schlimm?

Jup. Lustigerweise habe ich sie sogar aufgegessen, aber ich esse ja auch Nusspli pur aus dem Becher.

Kamera

 

Waren die Punkte abgesprochen?

Nein. Natürlich bekam man während des Essens und Drehens mit, wie so die Meinung der anderen zum Essen war. Ansonsten hat aber jeder seine Punktzahl auf das Täfelchen geschrieben bzw. den umherlaufenden Punkteeinsammlern leise mitgeteilt. In der zweiten Sendung schien es tatsächlich eine Gruppe zu geben, die die Punkte durchdiskutiert hat, sowas haben wir nicht gemacht.

Täfelchen

 

Wurde etwas Wesentliches rausgeschnitten?

Ich habe die Mangosauce des Todes vermisst, die uns zum Hauptgang gereicht wurden. Niemand hat kapiert, was sie sollte und woraus sie bestand und so richtig wollten wir das auch nicht wissen. Es gibt sogar ein Behind-the-Scenes-Video feat. Mangosauce, aber das kursiert nur brav in der WhatsApp-Gruppe der Teilnehmer. Und der Hund eines Teilnehmers, der zwar eigentlich draußen warten sollte, wo es ihm aber offensichtlich zu langweilig wurde, so dass er irgendwann interessiert mitten im Restaurant stand und zugucken wollte.

 

Wie war die Stimmung?

Super. Wir haben uns von Anfang an verstanden, sowohl als Jury, als auch mit dem Produktionsteam, hatten sehr viel Spaß und haben eigentlich die meiste Zeit gelacht. Gerüchten zufolge war das nicht bei jeder Gruppe der Fall und manche haben sich eher angeschwiegen. Wir wurden eher zurechtgewiesen, jetzt aber mal bitte leise zu sein, weil jemand anders gerade etwas in die Kamera sagte und in einer anderen Ecke wild gekichert wurde. Die Gruppe war zwar wild zusammengewürfelt, von der Mentalität her hat es aber sehr gut gepasst, vielleicht auch gerade, weil sie wild zusammengewürfelt war.

Gruppe im Fernsehen

 

Würdest du das noch mal machen?

Ja.

 

Sonja vom Vest-Blog war auch dabei und hat schon Ende September darüber geschrieben.

Zu sehen gibt es das Ganze auch bei TV NOW, dazu muss man sich aber meines Wissens anmelden.

2 Antworten auf „Kochprofileaks oder wie ich einmal im Fernsehen war“

  1. RTL II zur besten Tatort-Zeit ist natürlich ein Killer.

    Für TV Now muss man sich zwar nicht anmelden, aber die Präsentation der dortigen Sendungen ist eigentlich nur etwas für Hartgesottene. Alle Sendungen sind in Häppchen unterteilt und mit zahlreichen, nicht wegklickbaren Werbeblöcken garniert. Schade.

    Falls Du die Sendung mal irgendwo am Stück hast, wäre eine Info nett. :)

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