Gelesen im November 2017

Die Spur der Bücher von Kai Meyer

Mein ambivalentes Verhältnis zu Büchern von Kai Meyer bleibt bestehen. Ich bewundere die Fähigkeit, sich immer wieder neue Welten ausdenken, manche Bücher finde ich mehr, andere weniger fesselnd, aber zumindest greife ich immer wieder zu.

Die Spur der Bücher spielt im gleichen Universum wie Die Seiten der Welt, eine Welt in der Büchern eine Magie innewohnt, die bestimmte Menschen, die sogenannten Bibliomanten, für sich nutzen können. Mercy Amberdale hat die Bibliomantik aufgegeben, seit sie bei einem missglückten Auftrag einen Freund verlor und versucht, ein ruhiges Leben in diesem alternativen viktorianischen England zu führen, umgeben von Büchern. Dann wird ein Buchhändler gefunden, verbrannt inmitten seiner Bücher, ohne dass eines davon zu Schaden kam. Unversehens gerät Mercy in eine Geschichte und muss sich dabei auch den Schatten der Vergangenheit stellen.

Das ist alles Kai-Meyer-typisch gut und detailliert geschrieben, handwerklich gibt es nichts auszusetzen, so richtig mag der Funke bei mir aber nicht überspringen. Ein bisschen zu typisch die Figuren, ein bisschen zu unkonkret das magische System. Kann man machen, muss man aber nicht.

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Boy in a White Room von Karl Olsberg

Alter, ist das schlecht. Die Story fängt okay an, wird dann etwas absurd, könnte aber noch halbwegs konsequent und in sich stimmig zu Ende geführt werden, was dann aber nicht passiert. Statt dessen wird immer alles noch absurder und am Ende gab es drei bis fünf Plottwists, die aber alle im Nachhinein die ganze Geschichte vorher komplett unsinnig erscheinen lassen.

Zu allem Überfluss ist das Buch wirklich nicht gut geschrieben, also wirklich ernsthaft nicht gut geschrieben. Figuren sagen schlimme Sachen wie „Wir mussten dich doch von diesem skrupellosen Verbrecher befreien!“ und in den Dialogen werden Information so unsubtil weitergegeben, dass man sich als Leser fragen muss, ob der Autor Angst hatte, dass man die Geschichte nur versteht, WENN MAN WIRKLICH ALLES GANZ DEUTLICH UND MEHRFACH SAGT.

Nicht lesen. Es gibt so viele okaye Jugendbücher mit ähnlicher Thematik, die besser geschrieben sind und bei denen die Handlung nicht von Seite zu Seite absurder wird. Bitte nicht lesen.

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Rotherweird von Andrew Caldecott

An Rotherweird habe ich lange gesessen und deswegen auch immer wieder ein paar Probleme gehabt, weil ich das Personal nicht hundertprozentig auseinanderhalten konnte.

Das Dorf Rotherweird liegt irgendwo in England und genießt einen Unabhängigkeitsstatus, der aber nur mit der Einschränkung gilt, dass keine lokale Geschichte vor 1800 studiert werden darf. Dafür wird besonderen Wert auf die wissenschaftliche Ausbildung gelegt, das Dorfvolk bleibt unter sich, nur selten dürfen sich Außenseiter niederlassen. Jonah Oblong ist so ein Außenseiter, ein Lehrer, der die kurzfristig freigewordene Stelle des alten Geschichtslehrers übernehmen soll.

Zeitgleich macht der geheimnisvolle Sir Veronal Slickstone Furore, der in das lange leerstehende Manor House zieht, zusammen mit seiner Frau (die gar nicht seine ist) und seinem Sohn (der gar nicht seiner ist).

Damit hätten wir nur zwei kleine Handlungsstränge angerissen, denn es passiert viel in Rotherweird, so viel, dass ich anfangs das Gefühl hatte, ein Flickwerk vor mir zu haben, zu viele Ideen auf einmal, alles ein bisschen zu fransig. Gott sei Dank irrte ich und wurde belohnt, denn im Laufe der Geschichte fügen sich die verschiedenen Puzzlestücke nach und nach zusammen und am Ende ist nichts Flickwerk, sondern eine komplexe, vielschichtige und mit Liebe zum Detail und zur Fantasie ausgearbeitete Geschichte. Sehr lohnenswert, wenn man etwas längeren Atem hat.

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Gather the Daughters von Jennie Melamed

Man könnte Gather the Daughters relativ leicht mit anderen Büchern und Filmen vergleichen, das würde aber wesentliche Teile des Plots schon verraten und deshalb wird darauf an dieser Stelle verzichtet.

Auf einer Insel leben Frauen, Männer und Kinder in einem streng religiösen Regiment. Auf dem Festland, in den wastelands, so erfahren sie von den Wanderern, den Männenr, die die Insel regelmäßig verlassen, herrscht Not und Elend, auf der Insel haben sie Glück.

Doch das Glück lässt sich nicht immer spüren, vor allem nicht, wenn man ein Mädchen ist. Sobald die Mädchen gebärfähig sind, werden sie schnellstens mit einem Mann verkuppelt und hoffentlich bald geschwängert. Dann bleibt nur die Hoffnung, dass das Kind gesund zur Welt kommt und die Frau die Geburt überlebt.

Leise Rebellion kündigt sich an, als ein Mädchen beobachtet, wie die Leiche der schwangeren Amanda aus dem Meer gezogen wird. Auf einmal sind sich die Mädchen nicht mehr sicher, ob alles so ist, wie es ihnen erzählt wird und ob es wirklich keine andere Alternative für sie gibt. Unter der Anführerin Janey, die sich seit Jahren erfolgreich an der Menstruation vorbei hungert, gruppieren sich die Mädchen und lehnen sich gegen die Herrschaft der Alten auf.

Gather the Daughter ist ein krasses Buch, die Welt der Mädchen ist bitter und hoffnungslos. Auch wenn (sexuelle) Gewalt meist nur angedeutet wird, gibt es keine Zweifel darüber, was passiert. Die Geschichte dieses Sommers der Auflehnung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, doch konsequent nur von den Mädchen. Am Ende bleiben viele Fragen offen, aber dieses Buch wirkt lange nach.

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Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist

Das Erdbeben in Chili kam mir in irgendeinem Zusammenhang unter, so dass ich es mir aufs Kindle lud und dann erst mal nicht las. Weil ich aber nicht nur den Papierbücherstapel, sondern auch den elektronischen etwas kleiner lesen möchte, kam jetzt die Kurzgeschichte dran.

Erzählt wird die Geschichte zweier Liebenden, deren Liebe direkt mal ins Desaster führt. Der Verführer wird ins Gefängnis gesperrt, die Verführte erst schwanger und dann zum Tode verurteilt. Am Tag der Urteilsvollstreckung erschüttert ein Erdbeben die Stadt und die beiden können sich retten.

Für ein glückliches Ende reicht es nicht, ich grüble immer noch, in welchem Zusammenhang mir das Buch unterkam, eventuell ging es um Amokläufe, so viel sei schon mal gesagt, damit man das Buch nicht liest, wenn man gerade etwas aufmunternde Lektüre braucht. Ansonsten ist es zwar etwas deprimierend, aber durchaus spannend und ganz abgesehen davon auch nicht allzu lang.

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