Bücher 2018 – Plätze 10 bis 6

10. The Biggerers von Amy Lilwall

Bei Lilwalls The Biggerers handelt es sich um eine Zukunftsvision, in der sich Menschen statt Haustiere kleine Menschen halten, die nicht sprechen können und laut Herstellerangaben auch sonst wenig Bedürfnisse haben. Als kleine unschuldige Minimenschen sollen sie den Leuten die Liebe zurückgeben, die sie im Alltag vermissen. Bonbon und Jinx sind solche Littlers und verbringen ihre Zeit damit, Fäden und Steinchen zu sammeln, bis sie merken, dass sie gar nicht so viel von ihren großen Besitzern unterscheidet.

Man braucht ein bisschen, um sich in die Sprache reinzulesen, der Text bleibt an vielen Stellen zunächst sehr vage und füllt die Welt erst nach und nach mit Details. Dies entspricht nicht zuletzt der Bewusstseinsfindung der kleinen und großen Menschen in diesem Buch. Lässt man sich aber darauf ein, dann ist diese Buch aber ein sehr lohnendes und ungewöhnliches Erlebnis.

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9. The Lamb Will Slaughter the Lion und The Barrow Will Send What it May von Margaret Killjoy

Die Danielle-Cain-Reihe von Margaret Killjoy hat mir dieses Jahr viel Spaß gemacht. Bei den Büchern handelt es sich um Novellen, man ist also schnell durch, es fühlt sich an wie etwas längere Folgen einer sehr guten Fernsehserie, ein bisschen Supernatural aber in der Punk-Anarchie-Szene mit vielen LGBTQ-Charakteren, aber auch viel Grusel und Action. In The Lamb Will Slaughter the Lion landet Danielle Cain auf der Suche nach Hinweisen zum Selbstmord ihres besten Freundes in einem autonomen Dorf, das von einem blutrünstigen Dämonenhirsch heimgesucht wird. Die Geschichten sind im besten Sinn flott erzählt mit tatsächlich originellen und witzigen Dialogen und tollen Charakteren. Das nächste Buch der Reihe wird in jedem Fall auch gelesen, wenn es mal kommt.

The Lamb Will Slaughter the Lion und The Barrow Will Send What it May von Margaret Killjoy [Amazon-Werbelink]

 

8. The Girl from Everywhere von Heidi Heilig

Möglicherweise meine größte Überraschung des Jahres. Ich hatte das Buch schon auf dem Kindle und kam nur schwer in die Geschichte rein, so dass das angefangene Buch monatelang sein Dasein fristen musste. Dann wagte ich mich noch mal an die Piraten-Zeitreise-Geschichte und nach fünfzig Seiten gewinnt diese auf einmal sehr an Fahrt und wird dann richtig gut.

In The Girl from Everywhere geht es um Nix, die mit ihrem Vater und der Crew ihres Schiffs The Temptation mit Hilfe von alten Landkarten über die Meere und durch die Zeit reist. Das Ziel ihres Vaters ist das Hawaii des Jahres 1868, das Jahr in dem Nixs Mutter und die Liebe seines Lebens bei der Geburt von Nix starb. Während ihr Vater obsessiv nur dieses Ziel im Auge hat, hadert Nix. Was wird mit ihr passieren, wenn ihr Vater, um ihre Mutter zu retten, die Vergangenheit ändert? Gerade diese Vater-Tochter-Beziehung ist komplexer und überraschender als man es dem Buch in den ersten Seiten anmerkt. Letztlich ist es YA-Fantasy, aber so schön und fantasievoll, dass ich mir sogar eine Film- oder Serienadaption wünschen würde, einfach nur, weil die Schauplätze so toll  und die Figuren so gut ausgearbeitet sind.

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7. Im Sommer wieder Fahrrad von Lea Streisand

Lea Streisand erzählt in Im Sommer wieder Fahrrad ihre eigene Geschichte und die ihre Großmutter, der Schauspielerin Ellis Heiden, von allen nur „Mütterchen“ genannt. Während ihre Freunde anfangen, Familien zu planen, Karriere zu machen oder generell aufregende Dinge zu tun, erkrankt Lea an Krebs und muss sich auf einmal ganz andere Sorgen machen und ganz andere Fragen stellen. In dieser Zeit fängt Lea an, wieder an ihre Großmutter zu denken, der unkonventionellen Ellis, die für sie auch immer ein wichtiger Ankerpunkt im Leben war. Mit einem Koffer voller Andenken begibt sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer Großmutter und verliert gleichzeitig den Glauben an ihre eigene Zukunft nicht.

Lea Streisand schreibt nah und einfühlsam direkt an ihrem Leben und dem ihrer wichtigsten Menschen. Ein schönes, hoffnungsvolles Buch, nie zu ernst, aber auch nie beschönigend.

Im Sommer wieder Fahrrad von Lea Streisand [Amazon-Werbelink]

 

6. Hologrammatica von Tom Hillenbrand

Mein erstes Buch von Tom Hillenbrand, der sich ja in der deutschen Sci-Fi-Szene schon einen Namen gemacht hat. Im Jahr 2088 bekommt Galahad Singh den Auftrag, die verschwundene Programmiererin Juliette Perrotte aufzuspüren. Galahad ist Quästor, eine Art Privatdetektiv für verschwundene Personen. Dieser Job ist nicht ganz einfach, denn nach einem Zwischenfall vor vielen Jahren ist das massenhafte Speichern von Daten zur Unsitte erklärt worden. Erschwerend hinzu kommt, dass die Welt von Hologrammen überdeckt ist und durch die Möglichkeit, das gesamte Gehirn eines Menschen in einen kleinen Kasten zu laden und so den Körper wechseln zu können. Schnell wird Galahad klar, dass es sich hier um keinen Standardfall handelt und eher er sich’s versieht, steckt er mittendrin, wird gejagt von seltsamen Menschen mit seltsamen Schwertern, verliebt sich in den Quant Francesco, und gerät immer tiefer in einen Strudel seltsamer Ereignisse, die auf eine geheimnisvolle, vergessene Insel führen.

Das, was Tom Hillenbrand hier abgeliefert hat, ist ziemlich gut, spannend und einfallsreich. Die Geschichte ist ungewöhnlich dicht ohne dabei anstrengend zu sein. Man braucht etwas, um reinzukommen, dann kann man das Buch aber sehr schlecht wieder aus der Hand legen. Ich legte Hologrammatica meinem Mann ans Herz, als er auf Lektüresuche war und tatsächlich machte er danach direkt mit Drohnenland von Hillenbrand weiter.

Hologrammatica von Tom Hillenbrand [Amazon-Werbelink]

3 Antworten auf „Bücher 2018 – Plätze 10 bis 6“

  1. Drohnenland kommt leider nicht ganz an hologrammatica heran, welches ich großartig fand. Beiden Büchern ist die Europa zentrische sehr detailliert erdachte Zukunftsvision gleich, die ich recht erfrischend fand.

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