Kategorie: Filmkram

Daily Gollum – Die Veganeredition

Im Moment ist so eine Phase, wo dauernd irgendwas passiert, auf der Arbeit und im Leben und überhaupt. Da kommt das Bloggen aktuell ein bisschen zu kurz, auch wenn die Ideenliste nicht kürzer wird. Aber wie immer, wenn man auf einmal an jeder Ecke was zu tun hat, verhalte ich mich in höchstem Maße professionell und lege erst mal ein paar 1000-Teile-Puzzle. Alleine. Ohne Vorlage. Man kann mir ja viel vorwerfen, aber Prokrastination kann ich.

Aber über dieses Video hab ich letztens Tränen gelacht. Mehrfach hintereinander. Und eine Möhre wird niemals wieder sein wie früher.

Little Big Things: Caine’s Arcade

Das ist vielleicht das beste und schönste, was ich seit langem gesehen habe. Der 9-jährige Caine aus LA baut Karton-Spielautomaten neben dem Laden seines Vaters, hat aber ein bisschen mit dem Desinteresse der Laufkundschaft zu kämpfen. Bis Nirvan Mullick zur Caine’s Arcade kommt, einen Fun Pass kauft und das alles so toll findet, dass er einen Flashmob organisiert und einen wunderbare Film macht.

Und den Rest muss einfach selber sehen. Ich muss aber warnen: Wenn man wie ich so ein bisschen nah am Wasser gebaut ist, kann das schon passieren, dass man vor Rührung ein wenig ungraziös rumschnieft. Weil’s so toll ist, wie man mit kleinen Sachen so viel Freude verbreiten kann.

Caine’s Arcade from Nirvan Mullick on Vimeo.

Gesehen: American Idol

Ja, ich gucke American Idol. Und ja, ich habe auch Deutschland sucht den Superstar gesehen. Mehrere Staffeln lang. Deutschland sucht den Superstar gucke ich nicht mehr, American Idol immer noch gerne, denn Ersteres wird immer schlechter, während Letzteres immer, immer besser wird.

Seit der fünften Staffel sind der Mann und ich dabei, jedes Jahr wieder. Und wir freuen uns, weil die Kandidaten toll sind, und die Jury nicht bekloppt und die Mottoshows wirkliche Mottoshows sind, und die Kandidaten mit ihren Instrumenten auftreten und nicht einfach nachsingen, sondern etwas Eigenes draus machen, und so wir dort auf der Bühne so tolle Leute wie Melinda Doolittle und Kris Allen und Adam Lambert und Casey Abrams stehen und tatsächlich singen können. Hach.

Man muss nur damit klar kommen, dass zwischendurch auch immer Country-Songs gespielt werden, das ist dann sehr typisch amerikanisch, kann aber auch durchaus sehr klasse sein. Mal abgesehen davon, dass Simon Cowell Country allen Gerüchten zufolge auch eher so mittelgut findet und es trotzdem neun Staffeln lang ausgehalten hat.

Und damit ihr meine Lieblinge auch mal kennenlernt, hier eine kleine, feine Videoauswahl… beginnen wir mit der wunderbaren Melinda Doolittle.

Die ebenso wunderbare Brooke White, die leider im Lauf der Show ein bisschen an sich selbst gescheitert ist, mit Love is a Battlefield aber ziemlich klasse war.

Dann natürlich David Archuleta, einer der wenigen, der mich nicht mit Imagine zu Tode gelangweilt hat.

Adam Lambert war eigentlich nur von Anfang bis Ende großartig. Awesome. Legendary.

Dann gab es noch Crystal Bowersox in der vorletzten Staffel…

… die zweite wurde, während Underdog Lee DeWyze gewann. Auch zu Recht.

Mein Liebling der letzten Staffel: Casey Adams (Mit Kontrabass! Wie großartig ist das denn?)

Und zum Schluss Haley Reinhart, die ich von Sendung zu Sendung mehr geliebt habe.

Es gibt noch viel mehr, Kris Allen, für den ich kein schönes einbettbares Video gefunden habe, Jason Castro, der Schnuckel, Blake Lewis und Siobhan Magnus, Matt Giraud und natürlich Elliott Yamin, Katherine McPhee und Taylor Hicks und noch viele, viele andere, die ich geliebt habe und auf die ich mich jede Woche wieder gefreut habe.

Also, bevor jemand wieder denkt „Ach, American Idol, das ist doch aus Amerika, dann ist das doch bestimmt noch schlimmer als DSDS„… Nein, es ist besser, viel, viel besser. Lichtjahre besser. Und gute Musik gibt’s noch obendrauf.

Zum ersten Mal: Im Luxuskino

Lampe

Normalerweise gehöre ich nicht zu den Menschen, die einen Film so schnell wie möglich nach Kinostart sehen müssen. Meistens weiß ich noch nicht mal, wann ein Film anläuft, es ist in diesem Haushalt eher so, dass einer sagt “Hey, wir könnten ja mal wieder ins Kino gehen” und dann geguckt wird, ob denn was läuft, was man auch sehen will.

The Hunger Games, oder wie es auf deutsch heißt: Die Tribute von Panem, waren da eine Ausnahme. Ich habe schon letztes Jahr die Bücher gelesen und als ich den Trailer gesehen habe, habe ich mich zum ersten Mal wieder richtig, richtig auf einen Film gefreut. Und deswegen waren wir jetzt auch im Kino. Direkt nach Kinostart. Weil ich nicht länger warten wollte.

Vor allem aber: Dieses Mal waren wir im Luxuskino. Im CinemaxX in Essen (und wohl auch in Mülheim an der Ruhr) gibt es einen sogenannten “First Class”-Kinosaal. Viel wussten wir nicht darüber, Ledersessel halt und bequemer und alles besser sowieso. Aber ich dachte, das probieren wir doch gleich mal aus, und reservierte uns einen Loveseat in eben solche einem “First Class”-Saal.

Luxuskino im Essener CinemaxX funktioniert so: Man setzt sich auf große bequeme Ledersofas oder -sessel, in die man sich doch recht ordentlich reinlümmeln kann. Die Loveseats, also die Zweiersofas, dominieren, für Nicht-Pärchen kriegt man aber auch zwei Ledersessel nebeneinander, da hat dann jeder seinen eigenen Rumlümmelbereich.

Neben jedem Zweierplatz steht ein Glastischchen mit Lampe. Diese Lampe dient auch gleichzeitig als Meldezeichen für den Service. Im Luxuskino muss man sich nämlich sein Popcorn nicht vorher selbst kaufen, man kann es vom Sitz aus bestellen und bekommt es dann gebracht. Wenn man was haben will, dann stellt man die Lampe auf ganz hell und wartet darauf, dass ein Kinokellner kommt und fragt, wonach das Herz so begehrt. Und das Herz kann im Luxuskino so einiges begehren. Neben Popcorn und Nachos und Cola gibt es eine ganze Bandbreite von kleinen Snacks und wer es noch ein bisschen stilvoller haben will, der bestellt sich eben eine Flasche Rotwein an den Platz.

In der Theorie recht einfach, in der Praxis dauert es eine ganze Weile, bis endlich jemand kommt. Ich bestelle eine kleine Portion Popcorn mit Cola, die dann dafür sehr fix geliefert wird. Das Popcorn kommt auch nicht in Papiertüten, sondern in einer hübschen IKEA-Aluschale (das weiß ich vor allem, weil wir auch so eine haben, aber ein Blick auf den Schalenboden bestätigt die Vermutung). Auf der einen Seite schöner und angenehmer, denn das Tütenknistern fällt weg, auf der anderen Seite unhandlicher und schwierig auf den Knien zu balancieren.

Popcorn

Nach Werbung und Trailern gibt’s noch mal eine kleine Pause, so dass alle Bestellungen noch aufgenommen und an den Platz gebracht werden können. Sobald der Film anfängt, gehen die Lampen nämlich alle aus und dann kann auch im Luxuskino nicht mehr bestellt werden. Nach einer Weile sind dann alle fertig, das Licht geht aus, ich verstelle die Rückenlehne noch ein bisschen nach hinten und los geht’s.

Es ist tatsächlich schöner und bequemer im Luxus-Kino. Man hängt nicht mit den Ellebogen direkt am unbekannten Sitznachbarn und kann sich schön ausbreiten, ohne dass es jemanden stört. Ich ziehe dann auch irgendwann die Schuhe aus und fläze mich noch ein bisschen mehr in den Sitz rein. Man muss nur aufpassen, dass man nicht aus Versehen einschläft.

Am Ende lautet die Meinung ganz klar: Kann man machen und kann man auch wieder machen. Nicht unbedingt für jeden Film, aber gerade für Filme mit Überlänge eine brauchbare Alternative. Wobei es sich vor allem fürs Kinogehen zu zweit eignet, denn der Abstand zwischen den Zweiersitzen ist recht groß und für gelegentliche Flüsterunterhaltungen ungeeignet. Der Aufpreis von geschätzt 4 Euro oder so (eine Karte kostet 14 Euro) ist vollkommen akzeptabel.

Der Mann war übrigens in Sydney in einem noch luxuriöseren Luxuskino, wo man nicht nur die Sitzrückenlehne nach hinten stellen, sondern dann auch vorne die Füße hochlegen konnte und wo das Tischchen nicht neben, sondern vor dem Sitz war und man sogar während des Films noch Essen und Getränke gebracht bekam und zwar von einer ziemlich tollen Speisekarte. Das australische Luxuskino kostet aber auch mal locker doppelt so viel wie das Essener Luxuskino, insofern kann man das nicht so wirklich vergleichen. Finde ich jedenfalls.

Und was den Film angeht, da schreib ich später noch was drüber. War aber auch gut. Kann man gucken. Auch gerne kurz nach Kinostart.

Gesehen: Prince of Persia

USA 2010
Regie: Mike Newell
Darsteller: Jake Gyllenhall, Gemma Arterton, Ben Kingsley, Alfred Molina

Prince_of_Persia_poster

Als ich gesehen habe, dass Prince of Persia der nächste Film sei würde, den ich über Lovefilm bekommen würde, war mein erster Gedanke: “Warum zur Hölle ist der auf meiner Leihliste?” Dann dachte ich mir, wird schon einen Grund gehabt haben, dass der da drauf war.

Jetzt wo ich ihn gesehen habe, weiß ich immer noch nicht so genau, warum ich den irgendwann mal auf die Leihliste gepackt habe, aber es war jetzt auch nicht schlimm, ihn geguckt zu haben.

Prince of Persia basiert auf den gleichnamigen Videospielen, insbesondere der Sands of Time-Reihe, bei der eines der Spielelemente ist, die Zeit um ein paar Minuten zurückdrehen zu können, wenn man mal gerade doch erdolcht wurde oder in die Tiefe stürzte. Dann kann man das Ganze noch mal versuchen und zwar hoffentlich mit mehr Erfolg.

Der Film schafft es tatsächlich, ein bisschen von dem Videospiel-Gefühl auf die Leinwand zu transportieren, vor allem, wenn Prinz Dastan (Jake Gyllenhall) in einer der zahlreichen Verfolgungsszenen über Balken balanciert, von einem Haus zum nächsten hüpft oder sich Tarzangleich durch die Kulisse schwingt. Ich wusste auch die ganze Zeit nicht, ob ich das eher nervig oder schon wieder cool finden soll.

Ansonsten geht es um Familienehre, Verrat, Königsmord, Prinzessinnen und Abenteuer. Und viel Sand. Dauernd ist irgendwo Sand. Optisch ist das alles wunderhübsch anzusehen, und wenn die Story dann halbwegs an Fahrt gewinnt und man nach einer Viertelstunde Einleitung so langsam kapiert, worum es geht, wird es auch tatsächlich ausreichend spannend, mal abgesehen davon, dass man sich ansonsten halt einfach knapp zwei Stunden lang Jake Gyllenhall angucken kann, was ja auch nicht grundsätzlich verkehrt ist.

Es ist wieder eine dieser Film, die man nicht gesehen haben muss und für die man ein Mindestmaß an Popcorn-Kino-Toleranz benötigt, denn etwas anderes als Popcorn-Kino ist es nicht. Nur mit viel Sand eben. Und beinahe ebenso viel Rumhüpferei.

Wer damit klar kommt, der wird immerhin mit einem sehr lustigen Straußenrennen belohnt. Und darf sich – sofern man den Film im Original guckt – knapp zwei Stunden lang die Frage stellen, warum in Persien alle außer Prinz Dastan mit britischem Akzent reden.

(Den Bechdel-Test besteht der Film im übrigens nicht die Bohne. Dafür hätte ja mehr als eine Frau mitspielen müssen.)

Gesehen: Der Jane Austen Book Club

USA 2007
Regie: Robin Swicord
Darsteller: Amy Brenneman, Maria Bello, Maggie Grace, Emily Blunt, Kathy Baker, Hugh Dancy

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Our world is an English village.

Ich habe ja schon im letzten Jahr mit dem großen Jane-Austen-Projekt angefangen, das mehr oder weniger beinhalten sollte, alle Bücher zu lesen (sind nur sechs, also machbar) und möglichst viele Verfilmungen zu sehen. Zu den meisten Büchern gibt es irgendeine Hollywood-Version und zwei bis zwölfzig BBC-Adaptationen, man ist also ausreichend versorgt.*

Und wo ich da so meine Leihliste bei Lovefilm zusammenstellte, sind auch noch zwei andere Filme dazugerutscht: Geliebte Jane (im Original Becoming Jane) mit Anne Hathaway als Jane Austen und Der Jane Austen Book Club.

Letzteren hab ich jetzt seit gefühlt einem Jahr (wohl aber eher so zwei Monaten) mit mir rumgeschleppt und nie die Gelegenheit gefunden, ihn auch mal zu gucken. Und weil ich jetzt doch so langsam mal einen neuen Film haben möchte, hab ich mich gestern mit einem Eimer Popcorn aufs Sofa gesetzt und mal so einen richtig schönen Mädchenfilm geguckt.

In Der Jane Austen Book Club geht es um fünf Frauen, selbstverständlicherweise auch um die Liebe und das Leben und all sowas und eben auch um Jane Austen und ihre Bücher und die Frage “What Would Jane Do?”.

Da ist Sylvia (Amy Brenneman), die gerade von ihrem Mann verlassen wurde und die überhaupt der Grund ist, warum der Book Club gegründet wird, nämlich, um sie ein bisschen abzulenken. Da ist Jocelyn (Maria Bello), die allein auf dem Land lebt und Rhodesian Ridgebacks züchtet. Allegra (Maggie Grace), Sylvias Tochter, steht zwar auf Frauen, hat damit aber auch nicht weniger Probleme und Prudie (Emily Blunt), eine Französischlehrerin, hat sich in einen Schüler verknallt, weil es in ihrer Ehe auch gerade mal nicht so rosig läuft (dabei ist sie mit Marc Blucas verheiratet, herrje). Zuletzt gibt es noch Bernadette (Kathy Baker), die Elizabeth-Taylor-mäßig schon sechs mal verheiratet war.

Ach so, und Grigg (Hugh Dancy). Grigg wird von Jocelyn angeschleppt, die ihn auf einer Convention getroffen hat und auf die Idee kommt, dass es total prima wäre, wenn er sich mal ein bisschen um die angeschlagene Sylvia kümmern würde. Dass es natürlich anders kommt, ist klar, aber dafür braucht es knappe 90 Minuten und viel Gelese und Gerede.

Das Gelese und Gerede ist dabei erstaunlich wenig nervig. Dass es bei einem Film, bei der sich fünf Frauen und ein Mann über Jane-Austen-Romane reden, selbstverständlich um Männer und Romantik und um diverseste Vorstellungen, die Beziehungen zu funktionieren haben oder auch nicht, geht, versteht sich irgendwie von selbst.

Dass dabei clevererweise Parallelen zu den Geschichten von Jane Austen gezogen werden, ergibt sich auch irgendwie. Man kann sich dabei auch den Spaß machen, zu überlegen, welche Person im Film wohl welche Figur von Jane Austen sein könnte, wobei es wohl eher auf eine Mischung rauskommt.

Nett war, dass es kein Frauen-Austen-Selbstbweihräucherungsfilm geworden ist und sich die Mädels  genauso dämlich anstellen wie die Jungs, und das aber nicht wahrhaben wollen, bis sie mit der Nase drauf gestoßen werden – auch ein klassisches Austen-Motiv, offenbar universell einsetzbar.

Persönlich fast am besten gefallen hat mir aber die Nebengeschichte, wie Grigg fast 90 Minuten versucht, Jocelyn dazu zu bringen, wenigstens einmal seine Lieblingsbücher zu lesen, wie er ihr von Ursula K LeGuin vorschwärmt und sie mit zum Bücherladen nimmt, und ihr einen Science-Fiction-Klassiker nach dem anderen in die Hände drückt. Hier, das ist auch von einer Frau geschrieben, und das hier auch und das hier… Jedenfalls, dass in diesem Film auch die Nachricht vorkam, nicht nur mehr Jane Austen, sondern auch mehr Science Fiction (oder überhaupt mehr) zu lesen, weil das genauso toll ist, fand ich sehr schön.

Kurz gesagt: Kann man gucken. Muss man nicht, tut aber auch nicht weh und man kann einen Sonntagnachmittag sicherlich deutlich schlechter verbringen als mit Popcorn und diesem Film. Ich hatte tatsächlich Schlimmeres befürchtet, wurde aber positiv überrascht und würde mir Der Jane Austen Book Club jederzeit wieder angucken und mich drüber freuen.

*Aktueller Stand: Buchtechnisch stehen noch Mansfield Park  und Sense and Sensibility aus, von den Verfilmungen hab ich zumindest zu jedem Buch mindestens eine, teils schon zwei gesehen. Da ist also noch was zu tun.

Gesehen: Die Muppets (2011)

USA 2011
Regie: James Bobin
Darsteller: Jason Segel, Amy Adams, Chris Cooper, Rashida Jones, Walter, Kermit, Miss Piggy, Fozzie Bear, Scooter,…

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Ich glaube, mit den Muppets ist es so: Man findet sie super oder eben nicht so. Und wenn man sie super findet, dann geht man sich auch diesen Film angucken, und dann findet man ihn auch gut, weil Muppets drin vorkommen, weil gesungen und getanzt wird, weil doofe Witze gemacht werden und sehr gute. Vor allem aber, weil Muppets drin vorkommen.

Die Story ist relativ einfach erklärt und der Film macht auch keinen Hehl draus, dass es eine eher simple Geschichte ist. Der Held des Filmes ist Walter, der Bruder von Gary (Jason Segel), der verdächtig wie ein Muppet aussieht. Die Muppets sind Walters große Helden, und dementsprechend ist die Freude groß, als er mit seinem Bruder und dessen Freundin Mary (Amy Adams) nach Los Angeles fährt, wo er sich den langersehnten Traum erfüllen und einmal die Muppet Studios besichtigen will.

Die Muppet Studios erweisen sich allerdings als Bruchbude, von den Muppets keine Spur, und dann kriegt Walter auch noch mit, dass der bösewichtige Tex Richman (Chris Cooper) die Studios abreißen will, um auf dem Grundstück nach Öl zu bohren. Wenn die Muppets nicht schnellstmöglich 10 Millionen Dollar auftreiben, um das Studio zurück zu kaufen, sieht es also schlecht aus.

Ich glaube, ich verrate hier nicht zu viel, wenn ich sage, dass Walter, Gary und Mary es selbstverständlich schaffen, Kermit davon zu überzeugen, die alte Truppe wieder zusammen zu trommeln und dass die Muppets das alte Theater selbstverständlich wieder auf Vordermann bringen und das selbst der kleine Walter selbstverständlich auf den letzten Drücker sein Talent entdeckt. Welches Talent das ist, verrate ich aber nicht.

Dass der Film jetzt nun nicht die abgefahrenste, unvorhersehbarste Story der Filmgeschichte hat, ist zu erwarten und ist auch nicht schlimm. Dafür kriegt man ein wunderbares Ensemble von Menschen–  und Puppenschauspielern, furchtbar altmodische und unrealistische Tanzszenen, und für jeden Witz eine ebenso rührende Szene.

Man kann sich sehr schön vorstellen, wie nah der Film an der Realität ist. Der letzte Muppet-Film ist zwölf Jahre her, Mitte der 90er gab es eine Neuauflage der Muppet Show, die es aber nicht lange durchhielt und das Original? Eben. Auf der anderen Seite scheint es zumindest im Internet einen Muppet-Kult zu geben (dem ich zugegebenermaßen auch anhänge), der einem das gute Gefühl vermittelt, dass die Welt eben doch nicht schlecht ist, weil es immer noch Muppets gibt und genug Leute, die das gut finden.

Und schon während man im Kino sitzt, wünscht man sich, dass man es vielleicht doch noch einmal mit einer Neuauflage probiert, aber einer nostalgischen Neuauflage, die wieder im Theater stattfindet und nicht in einem Fernsehstudio, und bei der Kermit vor einem roten Vorhang steht und “Applaus, Applaus, Applaus!” ruft und wo das Orchester und die Band noch im Graben vor der Bühne spielt. Ich weiß nicht, ob es funktionieren würde, aber wünschen kann man es sich ja mal.

Jedenfalls gab es schon lange keinen Film mehr, bei dem ich gleichermaßen herzlich gelacht und gekichert habe (gerne auch bei den besonders albernen Witzen, Furzschuhe, hihi) und an anderen Stellen Tränen in den Augen hatte. Ich bin da ja auch besonders empfänglich, aber spätestens (Vorsicht, es folgt ein geringfügiger Spoiler), wenn Floyd Pepper Animal seine Trommelstöcke bringt, die er all die Jahre für ihn aufgehoben hatte und Animal dann zu Rainbow Connection eben diese Trommelstöcke zum ersten Mal schwingt, da ist es eben mit mir vorbei. Nicht viel besser geht es mir, wenn bei einem Kameraschwenk über an die Wand gepinnte Bilder kurz ein Bild von Kermit und Jim Henson zu sehen ist.

Neben all der Musik und den Witzen geht es nämlich eben auch ums Erwachsenwerden, um den Glauben an sich selbst und an seine Talente und darum, dass man eben manchmal über sich selbst hinauswachsen muss und dass es Momente gibt, wo man sich entscheiden muss, was man will im Leben. Ja ja ja, es ist eine altbekannte Hollywood-Botschaft, aber sie wirkt umso glaubwürdiger, wenn sie einem von Kermit (oder wahlweise Jason Segel) vorgetragen wird.

Mal wieder hat mich erstaunt, wieviel Charakter den Muppets in ihrer langen Karriere eingehaucht wurde, und wie es überhaupt keinen Unterschied macht, ob da Menschen oder Puppen spielen. Ich hab mich genauso über die Cameos von Sarah Silverman, Donald Glover und Neil Patrick Harris gefreut wie über die kurzen Auftritte von Rizzo, Camilla und Sweetums.

Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Muppets über all die Jahre treu geblieben sind, und der Film genau diese nostalgischen Gefühle auslöst, weil es eben keine unglaublichen Special Effects braucht, sondern nur diese ziemlich simplen, aber liebevoll gestalteten Puppen. Ein kleiner Wehmutstropfen ist die Eindeutschung der Musiknummern, die teilweise ein bisschen holprig ist. Auf der anderen Seite fand ich es konsequent und auch ein bisschen mutig, hier eben nicht mit Untertiteln zu arbeiten.

Ansonsten gibt es kaum etwas zu meckern. Oder besser: gar nichts. Außer vielleicht, dass es für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig Electric Mayhem gab, aber das sind jetzt schon persönliche Präferenzen.

Abschließendes Urteil: Wer Muppets mag, der wird diesen Film auch mögen, aber auch andere Leute kann man mitnehmen (der Mann musste mit, hat halbherzig versucht, sich zu wehren, war aber nicht unzufrieden). Problematisch wird es wahrscheinlich bei Leuten, die mit lustigen, aber hemmungslos überzogenen Tanzeinlagen nichts anfangen können. Und auch Neil Patrick Harris hätte meines Erachtens mehr Screentime bekommen können. Aber wie gesagt: persönliche Präferenzen. (Und jetzt warten wir darauf, dass Man or Muppet hoffentlich, hoffentlich wirklich einen Oscar abräumt. Verdient wär’s.)

Daily Trailer: Where the Wild Things Are

Claudia ist schuld, weil sie ja unbedingt den Trailer zu Extremely Loud and Incredibly Close verlinken musste, und da musste ich an Where the Wild Things Are denken, einen Film, der nicht nur sowieso wunderbar ist, sondern auch einen wunderbaren Trailer mit wunderbare Musik hat und für den vor allem der wunderbare Dave Eggers das Drehbuch und einen unglaublich schönen Roman geschrieben hat. Es gibt überhaupt keine validen Argumente gegen diesen Film.

Und als Zugabe gibt es noch Wake Up von Arcade Fire. Bitteschön.