Tagebuchbloggen, 31.7.2018

Die Sortiererei geht weiter, ich habe jetzt auch die Unterlagen für alle Wohnungen in eine halbwegs vernünftige, wenn auch noch nicht perfekte Ordnung gebracht. Falls es sie interessiert, es gibt jeweils immer drei Ordner: einen für den ganzen Kaufkram, also Verträge, Teilungserklärungen, Grunderwerbssteuer und hastenichgesehen, dann den mit den laufenden Kosten wie Grundsteuer, Kredite und Strom und dann den für den ganzen Verwaltungskram, Handwerkerrechnungen und Vermietzeug. Eventuell braucht ja hier jemand Inspiration für seine eigene Ablage.

Außerdem dann direkt an den ungeordneten Kram gegangen, der noch in zwei Kisten steckte. Das schönste daran war vielleicht eine Rechnung meines Mannes aus dem Jahr 1998 für einen Computer mit allen Hardwarekomponenten. Das Techniktagebuch hat vollkommen recht, 1998 war das langweilig, aber jetzt ist das hochspannend.

Übrig ist jetzt nur eine Kiste mit Dokumentenkram, den mein Mann gefälligst selber sortieren darf und ein kleiner noch ungeordneter Stapel, für den ich vermutlich einfach noch einen neuen Ordner brauche. Alles Kram, der eventuell noch relevant sein könnte (aber vermutlich nicht) oder den ich aus Steuergründen noch nicht wegschmeißen darf.

Als nächstes hole ich Kisten aus dem Keller, es wird also garantiert nicht langweilig.

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Beim enthusiastischen Papier raus- und wieder reinheften übrigens schwer verletzt, es klebt jetzt Blut an irgendwelchen Finanzamtpapieren, das ist schon fast wieder passend.

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Gerade hörlese ich „Die Optimierer“ von Theresa Hannig [Amazon-Werbelink], über eine durchorganisierte totalüberwachte Gesellschaft, in der der Leitspruch „Jeder an seinem Platz“ gilt, eine genauso verführerische wie erschreckende Dystopie, ein wenig Kafka light, denn natürlich ist der Protagonist ein linientreuer Mann, der selber in die Mühlen des von ihm tatkräftig unterstützen Systems gerät und ins Zweifeln kommt. Die meisten Ideen sind nicht neu, in der Kombination funktionieren sie aber gut, das ist ganz solide deutsche Science Fiction, man bleibt da gerne dran und möchte wissen, wie’s weitergeht, kein erhobener Zeigefinger, alles sehr erfreulich und dann auch von einer Autorin. Ich bin noch nicht fertig, kann mir aber nicht vorstellen, dass in der letzten Hörbuchstunde noch etwas passiert, das meine Meinung drastisch ändert.

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Ich habe immer noch keine Meinung zum Wetter, alleine, dass man keine Oberteile mehr mehr als einmal tragen kann, bevor sie in die Wäsche müssen, nagt ein wenig an meinen Nerven.


Wer gerne liest, was ich hier schreibe und mir eine Freude machen will, kann mir etwas von der Wunschliste spendieren oder Geld ins virtuelle Sparschwein werfen.  Die Firma dankt.

Tagebuchbloggen, 28. bis 30.7.2018

In Pulheim im Ein-Sterne-Restaurant gewesen. Das Gut Lärchenhof können wir jetzt also auch empfehlen, es war ein sehr schöner Abend, was auf der einen Seite an der Begleitung lag, auf der anderen Seite am tollen Essen und an den wirklich exzellenten Weinen. Besonders schön dieser Weißburgunder hier von Dr. Wehrheim, den ich mir sofort in mehreren Kisten bestellen würde, wenn er nicht knapp 35 Euro pro Flasche kosten würde, was deutlich über unserer Weißweinschmerzgrenze ist. Aber toller Wein.

Der Sommelier wollte kurz den Dienst verweigern, als er zum Dessert mit einer japanischen Flasche mit einer Zitrone drauf kam und ich fröhlich „Ach guck, bestimmt ein Limoncello aus Yuzu!“ rief. Dann bräuchte er auch nichts mehr sagen, wenn wir alles schon wüssten, beschwerte er sich, erzählte dann aber doch noch etwas mehr, zum Beispiel, dass dieser Limoncello auf Sake-Basis hergestellt wird. Auch übrigens ein tolles Gesöff, aber hierzulande offensichtlich schwer aufzutreiben, jedenfalls im Internet, wenn Sie zufällig Millionär sind oder in Japan oder Großbritannien leben oder eventuell beides und nicht wissen, wohin mit dem Geld, ich lasse mir gerne Wein und Yuzu-Limoncello schenken, Adresse steht im Impressum.

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Das große Aufräumen geht weiter. Ich halte mich überhaupt nicht an die KonMari-Reihenfolge und auch nicht an die goldene Regeln, nicht nach Zimmer, sondern nach Art der Dinge zu sortieren. Da das Endergebnis aber trotzdem aus vollen Mülleimern und mehr Ordnung besteht, habe ich beschlossen, dass es trotzdem okay ist.

Jedenfalls habe ich mich an die an Papiere gemacht, nicht nur an die, die sowieso in Stapeln rumlagen, sondern auch die, die bereits in diversen Ordnern lose gesammelt wurden. Nachdem ich gestern Abend sogar die bereits abgehefteten Unterlagen zu den Essener Wohnungen alle wieder aus den Ordnern geholt und zusammen mit den lose rumliegenden Unterlagen wieder neu geordnet und auf drei Ordner verteilt… ach, das ist nicht so interessant? Sagen wir einfach, es ist aktuell nur noch ein Stapel und ein bisschen Rest übrig. Dann gibt es noch zwei Kisten, in denen Papierkram ist und dann habe ich hoffentlich alles erwischt und kann mich an die Küche machen.

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Sonntag gab es wieder Pflaumenkuchen vom Bäcker Lindner. Bäcker Lindner ist unsere Entdeckung dieses Jahres, es fing alles an einem Feiertag an, an dem sowohl der nächste Bäcker als auch der Bäcker fünfzig Meter weiter ALS AUCH der Bäcker hundert Meter weiter geschlossen hatten und ich in heiliger Frühstücksmission noch weiter die Straße hoch lief, um noch mal fünfzig Meter weiter fündig zu werden. Seitdem wissen wir, dass sowohl die Croissants als auch der Butterzopf als auch die Kartoffelbrötchen so mit das beste an Backwarenerzeugnissen in unserer näheren Umgebung ist und der Pflaumenkuchen im übrigen auch.

Sonntagmorgen übrigens eine unangenehme Situation in der Bäckerei, die komplett von mir selbst verschuldet war und mich in keinem so rühmlichen Licht erscheinen lässt. Die Frau vor mir in der Schlange kaufte mir bei einem Großeinkauf die letzten Kartoffelbrötchen vor der Nase weg, ein herber Schlag, aber so ist das Leben, wenn man nach neun beim Bäcker steht. So kam ich dann an die Reihe, während sie noch weiter Brötchen auswählte und sagte möglichst laut und deutlich: „Ach, waren das die letzten Kartoffelbrötchen? Das ist aber schade!“ Mein Plan, die Kartoffelbrötchenaufkäuferin zu beschämen schlug massiv fehl, statt dessen schenkte mir die Frau eines ihrer Kartoffelbrötchen und so lief ich dann mit beschämten Kopf nach Hause und werde in nächster Zeit eine Gelegenheit zum Karmaausgleich brauchen.

Haben Sie keinen Bäcker Lindner in der Nähe kann ich übrigens alternativ auch die Landmädel von Backbord und die Handstücke vom Bäcker Merzenich empfehlen. Vermutlich gibt es aber noch viele andere Geheimtipps, was die leckersten Brötchen angeht, wahrscheinlich gibt es sogar eine Datenbank dafür, ich werde gleich mal recherchieren müssen.

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Da mehrfach an mich herangetragen wurde, dass man Schüsseln mit Wasser nach draußen stellen soll, damit die Vögel trinken und plantschen können, stehen jetzt auf drei Balkonen Wasserschüsseln, die sehr konsequent von sämtlichen Vögeln gemieden werden. Ich fühle mich etwas betrogen, hatte mich doch schon auf putzige Meisen gefreut, die sich beseelt im Wasserbad suhlen.

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Im Übrigen habe ich immer noch keine Meinung zum Wetter.


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Lieblingstweets im Juli (Teil 2)

REGENSCHIRMPREISE! BÜROKATZEN! ALPAKAS IM GROSSRAUMBÜRO! BAKLAVALIEFERDIENSTE! GESUNDES FRÜHSTÜCK! UND BITTE NIEMANDEN SCHUBSEN!

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Mit Freunden im Gut Lärchenhof in Pulheim gewesen. Auf der Terrasse war es zunächst etwas windig, dann sehr angenehm und zu späterer Stunde wurden Decken verteilt. Das Essen konnte von vorne bis hinten überzeugen, die Weinauswahl war toll (Dank an Sommelier Clemens).

 

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Sushi von der Garnele und vom Wild mit Gänseleber sowie krosse Haut vom Fisch mit Nori und Wasabicreme

Spargel mit Pancetta und Engelshaarnudeln mit Misoschaum

Taschenkrebs, Bohnen, Erbsen, Mandel und Ziegenkäse

Kaisergranat, Pak Choi, eingelegtes Gemüse, Curryspeck und Nordseegarnelen

Rotbarbe, Aubergine, Zwiebel und Speck

Rehbock, gegrillte Wassermelone, Waldmeister und Sellerie

Eistee, Zitrone und weiße Schokolade

Gourmandises: „Geschmäcker der Kindheit in anderer Form“, Bananenhäppchen, Fruchtdrops, sowie Maracuja und Vanille im Kölschglas (schmeckte Original wie Cuja Mara Split)

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Gut Lärchenhof, 28.7.2018

Tagebuchbloggen, 26.7.2018

Es gibt zu Tage, da ist es offensichtlich zu heiß zum Denken und dann lässt man sich auf sinnlose Diskussionen auf Twitter ein. Wobei das nicht ganz stimmt, ich wollte, das ist jetzt der Teil der Geschichte, auf den ich nur bedingt stolz sein kann, mal wieder nur gucken, wie sehr man sich mit einer fürs reflexhafte Blocken bekannten Person in eine Diskussion verstricken kann, bevor man geblockt wird. Ansonsten hätte ich relativ schnell das Handtuch geworfen, weil sehr schnell klar war, dass hier keine Einigung in irgendeiner Hinsicht möglich sein könnte.

Zu allem Überfluss hat es dann noch nicht mal funktioniert, ein insgesamt enttäuschendes Ergebnis, viel Mühe und Aufwand für nüscht, während andere stolz ihre Blockscreenshots in die Höhe halten konnten. „WAS HABE ICH FALSCH GEMACHT?“ fragt man sich da nur. War ich schon wieder zu nett? Zu harmlos? War mein Streben zu offensichtlich? Beim Postel Gert hat es doch auch geklappt! Es ist ein Jammer.

Wenn Ihnen das hier zu kryptisch ist, gucken Sie einfach bei Twitter nach, das Drama in mehreren Akten ist da für die Nachwelt festgehalten. Es ist aber nicht schön und macht nur schlechte Laune, deswegen gucken Sie lieber was anderes, warten Sie, hier ist ein Video der Electric Mayhem Band mit Paul Simons Kodachrome, das ist viel besser:

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Abends noch den neuen Ghostbusters-Film gesehen, allerdings nur, bis die Entertainbox zum zweiten Mal neu startete. Es ist einfach warm, wahrscheinlich ist das Gerät auch nur erschöpft. Bis dahin aber sehr angetan gewesen, vor allem von McKinnons Figur Holtzmann. Mir wurde erst während des Films bewusst, wie sehr mir solche Frauenfiguren in meinem Leben bislang gefehlt haben und wie viele von ihnen wir noch brauchen werden, bevor es einfach normal sind, das durchgedrehte Wissenschaftler in Buch, Film und am Ende auch in der wirklichen Wirklichkeit auch weiblich sein können.

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Wir gewöhnen uns langsam an das neue Bett, überraschenderweise langsamer als ich erwartet hatte, denn an Hotelbetten muss ich mich ja auch nicht immer erst gewöhnen, da schlafe ich einfach ein, das kann ich gut, Schlafen gehört nach wie vor zu meinen Kernkompetenzen.

Jetzt aber kommt mir die Größe komisch vor, die Härte (beziehungsweise Weiche) des Bettes ist ungewohnt, mein Gehirn kommt anscheinend auch noch nicht ganz mit den neuen Gegebenheiten klar, so dass ich nachts immer weiter in die Mitte rücke, möglicherweise möchte es mir mitteilen, dass ein Sturz aus dieser Höhe unangenehm werden könnte. Abgesehen davon schlafen wir aber gut.

Ein weiteres Manko: Die Kuscheltiere sitzen nicht mehr so stabil auf der Rückenlehne wie beim alten Bett. Irgendwas ist wirklich immer.

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Gestern hatte ich wieder Gesangsunterricht, also quasi Sport. Ich meine das sehr ernst, ich werfe da imaginäre Bälle, ziehe an imaginären Seilen und gestern musste ich wieder die Wohnzimmerwand wegdrücken und habe den blöden Ton, zu dem wir hinwollten, trotzdem nicht getroffen.

Falls das alles sehr seltsam klingt, weil Sie dachten, beim Gesangsunterricht, lernt man da nicht einfach singen, doch natürlich, das tut man, aber nebenbei lernt man noch atmen und bei welchem Ton die Zunge wo im Mund sitzt und ob der Ton eher so hinten oder vorne sitzt, oft sitzen die Töne zum Beispiel auch vorne in der Nase, es ist immer wieder überraschend. Und man lernt noch lauter andere Dinge, von denen man gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Es ist alles sehr spannend, ich kann jedem nur dazu raten, Gesangsunterricht zu nehmen.

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Im Übrigen habe ich immer noch keine Meinung zum Wetter.


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Tagebuchbloggen, 24.7.2018

Gestern kam das neue Bett. Ich war ja nicht da und bekam nur Erfolgsbilder per WhatsApp. So sieht es aus, wir sind jetzt also offiziell alte Menschen, die morgens möglichst rückenschonend aufstehen wollen. Aus irgendeinem Grund wirkt es schmaler, obwohl es eindeutig genau so breit ist wie das alte Bett, ich habe das durch Querlegen getestet.

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Eine Doku über IKEA gesehen, die inhaltlich okay bis interessant war, aber mit Offensichtlichkeiten um sich warf, dass ich wieder alle fünf Minuten frustriert den Fernseher anschrie. Also, passen Sie auf, folgendes haben die investigativen Journalisten herausgefunden:

  1. IKEA möchte die Leute zum kaufen verführen.
  2. IKEA ist tatsächlich billiger als andere vergleichbare Möbelhäuser.
  3. Grundsätzlich, vor allem aber, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, ist die Qualität der Möbel und anderer Waren durchaus gut.
  4. Vom Handwerker gefertigte Möbel sind aber besser.
  5. Die Qualität der Möbel ist heute tendenziell besser als früher.
  6. Das Essen im IKEA-Restaurant ist gar nicht frisch zubereitet und schmeckt einem Ein-Sterne-Koch nicht so gut.
  7. IKEA findet Steuern doof.

Ich lasse das einfach mal so stehen.

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Ich möchte außerdem kurz über Küchengeräte sprechen. Die Aufräumaktion in der Küche steht noch aus, das sorgt mich ein wenig, denn ich vermute schlimmes, immerhin besitzen wir doch ein ganz gutes Arsenal an Küchengeräten. Es hilft auch nur bedingt, dass mein Mann, wenn ich zum Beispiel sage, dass ich gerne ein Crêpe-Eisen hätte, erst zwei Wochen recherchiert und dann das original bretonische Crêpe-Eisen aus Gusseisen bestellt, dass man maximal von einer Ecke der Arbeitsplatte in die andere schieben, aber auf keinen Fall öfter als nötig ernsthaft tragen möchte.

Man kann sich da durchaus auch mal fragen, ob man das alles wirklich braucht, aber natürlich ist die Antwort immer: Ja, klar!

Am Sonntag fror ich nämlich Soffritto ein, weil der Staudensellerie weg musste und ich Staudensellerie nur in Soffritto akzeptiere und das nur zähneknirschend, weil ich keine Italiener böse machen will. Soffritto ist die kleingehackte Mischung aus Sellerie, Möhren und Zwiebeln, die man braucht, wenn man eine ordentliche Bolognesesauce machen will. Nur deswegen war überhaupt Staudensellerie im Haus.

Dafür jedenfalls steckte ich das grob geschnittene Gemüse in den Blitzhacker aus dem umfangreichen Stabmixerset, das ich letzte Weihnachten bekam, weil ich mir einen (im Sinne von „einen“) Stabmixer gewünscht hatte. Der Blitzhacker ist ein einziges Wunder und schnippelt in zwei Minuten Zeug in einer Feinheit, die ich per Hand überhaupt nicht hinbekommen würde und wenn dann nur mit sehr viel Zeitaufwand. Obwohl ich Kochen und Backen ja grundsätzlich als kontemplative Beschäftigung empfinde, habe ich großen Spaß an der Blitzhaftigkeit des Blitzhackers.

Weil ich nicht nur einen Blitzhacker besitze, sondern auch einen Vakuumierer, wurde es noch schöner: Das fertige Soffritto wurde auf zwei Portionen verteilt und mit dem Vakuumierer so luftfrei wie möglich verschweißt.

Ich kann also noch zwei Mal Spaghetti Bolognese machen, ohne Staudensellerie kaufen zu müssen. Und wenn ich jetzt noch die Bolognesesauce mit dem Sous-Vide-Gerät zubereite und es anschließend mit auf der Mandoline gehobelten Gemüse in einem Buchweizengalette serviere, dann kann ich auch noch die Existenz von drei weiteren Küchengeräten rechtfertigen.

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Im Übrigen habe ich keine Meinung zum Wetter.

Tagebuchbloggen, 23.7.2018

Der Tag im Büro war ereignislos, außer, dass ich aufgrund eines ungünstig gelegenen Meetings allein zu Mittag essen musste. Das war aber nicht so schlimm, denn erstens macht mir etwas Ruhe beim Essen gar nichts aus und zweitens kann man sich, wenn man alleine isst, den Platz auch selber aussuchen und deswegen saß ich dann nicht mit der üblichen Aussicht auf Tanzbrunnen, Eisdealer und Rhein, sondern mit Domblick.

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Der Zug nach Hause hatte sehr viel Verspätung, weswegen ich erst zum Hauptbahnhof fuhr und da ein bisschen im Bücherladen rumguckte und danach noch die Pokéarena am Bahnsteig 4/5 besetzte. Im Bücherladen erstand ich ganz spontan „Die Welt der Drei Fragezeichen“ von C. R. Rodenwald [Amazon-Werbelink], um mich mal ein bisschen zielgerichteter in die Hintergründe einzulesen. Etwas geärgert, weil das Buch im riva-Verlag erschienen ist, der sich in der Vergangenheit gelegentlich mit fragwürdigen Urheberrechtsdramen auf Twitter nicht gerade mit Ruhm bekleckerte.

Das Buch liest sich sehr gut an, aber man muss vermutlich schon Fan sein, um erst mal hundert Seiten über Autorengeschichte und Lizenzrechtsstreits zu lesen. Für mich passt das, ich finde das alles sehr spannend. Es gibt aber natürlich auch direkt wieder mindestens zwei Gründe, den Flammenwerfer auszupacken.

(Beim letzten Zitat befinden wir uns übrigens schon in den Achtzigerjahren, da hätte ich ja gedacht, dass man schon weiter gewesen wäre.)

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Noch aus dem Zug raus bei der Pizzeria an der Ecke zwei kleine Pizzen zum Abholen bestellt, hauptsächlich, weil ich kaum noch Geld hatte und nicht sicher wusste, ob man überhaupt und wenn ja, auch für Beträge unter zehn Euro mit Karte zahlen könnte. Online kann man aber über Paypal zahlen. Zu Hause dann Trash-TV und Bett abbauen, in umgekehrter Reihenfolge. Während seltsame Z-Promi-Paare im Fernsehen sich bei dummen Spielchen anschrien, bauten wir unser altes Bett in stiller Harmonie in einer Viertelstunde ab.

Heute morgen kommt nämlich das neue Boxspringbett. Die Geschichte dazu geht so, dass mein Mann eine neue Matratze kaufen wollte und ich daraufhin vorschlug, dann gleich ein neues Bett zu kaufen. Das mit dem neuen Bett aber auch nur, weil wir das sowieso schon mal überlegt hatten und die Gelegenheit günstig erschien. Die Auswahl war auch einfach, wir nahmen einfach exakt das Bett, das meine Eltern vor ein paar Jahren kauften, es heißt Bruno, kommt aus Berlin und hat ein Bär im Logo. Googeln Sie das selber, wenn ich das verlinke, muss ich nachher noch irgendwo Werbung dran schreiben.

Jedenfalls sollte das neue Bett erst Freitag kommen und jetzt auf einmal dann doch schon Dienstagmorgen und deswegen musste gestern das alte Bett noch schnell abgebaut werden. Geschlafen haben wir dann im Flur auf der alten Matratze, weil sie nun mal im Zuge des Abbauens dort gelandet war. Haben wir das jetzt also auch mal gemacht.

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Drei neue Entdeckungen im Spotify Mix der Woche: Nieselregen von Laing, Autobiographie einer Heizung von Knarf Rellöm (bei dem ich nach zwei Sekunden innerlich „DAS HAT ER DOCH VON RANDY NEWMAN GESAMPELT!“ dachte) und Bach von Dan Reeder.


Wer gerne liest, was ich hier schreibe und mir eine Freude machen will, kann mir etwas von der Wunschliste spendieren oder Geld ins virtuelle Sparschwein werfen.  Die Firma dankt.

Tagebuchbloggen, 20. – 22.7.2018

Ich habe ein ganzes Wochenende zu verarbeiten und wir haben auch noch viel erlebt und gemacht, es wird also lang.

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In der Nacht von Donnerstag auf Freitag verschwand unser Internet und damit auch der Festnetzanschluss und der Fernsehempfang. Anrufe bei der Telekom ergaben erst mal nichts Konkretes, am Freitagabend einigten wir uns darauf, dass ich erst mal am nächsten Tag das DSL-Kabel austauschen würde, und dann würde man weitersehen. In der Zwischenzeit bekam ich zusätzlich 10 GB Datenvolumen für den Mobilfunkvertrag, damit fühlte ich mich dann auch ausreichend gewappnet, die internetlose Zeit zu überstehen. An dieser Stelle möchte ich auch mal anmerken, dass sich bei der Telekom einiges in Sachen Kundenservice getan hat, kurze Reaktionszeiten, Mitarbeiter, die einen ernst nehmen und glaubhaft bemüht scheinen, kurzfristige Technikertermine, brauchbare Ideen, um mich als Kunden nicht im Regen stehen zu lassen, das war alles sehr erfreulich.

Long story short, der Kabelaustausch brachte auch nichts, wir hatten also sowohl Modem als auch Kabel als Störfaktor ausgeschlossen und es blieb nur der Technikertermin. Am Sonntagnachmittag  fiel mir dann zufällig auf, dass auf einmal wieder alle Lämpchen blinkten und jetzt haben wir wieder Internet. Es war ansonsten aber auch gar nicht so schlimm, zum Beispiel haben wir festgestellt, dass man vollkommen überraschend auch auf dem Balkon zu Abend essen kann, möglicherweise machen wir das jetzt öfter.

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Es gab noch andere Vorteile. So entdeckte ich zum Beispiel bei der morgendlichen Fahrradtour zum Telekomshop, dass auf der Rüttenscheider Straße ein Ramen-Japaner aufgemacht hat. Im Ruhrgebiet kommen ja alle hippen Foodtrends erst so drei bis fünf Jahre nach fläschendeckender Einführung in Berlin, Hamburg und Köln an. Jetzt also auch Ramen in Essen, ein Traum geht in Erfüllung.

Wir waren also Ramen essen, und können das Genki Ramen in der Dorotheenstraße in Essen empfehlen, das Lava-Ei hätte etwas weicher sein können, aber das ist eigentlich auch alles, was ich an Beschwerde hätte.

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Vorher ließ ich mich von meinem Mann beschenken, ich hatte schon seit längerem den Wunsch nach einem schönen Füller und jetzt besitze ich einen hübschen Kaweco-Reisefüller und bin ganz angetan, weil es sich damit eben doch anders schreibt als mit dem Kugelschreiber. Vermutlich sitze ich also demnächst abends bei Kerzenschein in meinem Schreibstübchen und verfasse Briefe, möchte hier jemand einen, ich habe einen Füller, ich bin bereit!

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Eine schöne Alltagsbeobachtung im Vorraum der Commerzbank. Ein alter Mann nähert sich vorsichtig einem anderen Mann, der gerade Geld abgeholt hat.

„Darf ich fragen, wie groß Sie sind?“

„Zwei Meter“, antwortet der jüngere, sehr große Mann.

„Oh, das kommt bestimmt selten vor.“

„Es gibt noch größere.“

„Aber schon praktisch, Sie kommen an alles dran.“

Allgemeines Verabschiedungsgeplänkel und während der alte Mann jetzt selber zum Automaten geht, murmelt er noch sehr gut hörbar: „Mein lieber Scholli!“

Das war schön.

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Nach Füllerkauf und Ramenessen noch zum großen Trödelmarkt am Girardethaus gefahren, ein sehr schöner Trödelmarkt, der allerdings auch nur einmal im Jahr stattfindet, wenig Neuware oder zumindest Neuware deutlich vom Trödel getrennt. Wir erstanden ein Sonor Glockenspiel für fünf Euro und eine Melodica für zehn Euro, dabei hatte ich vom letzten Flohmarkt erst eine Melodica mitgebracht, jetzt haben wir halt zwei. Es hätte eventuell auch noch eine Ukulele gegeben, ich entschied mich dann aber dagegen, dafür habe ich jetzt eine neue Dienstleistung erfunden: Kostenloses Instrumentestimmen auf Flohmärkten. Ich mache das gerne für Sie, sprechen Sie mich einfach an.

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„Ich bin viele“ von Dennis E. Taylor [Amazon-Werbelink] zu Ende gehört, nachdem es so viel Lob in den einschlägigen SF/F-Foren bekam und endlich mal wieder so richtig enttäuscht und angenervt von einem Buch gewesen. Ich wiederhole mich vielleicht, aber ich freue mich immer, wenn ich ein Buch doof finde, das kommt nämlich so selten vor, dass ich gelegentlich an meinen Qualitätskriterien zweifle und mich frage, ob ich zu einfach gestrickt bin. Im Prinzip will ich von einem Buch ja nur unterhalten werden.

Dieses Buch jedenfalls, die Synopsis ist mehr oder weniger, dass ein Mann namens Bob irgendeine Art Gehirnabdruck einfrieren lässt, um bei einem Todesfall wiederbelebt werden zu können, dann relativ schnell stirbt und entgegen der Absprache nicht als Mensch aus Fleisch und Blut, sondern als AI wiederbelebt wird, auf dass er ins All fliege, neue Planeten für die Menschheit entdecke und sich dabei immer wieder selbst klone. Nachher gibt es also viele Bobs, die alle nach irgendwelchen popkulturell relevanten Figuren (Ryker, Homer, Khan, Ernie und Bert, you get the picture) benannt sind (gähn) und natürlich alle den gleichen sarkastischen Humor haben (doppelgähn) und mit irgendwelchen lustigen popkulturellen Referenzen um sich werfen (dreifachgähn). Damit man es nicht vergisst, erwähnt der Ich-Erzähler dann auch regelmäßig, wie er (haha!) ja einen total kindischen Humor hätte (hahaha!) und ach, ach…

Es wäre auch alles noch gar nicht so schlimm, wenn in dem Buch wenigstens relevante Frauenfiguren vorkämen. Ich habe, bei allem Bemühen um Verständnis und Nachsicht, einfach keine Geduld mehr für Bücher (oder Filme oder Serien), in denen alle relevanten Figuren Männer sind, es sei denn, es gibt einen wirklich, wirklich guten und nachvollziehbaren Grund. Es gibt aber keinen guten oder nachvollziehbaren Grund, warum unter den ganzen Wissenschaftlern und Staatsoberhäuptern oder FUCKING ALIENS in diesem Buch keine weiblichen Repräsentanten sind. Es ist so ermüdend.

Keine Empfehlung für „Ich bin viele“ also, ein ähnlich überbewertetes Buch wie „Der Marsianer“, das ich von nun an dem Science-Fiction-Subgenre „White Male Geek Wet Dream“ zuordnen werden, Bücher, die weiße Nerdmänner für andere weiße Nerdmänner schreiben und dann erstaunt gucken, wenn man anmerkt, dass sie eventuell zu sehr in ihrer eigenen Wahrnehmungsblase stecken. Von dem happy Genozid, der damit gerechtfertigt wird, dass man ja die guten Aliens vor den bösen schützt mal ganz zu schweigen. Auch da waren wir in der Science-Fiction-Literatur schon mal deutlich weiter.

Positiv zu vermerken ist, dass das Hörbuch von Simon Jäger gelesen wird, aber das war’s dann auch schon.

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Erfreulicher hingegen war „Mortal Engines“ von Philip Reeve [Amazon-Werbelink], Young Adult-Fantasy-Science-Fiction, die in einer Welt spielt, in der Städte nicht mehr stur auf einem Fleck hocken, sondern sich fortbewegen, bekämpfen und aufessen. Ja, das klingt absurd, funktioniert aber ganz gut. Das ist alles solide Popcornliteratur, aber es kommen relevante weibliche Charaktere vor, auch sonst sind die meisten Figuren erfreulich ambivalent und man wird gut unterhalten.

Das Buch ist schon etwas älter und kommt demnächst als Verfilmung von Peter Jackson in die Kinos.

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Außerdem erfolgreich weiter ausgemistet. In meinem Arbeitszimmer gibt es jetzt nur noch einen großen Papierstapel, der mal gesichtet und auf entsprechende Ordner verteilt werden müsste und eine kleine Schublade, die ich aber auch schon grob sortiert habe.

An dieser Stelle ist „Magic Cleaning“ [Amazon-Werbelink] auch ein bisschen naiv, vielleicht ist das auch ein Japanding, jedenfalls soll man sich laut Marie Kondo auch hemmungslos von Papieren trennen, weil man die meisten ja sowieso nie wieder braucht und sie einen selten glücklich machen. Ich sag mal so: Wenn man nebenbei noch gelegentlich selbstständig arbeitet und außerdem Immobilien besitzt, greift das ein bisschen zu kurz, ich könnte mir auch vorstellen, dass das Finanzamt da anderer Meinung ist. Eventuell könnte ich aber mal darüber nachdenken, ob ich sämtliche Bankauszüge und Kreditkartenabrechnungen aus den letzten zehn Jahren wirklich noch mal brauche, jetzt stehen die Ordner auf jeden Fall etwas besser sortiert und beschriftet in den unteren Regalfächern. Sie machen mich immer noch nicht direkt glücklich, hier liegt das Glück im Zweifel darin, dass ich weiß, wo was ist, wenn ich was brauche und dass es sauber und chronologisch richtig abgeheftet ist. Es sind die kleinen Dinge.

Apropos kleine Dinge: Zahnarztbonusheft und Heiratsurkunde wiedergefunden.


Wer gerne liest, was ich hier schreibe und mir eine Freude machen will, kann mir etwas von der Wunschliste spendieren oder Geld ins virtuelle Sparschwein werfen.  Die Firma dankt.

Genki Ramen, 21.7.2018

Neue Entdeckung auf der Dorotheenstraße in Essen-Rüttenscheid, endlich gibt es auch Ramen in Essen. Die Suppen sind klassisch mit Nudeln, Schweinefleisch und Sprossen und je nach Geschmack auch mit Ei und Tofu. Außerdem günstige Gerichte und Vorspeisen und eine tolle hausgemachte Limonade. Und wenn man einen Platz an den hohen Tischen ganz vorne bekommt, kann man nebenbei noch die Passanten beobachten.

Genki Ramen, 21.7.2018

Hausgemachte Limonade

Agedashi Tofu – Gebratener Tofu mit hausgemachter Soße

Ramen mit Lava-Ei

 

Tagebuchbloggen, 19.7.2018

Ich habe vom gestrigen Tag nichts zu berichten, deswegen hier eine Alltagsbeobachtung, die mich beschäftigt.

Wenn ich beispielsweise im Zug sitze, dann habe ich die Augen üblicherweise auf dem Handy, im Buch, in einer Zeitschrift oder auf dem Rechner, jedenfalls beobachte ich nicht aufmerksam meine Umgebung. Den Zugbegleiter, der meinen Fahrschein sehen möchte, höre ich also eher als ich ihn sehe, was bedeutet, dass ich erstmal in meinem Rucksack nach dem Portemonnaie krame, dann das Portemonnaie aufmache und prüfe, in welcher Richtung ich es ihm entgegenhalten muss, damit die BahnCard richtig rum ist und erst dann gucke ich den Zugbegleiter selber an. Beim Bezahlen an der Kasse ist es oft ähnlich, erst alles hinlegen, währenddessen schon mal nach dem Portemonnaie kramen, dann Geld raussuchen, Sachen wegpacken und so weiter und erst im letzten Drittel der gesamten Transaktion guckt man mal den Menschen hinter der Kasse an.

Ich finde das eine falsche Reihenfolge der Kontaktaufnahme, man sollte doch erst mal den anderen Menschen angucken und grüßen und dann die anderen erforderlichen Schritte der anliegenden Aufgabe erledigen, habe aber auch noch keine Weg gefunden, das im Alltag irgendwie anders umzusetzen. Man will die Leute ja auch nicht unnötig warten lassen. Außerdem ist man ja selber oft mit anderen Gedanken beschäftigt und beschäftigt sich erst mal mit dem Naheliegenden, also zum Beispiel dem Rauskramen des Portemonnaies, bevor einem wieder auffällt, das man noch nicht mal weiß, wie die Person gegenüber überhaupt aussieht.

So lange hier noch keine Lösung gefunden habe, werde ich auf jeden Fall noch ein bis zwei Mal am Tag das Gefühl haben, aus Versehen unhöflich gewesen zu sein. Ich kompensiere das dann durch besonders gewinnendes Lächeln beim Abschließen der Transaktion und denke, dass es den anderen wahrscheinlich auch ein bisschen egal ist und ich im Leben nie der unhöflichste Kunde des Tages gewesen sein kann.