Tagebuchbloggen, 05.05.2021

Erst fiel mir nichts ein, über dass ich bloggen könnte, aber dann erinnerte mich doch noch an diese Begebenheit.

Ich war nämlich heute im Supermarkt, das passiert ja in den letzten Monaten nicht mehr so häufig, so dass es jedes Mal ein großes Erlebnis ist. Zumal ich sehr viel Anstrengung darauf verwende, in immer andere Supermärkte zu gehen, damit es wenigstens ein bisschen spannend bleibt. Der heute wurde auch gerade erst neu eröffnet, entweder es weiß noch keiner davon oder ich habe einen sehr seltenen Slot mit sehr wenig Kundschaft erwischt, es war jedenfalls sehr viel Platz. Die Einkaufswagen haben eingebaute Handyhalterungen und eine sehr nette Supermarktangestellte hat an der Selbstbedienerkasse alles für mich eingescannt, wir denken jetzt einfach nicht zu sehr über diese Widersinnigkeit nach, es war alles super. Ich werde beizeiten im Techniktagebuch weitere Details verraten.

Mein eigentliches Problem beim Supermarkteinkaufen dieser Tage ist aber folgendes. Teile unserer Lebensmittel kommen ja mit der Biokiste, also das bisschen Obst und Gemüse, das hier gegessen oder verarbeitet wird, Milch, Eier, auch Käse und gelegentlich Wurst und Joghurt. Dann kommen ja mindestens drei Gerichte pro Woche mit der Kochbox und die Getränke bringt der Getränkekistenlieferservice.

Das führt dazu, dass wir hauptsächlich zum Supermarkt müssen, um den ganzen Unsinn zu kaufen, für den sich die Biokiste zu fein ist. Unsinn und Innereien und Hüttenkäse für den Hund. Das ist auch sehr praktisch, wenn ich sage, wir müssen zum Supermarkt und mein Mann fragt, aber wofür denn, muss ich nur sagen, Hühnchen und Hüttenkäse für den Hund und er ist sofort einverstanden. Trotzdem sehen die Einkäufe beim Supermarkt oft so aus, als hätte man einer Zwölfjährigen 40 Euro in die Hand gedrückt und mitgeteilt, sie könne sich einfach für die nächsten Tage kaufen, was sie gerne essen würde. Falls Sie also demnächst eine Vierzigjährige an der Supermarktkasse sehen, deren Einkauf vorrangig aus Chips, Süßigkeiten, Eis, einer Packung Hühnerherzen und zwei Bechern Hüttenkäse besteht, grüßen Sie mich doch einfach, ich schwöre, wir haben auch richtiges Essen zu Hause, aber das müssen wir halt nicht im Supermarkt kaufen.

Tagebuchbloggen, 04.05.2021

Es gibt eigentlich wieder nichts zu berichten, ich habe gerade noch die Küche wirklich sehr gut aufgeräumt, das mache ich gerne abends, dabei kann man gut Hörbuch oder Hörspiel hören oder meinetwegen auch Podcasts und am nächsten Morgen freut man sich.

Mir ist aber dank der Diskussion, die sich über einen Tweet von mir übers Alleineschlafen entspann, noch etwas Erzählenswertes eingefallen. Ich schlafe ja gerne zu Hörspielen von den Drei ??? ein, das ist aber etwas schwierig, weil ich nicht alleine schlafe, sondern ein anderer Mensch das Bett mit mir teilt und der will gar nicht zwingend abends Hörspiele hören, der schläft lieber zu YouTube-Videos über Musikproduktion ein, na ja, jeder, wie er mag.

Deswegen höre ich dann über Kopfhörer. Das tat ich sehr lange mit normalen Kopfhörern mit Kabel, also immer so, dass nur einer eingesteckt war, nämlich der in dem Ohr, auf dem ich nicht lag. Mit Kabel ist aber immer auch schwierig beim Umdrehen und weil ja auch das Gerät mit dran hängt. Außerdem verschleißen die Kabel deutlich schneller, wenn man sie jeden Abend noch mal extra im Halbschlaf verwurschtelt, irgendwann hatte ich einfach keine mehr, weil alle kaputt waren.

Dann versuchte ich es kurzzeitig mit einem Paar Kopfhörer, die mein Mann noch über hatte, da schaffte ich es dann relativ schnell, den Bügel zu schrotten und man kann damit natürlich gar nicht auf der Seite schlafen, eine überaus schlechte Lösung.

Also brachte mein Mann mir In-Ear-Kopfhörer mit ohne Kabel mit und das funktioniert eigentlich super. Ich nehme immer nur einen und kann den dann bei eventuellem Umdrehen schnell ins andere Ohr stecken, es sind keine Kabel im Weg und das Abspielgerät (also das Smartphone) kann auf dem Nachtisch liegen. Einziges Problem ist, dass die Kopfhörer natürlich nachts rausfallen. Dann wandern sie auch mal gut durchs Bett und man muss sie am nächsten Morgen suchen. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich meinen Schlaf damit sabotiere, wie die Prinzessin auf der Erbse eigentlich, nur eben mit einem kleinen Kopfhörernupsi, der sich mir ungünstig in die Seite oder in den Rücken bohrt.

In der ersten Nacht mit Kopfhörernupsi bin ich übrigens panisch aufgewacht und weil ich den Kopfhörer nicht sofort fand, dachte ich überraschend lang, er könnte mir ins Ohr gerutscht sein und fummelte hektisch an meinem Ohr rum. Das kann natürlich nicht passieren, aber das wusste ich zu der Uhrzeit nicht und mein Gehirn brauchte verhältnismäßig lange, um da selber drauf zu kommen.

Ein Freund, dessen Frau das gleiche Einschlafritual hat, empfahl übrigens einen kleinen Lautsprecher, den man unter das Kissen legen kann. Sie wäre glücklich und er würde nichts hören. Über diese Alternative werde ich noch mal nachdenken, bis dahin schlafe ich halt auf einer Kopfhörererbse.

Tagebuchbloggen, 03.05.2021

Über den Tag gibt es nichts Spannendes zu berichten, deswegen hier noch ein Erkenntnisgewinn aus der Pandemie:

Ich bin ja jetzt seit über einem Jahr im Home Office und auch, wenn ich das Konzept ja grundsätzlich schon immer gut fand, dachte ich sehr lange, das wäre nichts für mich, so ganz alleine zu Hause mit all den Ablenkungen. Es stellt sich raus, natürlich gibt es hier Ablenkungen, aber die gibt es im Büro auch, das Internet zum Beispiel ist immer da und ja wohl die größte Ablenkung der Menschheitsgeschichte. Wenn ich mich jetzt hier mal zwischendurch fünf Minuten ans Klavier sitze, ist das das Äquivalent zur Kaffeepause, das zählt meines Erachtens nicht.

Vor allem aber wurde mir klar, dass Organisiertheit im Alltag auch sehr viel mit physischer Anwesenheit zu tun hat. Ich bin zum Beispiel sehr sicher, dass dieses und letztes Jahr noch überhaupt nie eine Mülltonne nicht am Tag vor Abholung draußen stand, weil ich ja erstens vor Ort und zweitens mehrfach am Tag wegen des Hundes draußen bin und im Zweifelsfall stelle ich die dann halt raus (wir haben einen Müllplan, wer wann zuständig ist, aber wenn ich zufällig vor dem Tor stehe und zwei Minuten Zeit habe, dann stelle ich auch die Tonnen raus, auch wenn ich nicht dran bin).

Auch sowas wie Wäschewaschen erledigt sich viel besser, wenn man es nicht nur abends nach 19 Uhr oder am Wochenende erledigen kann. Schon allein, dass bei mir nicht mehr drei Stunden am Tag für Pendelei draufgehen hilft sehr und die dauerhafte Anwesenheit in der Wohnung bewirkt natürlich auch, dass man zwischendurch auch mal Dinge wegräumt, das sind alles Sachen, die man dann nicht mehr abends machen muss, wenn man erstens keinen Bock hat und zweitens zu müde ist.

Es ist ja jetzt auch nicht so, dass hier vorher das Chaos geherrscht hätte, aber es ist schon erstaunlich, wie viel mehr ich das Gefühl habe, mein Leben halbwegs im Griff zu haben, seit ich von zu Hause arbeite. Wir haben jetzt sogar eine geordnete Kramschublade mit Batterien und Glühbirnen. AUF VORRAT!

Da fällt mir ein, ich muss noch die eine Glühbirne im Hausflur auswechseln. Heimliche Hausmeisterin bin ich nämlich auch noch, seit wir Pandemie haben. Die selbst auferlegten Pflichten beinhalten das Auswechseln von Glühbirnen im Hausflur, das Austauschen der Klingelschilder nach Einzug (dafür braucht man einen Schlüssel für den Klingelkasten UND DEN HABE ICH!) und das Verteilen von Schokohasen und Weihnachtsmännern zu Ostern bzw. Weihnachten.

Tagebuchbloggen, 01.05.2021 (wo wir fast ein bisschen neuropsychologisch werden)

Ich möchte das einleiten mit der Aussage, dass ich mein Gehirn total abgefahren krass finde.

Es war nämlich so gewesen:

Vor einige Jahren ging mein letzter Desktop-PC kaputt. Er ging einfach nicht mehr an und ich hatte keine Nerven, ihn durchzuchecken und reparieren zu lassen. Irgendwann baute ich einfach die beiden Festplatten aus und seitdem liegen diese Festplatten immer in irgendeiner Schublade. Irgendwann kaufte ich zwei Hüllen für die Festplatten, damit sie nicht aus Versehen kaputt gehen. Dann lagen sie weiter jahrelang rum.

Neulich kaufte ich dann endlich einen SATA-auf-USB-Adapter nach kurzer Nachfrage auf Twitter, wo mir der gute Ratschlag gegeben wurde, man müsste darauf achten, dass der Adapter eine eigene Stromversorgung bräuchte. Der Adapter kam und es funktionierte exakt so, wie ich es mir vorgestellt hatte, ich konnte sofort auf alle Daten der Festplatte zugreifen und in meine Vergangenheit eintauchen. Ein paar Bilddateien, die ich mir zur Wiederherstellung eines alten Blogprojekts erhofft hatte, fand ich leider nicht, dafür alte Musikaufnahmen und Liedtexte, die ich teilweise noch im Hinterkopf, teilweise komplett vergessen hatte.

Ein Lied konnte ich jetzt über den Text komplett melodisch und harmonisch rekonstruieren und hier fängt jetzt die Geschichte mit meinem faszinierenden Gehirn an. Am Anfang starte ich nämlich nur auf den Text und erinnerte mich zwar schwach, konnte mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, da wieder irgendeine Melodie singen zu können. Dann kramte mein Gehirn von irgendwoher einen Rhythmus hervor und dann Teile einer Melodie und nachdem ich das dann am Klavier ein paar Mal spielte, kramte mein Hirn immer mehr Teile raus und jetzt kann ich das Lied wieder komplett spielen, obwohl ich einfach mindestens 15 Jahren nicht darüber nachgedacht hatte. Das Lied stammt aus der Frühphase meiner musikalischen Schaffenszeit, es muss irgendwie im Alter zwischen 15 und 17 entstanden sein. Das weiß ich, weil es ein konkretes Lied gibt, das den Anfang der brauchbaren Songs darstellt und da war ich 17, das kommt nämlich im Text vor.

Demnächst nehme ich das rekonstruierte Lied mal auf, nur der Vollständigkeit halber, dann kann ja jeder selbst beurteilen, wie pubertär genau es ist. Es gab noch zwei andere komplette Liedtexte, mit denen habe ich aber ein bisschen mehr Schwierigkeiten. Ich weiß Teile der Melodie, aber die Erinnerung an das komplette Lied hat sich noch nicht wiedergefunden.

Jetzt kommt der eigentlich richtig abgefahrene Zeit. Auf irgendeinem Weg hat sich nämlich die Melodie eines anderen Songs dazwischengeschoben. Erst dachte ich „Ah ja, da war irgendwas“, war aber nicht sicher, ob das nur mal eine grobe Skizze oder ein kompletter Song war. Dann wusste ich auf einmal, doch, doch, das war mal fertig. Dann fielen mir die ersten Worte ein und dann der zweite Teil der ersten Strophe, mehr oder weniger komplett, vier Zeilen. Dann dachte ich, okay, das war’s, mehr kriegst du nicht mehr ausgegraben.

Seit heute ist der erste Teil der zweiten Strophe da, ich habe eine grobe Ahnung, wie der Refrain (oder Teile davon) sind und weiß die komplette erste Zeile. Und jetzt dachte ich schon mehrfach, „Okay, das war’s aber jetzt, mehr fällt mir nicht ein“ und lag jedes Mal falsch, also warte ich mal ab, aus welchen Untiefen mein Gehirn vielleicht doch noch mehr befördert. Es ist unfassbar spannend, ich weiß nicht, wo das herkommt, eine komplette Überraschung. Allerdings habe ich jetzt natürlich noch mehr Bock, mehr rauszufinden und frage mich, wo ich in der Kohlenstoffwelt buddeln müsste, um vielleicht anfassbare Überbleibsel auszugraben. Es muss irgendwo noch Notizbücher oder Dateien geben, vielleicht muss ich Diskettenlaufwerk oder einen Kassettenrekorder kaufen, wer weiß? Muss ich bei meinen Eltern im Keller suchen oder bei uns im Lagerraum, WHO KNOWS?

Das erinnert mich auch an die Geschichte, als mein Mann und ich in Bordeaux in einem Restaurant saßen und über ein Restaurant in Tallinn sprachen, in dem wir 2009 oder so gegessen hatten und das ein estnischer Starkoch betrieb. Ums Verrecken fiel uns der Name nicht ein, wir hatten nicht einen Anhaltspunkt, nicht vom Vornamen, nicht vom Nachnamen, wir wussten nichts mehr. Aber irgendwie war unser Sportsgeist geweckt, wir wollten das unbedingt selbst rausfinden, durch intensives Nachdenken. Am Ende hatten wir’s: Imre Kose heißt der Mensch. NUR DURCH NACHDENKEN!

Gehirne! Krass!

Quasitagebuchbloggen, 30.04.2021 (Die Geschichte vom Angsthund)

Ich habe ja jetzt schon mehrfach auf verschiedenen Kanälen den Hundetrainer erwähnt, der unserem Hund attestierte, ein Angsthund zu sein und wollte das jetzt mal etwas ausführen, erstens, um den Hundetrainer ein kleines bisschen zu rehabilitieren, aber auch, um genau das Gegenteil zu tun.

Jedenfalls waren wir vor ein paar Monaten auf einem Feld, auf dem man auch gut mit Hunden spazieren gehen kann, weil die meisten Hunde da frei laufen, genug Platz ist, dass sie miteinander spielen können und die nächste Straße weit genug weg, als dass man nicht dauernd Schiss haben müsste, dass der Hund aus Versehen auf die Straße läuft. Die nächste Hundewiese hier ist nämlich genau neben einer mehrspurigen vielbefahrenen Straße und ich frage mich immer, was die Statdplaner, die Flächen als Hundefreilaufflächen glauben, wie groß der Prozentsatz der Hunde ist, die da wirklich ohne Probleme frei laufen können.

Auf diesem Feld geht auch ein Mensch mit einem Hund spazieren, vor dem unserer aus noch nicht geklärten Gründen Angst hat. Unseres Wissens hat der Hund unserem nichts getan, es gab bisher exakt zwei Begegnungen (bei der ersten war ich nicht dabei) und in beiden Fällen wollte unser Hund sehr dringend weg und hat das im Rahmen seiner Möglichkeiten dann auch gemacht. Der andere Hund ist ein Landseer, die sehen ein bisschen aus wie etwas größere, etwas schlankere Bernhardiner, die Wikipedia sagt aber, dass sie mit Neufundländern verwandt sind.

Bei der zweiten Begegnung war nun ein Hundetrainer anwesend, der mit seinen Hunden ebenfalls spazieren ging. Nun war die Situation zugegebenermaßen etwas verworren, es ging nämlich eine etwas ruppige Spielsituation mit einem der Schäferhunde des Trainers voraus. Schäferhunde findet unser Hund grundsätzlich interessant, sie spielen aber oftmals etwas ruppiger als er das gut findet und dann möchte er das nicht. Bislang hat ihn das aber nicht daran gehindert, unbekannte Schäferhunde kennenlernen zu wollen. Aus dieser Spielsituation kam der Mensch mit dem Landseer, unser Hund sah den Landseer und verließ zügig den Ort des Geschehens und zwar ohne dass der Landseer auch nur annäherungsweise irgendwas getan hätte. Dann versuchte ich sehr lange, den Hund wieder an die Leine zu nehmen, weil er ja nicht doof ist und der Landseer da immer noch rumstand.

Als ich wiederkam, war der Landseer weg und der Hundetrainer überzeugt, dass wir einen Angsthund hätten. Nun haben wir den Hund ja schon etwas länger und haben folgendes festgestellt. Er hat Angst vor: Straßenbahnen, Drachen, Zeppelinen und anderen tieffliegenden Dingen, Menschen, die stark nach Alkohol oder Zigaretten riechen, Silvesterböllern und Landseern. Oder vielleicht einem Landseer, es ist noch unklar, wir kennen nur den einen. Ansonsten läuft der Hund sehr fröhlich zu anderen Menschen und Hunde und möchte sie dringend kennenlernen. Das häufigste, was ich höre (neben „Oh, der ist aber hübsch!“) ist „Oh, der ist aber freundlich.“

Wir versuchten mehrfach klarzustellen, dass er aus unbekannten Gründen sehr konkret Angst vor diesem einen Hund hätte und sonst sehr sozial sei und gerne mit anderen Hunden spiele, gegebenenfalls etwas unsicher, aber sicher nicht ängstlich sei, während der Hundetrainer davon redete, dass er sich auskenne, er hätte selber schon viele Angsthunde im Training gehabt. Dann versuchte er ein paar Anti-Angstübungen mit unserem Angsthund zu machen, die den Hund komplett verunsicherten, was den Trainer in seiner Meinung bestärkte, es hier mit einem Angsthund zu tun zu haben.

„Würden Sie sich jetzt trauen, den los zu machen?“ fragte er dann irgendwann und wir sagten nur etwas irritiert „Ja, klar.“ Der Landseer war ja weg, der Hund ist ansonsten nicht für dauerndes Weglaufen bekannt. Wir machten den Hund los und der Hund machte: Nix. Warum auch?

Ich möchte dem Tiertrainer jetzt zugute halten, dass die Situation für Außenstehende tatsächlich etwas verwirrend war, weil der Weglaufsituation ja gar keine Interaktion mit dem Landseer, sondern eine Spielsituation mit einem anderen Hund vorausgegangen war. Auf der anderen Seite kam die Pauschaldiagnose „Angsthund“ so übereilt und überzeugt, dass sie mir wie eine Standarddiagnose vorkam. Auch das wäre noch nicht das Problem, aber wir kannten den Hund da ja schon etwas länger und wiederholte Beteuerungen, dass das jetzt exakt zwei Mal vorgekommen war und zwar bei exakt dem gleichen Hund (was der Mensch mit dem Landseer übrigens bestätigte) und er ansonsten super mit anderen Hunden klarkommt, halfen nicht. Wir hatten ganz augenscheinlich einen Angsthund, der dringend Anti-Angsthundtraining brauchte.

Nur um das klarzustellen: Ich glaube sehr, dass Hundetrainer Dinge sehen, die man als Hundehalter vielleicht nicht sieht, erstens sind sie dafür ausgebildet und zweitens haben sie von Berufs wegen mehr Erfahrung. Ich erwarte aber auch, dass mir als Hundehalter zugehört wird, wenn ich meine Erfahrungen aus mehr oder weniger 24/7 Zusammenleben mit dem Hund schildere, die quasi diametral von der Diagnose abweichen. Hundetraining ist auch Menschentraining und wenn ich da als Mensch nicht abgeholt werde, bin ich raus.

Wir sind dann irgendwann weitergegangen und jedenfalls, worauf ich eigentlich hinauswollte, gestern waren wir wieder auf der Hundewiese und der Hund traf einen rumänischen Husky und einen Labradormix (Herkunftsland vergessen) und man sieht hier ganz offenkundig das Verhalten eines Angsthundes im Freilauf:

Tagebuchbloggen, 29.04.2021

Wenn man in der Stadt einen Hund hat, fällt einem erst richtig auf, wie viel Müll überall rumliegt, weil ja alles eine potentielle Gefahrenquelle darstellt, vor allem Essensreste, die der Hund gerne fressen würde und zerbrochenes Glas, in das er reintreten könnte. Gestern Abend war der Hund bei einem Gebüsch ganz aufgeregt und als ich der Aufregung hinterherforschte, fand ich mehrere weggeworfene Brötchen,

Ich ertappe mich dann dabei, wie ich denke, na ja, aber es wohnen auch viele Menschen hier, und wenn da jeder nur ein Papierchen wegschmeißt… und dann fällt mir auf, dass ich wirklich noch nie in meinem Leben absichtlich irgendwelchen Müll einfach so auf die Straße geworfen habe, abgesehen vielleicht von einer Apfelkitsche, die ich in ein Gebüsch warf, das möchte ich nicht ausschließen und es kann auch sein, dass mir schon mal irgendwas aus der Tasche gefallen ist, dem ich dann nicht hinterhergejagt bin. Aber bewusst und absichtlich habe ich in 40 Lebensjahren keinen Müll auf die Straße geworfen, so hat man mich nicht erzogen, das widerstrebt mir so sehr, ich habe in den letzten Monaten Müll, den ich dem Hund aus dem Maul ziehen musste,  in die Jackentasche gepackt und bis zum nächsten Mülleimer getragen.

Im Prinzip ist es also ganz einfach, wenn einfach niemand Müll auf die Straße werfen würde, dann wäre es sehr viel ordentlicher. Und ich bin ein sehr bequemer Menschen, wenn ich das seit 40 Jahren hinkriege, kriegt das jeder hin, da bin ich sicher. Es scheitert wohl alleine am Wollen.


Kleine Enttäuschung, es gab eine Kleiderlieferung aus UK, die sich aber als Fehllieferung herausstellte. Bestellt hatte ich nämlich ein Kleid, bekommen habe ich einen Rock. Gleicher Stoff, eigentlich sogar ganz hübsch, ich wäre bereit, den zu behalten, hätte dann aber gerne die 36 Euro Preisdifferenz zum Kleid erstattet. Wir werden sehen, wie schnell sich das mit dem Kundenservice klären lässt.


Abends gab es Bunny Chow aus der Kochbox. Das ist ein südafrikanisches Gericht, Curry in ausgehöhltem gerösteten Brot. Wir waren beide etwas skeptisch, weil sich uns die Anrichtungsart nicht erschloss, wobei gar nicht die Anrichtungsart selber, das kapierten wir schon. In der Kochbox gab es aber für zwei Personen nur ein Brot zum Aushöhlen, das macht überhaupt keinen Sinn, so ist das Gericht auch nicht gedacht, es sei denn, man isst dann auch von einem Teller. Es war dann aber egal, wir haben das Curry im Brot dann einfach in der Mitte durchgeschnitten, dann taugt das Brot halt nicht mehr als Gefäß, es schmeckte aber überraschend gut. Die alternative Kochbox hat jetzt schon zwei Mal sehr mit Geschmack überzeugt, aber bei der Darreichungsform komplett versagt. Da uns Geschmack aber wichtiger ist, ist das gar nicht so schlimm.


Dann wünschte sich mein Mann einen Film statt True-Crime-Doku, wir landeten bei „The Imitation Game“ über Enigma und Bletchley Park und vor allem Alan Turing und jetzt sind wir beide etwas deprimiert, weil die Welt nicht fair ist. Aber schöner Film.

Lieblingstweets im April

Der April hat zwar offiziell noch zwei Tage, aber was soll’s. WAS WEG IST, IST WEG!

Tagebuchbloggen, 28.04.2021

Beim Netflixen dem Sofa eingeschlafen, aber jetzt natürlich wieder sehr wach, gebloggt wird also vom Smartphone, deshalb hab ich auch schon gar keine Lust, viel zu schreiben.

Statt dessen zwei Musikempfehlungen, die der Spotify-Algorithmus mir zugeschanzt hat.

Zum einen Missy Higgins mit ihrem Corona-Lied „When the Machine Starts“. Es gibt das offizielle Musikvideo, dass Coronakonform nur drinnen und ohne andere Leute stattfindet und es gibt ein anderes, dass ebenso Coronakonform draußen mit fast keinen anderen Leuten stattfindet.

Und dann noch Rose Cousins mit ihrem Introvert-Song „The Benefits of Being Alone“. Das Video ist auch hübsch und damit entlasse ich alle in die geruhsame Nachtruhe und lese noch ein bisschen Band 5 der Murderbot-Reihe.

Tagebuchbloggen, 27.04.2021

Ich stand morgens für meine Verhältnisse sehr früh auf, weil ich mit einem Kollegen um 6:45 Uhr verabredet war, um ein System von Server A auf Server B umzuziehen. Das klappte auch innerhalb von anderthalb Stunden und im Laufe des Tages gab es tatsächlich nur drei Probleme, die sich alle mit Anpassungen der Konfiguration lösen ließen, das war sehr erfreulich und wir können einen Haken an ein wichtiges Thema setzen, das uns jetzt schon einige Zeit begleitet hat.

Weil ich deswegen nicht wegkonnte, übernahm mein Mann die Morgenrunde mit dem Hund und brachte Brötchen und ein Zitronentörtchen vom dänischen Wunderbäcker, auch in der Hinsicht war der Morgen also erfreulich.

Vor allem aber gab es abends aus der Kochbox Laab mit Hühnchen. Wir haben hier ja einen sehr guten Thai, bei dem es auch sehr gutes Laab mit Ente gibt. Laab ist so eine Art Fleischsalat aus lauwarmem zerzupften Fleisch mit Gewürzen. Mein Mann liebte es eine Zeitlang so sehr, dass er sich eventuell dauerhaft daran überfressen hat, jedenfalls ist es so eins der Gerichte, dass wir wirklich schon sehr oft gegessen haben. Das Kochbox-Gericht war gleichzeitig problematisch und supergut. Problematisch, weil es so konzipiert war, dass man Zeug auf Salatblättern drapieren sollte und dann mit der Hand essen. Das hat vorne und hinten nicht funktioniert, so dass wir es irgendwann aufgaben und einfach Zeug und Salat mischten und mit Besteck aßen. Der Laab-Teil des Gerichts funktioniert aber supergut, es schmeckte fast genauso wie bei unserem Thai, was ich ein bisschen ernüchternd, aber natürlich auch sehr praktisch finde, zumal das Rezept gar nicht kompliziert ist. Es kommt offensichtlich tatsächlich hauptsächlich auf die richtige Gewürzkombi an. Das mache ich jetzt jedenfalls öfter, sehr überzeugend, gerne wieder!

Tagebuchbloggen, 25.04.2021

Es war Migränewochenende, aber zwischendurch habe ich mir unterschiedliche Gedanken gemacht.

Zum Beispiel wurde ich ja mal gefragt, ob ich bei einer Fernsehsendung als Testesser mitmachen wollte. Ich kannte die Sendung nicht, aber ähnliche Sendungen, der Sender war auch eher so einer, wo man schon mal nachdenken muss, ob das alles so seriös ist, also musste ich nachdenken. Ich kam dann aufgrund meiner Erfahrungen mit ähnlichen Sendungen zu dem Schluss, dass man als Testesser wirklich extrem viel falsch machen muss, um im Rahmen dieser Sendungen negativ aufzufallen. Die Sendungen selber sind auch im ganzen Spektrum der Quasi-Reality-Formate eher harmlos und unproblematisch, das Risiko eines kurz-, mittel- oder langfristigen Imageschadens schien mir sehr, sehr gering, quasi nicht vorhanden, außerdem esse ich gerne und wollte immer mal wissen, wie das so mit diesem Fernsehen funktioniert. Ich sagte zu, es war eine sehr spaßige Veranstaltung, das Ergebnis war vollkommen okay, ich kam überraschend oft vor, weil ich anscheinend ein Talent dafür habe, fernsehkompatible Sätze zu sagen.

Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn ich als Privatperson in der Lage bin, eine potentielle Teilnahme an einem Format kritisch zu durchdenken und mögliche Konsequenzen bezüglich meiner Außenwahrnehmung abzustecken und zu bewerten, dann erwarte ich, dass das professionelle Schauspieler mit Agenten und jahrelanger Übung im Selbstdarstellen (ganz wertfrei, übrigens, davon leben die ja irgendwie) das auch können und nicht „Huch!“ sagen, wenn eine konzertierte Aktion mit sarkastischen Videos völlig überraschend* nach hinten losgeht.


* überhaupt nicht überraschend