Mehr Hochbahnen! Am besten überall!

Manchmal braucht es ja gar nicht so viel, um mich zu faszinieren. Doreen und Sandra hätten mich zum Beispiel heute in Kreuzberg total prima auf eine Bank mit Aussicht auf die Hochbahn setzen und mich dann so zwei Stunden später wieder abholen können.

Haben sie aber nicht. Also habe ich die hübschen gelben Straßenbahnen beim Spazierengehen fotografiert. An der Oberbaumbrücke und am Schlesischen Tor und irgendwo mitten in Kreuzberg. Und Doreen stellte fest, dass mir wohl kaum etwas besseres passieren konnte als eine BahnCard 100, wo mich doch öffentliche Verkehrsmittel in beinahe hysterischen Freudentaumel versetzen können.

“Guck mal, die hübschen gelben Straßenbahnen!”

“Berliner U-Bahn-Stationen sind immer so schön!”

“Ich liebe diese niedlichen Berliner S-Bahnen!”

Hm.

Möglicherweise liegt sie da nicht so ganz falsch.

Oberbaumbrücke

Hochbahn

Ganz vielleicht sollte ich die Linse mal putzen.

Straßenbahn

Mehr Straßenbahn

Hochbahn

Blogger schenken Lebensfreude: Die Auslosung

Nur damit man hier nicht glaubt, dass ich das vergessen hätte, ich habe lediglich vergessen, darüber zu schreiben.

Ich habe jedenfalls vor zwei Tagen den Zufallsgenerator angeworfen und der hat die hübsche und überhaupt nicht vorurteilsbehaftete Zahl 13 ausgeworfen. Nach meiner Rechnung (und mehrmaliges Nachzählen gehört zu meinen Superkräften) hat somit Barbara gewonnen, die auch schon Bescheid weiß.

Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben, es konnte leider nur eine Gewinnerin geben und die bekommt das Buch in den nächsten Tagen zugeschickt. Ich darf das nur nicht vergessen.

Schon wieder Oper: Wagners Parsifal im Aalto-Theater in Essen

Ich war schon wieder in der Oper. Diesmal war Sandra schuld, die ja unbedingt erzählen musste, dass sie sich am Sonntag mit ihrer Mutter ”Parsifal” angucken würde, was den Mann sofort in erhöhte Alarmbereitschaft versetzte und ich dann Anfang der Woche zwei Karten reservieren durfte.

Aalto

Parsifal also, fünfeinhalb Stunden, quasi ein ganzer Sonntag, jedenfalls, wenn man so verlässlich in den Sonntag reingammelt, wie wir das üblicherweise tun. Parsifal hatte ich schon letztes Jahr in der Liveübertragung von arte aus Bayreuth gesehen, was allerdings nicht im Geringsten bedeutete, dass ich mich noch an die Geschichte, geschweige denn irgendwelche Einzelheiten erinnern konnte. Insgesamt ist Parsifal sowohl vom Text als auch von der Musik her aus meiner Sicht eine der zugänglicheren Wagneropern, allerdings ist sie so vollgestopft mit christlichen Motiven und Symbolen, dass einem das auch nur bedingt weiterhilft.

Diesmal sitzen wir im Parkett, neunte Reihe, der Saal ist einigermaßen ausgebucht. Bei der Premiere soll es angeblich viele Saalflüchtige und anschließende Buhrufe gegeben haben, das hat den Mann allerdings überhaupt nicht abgeschreckt und ich mach ja bekanntlich fast alles mit.

Parkett

Dann geht es los. Orchestervorspiel, dann Vorhang auf, wir sehen einen großen Glaskasten, in dem sich ein modernes Krankenhauszimmer befindet. Im Bett auf der Intensivstation liegt König Amfortas mit seiner Wunde, die sich einfach nicht schließen will. Davor ein paar typische Wartezimmersesselchen, auf einem davon Gurnemanz, der in Karteikarten blättert. Amfortas wacht auf, schleppt sich aus dem Bett zur Glaswand, zieht sich daran hoch, fällt wieder runter, rotes Kunstblut schmiert an der Wand und Klinikpersonal eilt herbei, um Amfortas wieder ins Bett zu schleppen und alles wieder in Ordnung zu bringen.

Mann so: "Das Bühnenbild sieht total grottig aus." Ich so: "Willst du trotzdem?" Er so: "Hä, bist du bekloppt? NATÜRLICH!" Wagnerfans, ts.
@anneschuessler
anneschuessler

Kurzfassung des Telefonats kurz vor der Kartenreservierung.

Amfortas ist nämlich von Klingsor mit seinem eigenen heiligen Speer verletzt worden und jetzt mag sich die Wunde nicht schließen, dran sterben kann er aber auch nicht, und nur der gleiche Speer kann die Wunde wieder schließen. Zweites Problem: Den Speer kann einer Prophezeiung nach nur von einem “durch Mitleid wissenden reinen Tor” zurückgeholt werden und den muss man eben erst mal finden. Irgendwas ist echt immer.

Also hilft auch der Balsam nichts, den die rothaarige Gralshelferin Kundry, die irritierenderweise doppelt besetzt ist, aus Arabien anschleppt. Dann tritt aber Parsifal auf, der keine Ahnung von gar nichts hat, noch nicht mal seinen Namen kennt, aber dummerweise (oder glücklicherweise, je nach Blickwinkel) irgendwo in Gralsburgnähe einen Schwan geschossen hat. Gurnemanz ahnt was und nimmt ihn mit auf die Burg, wo Amfortas den Gral enthüllen soll (fragt jetzt bitte nicht näher nach, das sind die Teile der Geschichte, die ich auch noch nicht so ganz verstanden habe). Der Gral ist in diesem Fall ein unter einer Militärjacke versteckter kleiner Junge, der in Schlangenlinien über die Bühne läuft, und von Kundry eine Leuchtekugel in die Hand gedrückt bekommt.

Dabei erinnert das Militärjackenwesen sehr auffällig an die Jawas aus Star Wars und angesichts dessen, was am Schluss passiert, behaupte ich sogar, dass das gar kein Zufall ist.

Gralsenthüllung vorbei, Leuchtekugel aus, Militärjackenwesen ab, Pause.

Alle klatschen, außer dem Mann und mir, der mir zuraunt: “Alles Frevler, nach dem ersten Akt wird nicht geklatscht.” Die Gralsenthüllung ist nämlich eine Abendmahlszene und bei sowas klatscht man nicht. Tun aber doch alle. Außer uns.

Sandra ist verwirrt, ihre Mutter berichtet von einer Parsifalaufführung von vor dreißig Jahren, wo der Speer im zweiten Akt etwas unglücklich in den Orchestergraben geworfen wurde. Wir trinken Sekt und Wein, essen Brezeln und belegte Toastbrote. Die Unkenrufe haben sich meiner Ansicht nach bisher nicht bestätigt. Klar ist das alles furchtbar modern und angefahren, dafür sind die Sänger sehr gut und wenn man sich mal dran gewöhnt hat, macht die Inszenierung auch Spaß.

Balkon

Sandra winkt vom Balkon.

Also auf zum zweiten Akt, Klingsors Zaubergarten. Der Glaskasten hängt jetzt an vier Seilen über der Bühne und macht mich endlos nervös. Ich kann da nicht hingucken und möchte, dass alle Sänger, alter Egos und Statisten aus dem Schatten des Kastens verschwinden für wenn doch eventuell ein Seil reißt. Auftritt Klingsor, ohne alter Ego wie Kundry, dafür mit einem Ninja.

Nein, ich scherze nicht.

Die Problematik beim Parsifal, erklärt der Mann mir später, liegt darin, wie Parsifal an den heiligen Speer kommt. Der erscheint nämlich irgendwann, weil Klingsor ihn auf ihn wirft und er muss ihn dann fangen oder aus der Luft nehmen oder was der Regie eben so einfällt. Zuwerfen, klar, geht, endet dann aber, wenn’s ganz schlecht läuft, auch mal im Orchestergraben. Wenn man genug Popkulturwissen hat, weiß man aber, dass Ninjas ja bekanntlich unsichtbar sind, insofern ist der Ninja auf der Bühne eigentlich gar nicht da, sondern nur der Speer, den er rumwirbelt. Muss man nicht gut finden, ist aber angesichts der eh schon vollkommen abgedrehten Restinszenierung eher konsequent als bekloppt.

Klingsor also, dann Kundry, die zwar eigentlich den Gralsrittern dient und Erlösung sucht, aber sich trotzdem immer wieder von Klingsor zu Verlockungszwecken einsetzen lässt. Diesmal soll es den armen Toren Parsifal treffen, der durch den Zaubergarten irrt und dem Klingsor die Unschuld rauben will, damit er bloß nicht der Speer findet und Amfortas erlösen kann. Kundry hat jetzt übrigens auf einmal schwarze Haare und trägt ein Rolling-Stones-Kleid, ist aber immer noch doppelt besetzt, damit die eine Kundry singen kann, während die andere Parsifal verführt. Oder eben gerade nicht verführt, denn der Gute bleibt trotz vieler, vieler Blumenmädchen standhaft, erinnert sich dank Kundry nicht nur, wer er ist, sondern versteht auf einmal auch, was der ganze Aufwand soll.

Deswegen will Klingsor ihn umbringen und wirft den Speer auf ihn. Der Speer trifft ihn aber nicht, sondern bleibt in der Luft stehen und Parsifal kann ihn sich ganz lockerflockig nehmen. In diesem Fall geht das natürlich anders und Klingsor wirft gar nichts, dafür hört der Ninja auf zu wirbeln und drückt Parsifal den Speer zuvorkommend in die Hand. Keine Gefahr für den Orchestergraben oder andere Unbeteiligte. Dafür wird Klingsors Zaubergarten endgültig zerstört, Parsifal zieht auf, Amfortas zu erlösen und der zweite Akt ist vorbei.

Sandra und ihre Mutter gehen dann jetzt. Sandra ist die Sprache zu verschwurbelt und zu viel Kunstblut auf der Bühne. Das Kunstblut liegt sicher an der Inszenierung, die verschwurbelte Sprache ist aber eher ein generelles Wagnerproblem. Da ist Parsifal fast schon harmlos. Sogar die Alliterationen halten sich im Verhältnis in Grenzen und es kommen auch gar nicht so viele Wörter vor, die ich noch nie gehört habe. Egal, Sandra ist ihre Lebenszeit zu kostbar für fünfeinhalbstündige Wagneropern. Ich mache mich auf die Suche nach dem Mann. Wir trinken erneut deutlich abgestandenen Sekt auf dem Balkon, bis uns zu kalt wird, er erklärt mir, dass das im zweiten Akt auch Kundry war, nur halt jetzt mit anderer Frisur und anderem Kostüm und überhaupt und dann geht’s zum dritten Akt.

Sekt

Dritter Akt, Jahre sind vergangen, es regnet Klamotten vom Himmel.

Auch diesmal scherze ich nicht.

Alles ist unordentlich auf der Bühne, überall liegen Klamotten rum, das Krankenzimmer ist verwüstet, Gurnemanz hat sich eine Deckenburg aus Krankenhaussesseln und Matratzen gebaut und Menschen in Kapuzenjacken stehen still auf der Bühne rum. Dann tritt erst eine geläuterte Kundry auf, diesmal mit kurzen blonden Haaren und einem trümmerfraureminiszenten Trenchcoat und fängt an, aufzuräumen, was ich als nervöser Monk nur sehr gutheißen kann.

Parsifal tritt auf, wird von Gurnemanz erkannt und von diesem erfreut zum neuen Gralskönig gesalbt. Als erste Amtshandlung tauft Parsifal die arme Kundry, die nun endlich erlöst ist. In diesem Fall bedeutet das, dass das nicht-singende alter Ego an zwei Schnüren zur Bühnendecke hinaufgezogen wird. Auch seltsam, aber auch wieder passend. Gurnemanz nimmt Parsfial mit zu Amfortas, der sich schon seit längerem weigert, den Gral zu enthüllen, weil er endlich sterben will. Bislang ist aber nur Amfortas Vater Titurel gestorben, weil ihm die lebenserhaltende Wirkung des Grals fehlte. (Titurel hab ich im ersten Akt gar nicht erwähnt, obwohl er da so einen hübschen Fidel-Castro-Overall trug.)

Jetzt jedenfalls schließt Parsifal die Wunde mit dem Speer, alles sind zufrieden und der Gral wird erneut enthüllt. Das geht diesmal so, dass das Militärjackenwesen wieder auf die Bühne wandert, dann aber die Militärjacke abgenommen bekommt, und darunter befindet sich ein kleiner Anakin Skywalker im weißen Kampfbademantel. Das kann doch kein Zufall sein. Der Anakin-Gral bekommt die Leuchtekugel und dann kommen ganz viele Bürger der Stadt Essen (steht so im Programmheft) auf die Bühne und dürfen die Leuchtekugel anfassen. Massenszene! Hurra! Ende! Applaus!

Gurnemanz war überragend, Kundry ebenfalls sehr gut, und richtige Ausfälle nach unten gab es nicht. Ich bin ganz aufgeregt, weil ich merke, wie sich mein Gehör an Opern gewöhnt und ich tatsächlich immer besser einschätzen kann, ob etwas gut oder schlecht ist, oder eben ob jemand gut oder schlecht singt. Außerdem habe ich so langsam verstanden, wie Opern (und auch Wagneropern) musikalisch funktionieren und kann mich viel besser reinhören. Quasi ein acquired taste fürs Hören.

Natürlich ist so eine moderne Inszenierung nicht unproblematisch. Genauso ist es aber langweilig, immer die gleichen Kostümaufführungen zu sehen. In diesem Fall fand ich das aber alles längst nicht so schlimm, wie es in diversen Berichten geschildert wurde und letztlich merke ich, dass ich moderne Aufführungen fast besser verstehe als klassische, weil die Symbolik meistens besser herausgearbeitet wird und man besser darauf hingewiesen wird, wenn irgendwas wichtig ist. Mal abgesehen davon, dass Parsifal zwar musikalisch etwas einfacher zugänglich ist als die beiden Teile des Rings, die ich bisher gesehen habe, dafür die Geschichte aber umso mehr von christlicher Symbolik trieft und einiges an Hintergrundwissen voraussetzt, das ich auch nicht immer habe.

Tolle Oper, tolle Sänger und eine gewagte, aber gar nicht misslungene Inszenierung. Bester Opernbesuch soweit. Und der nächste ist schon so halb geplant.

Parsifal auf der Webseite des Aalto-Theaters

Lieblingstweets im April woanders

Lieblingstweets im April (Teil 2)

Heute mit ein bisschen Superkraft und Programmiererhumor. Und natürlich allem anderen auch.

Störmeldung bei der Telekom: „Das geht erst ab 8.4. Null Uhr“. „Null Uhr war vor 10 Stunden“ „das ist Ihre Definition!“
@343max
Max Winde
Muß bei euch jedes Würstchen in der Pfanne mit der Biegung aneinander liegen oder bratet ihr eher wild? #OrdnunginderPfanne
@nedfuller
nedfuller
iPhone-Kalender korrigiert Sommerreifen zu Sommerresidenz. Würde das gern stehenlassen, aber dann verstehe ich das nächste Woche nicht mehr.
@dentaku
Thomas Renger
„Dann wirst Du vielleicht endlich mal erwachsen!“„Gar nicht, gar nicht, nänänänänänäää!“„Dann eben nur älter.“
@Muermel
Muermel
Ich gründe die erste Twitterpartei Deutschlands: PRO KrastinationDer Wahlkampf startet morgen. Eventuell. Vielleicht auch erst übermorgen.
@Doktor_FreakOut
|Don Mention™|
Ich würde nicht sagen, dass ich phlegmatisch bin, aber es gibt garantiert keine Photos von mir mit Bewegungsunschärfe.
@Speedwriter33
HerrHallmackenreuter
Wie sagt meine Oma immer: Wer's nicht im stash hat, hat's im Kopf.
Die meisten Menschen sind ganz schludrig programmiert.
@HausOhneFenster
Haus Ohne Fenster
Beim Bäcker müssen sie jetzt lustige Backmützen tragen, aber ich glaube, die selber finden das nicht lustig.
@Ingeborch
Ingeborch
I am the god of hellfire and I bring you durcheinander.
@muserine
muserine
Geräucherten Schweinebauchspeck hochhalten und »DAS IST SCHWARTA!« schreien, kam im Supermarkt nicht so gut an.
Die AfD will „Inaktiven und Versorgungsempfängern“ das Wahlrecht aberkennen? Ich mag Banker ja auch nicht, aber das geht zu weit.
@astefanowitsch
Anatol Stefanowitsch
@ @ Und Pfirsiche. Einfache Regel: was nicht weglaufen kann, ist grillfähig.
"Ich dreh die ZEIT um..." ...gern gesehene Superkräfte in der Sauna.
@k_laydo
klaudia k_laydo
"Hättste nicht gedacht, oder?" - "Ja, hätte ich mal lieber nicht gedacht."
@HausOhneFenster
Haus Ohne Fenster
"Wo sind denn bitte die wichtigen Nachrichten auf Twitter? Informationen zur Waschbärenplage in Kassel zum Beispiel?"
@julianeleopold
Juliane Leopold
Autofahren in Paris ist wie Tetris, aber nur mit dem "Z"-Spielstein.
@Regendelfin
Marie von den Benken
Hab aus Versehen die Bärchensalami aufgegessen.Sohn reicht mir wortlos eine Scheibe Käse und die Küchenschere.
@hermes3s
Hermes Trismegistos
warum zeigen sie statt "two and a half men" nicht das, worüber das publikum im hintergrund lacht? das scheint doch witzig zu sein.
@katjaberlin
katjaberlin
Um zufällig das gleiche Buch wie eine schöne Frau in der Bahn herausholen zu können, habe ich immer einen großen Koffer voll Bücher bei mir.
@Penderich
St. Pendrick-Joker
Alles Unglück entsteht, weil der Mensch nicht ruhig auf dem Hintern hocken kann, oh Nachbar, der du seit Tagen die Holzterrasse abschleifst.
@UteWeber
Ute Weber
fremde studenten im bus antippen und sie bitten, entweder sehr schnell sehr viel intelligenter zu werden oder leiser zu sprechen.
Rhabarberkompott schmeckt ja gleich viel besser, wenn man den Rhabarber weglässt und dafür Äpfel nimmt.
"Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse, denn nun geht sie los unsere BOLOGNESE!!"Ich. Immer.
@orbisclaudiae
ⒸⓁⒶⓊⒹⓘⒶ
Ich finde ein "Stehen Sie an oder rum?" an der Kasse nicht forsch, sondern lösungsorientiert.
@KuttnerSarah
Sarah Kuttner

 

Und in der Special-Twitterlyrik-Ecke gibt’s einen kleinen Gemeinschaftsbeitrag. Es geht um Kekse, muss also gut sein.

Zur Keksdos', der vollen, schlichInge, mit großem Abstande -doch sahns die Kollegen vom Rande...
@Ingeborch
Ingeborch
@ Was wolltest du mit den Keksen? Sprich!
@Natollie
Natalie Springhart
@ @ Na: "Die Stadt von den Krümeln befreien." "Das sollst du mit Hüftspeck bereuen."
@anneschuessler
anneschuessler

Daily Vorspann: L.A. Story

Gestern beim Bier über Steve Martin unterhalten und dann zwangsläufig über L.A. Story, so ein Film, den kaum jemand kennt, den aber alle, die ihn kennen, ganz großartig finden. Ich kenne diesen Film übrigens und finde ihn ganz großartig.

Die Kaffeebestellszene, die Szene im Museum, Patrick Stewart als Restaurantinhaber, die Tuba, das sprechende (na ja, schreibende) Verkehrsschild und überhaupt. Steve Martin in Topform, alles ist ganz hoffnungslos romantisch und poetisch und gleichzeitig vollkommen irre und bekloppt.

Und weil das Internet toll ist, gibt es auch den wunderbaren Vorspann, der eigentlich die Grundstimmung des Films schon ganz komprimiert zusammenpackt. Lohnt sich. Echt.

(Möglicherweise wäre es mal eine Maßnahme, sich diesen Film für die Privatbibliothek zuzulegen.)

Anne erklärt das Internet: CAPTCHAs, reCAPTCHAs und der Turing-Test

Ein Captcha verlangte eben von mir die Eingabe des Wortes "Entensaft". Bin irritiert.
@Buddenbohm
Max. Buddenbohm

Heute erkläre ich mal etwas, das sowieso schon alle verstanden haben und weitestgehend doof finden, nämlich CAPTCHAs. Eigentlich wollte ich mal woanders über CAPTCHAs schreiben, nämlich in dem bislang ungeschriebenen Artikel darüber, warum ich Blogspot doof finde (Spoileralert: Ein Grund sind die vermaledeiten CAPTCHAs, die mich schon  mehr als einmal erfolgreich vom Kommentieren abgehalten haben), aber da sich die schriftliche Niederlegung dieses Rants anscheinend noch ein bisschen verzögert, schreibe ich einfach jetzt schon über CAPTCHAs und das andere dann eben irgendwann später.

Interessanterweise ist die CAPTCHA-Thematik nämlich gar nicht so uninteressant. Zunächst einmal aber ist sie ärgerlich und um hier sofort mit der Wahrheit rauszurücken und jeden Verdacht der Objektivität von mir zu weisen: Ich hasse CAPTCHAs! CAPTCHAs sind die ekligen Pickel jeder Bloggerplattform! Sie gehören verboten, ausgemerzt und geächtet! Aber natürlich gibt es sie nicht ohne Grund und grundsätzlich ist der Grund ihrer Existenz erst mal nachvollziehbar und gar nicht ganz so doof.

CAPTCHAs sollen böse Internetbots davon abhalten, doofe Sachen zu tun, indem man für Maschinen vermeintlich unlösbare Aufgaben in den Weg stellt und hofft, dass die Bots daran scheitern, der Mensch jedoch nicht.* Die Idee ist also erst mal gut und soll vor bösem Kommentarspam oder unbefugtem Zugriff auf Nutzerkonten schützen.

Leider werden auch Bots schlauer und das, was vor ein paar Jahren noch als effektiver Spamschutz durchging, konnte dann auch irgendwann automatisiert gelöst werden und musste dementsprechend undurchschaubarer werden. Und genau da liegt eines der Probleme: Ein Spamschutz, der auch für Menschen teilweise unlösbar ist, ist zwar immer noch wirksam gegen Bots, wirkt sich aber auch gerne demotivierend auf den Menschen aus, der zum dritten Mal die falschen Buchstaben eintippt, weil man es einfach verdammt noch mal nicht mehr lesen kann. Ich hatte schon CAPTCHAs, auf denen die Buchstaben so verzogen waren, dass sie an den Seiten aus dem Feld herausragten und dementsprechend nicht mehr identifizierbar waren. Bei anderen CAPTCHAs drücke ich mehrere Male auf den Refresh-Button, bis tatsächlich mal eine Buchstabenkombination kommt, die ich als einigermaßen intelligenter Mensch noch entziffern kann.

Mögen diese CAPTCHAs noch so wirksam sein, nach einer guten Lösung für das Problem sieht das nicht aus.

Es gibt aber auch immer Alternativen. Auf vielen Blogs ist es mittlerweile üblich, einfach eine Frage zu beantworten, die für einen Menschen ganz leicht lösbar ist, einen automatisierten Bot aber durchaus aus dem Konzept bringen kann. Gelegentlich wird hierfür eine Prise Allgemeinwissen vorausgesetzt und ob das immer und langfristig vor Spambots schützt, kann ich nicht sagen. Für den Menschen bedeutet es zwar immer noch, dass man etwas eingeben muss, das frustrierende Entziffern willkürlicher Buchstaben bleibt aber aus und ein Wort, das man kennt, tippt sich eben immer noch leichter.

Eine andere zumindest theoretische Lösung, von der ich nicht weiß, ob sie irgendwer mal umgesetzt hat und wie hoch die Erfolgsquote ist, sah folgendermaßen aus: Spambots befüllen bekanntlich Eingabefelder, die sie so vorfinden, automatisiert. Sie wissen nicht, was sich dahinter verbirgt und machen einfach mal. (Eventuell ist es komplizierter und die Bots sind auch hier mittlerweile schlauer.) Ein Vorschlag zur Spambotbekämpfung sah so aus, ein zusätzliches Eingabefeld einzubauen, dass zwar automatisch befüllt werden kann, aber für den (menschlichen) Nutzer nicht sichtbar ist. Die Idee ist dann, dass Spambots dieses Feld sicherheitshalber mal mit irgendeinem Unsinn befüllen, ein Mensch aber gar nicht in die Verlegenheit kommt, da das Feld für ihn nicht existiert.

Anstatt also den Bot daran zu erkennen, dass er etwas nicht tun kann, erwischt man ihn dabei, wie er etwas tut, was er eigentlich gar nicht tun dürfte. Man überlistet ihn mit seinem eigenen Übereifer beim Ausfüllen der Felder, während der Nutzer einfach nichts tun muss, um als Mensch erkannt zu werden.

Wie gesagt, ob dieses Konzept irgendwann umgesetzt wurde und ob nicht auch hier Bots lernfähig genug sind, um sich auch an dieser Hürde irgendwann vorbei zu mogeln, ich weiß es nicht. Interessant ist es allemal und zeigt sehr schön, wo die Schwachstellen bei automatisierten Spambots liegen.

"Wir müssen testen, ob du ein Mensch bist." Und dann sagen einem die Captchas hinterher nie, was bei dem Test herausgekommen ist.
@HappySchnitzel
Sue Reindke

Überhaupt läuft das alles ja auf die Frage hin, wie man Mensch und Maschine überhaupt noch unterscheiden kann. Diese Frage scheint heutzutage schon allein ob solcher Spamärgernisse hochaktuell, sie ist aber tatsächlich schon etwas älter. 1950 schlug Alan Turing einen Test vor, um herauszufinden, ob eine Maschine ein mit dem Menschen vergleichbares Denkvermögen hat. Dieser Test heißt dementsprechend Turing-Test und läuft einem, wenn man es sich mal genauer anguckt, mittlerweile dauernd über den Weg, zum Beispiel, wenn ich mich mit Siri oder Anna von der IKEA-Homepage unterhalte, Menschen lassen sich von künstlicher Intelligenz sehr gerne übers Ohr hauen, weil wir viel zu sehr damit beschäftigt sind, Aktionen nach ihrem Sinn hin zu interpretieren.

Dazu einen Schwank aus meinem Leben: Im Rahmen einer kleinen Kollegenchallenge habe ich mal an einer Lösung für ein “Vier gewinnt”-Spiel programmiert. Ich kam zwar nicht besonders weit, aber meine Implementation konnte am Ende doch mehr als nur zufällig irgendwo Steine reinwerfen und war damit ein bisschen schlauer als vorher, aber immer noch nicht besonders schlau. Tatsächlich lag die Stärke des Programms anderswo, nämlich in der Schwäche des Menschen, hinter jedem Zug eine Motivation zu vermuten. Obwohl ich wusste, was das Programm konnte und dementsprechend auch wusste, wann es rein zufällig agierte, neigte ich immer noch dazu, hinter jedem Zug eine Absicht zu vermuten. Zwar handelt es sich in diesem Fall um einen eher einfachen Fall von künstlicher Intelligenz (na ja, “Intelligenz”), der mit einem richtigen Turing-Test, bei dem eine Unterhaltung simuliert werden soll, nicht mehr viel zu tun hat. Zu befürchten bleibt aber, dass der Mensch mit dem ein oder anderen Trick einfacher zu überlisten ist, als wir das gerne hätten. (Ein Experiment, das in die gleiche Richtung geht, ist übrigens das sogenannte “Chinesische Zimmer”.)

Aber zurück zu den CAPTCHAs, deren Name tatsächlich ein Akronym ist, das für Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart steht. (Ach guck, da isser wieder, der Turing-Test.)

Ein bisschen etwas positives lässt sich nämlich doch sagen. Google zum Beispiel hat sich nämlich überlegt, diese kleinen Plagegeister zu nutzen und jeden CAPTCHA-Entzifferer als menschliches OCR einzusetzen. Deswegen sieht man bei CAPTCHAs von Google-Diensten gerne zwei Wörter. Das Geheimnis ist hier: Nur eines der Wörter ist das eigentliche CAPTCHA. Dieses Wort ist bekannt und kann abgeglichen werden. Das andere Wort stammt (vereinfacht gesagt) aus einem abgescannten Text und konnte von der automatischen Texterkennung nicht eindeutig erkannt werden. Diese Leistung wird jetzt von uns Menschen übernommen, die zu Hause vorm Rechner sitzen und einfach nur einen Artikel auf einem Blog kommentieren wollen. Aus meiner ganz subjektiven Erfahrung würde ich behaupten, dass dabei die “offiziellen” CAPTCHAs meist schwerer zu entziffern sind als die “richtigen” Wörter, was natürlich auch daran liegt, dass die einen absichtlich unleserlich gestaltete willkürliche Buchstabenfolgen sind, während letztere meist nur ein bisschen zu verwaschen für die OCR-Software sind, ansonsten aber ganz normale Wörter.

CAPTCHA

Man rate, welches Wort das CAPTCHA ist und welches aus einem Text stammt.

Dies erklärt auch, warum es manchmal reicht, nur eines der Wörter einzutippen, denn tatsächlich wird ja nur eines abgeglichen und geprüft. Das andere ist Zusatzleistung im Dienste der Menschheit (oder zumindest im Dienste von Google). Mittlerweile nutzt Google dieses Prinzip auch, um unleserliche Hausnummern auf Street View entziffern zu lassen.

Diese Erweiterung des CAPTCHA-Prinzips ist auch als reCAPTCHA bekannt und auch wenn sich jetzt jeder selber überlegen muss, ob er es gut oder schlecht findet, dass er von Google als menschliches OCR missbraucht wird, ohne das zu wissen, so sehe ich hier ganz subjektiv und höchstpersönlich zumindest einen nachvollziehbaren Nutzen dieses nächtlichen Wadenkrampfes vieler Blogkommentarfunktionen.

Nach wie vor hoffe ich aber darauf, dass es irgendwann eine brauchbare Lösung gibt, und ich nie wieder meinen Rechner anbrüllen muss, weil ich zum dritten Mal eine unleserliche Buchstabenfolge nicht richtig eintippen kann. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

 

* Was fehlt: CAPTCHAs, die Trolle vor unlösbare Aufgaben stellen. Ein Weg in die richtige Richtung könnte sein, als Lösungsworte nur flauschige Begriffe zu verwenden. Wer trollt schon noch effektiv, wenn er gerade “kitten”, “rainbow” oder “cupcake” eingeben musste.**

** OMG, mit der Idee werd ich noch reich!!!!11!einself

Buchverlosung: Lost Cat von Caroline Paul und Wendy MacNaughton

Update: Lostopf zu!

Zum Welttag des Buches gibt es hier heute etwas ganz tolles: Ein Buch! Im Rahmen des Projektes “Blogger schenken Lesefreude” verlose ich heute ein wirklich wunderbares kleines Buch, über das ich zufällig in diesem Internet gestolpert bin. Bei der Buchhandlung angerufen, bestellt, letzten Freitag direkt bei der Rückkehr aus Hamburg abgeholt, in einem durchgelesen, geguckt, gestaunt, gemocht.

lost-cat

Was man hier heute mit ein bisschen Glück gewinnen kann: “Lost Cat” von Caroline Paul auf ganz wundervolle Art illustriert von Wendy McNaughton.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Nach einem Unfall kommt Caroline nach Hause zurück, depressiv, voll mit Schmerztabletten und auch ansonsten eher schlecht drauf. Während ihre Katze Fibby sich über ihre Daueranwesenheit freut und sie schamlos ausnutzt, reicht es Kater Tibby irgendwann und er dampft ab. Keine Zettel helfen, kein Rufen, kein Suchen, kein Fragen.

Und dann steht Tibby ein paar Wochen später wieder vor der Tür, unversehrt, aber auch wie verwandelt. Aus dem kleinen scheuen Kater, ist ein Abenteuerkater geworden, der jetzt zwar wieder da ist, aber immer wieder für Stunden verschwindet. Niemand weiß wohin, zu Hause frisst er nicht, scheint aber keinen Mangel zu haben. Caroline ist enttäuscht, empört und eifersüchtig. Wo geht Tibby hin? Wer füttert ihn? Was macht er den ganzen Tag?

Aber einer Katze kann man schlecht hinterherlaufen und auch Nachfragen bringt nicht das erwünschte Ergebnis. Eine andere Lösung muss her. Und so ziehen Caroline und Wendy los und kommen ihrem Kater mit GPS und Kamera auf die Schliche.

“Lost Cat” erzählt eine Geschichte von Katzenliebe, Verzweiflung, Eifersucht und Neugier. Die Illustrationen von Wendy McNaughton sind großartig. Dummerweise habe ich es nicht geschafft, Bilder von dem Buch zu machen, da mir der 23.4. irgendwie weiter weg erschien, als er war (Huch, das ist schon Dienstag?). Wer einen Blick ins Buch werfen will, der kann bei Brain Pickings nachgucken, dort habe ich diesen kleinen Geheimtipp nämlich auch entdeckt.

Ich verlose ein (von mir gelesenes) Exemplar des Buches, Hardcover, 160 Seiten, allerdings auf Englisch, eine deutsche Übersetzung gibt es meines Wissens auch (noch) nicht.

Wer teilnehmen will, muss einfach nur bis zum 29.4. um Mitternacht kommentieren. Sollte ich vor Mitternacht ins Bett gehen, geht die Verlosung bis irgendwann am nächsten Morgen, anders gesagt: Solange ich noch nicht sage, dass eine Teilnahme nicht mehr möglich ist, ist sie auch noch möglich.

So. Zack. Und jetzt: Kommentieren und Buch gewinnen. So einfach ist das.

Webseite von Caroline Paul

Webseite von Wendy McNaughton

Webseite von Lost Cat

 

Prima Vista Lesung im Gloria-Theater in Köln

Gloria

Von der Tirili-Lesung in Hamburg ging es mit nur einer winzigen Unterbrechung zur nächsten Lesung im etwas näher gelegenen Köln. Da ich bisher immer mit einer beeindruckenden Verlässlichkeit daran gescheitert bin, rechtzeitig Karten für die berühmt-berüchtigten Record Release Partys der Drei ???-Hörspiele zu bekommen, habe ich einfach das nächstbeste gemacht und Karten für die fast genauso berühmt-berüchtigte Prima Vista Lesung gekauft.

Currywurst

Also gab es am Samstag einen schönen Köln-Ausflug, der nach ein bisschen Rumlaufen und einer schnellen Currywurst auf der Ehrenstraße im ausverkauften Gloria-Theater (auch berühmt-berüchtigt) endet. Wir schaffen es, noch zwei Plätze relativ weit vorne zu ergattern und haben so netterweise einen ganz guten Blick auf die Bühne. Ein Tisch mit lustigen Glitzerpapphütchen, Weinflaschen, Wasser und anderem Kram. Davor auf dem Boden sammen sich so langsam Bücher und ausgedruckte Zettel, immer mehr Zuschauer kommen nach vorne und legen irgendwas hin oder gucken, was andere so hingelegt hat.

Texte

Währenddessen läuft ein Theaterköbes mit einem Kölschkranz herum, dem ich in einem glücklichen Moment die letzten beiden Kölsch abnehmen kann, denn mit Kölsch wartet es sich bekanntlich besser.

Kurz nach 19 Uhr geht es dann aber auch los. David Nathan (die deutsche Stimme von Johnny Depp und Christian Bale) und Simon Jäger (die deutsche Stimme von Matt Damon und Heath Ledger) betreten unter Applaus die Bühne, beide stecken in schwarzen Adidasanzügen und tragen schwarze Hüte, haben sich also ebenfalls für diesen Abend schick gemacht. Beim Anblick der Textmassen auf dem Fußboden wird erstmal über die vermutliche Dauer der Lesung spekuliert: “Müsst ihr noch weg oder habt ihr Zeit? Vor sechs Uhr kommen wir hier nicht raus.” Das Publikum ist entzückt.

Und so machen es sich David und Simon erst mal auf dem Boden bequem, holen sich Weingläser und Wein dazu, greifen zum ersten Buch und fangen an zu lesen. Drei irrwitzig anarchische und grandios komische Stunden stehen uns bevor und wie könnte man besser starten als mit Monty Python. Schnell wird klar, was für ein eingespieltes Team da auf der Bühne sitzt. Die machen das nicht zum ersten Mal, also sowohl Vorlesen als auch Vorlesen unter diesen speziellen Bedingungen.

Boden

Es folgen Texte von Loriot, irgendwas Ausgedrucktes aus dem Internet (zum Beispiel “Radkäppchen und der böse Golf”, dessen Wortspiele zumindest David Nathan immer wieder physische Schmerzen zuzufügen scheinen), Wolf Haas, Daniel Kehlmann, Jürgen Sprenzinger (dem “Sehr geehrter Herr Maggi”-Mann) und Warren Ellis. Von letzterem liegt “Gott schütze Amerika” auf der Bühne. “So muss ein Buch anfangen”, lobt David Nathan und liest vor: “Ich schlug die Augen auf und sah, wie die Ratte in meinen Kaffeebecher pisste.” Der Bücherspender bekommt einen Schnaps und nach ein paar Seiten geht es zum nächsten Buch, dass wir, so Nathan “im Gegensatz zu dem letzten Buch alle nicht kaufen.” Es ist “Der Kuss des Wikingers” von Sandra Hill und bei allem Spaß, den die beiden Sprecher auf der Bühne mit der Live-Spontan-Vertonung dieses Wunderwerkes haben, nein, ich glaube, das möchte ich wirklich nicht kaufen.

Horst Evers und Walter Moers werden nach wenigen Absätzen weggelegt. Der Evers, weil David Nathan keine Bücher möchte, in denen das Wort “heile” vorkommt und Moers einfach so, weil er gerade keine Lust drauf hat. Dafür nehmen sich beide der Herausforderung an, einen Comic von Neil Gaiman (der, das muss an dieser Stelle mal gesagt werden, fälschlicherweise als Manga bezeichnet wird) szenisch darzustellen, was genauso daneben geht, wie es daneben gehen muss, aber gerade deswegen zu den Highlights des Abends gehört, auch wenn sich kein Zuschauer findet, der die Rolle des umhertollenden Kindes übernehmen will, so dass sich dann doch Simon Jäger aufopfern muss.

Lesend

Bei einer Känguru-Geschichte von Marc-Uwe Kling kommt Berlin-Lokalpatriotismus ins Spiel. “Ich mach Westberlin und du machst Ostberlin.” Als ob in Köln da jemand den Unterschied hören könnte. (Aber wer weiß, vielleicht sind ja auch Berliner im Publikum, möglich ist alles.)

Ein weiteres Highlight des Abends kommt mit dem Buch “Regelschmerz Ade: Die freie Menstruation”, das dann nicht nur zu Entspannungsmusik, sondern auch noch parallel mit Freud gelesen wird, und irgendwann lache ich nur noch Tränen und möchte eigentlich, dass das so schnell nicht aufhört. Zum Schluss gibt es noch mal die zwei Herren im Bad von Loriot und dann ist nach knapp drei Stunden Schluss.

Bühne

Es war irgendwie alles toll an diesem Abend. Die Sprecher, der Musikmensch, die Texte und Bücher, das begeisterte Publikum, das Theater, das Kölsch und überhaupt alles. Es fällt mir nicht schwer, zu glauben, dass diese Lesungen regelmäßig ausverkauft sind, man möchte eigentlich sofort die Karten für die nächste Lesung kaufen und Freunde mitnehmen. Auch der Mann, der etwas irritiert war, als ich ihm mitteilte, wir würden zu einer Lesung gehen, wo zwei Sprecher mitgebrachte Texte vorlesen würden, war begeistert. Besser geht es eigentlich nicht.

Ich kann die Prima Vista Lesungen wirklich uneingeschränkt und allerwärmstens empfehlen. Selten gingen drei Stunden so schnell rum und erschien mir eine Pause so endlos lang. Neben David Nathan und Simon Jäger ist mit Oliver Rohrbeck und Detlef Bierstedt noch ein zweites Team im Rahmen dieses Lesungskonzepts unterwegs. Termine kann man in der Lauscherlounge erfahren.

Webseite der Prima Vista Lesungen

Webseite der Lauscherlounge