Bücher 2017 – Plätze 5 bis 1

Weiter geht’s mit der ultimativen und höchst subjektiven Bücherhitliste 2017. Zu den Plätzen 10 bis 6 geht es hier.

 

5. Die Stadt der Tausend Treppen von Robert Jackson Bennett

Endlich wieder etwas, dass man dem schönen Genre „politische Fantasy“ zuordnen kann. Als in der Stadt Bulikov, die (eher widerwillig) eine Kolonie des Inselreiches Saypur ist, wird ein saypurischer Wissenschaftler ermordet. Dieser Mord und seine Aufklärung ist vor dem Hintergrund des ohnehin gereizten politischen Klimas eine höchst brisante Geschichte und so wird die junge Diplomatin Shara in die Stadt geschickt, um das ganze genauer unter die Lupe zu nehmen. Allerdings ist Shara gar keine Diplomatin, sondern eine Agentin und man kann sich jetzt vielleicht schon ungefähr vorstellen, dass es sich bei Die Stadt der Tausend Treppen um eine etwas komplexere Geschichte handelt, die eben neben den typischen Fantasyelementen auch reichlich Agentenverschwörungsthrillerkrimizeug enthält. Die Charaktere sind gut gezeichnet und originell. Gerne gelesen und gerade den zweiten Teil als Hörbuch runtergeladen.

Die Stadt der Tausend Treppen von Robert Jackson Bennett [Amazon-Werbelink]

 

4. Die Gestirne von Eleanor Cotton

Ein Buch, an das ich mich lange nicht herangetraut habe, es hat so furchtbar viele Seiten. Tatsächlich geht es auch eher langsam los, was auch daran liegt, dass auf den ersten vierhundert Seiten die Grundlage geschaffen wird für die sich immer dichter zusammenstrickende Geschichte, die sich dem Leser dann auf den folgenden sechshundert Seiten präsentiert.

Hat man sich aber durchgebissen, wird man reichlich belohnt. Es geht um den jungen Walter Moody, der gerade von einem Schiff aus Europa kommt und in der kleinen neuseeländischen Goldgräberstadt Hokitika in einem Hotel in eine Versammlung von zwölf Männern platzt, die das Rätsel, um einen Todesfall, einen vermeintlichen Selbstmord, einen verschwundenen Goldgräber, einen verdächtigen Schiffskapitän und einen Goldschatz lösen wollen. Aus den Geschichten, die jeder der zwölf Männer erzählen kann, ergibt sich nach und nach ein Gesamtbild, aus dem sich die wahre Geschichte herausschält.

Das ist von der Autorin einfach und einfach gesagt irre gut gemacht. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich vermutlich auch eher an den dicken Wälzer getraut.

Die Gestirne von Eleanor Cotton [Amazon-Werbelink]

 

3. Rotherweird von Andrew Caldecott

Auch an diesem Buch habe ich etwas länger rumgekaut, während ich bei Die Gestirne aber einfach lange gebraucht habe, um damit anzufangen, habe ich bei Rotherweird  sehr lange gebraucht, um es zu Ende zu lesen.

Das Dorf Rotherweird liegt irgendwo in England und genießt einen Unabhängigkeitsstatus, der aber nur mit der Einschränkung gilt, dass keine lokale Geschichte vor 1800 studiert werden darf. Dafür wird besonderen Wert auf die wissenschaftliche Ausbildung gelegt, das Dorfvolk bleibt unter sich, nur selten dürfen sich Außenseiter niederlassen. Jonah Oblong ist so ein Außenseiter, ein Lehrer, der die kurzfristig freigewordene Stelle des alten Geschichtslehrers übernehmen soll. Zeitgleich macht der geheimnisvolle Sir Veronal Slickstone Furore, der in das lange leerstehende Manor House zieht, zusammen mit seiner Frau (die gar nicht seine ist) und seinem Sohn (der gar nicht seiner ist).

Damit hätten wir nur einen kleinen Teil dieser komplexen Fantasygeschichte angerissen, womit wir auch bei dem kleinen Wermutstropfen werden. Es dauert etwas, bis man sich in Rotherweird eingelesen hat, zu oft wechseln die Figuren und Schauplätze, zu lange weiß man nicht, ob und wie das alles zusammengehört. Steckt man dann aber einmal drin, so entwirren sich die Fäden und fügen sich tatsächlich ziemlich geschickt zu einer wunderbar ausgestalteten und detailreich erzählten Geschichte zusammen. Das Durchhalten hat sich also gelohnt.

Rotherweird von Andrew Caldecott [Amazon-Werbelink]

 

2. Wir Strebermigranten von Emilia Smechowski

Vielleicht das traurigschönste Buch des Jahres. Nicht, weil die Lebensgeschichte von Emilia Smechowski, die mit fünf Jahren von Polen nach Deutschland kommt, im Auto über zwei Grenzen geflohen, von jetzt auf gleich aus dem alten Leben gerissen und in ein neues geworfen. Die Eltern sind fleißig und setzen alles daran, möglichst nicht aufzufallen, sich anzupassen, sie arbeiten sich hoch von der Flüchtlingswohnung zum Eigenheim, die Töchter sollen genauso gut funktionieren.

Aber Emilia funktioniert nicht so, wie ihre Eltern sich das wünschen, sie will Sängerin werden, keine Ärztin, will sich nicht anpassen bis zur Unsichtbarkeit. Dass sie nicht allein ist, merkt Emilia erst später, als sie Menschen trifft, die ihre Geschichte teilen, die ebenso wie sie auf der Suche nach ihrer Identität sind, irgendwo zwischen den polnischen Wurzeln und dem deutschen Alltag. Erst als Emilia sich selber erlaubt, sie selbst zu sein, kann das Verhältnis zu den Eltern wieder gekittet werden.

Emilia Smechowski hat hier ihre eigene Migrantengeschichte aufgeschrieben, so nah und ehrlich, dass man zwischendurch mitverzweifelt und ihr gerne dauernd sagen möchte, dass schon alles irgendwie gut werden wird. Aber Gott sei Dank ist Wir Strebermigranten eben auch ein hoffnungsvolles Buch, dass zwar hauptsächlich von der Vergangenheit erzählt, aber am Ende auch die Zukunft im Blick hat.

Wir Strebermigranten von Emilia Smechowski [Amazon-Werbelink]

 

1. Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky

Im Jahr 2011 stand hier Mariana Lekys Die Herrenausstatterin auf Platz 1. Sechs Jahre später hat sie es wieder geschafft. Dieses Mal mit Was man von hier aus sehen kann. Das Buch punktet nicht nur mit einem Okapi auf dem Cover, sondern auch mit einer Leky-typischen Geschichte.

In einem Dorf mitten im Westerwald lebt Selma, die aussieht wie Rudi Carrell. Immer, wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt jemand im Dorf und diese Nacht hat Selma von einem Okapi geträumt. So fängt alles an, und Selmas Enkelin Luise erzählt, wie es dann weitergeht. Mit dem Optiker, der in Selma verliebt ist und ihr jahrelang Briefanfänge schreibt. Mit Elsbeth, die für alles ein Wundermittel hat. Mit der traurigen Marlies, die ganz allein in dem Haus wohnt, in dem sich ihre Tante erhängt hat. Mit Luises Vater, der einen Hund anschafft, um seinen Schmerz zu externalisieren. Mit Luises Mutter, die nicht weiß, ob sie ihren Mann verlassen soll. Mit Martin, Luises bestem Freund und seinem Vater, der Jäger und Alkoholiker ist und vor dem Selma die Rehe schützen muss.

Genau wie bei Die Herrenausstatterin lag ich irgendwann Rotz und Wasser heulend im Bett, denn alles an diesem Buch ist schön. Wenn man sich in einem Buch und seinen Figuren verlieren möchte, dann doch bitte in diesem hier.

Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im Januar (Teil 2)

ERDMÄNNCHEN! ENTTÄUSCHENDE GEHEIMDIENSTE! GEILERE FORDERUNGEN! PORNO-HANDWERKER! WACHSMALSTIFTE! HEUTE MAL MIT FRECHEN ILLUS!

Die letzte Fernsehzuschauerin

Gestern befand ich mich wieder in einer unmöglichen Situation. Zum 461. Mal John Grishams „Die Akte“ mit einer sehr jungen Julia Roberts, einem lebenden Sam Shepard und einem sehr, sehr jungen Denzel Washington oder doch eine Dokumentation über eine Zugfahrt durch Skandinavien gucken?

Schwierig.

Die Menschen im Internet verstehen meine Sorgen nicht. Ob ich denn kein Internet hätte, fragen sie. Ja, natürlich habe ich Internet, aber was hilft es mir, wenn ich abends entscheidungsschwach auf dem Sofa liege und eigentlich nur möglichst energiesparsam unterhalten werden möchte. Wenn ich mich jetzt noch bei Netflix zwischen 26 Serien und 17 Filmen entscheiden müsste, das würde mich nur heillos überfordern.

Ich bin ein großer Freund des linearen Fernsehens. Also eigentlich: Ich bin ein großer Freund des Fernsehens. Ich finde Fernsehen super, schon immer, das Fernsehen begleitete mich treu durch Kindheit und Jugend bis heute. In den Achtzigern saßen wir bei Joana im Keller und guckten schlimme Spielshows auf Tele 5 und das grandiose Full House, das später von einem schlechteren, aber deutlich beliebteren Full House abgelöst wurde, und, wie ich nach langer Internetrecherche herausgefunden habe, im Original Rags to Riches hieß. Die Kurzfassung: Ein Millionär nimmt einen Haufen Mädchen aus einem Waisenhaus bei sich auf, es wird viel rumpubertiert, jede Folge ein Drama, das sich natürlich zum Ende der Folge wieder auflöst und vor allem wurde in jeder Folge in Sechziger-Jahre-Outfits gesungen! Ein Traum unserer jungen Mädchenjahre, aber leider von der deutschen Fernsehlandschaft vergessen und auf YouTube nicht in zufriedenstellender Quantität und Qualität im Angebot. (Ich hab geguckt.) Die Folge, in der der drohende Atomkrieg mit der Sowjetunion thematisiert wurde, kam in ihrer traumatisierenden Wirkung fast an die Wattenmeer-Szene aus der letzten Folge von Nesthäkchen heran. Noch heute fürchte ich Atomkriege und würde mich nie im Leben auch nur einen Zentimeter zu weit ins Wattenmeer wagen.

Unser erster Fernseher war noch schwarz-weiß und hatte Knöpfe am Gerät, so dass man zum Ein- und Ausschalten aufstehen und hingehen musste. Das war allerdings auch kein großes Problem, denn der Fernseher war sehr klein, so dass man ohnehin fast in Reichweite auf dem Boden davor saß. Er stand außerdem bei meinen Eltern im Schlafzimmer, allerdings eher aus wohnungslogistischen Gründen und nicht wegen irgendwelcher potentiellen erzieherischen Restriktionsmaßnahmen. Im Gegenteil, man musste erfinderisch werden, wenn man vor dem Fernseher essen wollte und deswegen weiß ich jetzt: Ein Bügelbrett ist ein guter Tischersatz, bietet den Vorteil, dass man ihn höhenverstellbar auch auf Betthöhe bringen kann, allerdings auch den Nachteil, dass verschlabberte Tütensuppe direkt einzieht.

Der Übergang von Kindheit zur Präpubertät fiel bei mir praktischerweise zeitgleich auf den Einzug des Privatfernsehens, so dass sich im Nachhinein nicht mehr auseinanderhalten lässt, ob wir die schlimmen Sachen (Talk Shows! Beverly Hills 90210!) guckten, weil wir gerade dumme Teenager waren oder weil es halt gerade im Trend war (vermutlich beides). Später im Studium konnte man die ersten zwei bis drei Staffeln Big Brother immerhin auch noch mit der Ausrede einschalten, man würde das allein aus medientheoretischem Interesse gucken. Das war zu 90 Prozent gelogen und zu zehn Prozent besitze ich tatsächlich die Essaysammlung „Big Brother: Inszenierte Banalität zur Primetime“ (Herausgeber Frank Weber, erschienen 2000 im LIT Verlag, nur noch antiquarisch erhältlich).

Heute ist mir alles egal. Weil wir alle auch ein bisschen unsere Eltern sind, gucke ich jede Vogelzugs-, Tiefsee- und Seeotterdokumentation, die mir unterkommt, genauso wie gute und weniger gute Filme und schlimme und weniger schlimme Sendungen in denen Leute kochen, Trödel verkaufen, schlechte und weniger schlechte Start-Up-Ideen präsentieren und mit Restaurants pleite gehen. Mit Hingabe sehe ich fernsehgeschichtliche Kleinode wie „Guter Rat am Zuschneidetisch“ und verpasse keine Gelegenheit, mich zwei Stunden lang mit Musikvideos der Neuen Deutschen Welle sanft berieseln zu lassen. Dazwischen mogelt sich die Serienversorgung über Netflix und schlimmes Trashfernsehen.

Und dann sind da eben die Tage, an denen man abends auf dem Sofa liegt und nichts kommt außer zum 461. Mal „Die Akte“ und eine Dokumentation über Zugfahren in Skandinavien. Mein Mann schlug vor, man könnte ja auch abschalten und sich unterhalten, wir haben also folgerichtig zum 462. Mal „Die Akte“ geguckt.

Ich stelle mir vor, wie das lineare Fernsehen irgendwann doch zu Grunde geht und die letzten Stationen abgeschaltet werden und dann sitzen da nur ich und ein paar verwandte Seelen, schalten mit Tränen in den Augen den Fernseher aus, verbrennen unsere letzte Fernsehzeitung im Kamin und seufzen einmal laut und tief. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

Bücher 2017 – Plätze 10 bis 6

10. Jürgen von Heinz Strunk

Vielleicht ist Jürgen nicht das beste Buch, das Heinz Strunk bisher geschrieben hat, aber es könnte das schönste sein. Strunk kehrt zu seinem Lieblingsthema zurück, er erzählt von Verlierertypen, die auch nur irgendwie glücklich sein wollen.  In diesem Fall ist es Jürgen, der als Parkhauswächter arbeitet, sich um seine kranke Mutter kümmert. Während er in seinen Tagträumen zum Parkhauswächter in glänzender Rüstung wird und so die Frau seiner Träume kennenlernt, sieht die Realität etwas düsterer aus. Keine Frau weit und breit, nicht beim Speed Dating und auch sonst nirgendwo. Dann lässt er sich von seinem Kumpel Bernd breitschlagen und fährt mit einer dubiosen Firma nach Polen, um dort seine potentielle Frau fürs Leben zu finden.

Das ist alles gleichermaßen rührend wie tieftraurig und genau das hat es mir beim Lesen auch angetan. Besser übrigens noch: Das ganze als Hörbuch, gelesen von Heinz Strunk selber.

Jürgen von Heinz Strunk [Amazon-Werbelink]

 


9. Saturday Night Biber von Anja Rützel

Alles an diesem Buch ist schön. Anja Rützel, eigentlich eher dafür bekannt, schlimmes Fernsehen zu gucken, um dann grandiose Kolumnen darüber zu schreiben, ist ein großer Tierfan. Dabei muss das Tier noch nicht mal besonders niedlich sein, gerade die Außenseiter des Tierreichs haben es ihr angetan. Und so verfällt sie Fauchschaben gleichermaßen wie Turnierkaninchen, Kühe und dem Ameisenbären Ernst-Einar. Sie kuschelt mit Kühen, wird zur Biberberaterin und besucht einen Tierpräparatorenkurs.

Das alles erzählt sie mit so viel Liebe für die Absurditäten und Obskuritäten des Tierfreundlebens, dass man das alles eigentlich auch mal machen möchte. Am Ende klingen sogar Fauchschaben wie eine ganz attraktive Haustieroption, und das muss man erst mal schaffen. Ein Buch, bei dem jeder Satz eine Freude ist und das viel zu schnell vorbei ist.

Saturday Night Biber von Anja Rützel [Amazon-Werbelink]

 

8. The Bone Clocks von David Mitchell

Ein typischer Mitchell eben. Man springt durch die Zeit, sieht die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven und immer ist da ein roter Faden, diese eine Figur, um die sich alles dreht, mit der alles beginnt und alles endet. In diesem Fall ist es Holly Sykes, die im Jahr 1984 als Teenager von zu Hause abhaut und ein paar sonderbare Charaktere trifft. Von dort aus entspinnt sich eine Geschichte um die unsterblichen Horologists und die von ihnen bekämpften Anchorites, die uns bis ins Jahr 2043 führt.

Klingt komisch? Ist es auch. Aber das ist eben David Mitchell, der auch bei diesem Buch keine Gefangenen macht und in einem Rundumschlag ein Kaleidoskop von Schauplätzen, Personen und Geschichten präsentiert, aber eben nie das große Ganze aus den Augen verliert.

The Bone Clocks von David Mitchell [Amazon-Werbelink]

 

7. Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre

Über Panikherz kann ich eigentlich nur lobhudeln. Vollkommen überraschend habe ich dieses Buch von von Stuckrad-Barre von vorne bis hinten geliebt. Er erzählt hier seine eigene Geschichte, von der Kindheit als Pfarrerssohn in der Provinz über die Selbstfindungszeit bis zum Literatur-Pop-Wunderkind und darüber hinaus. Von Stuckrad-Barre lässt nicht viel aus, berichtet von Drogen, Magersucht und Therapien, von seiner Liebe zum Musiker Udo Lindenberg und seiner Freundschaft mit dem Mensch Udo.

Das ganze ist wunderbar ehrlich und wirkt an keiner Stelle aufgesetzt und macht am Ende den Menschen von Stuckrad-Barre mit all seinen Fehlern und nervigen Eigenheiten ganz nahbar. Nachdem ich damals eher verwirrt vor dem großen Popliteraten-Hype stand und nicht verstand, warum das jetzt alle gut fanden, war ich hier sehr begeistert.

Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre [Amazon-Werbelink]

 

6. Der neue Chef von Niklas Luhmann

Tatsächlich habe ich einen nicht unerheblichen Teil dieses kleinen Büchleins auf Autofahrten vorgelesen. Sehr langsam und deutlich und manche Sätze auf Nachfragen meines Mannes noch einmal (und manchmal noch einmal). Auf Zugfahrten fotografierte ich bei der Lektüre die schönsten Sätze, um sie mit der Welt zu teilen.

Luhmann schreibt in diesem Essay über die Probleme, die sich im System eines Betriebs ergeben, wenn ein neuer Chef eingesetzt wird und ist dabei so zeitlos, dass man kaum glauben kann, dass dieser Text aus den 1960er Jahren stammt. Tatsächlich ist Der neue Chef keine einfache Kost, hier ist kein Wort zu viel, jeder Satz sitzt und genau diese Kompaktheit macht es dann auch so herausfordernd, immer muss man mitdenken, weiterdenken, noch-mal-drüber-nachdenken: „Kannst du den Satz bitte noch mal lesen?“

Trotz allem schimmert immer wieder ein feiner subtiler Humor heraus, bei aller Abstraktion ist das Thema so alltäglich, zumindest, wenn man als Angestellter in einer Firma arbeitet oder schon mal gearbeitet hat. Eine große Empfehlung, um sich dem Sozialsystem im Job mal auf eine andere Art zu nähern.

Der neue Chef von Niklas Luhmann [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im Januar (Teil 1)

WEIN, KÄSE UND ZWIEBELN! BADEZIMMERLAMPEN! WURSTTOASTER! PINK MARTINI MIT HEISSER MILCH! STERNSINGER! UND ENTWENDETE KEKSE!

2017 als Fragebogen

The year in review. Und los:

Zugenommen oder abgenommen?

Zu. Aber nicht mehr so viel. Es pendelt sich anscheinend auf ein Gewicht ein, das mir aber leider nicht zusagt. Also, na ja, gute Vorsätze, anyone?

Haare länger oder kürzer?

Ich war irgendwann beim Frisör (glaube ich) und jetzt sind sie wieder gewachsen und vielleicht gehe ich demnächst noch mal zum Frisör (ABER NUR DIE SPITZEN!) oder zu Mama, je nach dem.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleich. Denke ich. Keine neue Brille aber auch keine Probleme mit dem Gucken.

Mehr Kohle oder weniger?

Ungefähr gleich.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger ausgegeben für Zeug, trotzdem rann das Geld aufgrund einer Immobiliensituation etwas unkontrolliert durch die Finger. Aus Verzweiflung dann auch kurzzeitig mit dem Budgetieren aufgehört, was natürlich eher kontraproduktiv war. Jetzt wieder angefangen mit dem Budgetieren und Planen mit YNAB und direkt ein besseres Gefühl. Alles ist gut, es ist nur eine Phase.

Mehr bewegt oder weniger?

Weniger. Außer im Sommer, als wir sehr oft das Stand-Up-Paddle-Board auspackten und auf diversen Seen rumpaddelten.

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Der hirnrissigste Plan?

Fristen ausreizen und dann kurz vor knapp sehr viele Dinge sehr dringend geklärt haben müssen. Auch hier: Alles ist gut, es ist nur nervig.

Außerdem: Ohne Wasserschuhe auf der Loire paddeln UND reinfallen. Auf der anderen Seite ist so ein blauer Flecke an der Fußsohle auch eine interessante Erfahrung.

Die gefährlichste Unternehmung?

Mehrfach mit normalen Straßenklamotten (und ohne Wechselsachen) auf einem Brett im See gepaddelt. Ist aber nichts passiert.

Die teuerste Anschaffung?

Ein neues Auto. Also ein Bus. Also ein VW-Bus mit Campingausstattung. Immerhin gebraucht.

Das leckerste Essen?

Auch dieses Jahr wieder ein Sieben-Gänge-Carte-Blanche im La Maison d’à côté in Montlivault.

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Außerdem sehr gut gegessen Am Kamin in Mülheim an der Ruhr, im Umami in Straßburg und zum 50. Geburtstag des besten Ehemannes der Welt im Le Prince Noir in Bordeaux. Außerdem gut, gerne und viel gekocht.

Das beeindruckendste Buch?

„Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky (sehr geweint) und „Wir Strebermigranten“ von Emilia Smechowski (sehr traurig gewesen).

Der ergreifendste Film?

Ich kann mich an keinen besonders ergreifenden Film erinnern, aber wir haben kürzlich nach langer Zeit wieder „Kleine Haie“ gesehen und das ist immer noch ein sehr toller und, ja, wenn ich es mir richtig überlege, auf eine ganz eigene Art doch ergreifender Film.

Kurz vor Jahresende noch mal aus einer spontanen Laune „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ gesehen und bei der ersten Szene mit Gareth überlegt, ob ich abbrechen soll, weil ich gar nicht dringend weinend vorm Fernseher sitzen wollte. Doch nicht abgebrochen und dann eben schlimm geweint und W. H. Auden mit rezitiert.

Das beste Lied?

2017 fiel ich endgültig in ein Musicalloch und entdeckte zunächst, dass es da irrsinnig viel zu entdecken gibt. In den letzten Wochen mit tiefer Inbrunst am Klavier gesungen: „Send in the Clowns“ aus „A Little Night Music“ von Stephen Sondheim.

Auch sehr geliebt: „Seeds“ von Camille.

Das schönste Konzert?

Kein Konzert, glaube ich. Dafür einmal Oper, nämlich die Salomé in Straßburg und das war sehr cool.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Wie im letzten Jahr: Meinem Mann und vermutlich den Kollegen im Büro.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Meinem Mann und meiner Familie. Ich wiederhole mich. Ich lasse das einfach immer so stehen, was soll sich daran schon ändern. Aber auch gemerkt: Wir haben viele tolle Freunde und ich freue mich über jeden Abend, den wir Gäste haben.

Immerhin, mein Vorsatz, mehr Familie in meinem Leben zu haben, hat sich ganz gut in Realität umsetzen lassen. Das war schön.

Vorherrschendes Gefühl 2017?

Das auch noch?

2017 zum ersten Mal getan?

Einen Campingbus gekauft. In einem Campingbus übernachtet. Auf einem Kontrabass gespielt. Zu Hause eine Karaokeanlage aufgebaut UND BENUTZT! Meine Cousine besucht. Gefastet aka sechs Wochen lang vegetarisch gegessen. Ein Fahrrad zur Reparatur gebracht („Lohnt sich, das reparieren zu lassen oder kann ich da direkt ein neues kaufen?“ – Es lohnte.). Keinen einzigen Tag wegen Krankheit auf der Arbeit gefehlt. Aus einem Escape Room ausgebrochen. Gummistiefel gekauft. Auf der After-Show-Party der lit.COLOGNE rumgehangen.

Liste der Orte, in denen ich 2017 zum ersten Mal war: Straßburg, Monschau, Châlons-en-Champagne, Regensburg, Karlsbad, Bad Langensalza, Eisenach, Xanten, Winterswijk, Schaffhauen, Stein am Rhein.

2017 nach langer Zeit wieder getan?

Richtig Geburtstag gefeiert. Alte Freunde getroffen. In Tschechien gewesen. Einen Badeanzug gekauft (und direkt in der Therme vergessen). Auf dem Pfarrfest unserer alten Gemeinde gewesen und sehr viele Leute wiedergetroffen. Gemalt. Kanu gefahren. Auf zwei Hochzeiten gewesen (na ja, die letzte war 2013, aber immerhin waren drei Jahre Pause). Viel Fahrrad gefahren. Baumkuchen gebacken. Bei der Fronleichnamsprozession in Köln-Mülheim auf dem Schiff mitgefahren.

Fronleichnamsprozession Mülheimer Gottestracht

Einen 90. Geburtstag gefeiert. Einen Rucksack gekauft und gegen die Umhängetasche getauscht (beste Entscheidung seit langem).

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Überhaupt keine Zeit. Ich weiß nicht, warum, aber ich habe noch in keinem Jahr so das Gefühl gehabt, keine Zeit für mich zu haben und das ist nicht gut und kann auch nicht so weiter gehen. Man sieht es auch gut an diesem Blog, da hätte ich gerne mehr geschrieben.

Eine vollkommen verrückte Welt mit viel zu vielen „Was zur Hölle ist jetzt schon wieder passiert?“-Momenten. Und andere Dinge, die nicht hierhin gehören. Als Ersatz biete ich noch an: Den letzten Zug verpassen und anderthalb Stunden mit vier anderen Leuten (plus Taxifahrer) im Taxi von Stuttgart zum Bodensee sitzen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemand überzeugen wollte?

Die ist privat.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Wir schaffen das schon alles.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Das kann ich schlecht entscheiden.

2017 war ist mit einem Wort…?

Vorbei. (Good riddance!)

Zum Fragebogen für 2016 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2015 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2014 geht es hier.

Zum Fragebogen für 2013 geht es hier.

Lieblingstweets im Dezember (Teil 2)

ANANAS IM RACLETTE-PFÄNNCHEN! TRÄNENNASSES SPIELGELD! EGGNOG! ROHMILCHKÄSEFALLEN! UND FROHES NEUES JAHR ALLEN LIEBLINGSTWEETFREUNDEN!

Ein paar Fernsehtipps für den 26.12.

Auch der letzte Weihnachtstag will mit Besinnlichkeit begangen werden. Das Sofa ist meiner Ansicht nach ein wesentlicher Bestandteil, wenn es um Gemütlichkeit geht. Dazu noch eine Decke, ein Glas Sekt oder ein heißer Kakao und das richtige Fernsehprogramm… ZACK! Besinnlich as besinnlich can!

Pippi außer Rand und Band am Dienstag, 26.12. um 9:00 im ZDF
Lindgrenverfilmung aus dem Jahr 1970. Annika und Tommy wollen ausreißen, dank Pippi wird daraus natürlich ein angemessenes Abenteuer.

Der kleine Lord am Dienstag, 26.12. um 10:03 im Ersten
Weihnachtsklassiker nach der Vorlage von Frances Hodgson Burnett. Der kleine Lord erweicht das Herz seines strengen Großvaters. Das ist etwas kitschig, aber auch sehr schön.

Pünktchen und Anton am Dienstag, 26.12. um 10:25 im RBB
Das patente Pünktchen muss nicht nur ihr eigenes Leben organisieren, sondern sich auch um ihren armen Freund Anton kümmern. Kästner-Verfilmung aus dem Jahr 1953.

Michel muss mehr Männchen machen am Dienstag, 26.12. um 12:10 im ZDF
Der freche Michel stellt immer wieder Unsinn hat und muss dann in Schuppen, wo er keine Holzmännchen schnitzt. Lindgrenverfilmung aus dem Jahr 1972.

Emil und die Detektive am Dienstag, 26.12. um 12:45 im MDR
Aus dem Jahr 1954 stammt diese Kinderbuchverfilmung um Emil, der in Berlin mit einer Kinderbande einen Dieb verfolgt.

Michel bringt die Welt in Ordnung am Dienstag, 26.12. um 13:40 im ZDF
Und noch mal der Michel. An der Grundgeschichte ändert sich nicht viel, nur die Streiche variieren auf dem Kattulter Hof.

Drei Männer im Schnee am Dienstag, 26.12. um 13:45 im SWR
Die letzte Kästnerverfilmung für heute. Diesmal kein Kinderbuch, sondern eine Verwechslungsgeschichte mit einem Millionär und einem Arbeitslosen.

Das Spukschloss im Spessart am Dienstag, 26.12. um 14:10 auf Hessen
LILO PULVER! Und freundliche Geister! Und viel Wald! Und Lilo Pulver!

Paddington am Dienstag, 26.12. um 15:15 im ZDF
Weil die Heimat des Bären Paddington zerstört wurde, macht sich der anglophile Pelz auf den Weg ins Königreich. Die Verfilmung des Kinderbuchklasssikers von Michael Bond ist aus dem Jahr 2014.

Die unendliche Geschichte am Dienstag, 26.12. um 16:10 im RBB
An das Buch von Michael Ende kommt die Verfilmung aus dem Jahr 1984 zar nicht ran, hat aber ihren eigenen Charme. Man muss ja nicht immer alles vergleichen.

Schwarzwaldklinik am Dienstag, 26.12. um 16:40 auf ZDF neo
Noch mal fünf Folgen für Heavy Nostalgiker. Macht euch bereit!

Tatort: Der wüste Gobi am Dienstag, 26.12. um 20:15 im Ersten
Jedes Jahr wieder gehen Nora Tschirner und Christian Ulmen in Weimar auf Verbrecherjagd und das macht tatsächlich Spaß.

Es war einmal in Amerika am Dienstag, 26.12. um 20:15 auf Tele 5
Mafiaepos von Sergio Leone. Man muss etwas Zeit einplanen, denn der Film dauert drei Stunden, aber wer bleibt nicht gerne bis spät in die Nacht auf, um Robert de Niro beim Mafiieren zuzugucken.

Cinderella am Dienstag, 26.12. um 20:15 beim RTL
Starbesetzte Verfilmung des Märchenklassikers aus dem Jahr 2015. Regie führte übrigens Kenneth Branagh.

M – Eine Stadt sucht einen Mörder am Dienstag, 26.12. um 23:20 auf ONE
Kinoklassiker von Fritz Lang aus dem Jahr 1931 zu später Stunde.

 

EXTRA EXTRA EXTRA: Sendetermine für Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

7:00 Uhr auf ONE