Bordeaux-Vorfreude

Bordeaux (5.9.2015)

In anderthalb Wochen brechen wir wieder gen Süden auf, um schon wieder in Biscarrosse-Plage Urlaub zu machen. Eigentlich widerstrebt es mir, jedes Jahr an den gleichen Ort zu fahren, es gibt aber auch sehr gute Argumente dafür oder zumindest für Biscarrosse: Erstens wollen wir ja surfen und ja, das geht auch woanders, aber in Biscarrosse geht es erwiesenermaßen sehr gut, man kommt mit dem Auto hin und wir fahren einfach sehr gerne nach Frankreich. Zweitens haben wir festgestellt, dass wir so locker jeden Tag zwei zusätzliche Erholungstage raushauen, weil die ganze Einlebephase wegfällt. Ungefähr in der Minute, in der wir das Ortsschild passieren, bin ich entspannt, es gibt keine Übergangsphase mehr, wir sind da, das Meer ist da, die Surfschule ist da, der Supermarkt ist da, der Bäcker ist da, alles da, kann losgehen. Drittens kennen wir da mittlerweile Leute und es ist tatsächlich ganz nett, auch im Urlaub nicht ganz fremd zu sein.

Bordeaux 8.9.2015

Viertens machen wir ja doch jedes Jahr etwas neues. Im dritten Jahr machen wir einen Zwischenstopp auf der Hinreise, 2014 waren wir in Montbéliard und in Clermont-Ferrand, letztes Jahr in Barbizon und dieses Jahr werden wir in einem Dorf in der Nähe von Blois übernachten. Außerdem werden wir wohl wieder die Gegend erkunden. Arcachon kennen wir jetzt so langsam, wir waren in Mont-de-Marsan, Biarritz und Bayonne, aber wir waren noch nicht in Biarritz im Aquarium. Und vor allem haben wir noch längst nicht genug von Bordeaux gesehen, da haben wir uns nämlich erst letztes Jahr zum ersten Mal hingetraut, weil wir die Größe der Stadt etwas überschätzt hatten und schlimmes Verkehrschaos befürchteten.

In Wirklichkeit sieht ein Bordeauxausflug so aus. Man fährt eine Stunde mit dem Auto, fährt dann die Autobahnausfahrt Bordeaux-Centre raus, fährt ungefähr fünf Minuten geradeaus und dann am Place de la Bourse in ein Parkhaus. Fertig. Das hat uns überzeugt.

Bordeaux (5.9.2015)

Für dieses Mal habe ich mindestens drei Bordeaux-Ausflüge geplant, denn sobald man begriffen hat, dass es kein Verkehrschaos zu befürchten gibt, ist man nicht nur dem Charme der Stadt erlegen, sondern verbringt zu viel Zeit auf TripAdvisor und hat in Nullkommanix eine Liste mit Restaurants, in die man unbedingt mal gehen muss. Das funktioniert zwar auch mit anderen Städten, in Bordeaux kommt es mir aber besonders schlimm vor.

Für das Garopapilles habe ich schon vor Wochen eine Reservierung gemacht, das Restaurant hat nämlich nur an zwei Abenden in der Woche geöffnet, da war mir das Risiko zu groß, abzuwarten.

Außerdem möchten wir wieder ins Dan, wo wir letztes Jahr eines der leckersten Menüs unseres Lebens essen konnten. Darüber hab ich hier bereits geschrieben.

Bordeaux 8.9.2015

Als wir da beim ersten Versuch sehr freundlich abgewiesen wurden (keine Reservierung), wurde uns das Le Chien de Pavlov empfohlen, wo wir auch sehr lecker aßen und vor allem alten Rum probierten. Die Information, dass man dort auch Kochkurse buchen kann, erwies sich leider als veraltet. Man könne noch Cocktailkurse oder ein Weinseminar machen, aber hier kommt uns ein bisschen die lange Rückfahrt mit dem Auto in die Quere.

Bordeaux (5.9.2015)

Dann steht noch das Miles auf der Liste und damit müssten wir dann schon drei Mal nach Bordeaux, was zwar machbar ist, aber eben auch schon ein ganz gutes Programm, immerhin muss man halt von unserem kleinen Küstendorf erstmal hinkommen. Man könnte auch noch einen Besuch im neuen Weinmuseum einplanen oder den Le Creuset-Shop leerkaufen oder ach ach, ich seh schon… wir fahren zwar bald erst hin, sollten aber jetzt schon planen noch mal wiederzukommen.

Bordeaux (5.9.2015)

11 Fragen von Frau Novemberregen

Frau Novemberregen hat sich elf Fragen ausgedacht und ich dachte, ich beantworte ihr sie mal.

1. Wie geht es Ihnen heute?

Gut, bin allerdings auch im Vor-Urlaubsstress. Was da alles noch erledigt werden muss oder zumindest erledigt sein sollte. Ach ach…

2. Wie finden Sie die Sache mit Pokémon-Go?

Gut. Erstens bin ich anfällig für sowas, zweitens finde ich die Überlappung von virtueller und physischer Welt sehr spannend und drittens halte ich viel davon, sich als Mensch den öffentlichen Raum wieder zu erobern, vor allem als Fußgänger. Vor allem aber ist es lustig.

3. Haben Sie Pläne für das kommende Wochenende?

Dinge erledigen (siehe Antwort auf Frage 1). Das ist nämlich das letzte Wochenende vor dem Urlaub. Vielleicht mache ich auch noch ein drittes Booktuber-Video, mal gucken.

4. Was machen Sie, wenn Sie nicht schlafen können?

Rumwälzen, Licht an und lesen oder Hörbuch/Hörspiel hören. Letzteres funktioniert am besten, aber auch nicht immer.

5. Haben Sie schon mal die ISS vorbeifliegen sehen?

Möglicherweise, dann habe ich es aber nicht gemerkt. Das ist wie die Geschichte mit dem Delfin, den ich im Kalifornienurlaub aus Versehen gefilmt habe, was mir dann aber erst bei der Durchsicht der Fotos und Videos aufgefallen ist. Das Video kann man hier gucken, am fehlenden Gequietsche erkennt man, dass ich den Delfin einfach nicht sehe, sondern nur so das Meer filme.

6. Wie ist das bei Ihnen mit Vertrauen: Vorauskasse oder auf Rechnung?

Ich selber bezahle lieber auf Rechnung, am allerliebsten aber einfach per Bankeinzug, Kreditkarte oder PayPal, also irgendwas, wo ich nicht selber mehr als nötig tun muss. Da ich selten Dinge verkaufe, stellt sich die Frage von der anderen Seite nicht so häufig. Bei Ebay immer Vorauskasse, Selbstabholung oder Nachnahme, aber da kenne ich die Leute auch nicht. Bei bekannten Leuten würde ich vermutlich auch „Kannste mir später noch geben“ sagen.

7. Also wenn wir jetzt zum Karaoke gehen, welches Lied singen Sie dann auf jeden Fall?

Stay von Lisa Loeb und New York State of Mind von Billy Joel.

8. Worüber machen Sie sich gerade Sorgen?

Über die ganzen Dinge, die ich vor dem Urlaub noch erledigen muss.

9. Welche Chipssorte finden Sie am besten?

Frit-Sticks von Funny Frisch, die gibt es aber aktuell wieder nicht beim Edeka um die Ecke (und auch bei dem anderen Edeka nicht). Ansonsten Essig-Chips, am besten die von Chio, weil die so richtig reinknallen. Oder die Jalapeno-Chips von Kettle Chips, die gibt es aber in Deutschland nicht, die verzehrte ich in einem Hotelzimmer in Kalifornien. Ich habe aber hier auch schon mal ausführlich darüber geschrieben.

10. Wahlrecht ab 16, ja oder nein?

Why not?

11. Welchen Luxus leisten Sie sich?

Eine BahnCard 100, obwohl ich die Pendelstrecke vielleicht auch günstiger haben könnte. Und ein Cocktail-Abo vom Drink-Syndikat.

 

Elf neue Fragen gibt es nicht, aber man kann ja die von Frau Novemberregen wiederverwenden, die sind noch gut.

Lieblingstweets im August (Teil 1)

XYLOPHONENKONZERTE! WEIN UND KÄSE! FORST-DOPPELBOCK-SPEZIALBIER! KAPUZENPULLIS! UND HANDSTAND! MAN MÜSSTE HANDSTAND KÖNNEN!

Bücher in Kameras halten

Mein Hauptproblem ist ja, dass ich bei vielen Dingen immer sehr schnell „Das kann ich auch!“ denke und das anschließende Problem ist dann, dass ich das auch ausprobieren möchte. Das Internet ist dabei nicht hilfreich, denn erstens findet man da viele Dinge, bei denen man „Das kann ich auch!“ denkt und zweitens hilft es einem dann noch dabei, das selber auszuprobieren.

Nach eingehender Beschäftigung mit dem Phänomen Booktuber inklusive tiefgehender Rercherche bin ich jetzt also irgendwie selbst eine, zumindest ein bisschen. Im ersten Versuch halte ich nur Bücher in die Kamera, die ich für den anstehenden Urlaub bestellt habe. Der Nachteil dieser Unboxing-Videos ist, dass man die Bücher ja noch nicht gelesen hat und dementsprechend wenig darüber zu sagen weiß. Der Vorteil ist, dass man quasi nix dafür machen muss, aber von diesem Vorteil hat nur der Booktuber selber etwas.

Nachdem das erste Video dann schon mal gemacht und hochgeladen war, habe ich ein wirklich schlimmes Buch gelesen und das dann gleich zum Anlass genommen, noch mal ein Video zu drehen. Der Vorteil: Immerhin wusste ich diesmal, worüber ich rede. Der Nachteil: Im Prinzip rege ich mich eine Viertelstunde nur auf, aber zwischendurch gibt es immerhin eine lobende Erwähnung von Bov Bjergs Auerhaus.

Dafür lerne ich bei jedem Mal ein bisschen mehr: Wie man die Kamera ordentlich positioniert, wie man das ganze zusammenschneidet, wie man andere Bilder einbindet, wie man Sound einbettet, wie man Standbilder erstellt und und und… Zu irgendwas wird es also bestimmt gut sein und sei es nur, dass ich noch mal beweise, dass man wirklich ganz dringend die Hände zum Reden braucht und auf jeden Fall seine beiden Freunde Gin und Tonic mit zur Rezensionsparty mitbringen sollte.

Gelesen im Juli 2016

Erst dachte ich, ich hätte wenig gelesen, es stellt sich aber raus, dass ich immerhin ganz knapp vier Bücher geschafft habe, davon allerdings drei als Hörbuch. Das fünfte Buch habe ich abgebrochen, weil es mir zu doof war und das will nun wirklich was heißen.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann

Schon überall sonst gefühlt hochgelobt, auf Spotify gab es das Hörbuch und ich war sehr angetan, eventuell sollte man das auch unbedingt als Hörbuch hören, denn Thees Uhlmann liest selbst und einige sprachliche Eigenheiten, die etwas eigenwillig wirken, funktionieren enorm gut, wenn man weiß, wie Thees Uhlmann liest.

Als es eines Morgens klingelt, öffnet der Protagonist die Tür und vor ihm steht der Tod, der ihm eröffnet, dass er jetzt leider mitkommen muss, ein paar Minuten hätte er noch, dann wäre aber Schluss. Dann klingelt aber auch Sophia, die Ex-Freundin des Erzählers und auf einmal kommt alles durcheinander, das Sterben wird verstorben, statt dessen ziehen Sophia, der Tod und der Erzähler durch die Straßen, trinken Bier in einer Kneipe und brechen am nächsten Tag zusammen zur Mutter des Protagonisten auf.

Das ganze ist so unglaublich liebevoll und witzig erzählt, dass man gar nicht möchte, dass das Buch endet. Die Freude des Todes, einmal auch am Leben teilzuhaben und etwas zu unternehmen, die Frotzeligkeit von Sophia und natürlich der Erzähler, der es sich während seiner letzten Tage nicht nehmen lässt, die Welt insgesamt doch ganz gut zu finden und noch einmal ganz besonders zu lieben. Das Buch hat jede Lobhudelei aber sowas von verdient.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann [Amazon-Werbelink]

 

Broken House von Gillian Flynn

Kurzgeschichte von Gillan Flynn, die ja vor allem mit Gone Girl bekannt wurde. Auch hier spielt sie mit Psychothriller- und Horrorelementen, die Story ist schön doppelbödig und liest bzw. hört sich schnell runter. Die Protagonistin ist Nerdy und arbeitet in einem Salon für Wahrsagerei und sexuelle Dienstleistungen. Ihre Chance sieht sie gekommen, als sie Susan Burke trifft, die davon überzeugt ist, dass es in ihrem Haus spukt. Auf knapp 60 Seiten bringt Flynn ausreichend viele überraschende Wendungen unter und auch sonst kann man das schön zwischendurch lesen oder wie ich auf Spotify als Hörbuch hören.

Wenn der Verlag endlich mal aufhören würde, die Originaltitel von Gillian Flynn mit anderen englischen Titeln zu ersetzen (Broken House heißt im Original The Grownup), wäre ich noch einen Ticken glücklicher, denn so weiß man nie, welches Buch man schon kennt und ob die vorliegende Version das Original oder die deutsche Übersetzung ist.

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Time Traders von Andre Norton

Für den Onlinebuchclub gelesen und eher so hm gefunden. Man kann auch leider nicht sagen „Nicht vom komischen Cover irritieren lassen!“, denn das wäre irreführend, das Cover passt leider hervorragend zum Buch. Aber gut, dann habe ich jetzt mal Pulp Science-Fiction aus den fünfziger Jahren gelesen, das kann man ja mal machen.

Der Name sagt es schon, es geht um Zeitreisen, wobei die Mechanismen eher dürftig erklärt werden, die Amerikaner sind hinter irgendwelchen Artefakten her, die sie in der Vergangenheit vermuten, die Russen sind die Gegenspieler und irgendwo dazwischen ein Antiheld-Held, der die ganzen sehr sehr langen und sehr sehr weiligen 150 Seiten des Buches nur rumreagiert. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, ist es vielleicht ganz okay, Stimmen im Onlinebuchclubforum freuten sich über die anscheinend ganz gut gelungene Darstellung der Glockenbecherkultur. Manche lasen aus Versehen den zweiten Band der Reihe, weil es die englische Ausgabe fürs Kindle umsonst mit beiden Büchern gibt, das vorne aber nicht drauf steht. Das zweite Buch scheint besser zu sein. Ich war nach 150 Seiten froh, dass es vorbei war und habe aber immerhin gelernt, dass es die Glockenbecherkultur gab.

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The Last Wish von Andrzej Sapkowski

Auch für den Onlinebuchclub gelesen bzw. gehört. Ebenfalls nicht meins, aber sehr viel besser als Time Traders, so dass ich heilfroh war. The Last Wish ist das erste Buch der Witcher-Reihe (auf der auch die gleichnamige Computerspielreihe basiert) von Andrzej Sapkowski, polnische Fantasy also, kann man ja auch mal machen.

The Last Wish ist eigentlich eine Reihe von Kurzgeschichte, sieben insgesamt, die von einer groben Rahmenhandlung umfasst werden. Ich habe etwas gebraucht, um reinzukommen, dann war das aber alles sehr unterhaltsam und sogar mit einem angenehm trockenen Humor versehen. Geralt ist der Witcher, der hier von Abenteuer zu Abenteuer wandert, immer wieder sind Märchenthemen mit eingebaut, so dass man schon ein lustiges Suchspiel aus den Geschichten basteln kann, das fand ich recht amüsant. Und auch sonst wird hier eine schöne komplexe Fantasywelt gebaut, mit bekannten und neuen Elementen, da kann man nicht meckern. Falls ich nicht 500 Bücher als Leseproben auf dem Kindle und um die 20 Bücher auf dem Stapel neben dem Bett liegen hätte, ich würde durchaus in Betracht ziehen, die Reihe weiterzulesen. Die Hauptfiguren schön komplex, der Unterhaltungsgrad hoch, die Geschichten ausreichend spannend und fantasievoll, da kann man nicht klagen.

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Abgebrochen:

Macht von Karen Duve

Auf Vorschlag probiert, gab es Gott sei Dank als Hörbuch bei Spotify, so dass ich wenigstens kein Geld dafür ausgegeben habe, denn Herrgott, was hätte ich mich geärgert, hätte ich dafür bezahlt. Karen Duves Macht wurde ja schon in zahlreichen anderen Medien zerrissen und ich kann hier nichts zur Ehrenrettung des Buches schreiben.

Ungefähr bis zur Stelle der ersten Vergewaltigung gehört, dann entschieden, dass ich sowas nicht unbedingt mehrere Stunden lang ertragen muss, also das letzte Kapitel gehört, um wenigstens zu wissen, wie es ausgeht, so neugierig war ich immerhin. Dann damit weitergemacht, das Buch rückwärts zu hören, was erstaunlicherweise total gut ging, anscheinend verpasst man nicht so viel, wenn man die Mitte einfach weglässt, alles, was man zum Verständnis braucht, kann man sich ganz gut zusammenreimen und eigentlich ist es auch egal.

Und mit egal hätten wir auch eine ganz gute Zusammenfassung zu diesem Buch. Die Intention ist spannend genug, die Zukunftsvision tatsächlich ganz interessant und zumindest scheinbar detailliert, letztlich bleibt aber alles egal. Es geht um den 70-jährigen Sebastian, der dank der Verjüngungspillen Ephebos (leider krebserregend, but so what?) wie Ende 30 aussieht, und der schönen neuen Welt, in der Staatsfeminismus herrscht und es Fleisch und Benzin nur gegen CO2-Gutscheine gibt und blablabla, jedenfalls steht Sebastian dieser untergehenden Welt sehr verbittert gegenüber und hat seine Frau kurzerhand im Keller angekettet, um sie zu demütigen und irgendwie seine Machtposition als Mann zumindest zwischendurch genießen zu können. Macht ist dann auch zu allem Überfluss noch aus der Sicht von Sebastian geschrieben, so dass man auch noch dauernd Rechtfertigungslitaneien lesen muss. Im Prinzip ist es ein langer, sehr langer, extrem langer Facebookkommentarthread zu einem Feminismusthema mit besonders kruden Ansichten, nur in besser geschrieben. Aber ich lese keine Facebookkommentarthreads mit kruden Ansichten, schon rein aus Mentalhygienegründen und Karen Duve schreibt zwar gut und gelegentlich sogar ganz witzig, aber nicht gut genug, als dass es den Rest wieder wettmachen dürfte.

Man muss diese Bewertung natürlich mit Vorsicht genießen, ich habe vielleicht ein grobes Viertel des Buches gelesen bzw. gehört, eventuell sogar ein Drittel und kenne den ganzen Mittelteil nicht, vielleicht steckt ja da irgendwas Sinnstiftendes drin, am Anfang und am Ende habe ich jedenfalls nichts gefunden und nach einer kurzen Hörpause beschlossen, dass ich mir das nicht weiter antun muss. Um 400 Seiten zu lesen brauche ich bessere Argumente als kalkulierte Provokation.

Macht von Karen Duve [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im Juli woanders

Lieblingstweets im Juli (Teil 2)

AUSMALBÜCHER! ERDNUSSBUTTER! BLOCKFLÖTENÜBEN! HEIMLICHE TRENDSETTER! HAMSTER UND BROMBEEREN!

Au revoir, Monsieur E.

Herr E. übernahm in 1996 den Grundkurs Französisch der elften Klasse, der im nächsten Halbjahr zum Leistungskurs wurde. Acht Mädchen und ein Lehrer, ein Zwei-Meter-Mann (jedenfalls gefühlt) mit Vollbart und Schalk in den Augen.

Einer der Lehrer, die ihre Fächer liebten und für die der Beruf Berufung war. Vielleicht habe ich selten so viel gelernt wie in den nächsten zweieinhalb Jahre bis zum Abitur, in unserem kleinen kuscheligen Französisch-LK und dem fast ebenso kleinen Geschichtsgrundkurs, den wir heimlich auch LK nannten, weil wir von Textbergen überhäuft wurden, damit wir ja so viel wie möglich über die Vergangenheit lernen konnten. Herr E. brachte uns bei, dass wildes Textmarkern doof war, man solle sich möglichst nur ein Wort anstreichen, mit dessen Hilfe man sich den Inhalt des ganzen Absatzes merken könnte.

Herr E. sorgte sich um uns, seine Schüler waren ihm wichtig, die Beziehung war von beiden Seiten von Respekt und Sympathie geprägt. Er erzählte von seinem Hörsturz und seinen Rücken- und Hüftproblemen. Er lud uns zum Kurstreffen zu sich nach Hause ein, wo wir seine zwei Kinder kennenlernten, wir trafen uns bei einem anderen Treffen bei uns zu Hause. Er war einer der freundlichsten und nettesten Lehrer, und vermutlich einer der freundlichsten und nettesten Menschen, die ich kennenlernen durfte.

Als wir einige Jahre nach unserem Abitur bei einem Schulfest waren, klopften wir ans Lehrerzimmer und erkundigten uns, aber Herr E. war nicht da, gesundheitliche Probleme, eine OP, ich weiß es nicht mehr genau.

Knapp zehn Jahre nach unserem Abitur hat sich Herr E. umgebracht. Ich erfuhr es bei unserer zehnjährigen Abifeier, eher zufällig, bei einer Führung durch die Schule, ein Bild von Herrn E. auf einem Regal im Lehrerzimmer. Der Tinnitus war zurückgekommen, die anderen Leiden wurden nicht besser, irgendwann war es zu viel.

Man findet die Rede zweier Lehrer zu seinem Tod im Schuljahrbuch, ich habe beide mehrfach gelesen. Jedes Mal, wenn ich in Frankreich bin und mich auf Französisch unterhalte, möchte ich ihm sagen: „Hier, guck! Ich kann’s noch! Das hab ich alles bei dir gelernt!“ und dann fällt mir ein, dass ich ihm das nie persönlich werde sagen können und dann bin ich kurz sehr, sehr traurig.

Ich war nicht auf der Beerdigung, ich habe es ja nur zufällig erfahren. Wir hatten schon jahrelang keinen Kontakt mehr, es ergab sich nicht, ich habe mein Leben weitergelebt und er seines und dann hat er seines nicht mehr weitergelebt. Es fühlt sich nicht abgeschlossen an, als ob ich noch irgendwas tun müsste, als ob er noch irgendwie da sein müsste, weil es ja keinen Abschied gab. Und es fühlt sich nicht richtig an, dass da einer nicht mehr da ist, obwohl er da sein könnte.

Letztens habe ich Briefe gesucht im Keller und mir fielen Briefe mit einer kantigen Handschrift in die Hand. Adressiert an eine Adresse in Hoboken, wo ich kurz nach dem Abitur als Au-Pair war. Und so stand ich da im Keller und hielt längst vergessene Briefe von Herrn E. in der Hand und fing an zu weinen.

Au revoir, Monsieur E. Vous avez fait une furieuse dépense en esprit.

Neues vom Unterbewusstsein IV

Ich schreibe meine Träume immer noch auf, das Dokument, in das ich die Träume aus der App regelmäßig übertrage, hat mittlerweile 65 Seiten. Irgendwann habe ich also einen sehr unzusammenhängenden Roman, den keiner lesen will außer mir.

Heute morgen drehte ich mich nach dem Weckerklingeln noch mal im Bett um und murmelte meinem Mann „Da kannst du ja dann gucken, was du zu essen machst“ zu. Verständlicherweise wusste er mit diesem Satz nichts anzufangen, im Traum gab es natürlich einen völlig nachvollziehbaren Zusammenhang.

Viele neue Erkenntnisse habe ich in den letzten Monaten nicht erlangt, als neues Feature kamen nur Gerüche vor, allerdings bislang auch erst einmal. Ich arbeite aktuelle Erlebnisse relativ zeitnah auf, letzte Nacht träumte ich zum Beispiel zum dritten Mal von Pokémon. Auch den anstehenden Frankreichurlaub habe ich schon im Traum verarbeitet, hoffe jedoch, dass in der Realität im Hotel auch Kartenzahlung möglich ist und wir nicht mit dem Auto ins nächste Dorf fahren müssen, um Bargeld zu holen. Seit dem Ehemaligentreffen an meiner Schule träume ich vermehrt von alten Stufenkollegen und Schulzeugs. Anfang Juli ging es um den Bachmannpreis, so steht es zumindest in den Notizen.

Den Brexit habe ich in der Nacht auf der 25. Juni so verarbeitet:

Wir fahren mit einem Boot mit der Queen an Bord irgendwo in London, Mama steuert, ich darf vorne in so einer Ecke sitzen und mitfahren. Nachher verwandelt sich das Boot in ein Auto, ein Künstler klopft an die Scheibe, es regnet stark. Wir fahren in eine dunkle Sackgasse und kommen ganz schlecht wieder raus.

 

Weiterhin bin ich auch in Träumen sehr auf Hunde fixiert. Meistens sind es fremde Hunde, aber mittlerweile habe ich auch schon von allen unseren Hunden geträumt, in diesem Fall von unseren beiden Mischlingen Nena und Frenzy, die ja auch beide nicht mehr leben:

Wir sind mit ganz vielen Hunden unterwegs, u.a. auch Nena und Frenzy. Wir machen einen langen Spaziergang einen Berg runter durch ein kleines Waldstück. Viele Hunde sind an der Leine, aber Nena und Frenzy laufen frei. Man verliert sehr schnell den Überblick. Wir kommen an einem Café an und als so langsam alle Menschen und Hunde eintrudeln, merke ich, dass Nena fehlt. Ich werde sofort panisch und sage meiner Mutter, dass wir zurückmüssen, um sie zu suchen, was wir dann auch machen. Im Traum finden wir sie allerdings nicht mehr.

 

Auch Landkarten kommen immer mal wieder vor, in diesem Fall mit einer komplett neuen Idee, wie  man Gebiete einteilen könnte:

Ich gucke Wohnungsanzeigen für Hanau, finde aber nur zwei Wohnungen, die eher ungünstig liegen. Auf einer Umgebungskarte ist die Stadt nach Biersorten aufgeteilt. Eine dritte Wohnung hat wohl extrem niedrige Decken und kaum Licht.

 

Gelegentlich gehe ich im Traum sogar shoppen, gekauft habe ich in diesem Fall aber nichts:

In der Stadt, gehe zufällig in ein Kleidungs-/Nähgeschäft, Stil wie Blutsgeschwister, es ist Sale und eine lila-grüne Latzhose kostet nur 33 Euro. Chefin bietet Nähzeug an, ich sage: „Ich kann nicht nähen, nur anziehen.“

Urlaubslektürepläne

Auch dieses Jahr geht es in den Frankreichurlaub, ganze drei Wochen werden wir an der Atlantikküste verbringen, Surfen, Essen und auch zu einem guten Anteil Rumliegen. Beim Rumliegen kann man auch schöne Dinge tun. Schlafen zum Beispiel, schlafen finde ich super. Nichts tun ist auch eine gute Wahl, einfach mal nichts tun. Alternativ kann man auch lesen und wie jedes Jahr plane ich, im Urlaub ein Buch nach dem anderen zu lesen und habe mir dementsprechend schon eine Urlaubslektüreliste angefertigt. Sie ist grob unterteilt in drei Themengebiete, die hier auch nicht im Detail zu diskutieren sind. Eventuell passen die Bücher nämlich gar nicht in das von mir ausgedachte Themengebiet, klingen aber so oder sind aufgrund einer nicht mehr nachvollziehbaren Assoziationskette dort gelandet. Da ich ja auch keines der Bücher gelesen habe, kann es auch sein, dass meine Vorstellung vom Inhalt nicht dem tatsächlich Vorzufindenden entspricht. Das ist mir aber egal.

Romane von klugen jungen Frauen, im besten Fall mit Nostalgieanteil

    

Alexandra Tobors Buch steht ohnehin schon auf der Wunschliste, bevor sie überhaupt mit dem Schreiben angefangen hat. Ich hätte es auch schon längst gelesen, war aber der Meinung, es gehört unbedingt in Frankreich am Strand gelesen. Von Kirsten Fuchs Mädchenmeute habe ich auch nur gutes gehört, mal abgesehen davon, dass ich 2014 Kurzgeschichten von ihr gelesen habe und sehr lachen musste. Empfehlenswert ist hier auch der Podcast von Viertausend Hertz. Vea Kaiser habe ich auf der LitBlogCon im Juni im Interview erlebt und war sehr angetan. Hier ist die Spannung also auch groß, denn von ihr habe ich tatsächlich bislang noch nichts gelesen.

 

Moderne Literatur mit irgendwie was mit Science Fiction von deutschen AutorInnen

      

Alles fünf Bücher von jungen deutschen bzw. deutschsprachigen AutorInnen, die irgendwas mit Science Fiction oder Dystopie zu tun haben, oder so klingen, als würden sie es. Katharina Hartwell ist mir immer wieder so dazwischengeflattert, eigentlich weiß ich nicht, worum es geht, bilde mir aber ein, immer „Das klingt aber interessant“ gedacht zu haben. Das muss reichen. Leif Randt und Valerie Fritsch wurden beide schon von Andrea Diener gelesen und in ihrem Tsundoku-Podcast rezensiert, das klang auch so, als würde ich das mögen. Bei Roman Ehrlich sieht es wieder ähnlich aus wie bei Hartwell, eigentlich weiß ich nicht, worum es geht, aber ich erinnere mich, dass ich „Klingt super, will ich lesen!“ dachte. Meinem Vergangenheits-Ich traue ich Lektüreauswahlkompetenz zu. Und Saša Stanišić, den sollte ich sowieso längst gelesen haben, wenn ich meiner Literaturfilterblase so trauen kann.

 

Nicht-deutsches Science-Fiction- und/oder Fantasy-Zeugs von jetzt und von früher von Autoren, die ich sowieso super finde oder immer schon mal lesen wollte

        

Zwei Bücher von David Mitchell, die ich noch nicht gelesen habe! Was ist hier nur falsch gelaufen? Skandal! Ich habe weder bei Slade House noch bei The Bone Clocks nur den Hauch einer Ahnung, worum es gehen könnte, aber es ist fucking David Mitchell. Da macht man nix falsch. (Klopf auf Holz, das hätte ich bei Dave Eggers ja auch mal gesagt und dann kam Der Circle.) Das gleiche gilt für Nick Harkaway, da habe ich The Gone Away World geliebt. Lem gehört eher zur Kategorie „Sollte ich auch mal gelesen haben“ und von Lindqvist habe ich So finster die Nacht gelesen und für gut befunden und verspreche mir außerdem ein Buch, das ich dann auch meinem Mann weitergeben kann, ansonsten haben wir bei unser Genrepräferenz eher wenig Überschneidungen.

 

Wer sich an meiner Lektüreplanung beteiligen will, ich nehme immer noch gerne Tipps an, kann aber für nichts garantieren. Ich habe aktuell um die 600 Leseproben auf dem Kindle, es ist also unklar, ob ich je alles werde lesen können, was ich lesen möchte. Es muss auch nicht zu den drei Themenbereichen passen, wenn doch, ist das aber umso superer. Wer sich durch Sachspenden beteiligen will, für den habe ich eine Sommerlektürewunschliste bei Amazon gebastelt. Die ist nicht ganz so überfordernd wie die überfüllte andere Wunschliste und ich werde garantiert in Frankreich am Strand an den edlen Spender denken.

Alexandra Tobor bei Rowohlt
Betreutes Lesen zu Minigolf Paradiso
Kirsten Fuchs bei Rowohlt
Webseite von Kirsten Fuchs
Vea Kaiser bei KiWi
Webseite von Vea Kaiser

Katharina Hartwell beim Berlin Verlag
Katharina Hartwell in der Wikipedia
Leif Randt bei KiWi
Leif Randt in der Wikipedia
Roman Ehrlich bei Dumont
Roman Ehrlich beim Bachmann-Preis
Valerie Fritsch bei Suhrkamp
Webseite von Valerie Fritsch
Saša Stanišić bei Random House
Webseite von Saša Stanišić

David Mitchell bei Rowohlt
David Mitchell in der Wikipedia
Nick Harkaway bei Random House
Webseite von Nick Harkaway
Stanislaw Lem bei Suhrkamp
Stanislaw Lem in der Wikipedia
John Ajvide Lindqvist bei Bastei Lübbe
Webseite von John Ajvide Lindqvist

Alle Links zu Büchern sind Amazon-Affiliate-Links, wer sich also selber Urlaubslektüre bei Amazon kauft, der macht, dass ich ein bisschen was davon abbekomme. Wer sich von meinen Vorschlägen inspiriert Bücher im Buchhandel kauft, der macht den Buchhandel glücklich. So oder so hat man nachher ein hoffentlich tolles Buch.