Ein paar Fernsehtipps für den 26.12.

Auch der letzte Weihnachtstag will mit Besinnlichkeit begangen werden. Das Sofa ist meiner Ansicht nach ein wesentlicher Bestandteil, wenn es um Gemütlichkeit geht. Dazu noch eine Decke, ein Glas Sekt oder ein heißer Kakao und das richtige Fernsehprogramm… ZACK! Besinnlich as besinnlich can!

Pippi außer Rand und Band am Dienstag, 26.12. um 9:00 im ZDF
Lindgrenverfilmung aus dem Jahr 1970. Annika und Tommy wollen ausreißen, dank Pippi wird daraus natürlich ein angemessenes Abenteuer.

Der kleine Lord am Dienstag, 26.12. um 10:03 im Ersten
Weihnachtsklassiker nach der Vorlage von Frances Hodgson Burnett. Der kleine Lord erweicht das Herz seines strengen Großvaters. Das ist etwas kitschig, aber auch sehr schön.

Pünktchen und Anton am Dienstag, 26.12. um 10:25 im RBB
Das patente Pünktchen muss nicht nur ihr eigenes Leben organisieren, sondern sich auch um ihren armen Freund Anton kümmern. Kästner-Verfilmung aus dem Jahr 1953.

Michel muss mehr Männchen machen am Dienstag, 26.12. um 12:10 im ZDF
Der freche Michel stellt immer wieder Unsinn hat und muss dann in Schuppen, wo er keine Holzmännchen schnitzt. Lindgrenverfilmung aus dem Jahr 1972.

Emil und die Detektive am Dienstag, 26.12. um 12:45 im MDR
Aus dem Jahr 1954 stammt diese Kinderbuchverfilmung um Emil, der in Berlin mit einer Kinderbande einen Dieb verfolgt.

Michel bringt die Welt in Ordnung am Dienstag, 26.12. um 13:40 im ZDF
Und noch mal der Michel. An der Grundgeschichte ändert sich nicht viel, nur die Streiche variieren auf dem Kattulter Hof.

Drei Männer im Schnee am Dienstag, 26.12. um 13:45 im SWR
Die letzte Kästnerverfilmung für heute. Diesmal kein Kinderbuch, sondern eine Verwechslungsgeschichte mit einem Millionär und einem Arbeitslosen.

Das Spukschloss im Spessart am Dienstag, 26.12. um 14:10 auf Hessen
LILO PULVER! Und freundliche Geister! Und viel Wald! Und Lilo Pulver!

Paddington am Dienstag, 26.12. um 15:15 im ZDF
Weil die Heimat des Bären Paddington zerstört wurde, macht sich der anglophile Pelz auf den Weg ins Königreich. Die Verfilmung des Kinderbuchklasssikers von Michael Bond ist aus dem Jahr 2014.

Die unendliche Geschichte am Dienstag, 26.12. um 16:10 im RBB
An das Buch von Michael Ende kommt die Verfilmung aus dem Jahr 1984 zar nicht ran, hat aber ihren eigenen Charme. Man muss ja nicht immer alles vergleichen.

Schwarzwaldklinik am Dienstag, 26.12. um 16:40 auf ZDF neo
Noch mal fünf Folgen für Heavy Nostalgiker. Macht euch bereit!

Tatort: Der wüste Gobi am Dienstag, 26.12. um 20:15 im Ersten
Jedes Jahr wieder gehen Nora Tschirner und Christian Ulmen in Weimar auf Verbrecherjagd und das macht tatsächlich Spaß.

Es war einmal in Amerika am Dienstag, 26.12. um 20:15 auf Tele 5
Mafiaepos von Sergio Leone. Man muss etwas Zeit einplanen, denn der Film dauert drei Stunden, aber wer bleibt nicht gerne bis spät in die Nacht auf, um Robert de Niro beim Mafiieren zuzugucken.

Cinderella am Dienstag, 26.12. um 20:15 beim RTL
Starbesetzte Verfilmung des Märchenklassikers aus dem Jahr 2015. Regie führte übrigens Kenneth Branagh.

M – Eine Stadt sucht einen Mörder am Dienstag, 26.12. um 23:20 auf ONE
Kinoklassiker von Fritz Lang aus dem Jahr 1931 zu später Stunde.

 

EXTRA EXTRA EXTRA: Sendetermine für Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

7:00 Uhr auf ONE

Ein paar Fernsehtipps für den 25.12.

Der Heilige Abend ist vorbei, der Magen ist voll und das Wetter ist doof. Auch am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es viele gute Gründe, auf dem Sofa vor dem Fernseher zu liegen und ich habe hier ein paar Tipps, wie man die Zeit auch halbwegs stilvoll nutzen kann.

Das fliegende Klassenzimmer am Montag, 25.12. um 7:00 im MDR
Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Erich Kästner aus dem Jahr 1954.

Der Krieg der Knöpfe am Montag, 25.12. um 10:15 auf ARD alpha
Neuverfilmung des französischen Kinderbuches aus dem Jahr 2011. Die Jungs aus zwei französischen Dörfern führen seit Jahre Krieg gegeneinander.

Casper am Montag, 25.12. um 12:15 auf RTL II
Möglicherweise etwas harmlos, aber schon wegen Christina Ricci eine Empfehlung. Die Geschichte um den kleinen freundlichen Geist, der Freundschaft mit einem Mädchen schließt.

Die Fahrten des Odysseus am Montag, 25.12. um 13:55 auf arte
Italienische Verfilmung aus dem Jahr 1954 über die sagenhaften Abenteuer des Odysseus. Bildungsfernsehen!

Das Wirtshaus im Spessart am Montag, 25.12. um 14:15 auf Hessen
LILO PULVER! Ansonsten geht’s in dem Film nach Vorlage von Wilhelm Hauff um Räuber, es ist schön nostalgisch und na ja: LILO PULVER!

Ostwind – Zusammen sind wir frei am Montag, 25.12. um 15:20 auf 3SAT
Moderner Mädchenpferdefilm nicht nur für Mädchen oder Pferdefans. Und Cornelia Froboess kehrt als Oma der14-jährigen Protagonistin Mika endlich auf einen Pferdehof zurück, das ist doch auch was.

Sissi, die junge Kaiserin am Montag, 25.12. um 15:55 im Ersten
Lasst mich! Es ist Sissi!

Old Shatterhand am Montag, 25.12. um 16:00 im RBB
Als adäquate Alternative zu österreichischen Kaiserinnen kann ich aber französische Indianer anbieten. Oder so.

Schwarzwaldklinik am Montag, 25.12. um 16:40 auf ZDF neo
Fünf Folgen der sensationellen Krankenhausserie aus den glorreichen Achtzigern, der ich aktuell hoffnungslos verfallen bin. Alles ist toll! Und schlimm! Und toll!

Paris, Paris – Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück am Montag, 25.12. um 16:50 auf ONE
Französisch-deutsch-tschechische Musicaltragikomödie aus dem Jahr 2008. Noch nie davon gehört, klingt aber schon von den Rahmenbedingungen her verlockend.

Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin am Montag, 25.12. um 17:35 im Ersten
Siehe oben.

Vaille, Zimt und Mandelsplitter am Montag, 25.12. um 19:10 auf arte
Doku über das wichtigste Thema der Welt: WEIHNACHTSGEBÄCK!

Miss Marple – Der Wachsblumenstrauß am Montag, 25.12. um 20:15 auf Kabel Eins
Die britische Hobbydetektivin ermittelt in einer Verfilmung aus dem Jahr 1963. Lohnt eigentlich immer.

Vom Winde verweht am Montag, 25.12. um 20:15 auf arte
Wer sehr viel Zeit mitbringt oder sehr viel Erholung braucht oder beides, der kann auf arte dreieinhalb Stunden lang Südstaatenmelodram gucken. Aber offen gesagt ist mir auch gleichgültig, was Sie so Weihnachten treiben.

La vie en rose am Montag, 25.12. um 20:15 auf Servus TV
Die großartige Marion Cotillard spielt die großartige Edith Piaf. Wer braucht noch mehr Gründe?

Während du schliefst am Montag, 25.12. um 21:55 auf 3SAT
Sehr bezaubernde Liebeskomödie aus der Zeit als sehr viele mehr oder weniger bezaubernde Liebeskomödien gedreht wurden. Aber diese hier ist wirklich sehr bezaubernd und auch noch sehr weihnachtlich.

Rocky Horror Picture Show am Montag, 25.12. um 0:05 auf Kabel Eins
Das Gegenprogramm zur besinnlichen Weihnachtszeit kommt zu später Stunde für Leute, die den Film nicht sowieso auf DVD oder BluRay im Haus haben, WIE ES JEDER NORMALE MENSCH HABEN SOLLTE!

 

EXTRA EXTRA EXTRA: Sendetermine für Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

10:05 Uhr im Ersten
16:05 Uhr im MDR
21:45 Uhr auf Hessen

Ein paar Fernsehtipps für den 24.12.

Ich finde es absolut in Ordnung, wenn nicht sogar höchstgemütlich, Teile der Weihnachtstage auf dem Sofa vorm Fernsehen zu verbringen. Wer diese Meinung teilt, für den habe ich hier ein paar Tipps, wie man den Heiligen Abend besonders besinnlich begehen kann. Programmhinweise für die anderen beiden Weihnachtstage folgen.

Das doppelte Lottchen am Sonntag, 24.12. um 9:45 im MDR
Die Verfilmung des Kästner-Romans über die Zwillinge, die als… aber mal ehrlich, die Geschichte sollte jeder kennen, und wenn nicht, wird es höchste Zeit. Jedenfalls handelt es sich um die Verfilmung von 1950 und das ist ebenso großartig wie Weihnachtstauglich.

Pippi in Taka-Tuka-Land am Sonntag, 24.12. um 11:55 im ZDF
Pippi Langstrumpf in der Verfilmung von 1969. Mehr braucht man glaube ich nicht sagen.

Die Nordsee von oben am Sonntag, 24.12. um 13:05 auf arte
Landschaft von oben. Finde ich ja immer gut und faszinierend.

Michel in der Supperschüssel am Sonntag, 24.12. um 13:20 im ZDF
Eine weitere Lindgren-Geschichte, diesmal über den frechen Michel in einer Verfilmung von 1971.

Sissi am Sonntag, 24.12. um 13:30 im Ersten
Yeah. Haters gonna hate, also Ruhe jetzt!

Oben am Sonntag, 24.12. um 15:05 beim RTL
Bezaubernder Pixarfilm. Wirklich bezaubernd. Wer während der ersten fünfzehn Minuten nicht weint, hat ein Herz aus Stein.

Familie Heinz Becker am Sonntag, 24.12. um 15:15 im Ersten und um 18:00 im SWR
Falls jemand eine grobe Vorstellung davon haben will, wie Weihnachten bei meinen Großeltern ablief. Erst Loriot, dann Heinz Becker gucken, irgendwo dazwischen kann man es verorten. („Der Opa schubst mich immer!“)

Die Geister, die ich rief am Sonntag, 24.12. um 15:25 auf SAT.1
Tolle Variation der Dickens’schen Weihnachtsgeschichte mit Bill Murray als fiesem Medienmogul. Ich finde ja, Bill Murray ist immer ein Argument.

Weihnachten bei den Hoppenstedts am Sonntag, 24.12. um 15:45 im Ersten
Der Loriotklassiker, wo es puff macht und die Kühe umfallen. Bester deutscher Nostalgiehumor.

Die Feuerzangenbowle am Sonntag, 24.12. um 20:15 im Ersten
Der Klassiker mit Heinz Rühmann zur besten „Bescherung ist vorbei, was machen wir jetzt?“-Stunde.

The Sound of Music am Sonntag, 24.12. um 20:15 auf arte
Musical über die Novizin Maria, die den verwitweten Baron von Trapp heiratet und dann sehr viel singt. Ein Klassiker besetzt mit Julie Andrews und Christopher Plummer aus dem Jahr 1965.

Der Nussknacker am Sonntag, 24.12. um 20:15 auf 3SAT
Aufführung des Balletts von Tschaikowski nach dem Märchen von E.T.A. Hoffmann, dirigiert von Manuel Legris. (Ich habe keine Ahnung von Ballett und weiß nicht, was das bedeutet, aber es bedeutet bestimmt irgendwas.)

Das kalte Herz am Sonntag, 24.12. um 21:40 im RBB
Alte DDR-Verfilmung von 1950 des Märchens von Wilhelm Hauff. Ich habe es relativ sicher auch schon mal gesehen und mich arg gefürchtet.

Christmas Songs am Sonntag, 24.12. um 23:10 auf arte
Doku über amerikanische Weihnachtslieder von jüdischen Komponisten. Falls man am Heiligen Abend noch was für die Bildung tun will.

Manche mögen’s heiß am Sonntag, 24.12. um 0:50 im ZDF
Ein Klassiker von Billy Wilder, den sogar mein Vater liebt, der ansonsten mit Filmen nicht viel anfangen kann. Wer ihn noch nicht kennt, und zur später Stunde noch wach ist, sollte die Chance nutzen.

 

EXTRA EXTRA EXTRA: Sendetermine für Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

12:05 Uhr im Ersten
13:35 Uhr im WDR
15:05 Uhr im NDR
16:40 Uhr im SWR
20:15 Uhr im RBB

Gelesen: Wir Strebermigranten von Emilia Smechowski

Emilia ist fünf, als ihre Eltern die Koffer für einen Urlaub in Italien packen, sie und ihre kleine Schwester in den Polski Fiat setzen und losfahren. Aber eben nicht nach Italien, sondern nach Deutschland, über die Grenze, erst in die DDR und dann nach West-Berlin. Niemand durfte etwas wissen, im Auto sind Badeanzüge und ein Zelt, das deutsche Wörterbuch haben die Eltern zu Hause vergessen.

In Deutschland angekommen lernen Emilia und ihre Schwester vor allem eins: Nicht auffallen. Und außerdem: Nicht Polnisch sein. So wie die Kinder in der Schule strebsam versuchen, immer die besten zu sein, so werden die Eltern zu Musterdeutschen. Eigenheim, Auto, ein guter Job, drei Kinder. Wenn die Mutter Freunde einlädt, gibt es Tomate mit Mozzarella nach einem Rezept aus der Brigitte, keine Piroggen und keine Żurek. Alles Polnische wird abgestreift, aber weil man eben nicht seine ganze Vergangenheit abstreifen kann, bleibt eine Leere zurück, die auch Emilia spürt. Sie stürzt sich in die Musik, will Sängerin werden, eine Auflehnung gegen die elterlichen Pläne, die Flucht nach vorne in ein eigenes Leben. Bis sie erkennt, dass sie nicht allein ist, dass sie umgeben ist von Menschen mit polnischen Wurzeln, ähnlichen Biographien und auch alle unsichtbar. Strebermigranten, die sich so gut anpassten, dass man sie gar nicht mehr als Migranten wahrnimmt. Erst da macht sich Emilia auf die Suche nach ihrer eigenen polnischen Identität.

Wir Strebermigranten ist ein wunderschönes, aber auch tieftrauriges Buch, denn es handelt von Menschen, die nicht das Glück hatten, einfach sie selbst sein zu dürfen oder es sich selber verboten. Es handelt von verlorener Heimat und dem Gefühl, nie Teil von etwas zu sein. Es handelt von Leuten, die sich so sehr anpassen, dass sie vergessen, wer sie sind und was sie wollen. Es handelt von Eltern und Kindern und Großeltern, vom Wunder des Westens und vom Wunder des Ostens.

Ein Buch, dass ich vielleicht deswegen als so traurig empfand, weil es das Gegenteil von meiner Geschichte ist. Weil ich vermuten muss, dass gar nicht so weit weg von mir genau solche Geschichten stattfanden, ohne dass ich es merkte (das war ja auch genau der Sinn). Weil es tatsächlich ein unsichtbares Stück deutscher Geschichte ist.

Am Ende aber auch ein hoffnungsvolles Buch, weil es auch davon erzählt, wie sich Emilia und die anderen Strebermigranten langsam ihre Identität und damit auch ihre Geschichte zurückerobern.

Nur für den Fall, dass ich das ganze Lob zu subtil verteilt haben sollte, hier also noch mal im Klartext: Lest dieses Buch! Verschenkt dieses Buch! Denn, auch wenn so vieles daran traurig ist, so lässt es einen doch glücklich und satt zurück. Fast so, als hätte man polnische Piroggen im Bauch.

Wir Strebermigranten von Emilia Smechowski [Amazon-Werbelink]

Das Buch auf der Verlagsseite bei Hanser

Emilia Smechowski auf Twitter

 

Lieblingstweets im Dezember (Teil 1)

VERSICHERUNGEN FÜR HANDRÜHRGERÄTE! SCHLESISCHER MOHNKUCHEN! MEISENKNÖDEL! ABGELAUFENE GRILLSOSSEN! LEERE KÄSETHEKEN! BALD IST WEIHNACHTEN! HURRA!

Gelesen im November 2017

Die Spur der Bücher von Kai Meyer

Mein ambivalentes Verhältnis zu Büchern von Kai Meyer bleibt bestehen. Ich bewundere die Fähigkeit, sich immer wieder neue Welten ausdenken, manche Bücher finde ich mehr, andere weniger fesselnd, aber zumindest greife ich immer wieder zu.

Die Spur der Bücher spielt im gleichen Universum wie Die Seiten der Welt, eine Welt in der Büchern eine Magie innewohnt, die bestimmte Menschen, die sogenannten Bibliomanten, für sich nutzen können. Mercy Amberdale hat die Bibliomantik aufgegeben, seit sie bei einem missglückten Auftrag einen Freund verlor und versucht, ein ruhiges Leben in diesem alternativen viktorianischen England zu führen, umgeben von Büchern. Dann wird ein Buchhändler gefunden, verbrannt inmitten seiner Bücher, ohne dass eines davon zu Schaden kam. Unversehens gerät Mercy in eine Geschichte und muss sich dabei auch den Schatten der Vergangenheit stellen.

Das ist alles Kai-Meyer-typisch gut und detailliert geschrieben, handwerklich gibt es nichts auszusetzen, so richtig mag der Funke bei mir aber nicht überspringen. Ein bisschen zu typisch die Figuren, ein bisschen zu unkonkret das magische System. Kann man machen, muss man aber nicht.

Die Spur der Bücher von Kai Meyer [Amazon-Werbelink]

 

Boy in a White Room von Karl Olsberg

Alter, ist das schlecht. Die Story fängt okay an, wird dann etwas absurd, könnte aber noch halbwegs konsequent und in sich stimmig zu Ende geführt werden, was dann aber nicht passiert. Statt dessen wird immer alles noch absurder und am Ende gab es drei bis fünf Plottwists, die aber alle im Nachhinein die ganze Geschichte vorher komplett unsinnig erscheinen lassen.

Zu allem Überfluss ist das Buch wirklich nicht gut geschrieben, also wirklich ernsthaft nicht gut geschrieben. Figuren sagen schlimme Sachen wie „Wir mussten dich doch von diesem skrupellosen Verbrecher befreien!“ und in den Dialogen werden Information so unsubtil weitergegeben, dass man sich als Leser fragen muss, ob der Autor Angst hatte, dass man die Geschichte nur versteht, WENN MAN WIRKLICH ALLES GANZ DEUTLICH UND MEHRFACH SAGT.

Nicht lesen. Es gibt so viele okaye Jugendbücher mit ähnlicher Thematik, die besser geschrieben sind und bei denen die Handlung nicht von Seite zu Seite absurder wird. Bitte nicht lesen.

Boy in a White Room von Karl Olsberg [Amazon-Werbelink]

 

Rotherweird von Andrew Caldecott

An Rotherweird habe ich lange gesessen und deswegen auch immer wieder ein paar Probleme gehabt, weil ich das Personal nicht hundertprozentig auseinanderhalten konnte.

Das Dorf Rotherweird liegt irgendwo in England und genießt einen Unabhängigkeitsstatus, der aber nur mit der Einschränkung gilt, dass keine lokale Geschichte vor 1800 studiert werden darf. Dafür wird besonderen Wert auf die wissenschaftliche Ausbildung gelegt, das Dorfvolk bleibt unter sich, nur selten dürfen sich Außenseiter niederlassen. Jonah Oblong ist so ein Außenseiter, ein Lehrer, der die kurzfristig freigewordene Stelle des alten Geschichtslehrers übernehmen soll.

Zeitgleich macht der geheimnisvolle Sir Veronal Slickstone Furore, der in das lange leerstehende Manor House zieht, zusammen mit seiner Frau (die gar nicht seine ist) und seinem Sohn (der gar nicht seiner ist).

Damit hätten wir nur zwei kleine Handlungsstränge angerissen, denn es passiert viel in Rotherweird, so viel, dass ich anfangs das Gefühl hatte, ein Flickwerk vor mir zu haben, zu viele Ideen auf einmal, alles ein bisschen zu fransig. Gott sei Dank irrte ich und wurde belohnt, denn im Laufe der Geschichte fügen sich die verschiedenen Puzzlestücke nach und nach zusammen und am Ende ist nichts Flickwerk, sondern eine komplexe, vielschichtige und mit Liebe zum Detail und zur Fantasie ausgearbeitete Geschichte. Sehr lohnenswert, wenn man etwas längeren Atem hat.

Rotherweird von Andrew Caldecott [Amazon-Werbelink]

 

Gather the Daughters von Jennie Melamed

Man könnte Gather the Daughters relativ leicht mit anderen Büchern und Filmen vergleichen, das würde aber wesentliche Teile des Plots schon verraten und deshalb wird darauf an dieser Stelle verzichtet.

Auf einer Insel leben Frauen, Männer und Kinder in einem streng religiösen Regiment. Auf dem Festland, in den wastelands, so erfahren sie von den Wanderern, den Männenr, die die Insel regelmäßig verlassen, herrscht Not und Elend, auf der Insel haben sie Glück.

Doch das Glück lässt sich nicht immer spüren, vor allem nicht, wenn man ein Mädchen ist. Sobald die Mädchen gebärfähig sind, werden sie schnellstens mit einem Mann verkuppelt und hoffentlich bald geschwängert. Dann bleibt nur die Hoffnung, dass das Kind gesund zur Welt kommt und die Frau die Geburt überlebt.

Leise Rebellion kündigt sich an, als ein Mädchen beobachtet, wie die Leiche der schwangeren Amanda aus dem Meer gezogen wird. Auf einmal sind sich die Mädchen nicht mehr sicher, ob alles so ist, wie es ihnen erzählt wird und ob es wirklich keine andere Alternative für sie gibt. Unter der Anführerin Janey, die sich seit Jahren erfolgreich an der Menstruation vorbei hungert, gruppieren sich die Mädchen und lehnen sich gegen die Herrschaft der Alten auf.

Gather the Daughter ist ein krasses Buch, die Welt der Mädchen ist bitter und hoffnungslos. Auch wenn (sexuelle) Gewalt meist nur angedeutet wird, gibt es keine Zweifel darüber, was passiert. Die Geschichte dieses Sommers der Auflehnung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, doch konsequent nur von den Mädchen. Am Ende bleiben viele Fragen offen, aber dieses Buch wirkt lange nach.

Gather the Daughters von Jennie Melamed [Amazon-Werbelink]

 

Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist

Das Erdbeben in Chili kam mir in irgendeinem Zusammenhang unter, so dass ich es mir aufs Kindle lud und dann erst mal nicht las. Weil ich aber nicht nur den Papierbücherstapel, sondern auch den elektronischen etwas kleiner lesen möchte, kam jetzt die Kurzgeschichte dran.

Erzählt wird die Geschichte zweier Liebenden, deren Liebe direkt mal ins Desaster führt. Der Verführer wird ins Gefängnis gesperrt, die Verführte erst schwanger und dann zum Tode verurteilt. Am Tag der Urteilsvollstreckung erschüttert ein Erdbeben die Stadt und die beiden können sich retten.

Für ein glückliches Ende reicht es nicht, ich grüble immer noch, in welchem Zusammenhang mir das Buch unterkam, eventuell ging es um Amokläufe, so viel sei schon mal gesagt, damit man das Buch nicht liest, wenn man gerade etwas aufmunternde Lektüre braucht. Ansonsten ist es zwar etwas deprimierend, aber durchaus spannend und ganz abgesehen davon auch nicht allzu lang.

Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im November (Teil 2)

BERATER FÜR KALLIGRAPHISCHE FRAGEN! BEDINGUNGSLOSE GRUNDLEBKUCHEN! RÜHREI-PIPELINES! BACHBLÜTENOTFALLBIER! WEIHNACHTSKNOBLAUCHPILZE!

Deutschlandskizze #1

Mörfelden-Walldorf, Goldener Apfel, Oktober 2017

Wir sitzen im Goldenen Apfel, mit voller Absicht, ich wollte das hessischste aller hessischen Restaurants dieser Stadt, ich wollte Äppelwoi trinken und vielleicht nicht Handkäs mit Musik essen, aber auf der Speisekarte zumindest die Option haben, es theoretisch bestellen zu können, wenn ich wollte. Statt dessen habe ich hessisches Cordon Bleu, mit Käse, Schinken und Kraut gefüllt und ein großes Glas Apfelwein.

An den Wänden hängen alte Fotografien von Mörfelden-Walldorf und Menschen, die auf Feldern stehen, bestimmt sind es mörfeldisch-walldorfische Felder und Menschen.

Der Wirt des Hauses unterhält sich mit dem Ehepaar am Tisch hinter mir. Der Soundso, der gegenüber von der Tankstelle wohnt, den sieht man auch nicht mehr häufig. Ja, der hat Krebs und die Frau ist ja auch tot, das ist alles nicht schön. Und im Haus wo früher der Herr Dings gewohnt hat, da ist jetzt jemand neues eingezogen, eine Familie, da muss man auch mal sehen. Welches Haus ist das noch mal? Wenn man von der Sowiesostraße Richtung Daundda fährt, dann auf der rechten Seite, das weiße. Ach, das, jaja.

Nach einer Viertelstunde wissen wir ungefähr alles über all in Mörfelden-Walldorf, so fühlt es sich wenigstens an, so groß kann das ja hier nicht sein (über 32.000 Einwohner, sagt das Onlinelexikon).

Wir sind zu satt für Nachtisch, bezahlen und fahren weiter Richtung Süden. „Exakt so habe ich mir das vorgestellt“, sage ich. Durch die Gegend fahren und in vollkommen unspektakulären Städten in Dorfkrügen, goldenen Irgendwassen und Marktschänken sitzen und dabei mit den aktuellsten Neuigkeiten versorgt werden. Exakt so habe ich mir das vorgestellt, als wir Berthold Bulliver zu uns holten.

Goldener Apfel

Lieblingstweets im November (Teil 1)

DER DEUTSCHESTE FEIERTAG! EDLE SCHMUCKSCHUBER! ZURÜCKFRÖBELN! PFIRSICH-MARACUJA-JOGHURT! BRAUSEPULVER!