[Werbung] Der Pfau von Isabel Bogdan als Hörbuch

„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“

So beginnt der erste Roman von Isabel Bogdan und man ist sofort mittendrin in der Geschichte. Besagter Pfau lebt auf einem Anwesen in den schottischen Highlands, genauer gesagt auf dem Anwesen von Lord und Lady McIntosh, die die kleinen Cottages an Feriengäste vermieten, weitab von allem, nur die Natur und natürlich die Pfauen.

Und dann wird einer der Pfauen verrückt und greift alles an, was blau ist und glänzt. Das ist einerseits nicht so schlimm, denn in der Natur gibt es recht selten Dinge, die blau sind und glänzen. Es sei denn natürlich, man hat eine Gruppe von Bankern aus London zu Gast, die für ein Teambuildingevent weit, weit weg nach Schottland geschickt wurden, samt Teambuildingcoach und Köchin und samt dem neuen blauen Auto der Teamchefin.

Es kommt, wie es kommen wird, das Auto muss leiden und Lord McIntosh trifft eine schwere Entscheidung zu Ungunsten des verrückten Pfaus. Aber hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende, im Gegenteil, sie fängt erst an, und der arme Pfau muss gleich mehrere Tode sterben.

Isabel Bogdan übersetzt seit Jahren und hat mit Sachen machen schon ein Sachbuch geschrieben. Außerdem bloggt sie und so konnte man der Entstehungsgeschichte des Buches fast live beiwohnen, von der ersten Kurzgeschichte über die Coverlüftung bis zur Lesereise. So war die Freude bei mir umso größer, als bekannt wurde, dass es nicht nur ein Hörbuch geben, sondern dass Christoph Maria Herbst das Hörbuch einlesen würde. Man hätte sich keinen anderen Sprecher für diese Geschichte wünschen können.

Dementsprechend hielt ich mich beim Verkaufstag auch zurück, sondern wartete ein paar Tage auf meinen neuen audible-Credit, um ihn schnurstracks gegen das Hörbuch zu Der Pfau einzulösen und in den nächsten Tagen jede freie Minute zum Hören zu nutzen. Die Geschichte vom verrückten Pfau, seinem verfrühten Ableben und den sich daraus ergebenen Missverständnisse und Verwirrungen ist raffiniert erzählt und am Ende lernt man auch als Leser die wichtigste Teambuildinglektion: Kommunikation ist wichtig.

In einem Interview mit dem Argon Verlag, bei dem das Hörbuch erschienen ist, erzählt Herbst auch von den Herausforderungen bei der Aufnahme:

Die größte Herausforderung bei diesem Hörbuch war für mich sicher, mich selbst ganz stark zurückzunehmen, um der Erzählweise gerecht zu werden. Ich komme ja beispielsweise ganz stark vom Dialog, wo ich den Figuren dann gerne Erkennungsmerkmale verpasse, Eigenarten. In Der Pfau gibt es nicht eine einzige direkte Rede. Alles wird indirekt erzählt, was auf der einen Seite diese britische Distinguiertheit verstärkt und einen zunächst ein wenig auf Abstand hält, mir auf der anderen Seite aber auch ganz neue Möglichkeiten eröffnete, nämlich nur durch kleinere Tempowechsel oder dezente Modulationen diese lebendige Welt zu kreieren.

Der Pfau bekommt eine All-inclusive-rundum-glücklich-Empfehlung und das Hörbuch noch ein Extrasternchen obendrauf. Kleinere Nebenwirkungen wie das dringende Bedürfnis, Urlaub in Schottland zu machen, sind nicht ausgeschlossen, man könnte beinahe vermuten, sie seien erwünscht, nicht zuletzt basiert die Geschichte (man glaubt es kaum) auf einer wahren Begebenheit. Isabel Bogdan hat eine wunderbar typisch britische Verwechslungskomödie geschrieben, die Christoph Maria Herbst mit offensichtlichem Spaß eingelesen hat.

Isabel Bogdan: Der Pfau, erschienen 2016 bei Kiepenheuer & Witsch, Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst erschienen im Argon Verlag und u.a. erhältlich bei audible.

Gelesen im März 2016

The Sword of Shannara von Terry Brooks

Für den Online-Buchclub gelesen und nein. Einfach nein. Ich weiß, dass es ein Fantasy-Klassiker ist und in den Siebzigern anscheinend gefeiert wurde, aber nein. Mal abgesehen von dem allzu offensichtlichen Einfluss Tolkiens (zwei einfache junge Männer aus einem heimeligen Tal werden auf einem seltsamen großen alten weisen Mann auf eine Mission geschickt, von der das Schicksal des ganzen Landes abhängt) und des doch sehr einfachen Sprachstils, es kommen einfach keine Frauen in diesem Buch vor. Na gut, es kommt eine Frau vor, die irgendwann in der zweiten Hälfte auftaucht und dann wird noch zwei oder drei Mal die Existenz anderer weiblicher Wesen am Rande erwähnt. Die anderen Bücher der Reihe sollen besser sein, vielleicht liest man einfach eines von denen, wenn man unbedingt etwas aus den Shannara-Chroniken lesen will. Aber nicht das hier.

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All the Birds in the Sky von Charlie Jane Anders

Ebenfalls für den Online-Buchclub gelesen und geliebt. Es geht um Patricia und Laurence. Während Patricia magische Kräfte an (klingt schlimmer als es im Buch ist), ist Laurence ein Tech-Wunderkind. Beide leben in einer Welt, in der sie niemand versteht, nicht die Eltern, nicht die Mitschüler und so finden sie sich, werden Freunde, zunächst eher aus einer Notwendigkeit. Aber einer verrät den anderen und dann tritt noch ein Auftragskiller auf, der die Apokalypse aufhalten will, die in seiner Vision von den beiden ausgelöst wird. Erst Jahre später treffen sich Patricia und Laurence in San Francisco wieder, beide haben vermeintlich ihren Platz in der Welt gefunden, wenn da nicht tatsächlich der drohende Weltuntergang anstünde und sie sich für eine Seite entscheiden müssten. Klingt seltsam, ist es auch, aber gleichzeitig packend geschrieben, mit tollen Figuren und genau der richtigen Menge an Absurdität.

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Sommernovelle von Christiane Neudecker

Ein astreines Sommer-Nostalgiebuch. Die fünfzehnjährige Panda fährt mit ihrer besten Freundin Lotte über Pfingsten auf eine Nordseeinsel, um auf eine Vogelstation zu helfen. Wir sind im Jahr 1988 und die beiden Mädchen wollen die Welt retten, vor dem sauren Regen und den Atomkraftwerken und dem Müll, der am Strand rumliegt. Und dann geht es natürlich doch um mehr, um die erste Liebe und die erste Enttäuschung und die Frage, wem man trauen kann, wenn man fünfzehn ist und die Welt retten will. Das ist alles ganz wunderbar in eine Atmosphäre gepackt, die man auf jeder Seite spüren kann. Ich habe auch schon hier darüber geschrieben.

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The Color Purple von Alice Walker

Ein Klassiker wieder, und zwar völlig zu recht. In Briefen wird die Geschichte der Schwarzen Celie erzählt, die es nicht leicht im Leben hat und von einem misshandelnde Vater zum schlagenden Ehemann geschubst wird, sich dann aber doch mutig und in kleinen Schritten ihre Freiheit erkämpft. Ich habe mich in wenigen Tagen durch das Buch gefräst, man könnte sich fast fragen, warum ich das nicht schon viel früher gelesen habe.

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Hab ich selbst gemacht von Susanne Klingner

Susanne Klingner kenne ich vom Lila Podcast, den ich hier auch allen ganz dringend ans Herz legen möchte. Vor ein paar Jahren beschloss sie, ein Jahr lang alles selbst zu machen, vom Brot über Seife bis zum selbstgenähten Designerkleid. Ihr Mann steht der Unternehmung skeptisch gegenüber, Susanne zieht das Ding aber durch, mit allen Erfolgen und Rückschlägen, von denen es auch einige gibt, doch genau das macht das Buch so schön. Es ist kein „Man kann alles selber machen, wenn man will“-Buch, sondern ein „Man kann vermutlich alles selber machen, aber bei manchen Dingen lohnt sich der Stress nicht“-Buch. Jedenfalls habe ich wahrscheinlich nicht ohne Grund diesen Frühling wieder damit angefangen, Brot selbst zu backen. Die Inspiration lässt sich also nicht wegleugnen. Ein sympathisches, schönes Buch mit der ein oder anderen Anleitung und einer ehrlichen Sicht auf den Selbermachtrend.

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Wenn’s brennt von Stephan Reich

Auch ein Coming-of-Age-Roman, nur spielt die Geschichte diesmal in der Gegenwart und die Jugendlichen wollen nicht so sehr ihre Welt retten als vielmehr irgendwie mit ihr klarkommen, was mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Es wird geraucht und getrunken und am Ende kommt es nicht ganz unerwartet zu einer Katastrophe. Auch dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen, wobei ich den Figuren ihren Erfahrungshorizont nicht immer abgenommen habe, das war aber ein kleines Problem in einem ansonsten sehr packenden Roman. Auch über dieses Buch habe ich schon geschrieben.

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Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith

Der dritte Teil der Cormoran-Strike-Reihe von Robert Galbraith alias J.K. Rowling. Wieder als Hörbuch gehört, was mich ein Wochenende lang zu Hörbuchtauglichen Aktivitäten nötigte (Liegen geht dann nicht, dann schlafe ich ein). Dieser Teil führt uns weiter in die Vergangenheit des Privatdetektivs Cormoran Strike, denn es wird persönlich. Seine Assistentin Robin bekommt ein abgetrenntes Frauenbein geschickt und Strike muss sich damit auseinandersetzen, wer aus seiner Vergangenheit ihm so viel Böses können wollte. Im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern hatte ich diesmal ein bisschen Probleme der Story zu folgen, außerdem treten die persönlichen Probleme und die Beziehung der beiden Hauptfiguren deutlich mehr in den Vordergrund. Nichtsdestotrotz hat Galbraith/Rowling hier wieder einen schönen dichten Krimi mit Vollausstattung geschrieben. Den vierten Teil lese bzw. höre ich dann sicher auch.

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A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab

Auch für den Online-Buchclub gelesen. (Zur Erklärung: Das erste Buch war für den Februar, hat sich aber ewig in die Länger gezogen, so dass ich erst im März fertig wurde. Das Buch für März hatte ich in wenigen Tagen durch und als dann das Buch für April feststand, habe ich das auch ganz fix gelesen.) Wieder eine Fantasy-Geschichte, diesmal irgendwo in London, wobei es eben nicht ein London gibt, sondern drei oder vielmehr vier. In Grey London gibt es keine Magie, White London wird von tyrannischen Zwillingen regiert und in Red London fließt die Magie wie die Themse durch die Stadt. Früher waren die Städte verbunden, bis Black London unterging und sicherheitshalber alle Türen zwischen den alternativen Welten geschlossen wurden. Nur noch zwei Menschen haben die Fähigkeit, zwischen den Londons zu wechseln, einer davon ist Kell. Als er einen illegalen Botengang annimmt und einen geheimnisvollen Stein von einem London ins andere schmuggelt, gerät alles aus den Fugen. Dann ist da noch die Diebin Lila aus Grey London, die Kell erst bestiehlt und ihm dann durch die Welten folgt, um die ein oder andere Katastrophe aufzuhalten (oder selbst zu provozieren). Das ist alles sehr flott geschrieben, erinnert an YA (was nicht wundert, da V.E. Schwab auch YA-Romane schreibt). Dass die Geschichte an der ein oder anderen Stelle noch etwas unausgegoren ist, stört da nicht groß, dafür macht das alles zu viel Spaß.

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Webgedöns am 19.4.2016

Ein etwas trauriger Bericht über Jane-Austen-Bälle in der Süddeutschen. Traurig deswegen, weil Jane Austen offensichtlich hier weitestgehend für hübsche Kleidung und gepflegtes Tanzen steht und nicht für all das, für das sie eigentlich stehen sollte.

Ein schöner Artikel von Kathrin Passig zur Kulturgeschichte des Schlafens. Ich fand ihn eigentlich nur, weil ich etwas über die unterschiedlichen Arten, Betten zu machen suchte, weil es auf Facebook eine Diskussion über die typisch deutsche Bettenmachart gab, die schon für Niederländer anscheinend schwer begreiflich sind. Man findet aber leider fast nichts über Kulturunterschied beim Bettenmachen, das Thema wird von der Forschung (und vom Internet) sträflichst vernachlässigt.

Kiki hat einen Comic über die Hilfsorganisation More Than Shelters gezeichnet und etwas über die Entstehungsgeschichte geschrieben. Sowohl der Bericht als auch der Comic, der am Ende verlinkt ist, lohnen sich.

Wo wir schon dabei sind, der erste Bärencomic von Kiki ist auch ganz wunderbar.

Wer sich schon über Ausmalbücher für Erwachsene erheitern kann, für den wird hier die nächste Stufe gezündet: PAINT BY STICKERS! (Einsortiert unter: What is this I don’t even…)

Auf Radiooooo kann man eine Dekade und ein Land wählen und bekommt dann entsprechende Musik vorgespielt.

Heute etwas Anti-Food-Porn: A Brief Compendium of „Are You Seriously Going to Eat That?“

 

Lieblingstweets im April (Teil 1)

GIN UND SCHOKOLADE! DUSCHVORHÄNGE! KINDERLACHEN! SILCOFERM-FARBTÖNE! PARFÜMIERTE TEES! SCHNITZEL! UND SPARGEL NATÜRLICH!

Bahnhofsszenen

Ich muss eine Stunde früher zur Arbeit, schon in der U-Bahn habe ich das Gefühl, dass die Leute in der 6:38-Uhr-Bahn noch schlechter gelaunt aussehen als die in der 7:38-Uhr-Bahn. Wundern würde es einen ja nicht.

Auf dem Bahnsteig, rechts Gleis 2, auf dem mein ICE schon steht, links Gleis 1, auf dem… wait! WHAT?

Wagen um Wagen reiht sich der Roncalli-Zug auf dem Gleis, kleine bunte Wohnwagen, Trecker und andere Fahrzeuge, die ich nicht genau zuordnen kann. Auf dem Bahnsteig Menschen, die ihre Handys zücken und Bilder machen. EIN ZIRKUSZUG! EIN ECHTER ZIRKUSZUG!

Der Circus Roncalli, so las ich neulich, ist der letzte Zirkus Deutschlands, der noch auf Schienen transportiert wird. In der Wikipedia liest man dazu folgendes:

Bernhard Paul bevorzugt Bahntransporte und setzt daher als letzter Zirkus in Deutschland auf schienengebundene Zirkuszüge. Der Transport des gesamten Roncalli-Wagenmaterials mit über 80 historischen Zirkuswagen erfordert einen Güterzug mit einem Gesamtgewicht von 1.175 Tonnen und einer Zuglänge von rund 700 Metern; diesen zu entladen, dauert mehr als einen Tag. Bahntransporte erweisen sich aber zusehends als schwieriger, da beispielsweise die Deutsche Bahn geeignete Laderampen kaum noch in Betrieb hat.

Auch ich laufe natürlich am Bahngleis entlang und mache knips, knips, knips mit dem Handy.

Circus Roncalli

Zwei Zugbegleiter stehen im gelben Raucherrechteck.

„Da!“ sagt der eine. „Schon wieder eine!“

„Aber das ist so schön!“ sage ich, denn er hat ja mich gemeint.

„Versteh ich nicht“, sagt er. „Das ist doch nur ein Zirkus.“

„Aber das ist der letzte Zirkus, der noch mit dem Zug transportiert wird“, erkläre ich.

„Wenn man jetzt Bilder von mir machen würde, das würd ich ja verstehen, aber so…“, sagt er und ich überlege kurz, ob ich anbieten soll, noch ein Bild von ihm zu machen, entscheide mich dann aber dagegen und steige in meinen Zug.

Bei der Abfahrt gucke ich noch dem Roncalli-Zug hinterher. „Büffett“ steht auf einem Wagen. „Schneiderei“ auf einem anderen. Ich glaube nicht, dass so ein Zirkusleben was für mich wäre, aber für so einen kurzen Moment kann man sich fast einbilden, dass man gerne in einem Wohnwagen leben und auf Schienen durchs Land transportiert werden möchte.

Supermarktszenen

Im Supermarkt. Eine Frau schiebt ihren Einkaufswagen am Milchprodukteregal entlang, ihr Mann hält ihr einen Brombeerjoghurt hin, sie schüttelt nur den Kopf, sagt „Nein“ und schiebt den Wagen ungerührt weiter.

Der Mann möchte aber zumindest eine Erklärung für die Brombeerjoghurtablehnung. „Aber ich habe doch frische Brombeeren gekauft“, sagt sie.

Ich stupse meinen Mann an. „Ich habe gerade unsere Zukunft gesehen“, sage ich. Aber davon will er irgendwie nichts wissen.

Neues vom Unterbewusstsein

Knapp zwei Monate schreibe ich jetzt meine Träume auf. Exakt nach einer Nacht konnte ich mich an überhaupt nichts mehr erinnern, da fiel ich aber auch höchst übermüdet und ziemlich betüddelt um 4:30 Uhr ins Bett. Ein paar Mal blieben nur ein paar Erinnerungsbrocken übrig, meistens aber weiß ich am nächsten Morgen, was ich geträumt habe. Ich schreibe dann immer sofort alles in der Traum-App auf, oft in Stichworten und mit vielen Schreibfehlern, denn man muss alles so schnell wie möglich verarbeiten, sonst ist es weg. Beim Übertragen der Träume aus der App in ein Gesamtdokument konnte ich mich auch an ein paar Details überhaupt nicht mehr erinnern, aber wenn ich sie morgens so notiert habe, werden sie wohl so gewesen sein.

Mit zwei Monaten Traumdaten kann man jetzt schon ein bisschen was anfangen. Zum einen habe ich kaum schlechte Träume. Letztens wurde ich verfolgt und man legte mir mehrfach Bomben ins Auto, ich wurde aber nicht verletzt und während meine gesamte Tasche mit Laptop und Portemonnaie verschmort waren, war sogar der Golf noch heile. So ein Traumgolf ist offenbar sehr stabil. Eine Apokalypse hatte ich auch schon mal, allerdings waren wir dafür immerhin in einem vermeintlich sicheren Lager untergebracht.

Ansonsten träume ich eigentlich fast immer nur seltsames Zeug, das mal mehr und mal weniger interessant ist. Bei einer Auswertung der vorkommenden Personen stand dann doch mit großem Abstand mein Mann ganz vorne, gefolgt von meinen Eltern (meine Mutter mit leichtem Vorsprung vor meinem Vater), danach die Familie meiner Tante und dann der Rest. Irgendwas lässt sich daraus bestimmt deuten, mich beruhigt ein bisschen, dass die Personen, die auch im realen Leben die größte Rolle spielen, auch in meinen Träumen am häufigsten anwesend sind. Ich habe mittlerweile von insgesamt sieben meiner elf Cousinen und Cousins geträumt und von allen direkten Kollegen. Ich habe aber auch schon Til Schweiger, Donald Trump und Hans-Dietrich Genscher geträumt, außerdem von diversen Menschen, die ich nur übers Internet kenne, es ist also völlig unvorhersehbar.

Ansonsten träume ich oft von Hunden (mindestens drei Mal auch von mir bekannten Hunden), aber so gut wie gar nicht von Katzen. Dafür kam aber auch schon mal ein Faultier vor. Fahrzeuge spielen regelmäßig eine Rolle, ich fahre Fahrrad und im Auto, war immerhin schon zwei Mal in einem Flugzeug und sitze gefühlt jeden zweiten Traum in irgendeiner Art Zug.

Es ist also alles in allem doch ein recht großer Spaß und irgendwie werde ich bestimmt auch etwas über mich lernen, ich weiß nur noch nicht so genau, was. Damit aber auch alle anderen etwas davon haben, hier noch ein paar Highlights aus dem letzten Monat:

Vorneweg direkt mein Lieblingstraum aus dem März:

Wir sind in einem Café und wollen frühstücken. Die Bedienung sagt, dass es Pfannkuchen gibt und zwar zwei unterschiedliche Variationen. Ich frage nach, was es denn dazu gäbe und sie zählt auf. Die erste Variation ist süß, allerdings mit Bananen und Obst, die zweite herzhaft. Ich sage, dass ich beides nicht so doll finde, mein Mann findet aber, dass ich die süße Variante nehmen soll. Ich frage nach, ob ich die auch ohne Bananen haben kann und sage: „Ich hasse Bananen!“ Die Bedienung sagt, dass das geht und geht zur Theke. Ich rufe sicherheitshalber noch mal „Keine Bananen und keine Rosinen!“ hinterher. 

Dazu muss man vielleicht wissen, dass ich weder Rosinen noch Bananen mag. Es ist doch schön, dass man auch im Traum noch der gleiche Mensch mit den gleichen Essenseigenheiten ist.

Sind bei der Familie meiner Tante. Es geht um Musikinstrumente, meine Cousine klappt ein Keyboard auf, bei dem die Tasten mit Symbolen (z.B. Obst) markiert sind. Dazu gibt es ein Liederbuch mit Popsongs, allerdings eben auch ohne Noten, sondern nur mit Symbolen. Ich versuche etwas zu spielen, scheitere aber erst mal, weil ich mich gar nicht so schnell an den Symbolen orientieren kann.

Ein recht frustrierendes Erlebnis übrigens.

Mein Mann und ich sind am Meer oder an einem Fluss und sitzen an einer Promenade mit Wasserblick auf einer Bank. Wir müssen aufbrechen und packen alles ein, ich bekomme aber nicht alles in die Tasche und weiß nicht, wie wir das vernünftig transportieren sollen. Übrig bleibt ein Therapy-Spiel und noch etwas blaues, ein Heft oder eine Mappe von der Größe und Dicke her.

Regelmäßig freue ich mich über den Detailgrad meiner Traumerinnerungen. Ein Therapy-Spiel, das habe ich zuletzt in den Neunzigern gespielt, aber es bleibt doch im Gedächtnis hängen.

Bekomme eine Rechnung von einer Detektivagentur. Auf der ersten Seite steht nur, dass sie zu dritt in einem Motel hätten übernachten müssen, was insgesamt 112 Euro oder Dollar gekostet hätte. Das finde ich zwar doof, aber okay. Die eigentliche Rechnung beläuft sich dann (Schockschwerenot!) auf 4995 Euro (oder Dollar). Das finde ich dann doch etwas viel, zumal ich davon ausgegangen war, dass die Rechtsschutzversicherung das abdeckt.

Tatsächlich habe ich das in einer Nacht geträumt, in der ich zu einer Folge von den Drei ??? eingeschlafen bin.

Ich muss (von der Firma aus) nach München fliegen, dafür aber erst mit einem Bus fahren. Irgendwann bemerke ich, dass wir schon echt lange fahren, und vermute, dass es sich einfach jetzt auch nicht mehr lohnt, das Flugzeug zu nehmen und wir ersatzweise einfach mit dem Bus nach München fahren. (Als ich aus dem Fenster gucke, sind wir gerade in Leverkusen bzw. Opladen.)

Genauer gesagt befanden wir uns an der Ecke Kölner Straße/Robert-Blum-Straße und auch dieses Detail finde ich wieder sehr faszinierend.

Ich bin am Bahnhof, und habe den Zug verpasst. Am Bahnhof sind solche Zeitschriftenregale wie in der Bücherei und ich nehme mir eine Brigitte, um die Zeit zu vertreiben. Es gibt ein Psychoquiz “Welcher Wahltyp sind Sie?”, es geht aber nicht darum, welche Partei man wählen sollte, sondern, wie man wählen sollte, also eher Briefwahl oder ins Wahlbüro gehen. Es gibt aber mehr als zwei Ergebnisse, also gibt es wohl auch noch mehr Möglichkeiten, zu wählen.

WTF? Und warum nehme ich ausgerechnet eine Brigitte?

Ich suche etwas zum Anziehen und finde ein blaues Trägerkleid, darunter passt ein dunkelblaues T-Shirt, ich nehme aber sicherheitshalber noch einen flauschigen rosa Pulli, den ich darüber anziehen kann.

Keines der beschriebenen Kleidungsstücke besitze ich übrigens in der Realität.

Donald Trump ist mein Klavierlehrer, er ist mir aber auch irgendwie suspekt. Wir sind irgendwo in Iowa, wo die Häuschen alle nebeneinander in Reihe stehen. Offensichtlich wollen wir eine Bunkerbesichtigung machen, es hat eventuell auch etwas mit einem Atomkraftwerk zu tun. Meine Mutter ist auch dabei und sehr skeptisch, sie versteht nicht, was die Besichtigung soll. Trump bietet ihr an, dass sie mitkommen kann, sie lehnt aber ab und meint, sie könne mich ja nachher abholen.

Nach dem Apokalypsentraum vielleicht der beunruhigendste Traum des letzten Monats. Niemand, wirklich niemand, sollte mit Donald Trump in einem Bunker eingesperrt sein (so ging es nämlich weiter).

Gelesen im Februar 2016

Im Februar zu wenig gelesen und dann auch noch nicht dazu gekommen, die Monatsreview zu schreiben. Dann wollte ich das zusammen mit den Märzbüchern machen, im März habe ich aber so furchtbar viel gelesen, dass es dann ein sehr langer Beitrag werden würde, also jetzt doch wieder als einzelner Beitrag. Muss man jetzt nicht verstehen, ist halt einfach so.

Fünf Wochen im Ballon von Jules Verne

Auf Französisch gelesen, einfach, weil ich mein Französisch irgendwie fit halten muss und die Verne-Bücher fürs Kindle umsonst sind. Dafür kann man dann darüber diskutieren, ob man jetzt gerade mit Verne sein Französisch besonders fit hält, denn die Sprache ist ja nun nicht die modernste. In Fünf Wochen im Ballon geht es genau um das, nämlich eine West-Ost-Durchquerung Ost-West-Durchquerung von Afrika in einem Heißluftballon, drei Mann in einem Ballon quasi. Das ist insgesamt ganz spannend, vor allem zum Schluss kommt noch mal Action auf, es ist aber auch typisch Verne und damit teilweise auch ein bisschen anstrengend und streckenweise etwas zäh, zumal, wenn man es im Original liest.

Jules Verne: Fünf Wochen im Ballon [Amazon-Werbelink]

 

Der Pfau von Isabel Bogdan

Der erste Roman von Isa, lange sehnlichst erwartet und im Februar endlich erschienen. Ich habe mich für die Hörbuchversion, gelesen von Christoph Maria Herbst entschieden. Irgendwo in den schottischen Highlands leben Lord und Lady McIntosh auf einem alten Landsitz und vermieten die Cottages an Touristen, die mal ganz entspannte Tage mitten im Nichts verbringen wollen. Dann spielt eines Tages ein Pfau verrückt und attackiert alles, was blau ist und glänzt. Und dann kommt auch noch eine Reisegruppe aus London zu einer Teambuildingmaßnahme. Vier Banker, die Chefin, die Kommunikationstrainerin und eine Köchin nisten sich für ein Wochenende mehr oder weniger freiwillig ein. Und dann kommt es natürlich so, wie es kommen muss, der Pfau geht auf das blaue Auto der Chefin los, Lord McIntosh muss handeln und dann wird aus dem ruhigen Wochenende doch ein ganz und gar verzwicktes, an dem ein armer verrückter Pfau nicht nur einen, sondern gleich mehrere Tode sterben muss.

Das ist alles sehr flockig erzählt und von Christoph Maria Herbst schön vorgelesen, man kann es in einem Rutsch weglesen und danach vielleicht direkt den nächsten Schottlandurlaub buchen, das Anwesen der McIntoshs gibt es nämlich wirklich, man achte auf die Widmung im Buch.

Isabel Bogdan: Der Pfau [Amazon-Werbelink]

 

Planet der Algorithmen von Sebastian Stiller

Ein Buch über Algorithmen für Leute, die noch nicht so viel über Algorithmen wissen, die aber gerne lernen wollen, worum es eigentlich geht, schon allein, weil wir in unserer Welt immer mehr mit Algorithmen zu tun haben. Das klingt erst mal gut und ist auch ordentlich umgesetzt, irgendwo ungefähr zur Hälfte hat mich der Autor aber verloren. Ich habe zwar vermutlich auch ein bisschen mehr mit Algorithmen zu tun als der Durchschnittsleser und die Zielgruppe, spätestens bei dem ein oder anderen deutlich theoretischen Teil wurde es mir dann aber doch zu… nun ja… theoretisch. Entweder bestimmte Aspekte lassen sich nicht einfach erklären oder man braucht ein paar Seiten und Beispiel mehr dazu. So war es jedenfalls nicht gut gelöst, trotzdem gibt es in diesem Buch viele gute Erklärungen, was Algorithmen sind und wie sie – ganz grob zusammengefasst – funktionieren. Eine ausführliche Rezension folgt demnächst.

Sebastian Stiller: Planet der Algorithmen [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im März woanders