Einkaufszettel

Letztens wollte ich den werten Herr Gemahl zum Einkaufen schicken, weil ich mir davon eine gewisse Erleichterung des Abends meinerseits versprach. Erst dachte ich, das wäre einfach, denn ich brauchte: Möhren, Schalotten, Hackfleisch, Basilikum, Spaghetti und Dosentomaten. Mir würde das als Einkaufszettel genügen, aber ich wusste natürlich auch, was ich damit machen wollte und kannte das Rezept.

Tatsächlich verlief das Gespräch aber eher so:

“Ein bis zwei Möhren brauchen wir, je nach Größe, guck halt mal. Und dann Schalotten. Weißt du was das ist? Ja, die kleinen länglichen im Säckchen. Hackfleisch auch, so 300 Gramm. Und Dosentomaten, am besten zwei von den kleinen Dosen, und nicht die stückigen oder passierten, sondern richtigen Tomaten, guck mal, ob Eiertomaten drauf steht. Dann noch Spaghetti, aber nicht die moralisch unkorrekten von Barilla, diese Firma unterstützen wir nicht. Nee, sonst ist egal, nimm einfach irgendwelche anderen. Und Basilikum, aber guck erst, ob der auf dem Balkon noch gut ist, der sah aber letztens schon etwas welk aus. So das war’s. Bis heute Abend. Tschü-hüss!”

Man merkt ja manchmal erst, wie kompliziert so ein Einkauf ist und wie viele Detailentscheidungen man nur beim Kauf von Dosentomaten so treffen muss, wenn man jemand anders ohne Aufsicht losschickt.

Erster Street Food Markt Essen

Es passt uns ganz gut, dass ich mich im Datum geirrt habe und wir gar nicht am Sonntagabend, sondern erst Mittwoch auf dem Konzert in Köln sind. So haben wir nicht nur einen gemütlichen Abend gewonnen, sondern außerdem auch nicht so viel Stress auf dem Street Food Markt. Dem ersten Street Food Markt in Essen, um genauer zu sein, auf einem ehemaligen Krupp-Gelände im Westviertel, das sich jetzt “Schöner Alfred” nennt.

Street Food Märkte sind ja der neue heiße Scheiß, das nächste große Ding. In Duisburg gibt’s einen, in Düsseldorf und Köln, in Berlin sowieso. Jetzt dankbarerweise auch in Essen. Wir parken auf der Frohnhauser Straße und folgen den Schildern, die uns zum schönen Alfred leiten sollen. Dann sehen wir die Schlange. Einmal bis zur Straße und dann noch mal um die Ecke mindestens genauso weit. Wo wir jetzt aber schon mal hier sind, gucken wir erst mal, reihen uns hinten ein und sind innerhalb von ungefähr sieben Minuten am Eingang. Ich zahle sechs Euro Eintritt für zwei Personen und dann stehen wir auf dem Gelände vom schönen Alfred und wären dann bereit für etwas zu essen.

Schilder

Natürlich ist es auch drinnen voll. Sehr voll sogar. Besonders beliebt scheinen mir die Burgerstände. Es gibt normale Burger, Kimchi-Burger, bei denen der Inhalt statt zwischen zwei Brötchenhälften zwischen zwei Nudelplatten steckt. Burger mit Rind, Burger mit Meeresfrüchten, Burger mit beidem.

Kimchiburger

Wir sondieren erst mal die Lage, drängeln uns bis hinten durch, schauen mal in die Innenräume und entscheiden uns dann für einen Stand vom Turboimbiss mit weniger langer Schlange, bei dem es asiatische Dampfbrötchen mit karamellisiertem Schweinebauch gibt. Irgendwann gab es hier auch mal asiatische Dampfbrötchen mit vegetarischer Füllung, die sind aber aus. Während ich in der Schlange stehe, holt der werte Herr Gemahl Getränke. Mate für mich, Bier für ihn. Bei mir geht’s immer noch nicht voran. Der Stand wird von zwei Herren besetzt, die mit der Dampfbrötchenproduktion kaum hinterherkommen. Nebenan werden Tacos gemacht, ich helfe dabei, das improvisierte Schild mit “NO VEGGIE!” an den Wagen zu kleben, damit sich keiner umsonst anstellt und bekomme dann meine Dampfbrötchen. Eine kleine Portion für 4,50 Euro, aber letztlich kommt es ja auf den Geschmack an. Außerdem wollen wir ja vieles probieren, da muss man sich den Magen nicht zwangsläufig vollschlagen.

Dampfbrötchen_EDG7940

Aber: Lecker ist das! Echtjetzma! Butterweiches, anscheinend tagelang geschmortes Fleisch, mit Salat, Erdnüssen, Sesam und leckerer Soße. Wir sind beide sehr angetan, das Brötchen ist samt Inhalt schnell im Magen verschwunden und wir suchen weiter.

In einer Art Nische finden wir die Stände vom Zodiac und einen Stand, an dem es Sate-Hühnchen gibt. Sate-Hühnchen ohne Spieß, erklärt man mir. Man hätte relativ schnell eingesehen, dass man mit dem Aufspießen sehr viel Zeit verbringen würde und hätte es dann einfach gelassen. Außerdem könnte man so besser teilen. Ich erfahre auch noch, dass die Erdnusssauce nicht mit Erdnussbutter, sondern nur mit gerösteten Erdnüssen hergestellt wurde und dann ist alles fertig und ich kann das Schälchen mit an den Stehtisch nehmen. Auch hier, ein bisschen klein die Portion für 4,50 Euro, aber auch hier gibt es geschmacklich nichts zu beklagen.

GrillSate

Als nächstes flüchten wir in den Innenraum, denn es ist zwar wunderbar sonnig, aber auch sehr kalt. Innen gibt es nicht nur viel Platz zum Sitzen, sondern auch den Stand von An Banh Mi, der bei mir ganz oben auf der To-Eat-Liste steht. Also, das, was es dort gibt, nicht der Stand selber. Stände kann man nicht gut essen. Vietnamesisches Sandwich also. Ich stehe wieder in einer Schlange, hinter mir Leute, die anscheinend viel Bock auf oder zumindest kein Problem mit Körperkontakt haben. Im Gegensatz zu mir. Nebenan wird bei Chilees irgendwas koreanisches gemacht, ganz ohne Schlange, sieht aber auch lecker aus. Wenn ich nicht unbedingt dieses Sandwich haben wollen würde, würde ich jetzt schnell den Stand wechseln.

An Bahn MiKoreanisches DingsAm Stand

Aber dann darf ich auch schon bestellen, die Winkekatze winkt mir zu und ich nehme das vietnamesische Sandwich mit Chili Beef in Empfang. Auch hier: Lecker. Bisher war alles lecker, frisch gemacht, gut gewürzt, etwas kleine, aber eigentlich sehr gut kalkulierte Portionen. Es ist Street Food, für auf die Hand, alles fünf Euro und drunter. Da kann man nicht meckern.

WinkekatzeVietnamesisches Sandwich

Wir holen uns noch zwei Bier, und gehen wieder raus in die Kälte. Bisher sind wir ganz zufrieden. Die Anstellerei nervt, es ist arg voll und unübersichtlich, mir fehlt ein Plan, also ein Standplan, wo ich sehe, was wo ist, aber wenn es welche gab, dann sind die sicherlich längst vergriffen.

Unkraut

Wir nehmen uns den Stand vom Comptoir du Cidre vor, an dem groß “Cidre Steak” steht. Das Steak, so steht es da auf einer Tafel wurde unendlich lange mariniert, dann fast genauso unendlich lange Sous-Vide-gegart und dann wurde noch mal unendlich lange irgendwas anderes damit gemacht. Das Fleisch musste also länger auf diesen Moment warten als wir. Ich bin schon ganz angetan von den Cidreflaschen mit einem lustigen Seemann auf dem Etikett. Der werte Herr Gemahl ist währenddessen angetan vom Fleisch. Serviert auf Röstbrot mit Senf, Schnittlauch und einer Soße. Während wir noch auf die zweite Portion warten, hat er die erste verdrückt, hält dem Standmenschen einen Fünf-Euro-Schein hin und sagt: “Noch eins!”

Stand Steak

Danach verziehen wir uns wieder nach drinnen. Jeder Innenraum sieht anders aus, es hängen Fähnchen rum oder bunte Kugeln, die Leute stehen an Stehtischen oder sitzen an langen Tischen. Dochdoch, das ist schick hier, das kann man gut machen. Ich werde zum Eisholen geschickt. Am ersten Eisstand tut sich nichts in der Schlange, außer, dass sich Menschen vor und hinter mir auf einmal Zigaretten anstecken. Ich flüchte und finde einen anderen Stand, wo es Frozen Yoghurt gibt, die Schlange weniger lang und beweglicher ist und niemand raucht. Das ist besser. Ich nehme also bei Sorelli’s einen warmen Brownie mit Frozen Yoghurt, Salzkaramellsoße, Erdbeeren und Haselnusskrokant, bezahle 5 Euro und mache mich auf zum werten Herr Gemahl.

InnenSorelli's Frozen Yoghurt

Auch der Nachtisch überzeugt. Das mag auch an meinem guten Händchen für Soßen-Beilagen-Kombinationen liegen, aber sicherlich auch an Brownie und Eis. Wir kratzen das letzte aus dem Becher, dann sind wir fertig. Fertig mit dem Eis und fertig mit dem Street Food Markt. Keine Piroggen, kein Burger, nichts Japanisches, keine Burritos. WAS WIR ALLES NICHT GEGESSEN HABEN!

Menschen Piroggen

Was wir vor allem nicht gegessen haben: Waffelburger von Bukfylla. WAFFELBURGER! Ich meine: WAFFELBURGER! Das erfahre ich aber erst abends zu Hause auf Twitter. Angeblich soll auch da die Schlange sehr lang gewesen sein, wahrscheinlich hätte ich also auch keinen Waffelburger gegessen, wenn ich rechtzeitig über dieses Wunderwerk an gastronomischer Zusammensetzungsfantasie informiert gewesen wäre. Aber, ey: WAFFELBURGER!

Bukfylla

Dann eben beim nächsten Mal. Der nächste Street Food Markt beim schönen Alfred ist am 10.5. Man kann sich das also schon mal schön im Kalender markieren oder einfach bei Facebook auf Teilnehmen klicken.

Ich würde mir zwar wünschen, dass die Veranstaltung auf zwei Tage ausgedehnt wird, um so eventuell auch dem Besucheransturm gerecht zu werden, aber solange ich Waffelburger kriege, soll mir alles recht sein.

Schöner Alfred auf Facebook

 Bericht in der WAZ

Ein paar mehr Bilder gibt es auf einem Flickr-Account

Trinkgewohnheiten

Es kursiert ein Fragebogen von den Bildungstrinkern zu den Trinkgewohnheiten, der sich mir quasi an den Hals schmeißt und beantwortet werden müssen. Andere Leute, die schon geantwortet haben, sind Anke Gröner, die Kaltmamsell und Stevan Paul.

1. Was ist dein liebster Drink?

Im Prinzip Wein, aber das zählt vielleicht nicht als Antwort. Ansonsten mag ich so Klassiker wie Caipirinha oder Whiskey Sour, ein bisschen sauer, ein bisschen süß, das passt schon.

2. Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken?

Irgendwann als Teenager vermutlich. Da ich kein rebellische Phase hatte, jedenfalls keine, die irgendwas mit Alkohol oder Zigaretten zu tun hatte, scheint mir am wahrscheinlichsten, dass das auch zu Hause war. Wein vermutlich. Zum ersten Mal betrunken war ich auf dem sechzehnten Geburtstag von Sonja, wo es Kleiner Feigling in Mengen gab. Oder zumindest in Größenordnungen, die für wenig trinkerprobte Teenager ausreichten.

3. Welchen Drink hast du am meisten bereut?

Keinen. Auch die schlimmsten Kater gehen vorbei und im Zweifelsfall taugt nachher alles als lustige Geschichte. Jedenfalls bei mir.

4. Bar oder Kneipe?

Sofa. Da ist es auch nicht so laut.

5. Champagner oder Schaumwein?

Crémant. Zum Beispiel der Bouvet Ladubay Tresor Rosé Brut. Den können Sie mal probieren, der ist gut. Mal abgesehen davon, dass Champagner ja auch nur etwas anders hergestellter Schaumwein aus einer bestimmten Region ist, und man hier meines Erachtens nicht zwingend eine Entweder-Oder-Frage basteln muss. (Experten werden bei der Äußerung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, ich weiß.) Achtung, Bildungsblog: Das mit der Region nennt sich übrigens Appellation d’Origine Contrôlée, kurz AOC und ist u.a. in Frankreich eine Qualitätsbezeichnung. Damit werden Produkte gekennzeichnet, die auf traditionelle Weise hergestellt werden und deren Zutaten aus einer bestimmten Region stammen oder teilweise dort gereift sind.

6. Mit wem würdest du gerne trinken?

Ich habe eine Liste mit prominenten Leuten, die ich gerne mal zum Abendessen einladen wollten. Dabei wäre Trinken dann inbegriffen. Die Liste ist nicht sehr lang, weil ich zumindest ein bisschen realistisch bleiben möchte. Ich würde gerne mit Hagen Rether und Hennes Bender essen und trinken. Hennes Bender, weil ich bei irgendeiner Sendung gesehen habe, dass in seinem Arbeitszimmer nicht nur Unmengen Comics im Regal standen, sondern auch ein Schlagzeug davor. Das finde ich sehr sympathisch, ich glaube, wir hätten viel Spaß. Und Hagen Rether, weil er sehr interessante Sachen sagt. Außerdem sind beide anscheinend nur so semiberühmt, dass immer noch Leute “Hä, wer?” fragen, wenn sie die Namen hören und beiden wohnen bei uns in der Nähe.

7. Bei wem würdest du gerne trinken?

Ich kenne mich mit der Wein- und Barszene nicht annähernd genug aus, als dass ich irgendwelche gastronomischen Institutionen wüsste, wo ich unbedingt mal hin möchte. Aber es darf mich jederzeit jeder einladen. Ich komme gerne.

8. Wie sieht deine Hausbar aus und was ist das Kostbarste darin?

Das hübsche Zeug steht in der Vitrine. Der Wein und einiges anderes in der Abstellkammer und Zeug, das ich regelmäßig brauche (Amaretto für Tiramisu, Rum zum Backen), aber keinen Platz in der Vitrine hat in der Küche dort, wo hoffentlich bald mal eine Waschmaschine hinkommt.

Vitrine

Am teuersten war garantiert irgendein Whisky, der Springbank vielleicht oder der Talisker 57° North. Außerdem bringen uns immer wieder Menschen Zeug mit, wir haben also Tequila aus Mexiko und Cachaca aus Brasilien.

9. Beschreib deine Eiswürfel.

Ich hab kleine und größere, benutze aber auch mittlerweile gerne diese Einwegbeutel. Meine Eiswürfel sind meistens kalt und durchsichtig. Ich stelle sie aus gutem Essener Leitungswasser her.

10. Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung?

Ich empfehle Gin & Tonic und vor allem ein Ampersand zwischen den beiden. Tatsächlich finde ich Gin & Tonic sehr lecker, habe aber noch nicht ausreichend damit herumexperimentiert, um konkrete Produktvorschläge zu machen. Die Optionen sind ja schier unendlich, seit das irgendwie zum Kult geworden ist, das überfordert mich.

Als Alternative möchte ich aber mal Pimm’s Cup No. 1 ins Gespräch bringen. Das scheint mir in den hiesigen Breiten- und Längengraden noch etwas unterrrepräsentiert. Und natürlich Picon Bière, dieses geile Gesöff, das ich in Frankreich immer bestelle, wenn ich es kriegen kann.

Picon

11. Wie bekämpfst du deinen Hangover?

Mit Liegen und Jammern. Da ich ein vernünftiger Mensch bin, trinke ich üblicherweise nur selten übermäßig und nicht dann, wenn ich am nächsten Tag irgendwo hin muss. Ich bekämpfe nicht, ich sitze… äh… liege das aus.

Lieblingstweets im März (Teil 1)

INTERPLANETARE RAUMFAHRT! WEGGELASSENE ROSINEN! RHYTHMUSSNOOZEN! STYLISH UND LEICHT ENTFLAMMBAR! SOJATRUNK-DIÄTEN! UND DER TOTALE FLAUSCH!

Balkongärtnern 2015 – Wie alles begann (Teil 1)

Gartenkram

Als wir auf dem Parkplatz vom Gartencenter zum Stehen kommen, sagt der werte Herr Gemahl mit konsterniertem Gesichtsausdruck: “Hier ist ja gar kein Baumarkt!”

Nein, sage ich, da ist kein Baumarkt. Hier ist ein Gartencenter, und zwar nur ein Gartencenter. Ein Gartencenter mit ohne Baumarkt. Das ist nur fair, schließlich gibt es auch Baumärkte mit ohne Gartencenter. Nur so bleibt das Universum im Gleichgewicht.

Eigentlich fängt die Geschichte aber ja noch früher an. Im Oktober kauften wir eine Wohnung und erhöhten die Anzahl der verfügbaren Balkone von null auf vier. Eine Steigerung, die man in Prozentzahl gar nicht angeben kann, weil vorher ja gar nichts da war. Um genau zu sein hängt an jedem Zimmer ein Balkon, wir haben einen Nordwestbalkon, einen Nordostbalkon, einen Südwestbalkon und einen Südostbalkon. Dafür haben wir exakt ein Fenster, das man auch öffnen kann und dazu exakt eine Fensterbank. Alle anderen zu öffnenden Glasdinger sind Balkontüren.

Jetzt bringen so Balkone ja auch eine gewisse Verantwortung mit sich, denn sie wollen genutzt werden. Zum Sitzen natürlich, aber auch für Grünzeug. So fing das also an. Seit einer Woche nerve ich also den werten Herrn Gemahl mit der Frage “Wann fahren wir zum Gartencenter?” Das konnte er sehr erfolgreich ein paar Abende mit Scheinargumenten abblocken, heute kann er sich aber nicht wehren. Wir parken vorm Gartencenter.

Blumenkasten

Das Gartencenter liegt direkt gegenüber vom Flughafen Essen/Mülheim und ist überzeugend groß und gut ausgestattet. Man läuft vom warmen Innenbereich durch den etwas kühleren überdachten Halbaußenbereich in den heute wetterbedingt eher kühlen Außenbereich. Einen Salweidenstrauch wollte ich und vielleicht Flieder. Möglicherweise einen Himbeerstrauch. Man muss ja langsam machen. Ich habe nämlich viel von meinem Vater geerbt, aber leider nicht seinen grünen Daumen. Möglicherweise habe ich auch einfach seine Geduld und seine Bereitschaft zum Garteneinsatz nicht geerbt, das mit Pflanzen und mir ist jedenfalls so ein zwiespältiges Ding. Ich würde gerne und ich weiß auch gar nicht so wenig, allein in der Praxis scheitere ich gerne. Also langsam machen.

Nachdem die Enttäuschung über den fehlenden Baumarkt gewichen ist, gesellt sich mein Mann immerhin zu mir. Flieder, sage ich, guck, der riecht auch gut. Und zack, damit hab ich ihn. Da hätte ich auch früher drauf kommen können. Den Mann, der am Flughafen immer gerne im Duty-Free-Shop verschwindet, um an Parfums zu riechen, kriege ich natürlich am besten mit Dingen, die irgendwie duften. Wir laufen zu einer Frau in roter Jacke und fragen, ob sie uns mit dem Flieder helfen kann. Kann sie leider nicht, da sind die Kollegen für zuständig, sie könnte uns aber bei Kräutern und so weiterhelfen. Lavendel, sagt der Duftliebhaber an meiner Seite. Lavendel zum Beispiel, sagt sie und zeigt uns große Lavendelbüsche. Die sind auch winterhart, kann man jetzt schon rausstellen. Das Rosmarinbäumchen darunter ist auch hübsch, aber nicht winterhart. Dann gucken wir uns andere Kräuter an, ich packe Bärlauch in den Wagen zum Lavendel, zu den Balkonkästen und der Qualitätsblumenerde und entdecke die Erdbeeren.

Erdbeeren möchte ich auch haben. Die Frau erklärt mir alles mögliche über Erdbeeren, welche pflegeleicht sind, welche wann und wie lang tragen, wie weit man sie auseinanderpflanzen muss. Ich nehme zehn Töpfchen Hängeerdbeeren.

Hängeerdbeeren

Dann bestellen wir Frühstück im Gartencentercafé, das dauert aber noch zehn Minuten, bis die Kollegin wiederkommt. In der Zeit gucke ich mir Dünger und Samen an, nehme Blumendünger und Beerendünger, stehe zweifelnd vor den Tomatensamen und sage mir dann aber wieder: Immer langsam. Erstmal Blümchen und Erdbeeren. Dann gucken wir weiter. Nach dem Frühstück gehe ich nochmal alleine nach draußen und lasse mir von jemandem, der dafür zuständig ist, Flieder und Beeren erklären. Für Beeren brauche ich eine Rankhilfe, für Flieder einen größeren Kübel und Blumenerde mit Ton (am besten). Das verstehe ich, scheint mir auch alles keine Raketenwissenschaft, dafür muss ich aber zu Hause noch mal überlegen, wie wir das am besten machen können. Immerhin stelle ich kluge Fragen, frage nach Mehrjährigkeit, wann man am besten kauft, ob eher sonnig oder schattig und andere Dinge, mit denen ich zumindest ein bisschen so tun kann, als wäre ich kein kompletter Pflanzenidiot.

Dann kaufe ich noch Blümchen. Blümchen sind auch gut, die sollen auf den Nordwestbalkon, die armen. Da ist nämlich das Schlafzimmer und ich würde morgens beim Aufwachen gerne Blümchen sehen. Also: Primeln, Vergissmeinnicht, Krokus, Hyacinthen (die gelben und die Trauben) und Maiglöckchen. Waren Maiglöckchen nicht giftig? Vergiften die dann die anderen Pflanzen? Darf man die zusammen pflanzen? Ich habe keine Lust zu fragen und beschließe, das Risiko einzugehen. Die Maiglöckchen dürfen mit.

Zeugs

Mit Bärlauch, Lavendel, Hängeerdbeeren, sehr vielen Blümchen, Qualitätsblumenerde, vier Blumenkästen und Blumenkastenhaltern, Dünger und einer Packung Wildsalatsamen gehen wir zur Kasse. Die Summe ist dreistellig. Natürlich ist sie das. Und ich hab mich noch so zurückgehalten. Keinen Flieder gekauft, keine Himbeeren, keinen Salweidenstrauch, keine Zierkirsche, keinen Kartoffeltopf mit Saatkartoffeln. Keine Tomatensamen, keine Anzuchtpads, kein Salatgewächshaus. Eigentlich habe ich gar nichts gekauft. Erschreckend stelle ich fest, dass es ganz schön teuer werden wird, vier Balkone zu haben. Und da ist der Webergrill und die Pflanz- und Sitzmöbel noch gar nicht mit eingerechnet.

Wir verpacken alles im Auto, gucken noch einmal zum Flughafen mit dem großen Zeppelinzelt und fahren quer übers Mülheimer Land bis zur A40 und dann nach Hause. Und wie ich dann auf dem Balkon kniete, auf einmal eine Bohrmaschine brauchte und trotz Abitur an den Balkonkastenhaltern scheiterte, das erzähle ich dann in Teil 2 der Balkongartensaga.

Übers Einschlafen

Ich habe kein Problem mit dem Einschlafen. Im Gegenteil. Ich habe generell keine Probleme mit dem Schlafen. Ich lausche immer sehr fasziniert den Berichten von Leuten mit Schlaf- und Einschlafproblemen, Leute, die nachts um 3 Uhr aufwachen und nicht mehr schlafen können. Sowas passiert mir nicht. Wenn ich eins richtig gut kann, dann schlafen.

Ich kann auch super einschlafen. Meine erste Messung diesbezüglich stellte ich mit Hilfe der Drei Fragezeichen an. Wenn ich alleine einschlafe, höre ich nämlich Hörspiele zum Einschlafen und am nächsten Tag wusste ich nie mehr als das, was in den ersten fünf Minuten passierte. Das konnte ich dann später mit so einem Schlafmessarmband bestätigen. Ich schlafe immer sehr schnell ein und dann schlafe ich durch bis zum nächsten Morgen. Ich bin auch schon auf Hochzeiten und Partys eingeschlafen und zwar nicht in einem Nebenraum, sondern genau da, wo die Hochzeit oder die Party gerade statt fand.  Es schläft sich zwar nicht ganz so bequem auf Hochzeiten, weil es meistens laut ist und man ja kein Bett hat, sondern nur irgendwelche Bänke oder zusammengeschobene Stühle, aber es geht.

Üblicherweise lese ich vor dem Einschlafen. Das ging früher auch besser, mittlerweile bin ich anscheinend alt und werde sehr schnell müde. Wenn ich müde werde, dann lese ich Sätze drei Mal, weil ich zwischendurch immer die Augen zumache und dann nicht mehr weiß, wo ich gerade war. Außerdem dringen die Sätze nicht mehr komplett bis zum Gehirn durch. Das sind alles Beobachtungen, die ich vermutlich mit vielen Leuten teile, die abends im Bett noch lesen.

In der letzten Zeit ist aber ein neues Feature hinzugekommen. Wenn ich müde werde, lese ich irgendwann Sachen, die gar nicht im Buch stehen. Mein Gehirn scheint schon im Traummodus zu sein und erfindet dann einfach Sachen. Irgendwann merke ich dann, dass das, was ich in den letzten Minuten gelesen habe, wirklich im Gesamtzusammenhang des Buches überhaupt keinen Sinn mehr ergibt. Es tauchen neue Figuren auf, die wirre Dinge tun. Ich habe leider kein konkretes Beispiel, aber ich werde beim nächsten Mal besser aufpassen.

Wenn jedenfalls auf einmal die Geschichte unerwartet sehr abstrus wird, weiß ich, dass ich eigentlich schon zu müde bin, um noch weiterlesen zu können. Dann schalte ich das Lesegerät aus, klappe die Hülle zu, mache das Licht aus und schlafe ein. Denn wenn ich eins gut kann, dann ist das Schlafen.

Was sonst noch geschah (News from the Techniktagebuch)

In der letzten Zeit hatte ich erst Rücken, dann tödlichen Männerschnupfen, dann 24-Stunden-Magen-Darm, dann nochmal tödlichen Männerschnupfen. Dazwischen war ich auf der Arbeit. Wenn ich nicht auf der Arbeit war, lag ich auf dem Sofa und wollte auch nicht großartig irgendwo anders hin oder irgendwas anderes tun.

Falls ich also in der letzten Zeit eher mittelmäßig aufmerksam war, dann ist die Erklärung für diese Nachlässigkeit da oben in dem Absatz zu finden. Ich habe niemandem auf Facebook zum Geburtstag gratuliert, ich habe sehr vielen Menschen gar nicht oder mit sehr viel Verspätung auf irgendwelche Nachrichten geantwortet und ich habe auch anderweitig eher sporadisch und zufällig am digitalen Leben teilgenommen. Wie ich einer Freundin mitteilte: It’s not you, it’s me.

Tatsächlich gibt es aber auch anderweitige Neuigkeiten, zu denen ich auch nur sporadisch und zufällig etwas Produktives beigetragen habe, die aber deswegen nicht minder toll sind.

Techniktagebuch

Zum Beispiel feierte das Techniktagebuch seinen ersten Geburtstag. Als Geschenk für alle gibt es jetzt das Techniktagebuch als eBook, von Kathrin Passig liebevoll zusammenmontiert, während wir anderen staunend daneben standen, entweder bei großartigen sobooks oder bei Amazon [Werbelink]. Bei sobooks kann man sich entweder die komplette Version mit gefühlt lediglich mehreren tausend Seiten herunterladen oder beherzt zur kostenpflichtigen Variante greifen und uns Techniktagebuchautoren unendlich reich machen. Die kostenpflichtige Variante hat einen USP, der völlig neuartig und total überzeugend ist: Sie hat weniger Inhalt als die kostenlose Version. Es handelt sich um das Best Of aus einem Jahr Techniktagebuch, in mühseliger Handarbeit kuratiert vom Autorenkollektiv.

Oder, wie Kathrin Passig hier erklärt: Wer mehr bezahlt, bekommt also weniger Text, dafür mehr Lebenszeit geschenkt. Wer jetzt nicht zuschlägt, dem kann ich auch nicht helfen.

Lieblingstweets im Februar woanders

Lieblingstweets im Februar (Teil 2)

Zusammenfassung zweite Februarhälfte: Es war Karneval und dann waren alle krank. Ich auch. Lustig war’s trotzdem.

Systemgastronomie

Ich bin bei weitem kein Feind der Systemgastronomie. Ich habe kein Problem mit McDonald’s oder Burger King, ich gehe da sogar regelmäßig freiwillig hin und finde Leute, die “McDoof” sagen albern. Außerdem liebe ich Mongo’s. Ich könnte dauernd zu Mongo’s gehen, weil ich das da toll finde, das Essen ist super, der Service war bis jetzt immer vollkommen ausnahmslos super und man bekommt sogar gute Cocktails. Auch wenn ich auf der einen Seite ja gerne neue Sachen probiere und Menschen, die immer dasselbe bestellen, seltsam finde, finde ich es manchmal wieder sehr entspannend, irgendwo in Deutschland verlässlich etwas zu bekommen, was genau so schmeckt, wie es immer schmeckt. Dafür schmeckt es dann vielleicht nicht super, sondern einfach nur ausreichend okay, aber das passt dann schon.

Dann gibt es Vapiano. Manchmal frage ich auf Twitter, wo man denn da oder dort essen gehen können, und dann sagt immer irgendwer “Vapiano”. Ich möchte das bitte von jetzt an nicht mehr hören. Ich möchte nicht mehr zu einem Vapiano geschickt werden, ich möchte auch nicht mehr zu einem Vapiano mitkommen müssen. Ich war zwei Mal bei Vapiano und zwei Mal hat es mir sehr verlässlich nicht geschmeckt. Ich muss diese Testreihe jetzt nicht mehr fortsetzen.

Es fängt aber schon damit an, dass ich das Konzept von Vapiano nicht verstehe. Systemgastronomie schön und gut, da muss man manchmal seltsame Rituale mitmachen. Bei McDonalds steht man erst für sein Essen an, bekommt dann aber immerhin alles auf einmal und auch meistens in ausreichender Geschwindigkeit, so dass man in auch in einer größeren Gruppe nicht lange warten muss. Mongo’s ist ja eher schon ein Restaurant. Es ist vielleicht auch schon keine Systemgastronomie mehr, sondern einfach ein Franchise. Um sein Essen muss man sich trotzdem selbst kümmern, man sucht sich die Soße aus, dann füllt man alle Zutaten in ein Schälchen und irgendwann wird es einem dann fertig gebraten gebracht.

Bei Vapiano sucht man sich erstmal einen Platz und dann müssen eigentlich alle gesammelt irgendwo anders hin, um sich ihr Essen an verschiedenen Ausgaben mit unterschiedlich langen Schlangen und unterschiedlich schnellen Köchen zu holen. Da fängt der Kummer schon an. Beim ersten Mal im Vapiano musste ich spontan an die Mensa in Bonn denken. Da war ich auch exakt zwei Mal. Einmal, weil ich von einer Kommilitonin gefragt wurde und einmal, weil wir mit einer Gruppe Studenten für einen Film vom Goethe-Institut gefilmt wurden. Da mussten wir typische Sachen machen, die man als Studenten so macht. Wir haben also ausschließlich Sachen gemacht, die wir quasi nie gemacht haben, aber sehr verdächtig wie etwas wirkten, was man als Student so macht. Wir waren also in der Mensa und im Arithmeum, einem Mathematikmuseum. In der Mensa in Bonn musste man sich unten schon unbesehen entscheiden, was man essen wollte und dann an eine der Ausgaben, die günstig auf mehrere Stockwerke verteilt waren. Die Chance, dass man zeitgleich das Essen bekommen würde UND sich dann noch wiederfinden würde ging also gegen Null. Ich habe mich also, um weiteren Sozialstress zu vermeiden, in die gleiche Schlange wie meine Kommilitonen gestellt und beide Male Essen genommen, das ich nicht mochte.

Ungefähr so ist das bei Vapiano auch, nur mit weniger Studenten und immerhin auch weniger ekligem Essen. Beim ersten Mal waren wir in Düsseldorf im Vapiano, da war es laut und voll, ich aß Nudeln, die in viel zu viel Öl schwammen und habe mich die ganze Zeit mit dem Gedanken beschäftigt, warum die Leute hier so gerne hinkommen. Was der Herr Gemahl hatte, weiß ich nicht mehr, aber es war anscheinend auch nicht überzeugend genug, um ihn zu einem Wiederkommen zu inspirieren.

Gestern waren wir in Dortmund im Vapiano, es war spät, wir waren vorher in der Oper und haben uns “Jesus Christ Superstar” angeguckt. Im Laufe des weiteren Abends tauchte übrigens quasi der gesamte Cast des Musicals auch im Vapiano auf und ich kann hiermit aus erster Hand verkünden: Alexander Klaws singt nicht nur enorm gut (wirklich, kein Scheiß!), er isst auch Pizza im Vapiano. Ich hatte einen Cesar’s Salad, der Herr Gemahl hatte Vitello tonnato, wir standen wieder in Schlangen rum und zwar so lange, bis der Herr Gemahl sich einfach spontan umentschied und keine Nudeln mehr wollte. Der Koch war nett, aber leider überfordert. Der Cesar’s Salad war okay, ich habe schlimmere gegessen, aber auch welche mit weniger angeranztem Parmesan. Das mag an der späten Stunde liegen, ist aber auf der anderen Seite dann doch wieder keine Entschuldigung. Fairerweise muss man sagen, dass ich in Deutschland vielleicht noch nie einen wirklich guten Cesar’s Salad gegessen habe. Da reiht sich Vapiano mit seinem brauchbaren Beitrag auch nur in eine lange Reihe bittererer Enttäuschungen ein. Der Vitello tonnato hingegen muss eher im Bereich unterirdisch gewesen sein. Ich habe das nicht probiert, aber der Herr Gemahl gab nach dem halben Teller auf und betrachtete den Rest nur noch sehr argwöhnisch und anschuldigend.

Zum Nachtisch holte der Herr Gemahl noch irgendwas, wo wohl Blueberry Cheesecake dranstand, zumindest aber keine Blueberrys drin waren. Das was in dem Glas war, war geschmacklich okay, stand aber relativ sicher doch schon etwas länger rum. Na gut, es war spät. Aber nur weil ich spät komme, finde ich nicht, dass ich da schlechteres Essen bekommen sollte. Oder dann wenigstens für weniger Geld. Denn wenn wir ans Bezahlen kommen, ja gut, es ist nicht teuer im Vapiano, aber es ist auch nicht günstiger als beim Italiener an der Ecke.

Vielleicht machen wir irgendwas falsch. Vielleicht bestellen wir tatsächlich immer zielsicher das falsche oder stehen zielsicher in der falschen Schlange. Ich weiß das nicht. Ich weiß nur, dass ich zwei Mal sowohl vom Essen als auch vom gesamten Konzept deutlich unterwältigt wurde. Das reicht mir jetzt. Ich hab dem Laden zwei ehrliche Chancen gegeben, eine dritte braucht es nicht. Es gibt genügend Alternativen. Und im Zweifelsfall gibt es auch immer irgendwo einen McDonald’s, wo ich einen BigMac bekomme, bei dem ich wenigstens weiß, was mich erwartet.