Lieblingstweets im Dezember (Teil 1)

VERSICHERUNGEN FÜR HANDRÜHRGERÄTE! SCHLESISCHER MOHNKUCHEN! MEISENKNÖDEL! ABGELAUFENE GRILLSOSSEN! LEERE KÄSETHEKEN! BALD IST WEIHNACHTEN! HURRA!

Gelesen im November 2017

Die Spur der Bücher von Kai Meyer

Mein ambivalentes Verhältnis zu Büchern von Kai Meyer bleibt bestehen. Ich bewundere die Fähigkeit, sich immer wieder neue Welten ausdenken, manche Bücher finde ich mehr, andere weniger fesselnd, aber zumindest greife ich immer wieder zu.

Die Spur der Bücher spielt im gleichen Universum wie Die Seiten der Welt, eine Welt in der Büchern eine Magie innewohnt, die bestimmte Menschen, die sogenannten Bibliomanten, für sich nutzen können. Mercy Amberdale hat die Bibliomantik aufgegeben, seit sie bei einem missglückten Auftrag einen Freund verlor und versucht, ein ruhiges Leben in diesem alternativen viktorianischen England zu führen, umgeben von Büchern. Dann wird ein Buchhändler gefunden, verbrannt inmitten seiner Bücher, ohne dass eines davon zu Schaden kam. Unversehens gerät Mercy in eine Geschichte und muss sich dabei auch den Schatten der Vergangenheit stellen.

Das ist alles Kai-Meyer-typisch gut und detailliert geschrieben, handwerklich gibt es nichts auszusetzen, so richtig mag der Funke bei mir aber nicht überspringen. Ein bisschen zu typisch die Figuren, ein bisschen zu unkonkret das magische System. Kann man machen, muss man aber nicht.

Die Spur der Bücher von Kai Meyer [Amazon-Werbelink]

 

Boy in a White Room von Karl Olsberg

Alter, ist das schlecht. Die Story fängt okay an, wird dann etwas absurd, könnte aber noch halbwegs konsequent und in sich stimmig zu Ende geführt werden, was dann aber nicht passiert. Statt dessen wird immer alles noch absurder und am Ende gab es drei bis fünf Plottwists, die aber alle im Nachhinein die ganze Geschichte vorher komplett unsinnig erscheinen lassen.

Zu allem Überfluss ist das Buch wirklich nicht gut geschrieben, also wirklich ernsthaft nicht gut geschrieben. Figuren sagen schlimme Sachen wie „Wir mussten dich doch von diesem skrupellosen Verbrecher befreien!“ und in den Dialogen werden Information so unsubtil weitergegeben, dass man sich als Leser fragen muss, ob der Autor Angst hatte, dass man die Geschichte nur versteht, WENN MAN WIRKLICH ALLES GANZ DEUTLICH UND MEHRFACH SAGT.

Nicht lesen. Es gibt so viele okaye Jugendbücher mit ähnlicher Thematik, die besser geschrieben sind und bei denen die Handlung nicht von Seite zu Seite absurder wird. Bitte nicht lesen.

Boy in a White Room von Karl Olsberg [Amazon-Werbelink]

 

Rotherweird von Andrew Caldecott

An Rotherweird habe ich lange gesessen und deswegen auch immer wieder ein paar Probleme gehabt, weil ich das Personal nicht hundertprozentig auseinanderhalten konnte.

Das Dorf Rotherweird liegt irgendwo in England und genießt einen Unabhängigkeitsstatus, der aber nur mit der Einschränkung gilt, dass keine lokale Geschichte vor 1800 studiert werden darf. Dafür wird besonderen Wert auf die wissenschaftliche Ausbildung gelegt, das Dorfvolk bleibt unter sich, nur selten dürfen sich Außenseiter niederlassen. Jonah Oblong ist so ein Außenseiter, ein Lehrer, der die kurzfristig freigewordene Stelle des alten Geschichtslehrers übernehmen soll.

Zeitgleich macht der geheimnisvolle Sir Veronal Slickstone Furore, der in das lange leerstehende Manor House zieht, zusammen mit seiner Frau (die gar nicht seine ist) und seinem Sohn (der gar nicht seiner ist).

Damit hätten wir nur zwei kleine Handlungsstränge angerissen, denn es passiert viel in Rotherweird, so viel, dass ich anfangs das Gefühl hatte, ein Flickwerk vor mir zu haben, zu viele Ideen auf einmal, alles ein bisschen zu fransig. Gott sei Dank irrte ich und wurde belohnt, denn im Laufe der Geschichte fügen sich die verschiedenen Puzzlestücke nach und nach zusammen und am Ende ist nichts Flickwerk, sondern eine komplexe, vielschichtige und mit Liebe zum Detail und zur Fantasie ausgearbeitete Geschichte. Sehr lohnenswert, wenn man etwas längeren Atem hat.

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Gather the Daughters von Jennie Melamed

Man könnte Gather the Daughters relativ leicht mit anderen Büchern und Filmen vergleichen, das würde aber wesentliche Teile des Plots schon verraten und deshalb wird darauf an dieser Stelle verzichtet.

Auf einer Insel leben Frauen, Männer und Kinder in einem streng religiösen Regiment. Auf dem Festland, in den wastelands, so erfahren sie von den Wanderern, den Männenr, die die Insel regelmäßig verlassen, herrscht Not und Elend, auf der Insel haben sie Glück.

Doch das Glück lässt sich nicht immer spüren, vor allem nicht, wenn man ein Mädchen ist. Sobald die Mädchen gebärfähig sind, werden sie schnellstens mit einem Mann verkuppelt und hoffentlich bald geschwängert. Dann bleibt nur die Hoffnung, dass das Kind gesund zur Welt kommt und die Frau die Geburt überlebt.

Leise Rebellion kündigt sich an, als ein Mädchen beobachtet, wie die Leiche der schwangeren Amanda aus dem Meer gezogen wird. Auf einmal sind sich die Mädchen nicht mehr sicher, ob alles so ist, wie es ihnen erzählt wird und ob es wirklich keine andere Alternative für sie gibt. Unter der Anführerin Janey, die sich seit Jahren erfolgreich an der Menstruation vorbei hungert, gruppieren sich die Mädchen und lehnen sich gegen die Herrschaft der Alten auf.

Gather the Daughter ist ein krasses Buch, die Welt der Mädchen ist bitter und hoffnungslos. Auch wenn (sexuelle) Gewalt meist nur angedeutet wird, gibt es keine Zweifel darüber, was passiert. Die Geschichte dieses Sommers der Auflehnung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, doch konsequent nur von den Mädchen. Am Ende bleiben viele Fragen offen, aber dieses Buch wirkt lange nach.

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Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist

Das Erdbeben in Chili kam mir in irgendeinem Zusammenhang unter, so dass ich es mir aufs Kindle lud und dann erst mal nicht las. Weil ich aber nicht nur den Papierbücherstapel, sondern auch den elektronischen etwas kleiner lesen möchte, kam jetzt die Kurzgeschichte dran.

Erzählt wird die Geschichte zweier Liebenden, deren Liebe direkt mal ins Desaster führt. Der Verführer wird ins Gefängnis gesperrt, die Verführte erst schwanger und dann zum Tode verurteilt. Am Tag der Urteilsvollstreckung erschüttert ein Erdbeben die Stadt und die beiden können sich retten.

Für ein glückliches Ende reicht es nicht, ich grüble immer noch, in welchem Zusammenhang mir das Buch unterkam, eventuell ging es um Amokläufe, so viel sei schon mal gesagt, damit man das Buch nicht liest, wenn man gerade etwas aufmunternde Lektüre braucht. Ansonsten ist es zwar etwas deprimierend, aber durchaus spannend und ganz abgesehen davon auch nicht allzu lang.

Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im November (Teil 2)

BERATER FÜR KALLIGRAPHISCHE FRAGEN! BEDINGUNGSLOSE GRUNDLEBKUCHEN! RÜHREI-PIPELINES! BACHBLÜTENOTFALLBIER! WEIHNACHTSKNOBLAUCHPILZE!

Deutschlandskizze #1

Mörfelden-Walldorf, Goldener Apfel, Oktober 2017

Wir sitzen im Goldenen Apfel, mit voller Absicht, ich wollte das hessischste aller hessischen Restaurants dieser Stadt, ich wollte Äppelwoi trinken und vielleicht nicht Handkäs mit Musik essen, aber auf der Speisekarte zumindest die Option haben, es theoretisch bestellen zu können, wenn ich wollte. Statt dessen habe ich hessisches Cordon Bleu, mit Käse, Schinken und Kraut gefüllt und ein großes Glas Apfelwein.

An den Wänden hängen alte Fotografien von Mörfelden-Walldorf und Menschen, die auf Feldern stehen, bestimmt sind es mörfeldisch-walldorfische Felder und Menschen.

Der Wirt des Hauses unterhält sich mit dem Ehepaar am Tisch hinter mir. Der Soundso, der gegenüber von der Tankstelle wohnt, den sieht man auch nicht mehr häufig. Ja, der hat Krebs und die Frau ist ja auch tot, das ist alles nicht schön. Und im Haus wo früher der Herr Dings gewohnt hat, da ist jetzt jemand neues eingezogen, eine Familie, da muss man auch mal sehen. Welches Haus ist das noch mal? Wenn man von der Sowiesostraße Richtung Daundda fährt, dann auf der rechten Seite, das weiße. Ach, das, jaja.

Nach einer Viertelstunde wissen wir ungefähr alles über all in Mörfelden-Walldorf, so fühlt es sich wenigstens an, so groß kann das ja hier nicht sein (über 32.000 Einwohner, sagt das Onlinelexikon).

Wir sind zu satt für Nachtisch, bezahlen und fahren weiter Richtung Süden. „Exakt so habe ich mir das vorgestellt“, sage ich. Durch die Gegend fahren und in vollkommen unspektakulären Städten in Dorfkrügen, goldenen Irgendwassen und Marktschänken sitzen und dabei mit den aktuellsten Neuigkeiten versorgt werden. Exakt so habe ich mir das vorgestellt, als wir Berthold Bulliver zu uns holten.

Goldener Apfel

Lieblingstweets im November (Teil 1)

DER DEUTSCHESTE FEIERTAG! EDLE SCHMUCKSCHUBER! ZURÜCKFRÖBELN! PFIRSICH-MARACUJA-JOGHURT! BRAUSEPULVER!

Gelesen im Oktober 2017

The Strange Case of the Alchemist’s Daughter von Theodora Goss

Ein hübsches Fantasyabenteuer. Nachdem auch ihre Mutter gestorben ist, muss Mary Jekyll, die Tochter von Dr. Jekyll ihr Leben neu organisieren und stößt dabei auf einen Hinweis aus der mysterlösen Vergangenheit ihres Vaters. In einem Heim für gefallene Mädchen findet sie Diana Hyde, die Tochter von Mr. Hyde, dem seltsamen Freund ihres Vaters. Plötzlich steckt sie mittendrin in einer Mordserie in London, hinter der eine Vereinigung steht, die in irgendeiner Verbindung zu ihrem Vater steht.

Theodora Goss greift diverse Themen und Figuren aus klassischen Horror- und Mysterygeschichten auf, man kann also schon versprechen, dass es nicht bei Jekyll, Hyde, Holmes und Watson bleibt. Die Geschichte, die in der ersten Hälfte etwas rummäandert, bevor etwas mehr Schwung in die Sache kommt, wird immer wieder unterbrochen von den Stimmen der Protagonistinnen, die gemeinsam ihre Geschichte aufschreiben und sich dabei nicht immer einig sind. Zusammen ist The Strange Case of the Alchemist’s Daughter zwar keine überragende literarische Überraschung, macht aber dafür beim Lesen großen Spaß und sei daher von Herzen empfohlen.

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Slated von Teri Terry

Zwischendurch habe ich dann zur Abwechslung mal wieder etwas YA-Dystopie gelesen. In Slated (deutsche Übersetzung: Gelöscht) geht es um Kyla, deren Erinnerungen komplett gelöscht wurden. Diese Löschung ist die Strafe für minderjährige Kriminelle, die auf diesem Weg noch eine zweite Chance erhalten sollen. Kyla kommt in eine neue Familie, bekommt eine Schwester, die ebenfalls eine Gelöschte ist und muss sich nun irgendwie in ihrer neuen Welt zurecht finden.

Natürlich ist auch in dieser Geschichte nichts so, wie es scheint, man weiß nicht, wem man trauen kann und wem nicht. Auf der Suche danach, wer sie wirklich ist oder vielmehr war, wird klar, dass sie belogen wurde. Vor allem aber merkt sie, dass sie anders ist, denn nicht alle ihre Erinnerungen sind verloren.

Slated ist ordentliche YA-Science-Fiction, allerdings nicht überdurchschnittlich. Während ich den ersten Band recht schnell und zugegebenermaßen auch gierig ausgelesen habe, verließ mich das Interesse, auch den zweiten und dritten Teil zu lesen dann erstaunlich schnell. Kann man machen, tut nicht weh, unterhält gut, ist aber auch nicht mehr.

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The Murders of Molly Southborne von Tade Thompson

In dieser Novelle geht es um Molly Southborne. Immer, wenn Molly blutet entsteht ein Klon, der ihr früher oder später nach dem Leben trachtet. Mollys Leben ist geprägt von der Angst zu Bluten und der Selbstverständlichkeit, sich selbst immer und immer und immer wieder umzubringen oder vielmehr umbringen zu müssen. Klingt seltsam, funktioniert aber gut und ist eine gelungene und ungewöhnliche Horrorgeschichte, die auch im Gedächtnis haften bleibt.

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Die Weisheit der Bienen von Jack Mingo

Das nächste Bienenbuch. Ich lese jetzt einfach alle Bücher über Bienen. Nach Fiktion und Neurowissenschaften jetzt ein Erfahrungsbericht eines Hobbyimkers über das Leben mit Bienen. Der Amerikaner Jack Mingo kam als junger Lehrer auf die Idee, für die Schule einen Bienenstock anzuschaffen und blieb dann an den Bienen hängen. In Die Weisheit der Bienen erzählt er nun davon, wie es ist Bienen zu haben, was sie einen lehren können und wie man mit ihnen umgeht. Es geht um die Geschichte des Imkerns, um die Praktikalitäten, die Schwierigkeiten und die Freuden.

Das ist alles hübsch geschrieben, bleibt aber, das ahnt man schon, wenn man die Dicke (bzw. Dünne) und die Schriftgröße des Büchleins sieht, sehr an der Oberfläche. Auf der anderen Seite ist Die Weisheit der Bienen damit das perfekte Kontrastprogramm zum umfangreichen, aber dafür etwas sperrigen Die Intelligenz der Bienen.

Jack Mingo gibt sein Wissen in Anekdoten und mit viel Humor weiter, so dass man immer wieder darüber nachdenkt, ob man nicht auch einen Bienenstock… vielleicht, nur einen kleinen…? Die vernünftige Antwort lautet: Nein! Aber man kann bei konkreten Bienenbedürfnissen einfach noch mal durch dieses Buch blättern, das reicht vielleicht auch.

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Der Club von Takis Würger

Nach den vielen Lobeshymnen auf dieses Buch, habe ich Der Club von Takis Würger als Hörbuch gehört. Allerdings konnte mich das Buch nicht so packen, wie ich es gehofft habe. Es geht um den Waisen Hans Stichler, der von seiner unnahbaren Tante nach Cambridge geholt wird, um dort für sie die Geschehnisse im elitären Pitt Club auszuspionieren. Schnell wird klar, dass hier etwas Schreckliches passiert und ehe Hans sich versieht, steckt er schon mitten drin und muss sich entscheiden, wie weit er gehen soll, um die ganze Wahrheit ans Licht zu bringen.

Ich war, kurz gesagt, etwas enttäuscht. Vielleicht wäre es besser gewesen, hätte ich nicht so hohe Erwartungen an das Buch gehabt. Eventuell funktioniert das Buch als Hörbuch nicht so gut, wobei ich die Umsetzung sehr gelungen fand, insofern zweifle ich, dass es daran lag.

Dabei ist das Buch auch nicht schlecht, nur eben nicht so irre gut, wie ich es mir ob der vielen Empfehlungen vorgestellt hatte. Fürs nächste Mal merken: Auch Bücher, die gefühlt jeder toll findet, am besten komplett ohne Erwartungshaltung lesen. Aber wie soll das gehen?

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He Said/She Said von Erin Kelley

Vor fünfzehn Jahren beobachtete Laura ein großes Verbrechen und beging in einem Moment der Verzweiflung ein kleineres. Seitdem leben sie und ihr Mann versteckt aus Angst vor Beth, der Frau, die sie damals in ihr Leben ließ und die sich als gefährlicher entpuppte, als sie sich vorstellen konnte.

Jetzt ist ihr Mann Kit auf dem Weg in den Norden. Kit jagt Sonnenfinsternissen hinterher, und die nächste findet in einer der einsamsten Gegenden Europas statt. Laura bleibt schwanger zu Hause, während ihre Gedanken nur um Kit, Beth und ihre Vergangenheit kreisen.

He Said/She Said ist zunächst mal ein solider Thriller, der aber von Anfang an eine so düstere Stimmung aufbaut, dass man mit einem nagenden Gefühl des drohenden Unheils kaum mit dem Lesen aufhören kann. Wozu ist Beth fähig? Und was geschah damals überhaupt? Es ist eine Geschichte der kleinen Lügen mit großen Folgen und der Frage, wem man vertrauen kann.

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Der goldene Handschuh von Heinz Strunk

Weiter im Strunkschen Gesamtwerk. Als ich berichtete, dass mir Jürgen von allen bisherigen Strunkbüchern eindeutig am tristestes vorkam, was ja andererseits der Grund dafür war, warum ich es so toll fand, fragte Angela, wie es mir dann wohl erst mit Der goldene Handschuh gehen würde, in dem ja wirklich überhaupt nichts Schönes vorkäme und alles nur schrecklich wäre.

Tatsächlich kommt in diesem Buch überhaupt nichts Schönes vor und alles ist schrecklich. Strunk erzählt die Geschichte des Hamburger Serienmörders Honka, aber vor allem auch die Geschichte des goldenen Handschuhs, einer heruntergekommenen Kneipe, in der sich die Verlierer der Gesellschaft treffen. Der Ton ist hart, drastisch, teilweise eklig und voller Gewalt. Nichts hier ist schön, es geht nicht ums Leben, sondern ums Überleben, den Figuren steckt oft noch der Krieg im Nacken, von allen verlassen wird erniedrigt oder man lässt sich erniedrigen.

Doch die Tristesse in diesem Buch ist eine andere als in Jürgen, denn sie hat so gar nichts mit meiner Lebenswelt zu tun. Das beruhigt auf der anderen Seite, denn so kann man Der goldene Handschuh immerhin noch mit ein bisschen Abstand lesen, während man sich bei Jürgen stets fragen musste, ob die Hauptfigur nicht vielleicht doch einfach im Haus gegenüber wohnen könnte.

Der goldene Handschuh von Heinz Strunk [Amazon-Werbelink]

 

Soloalbum von Benjamin von Stuckrad-Barre

Im Bücherschrank gefunden und gelesen, nachdem ich nach dem großartigen Panikherz doch noch mal wissen wollte, was die damals alle so an den Büchern gefunden haben.

Das Debüt von von Stuckrad-Barre lässt mich aber etwas unterwältigt zurück. Ja, ohne Frage, er kann schreiben und vielleicht muss man das alles aus der Zeit und unter Berücksichtigung seines Alters sehen, aber Herrgott, ist das alles unsympathisch. Der Ich-Erzähler wurde gerade von seiner Freundin verlassen und ergeht sich in Selbstmitleid, wenn er nicht mal wieder davon überzeugt ist, dass er und seine Kumpels die geilsten sind, schon allein, weil sie wissen, welcher Musikgeschmack der richtige ist.

Es wäre einfacher, wenn das Buch eindeutig ironisch wäre, aber ich fürchte, das ist es nicht. Mal abgesehen davon, dass man die ganze Geschichte so ähnlich auch in Panikherz lesen kann, nur eben mit dem nötigen Abstand, den von Stuckrad-Barre vielleicht brauchte, um mit sich selber ins Reine zu kommen.

Soloalbum von Benjamin von Stuckrad-Barre [Amazon-Werbelink]

 

Lieblingstweets im Oktober (Teil 2)

CAPTCHA-STRESS! BÄREN! KALBSFLEISCH AUS DEM BIOLADEN! FAHRRADFAHREN IN HEIDELBERG! BRATENDUFT IM HAUSFLUR! UND RATLOSE ENTWICKLER!

Lieblingstweets im Oktober (Teil 1)

THERMODYNAMIK! SEKTFRÜHSTÜCK! GEMÜSEFÄCHER! 40 SCHRAUBEN! SCHLITZSCHRAUBENDREHER! WÜSTENKATZEN!