Diese Bloggerin schenkt Lesefreude – aber heute noch nicht!

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Heute ist Welttag des Buches. Schon im letzten Jahr habe ich zu diesem Anlass bei der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” mitgemacht und mich auch für dieses Jahr wieder angemeldet. Allein der Alltag kam dazwischen. Im Moment ist ein bisschen zu viel los, was dann dazu führt, dass ich an Tagen, an denen nicht so viel los ist, erst recht nicht viel mache.

Die lustige Verlosung ist damit aber nicht aus der Welt, ich brauche nur ein bisschen länger, denn ich weiß ja noch nicht mal, welches Buch ich verschenken will.

In der Zwischenzeit kann man ja einfach bei den vielen anderen Bloggern vorbeischauen, die das besser auf die Reihe bekommen haben und sich da mit ein bisschen Glück beschenken lassen.

Senile Bettflucht

Seit ein paar Wochen hat sich mein Schlafrhythmus seltsam verschoben. Die größte Schuld trägt dabei wohl der neue Job und die damit verbundenen neuen Aufstehzeiten. Außerdem vermute ich, dass der Frühling seine Hände mit im Spiel hat, vor allem diese frühen Sonnenaufgänge scheinen mir da verdächtig.

Jedenfalls falle ich seit einiger Zeit auch am Wochenende gelegentlich beinahe unverschämt früh aus dem Bett, es sollen schon Uhrzeiten vor 8 Uhr vorgekommen sein. Ich weiß dann gar nicht, was ich tun soll. Leider ist es ja auch so, dass ich dadurch nicht weniger Schlaf bräuchte, ich werde eben nur früher müde oder muss auf einmal mitten am Tag auf dem Sofa ein Schläfchen von ein bis drei Stündchen halten.

Gestern zum Beispiel verschlief ich den halben Nachmittag auf der Couch, nachdem mir vorher schon durch den Konsum des Frauensenders sixx einige Gehirnzellen abhanden gekommen waren. Das hätte eigentlich reichen müssen, um das Schlafpensum halbwegs in den Griff zu bekommen, tat es aber nicht. Deswegen musste mir der Herr Gemahl eben noch die letzten fünfzehn Minuten von “Der große Diktator” nacherzählen, weil ich erst zur Abschlussrede des Barbiers wieder wach geworden war. Danach guckte er noch den ersten Teil von “Der Pate”, während ich auf der Couch schlief und dann irgendwann beschloss, dass das so mit mir und dem Film wohl nichts mehr werden würde und ins Bett umzog.

Dafür wachte ich heute morgen um 6:30 Uhr auf. Eine unheilige Zeit! Wozu ist die gut? Niemand sollte am Ostersonntag um 6:30 Uhr aufwachen und schon gar nicht ich! Um diesem Unsinn aber ein Ende zu machen, steckte ich mir einfach Kopfhörer in die Ohren, machte ein Hörbuch an und wie erwartet schlief ich dann wieder ein. Es ist nämlich quasi unmöglich, ein Hörbuch in liegendem Zustand zu hören und dabei nicht einzuschlafen, jedenfalls wenn man ich ist. Beim nächsten richtigen Aufwachen war es dann 10 Uhr. Schon besser. Damit kann ich umgehen.

Der Lachs, das Huhn und kein Netz

Und dann stand ich heute im Düsseldorfer Kaufhof an der Kö, um Lachs zu kaufen. Frischen Lachs zum Beizen sage ich der Fischverkäuferin, ob ich den hier dafür nehmen könnte. “Den sollten Sie sogar nehmen”, sagt die Fischverkäuferin und entschuppt ihn noch für mich.

Mit dem Lachs in einem feschen Antimikrobenbeutel in der einen und einem Sack Bio-Orangen in der anderen stehe ich dann an der Kasse. Zwei sind offen, an beiden sind Schlangen. Keine langen Schlangen, aber unangenehme Schlangen. So Schlangen mit vielen Leuten, die alle nur wenige Sachen haben, also Leuten wie mich. Vor mir eine Frau mit drei Sachen und vor ihr ein italienischer Einkaufsverbund, der in mehreren Etappen einkauft. Jeder ein bisschen was, das dauert, zur Hälfte sind sie fertig, als der Mann mit dem Huhn kommt.

Der Mann mit dem Huhn darf sich dazwischendrängeln, weil er wohl eben schon mal da war, aber anscheinend noch mal etwas kontrollieren gehen musste. Das Huhn, sagt er, wäre im Sonderangebot für Irgendwas-Neunundneunzig, hier das würde ab 11,27 Euro kosten, das wäre falsch, er hätte wohl schon gerne dieses Huhn, aber eben zu dem Preis, der da stand, oder im Prospekt. Er spricht sehr leise und zaghaft, deswegen verstehe ich die Gesamtproblematik nicht ganz. Die Kassiererin guckt sich das Huhn noch mal an, weiß aber auch nicht mehr und verschwindet dann in den Tiefen des Kaufhofsupermarktes zu Huhnrecherchezwecken. Und kommt erst mal nicht wieder.

Neben unserer Kasse wird eine neue aufgemacht, die Frau vor mir wechselt die Kasse, als ich überlege, mich auch in eine andere Schlange zu stellen, stehen da schon wieder so viele Leute, dass es mir auch schon egal scheint. Unsere Kassiererin kommt bestimmt jeden Augenblick wieder und außerdem will ich jetzt wissen, wie die Geschichte mit dem Huhn ausgeht. Tragisch an der Geschichte ist ja vor allem, dass es im Kaufhofsupermarkt wirklich überhaupt kein Netz gibt. Kein Internet, kein Telefon, man steht also da in der Schlange mit seinem Lachs und wartet auf die Kassiererin mit dem Huhn und kann noch nicht mal lustige Sachen darüber ins Internet schreiben. Schlimm

Die Kassiererin kommt tatsächlich wieder, bespricht kurz etwas mit der anderen Kassiererin, lässt sich dann einen Taschenrechner rüberreichen und rechnet aus, was das Huhn kosten müsste. 10,62 Euro sagt sie dann, das passt dem Mann mit dem Huhn aber immer noch nicht, er sagt etwas, aber wieder so zaghaft, dass ich die Hälfte nicht verstehe, die Kassiererin rechnet noch mal, kommt auf 8,50 Euro, beide Parteien werden sich einig und der Mann kauft das Huhn. Letztlich also ein Happy End.

Im Prolog Epilog darf dann der italienische Einkaufsverbund die letzten Einkäufe bezahlen, dann bin ich dran, bezahle den Lachs und die Orangen und bin tatsächlich noch vor der Frau fertig, die vorher vor mir war.

Im zweiten Prolog Epilog stehe ich in der Küche, stelle fest, dass der Lachs zwar ganz okay, aber doch nicht supersorgfältig entschuppt wurde und kann jetzt “Lachsfilet entschuppen” ins kulinarische Skillset aufnehmen. Ob da demnächst auch noch “Lachs beizen” dazukommt, wissen wir Freitagabend. Es bleibt spannend.

Lieblingstweets im April (Teil 1)

NARWHALES! (Das muss reichen für heute.)

Notenschnitzeljagd

Da komme ich heute morgen vom Brötchenholen zurück und stelle fest, dass jemand eine Notenschnitzeljagd veranstaltet hat. An der Ampel an der Straßenbahnhaltestelle sehe ich die ersten Noten in rosa Kreide auf dem Bürgersteig. Dann zwei auf der Straße. Die Spur führt über die Straße, dann auf die andere Straßenseite und auf dem Bürgersteig weiter.

Wie süß, denke ich, da hat mir jemand den Weg nach Hause gemalt. Passt ja auch, bei den ganzen Instrumenten, die wir so haben und in unserer Funktion als Hausmusikanten. Eine Nachbarin erzählte, dass sie manchmal ihre Wohnungstür aufmacht, damit sie besser hören kann, wenn bei uns Klavier gespielt wird.

Die Notenspur führte aber nur bis zum Musikstudio zwei Häuser vor unserem. Nur noch ein Notenschlüssel, dann war Schluss. Aber hey, immerhin. Fast bis zu Hause.

Noten

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Gelesen: Raketenmänner von Frank Goosen (mit grandiosester Verlosung)

9783462307672Wenn man im Ruhrgebiet wohnt, egal, ob man von hier kommt oder zugezogen ist, kommt man ja an Frank Goosen nicht vorbei. Frank Goosen ist der, der irgendwann mal gesagt hat “Woanders ist auch scheiße”, woraufhin Menschen anfingen, sich diesen allzu wahren Spruch unter anderem an ihre Autokennzeichen zu kleben. Das Ruhrgebiet ohne Frank Goosen ist fast so schwer vorstellbar wie Frank Goosen ohne Ruhrgebiet.

Mit “Raketenmänner” hat Frank Goosen jetzt aber ein Buch geschrieben, das mit dem Ruhrgebiet gar nicht so viel zu tun hat. Statt dessen liest man leicht melancholische Alltagsgeschichten aus dem Leben deutscher Durchschnittsmänner vorwiegend mittleren Alters. Klingt auf Anhieb nicht so spannend? Ist es auch nicht. Soll es aber auch gar nicht sein.

Genau da liegt nämlich der Charme des Buches. Es ist so wunderbar unspektakulär, keine Abenteuer, keine Hochspannung. Dafür Kamerke, Overbeck, Krupke und Sabbo, eigentlich Sabolewski. Den Männern in Goosens Geschichten gehen die Frauen fremd, sie haben doofe Jobs und noch doofere Kollegen, sie träumen vom eigenen Plattenladen oder sitzen im Partykeller des Elternhauses, wo vor vielen Jahren Wildwestpartys gefeiert wurden. Sie irren durch Hamburg und Berlin und wissen nicht wohin oder wenn doch, ob sie da überhaupt hingehören und sein wollen.

Was ihnen gemein ist, ist die Unsicherheit, ob sie in ihrem Leben bisher die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Zweifel plagen sie. Ist das hier das, was ich immer wollte? Und was will ich eigentlich? Und schaff ich das überhaupt noch, jetzt und hier, in meinem Alter mit Frau und Kindern?

Goosen erzählt die geheimen Geschichten der Raketenmänner. Nichts und niemand ist hier perfekt, nicht die Männer, nicht die Frauen, nicht die Jobs, die Autos oder die Leben. Und gerade das macht das Buch so sympathisch. Während man sich die ersten zwei bis drei Geschichten noch mit einem kleinen Stirnrunzeln fragt, was das hier eigentlich soll und wo das hinführen soll, steckt man plötzlich mittendrin in den Raketenmännerleben, die alle irgendwie verbunden sind und die tatsächlich kein Ziel haben. Wie im echten Leben eben.

(Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: Ich habe erst nach ein paar Geschichten verstanden, dass die Geschichten miteinander verknüpft sind. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ein bisschen mehr auf die Namen aufgepasst. Dafür hab ich mir jetzt einfach das Hörbuch gekauft und lasse mir das Buch noch einmal von Frank Goosen erzählen. Jetzt weiß ich ja, worauf ich achten muss.)

“Raketenmänner” von Frank Goosen wurde mir vom Verlag Kiepenheuer und Witsch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Noch besser aber: Ich darf drei Exemplare verlosen. Dafür einfach hier einen Kommentar hinterlassen, und am 13.4. schmeiße ich dann die große Zufallsmaschine an.

Raketenmänner gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung Janssen in Bochum und bei jeder anderen Buchhandlung.

Verlagsinformation zum Buch und zum Autor.

Der Herzlistencheck – Retrospektive I

Anfang Januar machte ich diese Herzliste und ich denke, es ist an der Zeit, zu überprüfen, was davon ich bereits erledigt habe, wo ich gute Fortschritte mache und wo ich mich ranhalten müsste.

Erledigt

Ich war im Folkwangmuseum und in Berlin, mit der Folge, dass ich jetzt noch mal ins Folkwangmuseum und noch mal nach Berlin möchte. Prinzipiell also erledigt. Außerdem habe ich zwei neue Asterixhefte gekauft (“Die goldene Sichel” und “Der Avernerschild”), auch da liege ich also gut in der Zeit.

Dann war ich noch im Schichtbetrieb (lecker), in der Rütteria Lorenzo (sehr nett und lecker), in irgendeinem koreanischen Restaurant in Düsseldorf, wo mich der beste Freund hinschleifte, bei Franz Ferdinand in Bochum, im Feinkostgeschäft Bernstein und Inbar (da kann man auch lecker essen) in Düsseldorf und bestimmt noch irgendwo, wo ich vorher noch nicht war. Die Vermutung, dass der Plan, sechs neue Restaurants auszuprobieren, sehr einfach umsetzbar sein würde, hat sich bestätigt. Das müsste noch nicht mal auf der Herzliste stehen, das passiert bei mir einfach so.

Irgendwie dabei

Gekocht habe ich auch, sogar recht viel, schon allein dadurch bedingt, dass ich ja jetzt wirklich jeden Abend zu Hause bin, und dementsprechend besser planen kann. Ein richtiger Klassiker war allerdings nicht dabei, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern. Kommt aber bestimmt noch.

Das mit dem Französisch lernen klappt hingegen eher so mäßig. Ich habe “Jules et Jim” auf Französisch ohne Untertitel gesehen und war einigermaßen erstaunt, wie viel ich verstanden habe (teils vermutlich auch, weil ich den Film schon kannte, aber ich habe eben auch ganze Dialoge verstanden) und ich höre deutlich mehr französische Musik. Klingt erst mal komisch, hilft aber auch enorm, in die Sprache reinzukommen, da ich das Gefühl habe, dass sich der ganze Sprachgestus und die Sprachmelodie auch übers regelmäßige Hören ein bisschen internalisieren. Möglicherweise bilde ich mir das aber auch nur ein. Demnächst sollte ich vielleicht mal ein Buch lesen oder eben noch mal irgendeinen französischen Film im Original sehen.

Grmpf

Alles andere ist leider noch im “To-Do”-Status. Das ist auf der einen Seite etwas enttäuschend, auf der anderen Seite sind aber auch andere Sachen passiert, mit denen ja nicht zu rechnen war. Das mit dem Techniktagebuch zum Beispiel konnte ja niemand ahnen.

Trotzdem sollte ich wohl hin und wieder einen Blick auf die Liste werfen, damit ich all die Dinge, die ich ja sowieso gerne tun würde, nicht aus den Augen verliere. Und einen neuen Hut brauche ich bald sowieso, jetzt, wo es Frühling wird. Das erledigt sich dann bestimmt auch fast von alleine.

Lieblingstweets im März woanders

Lieblingstweets im März (Teil 2)

WEIHNACHTSPLÄTZCHEN! WEITERBILDUNGSBILDUNG! 63 MELONEN! LACTOSEINTOLERANZ! BOHNENKAFFEE! BLUMENVASEN! HANDTÜCHER! UND IMMER DIESE VERDAMMTEN ASTEROIDEN!

Phonophobia – Die drei ??? live in der Lanxessarena in Köln (27.3.2014)

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Der Abend beginnt etwas chaotisch und mit optimierbarer Kommunikation. Dazu muss man erstens wissen, dass bei uns die Kulturplanung meistens so läuft, dass ich irgendwelche Karten kaufe und den Mann vor die Tatsachen stelle. Das funktioniert deswegen, weil wir beide so gestrickt sind, dass wir fast alles mitmachen, was irgendwie ganz interessant klingt. Andersrum funktioniert es übrigens auch, nur dass ich eben öfter Karten kaufen als er. Zweitens muss man wissen, dass an diesem Tag in Essen-Rüttenscheid eine alte Weltkriegsbombe gefunden wurde und wir anscheinend in irgendeinem Einzugsgebiet lagen, so dass es schon mal damit anfing, dass der Mann nicht mehr noch mal kurz nach Hause fahren konnte, um sich eine Jacke zu holen, sondern direkt vom Büro aus nach Köln fahren musste.

Und dann war es eben so, dass ich offenbar nicht ausreichend gut kommunizierte, womit wir am Abend zu rechnen hatten. Auch die in ein Telefongespräch eingebaute Bemerkung “das ist in der Lanxessarena und die ist ausverkauft” half da nicht. (Dialog bei Ankunft an der Arena: “Was geht denn hier?” “Ich hab doch gesagt, es ist ausverkauft.” “Du hast auch gesagt, es ist ein Hörspiel.”) So kam es dann also, dass wir uns doch etwas später als geplant Sitze im Innenraum suchen mussten und dementsprechend weit hinten saßen, und eben – dazu kommen wir dann später noch – das Auto auf der elften Etage des Parkhauses stand. Ganz, ganz, ganz weit oben.

Aber letztlich war ja dann doch alles gut. Wir saßen, aßen Hot-Dogs und tranken Bier und warteten darauf, dass es losging. Die Bühne rot-weiß-blau beleuchtet, drei Mikrofonständer darauf und dann ging es auch relativ pünktlich los. Die drei ??? live. Auf der Bühne. In der ausverkauften Lanxessarena mit 12.000 Fans. Also. 11.999 Fans und mein Mann.

Die Anfangssequenz mit asiatischer Musik und einem japanischen Dialog, der nicht erklärt wurde (auch nicht auf dem Bildschirm dahinter), aber dessen Bedeutung sich immerhin im Laufe der Geschichte erklärte. Dann blauer Himmel, ein heruntergelassener Heißluftballon und den mit dem Jubel von Tausenden begrüßten Stimmen von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Über die Geschichte will ich zur Abwechslung mal nicht so viel erzählen, denn die Tour läuft ja noch. Anders als bei einer Wagneroper sehe ich bei der Geschichte des Live-Hörspiels jetzt auch nicht unbedingt einen Bildungsauftrag.

So viel sei gesagt: Es geht um Synästhesie, um eine Sinfonie des Angst (das ist auch der Untertitel von “Phonophobia”, fasst es aber tatsächlich überraschend gut zusammen), um ein geheimes Forschungslabor und… ach nein, alles andere wäre schon zu weit vorausgegriffen. Die eigentliche Frage lautet ja vielmehr: Was ist das überhaupt, so ein Live-Hörspiel? Was passiert da? Lohnt sich das?

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In diesem Fall läuft das so: Die drei Sprecher der berühmten Detektive stehen in Anzug und mit Fliege auf der Bühne und tun vermutlich ungefähr genau das, was sie sonst in der etwas intimeren Atmosphäre eines Tonstudios (und vermutlich nicht mit Anzug und Fliege) tun. Nämlich ein Hörspiel sprechen. Die anderen Rollen werden von zwei Sprecherinnen und einem weiteren Sprecher übernommen. Außerdem gibt es einen Geräuschemacher mit allerlei wildem Zubehör (MELONE!) und eine kleine Band. So weit, so gut.

Natürlich bleibt es nicht beim Sprechen. Es wird rumgelaufen (oder so getan, als ob), zwischenzeitlich wird auch mal die Position auf der Bühne gewechselt. Wenn Justus an die Tür klopft, klopft er eben ins Leere, und der Geräuschemacher übernimmt den Ton. Und wenn die zu öffnende Tür eben knarzt und klemmt, dann hört man das nicht nur, sondern sieht auch, wie Oliver Rohrbeck die imaginäre Klinke runterdrückt und langsam die imaginäre Tür öffnet. Zusätzlich gibt es noch die große Monitorwand hinter der Bühne, die entsprechend genutzt wird, um die aktuelle Umgebung zu zeigen oder auch einen spektakulären Ritt auf einer (leider etwas kaputten) Seilbahn mit einer Animation im wahrsten Sinne des Wortes zu untermalen.

Eine Folge der drei ??? ist üblicherweise ungefähr eine Stunde lang, “Phonophobia” dauert gut zweieinhalb Stunden mit Pause. Auch sonst merkt man der Geschichte an, dass sie eben nicht für ein Audiohörspiel geschrieben wurde, sondern für eine Tour durch Deutschlands Stadien erdacht wurde. Alles ist ein bisschen größer als sonst, das Finale kommt fasst etwas überdreht daher, das tut dem Gesamtvergnügen aber keinen Abbruch. Dafür gibt es nicht nur eine Tanzeinlage, die Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck und Jens Wawrczeck doch ein bisschen aus der Puste bringen, sondern auch viele kleine Anspielungen auf die lange Geschichte der drei Detektive aus Kalifornien. Man kann sich das ungefähr wie folgt vorstellen (und hier folgt nun doch ein kleiner Spoiler, wer also nicht mehr wissen will, überspringe den folgenden Dialog einfach):

“Im Black Canyon? Aber da ist doch das…”
“… Gespensterschloss!”
(Frenetischer Jubel aus dem Publikum.)
“Wie lange ist das bloß her?”
Kleine Denkpause.
“34 Jahre.”
(Noch frenetischerer Jubel aus dem Publikum.)

So ein Live-Hörspiel der drei ??? ist ganz klar eine Fanveranstaltung. Kollektives Hörspielhören mit Wohlfühlfaktor und Insiderwitzen und natürlich den Stars vieler Kindheiten live auf der großen Bühne. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch als Nichtkenner der Hörspielreihe seinen Spaß haben könnte. Der Mann hat zwar keine leuchtenden Augen wie ich sie vermutlich habe, ist aber auch nicht gelangweilt und durchaus amüsiert.

Zum Schluss gibt es Standing Ovations für alle Beteiligten. Das waren zweieinhalb Stunden schönster und vor allem unglaublicher sympathischer Unterhaltung mit großartigen Akteuren und einem sehr dankbaren Publikum. Wir schlüpfen zwar noch während des Applauses aus dem Saal und eilen zum Parkhaus, das hilft aber auch nicht weiter, schließlich müssen wir noch zahlen und als wir dann oben angekommen sind, ist schon offensichtlich, dass wir so schnell hier nicht rauskommen. Das verschafft uns noch ein Zwischenspiel beim McDonald’s im Deutzer Bahnhof, aber als wir dann wiederkommen, können wir dann auch rausfahren. Um halb eins fallen wir ins Bett. Aber, das muss man sagen, es hat sich gelohnt.

Die Tour geht noch weiter. Ob es noch Karten gibt, weiß ich nicht, ansonsten gab es zumindest in Köln den ein oder anderen Menschen, der noch vor der Arena Karten zum Verkauf anbot. Wie viel die dann kosten, kann ich aber nicht sagen, ich hatte ja welche.

Gerüchten zufolge wurde die Show, bei der wir waren auch für die DVD-Veröffentlichung gefilmt. Es kann also sein, dass ich demnächst mal irgendwo auf einer DVD ganz klein aber dafür mit umso größerem Grinsen im Publikum zu sehen bin. Ich werde berichten.