Adele, 15.5.2016 in der Lanxess-Arena in Köln

Adele 15.5.2016

Wir sind da. 15.5.2016 in der Lanxess-Arena in Köln. Ich beglückwünsche mich zweifach. Erstens dazu, dass ich überhaupt Karten bekommen habe, zweitens, dass ich aus reinem Zufall welche am 15.5. und nicht einen Tag vorher gekauft habe, weil ich natürlich am Verkaufstermin nicht auf dem Schirm hatte, dass da irgendwann ESC ist. Aber das ist ja jetzt kein Problem, ESC war ja gestern, heute ist Adele. Ein dritter Glückwunsch dann zu den zwar teuren, aber sehr guten Karten. Beim Konzert von Paul Simon & Sting war ich geiziger und es reichte nur für Karten auf den oberen Rängen an der Seite. Leider ist die Akustik in der Lanxess-Arena sehr, sehr mies und wenn man ganz oben sitzt, bekommt man Echos ab, die das ganze Konzert über irritieren. Jetzt sitzen wir direkt mittig und sehr viel weiter unten, was sich später als gute Entscheidung herausstellt. Keine irritierenden Echos dieses Mal.

Adele 15.5.2016

Wir haben einen Fertigcocktail (immerhin für akzeptable 6,50 Euro) und ein großes Bier gekauft, mein Mann holt noch eine Riesenschüssel Popcorn, dann warten wir ab, bis das Konzert losgeht, kein Support vorneweg, das ist gut. Wobei ich generell eine zwiegespaltene Meinung zu Support Acts habe. Einerseits möchte ich, wenn ich auf ein Konzert gehe, den Künstler sehen, für den ich die Karten gekauft habe und zwar möglichst schnell und möglichst lange. Auf der anderen Seite kann man so auch gute neue Künstler kennenlernen. Wallis Bird trat als Support für Emiliana Torrini auf, das war sehr schön, genau so wie Amanda Palmer einfach drei Bands als Support auftreten lies, allesamt auf unterschiedliche Arten spannend. Trotzdem: Ich möchte jetzt Adele sehen und nix anderes. Und Adele sehen wir dann auch.

Nachdem wir minutenlang auf ihre geschlossenen Augen starren konnten, wird es aufgeregter im Publikum. Irgendwas passiert, ich weiß aber nicht was und kann auch nichts erkennen. Im Nachhinein wird klar: Adele wird in einer geschlossenen Kiste in den Saal und zu der mittleren Bühnen gefahren. Das Licht geht aus, die Augen auf der Leinwand gehen auf, es erklingt ein „Hello“, dann noch eins, dann noch eins und dann fährt Adele auf der kleinen Bühne in der Mitte nach oben und es geht los.

Adele 15.5.2016

Natürlich geht es mit Hello los, Adele allein auf der Bühne, von einer Liveband noch nichts zu sehen. Irgendwann macht sie sich, umringt von Security auf den Weg zur großen Bühne, man sieht die Menschen unten im Saal aufstehen, um einen Blick zu erhaschen. Immer noch ohne sichtbare Band wird direkt das zweite Lied angestimmt, Hometown Glory. Im Hintergrund Bilder von London, Adeles Heimatstadt. Im zweiten Refrain singt sie dann nicht mehr über my hometown, sondern über your hometown und zack! Bilder vom Kölner Dom werden gezeigt und das reicht mir eigentlich schon, um gefühlsmäßig am Ende zu sein. Dann heule ich eben jetzt auf einem Konzert hemmungslos rum. Smart move, Adele, smart move. Das Publikum ist außer sich.

Die Frage bleibt aber. Wo bleibt die Band? Oder bleibt das so? Ich bin mit gemischten Erwartungen hergekommen. Einerseits hatte ich immer das Konzert in der Royal Albert Hall im Hinterkopf, das wir mal im Fernsehen sahen und das der Auslöser dafür war, dass ich unbedingt, unbedingt, unbedingt Adele live sehen wollte. Allerdings eben auch, weil Adele so charmant parlierte, weil das Publikum mitsang und weil alles so wundervoll war. Ich war also voll mit Erwartungen und habe genau so damit gerechnet, dass es vielleicht gar nicht so toll wird, wie ich es mir vorstelle. Wundervoll ist es ja insgesamt schon, aber viel parliert hat Adele noch nicht und wo ist die Band?

Die Frage wird beim nächsten Song beantwortet. Tatsächlich habe ich geahnt, was passieren wird, aber die Kamera nicht rechtzeitig in Position bringen können. Denn beim ersten Refrain von One and Only geht auf den Punkt genau das Licht an, die Band ist zu sehen, Adele wird groß auf der Leinwand gezeigt und das Publikum flippt schon wieder aus und ich, na ja, ich weine halt schon wieder vor Freude.

Und dann wird der ganze Abend von vorne bis hinten wundervoll. Bei diesem Konzert wird die Balance zwischen Perfektion und Authentizität so grandios gehalten wie ich es noch nie erlebt habe. Natürlich wissen die Leute genau, was sie machen müssen, um mich (und vermutlich auch alle anderen) emotional zu kriegen, aber das ist ja nicht verkehrt. Trotzdem ist es keine durchinszenierte Show, denn Adele ist Adele, erzählt zwischen den Songs Geschichten, holt Leute auf die Bühne, macht beim Singen Grimassen, die weder albern noch aufgesetzt wirken und ist auf der ganze Linie charmant, witzig, authentisch.

Adele 15.5.2016

Zwei Mädchen aus den vorderen Reihen werden auf die Bühne geholt, weil sie Adele aufgefallen sind. Die beiden sind fassungslos, man hat ein bisschen Angst, dass sie gleich hyperventilieren und umkippen, aber ich würde vielleicht auch hyperventilieren und umkippen, wenn Adele mich umarmen würde. „We saved three years for the tickets“, stammelt eine der beiden und man hat das Gefühl, das sich Adele keine besseren Fans hätte aussuchen können, um sie vor mehreren tausend Menschen zu umarmen.

Adele 15.5.2016

Zu Make You Feel My Love lässt uns Adele unsere Handytaschenlampen einschalten. „I promise you, it looks incredible“ sagt sie und es sieht wirklich ziemlich incredible aus. Immer wieder fragt sie, wo wir herkommen „Someone from… France? From South Africa? From Canada?“ Selbst aus Island ist jemand da, die ganze Welt ist anscheinend nach Köln gekommen, um Adele zu sehen. Auf der kleinen Bühne wandert sie einmal die komplett alle Seiten ab, damit die Menschen sie fotografieren können. Adele ist Diva, aber dann auch wieder nicht. „This was the worst burp“, entschuldigt sie sich und erklärt später: „I could drink anyone of you under the table.“

Auf der großen Leinwand wird neben ein paar Filmen sonst immer nur Adele eingeblendet, niemals die Band. Auch wenn ich es sonst sehr schätze, wenn ich auch das Geschehen auf der Bühne sehen kann, gefällt mir diese Entscheidung. Es bleibt so ein Abend mit Adele, man wird von nichts abgelenkt und jeder im Saal kann ihr beim Singen und erzählen zusehen. Das passt hier ganz wunderbar.

Adele 15.5.2016

Zu Someone Like You darf das Publikum wieder mitsingen. Weil ich klug bin und das geahnt habe (oder eventuell, weil Adele es angekündigt hat), schmeiße ich die Kamera an. Es ist schon sehr ergreifend, wenn eine ausverkaufte Lanxess-Arena gemeinsam singt. Genau wegen dieser Momente wollte ich unbedingt auf dieses Konzert und ich wurde sehr viel mehr als nicht enttäuscht.

Danach gibt es noch richtigen Regen von oben zu Set Fire to the Rain und dann verschwindet Adele wieder nach unten und wird in ihrer Kiste rausgefahren. Das Publikum klatscht und klatscht und klatscht und jubelt, aber vermutlich dauert es etwas länger, wenn man sich erst aus einer Kiste befreien und dann noch irgendwie durch Arena-Geheimgänge wieder auf die große Bühne begeben muss. Denn natürlich kommt Adele noch mal.

Adele 15.5.2016

Drei Lieder gibt es noch als Zugabe, All I AskWhen We Were Young, und Rolling in the Deep. Zu When We Were Young werden Kinder- und Jugendbilder von Adele eingeblendet, Familienalbumbilder, mehr oder weniger vorteilhaft und gerade deswegen wieder so authentisch. Genau diese Bilder gibt es von allen von uns. Natürlich fange ich wieder an zu weinen, weil es so schön ist und so gut passt und dann wird wieder wild auf meiner Emotionsklaviatur gespielt: Das letzte Bild ist ein Bild von der schwangeren Adele. Das ist gemein. Gemein, gemein, gemein, aber eben auch so unglaublich schön.

Zum Schluss werden kleine Papierschnipselchen auf das Publikum geblasen. Adele verschwindet hinter einer Wolke aus weißen Schnipseln und man weiß jetzt nicht, worauf man sich konzentrieren soll und versucht, Schnipsel zu fangen. (Ungeduldige Interessierte spulen in diesem Video weiter zu Minute 3:50.) Das war’s. Vorbei. Und so schön.

Adele 15.5.2016

Als wir auf den Platz vor der Arena treten, sagt mein Mann „Das beste Konzert, auf dem wir je waren!“ und ich kann nur zustimmen. Jederzeit wieder, am liebsten sofort und wenn es geht, noch weiter vorne, aber egal, Hauptsache wieder. Völlig euphorisiert laufen wir Richtung Parkplatz, essen noch eine Kleinigkeit beim Mexikaner und fahren dann voll mit Gefühlen nach Hause.

Die geretteten Papierschnipsel liegen auf dem Nachtisch. Adele sagt „Hello“ und „We could have had at it all“, aber nach diesem Konzert kann man eigentlich nur glücklich feststellen, dass man nicht nur alles hätte haben können, sondern eigentlich auch alles gehabt hat.

Adele, 15.5.2016

Die Setlist gibt’s hier.

Best of Unterbewusstsein II (oder III oder so)

Seit knapp drei Monaten schreibe ich jetzt meine Träume auf. Dabei habe ich ja schon einiges gelernt, zum Beispiel, wer am häufigsten in meinen Träumen vorkommt, dass ich kaum Albträume habe, dass ich öfter von Hunden als von Katzen träume und einiges mehr.

Aber man lernt ja immer mehr dazu. Tatsächlich bin ich im letzten Monat etwas nachlässiger geworden und stürze mich nicht mehr in der ersten Sekunde nach dem Aufwachen aufs Handy. Entsprechend gab es doch ein paar Nächte, bei denen ich mich beim Aufschreiben an gar nichts mehr erinnern konnte oder nur noch Stichworte hinschrieb, in der falschen Annahme, ich könnte mir daraus später den kompletten Traum zusammenbasteln. Allerdings finde ich das auch gar nicht mehr so schlimm. Zwischenzeitlich hatte ich einige Nächte mit wenig Traumerinnerung und kurzfristig Angst, es würde sich jetzt auf ein bis zwei Erinnerungen pro Nacht einpendeln. Dann gab es aber auf einmal wieder Morgen, in denen ich Absatz um Absatz notierte und dann war wieder alles gut. Es ist auch in den letzten Wochen von abstrakten Fetzen bis zu sehr detaillierten Notizen alles dabei gewesen.

Auf Symboldeutung gebe ich ja nichts, aber ich glaube schon daran, dass Träume irgendwas mit der Realität zu tun haben. In der Nacht auf den 1. Mai träumte ich zum Beispiel folgendes:

Man kann sein Abitur nachholen, aber ich habe einen Tag vorher noch immer nichts gelernt, vor allem geht es um Mathe. Die Regel ist wohl die, dass wenn man eine bessere Note erreicht, diese auch offiziell als Abiturnote genommen werden kann, wenn sie schlechter ist, passiert nichts. Ich weiß auch gar nicht mehr, was alles an Stoff drankommen könnte. Meine anfängliche Euphorie, dass ich in Mathe ja immer sehr gut war, weicht der Erkenntnis, dass das alles aber schon über fünfzehn Jahre her ist und ich leider alles vergessen habe.

Deswegen gehe ich bei meinen Eltern in den Keller, um noch meine alten Schulunterlagen zu suchen. Auf einem Tisch liegen ganz viele Schulhefte, darunter zumindest zwei von der elften Klasse. Der Rest scheint Grundschule zu sein, es sind alles kleine Hefte. Außerdem liegen ganz viele Glanzbilderbögen da.

Einen Tag später sollte ich auf der re:publica einen Vortrag halten, den ich… sagen wir mal… bis zu diesem Zeitpunkt vor allem gedanklich vorbereitet hatte. Zwei Nächte vorher ließ mich mein Unterbewusstsein also auf recht eindringliche Weise wissen, dass ich eventuell doch ein bisschen knapp dran war mit meiner Vorbereitung. (Es hat dann aber doch noch alles geklappt.)

Ich verarbeite aber auch Erlebtes immer sehr schön und teilweise sehr direkt nachvollziehbar. In den Tagen um die re:publica wimmelte es in meinen Träumen von Menschen, die ich dort getroffen hatte. Dass ich immerhin jetzt schon drei Mal von kurz vorher Verstorbenen Prominenten geträumt habe (Willemsen, Peter Lustig, Genscher) ist auch ein ganz gutes Indiz. Solange ich nicht von Leuten träume, kurz bevor sie sterben, mache ich mir da noch keine Sorgen. Genscher traf ich (sozusagen) in der Nacht auf den 6. April:

Ich treffe Genscher, der in einem kleinen Wintergartenkabuff sitzt und gleichzeitig Klarinette und Akkordeon spielen kann. Ich wette, dass er ein bestimmtes Stück nicht spielen kann. Ich will auf der Klarinette mitspielen, aber alle meine Blätter zerbröseln.

(Sehr netter Typ, übrigens, zumindest in diesem Traum.)

Es ist mir auch zum ersten Mal gelungen, eine Melodie aus einem Traum halbwegs in die Realität zu retten, etwas, von dem ich bisher immer dachte, es ginge nicht. (Und ja, ich habe schon mehr als einmal geträumt, ich hätte eine gute Songidee.) Die Melodie war dann erschreckend unspektakulär, vielleicht war es also doch nicht ganz das, was ich im Traum sang, aber ich nehme die Erfolge, wie sie kommen. Der dazugehörige Traum ging so:

K. und ich laufen durch einen Wald und sie fängt an, ein Lied zu singen, selbst ausgedacht und auf Englisch. Ich übernehme den nächsten Teil, aber natürlich ist der Text total albern. Bei der Strophe schalte ich die Aufnahmefunktion des iPhones ein.

Besonders auffällig sind die vielen Zugträume. Oft verpasse ich Anschlusszüge oder strande an besonders ungünstigen Bahnhöfen. Manchmal fahre ich die falsche Richtung oder muss mich beeilen, um noch schnell aus dem Zug zu kommen. Auch hier sehe ich eine gewisse Verbindung zu meinem Alltag, wobei ich mich beim täglichen Pendeln relativ selten in den falschen Zug setze und nur im Sonderfall in Gelsenkirchen oder Wuppertal strande.

Ein paar Beispiele gibt es abschließend noch und dann können wir uns mit Spannung auf die nächsten zusammengefassten Traumerkenntnisse freuen.

Bin in Wien und will nach Hause fahren. Erwische aber den falschen Zug und fahre in die verkehrte Richtung. Das merke ich aber erst an der nächsten Station und muss da sehr schnell meine Sachen packen um auszusteigen. Es stellt sich raus, dass ich erst sehr viel später eine Direktverbindung nach Hause bekomme (erst gegen 18 Uhr). Ich vermute, dass es einfacher sein könnte, zumindest bis nach Wien zurückzufahren, es lässt sich aber überhaupt nicht gut rausfinden, welcher Zug in Wien hält.


Mit meinem Mann in Estland, bin allein mit dem Bus unterwegs. Anscheinend bin ich aber in einem falschen Bus und lande in einer anderen Stadt. Bei mir ist ein anderes Pärchen, die sich mit mir unterhalten. Von dem Ort, wo ich lande, muss ich meinen Mann anrufen, damit er mich mit dem Auto abholt, weil ich auch gar kein Geld dabei habe.


Ich bin dauernd mit Zügen unterwegs, bzw. muss darauf achten, dass ich pünktlich am Bahnhof bin. Vor allem versuche ich, von Münster nach Hause zu kommen. Es fährt aber kein Zug durch und die Umsteigeverbindungen kommen mir teilweise unsinnig vor.


Ich muss irgendwo nach Baden-Württemberg, es ist aber sehr umständlich dorthin zu kommen. Mein erster Zug ist zu spät, darum verpasse ich in Fulda einen wichtigen Anschlusszug nach Hagen. Ich gucke die nächsten möglichen Bahnverbindungen nach. Es gibt noch eine über Opladen, die zunächst gar nicht so schlimm aussieht, weil man bis Opladen nur 30 Minuten fahren muss. Dann stelle ich aber fest, dass der Anschlusszug von Opladen eine komische Bezeichnung hat und wohl ein Privatzug ist, für den ich Aufschlag bezahlen müsste und das sehe ich eigentlich nicht ein. Alle anderen Verbindungen dauern endlos lange und ich hadere, ob ich die Reise noch antreten soll oder ob ich wieder zurück nach Hause fahren soll.


Ich bin in Essen und muss nach Witten (glaube ich). Bin insgesamt etwas spät dran. Als ich aufs Gleis komme, steht da schon ein RE (doppelstöckig), in den ich noch schnell reinspringe. Der Zug ist ziemlich voll. Erst im Zug gucke ich dann auf dem Handy, wie spät es ist (20:07) und in welchem Zug ich eigentlich bin. Es stellt sich raus, dass ich in einem Zug nach Gelsenkirchen bin, also der ganz falschen Richtung. Die nächste Station, wo ich dann wohl wieder aussteigen werde, ist Hochheim.

Erstaunlich ist hier wieder, wie schön detailgenau ich träume, inklusive Uhrzeiten und erfundener Haltestelle- bzw. Ortsnamen. Dass Gelsenkirchen jedoch von Essen aus gesehen wirklich nicht Richtung Witten ist, stimmt hingegen wieder. Die geographischen Verhältnisse des Traums davor sind natürlich komplett daneben, das fiel mir zwar schon im Traum auf, da man aber an Traumfahrplänen nichts macht, musste ich den Unsinn akzeptieren und irgendwie damit arbeiten.

In der nächsten Folge arbeite ich dann vielleicht mal die Hundeträume auf. Davon habe ich ähnlich viele. Hunde und Züge. My life in a nutshell.

Lieblingstweets im Mai (Teil 1)

DISKRETIONSSTRICHTE! TERRARISTIK-BÖRSEN! BOLLERWAGEN VOLL WELTLITERATUR! BRAUSEPULVER! SCHROTTWICHTELN! UND WIEDER GANZ VIEL VOM BÄR!

Gelesen im April 2016

Schlaft doch, wie ihr wollt: Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern von Stephanie Grimm

Ein Buch übers Schlafen trifft ja ähnlich mein Spezial-Expertisengebiet wie ein Buch übers Liegen. In diesem Fall steckt aber sogar Wissenschaft dahinter, und so erfährt man, was man übers Schlafen schon so alles weiß, aber auch erstaunlicherweise, was man alles noch nicht so weiß. Es geht um Schlafphasen, ums Träumen, wofür Schlafen überhaupt gut ist, über das Schlafen in verschiedenen Kulturen und natürlich auch darum, wie viel Schlaf gut für uns ist und warum wir ganz dringend ausreichend viel schlafen sollen. Als große Verfechterin des Vielschlafens habe ich mich sehr über dieses Buch gefreut. Der populärwissenschaftliche Ansatz geht hier auch gut auf, die Autorin verheddert sich nicht in komplizierten wissenschaftlichen Zusammenhängen, man fühlt sich beim Lesen aber auch nicht chronisch unterfordert, das ist alles schön runtergebrochen und angemessen zusammengefasst. Für mehr und besseres Schlafen!

Schlaft doch, wie ihr wollt: Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern von Stephanie Grimm [Amazon-Werbelink]

 

The Fifth Season von N. K. Jemisin

Für den Online-Buchclub gelesen. Ganz grandiose Fantasy von N. K. Jemisin. Im Prinzip konnte ich nur deswegen im Zug nach Berlin nicht meinen Vortrag für die re:publica vorbereiten, weil ich wirklich ganz dringend weiterlesen wollte. Dabei beginnt die Geschichte sehr sperrig, durch die ersten Kapitel muss man sich durcharbeiten, dann kommt aber alles in Fahrt, und man versteht, wie diese Welt funktioniert. Die Erde in The Fifth Season ist zerbrochen, ein riesiges Erdbeben ist der Auslöser, man richtet sich auf Jahre oder gar Jahrzehnte harten Lebens ein. Diese fünfte Jahreszeit gibt es immer wieder, Auslöser sind tektonische Ereignisse, die das Gesamtgefüge so durcheinander bringen, dass es in dieser Jahreszeit immer ums nackte Überleben geht.

In diesem Zusammenhang lernen wir Damaya, Syenite und Essun kennen, drei Frauen, orogenes, also Menschen, die die Bewegungen der Erde nicht nur spüren, sondern auch kontrollieren können und von den anderen gefürchtet sind, weil ihre Fähigkeiten unkontrolliert eine Gefahr darstellen. Irgendwo gefangen zwischen Macht und Unterdrückung werden orogenes respektiert und gleichermaßen gehasst.

So schlecht es sich beschreiben lässt, so fesselnd ist dieses Buch, wenn man sich eben erstmal reingelesen hat. Keine leichte Fantasylektüre, dafür umso lohnenswerter.

The Fifth Season von N. K. Jemisin [Amazon-Werbelink]

Webgedöns am 10.5.2016

Der NABU ruft zur Stunder der Gartenvögel auf und das Nuf erklärt, worum es geht. Als Biologentochter für mich natürlich von besonderem Interesse. Mein Vater nutzt ja sowieso das Internet, um seine Vogelsichtungen zu dokumentieren, aber natürlich habe ich vergessen, wie die Seite heißt, wo das geht.

Christoph Koch hat die amerikanische Köchin Alice Waters interviewt: „Unsere Gesellschaft hat verlernt, zu kochen“

Rafael Casal spielt in Hobbes and Me Calvin-and-Hobbes-Strips nach. Das funktioniert erstaunlich gut.

The Science of Baking in One Graphic. Exactly what it says on the tin.

Ein Rezept für failproof crêpes. Müsste ich natürlich als stolzer Proficrêpeeisenbesitzer auch sofort ausprobieren. Das perfekte Crêpe-Rezept zu finden ist tatsächlich gar nicht so einfach.

Webgedöns am 8.5.2016

#rpTEN-Nachlese, Teil 1

Mittlerweile im vierten Jahr habe ich mich auf der re:public rumgetrieben und mittlerweile im dritten Jahr mit eigenen Vorträgen. Der erste davon war direkt am Montag, weswegen ich auch am Montag nicht viel anderes gemacht habe, als mit Leuten zu reden, eine Präsentation zu Ende vorzubereiten, dann immerhin noch einen Vortrag angeguckt habe und dann weiter mit Leuten geredet habe, bis ich dachte, ich treffe vielleicht doch kurz vorher noch mal den anderen Menschen, mit dem ich zusammen auf der Bühne stehen sollte (das ist eine längere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden kann).

Es hat dann aber alles doch überraschend gut geklappt, fast so, als hätten wir uns vorher lange und detailliert abgesprochen und nicht einfach glücklicherweise zum gleichen Thema unterschiedliche Sichtweisen angestrebt.

Angucken kann man das ganze hier, ich rede im zweiten Teil (ab ungefähr Minute 15) darüber, warum Science Fiction gut für uns ist. Man kann sich das aber schön alles angucken, denn auch Uri erzählt ja interessante Dinge über Science Fiction und was wir von ihr lernen können.

Und was ich sonst noch in Berlin so allgemein und auf der re:publica so im Besonderen erlebt habe, das erzähle ich dann alles in den nächsten Tagen.

Lieblingstweets im April woanders

Lieblingstweets im April (Teil 2)

MEHR AKKULAUFZEIT! MURMELTIERE! BAGGER! HOFKNICKSE! TASCHENTUCHFILME! ERDBEERHÄUSCHEN! UND DAS ALLES OHNE GYMNASIALEMPFEHLUNG!

[Werbung] Der Pfau von Isabel Bogdan als Hörbuch

„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“

So beginnt der erste Roman von Isabel Bogdan und man ist sofort mittendrin in der Geschichte. Besagter Pfau lebt auf einem Anwesen in den schottischen Highlands, genauer gesagt auf dem Anwesen von Lord und Lady McIntosh, die die kleinen Cottages an Feriengäste vermieten, weitab von allem, nur die Natur und natürlich die Pfauen.

Und dann wird einer der Pfauen verrückt und greift alles an, was blau ist und glänzt. Das ist einerseits nicht so schlimm, denn in der Natur gibt es recht selten Dinge, die blau sind und glänzen. Es sei denn natürlich, man hat eine Gruppe von Bankern aus London zu Gast, die für ein Teambuildingevent weit, weit weg nach Schottland geschickt wurden, samt Teambuildingcoach und Köchin und samt dem neuen blauen Auto der Teamchefin.

Es kommt, wie es kommen wird, das Auto muss leiden und Lord McIntosh trifft eine schwere Entscheidung zu Ungunsten des verrückten Pfaus. Aber hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende, im Gegenteil, sie fängt erst an, und der arme Pfau muss gleich mehrere Tode sterben.

Isabel Bogdan übersetzt seit Jahren und hat mit Sachen machen schon ein Sachbuch geschrieben. Außerdem bloggt sie und so konnte man der Entstehungsgeschichte des Buches fast live beiwohnen, von der ersten Kurzgeschichte über die Coverlüftung bis zur Lesereise. So war die Freude bei mir umso größer, als bekannt wurde, dass es nicht nur ein Hörbuch geben, sondern dass Christoph Maria Herbst das Hörbuch einlesen würde. Man hätte sich keinen anderen Sprecher für diese Geschichte wünschen können.

Dementsprechend hielt ich mich beim Verkaufstag auch zurück, sondern wartete ein paar Tage auf meinen neuen audible-Credit, um ihn schnurstracks gegen das Hörbuch zu Der Pfau einzulösen und in den nächsten Tagen jede freie Minute zum Hören zu nutzen. Die Geschichte vom verrückten Pfau, seinem verfrühten Ableben und den sich daraus ergebenen Missverständnisse und Verwirrungen ist raffiniert erzählt und am Ende lernt man auch als Leser die wichtigste Teambuildinglektion: Kommunikation ist wichtig.

In einem Interview mit dem Argon Verlag, bei dem das Hörbuch erschienen ist, erzählt Herbst auch von den Herausforderungen bei der Aufnahme:

Die größte Herausforderung bei diesem Hörbuch war für mich sicher, mich selbst ganz stark zurückzunehmen, um der Erzählweise gerecht zu werden. Ich komme ja beispielsweise ganz stark vom Dialog, wo ich den Figuren dann gerne Erkennungsmerkmale verpasse, Eigenarten. In Der Pfau gibt es nicht eine einzige direkte Rede. Alles wird indirekt erzählt, was auf der einen Seite diese britische Distinguiertheit verstärkt und einen zunächst ein wenig auf Abstand hält, mir auf der anderen Seite aber auch ganz neue Möglichkeiten eröffnete, nämlich nur durch kleinere Tempowechsel oder dezente Modulationen diese lebendige Welt zu kreieren.

Der Pfau bekommt eine All-inclusive-rundum-glücklich-Empfehlung und das Hörbuch noch ein Extrasternchen obendrauf. Kleinere Nebenwirkungen wie das dringende Bedürfnis, Urlaub in Schottland zu machen, sind nicht ausgeschlossen, man könnte beinahe vermuten, sie seien erwünscht, nicht zuletzt basiert die Geschichte (man glaubt es kaum) auf einer wahren Begebenheit. Isabel Bogdan hat eine wunderbar typisch britische Verwechslungskomödie geschrieben, die Christoph Maria Herbst mit offensichtlichem Spaß eingelesen hat.

Isabel Bogdan: Der Pfau, erschienen 2016 bei Kiepenheuer & Witsch, Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst erschienen im Argon Verlag und u.a. erhältlich bei audible.