Gelesen: Die Intelligenz der Bienen von Randolf Menzel und Matthias Eckoldt

Ich habe ein Jahr gebraucht, um Die Intelligenz der Bienen auszulesen und das sagt vermutlich auch schon einiges aus. Zusammengefasst habe ich mir irgendwie etwas anderes versprochen, wobei das ja noch nicht grundsätzlich ein Problem ist, solange da, was man bekommt dann auch gut ist.

Gut ist das Buch, das der Neurobiologe Randolf Menzel zusammen mit dem Autor Matthias Eckoldt geschrieben hat, auf jeden Fall, nur die Zielgruppe scheint mir nicht so ganz definiert worden zu sein. Für den Laien ist das alles eine Ecke zu kompliziert, da hilft auch der Bio-LK und der jahrelange Vorbildung als Entomologentochter nichts. Für den Experten (das kann ich allerdings nicht beurteilen) ist es hingegen vermutlich zu trivial.

Randolf Menzel beschreibt, wie das Hirn der Bienen funktioniert, was man daraus für das Leben und die Wahrnehmung der Bienen und der Zusammenarbeit der Bienen ableiten kann und mit welchen Versuchen er und seine Mitwissenschaftler langsam, aber sicher zu diesen Ergebnissen gekommen sind. Dazu gibt es einen Einblick in seine Wissenschaftlerkarriere, die Rückschläge und Erfolge in der Forschung, die Hindernisse des bürokratischen Unilebens und die Tücken der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Immerhin hat mich das Buch deswegen zum Pluspunkt „Autor beschreibt eigene Irrwege oder falsche Annahmen im Verlauf seiner Arbeit“ für Kathrin Passigs automatischer Sachbuchkritik inspiriert.

Das alles wird angenehm unprätentiös und mit deutlichem Hang zur Selbstkritik erzählt, schon alleine deswegen habe ich das Buch gerne gelesen, auch wenn es mich immer wieder an meine Grenzen getrieben hat. Wohlwollend vermute ich, dass das Thema „Bienenneurologie“ einfach ein komplexes und kompliziertes Thema ist. Ein geduldigerer Leser hätte vermutlich auch bei der ein oder anderen Stelle zurückgeblättert, nebenbei gegoogelt oder jede Fußnote nachgeschlagen, aber dieser Leser war ich leider nicht. So ist nicht jedes Detail der Bienenhirnforschung auch sicher bei mir angekommen, ein besseres Verständnis habe ich trotzdem.

Zum Ende hin wird es dann auch wieder etwas gefälliger, in den letzten Kapiteln geht es um die Zusammenarbeit im Bienenstock, um den Schwänzeltanz, um Orientierung und um den Einfluss von Pflanzenschutzmitteln auf die Bienen. Das war insgesamt etwas näher an meiner Nicht-Neurobiologen-Realität, und ich kam mir nicht zwischen lauter Fachbegriffen und Versuchsaufbauten ganz verloren vor.

Wer sich für Bienen und ihre Bienenköpfchen interessiert, ist hier richtig, muss sich aber auf eine fordernde Lektüre einstellen.

Randolf Menzel und Matthias Eckoldt: Die Intelligenz der Bienen, erschienen 2016 im Knaus Verlag, 391 Seiten [Amazon-Werbelink]

Verlagsseite

Die Hundeflüsterin

Ich bin keine Hundeflüsterin, aber ich kann gut mit Hunden. Also, den meisten Hunden. Sogar Emil, der introvertierte Dackel der Architektin in unserem Haus kam letztens kurz an, um an meiner Hand zu schnüffeln, dampfte dann aber schnell wieder ab.

Gestern stand ich in der S-Bahn im Türbereich, gegenüber ein wirklich extrem niedlicher, offensichtlich noch recht junger Hund, der etwas schüchtern, aber doch neugierig ankam, und meine Hose intensiv beschnupperte.

„Haben Sie auch einen Hund?“ fragte die Hundebesitzerin.

„Nein.“

„Katzen?“

„Nö.“

„Hm.“ Sie guckte noch mal auf den Hund. „Eigentlich ist sie sonst sehr schüchtern und macht sowas nicht.“

„Die merken halt, wenn man sie mag“, sagte ich.

Dann kam meine Haltestelle und ich musste aussteigen.


Das erinnerte mich an eines meiner größten Hundekomplimente, das ich je bekommen habe, nämlich in einer Agentur in Wien, in der es mindestens vier Bürohunde gab. Zwei liefen durch die Gegend, einen sah ich gerade auf dem Weg zur Mittagsgassirunde und dann lag da noch einer unter dem Schreibtisch einer Mitarbeiterin.

Der Hund guckte mich an, ich guckte den Hund an, der Hund legte den Kopf schief, stand auf und trottete zu mir herüber.

Etwas irritiert stand die Hundebesitzerin auf und kam hinterher.

„Das… äh… der geht sonst nicht zu Fremden“, sagte sie verwundert, während ich den Hund kraulte.

Das wird schon irgendeinen Grund haben, dass ich einen Hund will, seit ich denken kann.

(Mit Katzen kann ich aber übrigens auch.)

Wie ich lernte, nicht mehr immer selber einzukaufen

Ein Thema, das das Internet (oder zumindest mein Internet) aktuell beschäftigt, ist der Spülsexismus. Ausgehend von dem Comic „You Should’ve Asked“ von Emma, die auch den schönen Begriff mental load erklärt, habe ich mehrere Artikel gelesen, die das Problem der Arbeitsteilung im Haushalt angingen. Es geht hier im Wesentlichen um die Frage, wie selbstverständlich wer in welchem Maße was tut und eben auch darum, ob klassische Hausarbeit immer noch hauptsächlich von Frauen erledigt wird.

Ich finde dieses Thema sehr spannend. Grundsätzlich habe ich mit meinem Mann Glück gehabt und würde behaupten, dass bei uns die Arbeit prinzipiell gerecht aufgeteilt ist. Wir haben auch keine Kinder, was vieles vereinfacht. Aber ich habe auch in den letzten Jahren gelernt, bei bestimmten Sachen loszulassen und Aufgaben abzugeben und dafür andere Dinge öfter zu übernehmen. Dieser Prozess ist überraschend schwierig, denn man muss auf einmal damit klarkommen, dass nicht alles genauso gemacht wird, wie man es selber machen würde. Hat man diesen Schock aber einmal überwunden, setzt die Phase der Erleichterung ein, aber dazu kommen wir später noch.

Was mich an vielen Beiträgen zu diesem Thema stört ist, dass sich alle einig sind, dass es so nicht gut ist und dass man auch relativ sicher ist, dass es nicht reicht zu diskutieren, allerdings konkrete Lösungsansätze fehlen. So dreht man sich dann im Kreis der Problembestätigung und kann so sicherlich auch ein paar Jahre weitermachen, nur ist damit natürlich auch niemandem geholfen. Deshalb an dieser Stelle ein paar Erfahrungen und Hinweise, wie man vielleicht doch ein paar Schritte vorwärts kommt.

 

Das Wort „Helfen“ verbannen

Der erste Schritt besteht darin, dass Wort helfen in Bezug auf Alltagsaufgaben aus dem Wortschatz zu verbannen. Nein, der Partner „hilft“ einem nicht, er erledigt seinen Teil der Aufgaben.

Natürlich gibt es durchaus auch Situationen, wo das Wort angebracht ist, aber eben für sehr konkrete Bitten, vor allem, wenn es um Dinge geht, die man wirklich nicht alleine erledigen kann, das schwere Paket die Treppe hochtragen zum Beispiel oder das Brett festhalten, während der andere eine Schraube reindreht.

Ansonsten wird ab sofort nicht mehr geholfen, nicht mehr beim Spülen, nicht beim Putzen, nicht beim Aufräumen, nicht bei der Wäsche, nicht beim Kinder-ins-Bett-bringen und auch sonst bei keiner Alltagsaufgabe.

Vor kurzem geisterte ein englischer Facebookbeitrag eines Mannes durch meine Timeline, der sinngemäß (ich finde den Beitrag leider nicht mehr, für Hinweise bin ich dankbar) sagte: Ich helfe meiner Frau nicht. Das ist zu fünfzig Prozent meine Wohnung und mein Haushalt, also ist es auch zu fünfzig Prozent meine Verantwortung.

 

Menschen sind unterschiedlich

Ich putze nicht. So. Jetzt ist es raus.

Ich putze nicht, weil ich einen Partner habe, der ein anderes Sauberkeitsbedürfnis hat und in der Zeit, die ich brauche, um etwas als dreckig wahrzunehmen, schon drei Mal drüber gewischt hat. Das war lange Zeit ein großes Konfliktthema, denn für ihn existierte ein Problem, das in meiner Welt nicht existierte. Für ihn existierten sogar zwei Probleme, nämlich erstens, dass es dauernd dreckig war und zweitens, dass ich mich irgendwie nicht dafür interessierte. Es hat überraschend lange gedauert, bis wir verstanden habe, warum wir uns nicht verstanden haben.

Für ihn war es vollkommen unverständlich, dass ich den Dreck nicht wahrnehmen würde und für mich war es unverständlich, dass er dauernd unzufrieden war, obwohl die Wohnung doch sauber war. Es hilft dann tatsächlich, darüber zu sprechen, allerdings am besten in einer Situation, wo nicht eine Person gerade wieder genervt ist, weil sie etwas tun musste, was der andere doch auch hätte machen können. Das Geheimnis ist: Der andere hat es einfach nicht als zu behebenden Missstand wahrgenommen. Nicht aus Bosheit, noch nicht mal aus Faulheit oder in der Gewissheit, dass der andere es schon erledigen würde, sondern einfach, weil er oder sie es nicht wahrgenommen hat.

Beziehungsarbeit ist eben auch, die Bedürfnisse des Partners kennenzulernen und zu respektieren. Was einen selber stört, empfinden andere nicht als störend, dafür sind sie furchtbar von Dingen genervt, die einem selber komplett egal sind. Es ist dann auch vollkommen unerheblich, ob man die Bedürfnisse des anderen nachvollziehen kann, man muss sie nur verstehen und respektieren und in seinen eigenen alltäglichen Handlungen berücksichtigen.

Ich weiß jetzt, dass meinen Mann die Krümel auf dem Tisch nerven, deswegen wische ich einmal drüber, obwohl ich selber auch mit einem ungewischten Tisch prima klarkommen würde. Dafür achtet er darauf, dass das Besteck zusammenpasst, wenn er den Tisch deckt, weil ich sonst noch mal in die Küche laufen und neues Besteck holen muss.

 

Einfach mal nicht machen

Eine einfache Lösung, die aber oft nicht gesehen wird ist, Dinge einfach nicht mehr zu tun. Das ist auch zugegebenermaßen nicht so einfach, wie es am Anfang klingt, denn je nach charakterlicher Disposition muss man so ein Nichtstun auch aushalten können. Man kann zum Beispiel im Kleinen anfangen und einfach mal nicht die leere Toilettenpapierrolle wegschmeißen und eine neue dranhängen. Das ist eine einfache Übung, um erst mal zu gucken, was passiert, wenn man etwas nicht tut. Im nächsten Schritt räumt man halt nicht die liegengebliebenen Klamotten vom Boden auf und schmeißt sie in den Wäschekorb. Oder – wenn man noch ausreichend saubere Kleidung hat – man wäscht halt mal einfach nicht. Oder eben: Man kauft halt mal nicht ein.

Was man nicht tun kann und was sich für diese Übung doch nicht so gut eignet, ist individuell und hängt auch von den Lebensumständen ab. Man kann die Konsequenzen vorher Gott sei Dank grob abschätzen. Wenn man nicht einkauft, muss man sich an den Vorräten bedienen, hungern, Pizza bestellen oder auswärts essen. Das klappt deutlich besser, wenn man keine Kinder hat (wobei die das mit der Pizza vielleicht gar nicht so schlimm fänden). Wenn man die Wäsche nicht wäscht, sind irgendwann keine sauberen Unterhosen mehr da. Im besten Fall ist der eigene Unterhosenvorrat größer, so dass der Partner schneller den Leidensdruck der nicht gewaschenen Wäsche zu spüren bekommt. Auch in dem Fall funktioniert es vermutlich besser, wenn man keine Kinder hat und es nur darum geht, ob der Partner mit einem hässlichen Hemd und Koalabärsocken ins Büro muss.

Dinge nicht zu tun ist anstrengend, gerade, wenn man sie vielleicht gar nicht so ungern macht, es wenig Aufwand wäre oder man eben selber unter den Konsequenzen leidet. Gerade deswegen ist diese Lösung so unbeliebt. Im schlimmsten Fall hat man einen Partner, den die Unordnung tatsächlich nicht stört und genug Geld, um jeden Abend Pizza zu bestellen, dann setzt auch der erwünschte Lerneffekt nicht ein und man muss sich etwas anderes überlegen. Im Normalfall stört es den anderen aber schon, lediglich die Leidensdruckschwelle ist etwas anders justiert.

Es hilft übrigens, wenn man selber ausreichend faul ist und einem das Nichtstun nur in seiner Konsequenz, aber nicht so sehr als Handlung per se stört. Man darf sogar schummeln und die eigenen Unterhosen waschen oder nur genau die Sachen einkaufen, die man selber mag. Das eigentliche Ziel der Übung ist, dass der andere selber auf die Idee kommt, etwas zu erledigen und es eben genau nicht gesagt bekommen muss.

In dem Artikel „Spülsexismus oder: Der sieht das einfach nicht“ von Mareike Döring heißt es:

Letztlich entsteht hierdurch aber auch ein Machtungleichgewicht. Wenn man sich mit Frauen* über das Zusammenleben mit Männern* unterhält, hört man nicht selten einen bestimmten Satz: «Der sieht das einfach nicht». Das ist nicht unbedingt als Anschuldigung gemeint, sondern eher der Ausdruck von Frust, der entsteht wenn jemand eine Woche lang über einen vollen Müllsack im Flur steigen kann. Im Grunde gibt es dann nur zwei Wege: 1. Man macht es eben doch selbst (auch wenn man sich vorgenommen hat es diesmal nicht zu tun) oder 2. Man weist darauf hin. Aber in beiden Fällen liegt die Verantwortung bei der aktiven und die Macht bei der passiven Partei.

Ich möchte hier noch einen dritten Weg vorschlagen: Den Müllsack stehen lassen, bis sich die Nachbarn beschweren. Das klappt auch nicht immer und kommt ein bisschen auf die eigene Geruchsempfindlichkeit und die Nachbarn an, aber der Weg existiert. Bei welchen konkreten Anlässen man ihn beschreitet und ob er immer zum Ziel führt, ist eine andere Frage.

 

Nicht verbessern

Hier kommt die zweite Durchhalteprüfung: Wenn der Partner tatsächlich Aufgaben erledigt, die vorher in den eigenen Zuständigkeitsbereich fielen, darf man nicht als großer Experte auftreten und zeigen, wie es richtig geht. Ich kann es nur aus eigener Erfahrung sagen. Da steht man nämlich gerade tapfer und eifrig dabei und tut etwas, was man vorher noch nie oder nur sehr selten gemacht, versucht ernsthaft sein Bestes und bekommt erstmal ein „Du machst es ja ganz falsch. Guck mal, wenn du es so machst wie ich, dann…“ zu hören.

Ich bin eine erwachsene, insgesamt sehr ausgeglichene Frau mit durchschnittlichem Geduldsfaden, aber auch bei mir dauert es dann ein niedrige Sekundenzahl, bis ich „Dann mach die Scheiße doch selber, wenn du es eh besser kannst!“ rufe und erbost Dinge auf den Boden werfe. Für die meisten Haushaltsaufgaben gilt sowieso: Es gibt meistens gar kein richtig und falsch, es gibt nur ein anders. Weil man aber etwas jahrelang alleine auf eine bestimmte Art erledigt hat, unterliegt man dem Irrglauben, das wäre die einzig richtige Art es zu tun.

Man kann die Wäsche anders aufhängen, die Spülmaschine anders einräumen und im Supermarkt andere Dinge kaufen. Man kann das Wohnzimmer von links nach rechts oder von vorne nach hinten saugen und die Papierstapel im Arbeitszimmer nach unterschiedlichen Kriterien sortieren. Natürlich gibt es auch richtig und falsch, aber darum geht es beim Korrigieren meistens nicht. So gerne wir möchten, dass der andere dies oder das auch mal erledigt, so schwer fällt es uns, zuzusehen, wie er oder sie die Arbeit völlig anders angeht. Auch hier kann man erstmal nur aushalten, etwas verzweifelt die Hände wringen, aber um Gottes Willen nichts sagen, es sei denn, man sieht, dass der Wollpullover in der 60-Grad-Wäsche landet oder das nicht spülmaschinenfeste Geschirr von Oma in die Spülmaschine geräumt wird. Dann, und nur dann, darf man etwas sagen.

Sobald sich die neue, schönere, bessere und gerechtere Aufteilung etwas gefestigt hat, darf man übrigens auch was sagen. Sollte die eigene Arbeitsweise nämlich tatsächlich besser sein, wird der Partner die guten Hinweise auch als solche einschätzen können und wenn nicht, ist es sein eigenes Problem.

Bei mir war es vor allem das Einkaufen, das ich schlecht abgeben konnte. Als auszuführende Aufgabe schon, aber am liebsten mit dem exakt gleichen Ergebnis, dass auch bei mir rausgekommen wäre. Ich habe gelernt: Mein Mann kauft andere Dinge ein als ich, aber man kann sie genauso gut essen und verbrauchen. Wenn man das einmal verstanden hat, ist man sogar doppelt erleichtert. Man hat nämlich nicht nur das Einkaufen abgeben, sondern auch die Entscheidung, was gegessen wird. Natürlich sprechen wir uns auch ab, ob es konkrete Wünsche gibt, was fehlt und was noch besorgt werden muss, aber ich habe gelernt, dass ich auch „Kauf einfach, was du meinst“ sagen kann und mein Leben dadurch nicht schlechter wird.

Warum gut gemeinte Ratschläge auch in anderen Bereichen kontraproduktiv sein können, darüber haben Kathrin Passig und ich auch schon in der Wired geschrieben.

 

Automatismen und Pläne

Menschen und ihre Bedürfnisse können sich ändern, aber man kann nicht jede erwünschte Veränderung erzwingen. Ich nehme zum Beispiel Schmutz immer noch nicht so wahr, wie mein Mann es tut. Aber ich wische jetzt einfach grundsätzlich Tische und Oberflächen nach dem Kochen und Essen ab. Ich habe Automatismen entwickelt und mache jetzt Dinge, die ich vorher nicht gemacht habe, einfach in bestimmten Situationen.

Wenn Sensibilisierung nicht klappt, dann tun es auch Automatismen und Pläne, an die man sich halten kann. Dann wird eben nach dem Essen der Tisch abgewischt, am Samstag wird gewaschen und am Abend wird alles, was im Schlafzimmer auf dem Boden rumliegt in den Schrank oder den Wäschekorb gepackt. Dann ist eben der eine am Mittwoch mit Einkaufen dran und der andere am Freitag. Zack, aus. Auch hier gilt wieder: Reden hilft. Und wenn sich irgendeine Regel als unpraktikabel oder anderweitig unbefriedigend erweist, muss man sie eben neu machen. Patricia Cammarata hat sehr ausführlich in ihrem Blog darüber geschrieben, wie sie in ihrer Beziehung Aufgaben und Verantwortlichkeiten permanent neu aushandelt und wie auch hier der Einsatz von geteilten Kalendern und Zeitplanungsapps helfen, den Alltag gerechter zu organisieren.

 

Grundsätzlich ist das Zusammenleben mit einem (oder mehreren) anderen Menschen immer ein Rezept für Konflikte. Ich glaube auch daran, dass wir hier nach wie vor ein gesellschaftliches Problem haben, dass man nicht mit ein paar guten Worten und einem Standardrezept gelöst bekommt.

Es ist aber auch so, dass es nicht nur immer die andere Seite ist, die etwas tun muss, damit es besser wird. Ganz selten nur treten Veränderungen ein, weil man mal darüber geredet hat. Menschen lernen besser, wenn sie etwas konkret erfahren. Während man intellektuell schon längst kapiert hat, dass man auch mal die Wäsche machen, die Spülmaschine einräumen oder fürs Abendessen einkaufen könnte, tritt der richtige Verstehensprozess dann ein, wenn man nur noch die löchrigen Strümpfe im Schrank hat, kein sauberes Glas mehr im Schrank steht und man den dritten Tag hintereinander Nudeln mit Ketchup essen muss.

Will man Verantwortung abgeben oder zumindest besser aufteilen, dann bedeutet das auch erstmal Arbeit. Vieles davon ist mentale Arbeit. Man muss mit dem Partner reden und zwar so, dass es über „Du musst auch mal helfen!“ hinausgeht. Man muss sich zurückhalten, Dinge nicht tun, den eigenen Leidensdruck aushalten und dabei zusehen, wie Dinge anders getan werden und nichts sagen dürfen. Das ist schwieriger als es klingt, es ist viel einfacher „Na, dann mach ich es halt schnell selbst“ zu murmeln und in alte Verhaltensmuster zu fallen. Aber die Mühe lohnt sich. Ich wage sogar zu behaupten: Für alle Beteiligten.

Lieblingstweets im Juni (Teil 1)

WALLABYS! MOTTENBISSE! KNUTSCHALLERGIE! SMALLTALK! PINIENKERNE! UND MASSLOSE LANGWEILIGE TEXTE!

Was schön war

Gestern:

  • Nach der Arbeit zu Fuß erst am Rhein entlang über die Hohenzollernbrücke.
  • Über Liebesschlösser gefreut.
  • Im Dom gewesen.
  • Richterfenster angeguckt.
  • Ein bisschen aus der Ferne dem Gottesdienst gelauscht und Kerze angezündet.
  • Richtung Neumarkt gelaufen.
  • Acrylfarben, Pinsel, Anspitzer und einen Radiergummi gekauft, weil mein Mann letztens einen Radiergummi brauchte und ich keinen gefunden habe.
  • Quer über den Neumarkt gelaufen, mich geweigert, noch mal nach dem Weg zu gucken, weil ich seit der Lektüre von „Verirren“ (siehe hier) dann immer „Nach dem Weg gucken ist was für Luschen“ denke.
  • Mit Angela im Café 1980 getroffen.
  • Draußen gesessen.
  • Eistee getrunken.
  • Bahn Mi gegessen.
  • Cà phê sữa đá getrunken.
  • Törtchen gegessen.
  • Viel geredet.
  • Zum Neumarkt gelaufen und zum Bahnhof gefahren.
  • Sonnenblume gekauft.
  • In Essen Bahn verpasst und zu Fuß nach Hause gelaufen.
  • Dabei Musicalsongs gehört und lautlos mitgesungen inklusive dramatischer Gesten. Ja, das sieht bescheuert aus, aber es war ja außer mir kaum jemand da unterwegs.
  • Zu Hause angekommen.
  • Ins Bett gegangen.
  • Noch ein Kreuzworträtsel der NY Times zu Ende gelöst und Drei Fragezeichen gehört.
  • Eingeschlafen.

Das war alles schön.

Lieblingstweets im Mai woanders

Mein Teil 1 und Teil 2 sind hier, der Rest folgt wie gewohnt:

1ppm

André Herrmann

Buddenbohm & Söhne Teil 1 und Teil 2

Crocodylus

Ellebil

Familienbetrieb Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

In Between Names

Nullenundeinsenschubser

Pressepfarrerin

Office-Werkstatt

Uschi aus Aachen

Vorspeisenplatte

Gelesen im Mai 2017

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid von Fredrik Backman

Aus Versehen das gekürzte Hörbuch gehört, das kommt bestimmt nicht wieder vor.

Abgesehen davon hat die Geschichte von Elsa, ihrer Oma und den Briefen, die Elsa nach dem Tod ihrer Oma persönlich bei den Nachbarn in Elsas Haus vorbeibringen soll, sehr großen Spaß gemacht. Oma ist anders und Elsa ist auch anders und deswegen ist Oma auch Elsas beste und einzige Freundin. Und dann stirbt Oma und schickt Elsa auf eine Schatzsuche mit unbekanntem Ziel. Elsa weiß nur, dass sie die Briefe persönlich abgeben muss und in jedem Brief entschuldigt sich Oma bei jemandem für etwas und so erfährt Elsa nach und nach die Geschichten der Menschen in ihrem Haus und was sie miteinander und mit ihrer Oma zu tun haben.

Das ist alles bewegend, aber eben auch humorvoll und vor allem nicht übertrieben oder anderweitig nervig geschrieben. Die Figuren zwar immer etwas spleenig, aber nicht unglaubwürdig. Vielleicht muss ich doch noch das Buch lesen, um rauszufinden, was im Hörbuch alles rausgelassen wurde. Ich hätte ja auch die anderen Hörbücher von Frederik Backman direkt im Anschluss gehört, aber auf Spotify gab es immer nur die gekürzte Version und so was passiert mir nicht noch mal.

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Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche von Alina Bronsky

Im Bücherschrank gefunden, „Och ja, why not?“ gedacht und nicht enttäuscht worden, im Gegenteil. Erzählt wird die Geschichte von Rosa, einer Tartarin, die fast alle um sie herum für Idioten hält, allen voran ihr Mann und ihre unscheinbare Tochter Sulfia. Dann wird Sulfia schwanger, die Abtreibung auf dem Küchentisch misslingt und Rosas Enkelin Aminat kommt auf die Welt, das schönste, beste und klügste Kind, das sich Rosa je erträumen könnte, so dass sie die Erziehungspflicht ganz bei sich sieht, denn niemand anders könnte es besser als sie. Doch das Leben will nicht immer so wie Rosa und Sulfia will auch nicht immer so wie Rosa, und überhaupt kommt alles immer wieder anders, bis Rosa ihre Chance darin sieht, Sulfia mit einem Deutschen zu verkuppeln, um endlich mit ihr und Aminat in den Westen zu kommen. Aber auch dieser Plan hat seine Tücken. Am Ende ist dann alles anders, nichts so, wie es sein sollte und trotzdem irgendwie auch gut.

Das liest sich wunderbar flott, mit Schärfe und Humor. Vor allem ist Rosa eigentlich eine unerträgliche Frau, voller Spott und Überheblichkeit, gleichzeitig Heldin und Antiheldin, aber vor allem auch nur ein Mensch, der das Glück sucht und dabei eben Fehler macht.

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Alleine bist du nie von Clare Mackintosh

Eines Tages findet Zoe eine Anzeige in der Zeitung mit ihrem Foto und einer Telefonnummer. Sie ahnt noch nicht, dass sie das unfreiwillige Datingobjekt einer obskuren Webseite ist, die die Alltagsroutinen von Frauen an interessierte Kunden verkauft. So weit, so einigermaßen spannend. Es wäre auch alles ein ganz solider, okayer britischer Krimithriller gewesen, wenn es nicht so unsagbar viel schlimmes Mansplaining gegeben hätte. Alter Vatter!

Die Hauptperson, weiblich, geschieden, zwei Kinder, hat keine Ahnung von Technik, erst müssen ihr irgendwelche Männer die Datenschutzeinstellungen von Facebook erklären („Huch, wie sind Sie denn jetzt an meinen Bilder gekommen?“), dann wird ihr erklärt, was ein Proxy ist UND ZWAR MEHRFACH VON UNTERSCHIEDLICHEN MÄNNERN, weil die sich natürlich alle supidupi auskennen, wenn es um Technik geht. Der Sohn interessiert sich auch für IT „das einzige Schulfach, wo er freiwillig hingeht“, obwohl sie in der Familie lange gar keinen Rechner hatten. Als sie selber dann mal ein Passwort erraten muss, probiert sie es mit dem Geburtsdatum.

Die einzige Frau, die sich mit Technik irgendwie auskennt, ist eine von den Bösen, aber auch das ist nur so halb wahr, weil dann natürlich klar wird, dass auch die Hilfe benötigen musste, weil sie das nie und nimmer alleine hingekriegt haben könnte.

Ich habe schon bei der ersten Mansplaining-Szene mit den Augen gerollt, aber es zog sich leider durchs Buch. Der Rest ist solide Krimithriller-Kost mit ein paar Logiklöchern. Eventuell waren es aber gar keine Löcher und ich habe nur irgendwelche Details nicht mitbekommen, weil ich gerade mit Augenrollen beschäftigt war.

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Verirren: Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene von Kathrin Passig und Aleks Scholz

Während der Lektüre war ich vor allem dauertrauig, dass ich Kathrin Passig zur Zeit der Buchentstehung noch nicht kannte. Vielleicht war das aber auch ein Glück für Kathrin, denn so konnte ich sie damals nicht fortwährend mit Verirrungs- und Orientierungsanekdoten nerven.

Kathrin Passig und Aleks Scholz haben hier einen Ratgeber zum professionellen und vor allem absichtlichen Verirren. Mit absichtlichem Verirrenkenne ich mich aus, wobei es bei mir strictly speaking immer eher zielloses Rumlaufen ist, das Verlaufen ergibt sich oder eben nicht. Das Buch zeigt die Vorteile des Verirrens auf, hilft Einsteigern bei den ersten Verirrungsversuchen, nimmt die Angst vorm Verirren, indem es Tipps zum Nicht-beim-Verirren-Sterben gibt und es werden Geschichten des Verirrens anderer Personen erzählt, bei denen man sowohl lernen kann, wie man es macht als auch wie man es besser nicht macht.

Schon während des Lesens hatte ich die ganze Zeit Lust, mich mal ordentlich zu verirren und immerhin habe ich jetzt schon damit angefangen, jenseits des Bürgersteigs zu laufen und mich in der Gegend etwas aufmerksamer umzuschauen. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich im Blog noch gar nicht die Geschichte erzählt habe,  wie wir mal beim Wandern gescheitert sind und irgendwann ohne Handy, aber dafür bei aufziehendem Gewitter an einer Felswand hingen. Die Geschichte hätte ich auch Kathrin Passig damals erzählen können, aber das Buch wurde einfach zu früh geschrieben.

Verirren: Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene von Kathrin Passig und Aleks Scholz [Amazon-Werbelink]

 

Caraval von Stephanie Garber

Nope. Nope nope nope.

Ich habe mich zugegebenermaßen im Vorfeld nicht groß mit der Geschichte von Caraval beschäftigt, ich dachte, och ja, ein YA-Fantasy-Buch mit Schnitzeljagd-Schatzsuche-Plot, das kann ja so verkehrt nicht sein. Ich habe nicht viel erwartet, ich wollte nur angemessen unterhalten werden, das Cover war hübsch, die Rezensionen okay.

Es war aber vor allem wirklich, wirklich irre langweilig. Die ganze Stereotypen – geschenkt! Das ist YA-Fantasy, natürlich tragen die Mädels magische Kleider und verlieben sich in den feschen Seemann, der sie auf die Insel entführt hat und unter dessen ruppiger Schale doch ein sensibler, feiner Mensch steckt. Das wäre ja alles okay gewesen, wenn nicht wirklich alle Charaktere mehr oder weniger blutleer rumlaufen und motivationslose Dinge tun würden. Die ganze Welt ist kartonartig konstruiert, es steckt nichts dahinter, man kann jede Szenerie mit dem kleinen Finger umschubsen. Noch nicht mal die Schatzsuche war irgendwie spannend, die Hinweise ergeben nur im Rückblick einen Sinn, wenn man alles das, was der Protagonistin eher zufällig passiert, im Nachgang interpretiert. Wie diese Schatzsuche überhaupt funktionieren soll, bleibt unklar, aber das fügt sich auch in den Rest des Buches, es ist ein einziges Deus ex Machina, nur mit magischen Kleidern.

Falls doch noch jemand die Story interessiert. Scarlett lebt mit ihrer Schwester Tella auf irgendeiner Insel und leidet unter ihrem gewalttätigen Vater. (Auch hier muss man sich auf die Behauptungen der Protagonistinnen und der Autorin verlassen, die Angst vor dem Vater wird zwar dauernd erwähnt, auf den Leser springt aber nichts davon über.) Jetzt steht sie kurz vor ihrer Hochzeit mit einem Grafen, den sie nur von seinen Briefen kennt, der sie aber immerhin von der Insel wegholen wird und das ist ja schon mal besser als auf der Insel bleiben. Wenige Tage vor der Hochzeit bekommt sie eine Einladung von Master Legend zu seinem legendären Spiel Caraval, einer Art Schnitzeljagd-Schatzsuche, bei der der Sieger einen Wunsch frei hat. Der Seemann Julian bringt Scarlett und Tella auf die Insel, dann ist Tella aber weg und wie sich rausstellt ist sie der Schatz, den die Teilnehmer finden sollen. Bla bla bla, nein, ich habe wirklich nicht viel erwartet, aber hey, eine Schatzsuche auf der magischen Insel eines geheimnisvollen Fremden auf der Flucht vor einem bösen Vater, DA HÄTTE MAN DOCH WAS DRAUS MACHEN KÖNNEN! (Zefix!)

Das einzige Überraschende war, dass der Twist, den ich vermutete, doch nicht so eintraf, sondern halt anders. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich auch schon aufgegeben, weil mir eigentlich fast alles an der Geschichte mittlerweile egal war. Die Protagonistin ist nervig und der Rest der Figuren uninteressant. Es gibt ein paar nette Nebencharaktere und die ein oder andere hübsche Idee, aber da die Autorin nun mal alles nur mit Buntstiften auf Pappkarton gemalt hat anstatt sich ein paar mehr Gedanken über eine glaubwürdige, konsistenten und vor allem lebendige Welt zu machen, funktioniert hier ungefähr nichts.

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The Long Way to a Small Angry Planet von Becky Chambers

The Long Way to a Small Angry Planet erzählt die Geschichte der Crew der Wayfarer, die Wurmlöcher im Weltall bohrt und damit ihr Geld verdient. Rosemary hofft auf ein neues Leben auf diesem kleinen zusammengebastelten Schiff, denn auf dem Mars kann sie nicht mehr bleiben. Dann bekommt die Crew den Auftrag einen Tunnel von einem weit entfernten Planeten zu bohren, höchst lukrativ, aber eben auch ein langer, gefährlicher Weg bis dahin.

Dieses Buch hat vor allem erst mal Spaß gemacht. Es wird gerne mit Firefly verglichen, was meines Erachtens tatsächlich sehr naheliegend und nachvollziehbar ist. Chambers hat ein gutes Händchen, sowohl was die verschiedenen Spezies als auch die einzelnen Charaktere angeht. Die Eigenheiten der Figuren und Spezies werden durchdacht und mit offensichtlicher Liebe zum Detail entwickelt.

Die Geschichte selber ist episodenhaft erzählt, was mir allerdings erst richtig aufgefallen ist, weil im Online-Buchclub darüber diskutiert wurde. So kommt die Story etwas langsamer in Gang, dafür bekommt man aber ein gutes Gefühl für die Welt, in der die Crew der Wayfarer unterwegs ist. Kritisiert wurde auch, dass der ein oder andere Konflikt etwas zu einfach aufgelöst wurde und die Crew insgesamt ein bisschen zu perfekt und harmonisch wirkt. Tatsächlich würde ich diese Kritikpunkte rein objektiv bestätigen, subjektiv haben sie mich nicht gestört. Statt dessen habe ich mich sehr über ein bisschen flauschige Raumschiff-Lektüre gefreut und direkt im Anschluss die erste Folge Firefly geguckt.

The Long Way to a Small Angry Planet von Becky Chambers [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im Mai (Teil 2)

STAUBSAUGERROBOTER! FEMINISTISCHE ROBOTER! WASABIERBSEN! NINJAGOSAMMELMAPPEN! DOPPELSCHLOTTEN! UND TAPFERE KLEINE DRUCKER!

Nachbarschaft

Ich habe üblicherweise Seifenblasen im Haus. Wenn mir gerade danach ist, stelle ich mich auf den Balkon, puste ein paar Seifenblasen in die Welt, freue mich daran und hoffe, dass es vielleicht irgendwo in den Nachbarhäusern oder auf der Straße Menschen gibt, die zufällig gerade aus dem Fenster gucken oder in den Himmel gucken und sich auch über unerwartete Seifenblasen freuen.

Heute stand ich wieder auf dem Balkon und pustete Seifenblasen. Dann füllte ich die Gießkanne in der Badewanne und goß die Pflanzen, als mir jemand von der anderen Straßenseite etwas zurief: „Da haben Sie meinen Sohn eben sehr glücklich gemacht!“

Was ich geantwortet habe, weiß ich nicht mehr und dass ich ohne Hose auf dem Balkon stand, na ja, geschenkt. So jedenfalls stelle ich mir Stadtnachbarschaft vor.

Oben auf dem Turm über Blankenstein

Der letzte Teil des Aufstiegs ist etwas ungewöhnlich. Mein Mann holt sein Handy raus und leuchtet uns auf im dunklen Turm die Treppe nach oben aus. Noch nicht mal kleine funzelige Lampen gibt es hier, wie haben das die Leute gemacht, als man gar nicht dauernd ein Smartphone mit Taschenlampenfunktion mit sich rumtrug?

Dann geht es noch eine Holztreppe hoch, am Ende wartet eine schwere Metalltür und dann stehen wir oben auf dem Turm von Burg Blankenstein, irgendwo vor, hinter oder neben Hattingen und gucken runter auf die Ruhr und Blankenstein und die Rehe und eben das Ruhrgebiet.

„Hier ungefähr haben wir mal das Riverrafting gemacht“, hatte mein Mann vorher schon gesagt. Wir gucken auf die langsam vor sich hindümpelnde Ruhr. „Ja“, bestätige ich. „Das sind schon krass Stromschnellen.“

Weil ich leider süchtig nach „[Hier beliebigen Teil der Welt einfügen] von oben“-Formaten bin, haben wir uns neulich im WDR das Ruhrgebiet von oben angeguckt und gelernt, dass hier einfach so Burgen rumstehen. Ganz in der Nähe, wer hätte das gedacht, und weil das Wetter schön war, sind wir jetzt eben spontan nach Blankenstein gefahren und stehen jetzt auf einem Turm und gucken nach unten.

Später laufen wir noch eine Runde durchs Dorf und durch den Gethmannschen Garten und dann setzen wir uns auf die Terrasse eines Tapas-Restaurants und essen so lange Tapas, bis wir nicht mehr können. Und dann fahren wir nach Hause, aber nicht so wie das Navi möchte, sondern einmal an Hattingen vorbei, quer über Land, an der Ruhr vorbei, wo gerade Rinder grasen und staunen mal wieder, was es hier alles gibt und was wir alles nicht kennen. Zum Beispiel eine Burg, aber na ja, die kennen wir ja jetzt.

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