Wale sind größer als Rochen

Letztes Jahr waren wir ja wieder in Frankreich zum Surfen. Jeden Tag zwei Stunden auf dem Brett im Wasser, dieses Mal auch immer mit Surflehrer, weil wir tatsächlich auch immer noch sehr sehr viel zu lernen haben.

Und dann hatte das Meer auf einmal keinen Bock mehr (ich berichtete). Zwei Tage lang nüscht, keine Wellen, aber so mal gar keine. Wie man da Surfen sollte, war unklar, die Antwort kam dann aber auch per Telefon: Heute gäbe es keine Wellen, Surfkurs ginge also nicht, sagte Clément, aber ob wir denn statt dessen Stand-Up-Paddling machen wollen würden.

Wir wollten! Tatsächlich fand ich Stand-Up-Paddling schon die ganze Zeit sehr faszinierend, beim üblichen Wellenaufkommen aber auch nicht so ganz ohne. Aber ohne Wellen natürlich deutlich einfacher.

Also lernten wir, auf einem Brett auf dem Wasser zu stehen und rumzupaddeln. Erst mal lernt man das im Knien, irgendwann steht man dann zum ersten Mal auf und fällt dann prompt ins Wasser. Das macht man ein paar Mal und dann steht man auf einmal länger auf dem Brett und paddelt lustig rum.

Gerüchten zufolge sollte ein großer Rochen im Wasser sein, das hatte schon unser Surf- bzw. Stand-Up-Paddle-Lehrer Olivier berichtet. Auch der werte Herr Gemahl, der als Streber vom Dienst sofort im Stehen lospaddelte, während der Rest der Gruppe abwechselnd ins Wasser plumpste, zeigte immer mal wieder mit dem Finger auf irgendeine Stelle im Wasser, wo angeblich gerade der Rochen langgehuscht war. Mein einzig Sinnen und Trachten an diesem Tag war also, den verdammten Rochen zu sehen.

Jedenfalls habe ich den Rochen nicht gesehen. Nicht am ersten Tag und auch nicht am zweiten Tag, als das Meer immer noch keinen Bock hatte und wir mehr oder weniger erfolgreich lernten, nicht nur rumzupaddeln, sondern auch auf einer Welle zu surfen.

Während unsereins aber in Frankreich schon von der angeblichen Anwesenheit eines Rochens vollkommen beeindruckt waren, hat ein Stand-Up-Paddler in Kalifornien Begegnung mit einem etwas größeren Meeresbewohner gemacht. Er paddelte neben einem Wal her. Kann man natürlich auch machen.

Tausend Tode schreiben: Bonustrack

Letzten Freitag erschien Version 2 von “Tausend Tode schreiben”, dem wunderbaren Projekt von Christiane Frohmann, über das ich auch schon hier schrieb. Man kann es hier auf minimore kaufen oder bestimmt auch bald auf Amazon (da gibt es bisher nur Version 1, man bekommt dann aber die weiteren Versionen kostenlos).

In der neuen Version gibt es auch einen Text von mir, das freut mich natürlich sehr. Wer es noch nicht getan hat, sollte Tausend Tode schreiben also spätestens jetzt kaufen. Die Herausgeber- und Autorenanteile an den Erlösen werden dem Kindersterbehospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow gespendet.

Mittlerweile gibt es schon viele Berichte und Interviews mit Christiane Frohmann über ihr Projekt. Dieses Interview hier in den Wired ist zum Beispiel sehr schön.

Und für alle, die meine Geschichte schon gelesen haben, habe ich hier einen Bonustrack. Ein Bonusfoto vielmehr, aber wer wird hier schon kleinlich sein?

Taschenlampe

Germknödel aus dem Reiskocher

Letztens machte ich Germknödel. Aber eigentlich muss man vorher anfangen. Ich hatte ja schon im letzten Jahr auf der Herzliste stehen, dass ich mehr Klassiker kochen will und das 2014 so hmnuja hinbekommen. Nachdem wir aber jetzt eine noch schönere Küche haben, habe ich einfach 2015 einfach direkt damit angefangen. Erst gab es Hühnersuppe (sehr einfach und unglaublich lecker), dann Tiramisu (super einfach und super geil) und dann Gulasch, das mir nie so gelingen will, wie ich es mir vorstelle und dann eben Germknödel.

Germknödel

Auf Germknödel hatte ich aus völlig unerfindlichen Gründen schon seit Wochen Lust. Ich weiß auch nicht, woher das kam, ich habe in meinem Leben noch gar nicht so oft Germknödel gegessen, zu Hause gab es das nicht, da gab es Kirschmichel und Salzburger Nockerln, aber keine Germknödel. Trotzdem war ich Anfang des Jahres fixiert auf Germknödel, voller Vorfreude und Spannung, wie das wohl klappen würde mit dem Selbermachen. Da ich sehr viele Kochzeitschriften mein Eigen nenne, war ich mir auch relativ sicher, dass in irgendeinem dieser Hefte auch irgendwo ein Rezept für Germknödel sein müsste. Tatsächlich musste ich praktisch sämtliche Jahrgänge einer Zeitschrift durchblättern, bis ich in einer Ausgabe von 2007 oder so tatsächlich eines fand. Vorher hatte ich schon zwei Mal gedacht, ich hätte es, aber ich hatte nur zwei Mal Germknödel mit Buchteln verwechselt und mich vorschnell gefreut.

Germknödel also. Germknödel haben zwei potentielle Schwierigkeiten:

1. Germknödelteig ist Hefeteig.
2. Germknödel werden gedämpft.

Ersteres wusste ich, da mir aber mittlerweile in geschätzt 90 Prozent der Fälle auch Hefeteig gelingt, konnte mich das nicht abschrecken. Zweiteres kam irgendwie überraschend. Ich habe keinen Dampfgarer und auch keinen Dampfeinsatz für den Topf. Ich habe aber: Einen Reiskocher. An der Notwendigkeit eines Reiskochers scheiden sich ja auch die Geister, ich zum Beispiel liebe unseren heiß und innig, andere verstehen nicht, warum man Reis nicht einfach im Topf machen kann. Die Antwort lautet: Weil mir der da immer verbrennt und/oder zu matschig wird und/oder zu lange dauert oder zu früh fertig ist. Bei Reis gilt also zumindest in diesem Haushalt die alte Weisheit “Irgendwas ist immer.” Mit einem Reiskocher hingegen packt man Reis, Wasser und Salz in einen beschichteten Topf, drückt auf ein Knöpfchen und irgendwann macht es Klick, der Reis ist fertig und wird so lange warmgehalten, bis auch alles andere fertig ist.

Germknödel aus dem Reiskocher

Aber ich wollte ja gar keinen Reis machen, sondern Germknödel. Dazu muss man wissen, dass der Reiskocher ein Zusatzfeature in Form eines Plastikeinsatzes mit Löchern hat. Der ist dazu gedacht, dass man damit im Prinzip zeitgleich mit dem Reiskochen Gemüse dämpfen könnte. Wenn man das denn täte. Haben wir aber noch nie. Praktischerweise passen in den Plastikdampfeinsatz aber auch zwei Germknödel. Dann muss man nur Wasser mit etwas Salz (stand so im Rezept) in die Schüssel tun, das Ding anstellen und nach ein paar Minuten die Germknödel in den Dampfeinsatz legen. Dann wartet man ungefähr zwanzig Minuten ab und hat prima gedämpfte Germknödel aus dem Reiskocher.

(Die ganze Wahrheit ist, dass das im Prinzip ja nüscht anderes ist als wenn man das ganze mit einem Topf und einem Dampfeinsatz für den Topf machen würde. Aber “Germknödel aus dem Reiskocher” klingt doch viel abenteuerlicher.)

Germknödel innendrin

Die Germknödel waren übrigens sehr lecker. Das Rezept dafür findet sich hier. Man kann sich übrigens auch vertun und den Teig zunächst nur mit 200 Gramm Mehl anrühren. Man merkt spätestens dann, wenn man laut Rezept einen festen glatten Teig kneten soll, dass irgendwas nicht stimmen kann, weil der Teig weder fest noch glatt wird, guckt dann noch mal ins Rezept und stellt fest, dass da noch 300 Gramm Mehl fehlen, die man dann noch schnell drunter mischt. Klappt einwandfrei, habe ich exklusiv, wenn auch nicht wirklich absichtlich getestet.

Außerdem plädiere ich dafür, noch Vanillesauce herzustellen, die sich schön in den Knödel reinsaugen kann. Aber das kann natürlich jeder machen, wie er will.

Lieblingstweets im Januar (Teil 1)

OBERHITZE! UNTERHITZE! VOGEL DES JAHRES! WUNSCHRUNDEN! MUFFENHUTZEN! SOFAERFINDER! UND: BROT!

Über Jim Henson (oder: Betreutes Lesen)

Ich wollte oder sollte vielmehr ja eigentlich über Germknödel aus dem Reiskocher schreiben, aber dafür ist jetzt nicht genug Zeit, das kommt später. Statt dessen saß ich eben in der Küche vor dem Rechner und heulte Rotz und Wasser und das kam so:

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten die Biografie von Jim Henson geschrieben von Brian Jay Jones [Werbelink] gelesen. Jim Henson, sollte das jetzt jemand unerwarteterweise nicht wissen, hat ja die Muppets erfunden und die ganzen Figuren in der Sesamstraße und die Fraggles und noch ganz viel anderen Kram, von dem man gar nichts wusste, bis man die Biografie liest und staunt, was ein Mensch in knapp 35 Jahren so alles schaffen kann.

Jim Henson starb 1990, sehr plötzlich im Alter von 53 Jahren. Viel zu früh also. Sehr, sehr viel zu früh. Das wusste ich schon, trotzdem lag ich gestern auf dem Sofa und weinte hemmungslos die letzten zwanzig Seiten lang auf das Buch, weil eben ja doch alles so furchtbar traurig war.

Etwas anderes habe ich aber auch gelernt. Das Internet bietet mittlerweile viele Möglichkeiten zum betreuten Lesen. Man lernt in der Biografie zum Beispiel, dass Jim Henson in seiner Anfangszeit viele Werbefilme gedreht hat, u.a. für den Kaffee von Wilkins. Die Protagonisten waren Wilkins und Wontkins. Wilkins wollte Kaffee trinken, Wontkins nicht und kriegte dementsprechend jedes Mal was auf die Mütze. Das wurde in dem Buch schön beschrieben, aber das reicht natürlich nicht. Netterweise gibt es aber ja jetzt das Internet und da kann man gucken, wie die Werbespots mit Wilkins und Wontkins wirklich aussahen.

Auch unser aller Lieblingspianistenhund Rowlf wurde erstmalig für Werbung für Hundefutter von Purina Dog Chow erdacht und auch das kann man sich prima angucken.

Man kann sich dann noch Folgen der Fraggles auf Englisch oder alternativ Französisch angucken oder den Trailer zu The Dark Crystal oder Labyrinth und überhaupt finde ich dieses vom Internet betreute Lesen so schön, dass ich schon überlege, wie man das auch in Zukunft hilfreich einsetzen und weiterführen kann.

Das Buch endet aber eben leider damit, dass Jim Henson stirbt. Ein paar Tage nach seinem Tod gab es eine Gedenkfeier in New York, bei der gesungen und vorgetragen wurde, es wurden bunte Schmetterlinge verteilt und die Menschen sollten sich über das freuen, was Jim Henson sich in seinem Leben ausgedacht hatte. Bei dieser Gedenkfeier gab es ein Medley der Puppenspieler, die jahrelang mit Jim Henson zusammengearbeitet hatten und auch das kann man auf YouTube angucken. Es ist alles sehr herzergreifend und wunderbar, es wird noch herzergreifender, wenn man weiß, dass diese Leute ein paar Tage vorher völlig unerwartet einen Menschen verloren haben, mit dem sie viel Zeit verbracht haben. Spätestens ab der dreizehnten Minute wird es dann herzzerreißend, aber ich hatte ja schon bei der zweiten Minuten mit Weinen angefangen, insofern machte das dann auch keinen großen Unterschied mehr, was meinen allgemeinen Gemütszustand anging.

Jedenfalls, so war das heute Abend. Und morgen schreibe ich dann über Germknödel. Es muss ja weitergehen. So würde Jim Henson das jedenfalls vermutlich sehen.

Bücher 2014 – Plätze 10 bis 6

Ein Jahr voll mit Büchern, die eigentlich alle ausreichend gut bis richtig gut waren. Darum gibt’s jetzt die erste Hälfte der besten zehn Bücher, komplett mit Werbelink zu Amazon und anderen Erwerbsmöglichkeiten.

10. We Were Liars von E. Lockhart

WeWereLiars

Sehr klassische Young-Adult-Fiction, die ich aber in einem Rutsch durchgelesen habe und dessen Ende mich dann tatsächlich überrascht hat. Aber ich bin auch im Vorhersehen eher schlecht, insofern muss das nichts heißen.

Jeden Sommer verbringt die Familie Sinclair den Sommer auf ihrer Privatinsel, Familienoberhaupt Harris, die drei Töchter und die vielen Enkel, darunter Cadence. Vor zwei Jahren hatte Cadence einen Unfall, erinnert sich aber an nichts. Doch seitdem hat sich sehr viel geändert und Cadence ist auf der Suche nach der Antwort, was damals geschah. Keine hohe Literatur, aber dafür sehr straight und angenehm erzählt.

We Were Liars  gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung ocelot in Berlin und in jedem Buchladen um die Ecke.

9. Tausend Tode schreiben von Christiane Frohmann (Herausgeberin)

1000Tode_Cover-400x600Über Tausend Tode schreiben wurde in meinem Internet schon viel geschrieben, was nicht nur daran liegt, dass viele Leute in diesem meinem Internet an diesem Projekt beteiligt waren, sondern weil es vielleicht auch ein längst überfälliges Buch war. Christiane Frohmann, der man als @fraufrohmann auf Twitter auch sehr gut folgen kann, hat sich nun darum gekümmert, dass es dieses Buch gibt.

Im ersten Band finden sich 135 Texte über den Tod, mal traurig, mal nachdenklich, manachmal sogar witzig, mal abstrakt, mal sehr konkret, manchmal lyrisch, manchmal sehr direkt, immer persönlich.

Ich habe die Texte in wenigen Tage durchgelesen, und habe mich über die vielen Blickwinkel gefreut. Manche Sichtweisen oder Situationen waren mir sehr bekannt, andere eher fremd und genau das macht es so spannend. Das schönste dabei war für mich, dass mich dieses Buch trotz des traurigen Themas nicht runtergezogen, sondern aufgebaut hat. Weil man eben merkt, wie der Tod letztlich doch irgendwie verbindend und beinahe alltäglich ist und man deswegen vielleicht doch weniger darüber schweigen sollte.

Die Herausgeber- und Autorenanteile an den Erlösen werden übrigens dem Kindersterbehospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow gespendet, wer einmal kauft, bekommt die nächsten Versionen kostenlos und in der zweiten Version wird auch ein Text von mir dabei sein.

Tausend Tode  gibt es bei Amazon [Werbelink], bei minimore und in noch vielen anderen E-Book-Shops.

8. Phantasmen von Kai Meyer

Phantasmen

Mit Kai Meyer hatte ich dieses Jahr eine sehr wechselhafte Beziehung. Also nicht mit ihm persönlich, sondern mit seinen Büchern. Die Alchimistin  fand ich recht gut, den zweiten Band vollkommen überfrachtet, Die Seiten der Welt sehr nett, aber auch nicht überragend.

Phantasmen hat mich vor allem wegen der Grundstory fasziniert. Auf einmal tauchen auf der Erde die Toten auf. Niemand weiß warum, aber plötzlich stehen sie da, schemenhaft, schimmernd und schweigend, dort, wo sie gestorben sind und werden täglich mehr. Rain und ihre Schwester Emma sind in Afrika, um ihre verstorbenen Eltern zu finden, als sie beobachten, wie die Toten auf einmal zu einer tödlichen Gefahr werden und befinden sich auf einmal mitten in einer Verschwörung.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und leider manchmal den Faden verloren, wobei ich da nicht sagen kann, ob es am Buch oder an mir lag. Trotzdem war es von allen Kai-Meyer-Büchern das beste und ungewöhnlichste, das ich dieses Jahr gelesen habe.

Phantasmen gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung proust in Essen und in jedem Buchladen um die Ecke.

7. Incarceron  von Catherine Fisher

IncarceronIncarceron ist das größte Gefängnis der Welt und es lebt. Gebaut, um sämtliche Straftäter einzuschließen, kommt niemand rein oder raus. Seitdem hat sich hier eine Gesellschaft entwickelt, die von Misstrauen und Angst geprägt ist.

Auf der anderen Seite gibt es die Welt draußen, irgendwann in der Zukunft, und doch zurückgeworfen in der Zeit, denn hier herrscht das strenge, selbst auferlegte Protokoll der “era”, ähnlich des viktorianischen Zeitalters. Hier lebt Claudia, Tochter des Hüters von Incarceron, die demnächst mit dem Thronfolger verheiratet werden soll.

Unwillig, sich diesem Schicksal zu ergeben sucht sie nach einem Ausweg und findet nicht nur einen Weg, mit den Insassen von Incarceron zu kommunizieren, sondern auch Finn, der immer noch nach der Antwort auf die Frage sucht, wie er in Incarceron kam.

Im Urlaub habe ich wieder mal reihenweise Bücher konsumiert. Incarceron hat es mir dabei besonders angetan, so ungewöhnlich die Welt, die Catherine Fisher erschafft, so interessant die Charaktere, so düster und erbarmungslos die Geschichte. Direkt die Fortsetzung besorgt und weitergelesen. Sehr schön.

Incarceron gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung Stories in Hamburg und in jedem Buchladen um die Ecke.

6. Little Brother von Cory Doctorow

Little-BrotherEndlich gelesen, diese Buch, das seit dem NSA-Skandal eigentlich wichtiger denn je ist. Die Teenager um den Nachwuchshacker Marcus wollen eigentlich nichts anderes als gelegentlich mal die Schule schwänzen und einem Live-Abenteuerspiel nachgehen wollen.

Doch dann geht eine Bombe hoch und durch eine Verkettung ungünstiger Umstände gehören sie auf einmal zum Kreis der Hauptverdächtigen, werden verschleppt und verhört und dann freigelassen ohne frei zu sein. Ständige Überwachung ist auf der Tagesordnung, ein Zustand, den Marcus nicht ertragen kann und mit den Mitteln eines techaffinen Teenagers zum Gegenangriff übergeht.

Das ist alles so rasant und bedrückend geschrieben, dass man es mit der Angst zu tun bekommt, weil einem im Prinzip auch klar ist, dass es sich hier nicht um eine Zukunftsvision handelt, sondern um etwas, dass heute schon möglich wäre und teilweise sogar einfach schon Realität ist.

Cory Doctorow ist dieses Buch so wichtig, dass er es kostenlos zum Download zur Verfügung stellt, allerdings (meines Wissens) nur auf Englisch. Wer aber möchte, der kann trotzdem spenden, zum Beispiel gibt es eine Liste mit Schulen und Büchereien, die gerne ein Exemplar von Little Brother hätten, und denen man das dann schicken kann. Auch eine schöne Idee.

Little Brother gibt es bei Amazon [Werbelink], gratis zum Download mit Spendenoption und in jedem Buchladen um die Ecke.

Lieblingstweets im Dezember woanders

Lieblingstweets im Dezember (Teil 2)

KEKSE! KATZEN! SCHOKOLADE! DAS MUSS DIESES WEIHNACHTEN SEIN!

2014 als Fragebogen

The year in review. Und los:

Zugenommen oder abgenommen?

Zu. Leider. Und bevor mir jetzt gesagt wird, dass das ja nicht schlimm ist. Nee, ist es nicht und doch, ich würde gerne wieder ein bisschen weniger wiegen. But alas…

Haare länger oder kürzer?

Gleich? Was weiß ich. Zwischendurch ging ich mal zum Friseur und ließ was schneiden. In der Zwischenzeit ist es wieder etwas gewachsen. Experimente wurden nicht gemacht. Sämtliche Friseure weigern sich, mir einen Pony zu schneiden. Doofleute.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Ungefähr gleich. Der Optiker hat mal gemessen wegen Kontaktlinsen und ich erinnere mich nicht daran, unangenehm vom Ergebnis überrascht worden zu sein.

Mehr Kohle oder weniger?

Bisschen weniger verdient, aber auch keine Zweitwohnung mehr. Also wohl so grob gleich viel.

Mehr ausgegeben oder weniger?

In Bayreuth gewesen, Wohnung gekauft, umgezogen. Also vermutlich mehr.

Mehr bewegt oder weniger?

Zwischendurch mal ziemlich viel, dann Bänderdehnung, Fußaua und dann wieder so normal viel. Dank Fitbitanschaffung aber zumindest öfter motiviert gewesen, zu Fuß zu gehen.

Der hirnrissigste Plan?

Ich bin zu vernünftig für hirnrissige Pläne.

Die gefährlichste Unternehmung?

Hinter die Wellen zu paddeln. War natürlich de facto null gefährlich, vor allem, wenn der Surflehrer dabei ist, fühlte sich aber so an.

Der beste Sex?

Sicher doch.

Die teuerste Anschaffung?

Eine neue Wohnung. Was man halt so kauft.

Das leckerste Essen?

Sechs-Gänge-Überraschungsmenü bei “Joseph” in Montbéliard. Möglicherweise auch das zweiteleckerste Essen, dass wir je auswärts gegessen haben. Ansonsten viel lecker gekocht.

Das beeindruckendste Buch?

Dieses Jahr war meines Wissens kein überragendes Highlight dabei, vielleicht bin ich aber mittlerweile auch schon abgestumpft (hoffentlich nicht) und habe schon so viele tolle Bücher gelesen, dass es sehr viel braucht, um mich noch vom Hocker zu reißen. “Embassytown” von China Miéville [Werbelink] war zumindest das intellektuell herausforderndste Buch und anscheinend das Buch, das mir am meisten in Erinnerung geblieben ist.

Der ergreifendste Film?

Ich war ja ein bisschen late to the party, aber “Frances Ha” [Werbelink] ist tatsächlich grandios gut. Direkt mehrfach geguckt, in den Soundtrack verliebt und in Greta Gerwig ja sowieso.

Das beste Lied?

“Modern Love” von David Bowie. Weil ich dazu seit “Frances Ha” jetzt immer Piroutten drehend rumlaufen will.

Das schönste Konzert?

Dieses Jahr gab’s nur ein Konzert, nämlich Kitty Hoff in der Zeche Carl. Das war aber tatsächlich sehr schön.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Dem werten Herrn Gemahl, dem Internet und fremden Leuten im Zug.

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Dem werten Herrn Gemahl. Diese Frage ist doof, es wird immer die gleiche Antwort da stehen. Das hoffe ich jedenfalls.

Vorherrschendes Gefühl 2014?

“Ich müsste eigentlich noch…”

2014 zum ersten Mal getan?

Einen Vortrag auf der re:publica gehalten, einen Essay für eine Zeitung geschrieben, in Bayreuth gewesen, eine grüne Welle gesurft, eine ganze Ente gebraten, einen Kratzbaum aufgebaut.

2014 nach langer Zeit wieder getan?

Wohnung gekauft, Klavierunterricht genommen, Weihnachtsbaum gekauft, gemalt, Karaoke gesungen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Zu. Wenig. Zeit.

Die wichtigste Sache, von der ich jemand überzeugen wollte?

“Bitte geben Sie uns Geld, damit wir eine Wohnung kaufen können.”

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

“Alles richtig gemacht.”

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

“Alles richtig gemacht.”

2014 war mit einem Wort…?

Unerwartet.

Zum Fragebogen für 2013 geht es hier.

Wie ich zweieinhalb Mal an meinem Weihnachtsgeschenk vorbei lief und den Mann zur Verzweiflung brachte

Der werte Herr Gemahl behauptete zwar auch diese Weihnachten steif und fest, dass wir abgemacht hätten, uns nichts zu schenken, ich halte das aber für Einbildung. Ich sage ja immer: “Ich schenke nur was, wenn ich was finde.” Das bewahrt vor Verlegenheitsgeschenken, schließt aber Schenken und Beschenktwerden nicht kategorisch aus.

Nun äußerte ich meinen Geschenkwunsch mindestens zwei Mal relativ konkret, davon einmal, nachdem im Wohnzimmer der Schwiegervater dem Herrn Gemahl Geschenkvorschläge so intensiv einflüsterte, dass ich in der Küche alles hören konnte und dementsprechend noch mal daran erinnerte, dass ich mir, wenn überhaupt irgendwas, dann eine Staffelei wünschte. Ich kann zwar gar nicht malen, aber das weiß ja niemand. Außerdem kann ich ja vielleicht doch malen, konnte das aber mangels Ausrüstung bislang nicht feststellen.

(Tatsächlich habe ich mal eine Zeitlang Bilder in Postkartengröße gemalt und davon sahen ein paar ungefähr so aus.)

Nun bin ich aber ein extrem genügsamer Mensch und bin auch nicht traurig, wenn ich nichts geschenkt bekomme, weil ich mir ja auch fast alles selber kaufen kann, wenn ich unbedingt möchte. Und so erwartete ich Weihnachten in so einer Art Schrödingerscher Lauerstellung, gleichzeitig mit einem und mit keinem Geschenk rechnend.

Wir aßen die Vorspeise. Kein Geschenk. Dann den Hauptgang. Immer noch kein Geschenk. Zwischendurch packte ich das Geschenk für den werten Herrn Gemahl ein und legte es unter den Baum. Der werte Herr Gemahl hat nämlich den wirklich äußerst unangenehmen Charakterzug, 90 Prozent der Geschenke vor dem Auspacken zu erraten und ich wollte ihm keine unnötige Vorlaufzeit geben. Für mich: Immer noch kein Geschenk.

Kauf ich mir die Staffelei also selber, dachte ich. Der Hauptgang war gegessen, für den Nachtisch musste erst noch der Teig angerührt werden, danach aufs Sofa legen und Fernsehen gucken.

“Mach aber erst mal die Festbeleuchtung in deinem Zimmer aus”, sagte der werte Herr Gemahl. Die Festbeleuchtung in meinem Zimmer bestand aus einer kleinen Stehlampe, bei der zwei von vier Birnen durch mattes Glas schimmerten, aber gut. Die Meinungen, was in welchem Zimmer zu welchem Anlass akzeptable Beleuchtung ist, gehen in diesem Haushalt sowieso auseinander.

Ich ging also ins Zimmer, knipste die Lampe aus und kümmerte mich weiter um den Nachtisch.

“Dann mach doch schon mal den Fernseher an”, sagte der werte Herr Gemahl. Ich ging also ins Wohnzimmer, setzte mich aufs Sofa, machte den Fernseher an, sah Richtung Küche und… Moment!

Dieses große braune Holzding steht doch sonst nicht hier rum!

Staffelei

Ich hatte den Mann beinahe zur Verzweiflung getrieben, in dem ich konsequent an meinem Geschenk vorbei lief ohne es zu beachten. Mühsam hatte er es heimlich in mein Zimmer gestellt und mich dann zum Licht ausschalten dahin geschickt und war leicht irritiert, als ich ohne irgendeine Reaktion wiederkam. Dann also wieder heimlich von meinem Zimmer ins Wohnzimmer geschleppt, mich zum Fernsehen geschickt und beobachtet, wie ich sehr straight an der Staffelei vorbei lief, mich aufs Sofa setzte, den Fernseher anschaltete und erst dann, endlich, endlich, irgendwie merkte, dass im Raum noch etwas stand, dass da vorher noch nicht gestanden hatte.

Ich kann mir das nur mit dem Effekt erklären, den man auch bei Filmen so schön beobachten kann. Man sieht nur das, was man erwartet oder vielmehr das, von dem das Gehirn meint, es wäre irgendwie wichtig. Bei einer Folge “Malcolm in the Middle” zum Beispiel gibt es eine Szene, in der man einen Kameramann sieht. Mehrere Sekunden lang. Mitten im Bild. Weil man aber nicht damit rechnet und sich auf die Handlung konzentriert, sieht man ihn nicht, es sei denn, man weiß, dass er da ist, dann sieht man ihn immer. Man nennt das (um hier wieder dem Anspruch des Bildungsblogs gerecht zu werden) auch Unaufmerksamkeitsblindheit oder inattention blindness  und es gibt lustige Videos, mit denen man das Phänomen quasi im Selbstversuch beobachten kann (zum Beispiel hier und hier).

Tatsächlich hätte ich die Staffelei schon beinahe zwei Tage früher gefunden. Sie war nämlich in der anderen Wohnung im Bad versteckt. Ein an sich recht sicheres Versteck, wenn nicht die Katze der Nachbarin zufällig spontan in die Wohnung gerannt und ich hinterher gelaufen wäre, worauf der werte Herr Gemahl mir hinterherlief, um bloß zu vermeiden, dass ich auf Katzensuche mal ganz unbedarft ins Bad gucken würde. Die Katze war dann aber nicht im Bad und so brauchte es noch zwei Tage und zwei Versuche, bis ich endlich mein Weihnachtsgeschenk entdeckte.