Gelesen: Das zerbrochene Fenster von Zoë Beck

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Ich bin ja kein Krimileser, das mal gleich vorweg. Irgendwann vor einem gefühlten Jahrhundert habe ich mal eine ganze Menge Agatha Christie gelesen und dann ein bisschen Minette Walters und irgendwann dann ein bisschen Val McDermid. Das übliche halt, aber Krimi ist eben einfach nicht mein favorisiertes Buchgenre.

Aber wenn man im Urlaub schon mal eine waschechte Krimiautorin kennenlernt und die dann auch noch Bücher schreibt, die in der Gegend (und der Stadt) spielen, in die man sich gerade hemmungslos verliebt (nämlich Schottland und Edinburgh), dann muss man natürlich auch lesen, was sie so schreibt.

In diesem Fall geht es um Zoë Beck und das erste Buch, was ich von ihr gelesen habe war “Der frühe Tod”. Was soll ich sagen, ich war begeistert. Schön gradlinig geschrieben, eine gute, ausreichend verzwickte, aber nicht überkonstruierte Geschichte, ein interessantes Setting, alles, was man braucht.

Jetzt ist gerade ihr nächstes Buch erschienen. “Das zerbrochene Fenster” heißt es und ich schrob bereits hier darüber, denn zum Erscheinungsdatum gab es eine kleine Aktion von Zoë Beck, bei der eine ganze Reihe Audioschnipsel zusammenkamen, die man sich auf Soundcloud anhören kann.

Gelesen hab ich es auch schon. Angefangen in Konstanz, dann auf dem Kindle mitgenommen nach Oberbayern zum Schliersee und dann zurück ins Ruhrgebiet. Dass es überhaupt unausgelesen mit zurück nach Essen kam, liegt einzig und allein daran, dass man bei so Schwiegerelternbesuch und Hochzeit nicht viel zum Lesen kommt. Ansonsten liest sich “Das zerbrochene Fenster” nämlich sehr schön runter.

Zoë Becks Markenzeichen – soweit ich das nach zwei Büchern beurteilen kann – ist es, mehrere Handlungsstränge parallel laufen zu lassen und dann im Laufe des Buches auf raffinierte Weise zusammenzuführen. Während es bei “Der frühe Tod” hauptsächlich die parallel laufenden Handlungsstränge zweier Charaktere waren, die zusammenliefen, so spielt “Das zerbrochene Fenster” auf zwei Zeitebenen.

Im Jahre 2003 verschwindet Sean, der Freund von Philippa Murray. Davon und von der Suche nach ihm berichtet Pippa, wie sie genannt wird, in ihren Tagebucheinträgen. Im Winter 2010 wird Lillian Darney von ihrem Stiefsohn tot in ihrer Villa in Schottland aufgefunden. Wenig später taucht Pippa bei der Polizei auf und behauptet, sie wüsste, wer Lillian getötet hätte, nämlich Sean, ihr verschwundener Ex-Freund. Dann verschwindet auch Pippa und die Geschichte fängt erst richtig an.

“Das zerbrochene Fenster” liest sich ähnlich schön gradlinig und im besten Sinne unaufgeregt wie der Vorgänger. Wieder zeigt sich, wo Zoë Becks Stärken liegen, nämlich darin, eine komplexe, aber nicht komplizierte Geschichte zu schreiben, mit vielen Charakteren und Handlungssträngen, die nach und nach zusammenlaufen und ein stimmiges Bild ergeben. In diesem Fall baut sie noch die Schneekatastrophe im Winter 2010/2011 ein, die sie selber miterlebt hat und in kleinen Anekdoten erzählt.

Man merkt, wie sehr Zoë Beck die Region um Edinburgh am Herz liegt und ich freue mich immer, wenn ich selber Orte wiederfinde, an denen wir uns (ebenfalls im Winter, aber zwei Jahre später und mit weniger Schneekatastrophe) rumgetrieben haben.

Ein kleiner Wermutstropfen war das etwas schnelle Ende, das für mich etwas antiklimaktisch daherkam. Es scheint fast, als hätte Zoë Beck zum Schluss ein bisschen Angst vor der eigenen Courage und so wird die Geschichte zwar ordentlich, aber beinahe zu unspektakulär, aufgelöst. Bei der Menge an Charakteren, die gleich auf zwei Ebenen eingeführt werden und dabei zu einem nicht unerheblichen Teil miteinander verwandt oder verschwägert sind, hab ich auch etwas gebraucht, bis ich endlich verstand, wer jetzt wer war. Weniger Namensähnlichkeit wäre hier vermutlich hilfreich gewesen.

Im direkten Vergleich gefiel mir “Der frühe Tod” eine Ecke besser, aber ich kann beide Bücher empfehlen. Für Krimifans, für Thrillerfans, für Schottlandfans und solche, die es werden wollen und so oder so für alle, die mal wieder eine gut erzählte Geschichte lesen wollen.

Und wer die Chance hat, zu einer Lesung von Zoë Beck zu gehen, der sollte das auch tunlichst machen. Vorlesen kann sie nämlich auch richtig gut.

Mehr gibt’s bei http://das-zerbrochene-fenster.de/ und als Audioleckerchen bei Soundcloud.

(PS: Auf dem Cover steht ja knallhart Thriller. Auch nicht mein Genre. Ich entschuldige mich mal gleich für mögliches Genredurcheinanderwürfeln. Letztlich zählt eh die Geschichte, und die ist gut.)

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