Salome von Richard Strauss in der Oper am Rhein in Düsseldorf

Salome

Mal wieder Oper. Diesmal nach Düsseldorf zu Salome von Richard Strauss nach der Vorlage von Oscar Wilde, einer der Lieblingsopern des Mannes, überhaupt Strauss und Wagner geht bei ihm ja immer, außer vielleicht die „Meistersinger von Nürnberg“, die mag er nicht so, aber ansonsten sind Strauss und Wagner ganz groß. Und Korngold, aber das wird ja nirgendwo gespielt. (Falls jemand mal mitbekommen sollte, dass irgendwo Korngolds „Tote Stadt“ gegeben wird, bitte dringend Bescheid sagen, das würde hier 50 Prozent des Haushalts unvorstellbar glücklich machen.)

Diesmal aber Salome, das ist schön, quasi modern und ganz kurz, nur ein Akt, unter zwei Stunden, nach den letzten zwei Wagneropern also Erholungsprogramm. Den ganzen Tag läuft der Mann in der Wohnung rum und singt mir schon mal was vor, im Arbeitszimmer läuft die Oper im Dauerloop, auf der Fahrt nach Düsseldorf berichtet der Mann mit glänzenden Augen, dass es auf Spotify aber mindestens fünf verschiedene Aufnahmen gäbe, die könnte man alle hören.

Stau vor der Oper

In Düsseldorf stehen wir dafür erst mal im Stau, die Oper ist zwar direkt neben uns, das bringt uns aber nichts, während wir uns Ampel für Ampel im Zeitlupentempo gen Altstadt schieben, dann getrieben von grober Naivität ins Kaufhof-Parkhaus fahren, um oben festzustellen, dass das Parkhaus um 20:30 zumacht. Wer ahnt sowas? Wollen die kein Geld verdienen mit den ganzen verzweifelten Autofahrern, die einen Parkplatz suchen? Also für drei Minuten drei Euro bezahlt und das nächste Parkhaus an der Kö angesteuert. Kostet auch drei Euro die Stunde, hat aber immerhin bis nach Mitternacht auf.

Sekt

Wir hasten zur Oper, irgendwie haben wir den Samstagabendverkehr und die Parkplatzsuche fahrlässig unterschätzt. Aber wir sind pünktlich, haben sogar noch Zeit, um ein Glas Sekt, eine Laugenbrezel und eine Portion Bruschetta zu verputzen, bevor wir fast den Weg zum dritten Rang nicht finden, aber dann klappt es doch noch, dritter Rang Mitte, erste Reihe immerhin, also mit gutem Blick auf Orchestergraben und Bühne, von oben eben, aber dafür deutlich günstiger als im Parkett, außerdem guck ich ja gerne, was das Orchester so macht. Tatsächlich ist das Parkett ganz gut besetzt, links und rechts an den Rängen sieht es eher etwas spärlicher aus.

Ränge

Salome also, die Geschichte kenn ich ja so grob, jetzt die Oper, fertig gestellt 1905, uraufgeführt 1907, das sind ja Zahlen, die man sich sogar noch irgendwie so ganz grob vorstellen kann. Die Vorlage stammt von Oscar Wilde, das ist alles im Vergleich zu Wagner und Verdi, meinen einzigen Referenzpunkten, was Oper angeht, schon abgefahren modern und war auch damals auch ein ganz schöner Skandal, es geht hoch her bei Salome, und in London war die Oper erstmal drei Jahre aus den Häusern verbannt und wurde erst 1910 zum ersten Mal gespielt. Heute ist das natürlich alles kein Ding mehr.

Ausblick

Der Vorhang geht hoch und wir sehen… hä?… WTF?… ein Schlafzimmer dekoriert mit Stoffen in diversen Rosa-, Grün- und Blautönen dekoriert, irre Muster, als wenn man aus Versehen in eine amerikanische Fernsehserie der frühen Neunziger gefallen wäre. Als Opernlaie nehme ich sowas ja erst mal einfach nur wahr und warte ab, was kommt. Dank fehlender Vergleichsmöglichkeiten kann ich da ein bisschen unbedarfter drangehen.

„Wenn sich die Damen und Herren in der ersten Reihe mal zurücklehnen könnten, dann würden wir hier auch was sehen!“, schallt es von hinten. Blödmann. Wenn ich mich nämlich zurücklehne, sehe ich nichts mehr, weil da so ein doofes Geländer ist, was dann ganz ungünstig genau im Blickfeld ist. Soll er sich doch beim nächsten Mal Karten in der ersten Reihe kaufen, anstatt rumzunölen. Mit so einem Zwischending klappt’s aber, nicht ganz zurückgelehnt, aber fast, dann seh ich zwar den Orchestergraben nicht mehr, aber das ist ja nicht so schlimm.

Die Story wäre schnell erzählt, aber ich will hier ja nicht zu viel verraten, schon gar nicht die Pointe, die vermutlich aber eh schon jeder kennt, der sich ein bisschen mit Hochkulturzeug auskennt. Im Wesentlichen geht es um Prinzessin Salome, ein verzogenes, trotziges und tendenziell psychopathisches Gör, die nicht damit klar kommt, nicht zu kriegen, was sie will. Immerhin ist sie ja auch Prinzessin. Als der Prophet Jochanaan vorbeischaut und ein bisschen vom Herrn predigt, interessiert sie sich weniger für die Predigten als für den Propheten selber und will ihn unbedingt küssen, was er aber wiederum nicht will und so nimmt das ganze Unheil seinen Lauf, oder wie mehrfach auf der Bühe gesungen wird: „Es wird etwas Schreckliches geschehen.“

Die Geschichte ist dabei recht einsteigerfreundlich, nicht wie bei Wagner, wo ich schon manche Wörter nicht verstehe, hier wird Klartext geredet. Wie mittlerweile üblich wird der Text oben eingeblendet, für so Anfänger wie mich, und auch wenn man die Sänger ganz gut verstehen, ist das sehr praktisch, denn Herodes und Jochanaan gehen gerne mal unter, wenn die Musik zu laut wird, und die Juden singen sowieso die ganze Zeit durcheinander. Das soll zwar so, man versteht aber trotzdem nichts.

Rang

Es ist also eine moderne Interpretation, die Stimme des Propheten kommt aus dem Heizkörper, der Prophet selber nachher aus einer Luke im Boden, die man erst freilegen muss, in dem man das ganze Zimmer umräumt und den Teppich umschlägt. So kleine Monks wie ich leiden dann auch mal ein paar Minuten lang, wenn der Teppich nicht wieder richtig zurückgeschlagen wird und man gerne mal kurz auf die Bühne, und das richten, damit das nicht so unordentlich… aber das kommt bestimmt nicht gut. Die Schüsseln voller Obst sind (mit den Worten des Mannes) „ein Äpfelchen“ und aus dem Schleiertanz wird ein Pantomimendrama in sieben Akten. (Eine Interpretation dieses berühmten Teils der Geschichte, die ich allerdings ganz topcheckermäßig sofort verstanden habe, manchmal bin ich doch ganz schlau.)

Am Schluss gibt’s noch mal viel Blut, so als ob da jemand ein bisschen zu viel Tarantino geguckt hätte. Ob da normalerweise auch so viele Leute sterben, frage ich auf dem Weg zum Auto den Mann. Nein, sagt er, das war wohl künstlerische Freiheit. Wie bei Wagner finde ich die Musik nicht auf Anhieb zugänglich, obwohl der Mann behauptet, das wäre eigentlich alles ganz einfach und es gäbe auch nur ein paar Motive, man müsste das halt ein paar Mal hören, dann würde man das auch erkennen.

Abgesehen davon, dass ich ja von Oper nach wie vor keine Ahnung habe, sagt mir meine Amateureinschätzung, dass unter den Darstellern Salome wirklich positiv heraussticht, da wird beim Singen auch mal überzeugend gekeift und gezetert, Herodes dagegen kommt einfach gegen das Orchester nicht an und ansonsten, na ja. Was weiß ich schon?

Lampe

Der Mann ist allerdings ähnlicher Meinung, und der hat das schön öfter gesehen und ist im höchsten Maße unzufrieden mit der Inszenierung. Wenn schon modern, meint er, dann auch richtig, nicht so ein Zwischending, dann muss auch ordentlich was los sein auf der Bühne, aber am besten sind bei Salome doch die klassischen Inszenierungen, wo die ganze Dekadenz dieser seltsamen Königsfamilie richtig rauskommt, wo kein Äpfelchen über die Guckkastenbühne fliegt, sondern tatsächlich übervolle Schüsseln mit Obst gereicht werden und die Weinkelche voll sind und überhaupt.

Macht nix, denke ich, erstens finde ich solche Aktionen nie schlecht und jetzt habe ich immerhin auch mal Salome gesehen, und zweitens ist das wohl so mit der Kunst, man muss auch mal was nicht so gut machen, um herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Außerdem ist es ja sowieso immer irgendwie Geschmackssache. Und so ein Jochanaan aus der Heizung, das kriegt man ja auch nicht alle Tage geboten.

(Zurück geht’s übrigens schnell, zurück zum Parkhaus, unglaubliche Mengen an Geld an den Parkautomaten verfüttert und dann nach Hause, kein Stau mehr, aber wir wollen ja auch raus aus der Stadt und außerdem ist ja jetzt auch schon halb zehn.)

Oper

2 Antworten auf „Salome von Richard Strauss in der Oper am Rhein in Düsseldorf“

    1. Oh toll, danke!

      (Und: Gnarf. Hof, Innsbruck und Lübeck, das ist ja alles quasi direkt um die Ecke. Mal auf den Spielplan 2013/2014 warten, vielleicht tut sich da was oder man kann zumindest einen Städtetrip drumherum planen.)

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