Gelesen: Spam von Sue Reindke

Spam

Die Entstehungsgeschichte zu Spam habe ich ja leider verpasst, es muss irgendwann 2011 angefangen haben, vielleicht, womöglich, ich weiß es ja nicht genau, aber da schrieb Sue Reindke alias Happy Schnitzel jedenfalls in ihrem Blog zum ersten Mal über Spam und ein Jahr später stand sie mit den anderen drei Damen aus dem Internet auf der re:publica-Bühne und hielt einen Vortrag über Poetry Spam.

Und ein weiteres Jahr später ist ihr Buch erschienen und es geht wieder um den alltäglichen Spam, der jeden Tag in unserem Postfach landet und meistens nicht gelesen wird, weil die Mailprogramme klug genug sind, sie für uns aussortieren und wir sie dementsprechend gar nicht erst lesen müssen, sondern einfach auf „Spam-Ordner leeren“ klicken können und gut ist das.

Dabei gibt es viele Kleinode im Spampostfach. Vor allem aber: Vielleicht muss man diese unerwünschte Post auch unter einem ganz anderen Gesichtspunkt betrachten. Denn eigentlich wollen uns die vielen Spamabsender nur helfen, unser Leben besser zu machen. Es gibt tausend Wege, viel Geld zu verdienen, jedenfalls wenn es danach geht, was so als Spampost eintrudelt. Hat man dieses Geld erstmal, gewonnen, mit leichter Arbeit verdient, geerbt oder anderweitig bekommen, gibt es sinnvolle Tipps, wie man es anlegen kann. Außerdem hilft Spam bei der Partnersuche, Bettproblemen, wichtigen esoterischen Problemen und eigentlich auch bei sonst allem.

Weil wir Spammails also ignorieren und löschen und uns all diese Angebote entgehen, hat Sue Reindke sich die Mühe gemacht, etwas tiefer ins Postfach zu gucken und die schönsten Mails zusammenzustellen, zu ordnen und gelegentlich sogar noch mal genauer nachzufragen. Dazu gibt es sinnvolle Übungen, die uns dabei helfen, unser Leben dank Spam zu verbessern.

Das Buch ist ein schönes, unterhaltsames Zwischendurchbuch, das ich sehr schnell weggelesen habe. Sue schreibt flott und amüsant. Dabei wird es nie platt oder nervig, was ich zwar auch nicht erwartet habe, wofür ich aber trotzdem sehr dankbar bin, weil ich relativ sicher glaube, dass das gleiche Thema in anderen Händen größtes Potential für dumme Witze gehabt hätte.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es doch (Vorsicht, in der nun folgenden Kritik ist ganz viel Kompliment versteckt!): Die Spammails nehmen ein bisschen zu viel Platz ein. Anders gesagt: Ich hätte lieber mehr von Sue gelesen. Gerade der spannendste und lustigste Aspekt des Buches „Was passiert, wenn man auf Spammails antwortet?“ kommt zu selten vor. Ob es daran lag, dass die meisten Spamschreiber schon bei der ersten Nachfrage den Schwanz (Hihi! Ich habe Schwanz geschrieben! In einem Artikel über Spam!) einziehen und nicht antworten oder ob es andere Gründe gab, kann ich nur raten. Im Zweifelsfall muss man es dann doch einfach selber machen und gucken, was dabei rauskommt. Genug Inspiration liefert Sue Reindkes Buch auf jeden Fall.

Wer also lernen will, wie man mit seinem Spampostfach konstruktiver und lebensverbessernder umgeht, also alle Menschen, die Emails bekommen, also alle, diejetzt gerade diese Rezension lesen, der sollte dieses Buch lesen. Wer es verschenken will, der sei aber gewarnt: Die Kapitel über Potenzprobleme und sexuelle Abenteuer haben definitiv sehr expliziten Inhalt. Da muss man hart sein. Oder werden. Oder… ach, ihr versteht schon, was ich sagen will.

(Wer ein signiertes Buch möchte, der kann hier nachgucken, wie das geht.)

„Spam“ gibt es bei Amazon oder zum Beispiel bei der Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt.

Blog von Sue Reindke

Offizielle Seite von Spam bei rowohlt

Sue Reindke bei Twitter

Wer direkt und sofort noch mehr Spampoesie möchte, dem empfehle ich auch dieses Kapitel aus Marc-Uwe Klings Kängurumanifest, es fängt mit einem anderen Thema an, man muss also ein bisschen Geduld haben.

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