Besser Bahnfahren

Bahnfahren ist kompliziert. Das scheint mir nicht zu leugnen zu sein. Ich finde es gar nicht so kompliziert, beizeiten komplex, aber insgesamt mit ein bisschen Mühe und Nachdenken ganz gut zu erfassen. Allerdings habe ich auch eine BahnCard 100 und muss mir über Preise keine Gedanken zu mache. Aber jenseits von dem Geld, dass man fürs Bahnfahren ausgeben kann oder manchmal auch muss, scheint das System Bahn viele Menschen zu überfordern. Und ich meine das gar nicht böse oder ironisch, ich stelle das nur fest.

Etwas Sorge macht mir dann tatsächlich (und auch eher unironisch), dass man den gleichen Leuten, die nicht in der Lage scheinen, eine Bahnfahrt zu planen, erlaubt, sich in kleine Metallkisten zu sitzen, mit denen sie mit irren Geschwindigkeiten und vollkommen ohne Aufsicht durch die Gegend fahren können, aber das ist ein anderes Problem, über das man bei Gelegenheit mal nachdenken könnte.

Nebenbei fahre ich seit grob 22 Jahren regelmäßig Bahn und habe dadurch auch in bestimmten Regionen und auf der ein oder anderen Strecke Expertenwissen angesammelt, das ich aber auch gerne teile, damit nicht immer alle die gleichen Fehler machen. Denn so schwer ist es ja dann doch nicht.

1. Wichtige Kennzahlen bei der Fahrtplanung

Plant man eine Bahnfahrt, so muss man zunächst mal wissen, von wo man nach wo will. Man will zum Beispiel von Köln nach Berlin oder von Hamburg nach Stuttgart (warum auch immer, egal). Ausreichend techaffine* Menschen gehen dann ins Internet auf die Seite der Bahn und geben beide Bahnhöfe ein, außerdem den Tag der Anreise und die ungefähre Abfahrts- oder Ankunftszeit. Dann erhält man verschiedene Vorschläge. Hier sollte man jetzt schon mal die wichtigsten Kennzahlen angucken, die da wären: Dauer der Fahrt, Anzahl der Umstiege und Art der Beförderungsmittel. Damit arbeiten wir weiter.

*Mir ist durchaus bewusst, dass es viele nicht techaffine Menschen gibt, die auch viel Bahn fahren. Tatsächlich scheint mir an dieser Stelle der Gang ins nächste Bahnservicecenter der geeignete Weg. Ich bin da auch tatsächlich noch nie unfreundlich behandelt worden, aber das mag auch daran liegen, dass ich der Bahn monatlich sehr viel Geld überweise und das mit meiner Karte auch beweisen kann.

2. Weniger Umsteigen ist mehr

Ein Umstieg weniger wiegt locker zwanzig Minuten mehr Fahrtzeit auf. Das ist natürlich Geschmackssache und kommt auch auf die individuelle Situation an, trotzdem sollte man die Anzahl der Umstiege nicht unterschätzen. Zumal ein Umstieg auch immer das Risiko mitbringt, dass man einen Zug verpasst, weil man nicht genügend Umstiegspufferzeit eingeplant hat.

Die schönsten Fahrten sind die, wo man in A in den Zug steigt und in B aus dem Zug steigt und nicht zwischendurch irgendwelche Cs, Ds und Es rumliegen hat. Umsteigen ist anstrengend. Man kann zum Beispiel beim Umsteigen sehr schlecht schlafen, beim Sitzenbleiben im Zug hingegen schon. Wie viel zusätzliche Fahrtzeit und/oder Kosten einem einmal weniger Umsteigen wert ist, ist sicherlich eine persönliche Frage, man sollte den Wert aber nicht unterschätzen, sondern stets in die Fahrtplanung mit einbeziehen.

3. Supergeheimer Geheimtipp

Der supergeheime Geheimtipp existiert leider nicht. Ich hatte hier wohl mal Platz für irgendwas gelassen und dann vergessen für was und außerdem war es sehr früh morgens.

Aber, damit man hier nicht leer ausgeht: Im ICE sind die Steckdosen üblicherweise zwischen den Sitzen unter den Sitzflächen, es gibt also eine pro zwei Sitzplätze. So lernt man im Zweifelsfall auch mal seine Sitznachbarin kennen, die auch gerne ihr mobiles Endgerät laden möchte. Im EC sind sie übrigens direkt unter den Lehnen und es gibt zwei davon. Jetzt wissen Sie auch das und müssen nicht mehr doof fragen. (Ich habe übrigens in den letzten vier Jahren ungefähr einmal erlebt, dass eine Steckdose nicht funktioniert hätte. Die Mär der nie funktionierenden ICE-Steckdose scheint mir eine ähnliche urban legend wie die fehlende IKEA-Schraube.)

4. Ein Bahnhof ist nicht wie der andere

Tatsächlich sollte man bei der Wahl der Umsteigebahnhöfe auch darauf achten, dass man nicht in Hintertupfingen umsteigt, sondern vielleicht eher in Frankfurt. Hierbei handelt es sich um ein Thema aus dem Bereich des Risikomanagements. Wenn alles gut geht, ist es selbstverständlich egal, wo man umsteigt, geht aber irgendwas irgendwo nicht gut und man bekommt den Anschlusszug nicht, dann möchte man die eine Stunde bis zum nächsten Zug lieber an einem Bahnhof verbringen, der zum Beispiel ausreichend überdacht und mit den üblichen Unterhaltungsoptionen ausgestattet ist. In Hintertupfingen hingegen zieht es unangenehm und im einzigen Bahnhofscafé gibt’s nur schlechten Filterkaffee. Zudem ist es bei größeren Bahnhöfen wahrscheinlicher, dass die nächste Weiterfahrtmöglichkeit vielleicht doch schon eine halbe Stunde später geht.

5. Ein Zug ist nicht wie der andere

Ob man mit dem ICE oder dem Bummelzug fährt ist natürlich zunächst mal eine Preisfrage. Es gibt allerdings auch gute Gründe, mehr Geld zu bezahlen – sofern es sich im Rahmen hält -, um in die Vorzüge der Personenbeförderung per Schnellzug zu kommen.

Beispielsweise ist so ein ICE schneller. Das ist schon mal ein Vorteil, es sei denn man will gar nicht dahin, wo man hinfährt und möchte es möglichst hinauszögern. Zudem hat man zumindest ein bisschen mehr Platz als in den üblichen Doppelstockregionalzügen. Das gilt sowohl für einen selber so als Mensch als auch für das möglicherweise mitgeführte Gepäck. Wir können jetzt selbstverständlicherweise mal wieder darüber diskutieren, wie unverschämt das mangelnde Kofferabstellangebot in deutschen Zügen ist, das ändert aber auch nichts.

Es gibt auch andere Vorteile. Zum Beispiel ist der Kuchen im Bordbistro überraschend gut, wie ich mal eher aus Zufall festgestellt habe. Außerdem gibt es im ICE Tischchen und Steckdosen und manchmal sogar Internet, jedenfalls, wenn man Zugangsdaten zu den Telekom-Hot-Spots hat. Für letzteres kann ich aber nicht garantieren. Es klappt öfter als in Social-Media-Kreisen (auch von mir selber) beunkt, aber leider auch oft genug eher so nicht.

6. Reservieren schadet nie

Folgende Situation erleben Profibahnfahrer immer wieder: Laienbahnfahrer mit vielen Koffern steigen an einem beliebigen Bahnhof in den Zug. Meistens sind sie auf dem Weg vom oder zum nächsten Flughafen, sie fahren sonst nie, wirklich nie Bahn und die Irritation, dass die Bahn nicht wie erwartet gähnend leer ist, steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Selbstverständlich haben sie nicht reserviert. Wieso auch? Es war ja nicht abzusehen, dass auch andere Leute mit der Bahn fahren. Niemand, wirklich niemand konnte das ahnen.

Hier ein Tipp: Planen Sie eine längere Bahnfahrt und wissen nicht wirklich hundertprozentig, dass nicht viel los sein wird, RESERVIEREN SIE UM GOTTES WILLEN! Wenn man alleine unterwegs ist, kann man das Risiko ja noch eingehen, aber spätestens, wenn man zu zweit ist und möglicherweise plant, sich während der Fahrt zu unterhalten, sollte man einfach sicherstellen, dass man auch nebeneinander sitzt.

Dieser Hinweis gilt noch mal besonders für Eltern mit Kindern oder Reisegruppen: RESERVIEREN SIE! Planen Sie die Kosten einfach von Anfang mit ein, lassen Sie den Gedanken, man könnte ja auch nicht reservieren, einfach nicht zu.

Protipp: Ein Wasser im Bordrestaurant kostet 3 Euro (Stand irgendwann vor zwei Jahren). Man kann also ganz risikobewusst nicht reservieren und hoffen, dass im Bordrestaurant was frei ist und man nicht nach einer Stunde höflich rausgeschmissen wird, weil man sich an seinem Wasser festklammert. So spart man sich aber die Reservierung und hat zusätzlich noch ein Getränk.

7. Aufpassen im Erdkundeunterricht

Mangels magischer Fähigkeiten hält sich die Bahn im Wesentlichen an die geographischen Grundbedingungen des Landes. Es hilft also, wenn man weiß, wie die Städte auf der vorgeschlagenen Strecke so grob liegen, um zu erkennen, ob die vorgeschlagene Strecke vielleicht doch etwas albern ist. Im Prinzip erkennt man das auch an der Fahrtzeit.

Zudem hilft es enorm, wenn man möglicherweise bei einem Zugausfall, einem verpassten Zug oder weil man es halt aus irgendeinem anderen Grund eilig hat relativ schnell entscheiden kann, ob ein Zug einen zumindest in die richtige Richtung bringt. Da spielt natürlich auch die konkrete Streckenführung der Bahn eine Rolle, das ist aber tatsächlich schon ein Expertenthema. Möchte ich aber zum Beispiel von Köln nach Essen, dann ist es nicht verkehrt, wenn ich die Züge nach Aachen, Krefeld und Bonn recht schnell als nicht zielführend ausschließen kann. Züge nach Dortmund, Hamburg oder Berlin hingegen könnten vielversprechend sein, da hilft dann ein Blick auf die Zwischenstationen, um rauszufinden, ob sich der Weg zum Gleis lohnt.

8. Bahnfahren ist keine Magie!

Worüber ich mich tatsächlich nicht äußern kann, ist die Frage nach der Preisgestaltung. Diese scheint mir auch insgesamt das magischste an dem ganzen Prozess des Bahnfahrens zu sein. Bevor ich jedoch gefährliches Halbwissen auspacke, konzentrieren wir uns auf die Aspekte, bei denen ich mir recht sicher bin:

Bahnfahren ist keine Magie. Man kann das nicht nur lernen, mit ein bisschen Nachdenken bei der Planung und bei der Fahrt selber braucht man noch nicht mal wahnsinnig viel Erfahrung, sondern nur ausreichend viel gesunden Menschenverstand. Ich selber habe auch genug anekdotisches Geschichtenmaterial dafür, wie eine Bahnfahrt eher so suboptimal klappte und mir keiner der obigen Hinweise großartig weitergeholfen hätte. Aber die habe ich fürs Autofahren auch. Und fürs Fliegen. In der Bahn musste ich zum Beispiel noch nie 50 Dollar für ein zweites Gepäckstück zahlen. Ich wurde auch noch nie von hinten angeblinkt und angehupt, weil ich darauf bestand, den Wagen neben mir mit 150 km/h statt mit 180 km/h zu überholen.

Niemand muss zum Profibahnfahrer werden. Aber es gibt weniger Hürden auf dem Weg dorthin, als man vielleicht vermuten könnte.

12 comments

  1. Sören

    Tipps für Eltern:

    – die kinderabteile sind je nach zug seeehr unterschiedlich. es gibt (in den alten interregios, die manchmal noch als ic eingesetzt werden) bisweilen sogar kletterabteile mit kleiner hochebene, manchmal auch nur zu wenig sitze in einem kleinen abteil. immer gilt aber: mehr als ein kinderwagen passt nie rein. es empfehlen sich für die bahnfahrt klappbuggys, sofern moglich.
    der reservierungsmodus für kinderabteile ist erratisch. anscheinend geht die bahn meist davon aus, dass ein kinderabteil mit einer reservierung, ob fùr 2 oder 5 personen, voll ist. vielleicht arbeiten da tatsächlich auch eltern?
    an normalen tagen (nicht freitag- oder sonntagnachmittag oder feiertage) braucht man da aber auch tatsächlich selten reservierungen für. und über die solidarität zwischen bahnreisenden eltern kann ich viel gutes berichten.

    – im ice bekommt man im bordbistro kostenlos ein kleines kinderpackage: kinderzeitschrift, ausmalbuch, 6 buntstifte und einen kleinen spielzeug-ice. man kann bei häufigen bahnfahrten eine imposante sammlung dieser spielzeug-ice aufbauen und hat auch im notfall immer ein gastgeschenk für fremdkinder

    – wickeltische sind in den behinderten-wc’s

    und generell: eine bahncard 25 lohnt sich sehr schnell, zumal die auch die sparpreise („plan&spar“) noch weiter reduziert. manchmal ist es dadurch dann günstiger als mit einer bc50.

    @anne: eine bc100? rentiert sich die tatsächlich? ich hatte das mal durchgerechnet, aber selbst zu pendlerzeiten lohnte sich das fur mich nicht.

  2. Nihilistin

    Ich bin jahrelang freitags ICE zwischen deutschen Großstädten gependelt. Und als endlich die Wehrpflicht abgeschafft wurde und ich dachte „hey, jetzt musst du dich nur noch mit den angeschickerten Kegelklubs und den angetrunkenen Skatrunden und nicht mehr mit pickligen und biertrinkenden Wehrpflichtigen rumschlagen“, musste ich dann nicht mehr fahren. Irgendwie fühlte ich mich leicht betrogen :-(

  3. Die liebe Nessy

    Gerne gelesen. Ergänzend empfehlen sich folgende Tipps:

    Auf einer dreistündigen Bahnfahrt verhungert man in der Regel nicht. Es mag sein, dass sich der schlichte Sachverhalt des Reisens für viele Mitmenschen so anfühlt, als müssten sie Massen an (eingetupperter, vorgekochter) Nahrung mit sich führen, es ist aber im Grunde nicht notwendig.

    Der Wagenstandsanzeiger zeigt Wagen an. Zum Beispiel den eigenen, in dem man einen Platz reserviert hat. Man kann sich dann direkt an die Stelle stellen, an der der Wagen hält und muss nicht den Zug nach seinem Platz durchforsten. Eine Änderung der Wagenreihung kommt meiner Erfahrung nach nicht so oft vor, wie die urbane Legende zu wissen meint.

    Das Mitführen zwei kleinerer Gepäckstücke statt eines großen (so möglich, weil kein Flugreisender) ist grundsätzlich praktikabler. Überhaupt bietet es sich an, eher weniger als mehr mitzunehmen. Man muss die Koffer schließlich durch die Gegend hieven.

    Fußballsonderzüge sind zu meiden, es sei denn, man ist Fan des jeweiligen Vereins und intensiv am Konsum von Alkoholika interessiert.

    Menschen, die einen Film schauen, arbeiten, Kopfhörer tragen oder schlafen, sind nicht an Konversation interessiert. Niemals. Auch nicht mit Ihnen. Das ist die harte Wahrheit.

    • Anne

      Tatsächlich gibt es relativ häufig geänderte Wagenreihungen, sie sind aber auch intellektuell zu meistern, weil sie in 95 Prozent der Fälle vorher angeschlagen und mündlich durchgesagt werden und man sich dementsprechend umorientieren kann.

      Ich habe auch gehört, dass es deshalb relativ häufig dazu kommt, da jede Änderung im Betriebsablauf, vor allem alles, was mit Kopfbahnhöfen zu tun hat, dazu führen kann, dass der Wagen auf einmal falsch rum steht. Und Züge kann man eben nicht mal ebenso umreihen. Ich hab mal so eine Wagenreihungsänderungsfahrt mitgemacht (ich glaube, es ging darum, dass bei einem zweiteiligen Zug die Züge falschrum zusammengekoppelt waren), da fährt man von Frankfurt Hbf aus einen Bogen südlich vom Flughafen, der mal locker zwanzig bis dreißig Minuten kostet.

  4. Kiki

    Den Seitenhieb à la „… und sowas darf Auto fahren“ finde ich ärgerlich, unpassend und überflüssig. Nebenbei: das riecht auch sehr streng nach Ageism a.k.a. Altersdiskriminierung, imho. Wer täglich seit Jahrzehnten Auto fährt, hat darin Routine und ist mit den verkehrstechnischen Anforderungen vertraut. Und um Routine geht as ja in Deinem Artikel – nur um Routine beim Bahnfahren halt. Wer aber täglich Auto fährt, fährt seltenst auch täglich Bahn, schon vermutlich mal gar nicht die Sorte Bahnfahren mit xmal Umsteigen über längere Strecken.

    Es ist für uns technikaffine Menschen schlicht nicht vorstellbar, dass es eine gar nicht mal so kleine Anzahl von gelegenheitsbahnfahrenden Mitmenschen in unserem Land gibt, die mit oft englischsprachigen, blinkenden Informationstafeln (die oft unter Werbung zusammenbrechen) wenig anfangen können. Und das sind nicht einmal nur die Senioren. Die Benutzerführung der Bahn, das UX Design wie man heute sagt, ist gruselig schlecht. Und ich rede von diesem „Draussen“, nicht von der Website oder App. Das Tarifsystem ist dann noch einmal eine ganz andere Riesenbaustelle.

    Wegweiser, Wagenstandanzeiger, Fahrpläne und Informationsblätter – das ist alles extrem verbesserungswürdig. Bzw. es hat früher meist wunderbar funktioniert, aber wurde zu Tode optimiert nach der Privatisierung. Die überwältigende Menge an Werbung im öffentlichen Raum (haha, öffentlich, my arse!) erstickt die schnell gesuchte Information verlässlich.
    Früher sind die Menschen problemlos Bahn gefahren, und zwar in weitaus volleren Zügen als heute und oft mit mehr und schwererem Gepäck, mit mehr Kindern. Es gab früher mehr Personal, das man auf dem Bahnsteig fragen konnte. Die Lautsprecherdurchsagen waren eher verständlich, weil sie nicht von Hintergrundmusik der Werberadios in der Bahnhofshalle übertönt wurden und viele Punkte mehr.

    Die Leute sind nicht blöder geworden, die Bahn und ihre Kommunikation ist schlechter geworden. Verbal auf die Laienbahnfahrer einzuschlagen ist vielleicht lustig, nachvollziehbar und einfach. Hilfreich ist es nicht.

    P.S. Am Flughafen ist es nicht besser, im Gegenteil. Und da kommt noch der ganze Sicherheitsvoodootanz dazu.

    • Anne

      Es war tatsächlich eher unironisch gemeint, vielleicht etwas überspitzt formuliert. Aber im Endeffekt wundere ich mich wirklich, dass sich so viele Leute über die Kompliziertheit der Bahn beklagen (teilweise zu Recht, aber nicht immer), wir aber gleichzeitig den meines Erachtens deutlich komplexeren Zusammenhangs des Selber-Autofahrens als völlig normal und unproblematisch ansehen.

      Und das sage ich, wo ich mich aktuell nicht selber ans Steuer setzen würde, weil ich zwei Jahre nicht gefahren bin und mich nicht so von jetzt auf gleich in den ziemlich unentspannten deutschen Autoverkehr begeben möchte. Und als jemand, der in den letzten drei Jahren an der selben Ampel zwei Mal fast von Autofahrern umgenietet worden wäre, die bei knallerot über die Ampel fuhren. Von Zebrastreifen fang ich lieber nicht an.

      • Goldengelchen

        Ehrlich gesagt muss ich da Kiki zustimmen.
        Ich selbst wohne in einer Kleinstadt kurz vor der Grenze zu Holland mit sehr schlechter Bahn-Anbindung. Unser Bahnhof hat ein einziges Gleis und ist Endstation, der ÖPNV besteht nur aus Bussen, nichtmals toll getaktet. Kurzum: Hier fährt man Auto. Meine Bahnfahrten pro Jahr kann ich locker an einer Hand abzählen.
        Ich selbst komme mit dem System Bahn klar, wir sind eine Generation, die sich selbst informieren, die die verschiedenen Systeme (Wochendticket, Sparpreis, Probe-Bahncard, …) noch relativ schnell kapieren oder halt wissen, wo man nachschauen kann, die Apps aufs Smartphone installieren etc.pp.
        Aber als meine Kollegin (Mitte 40) letztens mal ein Wochenend-Kurzurlaub nach Köln plante und die Anreise mit der Bahn machen wollte, fragte sie mich erst mal, wo man sich am besten informieren kann, welches Ticket sie nehmen könnte und wo sie das bekäme.

        Und man darf bei dem Hinweis auf die Autofahrer nicht vergessen, dass gerade in einer Kleinstadt Autofahren nicht so „schwer“ ist wie in einer Großstadt. Es gibt wenige(r) mehrspurige Straßen, keine so riesigen Kreuzungen mit zig verschiedenen Abbiegespuren und 3 Ampeln innerhalb von 100m, keine Straßenbahnen als zusätzliche Teilnehmer im Straßenverkehr, es gibt oft breite Fahrradwege etc. pp. Somit hat man es als Autofahrer super easy, fährt jeden Tag damit und wenn man dann einmal im Jahr mit der Bahn wohin will, muss man sich erst wieder auf den aktuellen Stand der Dinge bringen.
        Und auch wenn ich in die Großstadt will, ist das Auto oft trotzdem die bevorzugte Wahl. Wenn ich für eine Strecke von ca. 100km von Haustür zu Haustür ca. 1h10min mit dem Auto (nicht im Berufsverkehr) benötige, mit dem Zug aber 2h15min brauche(von „Hbf“ zu S-Bahnhof), fällt die Entscheidung nicht schwer…

        Viele Grüße,
        Goldengelchen

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