YNAB oder wie ich zumindest halbwegs meine Finanzen überblicke

tl;dr Ich benutze seit einem Dreivierteljahr eine Budgetierungssoftware namens YNAB und habe nur gute Erfahrungen gemacht, weil ich direkter merke, wann das Geld wohin geht und besser planen kann. Wer es selber ausprobieren will, kann diesen Referallink nehmen.

Von YNAB habe ich das erste Mal in einer Folge von Wrint gehört, in der Holgi dieses wunderbare Finanzverwaltungs- bzw. Budgetierungstool vorstellte. YNAB steht für You Need a Budget und soll dabei helfen, seine privaten Finanzen in den Griff zu kriegen. Das klang wie etwas, das für mich interessant sein könnte, also lud ich mir die 34-Tage-Testversion runter und fing an. (Die Testversion ist etwas länger als ein Monat, damit man auf jeden Fall in die Verlegenheit, einen Monatsübergang mitzumachen.)

Dazu muss man folgendes wissen: Ich kann gleichzeitig ganz gut und überhaupt nicht mit Geld umgehen. Ganz gut, weil ich im Leben bislang noch nicht in ernsthaft prekäre Situationen gekommen bin, schon allein, weil ich immer festangestellt war und rechtzeitig große Panik bekomme, wenn es doch mal etwas enger wird. Überhaupt nicht, weil ich abgesehen davon ungefähr keinen Überblick darüber hatte, wo mein Geld hingeht. Dabei geht es weniger um größere Ausgaben, ich gehe eher selten in die Stadt und haue da größere Summen auf den Kopf, das ist mir schon mental viel zu anstrengend. Es sind eher die kleinen Sachen, die sich zusammenläppern. Wenn dann noch Mitte des Monats die Kreditkartenabrechnung kommt mit all dem anderen Kleinkram, den ich bis dahin wieder verdrängt habe, dann sieht’s halt manchmal überraschend nicht so gut aus.

Vor YNAB hatte ich immerhin eine ganz gute Methode, die ich schon zu Ausbildungszeiten angefangen hatte: Jeden Monat überweise ich per Dauerauftrag einen festen Betrag auf ein Sparkonto. Das Geld geht üblicherweise kurz nach Gehaltseingang auf das Konto, so dass es quasi nie da war. Vom Sparkonto abheben kann ich nur, wenn ich persönlich bei der Bank vorbeikomme und denen den letzten Kontoauszug mitbringe. Es erfordert also einen Organisierungs- und Zeitaufwand, den ich tatsächlich nur dann bereit bin zu bringen, wenn ich wirklich etwas brauche. Dafür kann ich die monatliche Überweisung natürlich ändern, wenn ich will, aber auch das muss bei einem Prokrastinierprofi wie mir ja erst mal einen wirklich triftigen Grund haben. Ich habe mir da also ein paar Hürden gebaut, die es wahrscheinlicher machen, dass ich auf dem Sparkonto tatsächlich größere Summen ansparen kann.

Damit bin ich eigentlich die letzten fünfzehn Jahre ganz gut gefahren, war aber nicht immer ganz zufrieden. Ich würde gerne zu den Menschen gehören, die Ende des Monats immerhin nur bei null rauskommen und nicht bei irgendeiner Minuszahl. Am allerschönsten wäre natürlich eine positive Zahl. Und ich würde vor allem einfach gerne wissen, wie viel ich eigentlich tatsächlich für was ausgebe.

Wie funktioniert YNAB?

YNAB ist eine Budgetverwaltung. Das bedeutet, dass man sich am Monatsanfang überlegt, wie viel Geld man voraussichtlich zur Verfügung hat und dann für unterschiedliche Kategorien überlegt, wie viel man ausgeben will, bis man entweder alles Geld verplant hat oder alles Budget verteilt hat und vielleicht noch was übrig ist. Beides ist legitim.

Dann gibt man im Verlauf des Monats jede Ausgabe an und sieht, wie das ursprünglich so schön große Budget schrumpft und schrumpft. Tatsächlich scheint das die für mich am besten funktionierende Methode zu sein. Zu sehen, wie etwas weniger wird scheint mir intuitiver als Belege zu addieren und etwas mehr werden zu lassen, was ja im Gegensatz eigentlich nicht mehr da ist. Dass eine Ausgabe ein Minus von etwas und nicht ein Plus auf etwas ist, geht besser in meinen Kopf und ich reagiere gut auf Farbcodierungen mit rot und grün.

Tatsächlich ist weder das monatliche Budgetieren noch das tägliche Verwalten viel Arbeit, es macht im Gegensatz sogar irgendwie Spaß, jedenfalls, wenn man ich ist. Wenn man einmal ein paar Erfahrungswerte hat, geht das monatliche Eintragen der Budgets auch sehr flott von der Hand. Dann setze ich mich im Verlauf des Monats noch mal gelegentlich dran und schiebe ein bisschen Geld rum, weil sich unerwartete Ausgaben in einer Kategorie ergeben haben und das Geld dann halt bei anderen Posten abgezwackt werden muss. Im Zweifelsfall kann man Ausgaben auch auf den nächsten Monat schieben und so langsam abstottern, man merkt es dann eben eventuell daran, dass man in den nächsten ein oder zwei Monaten auf dem Konto etwas klammer ist. Wenn man dann aber weiß, woran es liegt, ist es auch gleich weniger schlimm.

Für den Einstieg schnappt man sich am besten die Kontoauszüge der letzten zwei bis drei Monate und macht sich einen Überblick über monatliche Kosten und eventuell auch schon darüber, wofür man allgemein so Geld ausgibt. Das funktioniert natürlich besser, wenn man eher mit Karte als bar bezahlt. Das bedeutet auch, dass die initiale Anlage etwas länger dauert, danach geht aber fast alles immer sehr fix und ohne großen Aufwand.

Ich runde üblicherweise kaufmännisch, ein Supermarkteinkauf von 34,82 Euro wird eben mit 35 Euro verbucht. Außerdem nehme ich es mit den Kategorien nicht so genau. Ob ein Döner zu „Snacks“ oder „Restaurant“ kommt, ist nicht so wichtig. Man kann sich seine Kategorien selbst zusammenbasteln, da muss jeder selbst entscheiden, wie feingranular man werden will. Ich habe eine Strategie gefunden, nach der ich jede Ausgabe schon irgendwo hinsortieren kann, ohne dass ich mir gedanklich zu viel Stress machen muss. Im schlimmsten Fall macht man eben eine Kategorie „Diverses“ und gut ist, so weit ist es bei mir aber noch gar nicht gekommen.

Das ist im Prinzip auch schon die ganze Magie. Ich hätte gerne einen Screenshot präsentiert, musste dann aber einsehen, dass dieser nach Ausblenden sämtlicher Daten erschreckend aussagelos ist, deswegen lasse ich das einfach. Auf der Homepage von YNAB gibt es Bilder.

Zur technischen Seite ist noch zu sagen, dass YNAB als Desktop-Applikation läuft und dort auch den kompletten Funktionsumfang bietet. Es gibt über Dropbox die Möglichkeit, eine mobile App zu verbinden, die sich dann über Dateien, die in der Dropbox abgelegt werden, mit der Desktop-App synchronisiert.

Zu meinem allgemeinen Unbehagen hat YNAB sein Geschäftsmodell jetzt umgestellt. Ich konnte YNAB noch als Standalone-Desktop-Software für einen einmaligen Betrag kaufen, das neue Geschäftsmodell sieht ein Abo vor ($5 im Monat oder $50 im Jahr) und läuft in der Cloud. Aus unternehmerischer Sicht sicher eine gute Idee, aus Nutzersicht eher so na ja. Ob und wann ich umsteige, weiß ich nicht, erstmal bleibe ich bei meiner Desktopversion und warte ab. Nicht zuletzt weiß ich ja dank YNAB wie auch kleine Beträge den Braten fett machen. So oder so: Ohne möchte ich aber nicht mehr.

Was habe ich gelernt?

Die wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus etwa neun Monaten mit YNAB gewonnen habe und die zwar als abstrakte Vermutung schon vorher in meinem Kopf waren, die ich aber erst im praktischen Umgang wirklich begriffen habe:

1. Es läppert sich tatsächlich zusammen. Hier hilft das Denken in Budgets und Kategorien, das war für mich auch die entscheidende Umstellung, die in meinem Kopf stattgefunden hat. Ein Kaffee bei Starbucks kostet sagenwirmal vier Euro. Wenn man jetzt den kompletten Topf an Geld nimmt, den ich nach Abzug von laufenden Kosten monatlich zur Verfügung habe, sind vier Euro nicht viel, komplett vernachlässigbar. Denke ich aber in Kategorien, dann möchte ich vielleicht im Monat für Snacks und Kaffee nicht mehr als 40 Euro ausgeben. Dann sind vier Euro schon viel mehr, nämlich immerhin ein Zehntel. Wenn ich mir dann zehn Kaffees leiste, ist das Budget weg. Dann darf ich entweder keinen elften Kaffee oder ich muss von einem anderen Budget etwas abzwacken. Da ich aber das Geld, das ich für andere Posten veranschlagt habe, ja eigentlich auch dafür ausgeben möchte, ist das auch doof. Man teilt den größeren Haufen Geld also in viele kleine Haufen ab, denen man konkrete Namen gibt. So wird der Verwendungszweck klarer und gleichzeitig merkt man, dass man für jeden einzelnen Posten eben doch gar nicht so viel zur Verfgüung hat.

2. Jeder Euro zählt, auch oder erst recht auf der Einnahmenseite. Das Budget aufzuteilen und sich zu beherrschen ist die eine Sache, man kann aber eben auch zusehen, ob man nicht auch etwas Geld zusammenbekommt. Ich fülle jetzt zum Beispiel wirklich immer die doofen Fahrgastrechteformulare aus, wenn die Bahn wieder mehr als 60 Minuten Verspätung hat. Früher war mir das oft zu lästig. Mittlerweile weiß ich: Die zehn Euro, die ich da kriege, kann ich für irgendeine Budgetkategorie bestimmt gut brauchen.

Weitere Erkenntnisse:

  • Ich habe zunächst mal alle möglichen Abos gekündigt, die ich nicht brauchte. Es waren leider/zum Glück nicht so viele wie befürchtet, so dass sich das Einsparpotential in Grenzen hielt.
  • Das meiste gebe ich tatsächlich für Essen und Restaurantbesuche aus.
  • Für Bücher musste ich zunächst deutlich mehr einplanen. Ich hatte zunächst mit 20 bis 30 Euro kalkuliert, was sich schon im ersten Monat als wilder Irrglaube herausstellte, danach plante ich eher so 50 bis 60 Euro ein.
  • Dafür hat sich mein Buchkaufverhalten geändert. Vorher habe ich eBooks, die mich halbwegs interessierten und weniger als fünf Euro kosteten oft einfach so gekauft. Jetzt kaufe ich Bücher wirklich nur, wenn ich sie haben will. Außerdem gucke ich auch öfter, ob ich ein Buch nicht als Rezensionsexemplar bekomme. Das bedeutet natürlich auch, dass ich dann nachher Zeit investieren muss, um darüber zu schreiben.
  • Ich achte vermehrt darauf, Dinge, die ich im Blog vorstelle mit einem Amazon-Affiliate-Link zu versehen. So läppert sich alle paar Monate ein Gutschein zusammen und ich kann das Buchbudget für diesen Monat verringern (oder ein bis zwei Bücher mehr kaufen).
  • Gut verzichten kann ich auf: Snacks und Kleidung. Die Ausgaben für Kleidung belaufen sich eher auf höhere einzelne Posten und dann in den nächsten zwei Monaten wieder gar nichts.
  • Budget für Snacks brauche ich fast nur im Sommer, wenn wir nach der Mittagspause zum Eismann laufen. Das ist auch gefühlt das erste, was ich mir sehr gut abgewöhnen konnte: Ich kaufe so gut wie nie mehr mal eben irgendwo ein Teilchen oder ein Getränk, es sei denn, es sieht besonders verführerisch aus oder ich haben extremen Hunger.
  • Weiter zurückgefahren habe ich den Zeitschriftenkonsum, ich kaufe fast ausschließlich nur noch die Zeitschriften, die ich wirklich haben will. Einmal im Quartal werde ich schwach und kaufe noch irgendwas anderes, das reicht dann aber auch.
  • Zusätzlich war ich motivierter, endlich das Abo für eine Zeitschrift über meine Firma abzuschließen, da ich so in den Genuss von 40% Rabatt komme. Für eine andere Zeitschrift habe ich ein Halbjahresabo mit meinen Bahn.Bonus-Punkten gekauft.

Und sonst so?

Was wichtig für mich ist: YNAB hält mich nicht davon ab, mir geiles Zeug zu kaufen. Es hält mich auch nicht davon ab, mal unvernünftig zu sein. Kurz: Ich fühle mich nicht eingeengt. Das finde ich wichtig, da ich sonst vermutlich keinen Spaß dabei hätte und es auf Dauer aufgeben würde. Ich kann immer noch so viel (oder wenig) Geld ausgeben, wie ich will, ich sehe nur die Konsequenzen schneller und direkter und weiß daher, wann ich mich auch mal zurückhalten muss. Da man jederzeit Budgets umschieben oder auch mal ein Minus mit in den nächsten Monat nehmen kann, ist es eher die Transparenz, die mir hilft, quasi von alleine vernünftiger mit meinem Geld umzugehen und nicht, weil ich irgendeinen äußeren Druck verspüre. Man kann natürlich schummeln, aber dann bescheißt man sich im Endeffekt eben nur selber, dann kann man es auch gleich lassen.

Inwiefern ich mit YNAB bares Geld gespart habe, kann ich kaum beurteilen. Es ist bei mir eher so, dass Kaufentscheidungen etwas bewusster getroffen werden. Außerdem weiß ich mittlerweile, wo das Geld hingeht und wo ich im Zweifelsfall auch sparen kann. Die abstrakte Vermutung „Es läppert sich halt so zusammen“ hat sich bestätigt, aber ich habe so auch gelernt, wie ich auf der Einnahmenseite noch ein bisschen läppern kann. Zudem musste ich im letzten Jahr exakt einmal ans Sparkonto, sonst kam das auch häufiger vor. Ich konnte zum Beispiel die zusätzlichen Ausgaben für den Sommerurlaub schon im Voraus mit einplanen.

YNAB ist super für Menschen wie mich, denen das Sparen nicht mit in die DNS gegeben wurde und die einfach mal einen Überblick brauchen. Es ist sicherlich auch super für Menschen, die aus anderen Gründen eine bessere Übersicht brauchen, weil sie eben vielleicht immer eher knapp über die Runden kommen oder als Freiberufler unregelmäßige Einnahmen haben und anders planen müssen.

Wer jetzt selber ausprobieren will und eventuell das Ding nachher kaufen will, ich habe hier noch einen Urzeit-Referrallink, bei dem ich angeblich Geld bekomme, wenn jemand darüber die Software kauft. Ob sich das auch mit dem neuen Modell verträgt, weiß ich nicht, aber da ich ja jetzt gelernt habe, dass sich auch kleine Beträge lohnen, weise ich darauf hin. Dafür bitte folgenden Link benutzern: http://ynab.refr.cc/T2PM7NT

Wer mir keinen Cent gönnt, der kann natürlich auch einfach so auf der YNAB-Homepage gucken. Ich habe keine Vertrag oder eine anderweitige Verabredung mit YNAB, ich bin nur sehr glücklich mit der Software und finde das Thema ausreichend spannend, dass ich denke, dass es auch für andere interessant sein könnte.

19 comments

  1. antagonistin

    Ich gehöre eher zu den Menschen, die großzügig ausgeben und dann mitunter etwas konsterniert gucken, weil der Monat doch noch ein ganzes Weilchen dauert.

    Ich verstehe auch das Bedürfnis, den Überblick zu behalten. Was ich nicht verstehe ist die Einteilung des Budgets in solch winzige Untergruppen. Ich hätte maximal vier Kategorien: Fixkosten, zu Sparendes (Deine Monatsanfangs-Dauerauftragssumme), Lebenshaltungskram und „Taschengeld“. Die ersten 3 Töpfe ähneln sich ja immer irgendwie in der Summe. Der letzte Betrag ist letztlich der, der für die wo-isses-nur-wieder-hin Summen verantwortlich ist. Ich finde es aber letzltich egal, ob ich dieses Geld in Klamotten, Starbucks, Bücher, Luxuszeug oder Kino investiere. Wenn es weg ist, ist es weg, und ich muss halt irgendwie auf den nächsten Monat warten. Theoretisch. :)

    • Schnitzelherz

      Ja, mir wird der Monat mitunter auch mal etwas lang. Ich hatte mir YNAB nach Annes Erwähnung dann auch angesehen, fand aber das Abo doof (und nach Annes Beschreibung finde ich es auch für mich ungeeignet) und habe mich für Daily Budget als App fürs IPhone entschieden. Da gibt man Einnahmen und Fixkosten ein, was man generell im Monat sparen möchte und hat die Möglichkeit einen größeren Betrag in der Zukunft anzusparen (Autokauf o. Ä.), die App errechnet dann, wir viel man Pro Tag ausgeben darf. Ein kleines Diagramm veranschaulicht, wie viel ich in den Folgetagen ausgeben kann, wenn ich heute weniger ausgebe oder wenn ich heute über meine Verhältnisse lebe. Die täglichen Ausgaben sind auch schnell eingegeben. Für mich funktioniert es super.
      Es gibt eine Gratisversion und für 5€ die Vollversion in der man eigene Kategorien eintragen kann und man Diagramme hat, die einem gut veranschaulichen, Wofür man so die Kohle raushaut.

    • Anne

      Der Unterschied zwischen Lebenshaltungskram und Taschengeld ist meiner Erfahrung nach nicht so offensichtlich. Auch in der Lebenshaltung gibt es zumindest bei mir erhebliche Schwankungen, ich kann auch in einem Monat sehr viel für Lebensmittel ausgeben oder eher wenig, die Summen sind da überhaupt nicht fest.

      Ich setze lediglich zu Beginn des Monats immer ungefähr die gleichen Summen fest, es sei denn, ich weiß schon, dass im kommenden Monat irgendetwas außergewöhnliches passieren wird (im Urlaub gehen wir zum Beispiel öfter essen) oder weil ich aus dem Vormonat noch ein bisschen Schulden mit in den neuen Monat nehme und deswegen reduzieren muss.

      Das „Wenn es weg ist, ist es weg“ war eben auch vorher meine Denke, aber es funktioniert viel besser, wenn man sich vorher überlegt, für was man eigentlich wie viel Geld ausgeben möchte. Ich möchte mein Geld z.B. lieber für Bücher als für Snacks ausgeben und veranschlage dafür dann eben mehr Geld. Das Problem ist eben, dass ein Betrag von z.B. 300 Euro als Taschengeld viel schlechter fassbar ist, mehrere kleine Häufchen für Bücher, Zeitschriften, Snacks, Klamotten und Musik aber viel besser. Der Hauptunterschied ist, dass du dir vorher Gedanken machst, wie viel Geld du überhaupt für einzelne Posten ausgeben willst und zwar sehr konkret. Bei einem großen Haufen von 300 Euro könntest du dir im Prinzip 30 Bücher kaufen, dann bleibt nix für die anderen Sachen übrig. Du könntest auch 20 Bücher kaufen und eine neue Hose und zwei Kaffee. Du könntest auch gar kein Buch kaufen und dafür irgendein teures Kleidungsstück oder jeden Tag einen Kaffee und einen Muffin bei Starbucks.

      Als Gedankengang läuft das halt so:
      Ich finde ein Buch für 10 Euro, das ich gerne hätte und weiß, ich habe noch 300 Euro. Dann weiß ich, danach habe ich noch 290 Euro, das ist immer noch viel, kein Ding, reicht locker.

      Ich finde ein Buch für 10 Euro, das ich gerne hätte und weiß, ich habe 30 Euro für Bücher veranschlagt. Dann weiß ich, danach habe ich noch 20 Euro. Die Chance, dass ich dann überlege, ob ich das wirklich brauche, ist zumindest bei mir höher, weil ich andere noch tollere Ausgabemöglichkeiten in Betracht ziehe.

      Es kann aber auch a) sein, dass dieses Verfahren nicht bei allen Menschen so gut funktioniert wie bei mir oder dass man es b) einfach mal gemacht haben muss, um es zu verstehen. Es fällt mir auch schwer, zu erklären, warum mir die Einteilung so hilft, aber es ist so.

      • antagonistin

        Den Gedankengang mit der kleistückeligeren Einteilung verstehe ich gut. Ich vermute mal, es ist in dem Fall einfach eine Typfrage. Mir wäre grundsätzlich v.a. wichtig, nicht deutlich mehr auszugeben, als ich einnehme. Solche Zeiten hatte ich mal. Mich jedoch bei dem, was mir „zur freien Verfügung“ bleibt, einschränken zu lassen, würde mich vermutlich massiv frustrieren.

        Ich nehme mal Dein fiktives 300 Euro Taschengeld Beispiel. Wenn ich das so aufteile, dass 30 Euro für Bücher gedacht sind, dann bekomme ich ein Problem, wenn mir da ein traumhafter Bildband für 100 Euro in die Quere kommt. Ich hätte zwar das Geld, aber es steckt fest bei Kino/Theater/Restaurant/Klamotten. Das wär mir nix. 300 Euro würden mich glücklich machen, und wenn es dann gar kein Buch, dafür aber spontan die super schöne Tasche wird, die überhaupt noch nirgends vorkommt, dann wär das ok. Es würde mir helfen zu sehen, das ist die Summe X zum auf den Kopf hauen, die ich zur Verfügung habe. Alles Zusätzliche wäre eher einengend.

        Es ist vermutlich wirklich reine Typsache, womit man sich da in der Planung wohl fühlt. :)

        • Anne

          Dann musst du in dem Fall eben dein komplettes Budget für Klamotten und Kino/Theater streichen oder schleppst das Minus mit und kannst die nächsten zwei Monate kein oder nur sehr wenig Geld für weitere Bücher. Das kannst du auch jederzeit machen, aber das Bewusstsein wird gestärkt. YNAB bastelt dir ja
          keinen Riegel vors Konto, es hilft nur bei der Übersicht.

          Tatsächlich macht dieses Budgetrumschubsen wirklich erstaunlich viel Spaß. Ich gucke mir dann den aktuellen Stand an, sehe, wo es eng wird und wo ich noch Puffer hab und schiebe dann alles wieder so zurecht wie es passt.

  2. Kiki

    Danke für die ausführliche Rezension, das klingt schon nach einer sinnvollen Software, bzw. klänge danach, wenn es denn noch eine Standalone-Version gäbe.
    Über den Affiliate Link gibt es 10% Rabatt auf den jährlichen Abo-Plan für den neuen Kunden, vermutlich einen entsprechenden Betrag für Dich bzw. den Werber. Ich kann mich leider nicht überwinden, meine finanziellen Gepflogenheiten freiwillig der Cloud und einer US-Firma anzuvertrauen und passe daher.

    • Anne

      Ich finde das auch sehr ärgerlich und bin sehr froh, noch die alte Version zu besitzen. Ich bin zwar ansonsten auch kein Riesenkritiker der Cloud, aber bei Finanzkram denke ich auch ein paar Mal mehr nach.

  3. Andrea

    Ich liebe YNAB und bei mir ist es sehr ähnlich wie bei dir. Ich habe Spaß daran, die App zu benutzen. Außerdem hilft der Ehrgeiz, in keiner Kategorie in rot zu rutschen auch erheblich. Tatsächlich fühle ich mich, seit ich YNAB verwende, so, als hätte ich mein (Finanz-)Leben unter Kontrolle. Das ist ein schönes Gefühl :)
    Ich habe das neue YNAB auch getestet, aber ich muss sagen, dass es mir überhaupt nicht gefallen hat und ich bei der alten Version bleibe, so lange es geht. Die neuen Features brauche ich nicht und es fehlen ein paar Sachen, die ich in der alten Version gut finde (beim Budgetieren zwei Monate nebeneinander zu sehen zum Beispiel).

  4. Sandra

    Ich habe mir das angeschafft, nachdem Du mal was dazu getwittert oder so hattest. Im Prinzip eine äußerst sinnvolle Sache, in der Realität habe ich aber regelmäßig äußerst verzweifelte Stunden, weil die tatsächlichen Summen auf diversen Konten, Cash etc. nie mit den YNAB-Summen übereinstimmen – obwohl ich alle Ausgaben eingetragen habe und alles tausendmal abgeglichen habe. Außerdem bin ich sehr gespannt, wie das mit der alten Version weiterläuft. So ein Abo möchte ich nämlich nicht.

    • Anne

      Ich gleiche das übrigens nicht mit meinem Konto ab. Mir reicht es, dass ich einen besseren Überblick habe und ich bilde mir zumindest ein, dass ich auch auf meinem Konto einen Unterschied spüre. Belegen kann ich das in der Tat nicht.

  5. Pingback: Dienstag, 19. Januar – Ynab, Serie, Doku | niwelu
  6. Goldengelchen

    Ich bin so ein kleiner Listen-„Freak“ und führe, seitdem ich eigenes Geld verdiene, mehr oder weniger regelmäßig ein Kassenbuch, also eine Excel-Liste, in der schön brav alles eingetragen wird. Kategorien habe ich mir auch dazu gebastelt.
    Dadurch weiß ich, was ich wofür ausgegeben habe (dass zum Beispiel letztes Jahr so viel Geld für Geschenke drauf gegangen ist, hätte ich nicht gedacht). Aber wie du schon beschreibst: Man addiert die Werte. Dass die Beträge schrumpfen, erscheint in der Tat viel logischer.
    Andrea hatte letztens schon kurz auf ihrem Blog YNAB angerissen, so dass ich mir die Seite mal angeschaut hatte. Prinzipiell würde mir das Programm, so wie du es beschreibst, auch sehr gefallen. Aber regelmäßig Geld dafür ausgeben, damit ich Geld spare, und dazu noch die Daten auf einer US-Cloud speichern, nein danke.
    Schade, die alte Version hätte ich mir (natürlich abhängig vom Preis) sicherlich gekauft.

    Viele Grüße, Denise

    • Anne

      Die alte Version kostete so um die 60 Dollar, glaube ich. Also auch nicht wenig, aber so, dass ich nach der Testphase dachte, als einmalige Version ist das schon akzeptabel.

      (Ein bisschen hoffe ich ja, dass das neue Modell abschreckend genug ist, dass es nicht so akzeptiert wird wie erhofft und zum alten Modell zurückgekehrt wird, aber ich fürchte ja, dass das nicht eintreffen wird.)

    • Andrea

      klar klingt Geld ausgeben um zu sparen erstmal irrsinnig, aber – zumindest bei mir funktioniert YNAB so gut, dass ich auch jeden Monat gern $5 ausgeben würde (wenn dieses Ding mit der Cloud nicht wäre und die Features gleich gut).

  7. Niwe

    Danke für den soo gut beschrieben Bericht, und dass Du mich damit darauf aufmerksam gemacht hat. Seit dem Lesen benutze ich ynab natürlich auf den *richtigen* Link hin – noch in der trial version, aber ich schätze, dass ich das käuflich erwerbe. Gut gemachte Software ist eine Freude. *klatsch in die Hände*. Bringt halt mir halt einfach Spaß, es zu benutzen, und dann stehen die Chancen günstig, dass ich auch langfristig darauf Lust habe. Du hast die ja offenbar schon ein Jahr gerne benutzt. Da ich da auch keinen Kontoabgleich mache und machen werden, bereitet mir das speichern in der cloud auch keine Kopfschmerzen.

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