Kategorie: Bücherzeug

Gelesen im April 2016

Schlaft doch, wie ihr wollt: Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern von Stephanie Grimm

Ein Buch übers Schlafen trifft ja ähnlich mein Spezial-Expertisengebiet wie ein Buch übers Liegen. In diesem Fall steckt aber sogar Wissenschaft dahinter, und so erfährt man, was man übers Schlafen schon so alles weiß, aber auch erstaunlicherweise, was man alles noch nicht so weiß. Es geht um Schlafphasen, ums Träumen, wofür Schlafen überhaupt gut ist, über das Schlafen in verschiedenen Kulturen und natürlich auch darum, wie viel Schlaf gut für uns ist und warum wir ganz dringend ausreichend viel schlafen sollen. Als große Verfechterin des Vielschlafens habe ich mich sehr über dieses Buch gefreut. Der populärwissenschaftliche Ansatz geht hier auch gut auf, die Autorin verheddert sich nicht in komplizierten wissenschaftlichen Zusammenhängen, man fühlt sich beim Lesen aber auch nicht chronisch unterfordert, das ist alles schön runtergebrochen und angemessen zusammengefasst. Für mehr und besseres Schlafen!

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The Fifth Season von N. K. Jemisin

Für den Online-Buchclub gelesen. Ganz grandiose Fantasy von N. K. Jemisin. Im Prinzip konnte ich nur deswegen im Zug nach Berlin nicht meinen Vortrag für die re:publica vorbereiten, weil ich wirklich ganz dringend weiterlesen wollte. Dabei beginnt die Geschichte sehr sperrig, durch die ersten Kapitel muss man sich durcharbeiten, dann kommt aber alles in Fahrt, und man versteht, wie diese Welt funktioniert. Die Erde in The Fifth Season ist zerbrochen, ein riesiges Erdbeben ist der Auslöser, man richtet sich auf Jahre oder gar Jahrzehnte harten Lebens ein. Diese fünfte Jahreszeit gibt es immer wieder, Auslöser sind tektonische Ereignisse, die das Gesamtgefüge so durcheinander bringen, dass es in dieser Jahreszeit immer ums nackte Überleben geht.

In diesem Zusammenhang lernen wir Damaya, Syenite und Essun kennen, drei Frauen, orogenes, also Menschen, die die Bewegungen der Erde nicht nur spüren, sondern auch kontrollieren können und von den anderen gefürchtet sind, weil ihre Fähigkeiten unkontrolliert eine Gefahr darstellen. Irgendwo gefangen zwischen Macht und Unterdrückung werden orogenes respektiert und gleichermaßen gehasst.

So schlecht es sich beschreiben lässt, so fesselnd ist dieses Buch, wenn man sich eben erstmal reingelesen hat. Keine leichte Fantasylektüre, dafür umso lohnenswerter.

The Fifth Season von N. K. Jemisin [Amazon-Werbelink]

#rpTEN-Nachlese, Teil 1

Mittlerweile im vierten Jahr habe ich mich auf der re:public rumgetrieben und mittlerweile im dritten Jahr mit eigenen Vorträgen. Der erste davon war direkt am Montag, weswegen ich auch am Montag nicht viel anderes gemacht habe, als mit Leuten zu reden, eine Präsentation zu Ende vorzubereiten, dann immerhin noch einen Vortrag angeguckt habe und dann weiter mit Leuten geredet habe, bis ich dachte, ich treffe vielleicht doch kurz vorher noch mal den anderen Menschen, mit dem ich zusammen auf der Bühne stehen sollte (das ist eine längere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden kann).

Es hat dann aber alles doch überraschend gut geklappt, fast so, als hätten wir uns vorher lange und detailliert abgesprochen und nicht einfach glücklicherweise zum gleichen Thema unterschiedliche Sichtweisen angestrebt.

Angucken kann man das ganze hier, ich rede im zweiten Teil (ab ungefähr Minute 15) darüber, warum Science Fiction gut für uns ist. Man kann sich das aber schön alles angucken, denn auch Uri erzählt ja interessante Dinge über Science Fiction und was wir von ihr lernen können.

Und was ich sonst noch in Berlin so allgemein und auf der re:publica so im Besonderen erlebt habe, das erzähle ich dann alles in den nächsten Tagen.

[Werbung] Der Pfau von Isabel Bogdan als Hörbuch

„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“

So beginnt der erste Roman von Isabel Bogdan und man ist sofort mittendrin in der Geschichte. Besagter Pfau lebt auf einem Anwesen in den schottischen Highlands, genauer gesagt auf dem Anwesen von Lord und Lady McIntosh, die die kleinen Cottages an Feriengäste vermieten, weitab von allem, nur die Natur und natürlich die Pfauen.

Und dann wird einer der Pfauen verrückt und greift alles an, was blau ist und glänzt. Das ist einerseits nicht so schlimm, denn in der Natur gibt es recht selten Dinge, die blau sind und glänzen. Es sei denn natürlich, man hat eine Gruppe von Bankern aus London zu Gast, die für ein Teambuildingevent weit, weit weg nach Schottland geschickt wurden, samt Teambuildingcoach und Köchin und samt dem neuen blauen Auto der Teamchefin.

Es kommt, wie es kommen wird, das Auto muss leiden und Lord McIntosh trifft eine schwere Entscheidung zu Ungunsten des verrückten Pfaus. Aber hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende, im Gegenteil, sie fängt erst an, und der arme Pfau muss gleich mehrere Tode sterben.

Isabel Bogdan übersetzt seit Jahren und hat mit Sachen machen schon ein Sachbuch geschrieben. Außerdem bloggt sie und so konnte man der Entstehungsgeschichte des Buches fast live beiwohnen, von der ersten Kurzgeschichte über die Coverlüftung bis zur Lesereise. So war die Freude bei mir umso größer, als bekannt wurde, dass es nicht nur ein Hörbuch geben, sondern dass Christoph Maria Herbst das Hörbuch einlesen würde. Man hätte sich keinen anderen Sprecher für diese Geschichte wünschen können.

Dementsprechend hielt ich mich beim Verkaufstag auch zurück, sondern wartete ein paar Tage auf meinen neuen audible-Credit, um ihn schnurstracks gegen das Hörbuch zu Der Pfau einzulösen und in den nächsten Tagen jede freie Minute zum Hören zu nutzen. Die Geschichte vom verrückten Pfau, seinem verfrühten Ableben und den sich daraus ergebenen Missverständnisse und Verwirrungen ist raffiniert erzählt und am Ende lernt man auch als Leser die wichtigste Teambuildinglektion: Kommunikation ist wichtig.

In einem Interview mit dem Argon Verlag, bei dem das Hörbuch erschienen ist, erzählt Herbst auch von den Herausforderungen bei der Aufnahme:

Die größte Herausforderung bei diesem Hörbuch war für mich sicher, mich selbst ganz stark zurückzunehmen, um der Erzählweise gerecht zu werden. Ich komme ja beispielsweise ganz stark vom Dialog, wo ich den Figuren dann gerne Erkennungsmerkmale verpasse, Eigenarten. In Der Pfau gibt es nicht eine einzige direkte Rede. Alles wird indirekt erzählt, was auf der einen Seite diese britische Distinguiertheit verstärkt und einen zunächst ein wenig auf Abstand hält, mir auf der anderen Seite aber auch ganz neue Möglichkeiten eröffnete, nämlich nur durch kleinere Tempowechsel oder dezente Modulationen diese lebendige Welt zu kreieren.

Der Pfau bekommt eine All-inclusive-rundum-glücklich-Empfehlung und das Hörbuch noch ein Extrasternchen obendrauf. Kleinere Nebenwirkungen wie das dringende Bedürfnis, Urlaub in Schottland zu machen, sind nicht ausgeschlossen, man könnte beinahe vermuten, sie seien erwünscht, nicht zuletzt basiert die Geschichte (man glaubt es kaum) auf einer wahren Begebenheit. Isabel Bogdan hat eine wunderbar typisch britische Verwechslungskomödie geschrieben, die Christoph Maria Herbst mit offensichtlichem Spaß eingelesen hat.

Isabel Bogdan: Der Pfau, erschienen 2016 bei Kiepenheuer & Witsch, Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst erschienen im Argon Verlag und u.a. erhältlich bei audible.

Gelesen im März 2016

The Sword of Shannara von Terry Brooks

Für den Online-Buchclub gelesen und nein. Einfach nein. Ich weiß, dass es ein Fantasy-Klassiker ist und in den Siebzigern anscheinend gefeiert wurde, aber nein. Mal abgesehen von dem allzu offensichtlichen Einfluss Tolkiens (zwei einfache junge Männer aus einem heimeligen Tal werden auf einem seltsamen großen alten weisen Mann auf eine Mission geschickt, von der das Schicksal des ganzen Landes abhängt) und des doch sehr einfachen Sprachstils, es kommen einfach keine Frauen in diesem Buch vor. Na gut, es kommt eine Frau vor, die irgendwann in der zweiten Hälfte auftaucht und dann wird noch zwei oder drei Mal die Existenz anderer weiblicher Wesen am Rande erwähnt. Die anderen Bücher der Reihe sollen besser sein, vielleicht liest man einfach eines von denen, wenn man unbedingt etwas aus den Shannara-Chroniken lesen will. Aber nicht das hier.

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All the Birds in the Sky von Charlie Jane Anders

Ebenfalls für den Online-Buchclub gelesen und geliebt. Es geht um Patricia und Laurence. Während Patricia magische Kräfte an (klingt schlimmer als es im Buch ist), ist Laurence ein Tech-Wunderkind. Beide leben in einer Welt, in der sie niemand versteht, nicht die Eltern, nicht die Mitschüler und so finden sie sich, werden Freunde, zunächst eher aus einer Notwendigkeit. Aber einer verrät den anderen und dann tritt noch ein Auftragskiller auf, der die Apokalypse aufhalten will, die in seiner Vision von den beiden ausgelöst wird. Erst Jahre später treffen sich Patricia und Laurence in San Francisco wieder, beide haben vermeintlich ihren Platz in der Welt gefunden, wenn da nicht tatsächlich der drohende Weltuntergang anstünde und sie sich für eine Seite entscheiden müssten. Klingt seltsam, ist es auch, aber gleichzeitig packend geschrieben, mit tollen Figuren und genau der richtigen Menge an Absurdität.

All the Birds in the Sky von Charlie Jane Anders [Amazon-Werbelink]

 

Sommernovelle von Christiane Neudecker

Ein astreines Sommer-Nostalgiebuch. Die fünfzehnjährige Panda fährt mit ihrer besten Freundin Lotte über Pfingsten auf eine Nordseeinsel, um auf eine Vogelstation zu helfen. Wir sind im Jahr 1988 und die beiden Mädchen wollen die Welt retten, vor dem sauren Regen und den Atomkraftwerken und dem Müll, der am Strand rumliegt. Und dann geht es natürlich doch um mehr, um die erste Liebe und die erste Enttäuschung und die Frage, wem man trauen kann, wenn man fünfzehn ist und die Welt retten will. Das ist alles ganz wunderbar in eine Atmosphäre gepackt, die man auf jeder Seite spüren kann. Ich habe auch schon hier darüber geschrieben.

Sommernovelle von Christiane Neudecker [Amazon-Werbelink]

 

The Color Purple von Alice Walker

Ein Klassiker wieder, und zwar völlig zu recht. In Briefen wird die Geschichte der Schwarzen Celie erzählt, die es nicht leicht im Leben hat und von einem misshandelnde Vater zum schlagenden Ehemann geschubst wird, sich dann aber doch mutig und in kleinen Schritten ihre Freiheit erkämpft. Ich habe mich in wenigen Tagen durch das Buch gefräst, man könnte sich fast fragen, warum ich das nicht schon viel früher gelesen habe.

The Color Purple von Alice Walker [Amazon-Werbelink]

 

Hab ich selbst gemacht von Susanne Klingner

Susanne Klingner kenne ich vom Lila Podcast, den ich hier auch allen ganz dringend ans Herz legen möchte. Vor ein paar Jahren beschloss sie, ein Jahr lang alles selbst zu machen, vom Brot über Seife bis zum selbstgenähten Designerkleid. Ihr Mann steht der Unternehmung skeptisch gegenüber, Susanne zieht das Ding aber durch, mit allen Erfolgen und Rückschlägen, von denen es auch einige gibt, doch genau das macht das Buch so schön. Es ist kein „Man kann alles selber machen, wenn man will“-Buch, sondern ein „Man kann vermutlich alles selber machen, aber bei manchen Dingen lohnt sich der Stress nicht“-Buch. Jedenfalls habe ich wahrscheinlich nicht ohne Grund diesen Frühling wieder damit angefangen, Brot selbst zu backen. Die Inspiration lässt sich also nicht wegleugnen. Ein sympathisches, schönes Buch mit der ein oder anderen Anleitung und einer ehrlichen Sicht auf den Selbermachtrend.

Hab ich selbst gemacht von Susanne Klingner [Amazon-Werbelink]

 

Wenn’s brennt von Stephan Reich

Auch ein Coming-of-Age-Roman, nur spielt die Geschichte diesmal in der Gegenwart und die Jugendlichen wollen nicht so sehr ihre Welt retten als vielmehr irgendwie mit ihr klarkommen, was mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Es wird geraucht und getrunken und am Ende kommt es nicht ganz unerwartet zu einer Katastrophe. Auch dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen, wobei ich den Figuren ihren Erfahrungshorizont nicht immer abgenommen habe, das war aber ein kleines Problem in einem ansonsten sehr packenden Roman. Auch über dieses Buch habe ich schon geschrieben.

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Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith

Der dritte Teil der Cormoran-Strike-Reihe von Robert Galbraith alias J.K. Rowling. Wieder als Hörbuch gehört, was mich ein Wochenende lang zu Hörbuchtauglichen Aktivitäten nötigte (Liegen geht dann nicht, dann schlafe ich ein). Dieser Teil führt uns weiter in die Vergangenheit des Privatdetektivs Cormoran Strike, denn es wird persönlich. Seine Assistentin Robin bekommt ein abgetrenntes Frauenbein geschickt und Strike muss sich damit auseinandersetzen, wer aus seiner Vergangenheit ihm so viel Böses können wollte. Im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern hatte ich diesmal ein bisschen Probleme der Story zu folgen, außerdem treten die persönlichen Probleme und die Beziehung der beiden Hauptfiguren deutlich mehr in den Vordergrund. Nichtsdestotrotz hat Galbraith/Rowling hier wieder einen schönen dichten Krimi mit Vollausstattung geschrieben. Den vierten Teil lese bzw. höre ich dann sicher auch.

Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith [Amazon-Werbelink]

 

A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab

Auch für den Online-Buchclub gelesen. (Zur Erklärung: Das erste Buch war für den Februar, hat sich aber ewig in die Länger gezogen, so dass ich erst im März fertig wurde. Das Buch für März hatte ich in wenigen Tagen durch und als dann das Buch für April feststand, habe ich das auch ganz fix gelesen.) Wieder eine Fantasy-Geschichte, diesmal irgendwo in London, wobei es eben nicht ein London gibt, sondern drei oder vielmehr vier. In Grey London gibt es keine Magie, White London wird von tyrannischen Zwillingen regiert und in Red London fließt die Magie wie die Themse durch die Stadt. Früher waren die Städte verbunden, bis Black London unterging und sicherheitshalber alle Türen zwischen den alternativen Welten geschlossen wurden. Nur noch zwei Menschen haben die Fähigkeit, zwischen den Londons zu wechseln, einer davon ist Kell. Als er einen illegalen Botengang annimmt und einen geheimnisvollen Stein von einem London ins andere schmuggelt, gerät alles aus den Fugen. Dann ist da noch die Diebin Lila aus Grey London, die Kell erst bestiehlt und ihm dann durch die Welten folgt, um die ein oder andere Katastrophe aufzuhalten (oder selbst zu provozieren). Das ist alles sehr flott geschrieben, erinnert an YA (was nicht wundert, da V.E. Schwab auch YA-Romane schreibt). Dass die Geschichte an der ein oder anderen Stelle noch etwas unausgegoren ist, stört da nicht groß, dafür macht das alles zu viel Spaß.

A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab [Amazon-Werbelink]

Gelesen im Februar 2016

Im Februar zu wenig gelesen und dann auch noch nicht dazu gekommen, die Monatsreview zu schreiben. Dann wollte ich das zusammen mit den Märzbüchern machen, im März habe ich aber so furchtbar viel gelesen, dass es dann ein sehr langer Beitrag werden würde, also jetzt doch wieder als einzelner Beitrag. Muss man jetzt nicht verstehen, ist halt einfach so.

Fünf Wochen im Ballon von Jules Verne

Auf Französisch gelesen, einfach, weil ich mein Französisch irgendwie fit halten muss und die Verne-Bücher fürs Kindle umsonst sind. Dafür kann man dann darüber diskutieren, ob man jetzt gerade mit Verne sein Französisch besonders fit hält, denn die Sprache ist ja nun nicht die modernste. In Fünf Wochen im Ballon geht es genau um das, nämlich eine West-Ost-Durchquerung Ost-West-Durchquerung von Afrika in einem Heißluftballon, drei Mann in einem Ballon quasi. Das ist insgesamt ganz spannend, vor allem zum Schluss kommt noch mal Action auf, es ist aber auch typisch Verne und damit teilweise auch ein bisschen anstrengend und streckenweise etwas zäh, zumal, wenn man es im Original liest.

Jules Verne: Fünf Wochen im Ballon [Amazon-Werbelink]

 

Der Pfau von Isabel Bogdan

Der erste Roman von Isa, lange sehnlichst erwartet und im Februar endlich erschienen. Ich habe mich für die Hörbuchversion, gelesen von Christoph Maria Herbst entschieden. Irgendwo in den schottischen Highlands leben Lord und Lady McIntosh auf einem alten Landsitz und vermieten die Cottages an Touristen, die mal ganz entspannte Tage mitten im Nichts verbringen wollen. Dann spielt eines Tages ein Pfau verrückt und attackiert alles, was blau ist und glänzt. Und dann kommt auch noch eine Reisegruppe aus London zu einer Teambuildingmaßnahme. Vier Banker, die Chefin, die Kommunikationstrainerin und eine Köchin nisten sich für ein Wochenende mehr oder weniger freiwillig ein. Und dann kommt es natürlich so, wie es kommen muss, der Pfau geht auf das blaue Auto der Chefin los, Lord McIntosh muss handeln und dann wird aus dem ruhigen Wochenende doch ein ganz und gar verzwicktes, an dem ein armer verrückter Pfau nicht nur einen, sondern gleich mehrere Tode sterben muss.

Das ist alles sehr flockig erzählt und von Christoph Maria Herbst schön vorgelesen, man kann es in einem Rutsch weglesen und danach vielleicht direkt den nächsten Schottlandurlaub buchen, das Anwesen der McIntoshs gibt es nämlich wirklich, man achte auf die Widmung im Buch.

Isabel Bogdan: Der Pfau [Amazon-Werbelink]

 

Planet der Algorithmen von Sebastian Stiller

Ein Buch über Algorithmen für Leute, die noch nicht so viel über Algorithmen wissen, die aber gerne lernen wollen, worum es eigentlich geht, schon allein, weil wir in unserer Welt immer mehr mit Algorithmen zu tun haben. Das klingt erst mal gut und ist auch ordentlich umgesetzt, irgendwo ungefähr zur Hälfte hat mich der Autor aber verloren. Ich habe zwar vermutlich auch ein bisschen mehr mit Algorithmen zu tun als der Durchschnittsleser und die Zielgruppe, spätestens bei dem ein oder anderen deutlich theoretischen Teil wurde es mir dann aber doch zu… nun ja… theoretisch. Entweder bestimmte Aspekte lassen sich nicht einfach erklären oder man braucht ein paar Seiten und Beispiel mehr dazu. So war es jedenfalls nicht gut gelöst, trotzdem gibt es in diesem Buch viele gute Erklärungen, was Algorithmen sind und wie sie – ganz grob zusammengefasst – funktionieren. Eine ausführliche Rezension folgt demnächst.

Sebastian Stiller: Planet der Algorithmen [Amazon-Werbelink]

Gelesen: Sommernovelle von Christiane Neudecker und Wenn’s brennt von Stephan Reich

Sommernovelle und Wenn's brennt

Zwei Bücher, die gleicher und ungleicher nicht sein könnten: Die Sommernovelle von Christiane Neudecker und Wenn’s brennt von Stephan Reich. In beiden Büchern geht es um Teenager, Ferien, die Frage, was kommt und die Frage, was eigentlich ist. Deswegen ergibt es auch Sinn, beide zusammen zu rezensieren, denn so sehr sich viele Themen ähneln, so sehr unterscheiden sich die Bücher in so vielen anderen Dingen, und das macht gerade das spannende aus.

In Sommernovelle fährt Panda, deren wirklichen Namen wir nie erfahren mit ihren besten Freundin Lotte auf eine Insel in der Nordsee, um als Freiwillige in einer Vogelstation zu arbeiten. Es ist Pfingsten 1989, Panda und Lotte sind 15 Jahre alt, sie sind zum ersten Mal alleine von zu Hause weg, voll mit Ideen und Plänen, die Welt zu verbessern, die ohnehin am Abgrund steht. Saurer Regen, Tschernobyl und all das, Pandas Doc Martens, die sie sich vom angesparten Taschengeld geleistet hat und zu Hause hat der Vater Krebs. Auf der Vogelstation arbeiten Hiller und Sebald, zwei alte Männer, das mürrische Fräulein Schmidt und die Studenten Melanie und Julian. Der Professor, der die Station leitet, ist abwesend. Während Panda sich von Hiller beibringen lässt, wie man den Himmel liest, was in diesem Fall bedeutet, die Anzahl der Vögel eines Vogelschwarms zu schätzen, verliebt sich Lotte in Julian. Vögel beobachten, Vögel zeichnen, Vögel zählen, Eier zählen, Touristenführungen machen, das alles während eines heißen Pfingstfrühlings Ende der Achtziger Jahre.

Zu Hause hatten wir im Herbst mit der Umwelt-AG ein kleines Wäldchen säubern müssen. Mit Handschuhen und Greifzangen hatten wie moosüberzogene Safttüten eingesammelt, Kondome und poröse Plastikfetzen aus dem Gestrüpp gezogen, verrostete Dosen aus dem angrenzenden Weiher gefischt. Schon im Frühling lag dort wieder genauso viel Müll herum wie vorher. Aber davon durften wir uns nicht beirren lassen, das war mir klar. Aufgeben galt nicht. Aufgeben war feige.

Als wir auf den Deich traten, blendete mich einen Moment lang das Watt. Der Himmel spiegelte sich in dem feuchten Film, den das zurückweichende Meer auf dem schlammigen Boden hinterließ und die Priele reflektierten das Licht und zogen glimmende Goldadern.

Christiane Neudecker wird auch zugeschrieben, dass sie eine Meisterin der Atmosphäre sei und nichts könnte richtiger sein. Ich war nur einmal an der Nordsee (und dann noch nicht mal auf einer Insel) und bin immerhin grob sechs Jahre jünger als Panda und Lotte, aber selten kam mir eine Geschichte so vertraut vor. Die Ängste und Sorgen, die Vorstellungen von der Welt, manche richtig, manche naiv falsch, das alles war sechs Jahre später gar nicht so viel anders. Auch ohne große Weltretterphantasien, aber immerhin mit einem Vater, der auf einer biologischen Station gearbeitet hat und mit einem Kinderzimmer voller Tierposter, die mein Vater mir mitbrachte oder die ich sorgfältig aus dem Tierfreund rauslöste, war es mir ein Leichtes, mich in Panda einzufühlen und die detaillierten, aber auch für Landschaftsbeschreibungsmuffel wie mich immer stimmigen und nie langweiligen Beschreibungen lassen den Leser einen heißen Spätfrühling auf einer Nordseeinsel so mit erleben als wäre man selber dabei. Sommernovelle ist eines der wenigen Bücher, bei denen man sich beim Zuklappen schon recht sicher sein kann, dass man es auf jeden Fall noch mal lesen wird.

Wenn’s brennt von Stephan Reich spielt hingegen in der Gegenwart, irgendwo auf dem Dorf in den Sommerferien. Der sechzehnjährige Erik, der die Geschichte erzählt, wird nach den Ferien die Lehre bei der Post anfangen, während sein bester Freund Finn, seine Freundin Nina und Kumpel Nelson, der eigentlich Sascha heißt, in der Kreisstadt in die Oberstufe gehen werden, Abitur machen, studieren, was auch immer. Erik ist es eigentlich auch egal, wie ihm so vieles egal ist.

Man trifft sich auf dem Schotter, um zu saufen und zu kiffen, einfach so, weil man das eben macht und weil es auf dem Dorf auch nichts besseres zu tun gibt. Zu Hause will niemand so richtig sein, Erik verachtet seine Eltern für ihre Spießbürgerlichkeit, nur mit seinem behinderten Bruder Tim kann er reden, schon allein, weil der ihm nicht antworten kann, ihm keinen Stress machen, keine Forderungen stellen. Finns Mutter schläft seinen Kunstlehrer, sein Vater ist in Hamburg mit seiner neuen Paris-Hilton-Schnitte und Nelson lebt mit seinem Bruder bei der Oma, bei der sie die Eltern irgendwann abgeliefert haben, um danach zu verschwinden.

So passiert eigentlich die ganze Zeit nichts und doch sehr viel, all der Scheiß, den man anscheinend macht, wenn man keine Perspektive hat, einen alles ankotzt, man nur weg will, aber nicht weiß wohin, wenn die Eltern sich nicht interessieren und nach den Ferien sowieso alles anders ist. Und so steuern die Freunde in Wenn’s brennt genauso mäandernd wie zielstrebig auf die erwartbare Katastrophe zu.

Nelson kommt mir entgegen, er hat eine Flasche Wodka in der einen und einen Plastikbecher in der anderen, und natürlich muss ich mit ihm trinken. Ich gehe pissen, ich höre auf zu pissen, ich vergesse, dass ich Finn suchen wollte, und suche Nina, aber dann fällt es mir wieder ein und ich suche Finn, was ich aber wieder vergesse, also hole ich mir ein Bier. Als ich mit dem nassen Beck’s aus dem Bad komme, steht Karin vor mir, die etwas sagt, das ich nicht verstehen, und mir in den Schritt greift. Sie lacht ganz laut und schrill, aber ich kann sie nicht verstehen, die Musik ist zu laut.

Wenn’s brennt ist gleichermaßen spannend wie liebevoll geschrieben und bewegt sich irgendwo zwischen harten Ausdrücke, Schlägereien und Saufgelagen und nostalgischen Erinnerungen, Freundschaftsbeweisen und der immer wiederkehrenden Erkenntnis, dass es so vermutlich auch nicht ewig weitergehen kann. So fremd mir dieser Aspekt des Jugendlichenseins ist, aus Eriks Sicht wirkt es gar nicht so fremd, alles ergibt irgendwie Sinn, was soll man auch tun, mit 16 auf dem Dorf, wenn einen die Eltern nicht verstehen und die Lehre bei der Post der einzige Zukunftsplan ist, weil nie ein anderer zur Verfügung stand.

Ein bisschen störend sind die Popkulturreferenzen, bei denen man sich irgendwann fragt, ob Jugendliche, die mit 16 außer Rumhängen, Trinken und Kiffen wirklich nicht viel anderes im Sinn haben, wirklich all diese Filme und Bücher gesehen und gelesen haben. Bis zu einem gewissen Grad mache ich da noch mit, und die Szene, in der Erik fast gerührt über die Platte mit Dust in the Wind spricht, die sein Vater irgendwo haben muss, ist dann eben genau das: Rührend und auch gar nicht so unglaubwürdig. Spätestens bei der Referenz auf Die Welt ohne uns von Alan Weisman fand ich es aber doch etwas zu viel. An solchen Stellen stellt sich doch der Verdacht ein, dem Autor würde seine eigene popkulturelle Erfahrung und die des Erzählers (der immerhin knapp fünfzehn Jahre jünger ist als er) etwas zu sehr durcheinanderwürfeln.

Während sich die Teenagerleben in Neudeckers Sommernovelle sehr versöhnlich mit der Welt zeigen, wo die Sorgen zwar auch groß sind, aber auch nach allem Verrat durch die Erwachsenenwelt die Hoffnung darauf, es besser zu machen, nicht stirbt, so treten die Jugendlichen in Wenn’s brennt auf der Stelle, wollen oder können nicht und selbst wenn, wüssten sie nicht wie und die es wollen und können und wissen, die gehen eben. Und so erzählen Sommernovelle und Wenn’s brennt irgendwie die gleiche Geschichte und könnten doch unterschiedlicher nicht sein.

Sommernovelle von Christiane Neudecker [Amazon-Werbelink]

Wenn’s brennt von Stephan Reich [Amazon-Werbelink]

Nicht so gute Bücher 2015

Die schönsten Bücher des Jahres 2015 habe ich ja schon hier und hier vorgestellt. Allerdings habe ich leider auch Bücher gelesen, mit denen ich gar nicht glücklich war. Da ich erstens einfach zufriedenzustellen bin und zweitens ja schon ganz gut weiß, was mir gefallen könnte und was nicht, lese ich selten Bücher, die ich doof finde. Ich gehöre allerdings auch zu der Sorte Mensch, die Bücher zu Ende lesen, auch wenn sie sie schlecht finden. Außer, wenn es Bücher von Pynchon sind, da versage sogar ich.

Drei schlechte Bücher waren es dieses Jahr, davon eines von einem Lieblingsautoren (bitte hier ein kurzes, aber schweres Seufzen imaginieren) und eines, dass ungefähr alle anderen super fanden. Die Bücher fand ich aus unterschiedlichen Gründen schlecht, aber dazu kommen wir gleich.

 

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte von Salman Rushdie

Ich habe schon hier darüber geschrieben und es hat sich leider auch in der Retrospektive nichts geändert. Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte hat eine tolle Prämisse, die wie gemacht für mich schien, Salman Rushdie kann auch schreiben, aber an jeder Stelle hatte ich das Gefühl, dass es irgendwie zu viel ist, zu aufgesetzt, zu prätentiös und gleichzeitig auf eine sehr unangenehme und unpassende Weise machohaft.

Worum es überhaupt ging, habe ich schon fast wieder vergessen. Eine Geschichte von Flaschengeistern, Djinnis und Ifrits (Ifriten? Was ist die Mehrzahl von Ifrit?), einer Welt im Chaos, fliegenden Menschen und viel Sex und Gewalt. Das ist alles pompös und sprachgewaltig und letztlich in seiner ganzen Pompösität und Sprachgewaltigkeit so irre belanglos, dass man sich am Ende fragt, was der ganze Zauber nun eigentlich sollte.

Ich gehe mal davon aus, dass es nicht das beste Buch von Salman Rushdie ist und werde vielleicht beizeiten mal etwas anderes von ihm lesen.

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Der Circle von Dave Eggers

Dave Eggers, oh, Dave Eggers, wie liebe ich Dave Eggers. You Shall Know Our Velocity hat genauso einen besonderen Platz in meinem Bücherherz wie seine Romanversion von Where the Wild Things Are. Aber irgendwas reitet ihn in den letzten Jahren und er schreibt immer seltsamere Bücher. Bücher mit Prämissen, mit irgendwelche aktuellen Bezügen, mit gesellschaftskritischen Ansätzen oder was-weiß-ich. Während A Hologram for the King da noch irgendwie ganz amüsant war, ist Der Circle wirklich eine zweifach unangenehme Lektüre.

Zunächst (und das ist das Positive), weil die Geschichte um eine junge Uniabsolventin, die sich in die quasi sektenhaften Fänge eines großen Softwarekonzerns begibt, einen tatsächlich zum Nachdenken bringt. Wie transparent wollen wir wirklich sein? Was macht es mit unserem Leben, wenn wir alles ständig mit allen teilen und gleichzeitig das Gefühl haben, dauernd alles zu verpassen? Die Fragen, die Dave Eggers aufwirft, sind nicht falsch, auch wenn sie meines Erachtens eher in dem populäreren Problemen der neuen Social-Media-Welt rumwühlen und es deutlich spannendere, aber vielleicht weniger plakative Themen gibt, über die man auch mal reden könnte. Viel schlimmer und unangenehmer ist aber die zeigefingerartige, eindimensionale und wirkliche simple Weise, mit der uns Dave Eggers diese Geschichte präsentiert.

Wenn mich eines an Büchern wirklich ärgert, ist es, wenn ich das Gefühl habe, der Autor würde den Leser für dumm halten. Alles ist so eindeutig präsentiert, dass man sich an keiner Stelle fragen muss, was der Autor einem sagen wollte. Es gibt nur Schwarz und Weiß, Graustufen sind nicht vorgesehen. Dazu kommt die wirklich schwache Charakterzeichnung aller Figuren, insbesondere der Protagonistin, der offensichtlich naivsten Uniabsolventin der Vereinigten Staaten aller Zeiten. Herrjegottnochmal, man möchte sie alle paar Seiten ein bisschen schütteln, kann aber nicht und es gibt auch niemand anders im Buch, der es für einen erledigt.

Darauf noch eine der wirklich albernsten Transparenzmetapherszenen, die man sich ausdenken kann, bei der (Achtung Spoiler!) ein unsichtbarer Tiefseehai alle anderen unsichtbaren Tiefseefische auffrisst. Herrjeaberwirklichmal! Neben der ganz okayen Prämisse muss man Dave Eggers zumindest zugute halten, dass sich Der Circle zackig liest und man zumindest nicht lange für dieses zudem viel zu seitenstarke Buch braucht. Hoffen wir, dass er demnächst wieder zur Besinnung kommt.

Der Circle von Dave Eggers [Amazon-Werbelink]

(Wenn man lieber etwas wirklich Schönes von Dave Eggers lesen will, so greife man bitte zu Ihr werdet noch merken, wie schnell wir sind [Amazon-Werbelink] oder Bei den wilden Kerlen [Amazon-Werbelink]. Beide Bücher bekommen meine uneingeschränkte Leseempfehlung.)

 

Der Marsianer von Andy Weir

Und nun zu dem Buch, das alle Nase lang irgendwer irgendwem empfiehlt, und dem ich nun wirklich so herzlich wenig abgewinnen konnte, dass es leider auch zu den (meinen) schlechtesten Büchern 2015 zählt. Ich habe es in der deutschen Übersetzung als Hörbuch gehört und kann nun nicht ganz sagen, ob es am Hörbuch, an der Übersetzung oder vielleicht doch einfach am Original lag, es hat mich aber in meinem Verdacht beschlichen, dass man sehr gut merkt, wenn Bücher self-published sind.

Was man dem Buch lassen muss: Auch hier ist die Prämisse super und alles das, was einen wesentlichen Teil der Prämisse ausmacht, ist auch gut umgesetzt. Mark Watney strandet auf dem Mars, nachdem er bei einem Sturm von seiner Truppe losgerissen wurde und es nicht mit ins Shuttle zum Raumschiff schaffte. Jetzt gilt es, die Zeit zu überbrücken, bis eine Chance besteht, wieder abgeholt zu werden und unter deutlich widrigen Umstände als einizige Mensch auf dem Mars zu überleben. Das ganze ist gespickt mit wissenschaftlichem Dings und nach allem, was man hört, an dieser Stelle auch durchaus gut gemacht.

Aber herrje, das letzte Mal habe ich so dermaßen stereotype Figuren bei Dan Brown und Andreas Eschbach gelesen, was genau der Grund dafür ist, dass ich keine Bücher von Dan Brown und Andreas Eschbach mehr lese. Man wünscht sich ein Lektorat, dass mal darauf hingewiesen hätte, dass die Story zwar echt gut ist, die Charakter aber vielleicht doch mal ein bisschen weniger klischee- und schablonenhaft und vor allem nicht so furchtbar eindimensional gestaltet werden könnten. Der Protagonist kommt dabei noch am besten weg, ist aber gefühlsmäßig anscheinend auch behindert, denn außer ein paar Witzen fällt ihm zu seiner widrigen Situation auch nicht viel ein. Wo jeder realistische Charakter doch vielleicht das ein oder andere Mal kurz zusammengebrochen und verzweifelt ein paar Marssteine durch die Gegend gekickt hätte, baut Mark Watney Kartoffeln an. Das ist zwar sinnvoller, führte aber bei mir dazu, dass ich für keine der Figuren besonders großes Interesse aufbringen konnte.

An dieser Stelle wird eben auch klar: Ein gutes Buch ist mehr als eine gute Story. Wem eine gute Story reicht, der wird aber vermutlich auch mit Der Marsianer ausreichend glücklich. Es sei ihm gegönnt. (Und Andy Weir im Übrigen auch, in Interviews kommt er sehr sympathisch rüber.)

The Martian von Andy Weir [Amazon-Werbelink]

Bücher 2015 – Plätze 5 bis 1

Die Plätze 10 bis 6 findet man hier.

 

5. Station Eleven von Emily St. John Mandel

Ich nenne es „literarische Science-Fiction“. Station Eleven ist ein Dystopieroman, der in der Zeit nach einer Pandemie spielt, die den Großteil der Menschheit dahingerafft hat (wie viele es tatsächlich sind, erfährt man nicht, denn woher sollte die Information kommen, wenn die Welt zusammenbricht). Kirsten war ein junges Mädchen, als der Virus ausbrach und zieht jetzt mit einem Traveling Circus durch das nordwestliche Amerika. Das Leben ist gefährlich, denn nie weiß man, was einen in der nächsten Stadt erwartet. Wo in einem Dorf die Menschen zumindest einen Versuch an Zivilisation versuchen, herrscht im nächsten Dorf ein Tyrann. In einem zweiten Erzählstrang geht es um den Schauspieler Arthur Leander, der am Abend des Ausbruchs der Krankheit auf der Bühne starb. Seine Geschichte und die der Menschen des Traveling Circus sind miteinander verknüpft. Eine schöne Geschichte, sehr ruhig und liebevoll erzählt. Ich habe auch hier darüber geschrieben.

Station Eleven gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Logbuch in Bremen und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

4. Astrid Lindgren. Ihr Leben von Jens Andersen

Die Biografie von Astrid Lindgren, geschrieben von Jens Andersen, der auch schon die Biografie von Hans Christian Andersen schreib. Wer Astrid Lindgren ist, muss man glaube ich tatsächlich niemandem erklären, ich bin mit ihren Büchern aufgewachsen und habe mir (der Familienlegende nach) mit den Bullerbü-Büchern das Lesen beigebracht. Ihr Leben war genauso ungewöhnlich wie doch irgendwie normal. Mit 19 wurde sie von einem viel älteren verheirateten Zeitungsverleger schwanger und entschied sich für das Kind, aber gegen den Mann. Es folgte ein eigentlich ganz normales Leben in Schweden, sie heiratet, bekommt noch eine Tochter, findet Bürojobs bei Zeitungen und Verlagen, bis sie selber mit Pippi Langstrumpf erst Schweden und dann die Welt erobert. Die Biografie ist sehr nah dran am Leben (soweit man das beurteilen kann), liest sich wunderbar und hat bei mir ausgelöst, dass ich jetzt eigentlich auch alles andere über Astrid Lindgren (Die Kriegstagebücher! Der Briefwechsel mit der jungen Sara!) lesen will. Große Empfehlung, sicherlich auch immer als Geschenk. Ich habe auch hier darüber geschrieben.

Astrid Lindgren. Ihr Leben gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung marx und co in Frankfurt und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

3. The Sparrow von Mary Doris Russell

Auch The Sparrow ist ein Science-Fiction-Roman, durch den man sich etwas durchbeißen muss. Der Jesuitenpriester Emilio Sandez leitet eine Expedition zu einem anderen Planeten, von dem aus Transmissionen mit Musik auf die Erde gesendet wurden. Mit einem umgebauten Asteroiden erreichen sie den Planeten, landen und finden sich auf einer neuen Welt wieder. Sie werden von den Runa aufgegabelt, die friedlich in Dörfern leben und vom Jagen und Sammeln leben. Außer den Runa leben noch die Jana’ata auf dem Planeten, deren Zivilisation weiter entwickelt ist. Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt, Emilio ist als einziger von der Expedition zurückgekehrt, verstümmelt und verbittert. Man fand ihn in einem Bordell, was auf der Erde selbstverständlich einen Skandal bedeutet und auch bei den Jesuiten nicht gerade mit Freude und Verständnis aufgenommen wird. Was wirklich passiert ist, das erzählt Emilio in The Sparrow, einem trotz aller schrecklichen Ereignissen, die dort beschrieben werden, irgendwie versöhnlichen Buch, das nebenbei noch die Geschichte davon erzählt, wie auch nur das scheinbar harmloseste Eingreifen in eine andere unbekannte Kultur katastrophale Folgen haben kann.

The Sparrow gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Bücherträume in Mülheim an der Ruhr und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

2. Die Bienen von Laline Paull

Flora 717 ist eine Biene. Eigentlich ist sie eine Arbeiterbiene, aber Arbeiterbienen sind stumm und Flora kann sprechen. Das ermöglicht dieser kleinen, struppeligen Biene eine Tour durch den Bienenstock, die anderen Bienen eigentlich vorenthalten ist, denn im Bienenstock hat jeder eine Aufgabe, die er von Geburt bis zum Tod erfüllt. Flora hingegen kommt auf die Kinderstation, wird zum Sammeln nach draußen geschickt und dann passiert noch etwas komplett Skandalöses: Sie legt ein Ei! In diesem Buch erfährt man mehr über Bienen als man je wusste, dass es zu erfahren gab. (Außer natürlich, man ist Entomologentochter, dann weiß man natürlich, dass es unendlich viel über Bienen zu erfahren gibt.) Katrin Rönicke verstand das Buch als Parabel, ich habe es eigentlich eher als Versuch gesehen, einen Bienenstock irgendwie für die menschliche Vorstellung fassbar zu machen. Tatsächlich habe ich einige Dinge noch mal bei Wikipedia nachgelesen, um rauszufinden, wie nah die Geschichten an der Realität sind (Antwort: wirklich sehr nah). Aber eigentlich ist es auch egal, denn Die Bienen ist vor allem ein mutiges, unkonventionelles und höchst spannendes Buch. Es steht nicht umsonst auf meinem Platz 2 für das Jahr 2015. Ich habe auch hier davon erzählt.

Die Bienen gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Die Schatulle in Osterholz-Scharmbeck und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

1. Uprooted von Naomi Novik

Agnieszka lebt in einem kleinen Dorf. Alle zehn Jahre kommt der Dragon und holt sich ein Mädchen, das für die nächsten zehn Jahre in seinem Turm wohnt und für ihn arbeitet. (Der Dragon, man merkt es schon, ist gar kein Drache, sondern ein mächtiger Zauberer.) Niemand weiß, was in diesem Turm passiert, aber alle wissen, dass die zehn Jahre vorbei sind und Kasia, Agnieszkas Freundin, die Auserwählte sein wird. Und dann wird es (wer hätte es gedacht) eben doch Agnieszka, die aus ihrem Leben herausgerissen wird und sich in einem ganz anderen Leben wiederfindet. Tatsächlich entwickelt sich Uprooted von hier ab überraschend anders weiter als man erwartet, Novik erzählt eine vielschichtige, spannende Geschichte, die an ein altes russisches oder polnisches Märchen erinnert mit komplexen Charakteren und unvorhergesehenen Wendungen. Uprooted mag eine sehr klassische Fantasygeschichte sein, gleichzeitig ist sie so souverän und einfallsreich geschrieben, dass man sich von dieser Genreklassifizierung auf keinen Fall abhalten sollte. Ich schrieb auch hier darüber.

Uprooted gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Buchstabe in Neustadt und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

Bücher 2015 – Plätze 10 bis 6

Wie immer viel zu spät kommt hier der erste Teil meiner zehn Lieblingsbücher im Jahr 2015. Entscheidend ist dabei immer das Jahr, in dem ich gelesen habe, nicht das Erscheinungsdatum des Buches. Und wie wir es aus Funk und Fernsehen kennen, räumen wir das Feld von hinten auf und starten mit den Plätzen 10 bis 6.

 

10. All the Light We Cannot See von Anthony Doerr

Als Hörbuch gehört und sehr gemocht. All the Light We Cannot See spielt während des zweiten Weltkriegs und erzählt die Geschichte des blinden französischen Mädchens Marie-Laure, das mit seinem Vater vom besetzten Paris in die kleine Stadt Saint-Malo flieht. In einem zweiten Strang wird die Geschichte des deutschen Waisenjungen Werner erzählt, der aufgrund seines Talents für elektronische Geräte in einer Eliteschule der Nazis ausgebildet wird und nach Frankreich geschickt wird, um gegen den französischen Widerstand vorzugehen. Natürlich kreuzen sich die Wege der beiden Figuren irgendwann, aber das ist für dieses Buch eigentlich fast nebensächlich, weil die beiden komplett unterschiedlichen Geschichten auch für sich sehr spannende Perspektiven ermöglichen. Ein schönes Buch, gleichzeitig grausam und liebevoll.

All the Light We Cannot See gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei Literatur Moths in München und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

9. Der kleinste Kuss der Welt von Mathias Malzieu

Das dritte Buch des französischen Autors (und Sängers) Mathias Malzieu… WÄhrend ich das erste Buch noch etwas holprig fand, hat mich Der kleinste Kuss der Welt schon wegen all der schönen Sätze und absurden Bilder begeistert. Im Gegensatz zum Erstling schafft es Malzieu diesmal auch, Nähe zu den Figuren zu erzeugen. Es geht um einen deprimierten Erfinder, der eine Frau küsst, die daraufhin unsichtbar wird. Auf der Suche nach dieser geheimnisvollen und so schwer fassbaren Frau begegnet der sympathische Antiheld unter anderem der Apothekerin Louisa und einem Privatdetektiv mit Papagei. Das ist alles sehr herrlich absurd und gleichzeitig wunderbar poetisch. Ein modernes Märchen mit viel subtilem Witz. Ich habe auch hier darüber geschrieben.

Der kleinste Kuss der Welt gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Rote Zora in Merzig und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

8. Annihilation von Jeff VanderMeer

Erster Teil einer Trilogie über die seltsame Area X, die irgendwo im Süden der USA auf einmal entstanden ist und nur durch eine Art unsichtbare Mauer vom Rest der Welt getrennt ist. Durch einen geheimen Durchgang werden seit Jahren Forschergruppen in dieses geheimnisvolle Gebiet gelassen, doch alle Expeditionen (bis auf die erste) schlagen fehl, von Massenselbstmord bis zu Teilnehmern, die an ganz anderen Stellen der Welt wieder auftauchen und wenige Zeit später an Krebs erkranken. Nun wird das zwölfte Team in den unbekannten Bereich geschickt, vier Frauen, eine Anthropologistin, eine Vermesserin, eine Psychologin und eine Biologin, die namenlose Erzählerin der Geschichte. Natürlich wird auch bei dieser Expedition die geheimnisvolle Area X ihrem Ruf gerecht. Eine seltsame topographische Unmöglichkeit und seltsame Lebewesen bringen das Gefüge des Teams schnell durcheinander. Annihilation wirft mehr Fragen auf als es beantwortet, bleibt immer eigenwillig und geheimnisvoll und bildet so eine seltsame Mischung aus gut lesbar und herausfordernd. Die nächsten beiden Teile habe ich direkt am Anschluss gelesen und kann so schon mal verraten, dass dort zwar einige Fragen tatsächlich geklärt werden, die Geschichte aber nichts von ihrer geheimnisvollen Sperrigkeit einbüßt.

Annihilation gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Lesebar in Ochsenhausen und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

7. The Traitor Baru Cormorant von Seth Dickinson

Ein sehr politischer und demensprechend auch etwas sperriger Fantasyroman. Die titelgebende Verräterin Baru Cormorant wächst recht behütet auf einer Insel auf. Die Gesellschaft auf ihrer Heimatinsel zeichnet sich durch große Liberalität aus, Polyamorie und Homosexualität sind Normalität, Baru hat eine Mutter und zwei Väter und ein insgesamt schönes Kinderleben, bis das Empire of Masks die Insel einnimmt und mit seinen strengen Regeln und Doktrinen ordentlich aufräumt. Baru lernt auf einer Schule der neuen Herrscher alles, was sie wissen muss, um später selber eine Rolle innerhalb des Machtgefüges einnehmen zu können. Sie passt sich an und wird zum Musterschüler, alles nur, um innerhalb des Regimes eine Stelle einnehmen zu können, die ihr erlaubt, das System von innen zu zerschlagen. Doch der Weg dorthin ist lang und steinig und erfordert von Baru mehr als einmal, Opfer zu bringen und sich gegen ihre Überzeugungen zu stellen, um sich nicht zu verraten. Das spannende und gleichzeitig schwierige an dieser Geschichte waren die strategischen Überlegungen und die vielen Beziehungen, immer wieder wechselnd, bröckelig und unsicher. Eine Geschichte, in der die Kategorien gut und böse nicht funktionieren. Ich habe auch hier darüber geschrieben.

The Traitor Baru Cormorant gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], und vermutlich auch bei anderen Buchhandlungen, auch wenn ich bei meiner Suche keine gefunden habe, die es im Online-Sortiment hatte.

 

6. Aufbau vor laufender Kamera von Armin Maiwald

Armin Maiwald hat seine Biografie geschrieben und ich lege sie (mal wieder) jedem ans Herz, der sich irgendwie für Armin Maiwald, Die Sendung mit der Maus, Fernsehgeschichte, Kölner Anekdoten, Hausrenovierungen interessiert oder für alles zusammen oder der einfach nur ein schönes Buch lesen will. Armin Maiwald kommt während des zweiten Weltkrieges in Köln zur Welt, nachdem die Familie mehrfach ausgebombt wurde, wächst er aber ein paar Jahre in Bayern auf, bevor die Familie nach dem Krieg wieder in die Heimatstadt zurückkehrt. Fast durch Zufall landet Maiwald beim Fernsehen und auch wenn man weiß, wo das ganze irgendwann endet, so ist der Weg dorthin gespickt mit vielen spannenden Geschichten, Schwierigkeiten und Zufällen. Schön auch: Armin Maiwald schreibt ungefähr genauso, wie man es aus seinen Sachgeschichten aus der Sendung mit der Maus kennt. Es fällt nicht wirklich schwer, im Kopf die bekannte Stimme erklingen zu lassen. Für alle, die es doch noch direkter mögen, gibt es aber auch das Hörbuch, das von ihm selbst eingelesen wurde. Ich schrieb auch hier darüber.

Aufbau vor laufender Kamera gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Scheuermann in Duisburg und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

Gelesen im Januar 2015

Es wird kleine Änderungen geben, ich habe nämlich beschlossen, die Detailinformationen zum Buch wegzulassen. Das ist nämlich erstaunlicherweise erschreckend viel Arbeit und hat mich beim letzten Mal in tiefe Verwirrung gestürzt, weil es natürlich gerade bei älteren Büchern immer unterschiedliche Erscheinungsdaten gibt und dann weiß man nicht, nimmt man das von der Erstausgabe oder das von der, die man gelesen hat und was ist, wenn man ein eBook liest, das einen anderen Verlag hat als die Druckausgabe. Es ist kompliziert und deswegen gibt es jetzt Autor und Buchtitel und bei Übersetzungen noch den Übersetzer und das war’s. Außerdem noch der Link zum ethisch unkorrekten Amazon, aber den muss ja niemand benutzen. Davon bekomme ich aktuell alle zwei bis vier Monate einen Gutschein zusammen, von dem ich neue Bücher kaufen oder andere Leute von ihrem Wunschzettel beschenken kann.

Im Januar sah es etwas mau ist. Ich war krank und im Stress und habe deswegen nur drei Bücher geschafft. Dafür waren alle  sehr gut, es hat sich also doch gelohnt.

 

The Golem and the Jinni von Helene Wecker

Wollte ich eigentlich noch im Dezember fertig hören, das hat aber nicht ganz geklappt, also ist es ins nächste Jahr gerutscht. The Golem and the Jinni erzählt die Geschichte von… man ahnt es fast… einem Golem und einem Jinni. Beide stranden Anfang des 20. Jahrhunderts in New York. Der Golem mit ihrem Erschaffer, der auf der Schiffsüberfahrt stirbt und sie so quasi herrenlos zurücklässt. Einzig ein alter Rabbi erkennt, wer sie wirklich ist, nimmt sie auf, gibt ihr einen Namen und erklärt ihr, wie die Welt funktioniert. Im syrischen Viertel wird zur gleichen Zeit ein Jinni aus seiner Flasche befreit und muss sich genau wie der Golem in dieser neuen Welt zurecht finden. Es bleibt natürlich nicht aus, dass sich dieses gleiche und doch so ungleiche Paar findet und gleichzeitig gemeinsam und jeder für sich die Möglichkeiten eines Daseins in der menschlichen Welt auslotet.

Wunderschön erzählt mit viel New-York-Lokalkolorit und viel Fantasie. Natürlich ist das irgendwie im weitesten Sinne Fantasy, aber wirklich nur im allerweitesten. Das kann also auch jeder lesen, der es sonst nicht so mit magischen Gestalten hat.

Helene Wecker: The Golem and the Jinni (auf Deutsch: Golem und Dschin, übersetzt von Annette Grube) [Amazon-Werbelink] 

 

Radiance von Catherynne M. Valente

Für den Online-Buchclub gelesen und sofort geliebt, obwohl es etwas fordernd ist. Radiance spielt in einer Alternativwelt, in der alle Planeten besiedelt (und besiedelbar) sind und in der auf der anderen Seite Filme eine große Rolle spielen (Stummfilme allerdings, denn der Tonfilm konnte sich aus Patentgründen nicht durchsetzen). Einer der bedeutendsten Regisseure ist Percival Unck, Vater von Severin Unck, die in seine Fußstapfen tritt und beim Drehen einer Dokumentation in einer verlassenen Stadt auf der Venus einfach verschwindet. Um diesen Vorfall dreht sich das Buch. Catherynne M. Valente hat aber nicht einfach eine normal von Anfang bis Ende erzählte Geschichte daraus gemacht, sondern präsentiert Versatzstücke, die als Puzzle die gesamte Geschichte ergeben. Interviews, persönliche Berichte der Menschen, die mit Severin zu tun hatten oder sogar bei ihrem Verschwinden dabei waren, Drehbücher und transkribierte Filmaufnahmen. Man reist einmal von Planet zu Planet und darf sich das Leben von Severin zusammenreimen. Das ist alles ganz großartig, ein Art-Deco-Film-Noir-Stück im Weltraum. Nicht einfach zu lesen zwar, aber ganz grandios. Das erste Buch des Jahres mit guten Chancen auf mein Lieblingsbuch des Jahres 2016.

Bisher noch keine deutsche Übersetzung, ist aber angekündigt.

Catherynne M. Valente: Radiance [Amazon-Werbelink]

 

Alles außer irdisch von Horst Evers

Als Hörbuch gehört, weil Horst Evers so schön liest. Diesmal keine Kurzgeschichten und auch kein Krimi, sondern eine Science-Fiction-Komödie. Wer jetzt an Douglas Adams denkt, liegt nicht so falsch, aber im Gegenzug zu vielen Nachahmern, die ich mit mäßiger Begeisterung gelesen habe, muss sich Horst Evers mit seinen Einfällen nicht verstecken. Es beginnt mit Goiko Schulz, 36 und nicht gerade auf der Gewinnerseite der Leben, bis er immerhin durch eine Kette von seltsamen Fügungen ein Ticket für einen Flug nach New York gewinnt. Und zwar nicht irgendeinem Flug, sondern dem ersten Flug vom neu eröffneten Flughafen BER. Das Glück wird allerdings schnell getrübt als ein riesiges Raumschiff auf den Flughafen stürzt und damit alles noch seltsamer wird als vorher schon. Und Goiko steckt natürlich mittendrin und muss die Welt retten. Er soll mit einer Truppe außerirdischer Artenretter zum interplanetaren Gerichtshof fliegen, um da für die Erde zu sprechen. Aber dann geht die Tür des Raumschiffs nicht zu und es wird alles nur noch komplizierter.

Die Story kennen wir natürlich aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, aber Horst Evers hat genug eigene Einfälle, um aus der Grundidee seine ganz eigene Geschichte zu basteln, mit tollen abgefahrenen Ideen, fantastischen außerirdischen Lebensformen und ein bisschen Zeitreise obendrauf. Das war super, ich könnte es eigentlich gleich noch mal lesen (oder hören). Ebenfalls eine große Empfehlung.

Horst Evers: Alles außer irdisch [Amazon-Werbelink]