Category: Bücherzeug

Blogger schenken Lebensfreude: Die Auslosung

Nur damit man hier nicht glaubt, dass ich das vergessen hätte, ich habe lediglich vergessen, darüber zu schreiben.

Ich habe jedenfalls vor zwei Tagen den Zufallsgenerator angeworfen und der hat die hübsche und überhaupt nicht vorurteilsbehaftete Zahl 13 ausgeworfen. Nach meiner Rechnung (und mehrmaliges Nachzählen gehört zu meinen Superkräften) hat somit Barbara gewonnen, die auch schon Bescheid weiß.

Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben, es konnte leider nur eine Gewinnerin geben und die bekommt das Buch in den nächsten Tagen zugeschickt. Ich darf das nur nicht vergessen.

Buchverlosung: Lost Cat von Caroline Paul und Wendy MacNaughton

Update: Lostopf zu!

Zum Welttag des Buches gibt es hier heute etwas ganz tolles: Ein Buch! Im Rahmen des Projektes “Blogger schenken Lesefreude” verlose ich heute ein wirklich wunderbares kleines Buch, über das ich zufällig in diesem Internet gestolpert bin. Bei der Buchhandlung angerufen, bestellt, letzten Freitag direkt bei der Rückkehr aus Hamburg abgeholt, in einem durchgelesen, geguckt, gestaunt, gemocht.

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Was man hier heute mit ein bisschen Glück gewinnen kann: “Lost Cat” von Caroline Paul auf ganz wundervolle Art illustriert von Wendy McNaughton.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Nach einem Unfall kommt Caroline nach Hause zurück, depressiv, voll mit Schmerztabletten und auch ansonsten eher schlecht drauf. Während ihre Katze Fibby sich über ihre Daueranwesenheit freut und sie schamlos ausnutzt, reicht es Kater Tibby irgendwann und er dampft ab. Keine Zettel helfen, kein Rufen, kein Suchen, kein Fragen.

Und dann steht Tibby ein paar Wochen später wieder vor der Tür, unversehrt, aber auch wie verwandelt. Aus dem kleinen scheuen Kater, ist ein Abenteuerkater geworden, der jetzt zwar wieder da ist, aber immer wieder für Stunden verschwindet. Niemand weiß wohin, zu Hause frisst er nicht, scheint aber keinen Mangel zu haben. Caroline ist enttäuscht, empört und eifersüchtig. Wo geht Tibby hin? Wer füttert ihn? Was macht er den ganzen Tag?

Aber einer Katze kann man schlecht hinterherlaufen und auch Nachfragen bringt nicht das erwünschte Ergebnis. Eine andere Lösung muss her. Und so ziehen Caroline und Wendy los und kommen ihrem Kater mit GPS und Kamera auf die Schliche.

“Lost Cat” erzählt eine Geschichte von Katzenliebe, Verzweiflung, Eifersucht und Neugier. Die Illustrationen von Wendy McNaughton sind großartig. Dummerweise habe ich es nicht geschafft, Bilder von dem Buch zu machen, da mir der 23.4. irgendwie weiter weg erschien, als er war (Huch, das ist schon Dienstag?). Wer einen Blick ins Buch werfen will, der kann bei Brain Pickings nachgucken, dort habe ich diesen kleinen Geheimtipp nämlich auch entdeckt.

Ich verlose ein (von mir gelesenes) Exemplar des Buches, Hardcover, 160 Seiten, allerdings auf Englisch, eine deutsche Übersetzung gibt es meines Wissens auch (noch) nicht.

Wer teilnehmen will, muss einfach nur bis zum 29.4. um Mitternacht kommentieren. Sollte ich vor Mitternacht ins Bett gehen, geht die Verlosung bis irgendwann am nächsten Morgen, anders gesagt: Solange ich noch nicht sage, dass eine Teilnahme nicht mehr möglich ist, ist sie auch noch möglich.

So. Zack. Und jetzt: Kommentieren und Buch gewinnen. So einfach ist das.

Webseite von Caroline Paul

Webseite von Wendy McNaughton

Webseite von Lost Cat

 

Prima Vista Lesung im Gloria-Theater in Köln

Gloria

Von der Tirili-Lesung in Hamburg ging es mit nur einer winzigen Unterbrechung zur nächsten Lesung im etwas näher gelegenen Köln. Da ich bisher immer mit einer beeindruckenden Verlässlichkeit daran gescheitert bin, rechtzeitig Karten für die berühmt-berüchtigten Record Release Partys der Drei ???-Hörspiele zu bekommen, habe ich einfach das nächstbeste gemacht und Karten für die fast genauso berühmt-berüchtigte Prima Vista Lesung gekauft.

Currywurst

Also gab es am Samstag einen schönen Köln-Ausflug, der nach ein bisschen Rumlaufen und einer schnellen Currywurst auf der Ehrenstraße im ausverkauften Gloria-Theater (auch berühmt-berüchtigt) endet. Wir schaffen es, noch zwei Plätze relativ weit vorne zu ergattern und haben so netterweise einen ganz guten Blick auf die Bühne. Ein Tisch mit lustigen Glitzerpapphütchen, Weinflaschen, Wasser und anderem Kram. Davor auf dem Boden sammen sich so langsam Bücher und ausgedruckte Zettel, immer mehr Zuschauer kommen nach vorne und legen irgendwas hin oder gucken, was andere so hingelegt hat.

Texte

Währenddessen läuft ein Theaterköbes mit einem Kölschkranz herum, dem ich in einem glücklichen Moment die letzten beiden Kölsch abnehmen kann, denn mit Kölsch wartet es sich bekanntlich besser.

Kurz nach 19 Uhr geht es dann aber auch los. David Nathan (die deutsche Stimme von Johnny Depp und Christian Bale) und Simon Jäger (die deutsche Stimme von Matt Damon und Heath Ledger) betreten unter Applaus die Bühne, beide stecken in schwarzen Adidasanzügen und tragen schwarze Hüte, haben sich also ebenfalls für diesen Abend schick gemacht. Beim Anblick der Textmassen auf dem Fußboden wird erstmal über die vermutliche Dauer der Lesung spekuliert: “Müsst ihr noch weg oder habt ihr Zeit? Vor sechs Uhr kommen wir hier nicht raus.” Das Publikum ist entzückt.

Und so machen es sich David und Simon erst mal auf dem Boden bequem, holen sich Weingläser und Wein dazu, greifen zum ersten Buch und fangen an zu lesen. Drei irrwitzig anarchische und grandios komische Stunden stehen uns bevor und wie könnte man besser starten als mit Monty Python. Schnell wird klar, was für ein eingespieltes Team da auf der Bühne sitzt. Die machen das nicht zum ersten Mal, also sowohl Vorlesen als auch Vorlesen unter diesen speziellen Bedingungen.

Boden

Es folgen Texte von Loriot, irgendwas Ausgedrucktes aus dem Internet (zum Beispiel “Radkäppchen und der böse Golf”, dessen Wortspiele zumindest David Nathan immer wieder physische Schmerzen zuzufügen scheinen), Wolf Haas, Daniel Kehlmann, Jürgen Sprenzinger (dem “Sehr geehrter Herr Maggi”-Mann) und Warren Ellis. Von letzterem liegt “Gott schütze Amerika” auf der Bühne. “So muss ein Buch anfangen”, lobt David Nathan und liest vor: “Ich schlug die Augen auf und sah, wie die Ratte in meinen Kaffeebecher pisste.” Der Bücherspender bekommt einen Schnaps und nach ein paar Seiten geht es zum nächsten Buch, dass wir, so Nathan “im Gegensatz zu dem letzten Buch alle nicht kaufen.” Es ist “Der Kuss des Wikingers” von Sandra Hill und bei allem Spaß, den die beiden Sprecher auf der Bühne mit der Live-Spontan-Vertonung dieses Wunderwerkes haben, nein, ich glaube, das möchte ich wirklich nicht kaufen.

Horst Evers und Walter Moers werden nach wenigen Absätzen weggelegt. Der Evers, weil David Nathan keine Bücher möchte, in denen das Wort “heile” vorkommt und Moers einfach so, weil er gerade keine Lust drauf hat. Dafür nehmen sich beide der Herausforderung an, einen Comic von Neil Gaiman (der, das muss an dieser Stelle mal gesagt werden, fälschlicherweise als Manga bezeichnet wird) szenisch darzustellen, was genauso daneben geht, wie es daneben gehen muss, aber gerade deswegen zu den Highlights des Abends gehört, auch wenn sich kein Zuschauer findet, der die Rolle des umhertollenden Kindes übernehmen will, so dass sich dann doch Simon Jäger aufopfern muss.

Lesend

Bei einer Känguru-Geschichte von Marc-Uwe Kling kommt Berlin-Lokalpatriotismus ins Spiel. “Ich mach Westberlin und du machst Ostberlin.” Als ob in Köln da jemand den Unterschied hören könnte. (Aber wer weiß, vielleicht sind ja auch Berliner im Publikum, möglich ist alles.)

Ein weiteres Highlight des Abends kommt mit dem Buch “Regelschmerz Ade: Die freie Menstruation”, das dann nicht nur zu Entspannungsmusik, sondern auch noch parallel mit Freud gelesen wird, und irgendwann lache ich nur noch Tränen und möchte eigentlich, dass das so schnell nicht aufhört. Zum Schluss gibt es noch mal die zwei Herren im Bad von Loriot und dann ist nach knapp drei Stunden Schluss.

Bühne

Es war irgendwie alles toll an diesem Abend. Die Sprecher, der Musikmensch, die Texte und Bücher, das begeisterte Publikum, das Theater, das Kölsch und überhaupt alles. Es fällt mir nicht schwer, zu glauben, dass diese Lesungen regelmäßig ausverkauft sind, man möchte eigentlich sofort die Karten für die nächste Lesung kaufen und Freunde mitnehmen. Auch der Mann, der etwas irritiert war, als ich ihm mitteilte, wir würden zu einer Lesung gehen, wo zwei Sprecher mitgebrachte Texte vorlesen würden, war begeistert. Besser geht es eigentlich nicht.

Ich kann die Prima Vista Lesungen wirklich uneingeschränkt und allerwärmstens empfehlen. Selten gingen drei Stunden so schnell rum und erschien mir eine Pause so endlos lang. Neben David Nathan und Simon Jäger ist mit Oliver Rohrbeck und Detlef Bierstedt noch ein zweites Team im Rahmen dieses Lesungskonzepts unterwegs. Termine kann man in der Lauscherlounge erfahren.

Webseite der Prima Vista Lesungen

Webseite der Lauscherlounge

Miniausflug nach Hamburg zur Tirili-Lesung

Wenn nette Leute lesen, soll man sich das ja nicht entgehen lassen. In Hamburg zum Beispiel lesen zwei Mal im Jahr unglaublich nette Leute. Vermutlich gibt es sogar noch mehr Lesungen mit netten Leuten, kann ich mir gut vorstellen, aber die werden dann nicht von Maximilian Buddenbohm und Isabel Bogdan organisiert und moderiert. Die Frühlingslesung “Tirili” und die Herbstlesung “Bonjour Tristesse” hingegen schon und wenn das nicht ein Grund ist, nach Hamburg zu fahren, dann weiß ich auch nicht.

Kurz vor 18 Uhr am Donnerstag kam ich also zum zweiten Mal in meinem ganzen Leben wieder am Hamburger Hauptbahnhof an. Zum Kofferabladen und kurzem Erholen ging es dann zu Isa und von da aus etwas später nach St. Pauli zur “Le Kaschemme”, einer kleinen Restaurantkneipe, in der die Lesungen üblicherweise statt finden.

(Ich trug übrigens einen Mikrofonständer, habe es aber dank unmenschlicher Willensstärke geschafft, keinen dummen “Ich habe einen Mikrofonständer getragen”-Witz zu machen. Aber das nur nebenbei.)

Eigentlich wollte ich ja Herrn Buddenbohm und Frau Bogdan lesen hören, aber wie das so ist, entschlossen sich die beiden bei der Planung spontan und ohne Rücksprache mit mir zu halten, dass sie jetzt in zehn Lesungen genug selber gelesen hätten und lieber nur moderieren wollten. Dafür würden drei andere tolle Menschen lesen, nämlich Pia Ziefle, Bov Bjerg und Stevan Paul. Also freute ich mich vor allem auf Pia Ziefle, deren Debüt “Suna” ich ja vor allem deswegen noch nicht gelesen habe, weil ich das eigentlich erst nach einer Lesung machen wollte. Aber wie das so ist, musste Pia Ziefle wegen Krankheit absagen. Nachdem ich also viele gute Besserungswünsche in den Süden geschickt und fertig geschmollt hatte, freute ich mich statt dessen auf Katrin Seddig. Auch gut.

Was auf der Lesung selber passierte, kann man schön bei Herrn Buddenbohm oder Frau Frische Brise nachlesen, zwei der drei Vorträge kann man sich sogar anhören. Ich kann dazu nur sagen: Schön war’s. Also richtig schön. Man hört ja viel zu selten Leuten beim Vorlesen zu, und dieses bunt gemischte Tütchen schöner Texte von netten Menschen mit gar nicht so viel davor und dahinter, einfach hinkommen, hinsetzen, Rotwein trinken und lauschen, das ist eine extrem schöne und sehr empfehlenswerte Art, einen Abend zu verbringen. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich kann das nur wärmstens empfehlen.

Ein bisschen war das ja so gedacht, dass ich zumindest einmal, ein einziges Mal im Leben, bei einer Tirili-Lesung (alternativ auch Bonjour Tristesse) gewesen sein wollte. Nach diesem Abend befürchte ich ein bisschen, dass es nicht bei einem Mal bleiben wird.

(Hatte ich erwähnt, dass ich dieses Kleinod-Geheim-Event nur empfehlen kann? Nein? Ja? Na gut, dann halt noch mal.)

Ein herzlicher Dank also an Katrin Seddig, Bov Bjerg und Stevan Paul fürs Schreiben und Vorlesen und natürlich ein ebenso herzlicher Dank an Maximilian Buddenbohm und Isabel Bogdan fürs Organisieren, Moderieren und Schlafcouch-zur-Verfügung-Stellen. Bis zum Herbst oder so.

Indiebookday 2013

Indiebookday_logo2013

Heute ist der vom mairisch Verlag ins Leben gerufene Indiebookday. An diesem Tag wird dazu aufgerufen, in einen Buchladen zu gehen und ein Buch von einem kleinen, unabhängigen Verlag zu kaufen, Fotos zu machen und darüber zu schreiben.

Nach anfänglichen Zweifeln und dezenten Nörgeleien meinerseits (dazu später mehr) habe ich dann doch beschlossen, mitzumachen. Denn Bücher kaufen ist immer gut und kleine Verlage oder generell kleine Unternehmen zu unterstützen ist auch sehr selten verkehrt. Also musste recherchiert werden, denn als Branchennichtkenner hatte ich keine Ahnung, was denn eigentlich so ein kleiner, unabhängiger Verlag ist. Man möchte ja ungern an so einer Aktion mitmachen und dann stellt sich raus, das war gar kein kleiner Verlag. Dann hat man zwar immer noch ein schönes Buch (auch nicht verkehrt), aber so richtig Sinn des Ganzen ist es dann nicht.

Wibke Ladewig hat zu diesem Zweck extra eine Liste mit unabhängigen Verlagen zusammengestellt. Allerdings widersprach das so ein bisschen meiner üblichen Vorgehensweise beim Bücherkauf. Eine Liste durchzuklicken und auf Teufel komm raus ein Buch suchen, nur weil ich eins brauche, hm, schwierig. Das muss doch auch anders gehen, dachte ich.

Also überlegte ich, welcher Autor denn möglicherweise selber indie genug sein könnte, als dass auch seine Bücher in einem unabhängigen Verlag verlegt werden könnte, hatte eine Idee, las den Wikipedia-Artikel über den Verlag und hoffte dann ganz inständig, dass die Information, der Verlag beschäftige drei feste Mitarbeiter, Indiz genug dafür sein dürfte, dass es sich tatsächlich um einen richtigen kleinen, unabhängigen Verlag handeln dürfte.

Buch ausgesucht, beim Minibuchladen in Holsterhausen angerufen, Buch bestellt, fertig.

Was ich mir ausgesucht habe?

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“Katz und Goldt sowie der Berliner Fernsehturm aus der Sicht von jemandem, der zu faul ist, seinen Kaktus beseite zu schieben” von (Überraschung) Stephan Katz und Max Goldt. Auf 88 Seiten wunderbare Comicgeschichten, wie man sie auch schon von der Webseite des “duo[s] who does what trios should do” findet, nur eben schön im Großformat zum Durchblättern auf der Couch oder wahlweise im Bett.

Im Nachhinein frage ich mich übrigens, warum wir nicht längt alle Bücher dieses herrlich verqueren Duos im Regal stehen haben. Ganz schön doof, irgendwie, aber genau dafür ist der Indiebookday wohl auch da. Um tolle Bücher aufzutreiben, bei denen man sich nachher fragt, warum man so lange gebraucht hat, um sie zu finden.

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Das Buch ist im Verlag Edition Moderne erschienen, einem kleinen Schweizer Comicverlag, der 1981 gegründet wurde und u.a. die deutsche Übersetzung von Persepolis von Marjane Satrapi herausbrachte.

Gestern habe ich mich also auf den kurzen Weg zur Stadtteilsbuchhandlung gemacht, Magus Bücher auf der Gemarkenstraße. Obwohl ich schon das ein oder andere Mal an dem Laden vorbeilief, hat es mich nie reingetrieben, zu klein der Laden, zu gering die Chance, dort etwas zu finden, was mich mit meinem teilweise doch sehr genreorientierten Geschmack interessieren könnte. Aber wenn es ums Bestellen geht, da erinnerte ich mich daran, und ob ich jetzt online bestelle und dann ein bis zwei Tage auf Lieferung frei Haus warte oder ob ich kurz anrufe und am nächsten Tag einen kleinen Spaziergang mache, es kommt für mich fast aufs Gleiche raus, für die Buchhandlung macht es aber einen Unterschied und man kriegt eine nette Unterhaltung noch mit dazu. Gute Laune und ein kleines bisschen gutes Gewissen obendrauf, toll!

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Wer also noch nicht mitgemacht hat, der hat heute noch ein paar Stunden Zeit, in einen Buchladen zu gehen und sich ein schönes Buch aus einem kleinen, unabhängigen Verlag zu kaufen. Macht Bilder davon, schreibt darüber, spread the word und so, das ist eine schöne Sache!

Was meine Zweifel und Nörgeleien angeht, so habe ich hier vor allem eine vertane Chance gesehen und mich darüber ein bisschen geärgert. Ich klicke mich nun mal nicht gerne durch reine Linklisten in der Hoffnung, da dann irgendwas im Programm zu finden, was irgendwie zu meinen Interessen passen könnte. Warum man diese Aktion nicht im Vorfeld redaktionell begleitete mit kleinen Verlagsporträts und Büchertipps, bleibt mir ein Rätsel. Fehlte die Zeit? Ist Branchenkennern nicht klar, dass ein Verlag selbst für Bücherfreunde wie mich eher zweitrangig und tendenziell uninteressant ist, weil doch das Buch im Vordergrund steht und dementsprechend das Wissen darum, welche Verlage unabhängig sind, eher mangelhaft sein könnte?

Ich hätte es wahnsinnig spannend gefunden, im Rahmen dieser Aktion mehr über kleine Verlage, ihre Ausrichtung, ihr Programm und ihre Philosphie zu lernen, aber als eher mäßig angeleitete Hausaufgabe war mir diese Recherchearbeit zu aufwändig, man weiß ja kaum, wo man anfangen soll.

Für den nächsten Indiebookday würde ich mir genau das wünschen: Ein kleiner Blog, in dem in den Wochen vorher regelmäßig Verlage und Bücher vorgestellt werden, und wo man als Leser ein bisschen an die Hand genommen wird und nachher mehr darüber weiß, was es überhaupt bedeutet, ein kleiner Verlag zu sein, wo die Probleme, wo die Herausforderungen und wo die Vorteile sind. Was der Antrieb war und ist, die Bücherwelt selbst mitzugestalten.

Aber das nur als kleine Anregung, wie man eine tolle Aktion noch besser (und vielleicht auch noch wirkungsvoller und nachhaltiger) machen könnte. Abgesehen davon finde ich das nämlich eine wunderbare Sache und freue mich nicht nur über mein schönes neues Buch sondern auch auf den nächsten Indiebookday. (Und jetzt auf zum Buchladen oder mit dem neuen Buch direkt auf die Couch, husch husch!)

Das CULTurMAG und ich

Und so begab es sich in der Zeit, als ich sowieso hauptsächlich lag, dass Frau Beck mal ein bisschen verkuppelte. Nämlich das CULTurMAG und mich. Das CULTurMAG ist ein Onlinemagazin, das zwei Mal wöchentlich erscheint, einmal am Mittwoch mit dem Literatur- und Musikteil und einmal am Samstag mit dem Krimiteil.

Mein erster Artikel erschien also gestern. Ich wollte sowieso lange schon “Internet: Segen oder Fluch” von Kathrin Passig und Sascha Lobo rezensieren, da traf es sich gut, dass Jan Karsten sofort auf die Idee kam, dann könnte ich das ja auch prima fürs CULTurMAG machen. Hab ich dann auch und lesen kann man das, was dabei rausgekommen ist, jetzt hier.

Was als nächstes kommt, muss noch besprochen werden, aber die Idee, die wir da ausbrüten, finde ich persönlich schon mal toll und aufregend. Ich kann also nur hoffen, dass ich da bald Neues berichten kann.

(Die Kryptik bitte ich zu entschuldigen. Ich gehöre zu den Menschen, die sehr ungern über ungelegte Eier sprechen, schon allein, weil ich prinzipiell immer erst an etwas glaube, wenn es auch wirklich, wirklich passiert (oder bereits passiert ist). Ich bin da mit einer ordentlichen Portion Zweckpessimismus ausgestattet, denn wer weiß, was noch passiert und dann wird das doch alles nichts und dann guckt man doof, jaja.)

Drei sehr gute Gründe, Funny van Dannen zu lesen

Der Mann und ich sind ja große Fans von Funny van Dannen, seit wir vor dreizehn Jahren mit ein paar anderen Musikwissenschaftlern in Paris waren und einer der Kommilitonen mit seiner Ukulele durch die Stadt lief und abwechselnd “Chanson aus Paris” und “Ich muss immer an die Frauen denken” sang. Das war ganz toll und wenn man nicht aufpasst, dann kommt es vor, dass der Mann Gäste dazu nötigt, ein tolles Lied von Funny van Dannen nach dem anderen zu hören. Ich kann da dann auch nichts mehr machen und er hat ja irgendwie auch Recht.

Und jetzt lese ich Funny van Dannen, genauer gesagt lese ich “Zurück im Paradies”, das hat hier nämlich anscheinend mal irgendwer gekauft und dann stand es im Schrank, und weil mir letztens langweilig war, dachte ich, man könnte das ja mal lesen.

Positiv ist: Funny van Dannen schreibt genauso schön-bekloppte Geschichten wie Liedtexte. Negativ ist: Bislang nichts.

Ob man das selber lesen will, hängt vermutlich davon ab, ob man mit dem Stil des Autors zurecht kommt, der ist nämlich doch ein bisschen schräg. Als grobe Richtlinie würde ich sagen: Wer Max Goldt mag, für den könnte der Herr van Dannen auch was sein. Aber am besten entscheidet man das selber, ich zitiere einfach mal aus drei Geschichten:

Am nächsten Wochenende durften wir daher bereits im Champions Race mitmachen und unser Hühnchen gewann schon wieder. Bei der Dopingprobe fragten sie uns nach dem Futter.
Wir sagten: Normales Hühnerfutter, Frühlingssuppe, Milky-Way, sonst nichts. Aha!, sagten die Kontrolleure. Milky-Way! Steht auf der Dopingliste! Unerlaubtes Speedpräparat! Der Sieg wird euch aberkannt und das Hühnchen für ein Jahr gesperrt.

(aus “Das grüne Hühnchen”)

Ein Riesenrad, sagte Gunnar, ein Riesenrad hier mitten im Wald für alle Tiere, das fänd ich geil!
Ja, sagte Charly, das fänden alle Tiere geil. Ein großes Riesenrad mit Fähnchen und Beleuchtung und Rummelmusik!
Kein Problem!, sagte der Außenminister. Kann ich euch besorgen!
Und Autoscooter!, rief Charly. Autoscooter für Elche!
Ihr seid ja echte Rummelfans, was?, sagte der Außenminister.
Alle, brummte Charly, alle Tiere sind totale Rummelfans!
Bis auf Gunda, die furzende Nachtigall, warf Gunnar ein. Aber die ist ja auch gestört.

(aus “Evolution”)

Der schlaksige Wanderpanda Andreas G. hatte sich am Bahnhofskiosk eine Tüte Kräuterbonbons gekauft und schlurfte bonbonlutschend Richtung Innenstadt. Weil ihm die Süßigkeit zu Kopf stieg, schloss er die Augen und lief eine Rentnerin über den Haufen.
Oho!, rief er. Was hab ich angestellt?
Sie haben mein Leben ruiniert!, rief die Rentnerin.

(aus “Die letzte Station”)

Wer jetzt “Hihihi” dachte, der findet wahrscheinlich Gefallen an den vielen kleinen Geschichten in dem Buch. Wer eher “Was soll der Unfug?” dachte, für den ist es vermutlich nichts, denn die anderen Geschichten sind nicht weniger abgedreht.

Mit solchen Geschichten und einem bequemen Sofa kann man ja sogar so eine gepflegte Laryngitis ganz gut aushalten. Und jetzt lasst mich, ich muss weiterlesen.

Zurück im Paradies gibt’s bei Amazon oder bei der Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt.

Über Grauzonen, politische Korrektheit, Kinderbücher und Sprachlosigkeit

Im Moment ist das ja in meiner kleinen Filterbubble eines der Hauptthemen. In Kinderbüchern werden böse Wörter durch nicht ganz so böse ersetzt. Genauer gesagt: Bei Pippi Langstrumpf wird Pippis Vater vom “Negerkönig” zum Südseekönig” und in “Die kleine Hexe” wird ebenfalls das Wort Neger durch irgendwas anderes ersetzt, genauso wie das Wort durchwichsen, das in diesem Fall eben “verhauen” bedeutet.

Mein Initialreaktion dazu war: “Och nö.”

Das ist wahrscheinlich nicht verwunderlich, denn in jahrzentealten Werken rumzuändern, weil irgendwas nicht mehr zeitgemäß erscheint, klingt für mich erstmal nach Zensur und da reagiere ich zunächst instinktiv und finde das doof.

Dann habe ich viel im Internet gelesen, auf verschiedenen Blogs und anderen Seiten haben Leute geschrieben, die zu diesem Thema die unterschiedlichsten Ansichten haben, von “geht gar nicht” bis “wurde auch mal Zeit”.

Mein übliches Problem: Ich kann irgendwie alle Sichtweisen verstehen und nachvollziehen und weiß mittlerweile immer weniger, was ich selber davon halten soll.

Auf der einen Seite finde ich “zeitgemäße Korrekturen” nach wie vor problematisch bis falsch. Nicht mal so unbedingt aus Prinzip, sondern weil Bücher eben von einem bestimmten Autor in einer bestimmten Zeit geschrieben werden und ich der Meinung bin, dass man diesen Büchern ihre Entstehungszeit ruhig anmerken darf.

Auf der anderen Seite geht es hier um Kinderbücher und gerade die betroffenen Bücher zeichnen sich meiner Meinung nach durch eine Zeitlosigkeit aus, die dann auch dazu führt, dass sie heute genauso (vor)gelesen werden wie vor fünfzig Jahren. Ob das in der Konsequenz auch bedeutet, dass man bei solch zeitlosen Kinderbuchklassikern gelegentlich auch mal gucken darf, ob das, was da drinsteht oder das, wie es drin steht, sich noch mit den aktuellen Gegebenheiten verträgt, ist dann die nächste Frage.

Außerdem ist es in diesen speziellen Fällen nun auch so, dass weder das Wort “Neger” noch das Wort “durchwichsen” eine größere Bedeutung hätten. Man kann sie ersetzen, ohne dass sich die Geschichte wesentlich verändert. Ob in der kleinen Hexe ein Kind als Neger oder als Fliegenpilz verkleidet sind, ist vollkommen irrelevant und ob der Vater von Pippi Langstrumpf “Negerkönig” oder “Südseekönig” ist ebenso. Südseekönig ist, das muss man sogar sagen, sogar richtiger, wenn auch, wie man hier und hier nachlesen kann, nicht zwingend unproblematischer.

Dann denke ich wieder, dass man das den Kindern ja auch erklären könnte, was es damit auf sich hat, dass man früher Neger sagt, aber heute nicht mehr und dass durchwichsen eben verhauen heißt. Will man den Vorleseeltern ein bisschen Hilfe an die Hand geben, kann man ja auch eine Fußnote setzen, wo man Wörter, die eine Bedeutungsveschiebung erhalten haben oder einfach nicht mehr so verwendet werden, erklärt. Erstens sind Kinder ja nicht dumm und zweitens ist es auch nicht unbedingt verkehrt, wenn man schon früh lernt, dass Sprache sich ändert, sowohl was die Wörter selber als auch was deren Bedeutung angeht.

Und dann lese ich Blogartikel, in denen es darum geht, dass man als Eltern vielleicht auch mal einfach vorlesen möchte und nicht noch einen linguistischen Bildungsauftrag dabei erfüllen möchte, weil man eben seinen Kindern schon genug erklären muss, jeden Tag, dauernd und das dann nicht noch abends an der Bettkante haben muss. Da kann ich natürlich mangels Kinder nicht mitreden.

Und dann gibt es Stimmen, die sagen, dass vielleicht das Ersetzen von rassistischen Wörtern wichtiger ist als das unbedingte Erhaltenwollen des Originalzustands, weil Rassismus verletzend ist und weil man vielleicht gar nicht erst damit anfangen sollte, Kindern rassistische Wörter beizubringen, erst recht nicht in einem Kontext, der sie glauben lassen könnte, das Wort wäre eigentlich ganz harmlos.

Wie gesagt, es ist schwierig. Mittlerweile bin ich zu der Ansicht gekommen, dass es vermutlich okay ist, wenn in den genannten Büchern die paar Stellen geändert werden.

Wovor ich ein bisschen Angst habe, ist die Grauzone, die danach kommt. Bleibt es bei diesen beiden Beispielen oder kommt da dann direkt mehr? Wer bestimmt, was darf und was nicht? Und wer bestimmt, wann die Verwendung eines rassistischen oder anders problematischen Wortes für das Buch wichtig ist und wann nicht?

In diesem Zusammenhang fällt mir auch immer die Geschichte von J.D. Salingers “Der Fänger im Roggen” ein. Das wurde dann erst von einer Schweizerin übersetzt und dabei wurde auch noch mal gestrichen und geändert. Und dann kam Heinrich Böll und hat dann noch mal übersetzt, aber nicht das amerikanische Original, sondern die britische Version. Da wurde nämlich schon direkt mal im Englischen sehr stark lektoriert, weil es dem britischen Verleger zu krass war. Und diese zweite Übersetzung einer bereits sehr angepassten Version ist dann das, was wir hier bis 2003 kaufen konnten, dann gab’s nämlich eine neue Übersetzung. Da kann man mal sehen.

Hat das was mit dem Ursprungsthema zu tun? Ich denke schon, ein bisschen zumindest, denn es zeigt, wie wenig transparent diese Vorgänge sind, wie wenig man eigentlich weiß, was der Autor da wirklich stehen haben wollte und an welcher Stelle der Lektor oder der Übersetzer möglicherweise etwas geändert haben oder sogar ändern mussten. (Wer mehr über die Tücken des Übersetzens wissen möchte, der liest bitte bei Isabel weiter.)

Aber letztlich wollte ich auf etwas ganz anderes zu sprechen kommen, nämlich mein ganz persönliches Problem mit der erzwungenen politischen Korrektheit. Sie macht mich sprachlos, und das finde ich ganz furchtbar.

Denn ich weiß mittlerweile nicht mehr, was ich noch sagen darf, ohne gleich in die Rassismusfalle zu tappen. “Neger” geht nicht, ist klar. Irgendwann sollte man mal “Schwarzer” sagen, aber das ist meines Wissens auch schon wieder passé, weil eben auch rassistisch. “Farbiger”, geht das? Ist doch genauso bekloppt wie “Schwarzer”. “Afro-Amerikaner” ist hier total beknackt, denn wir sind hier nicht in Amerika. “Afrikaner” geht natürlich auch nicht, erstens weiß ich nicht, ob der oder die Gemeinte überhaupt aus Afrika kommt und selbst wenn, das impliziert doch auch, dass ich irgendwie denke, wenn man eine dunkle Haut hat, könne man nicht Deutscher sein. Bekloppt.

Das Gefühl, das ich habe ist, dass es eben irgendwann gar nicht um die Worte geht, sondern wir uns vielmehr in so einer Endlosschleife der politischen Korrektheit befinden, in der wir bei den ersten Anzeichen negativ konnotierter Wörter hektisch an der Notbremse ziehen und uns was neues einfallen lassen. Jeder, der dann noch das alte Wort benutzt, wird zumindest komisch angeguckt, denn man weiß doch, dass man das nicht mehr sagt, ist das etwa ein Rassist?

Natürlich bin ich nicht rassistisch. Ich bemühe mich, meine Worte so zu wählen, dass ich niemanden damit irgendwie unabsichtlich beleidige, aber ich möchte auch keine 1984–Neusprech-Sprache sprechen, in der alles, was auch nur in den Verdacht einer negativen Konnotierung fällt, ersetzt wird.

Ich habe in den knapp dreißig Jahren, in denen ich sprechen und verstehen kann, den Weg von “Neger” über “Schwarzer” über “Farbiger” mitgemacht und habe keine Ahnung, was die aktuell angesagte Bezeichnung ist. Geht das jetzt so weiter? Weil, wenn ja, dann haben wir ein anderes Problem, denn dann ist es wohl eher so, dass wir trotz aller Bemühungen, dagegen zu wirken, immer noch mit explizitem und implizitem Rassismus zu kämpfen haben, der früher oder später jedes Wort, das wir uns ausdenken, negativ einfärbt, bis wir es nicht mehr verwenden wollen oder dürfen.

Ich weiß, dass das kleine Probleme sind, dass ich als Nichtbetroffene nur ein beschränktes Mitspracherecht habe, weil es eben nicht meine Gefühle sind, die verletzt werden (dazu empfehle ich den Text von Christian vom Jawl sowie diesen Artikel bei Schreibgold). Ich habe auch so spontan niemanden zur Hand, den ich fragen könnte.

Das, was ich relativ sicher sagen kann, ist, dass die stete Suche nach weniger anstößigen Wörtern niemandem hilft, wenn ihre Halbwertzeit begrenzt ist. Dass diese Unsicherheit, ob eines falsch gewählten Wortes als rassistisch abgestempelt zu werden, eher dazu führt, dass ich dann lieber gar nichts sage. Das ist mein persönliches Problem, das ich auch nicht überbewerten möchte. Sollte es das Problem von mehr Menschen sein, dann müssen wir uns aber auch nicht wundern, wenn wir aus der Endlosspirale der Wortneuerfindungen nicht raus kommen, denn eine dauerhaft wertfreie Konnotierung eines Wortes ist kaum möglich, wenn die Mehrheit der Leute sich nicht traut, es auszusprechen.

Isa liest aus “Sachen machen”

Isa liest

Freitagnachmittag, 17:30 Uhr. Sandra holt mich mit dem großen Auto ab, wir fahren nach Köln, genauer gesagt nach Köln-Nippes, denn da liest Isabel Bogdan heute aus ihrem Buch “Sachen machen”. Es hat ja lang genug gedauert, bis es mit einem Lesungstermin irgendwo hier in der Nähe mal geklappt hat, umso mehr freuen wir uns.

Kurz vor 19 Uhr parken wir neben dem neuen Eislaufstadion (Eislaufen auf zwei Ebenen, total faszinierend) und laufen die letzten Meter zur Neusser Straße. Da ist der Buchladen “einzigundartig” und da findet das heute statt. Erstmal Plätze auf einer der Bierbänke sichern, dann kurz den Buchladen erkunden, nicht groß, aber sehr schön und gut sortiert, Sandra meint, sie hätte da locker ihre gesamte Wunschliste abdecken können, und das ist nicht selbstverständlich.

Buchladen

Ich suche tatsächlich ein Buch, allerdings ein Kochbuch, und das ist im Laden nebenan und der hat schon eigentlich schon zu, aber weil die im Buchladen total nett sind, kommt einfach jemand mit, schließt auf, macht noch mal das Licht an, sucht mit mir das Buch und fährt dann extra noch mal den Rechner hoch, um im System zu gucken, ob das Buch noch da ist. Service pur! Tatsächlich finde ich es dann selber und damit laufen wir dann zurück in den anderen Laden, wo ja noch alles an ist, und da bezahle ich dann. Rein theoretisch habe ich also gestern für ungefähr eine Minute ein Buch geklaut, jedenfalls geht sogar das lustige Diebstahlssicherungsding an, als ich durchgehe, aber der Buchladenmitarbeiter ist ja dabei, ich hab’s also vermutlich noch nicht mal theoretisch für eine Minute geklaut.

Dann geht aber auch bald die Lesung los. Vorher versuche ich noch irgendwie, die Kamera dazu zu kriegen, Bilder zu machen, die nicht zu hell, zu dunkel und/oder zu verschwommen sind, krieg’s aber irgendwie nicht hin und gehe vermutlich allen um mich rum mit dem doofen Kameraklicken gehörig auf den Keks. Aber das muss jetzt so.

Und dann geht’s wirklich los. Wir erfahren die Vorgeschichte zu der Lesung, und dann fängt Isabel an zu lesen. Ich kenne das Buch ja schon, ich hab sogar schon eine Ausgabe mit Widmung, aber es ist dann eben doch etwas anderes, wenn die Autorin selber liest. Es ist nicht nur anders, es ist auch toller!

Isa liest

Das mit der chinesischen Massage liest sie vor, inklusive einer sehr überzeugenden Darstellung der chinesischen Masseurin (“TU WEH?”). Wir müssen alle lachen, weil es eben wirklich lustig ist. “Ihr seid ein Superpublikum”, sagt Isabel am Ende der Geschichte. “Aber ich muss immer aufpassen, dass ich nicht mitlache.”

Luxusprobleme eben, wenn das Publikum so aufmerksam zuhört und so gerne mitlacht wie heute. Und zwar, um das mal zu sagen, mit Recht. Als nächstes kommt das mir dem Spinning, die Geschichte, in der Isabel so wütend wird, weil Spinning so doof ist und das liest sie auch genauso vor, liest sich quasi in Rage, aber weil man ja nicht selber auf dem doofen Rad sitzt und zugeplärrt wird, macht es uns gar nicht wütend, sondern eher glücklich.

“Oh Gott, sind hier Spinning-Fans?” fragt Isabel, als in der ersten Reihe ein bisschen geflüstert wird. Heftiges Kopfschütteln, es ist wohl eher das Gegenteil der Fall.

Dann das mit der Lebensfreude-Messe, auch ganz großartig. Danach das mit dem Fliegen, auch toll. Und dann Wacken! WACKEN! Eine meiner Lieblingsgeschichten und so toll vorgelesen, dass man eben auch eigentlich direkt nach Wacken will, weil da alles so schön und nett und rührend ist.

Langsam wird das Sitzen anstrengend, die Bierbänke sind nämlich sehr viel, aber sicher nicht bequem und es sind sehr viele Leute gekommen, so dass wir alle dicht gedrängt sitzen und hinten noch ganz viele Reihen mit Klappstühlen aufgebaut worden sind. Die waren noch nicht da, als wir kamen, sind bestimmt bequemer, aber eben auch weiter hinten.

Als kleine Zugabe gibt es noch das mit dem begehbaren Darm, eine kurze Geschichte, und dann hat Isabel schon eine Stunde gelesen. Fragen gibt es nur eine, aber eine gute, nämlich, was sie seit dem Buch für Sachen gemacht hat. Die traurige Antwort ist: eigentlich so wirklich keine, weil eben auf einmal die Deadline fehlt, die einen dann doch zwingt, irgendwas tolles zu machen. Schade irgendwie, kann ich mir aber gut vorstellen. Ich kann ja auch vieles besser mit Deadline.

Eine Tupperparty möchte sie eigentlich noch machen, oder Baggerfahren. Würde ich beides sofort mitmachen. Dann gibt es keine Fragen mehr, mir fällt jetzt auch keine ein, erstens lese ich ja Isabels Blog und könnte sie im Zweifelsfall alles auch so fragen, aber vor allem brauche ich bei solchen Gelegenheiten immer so ein bisschen Vorlaufzeit, so zwei bis fünf Fragesteller, die mich irgendwie inspirieren und dann fällt mir meistens doch was ein. Es gibt aber nur einen Fragesteller und dann ist es leider vorbei, bevor ich ausreichend Inspiration zu einer eigenen Frage hatte.

Der einzige, der sich freut, dass es schon vorbei ist, ist mein Hintern. Ansonsten hätte ich auch noch länger gekonnt. Im Nachlesungstrubel kann ich endlich mal Johannes von 1ppm und der Frau Serotonic die Hand schütteln und ein bisschen quatschen, die sind nämlich auch da, ein Minibloggertreffen sozusagen. Wir schlendern noch rüber zum Rosenstock, da ist es aber so voll, dass Sandra und ich dann doch beschließen zu gehen, schon allein, weil der Parkplatz irgendwann zumacht und wir sowieso nicht so lange hätten bleiben können. Zurück zum Parkplatz, zurück nach Essen.

Schön war’s. Also wirklich. Ich mochte die Geschichten ja schon beim Lesen, aber vorgelesen ist eben noch viel besser und dann noch von Isabel selbst, die sie ja nicht nur geschrieben, sondern auch alle erlebt hat. Das merkt man nämlich, und es macht Spaß, Isabel zuzuhören, wenn sie beim Vorlesen alles noch mal erlebt.

Ich kann das nur empfehlen. Wenn Isabel also irgendwo in der Nähe liest, hingehen. Oder noch besser, wenn man Lesungen veranstaltet, Isabel einladen. Und ich freu mich in der Zwischenzeit auf die nächste Bloggerlesung, wenn alles klappt dann im Frühling in Hamburg. (Juchu!)

(Die Bilder sind übrigens alle eher schlecht geworden, weil ich die Einstellungen vermasselt habe und dann mit ISO Dreimillionen oder so fotografiert habe und das sieht man leider. Das steht wohl für dieses Jahr auch noch an, mehr über die Kameraeinstellungen lernen. Sachen machen eben.)

“Sachen machen” gibt es bei Amazon oder (nur als Beispiel) bei der Buchhandlung stories in Hamburg oder (allerbeste Alternative) bei Isabel selber mit Widmung.

2012 – Die zehn schönsten Bücher

Ich hatte die Liste schon fertig, musste dann aber noch rumschieben, weil ich ausgerechnet in den letzten zwei Wochen noch ganz tolle Bücher gelesen habe. Außerdem ist es natürlich immer schwer, Bücher miteinander zu vergleichen, vor allem, wenn man immer so quer durch die Bank liest wie ich. Aber irgendwann hat man auch genau überlegt und rumgeschoben und dann ist die Liste fertig.

61 Bücher waren es in diesem Jahr. Dass darunter auch zwei Bilderbücher waren, ist unerheblich, denn es waren auch einige Wälzer dabei, das gleicht aus. Laut Goodreads habe ich 20662 Seiten gelesen, 800 weniger als im letzten Jahr, aber da musste ich ja auch die ganzen “Song of Ice and Fire”-Bücher lesen, so eine Aktion fiel dieses Jahr weg. Premiere dafür: Ich habe einige Bücher von Leuten gelesen, die ich wirklich kenne. Davon hätte ich gerne im nächsten Jahr mehr.

Dieses Jahr war auch kein 5–Sterne-Buch dabei. Die Nummer Eins ist knapp daran vorbeigeschrabbelt, allerdings war mir aber bei diesem Buch sehr schnell klar, dass es mein Lieblingsbuch 2012 werden würde. Dafür noch mal ein Danke an die Patschbella, die mich damit zum Geburtstag überrascht hat.

Zusätzlich zu den Amazon-Links, bei denen ich ein bisschen Geld abbekomme, habe ich noch auf zehn Buchhandlungen in Deutschland verlinkt, die ebenfalls einen Onlineshop anbieten. Davon bekomme ich nichts ab, aber die Buchhandlungen freuen sich bestimmt. Je nach Angebot habe ich auf die englische oder die deutsche Ausgabe verlinkt, das Sendak-Buch z.B. ist sehr schwer zu finden, erst recht auf Deutsch, und das, obwohl ich dieses Buch sogar zur Abwechslung wirklich auf Deutsch gelesen habe.

Aber genug mit Erklärungen, Vorreden und Danksagungen, hier sind sie nun. Meine zehn liebsten Bücher, die ich 2012 gelesen habe.

10. Nick Harkaway: Angelmaker

Es dauerte ein bisschen, bis ich in das Buch reinkam, aber das war schon bei Harkaways wunderbarem Erstling “The Gone-Away World” so. Mit dem zweiten Buch erzählt Nick Harkaway eine ganz andere Geschichten, mit apokalyptischen Automaten, Superbösewichten, britischen Spioninnen im Ruhestand und ganz viel Zeug dazwischen. Ich mag dieses Chaotische in Harkaways Büchern, dass er sich an keine Konventionen hält, sondern seine Geschichten, so abstrus sie manchmal sein mögen, einfach konsequent erzählt.

(bei Amazon oder bei der Buchhandlung stories! in Hamburg)

9. Stephen King: Der Anschlag

Wurde mir vom Mann angedreht. Der hatte nämlich nicht genug Bücher mit nach Frankreich genommen und dann viel zu schnell diesen übertausendseitigen Wälzer ausgelesen. Und dann wollte er mein Kindle und meinte, ich könnte dann ja den King lesen. Hab ich auch gemacht und zwar in drei Tagen. Weil man nicht aufhören kann, weil King eben einfach weiß, wie man schreibt und man trotz der Längen in der Mitte dabei bleibt. Und dann ist da ja noch die Geschichte: Eine Art Zeittunnel, der in die Fünfziger zurückführt, eröffnet die Möglichkeit, das Attentat auf Kennedy zu verhindern. Aber weil es eben nie einfach ist, wehrt sich die Zeit dagegen, geändert zu werden. Mal abgesehen davon, dass King sich sehr viel Zeit nimmt, die fünfziger Jahre zu beschreiben, und dafür das Ende ein bisschen abrupt kommt, gab’s nichts auszusetzen. Kann man gut lesen, im Urlaub auch gerne in drei Tagen (und Nächten).

(bei Amazon oder bei der Buchhandlung Reuffel in Koblenz)

8. Dave Eggers: A Hologram for the King (Ein Hologramm für den König)

Dave Eggers wieder. An dem hab ich ja eh einen Narren gefressen und “A Hologram for the King” ist vielleicht ein modernes Warten auf Godot, allerdings kann ich das nur vermuten, weil ich “Warten auf Godot” gar nicht gelesen habe. Ein IT-Geschäftsmann wartet mit seinen drei jungen Kollegen irgendwo in einer künstlichen Stadt in der Wüste darauf, dass der König mal kommt, um sich die tolle Hologrammtechnik anzugucken. Viel mehr passiert auch gar nicht. Aber das kann Eggers eben so gut, Bücher schreiben, in denen gleichzeitig ganz wenig und ganz viel passiert.

(bei Amazon oder beim Buchhaus Sternverlag in Düsseldorf)

7. Horst Evers: Für Eile fehlt mir die Zeit

Als Hörbuch in einem Rutsch gelesen/gehört. Getränke dabei nur über der Spüle zu mir genommen, aus Angst, beim Lachen alles wieder unkontrolliert auszuspucken. Hättet ihr mir ja mal früher sagen können, wie toll das ist. (Übrigens große Hörbuch-Empfehlung. Horst Evers liest selber und macht das ziemlich klasse.)

(bei Amazon oder bei der Buchhandlung Braunbarth in Bruchsal)

6. Maurice Sendak: Higgelti Piggelti Pop!: Oder Es muß im Leben mehr als alles geben

2012 starb Sendak, das war traurig. Man sollte viel mehr Sendak-Bücher lesen. “Higgelti Piggelti Pop!” zum Beispiel, schon wegen dem wunderbaren Untertitel. Und wegen den Bildern. Und der Geschichte von Jennie, die zwar eigentlich alles hat, sogar Augentropfen UND Ohrentropfen, aber trotzdem loszieht, weil es eben noch mehr im Leben geben muss. LEST MEHR SENDAK! (Gilt übrigens auch für mich.)

(bei Amazon oder in der Buchhandlung Proust in Essen)

5. Erin Morgenstern: The Night Circus (Der Nachtzirkus)

Eines der letzten Bücher des Jahres, aber so wunderschön poetisch. Es geht um einen Magierwettstreit, eigentlich geht es aber um den Nachtzirkus, und der wird so wunderbar detailliert, fantasievoll und liebevoll beschrieben, dass man sich auch wünscht, einmal den Nachtzirkus besuchen zu gucken. Den Eisgarten, das Wolkenzelt, die Zwillinge mit den Kätzchen, und und und… Dazwischen gibt es noch eine Liebesgeschichte, oder vielleicht auch zwei Liebesgeschichten oder drei oder so.

(bei Amazon oder bei der Citybuchhandlung Vogel in Schweinfurt)

4. Shirley Jackson: We Have Always Lived in the Castle

Ich habe nicht die geringste Ahnung, warum dieses Buch als Leseprobe auf dem Kindle landete, aber ich musste sofort weiterlesen. Mary Katherine lebt mit ihrer Schwester Constance und ihrem kränklichen Onkel Julian in einem großen Haus außerhalb des Dorfes. Constance hat das Haus seit Jahren nicht verlassen, die Dorfbewohnen meiden sie, seit der Rest der Familie bei einem Abendessen mit Arsen vergiftet wurden. Das ganze wird so dicht und gruselig erzählt, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will. Netterweise ist es gar nicht so lang, so dass man es auch gar nicht so oft aus der Hand legen muss.

(bei Amazon oder in der Buchhandlung Quotes in Hambuonrg)

3. Anthony Horowitz: The House of Silk: A Sherlock Holmes Novel (Das Geheimnis des weißen Bandes)

Ein Sherlock-Holmes-Roman, passend zum aktuellen (und berechtigten) Sherlock-Hype. Ebenfalls als Hörbuch gehört, irgendwann Anfang des Jahres, deswegen habe ich die Geschichte auch gar nicht mehr so präsent, aber, dass ich das alles sehr fesselnd und spannend fand. Außerdem kann ich ja dieses viktorianische Steampunk-Mystery-Zeug richtig gut, da bin ich wohl wirklich leicht mit zu kriegen.

(bei Amazon oder in der Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt)

2. Patrick Ness: A Monster Calls (Sieben Minuten nach Mitternacht)

Geweint habe ich. Im Bus. Weil Jason Isaacs dieses Buch so unglaublich ergreifend vorliest und die Geschichte so unglaublich traurig ist. Jede Nacht um sieben Minuten nach Mitternach kommt das Monster zu Conor. Es erzählt ihm Geschichten, vor allem aber will es die Wahrheit wissen. Die Wahrheit, die hinter den Albträumen steckt und hinter dem, was mit seiner Mutter passiert. Auch hier eine Hörbuchempfehlung, wenn man denn englische Hörbücher hören mag, denn Jason Isaacs macht das wirklich so großartig. Wie gesagt. Ich habe geweint. Im Bus.

(bei Amazon oder in der Buchhandlung Stehn in Stuttgart/Bad Cannstadt)

1. Dodie Smith: I Capture the Castle (Mein Sommerschloss)

Doof immer, wenn man so ein Buch hat, in dem eigentlich gar nicht so viel passiert, das aber so toll geschrieben ist, dass man sich auf der ersten Seite sofort verliebt. Dodie Smith schrieb dieses Buch 1948, die Geschichte wird erzählt von Cassandra, die mit ihrer Familie in einem heruntergekommenen Schloss lebt. Die Mutter starb vor Jahren, der Vater ein Sonderling, der einmal ein Buch schrieb, damit einigermaßen gut Geld verdiente, aber danach nie wieder irgendwas geregelt bekam. Ihre ältere Schwester, die alles tun würde, um die Armut hinter sich zu lassen, und der junge Bruder. Das stille Leben wird ganz Stolz-und-Vorurteils-mäßig durcheinandergebracht, als im Anwesen nebenan die zwei jungen männlichen Erben aus Amerika einziehen. “I Capture the Castle” bewegt sich irgendwo zwischen Jane Austen, Downton Abbey, Schloss Gripsholm und etwas ganz anderem, ist ganz wunderbar und sollte von vielen, vielen Menschen gelesen werden.

(bei Amazon oder in der Buchhandlung am Nonnendamm in Berlin)