Category: Bücherzeug

Gelesen: Raketenmänner von Frank Goosen (mit grandiosester Verlosung)

9783462307672Wenn man im Ruhrgebiet wohnt, egal, ob man von hier kommt oder zugezogen ist, kommt man ja an Frank Goosen nicht vorbei. Frank Goosen ist der, der irgendwann mal gesagt hat “Woanders ist auch scheiße”, woraufhin Menschen anfingen, sich diesen allzu wahren Spruch unter anderem an ihre Autokennzeichen zu kleben. Das Ruhrgebiet ohne Frank Goosen ist fast so schwer vorstellbar wie Frank Goosen ohne Ruhrgebiet.

Mit “Raketenmänner” hat Frank Goosen jetzt aber ein Buch geschrieben, das mit dem Ruhrgebiet gar nicht so viel zu tun hat. Statt dessen liest man leicht melancholische Alltagsgeschichten aus dem Leben deutscher Durchschnittsmänner vorwiegend mittleren Alters. Klingt auf Anhieb nicht so spannend? Ist es auch nicht. Soll es aber auch gar nicht sein.

Genau da liegt nämlich der Charme des Buches. Es ist so wunderbar unspektakulär, keine Abenteuer, keine Hochspannung. Dafür Kamerke, Overbeck, Krupke und Sabbo, eigentlich Sabolewski. Den Männern in Goosens Geschichten gehen die Frauen fremd, sie haben doofe Jobs und noch doofere Kollegen, sie träumen vom eigenen Plattenladen oder sitzen im Partykeller des Elternhauses, wo vor vielen Jahren Wildwestpartys gefeiert wurden. Sie irren durch Hamburg und Berlin und wissen nicht wohin oder wenn doch, ob sie da überhaupt hingehören und sein wollen.

Was ihnen gemein ist, ist die Unsicherheit, ob sie in ihrem Leben bisher die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Zweifel plagen sie. Ist das hier das, was ich immer wollte? Und was will ich eigentlich? Und schaff ich das überhaupt noch, jetzt und hier, in meinem Alter mit Frau und Kindern?

Goosen erzählt die geheimen Geschichten der Raketenmänner. Nichts und niemand ist hier perfekt, nicht die Männer, nicht die Frauen, nicht die Jobs, die Autos oder die Leben. Und gerade das macht das Buch so sympathisch. Während man sich die ersten zwei bis drei Geschichten noch mit einem kleinen Stirnrunzeln fragt, was das hier eigentlich soll und wo das hinführen soll, steckt man plötzlich mittendrin in den Raketenmännerleben, die alle irgendwie verbunden sind und die tatsächlich kein Ziel haben. Wie im echten Leben eben.

(Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: Ich habe erst nach ein paar Geschichten verstanden, dass die Geschichten miteinander verknüpft sind. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ein bisschen mehr auf die Namen aufgepasst. Dafür hab ich mir jetzt einfach das Hörbuch gekauft und lasse mir das Buch noch einmal von Frank Goosen erzählen. Jetzt weiß ich ja, worauf ich achten muss.)

“Raketenmänner” von Frank Goosen wurde mir vom Verlag Kiepenheuer und Witsch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Noch besser aber: Ich darf drei Exemplare verlosen. Dafür einfach hier einen Kommentar hinterlassen, und am 13.4. schmeiße ich dann die große Zufallsmaschine an.

Raketenmänner gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung Janssen in Bochum und bei jeder anderen Buchhandlung.

Verlagsinformation zum Buch und zum Autor.

Gelesen: Ruhrgebiet – Ein Heimatbuch von Frank Klötgen

09086864a8Frank Klötgen lebt in Berlin, war mal Deutscher Vizemeister im Skateboardfahren und ist jetzt nicht nur Slam-Poet und Netz-Literat, sondern mischt auch sonst in allen möglichen (und unmöglichen) Bereichen der Kulturszene mit.

Aber auch: Frank Klötgen wurde in Essen geboren und hat seine Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet verbracht. Und ins Ruhrgebiet kehrt er jetzt für eine kleine Erkundungstour in seine Heimat zurück. Sein Kumpel Thomas hat ihn eingeladen, er solle doch mal nicht nur immer über Berlin schreiben, sondern auch mal übers Ruhrgebiet, wo er immerhin herkommt. Dafür darf er auch in seiner Pension in Wattenscheid wohnen, allerdings nicht ganz umsonst. Die Bezahlung: Ein Gedicht pro Nacht, selbstverständlich ein Gedicht übers Ruhrgebiet.

Und so findet sich Frank auf einmal mitten im Ruhrgebiet wieder, wird als Fremdenführer für die niederländischen Touristen Wim und Margret und ihrer pubertierenden Tochter Enie eingespannt, klettert auf Halden, versackt im Bermudadreieck, geht ins Stadion, trifft alte Schulfreunde auf Partys wieder und denkt vor allem immer an eine: Maike, seinen Jugendschwarm, an den er nie rankam, die er aber auch nie vergessen hat.

Das ist die Geschichte, in der gar nicht so viel passiert, die aber als Rundumschlag einen ziemlich guten Überblick über das bietet, was man so im Ruhrgebiet zwischen Duisburg und Dortmund, zwischen der Eckkneipe im Bochumer Bermudadreieck und der Aftershowparty im Dortmunder U so erleben kann. Damit das Ganze auch noch einen kleinen Kulturservicebonuspunkt bekommt, gibt es immer wieder kleine Exkurse, Wissenshäppchen passend zum Kapitel mit Hintergrundinformationen, Adressen und Ausflugstipps.

Für jemanden wie mich, die hier jetzt lebt und auch schon das ein oder andere gesehen hat, aber nicht hier aufgewachsen ist, bietet “Ruhrgebiet –  Ein Heimatbuch” eine gute Mischung aus “Kenn ich schon.” über “Ach, so ist das!” bis zu “Ach guck, das kannte ich ja noch gar nicht.”

Auch jenseits der praktischen Tipps kann man nicht meckern. Klötgens Geschichte über den Ausgewanderten, der für ein paar Tage in die Heimat zurückkommt, liest sich angenehm flüssig und wird mit genau dem richtigen Anteil Heimatsentimentalität erzählt. Während das Herz immer noch den alten Tagen nachhängt, muss man eben doch erkennen, dass a) nicht alles so toll war, wie man immer dachte und b) die Dinge sich ändern, manchmal zum besseren und manchmal auch nicht. Und so fährt Klötgen dann auch am Ende des Buches nach Hause nach Berlin. In die neue Heimat.

Frank Klötgens “Büdchenzauber und Zechenverse: Ruhrgebiet – Ein Heimatbuch” ist 2013 im Conbook Verlag erschienen. Man erhält es als Hardcover für 11,95 Euro bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung proust in Essen oder bei jeder anderen Buchhandlung.

Aus der Reihe “Heimatbuch” gibt es von Berlin bis Wien noch viele andere Liebeserklärungen an die Heimat. Die komplette Auswahl findet man hier.

PS: Die Szene, wo sich ein Schalke-Fan und ein BVB-Fan auf der Extraschicht treffen, hielt ich ja zunächst für übertrieben. Bis mir Kollegen von ihren Erfahrungen bei Fußballspielen in Düsseldorf, Gelsenkirchen und Dortmund erzählten und ich diese Szene jetzt für mindestens realistisch, wenn nicht sogar stark verharmlost halte. Man lernt halt nie aus.

Bücher 2013 – Sonderpreise

Nachdem ich schon meine Bücherbestenliste in zwei Teile (Plätze 10 bis 6 und Plätze 5 bis 1) aufteilen musste, kommt jetzt noch der dritte Teil: Die Sonderpreise! Da es sich um eine schön lange Liste handelt, verzichte ich diesmal ganz konsumethisch unkorrekt auf die Links zu den Onlineshops der inhabergeführten Buchhandlungen. Ich garantiere aber, dass man vermutlich jedes dieser Bücher auch bei dem kleinen Buchladen um die Ecke kaufen oder bestellen kann. Klicks auf den Werbelink führen hingegen zu Amazon, wo ich für jeden darüber gekauften Artikel eine kleine Provision bekomme und mir dann alle paar Monate ein bis drei neue Bücher kaufen kann.

 

Beste YA-Fiction (Young Adult): Every Day von David Levithan [Werbelink]

A wacht jeden Morgen im Körper eines anderen Menschen auf und verbringt einen Tag im Leben dieser Person. So trifft er/sie Rhiannon und verliebt sich. Eine schlicht umögliche Geschichte, aber so wunderbar erzählt, dass ich sie mehr oder weniger in einem Rutsch ausgelesen habe.

Bestes Kinderbuch: The Ocean at the End of the Lane von Neil Gaiman [Werbelink]

Weil Neil Gaiman. Ist halt so.

Beste Non-Fiction: Quiet von Susan McCain [Werbelink]

Es sieht zwar so aus, als würde es in diesem Buch hauptsächlich darum gehen, warum Introvertierte die besseren Menschen wären, aber das stimmt natürlich nicht. Statt dessen werden die Begriffe introvertiert, extrovertiert und – Achtung! – ambivertiert schön aufgedröselt. Ich hatte das Gefühl, mich selber nach der Lektüre ein bisschen besser zu verstehen, vor allem, weil ich jetzt relativ sicher glaube, dass ich eben nicht introvertiert bin und das ist doch schon mal was. Alexandra Tobor hat es auch gelesen und darüber erzählt.

Lustigstes Buch: Die Welt ist nicht immer Freitag von Horst Evers [Werbelink]

Ich empfehle hier übrigens ganz dringend, die Hörbücher zu hören. Danach kann man auch die Bücher lesen, aber wenn man einmal weiß, wie Horst Evers seine Geschichten liest, sind sie nochmal lustiger.

Deprimierendstes Buch: Wuthering Heights von Emily Bronte [Werbelink]

Dagegen ist Jane Eyre quasi leichte Kost.

Seltsamstes Buch: Bridge of Birds von Barry Hughart [Werbelink]

Fragt mich nicht, worum es geht. Irgendwas mit China, seltsamen Krankheiten und alten Männern, die das halbe Buch durch die Gegend getragen werden. Wenn man sich einmal dran gewöhnt hat, lohnt es sich aber, vor allem, weil ich selten erlebt habe, wie alle Fäden am Ende so unglaublich geschickt und unerwartet wieder zusammengeführt wurden.

Gruseligstes Buch: The Child Thief von Brom [Werbelink]

Die Entmystifizierung von Peter Pan auf maximal-unheimliche Art und Weise. Als Hörbuch gehört. Kann man gut machen, danach braucht man aber irgendwas zum Aufheitern. Oder Kuchen. Oder beides.

Schönstes Buch übers Ruhrgebiet: Da gewöhnze dich dran von Vanessa Giese [Werbelink]

Schrieb ich hier drüber.

Buch, das nicht zu Ende zu gehen schien: Oblomow von Ivan Gorcharow [Werbelink]

Das Buch ist zwar auch lang, aber nicht so lang, wie es sich anfühlte. Ich habe mich durchgequält, wobei das auch der falsche Ausdruck ist, denn ich habe es ja gerne gelesen, ich bin nur nicht voran gekommen und war dann doch froh, als es irgendwann vorbei war. Allerdings passt diese Lesegefühl auch zum Inhalt, vielleicht soll das so. Frau Serotonic ging es glaub ich ähnlich.

Bestes Krimi mit Ente: Erwin, Mord und Ente von Thomas Krüger [Werbelink]

Bestes Buch mit sprechendem Tier: Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling [Werbelink]

Besser als Hörbuch hören übrigens. Ich habe das für euch getestet.

Überschätztestes Buch: Reckless von Cornelia Funke

Ich fand ja schon Tintenherz überschätzt. Ich kapier den Hype um Cornelia Funkes Bücher einfach nicht. Zweitplatziert in dieser Kategorie übrigens: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson. Nett, aber nicht so doll wie man überall hört.

Buch mit nervigstem Protagonisten: Wilder Wein von Stuart Pigott

Musste ich irgendwann abbrechen, weil ich’s nicht mehr ausgehalten habe. Das ist auch nicht ordentlich lektoriert worden, niemand braucht so viele Ausdrücke in kursiv.

Schlechtestes Buch: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker

Ich schrieb hier darüber. LEST DAS NICHT!

Bücher 2013 – Platz 5 bis 1

Nachdem ich feststellen musste, dass Bücherkurzbeschreibungen nicht zu meinen “Mach ich mit links”-Königsdisziplinen gehören, ich also für zwei Sätze gefühlt eine halbe Stunde bleiben, musste ich meine Lieblingsbücher 2013 in zwei Artikel teilen. Platz 10 bis 6 gibt es also hier, und zu den Plätzen 5 bis 1 kommen wir jetzt.

5. Das große Los von Meike Winnemuth

das_grosse_losEigentlich wollte ich ja noch eine lange Rezension schreiben, bin aber mal wieder nicht dazu gekommen. Ich habe Meike Winnemuths Blog verfolgt und bin mit ihr ein ganzes Jahr um die Welt gereist. Dementsprechend hatte ich ein bisschen Angst, ich könnte dieses Buch nicht mögen, denn erstens kannte ich ja alles schon und zweitens finde ich Bücher in Briefform problematisch. Meine Sorgen waren aber unbegründet, bei den Sachen, die ich kannte, habe ich mich gefreut, noch mal darüber zu lesen, bei denen, die ich noch nicht kannte habe ich mich gefreut, etwas Neues zu erfahren und das mit den Briefen hat Meike Winnemuth so gut hingekriegt, dass ich dahingehend auch ein paar Vorurteile abbauen konnte.

Gerade ist übrigens ihr neues Projekt gestartet. Meike Winnemuth wohnt jetzt ein Jahr lang jeden Monat in einer anderen deutschen Kleinstadt unterschiedlich großen Stadt, deren Einwohnerzahl von 757 bis 362.216 reicht und einer Durchschnittseinwohnerzahl von 126.318,25 entspricht, was laut Wikipedia in der Stadtklassifikation einer deutschen Mittelstadt entspricht. Nicht ganz so exotisch, aber auch spannend. Den passenden Blog gibt’s natürlich auch.

Das große Los von Meike Winnemuth gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung stories! in Hamburg und bei jeder anderen Buchhandlung.

4. Blutklingen von Joe Abercrombie

36790210zEin Breitwand-Western-Fantasy-Roman. Die ersten fünfzig Seiten brauchte ich, um reinzukommen, danach wusste ich dann: Joe Abercrombies Bücher werden vollkommen zu Recht empfohlen. Gradlinige Stories, glaubhafte und vielschichtige Charaktere, gute Settings, alles sehr rund und ausgewogen, nie langweilig, doof oder übertrieben. Funktionierte bei mir auch nachhaltig total gut. (Die deutschen Titel finde ich nicht nur verwirrend, eigentlich würden sie bei mir eher dazu führen, dass ich das Buch nicht kaufen würde. Wie immer sind die Originaltitel intelligenter und subtiler, aber ansonsten gibt’s nichts zu meckern.)

Blutklingen von Joe Abercrombie gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung proust in Essen und bei jeder anderen Buchhandlung.

3. 2312 von Kim Stanley Robinson

351_31435_133997_xlNoch mal Breitwand-Panorama, diesmal in der Science-Fiction-Weltraum-Edition. Fragen Sie mich jetzt nicht nach der Story, ich habe vorgestern versucht, Frau Novemberregen von dem Buch zu erzählen, habe mich aber entweder in Details verstrickt oder konnte nur hilflos “Das ist wirklich sehr, sehr gut!” sagen. 2312 ist wirklich sehr, sehr gut. Es geht irgendwie um Planeten und Intrigen und zwischendurch reisen Leute in terraformten Meteoren durchs All. Verzeihen Sie, wenn das hier alles verwirrend ist, aber, wenn Sie sich nur ein bisschen für Science Fiction interessieren, lesen Sie das. Vertrauen Sie mir einfach.

2312 von Kim Stanley Robinson gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung Jost in Bonn und bei jeder anderen Buchhandlung.

2. Der letzte Engel von Zoran Drvenkar

51ziNcP4XbL“Der letzte Engel” habe ich als Hörbuch gehört und fast ein bisschen bereut, weil man so nicht einfach so zurückblättern konnte. Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem die verschiedenen Handlungsstränge so dermaßen gut und raffiniert miteinander verknüpft waren. Erstaunlicher noch, dass Zoran Drvenkar in einem Interview erzählt, dass er eigentlich nie plant, sondern guckt, wie sich die Dinge beim Schreiben so ergeben. Die Geschichte um den letzten Engel, den sechzehnjährigen Motte, der eines morgens aufwacht und feststellen muss, dass er nicht nur tot ist, sondern auch noch Flügel hat und allem, was sich darum rankt, bis zurück zu den Gebrüdern Grimm und ach… ich schrieb bereits im CULTurMAG darüber, lesen Sie doch da weiter.

Der letzte Engel von Zoran Drvenkar gibt es bei Amazon [Werbelink], beim Sternverlag in Düsseldorf und bei jeder anderen Buchhandlung.

1. Of Bees and Mist von Erick Setiawan

ofbeesandmistMein Buch des Jahres beginnt so:

Few in town agreed on when the battle began. The matchmaker believed it started the morning after the wedding, when Eva took all of Meridia’s gold and left her with thirteen meters of silk. The fortune-teller, backed by his crystal globe, swore that Eva’s eyes did not turn pitiless until Meridia drenched them in goose blood three months later.

Nach diesen drei Sätzen wollte ich dieses Buch lesen und habe es, auch wenn es wirklich sehr klischeehaft klingt, verschlungen. Die Grenze zwischen Realität und Magie sind hier so fließend, die Protagonisten schweben in ihrer eigenen Welt, es geht um Liebe, Hass, Familie und Intrigen, um Opfer, die wir bereit und solche, die wir nicht mehr bereit sind, zu bringen. Um den Nebel, der das Haus umgibt, in dem Meridia aufwächst und die Bienen, die um ihre Schwiegermutter schwärmen. Vielleicht kein Buch für jeden, aber definitiv für mich.

Eine deutsche Übersetzung gibt es übrigens bislang noch nicht. Warum auch immer.

Of Bees and Mist von Erick Setiawan gibt es bei Amazon [Werbelink], beim Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin und bestimmt auch bei anderen Buchhandlungen.

Wir sind mit den Büchern 2013 übrigens noch nicht durch. Im dritten Teil gibt es die Sonderpreise und ich verspreche, auch hier gibt es einige Entdeckungen (und ein paar Warnungen).

Bücher 2013 – Plätze 10 bis 6

2013 bin ich ganz knapp an hundert gelesenen Büchern vorbeigeschrappt, und so sind es 96 Bücher geworden. Dabei zählt vom Comic übers Kinderbuch bis zum 800-Seiten-Wälzer alles und wahrscheinlich hab ich sogar noch irgendwas gelesen, was ich dann nicht bei Goodreads eingetragen habe. Ich kann übrigens nur so viel lesen, weil ich sehr schnell lese und dann auch sehr schnell wieder alles vergesse. Es ist eigentlich ein Wunder, dass ich genug behalte, als dass ich jetzt eine Liste der zehn besten Bücher, die ich 2013 gelesen habe, zusammenzustellen. Aber auf der anderen Seite ist es auch so: Wenn ich ein Buch richtig gut (alternativ: richtig schlecht) finde, dann erinnere ich mich auch daran. Es ist also alles gar nicht so dramatisch.

10. Hyperbole and a Half von Allie Brosh

hyperbole_and_a_half_book_1Der Blog von Allie Brosh ist hervorragend, ich kann einzelne Artikel immer wieder lesen und mich jedes Mal wieder dabei amüsieren. Umso schöner, dass jetzt ein Buch mit ihren Geschichten rauskam. Es gibt neue Geschichten und solche, die man schon aus dem Blog kennt, alles ganz zauberhaft, lustig und verrückt. Ich habe das Buch mehr oder weniger an einem Nachmittag ausgelesen, weil man keine gute Argumente findet, damit aufzuhören. Und wer Allie selbst vorlesen hören und sehen will, der kann sich das folgende Video angucken.

Hyperbole and a Half gibt’s bei Amazon [Werbelink], bei Osiander und sicherlich in jedem anderen Buchladen.

9. There is No Dog von Meg Rosoff

There is no dogEinfach mal angefangen, und sofort weiterlesen wollen, so ein Buch war das. Weil die Geschichte um den verzogenen Teenager Bob, der niemand anderes ist als Gott und sich ausgerechnet in die Tierpflegerin Lucy verliebt, so verrückt und originell ist, dabei aber nie albern oder zu abgedreht wird.

There is No Dog von Meg Rosoff gibt’s bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung Schmitz in Essen-Werden und in jeder anderen Buchhandlung.

 

8. Die lange Erde von Terry Pratchett und Stephen Baxter

Die lange Erde(Wer sich übrigens fragt, warum manche Buchtitel Englisch und andere Deutsch sind: Ich lese durcheinander, gerne im Original, aber zum Beispiel für offizielle Rezensionen auch die Übersetzung. Und ich nehme hier einfach die Version, die ich gelesen habe. Das ist alles.)

“Die lange Erde” ist auch so ein Buch, wie ich es mag: Etwas abgedreht, sehr phantasievoll, eine wilde Mischung aus Science-Fiction, Fantasy und was man sich sonst noch so ausdenken kann und darüber hinaus flüssig geschrieben, so dass man es eigentlich nicht aus der Hand legen möchte, weil man gerade so schön drin ist. Eines Tages erscheint ein seltsamer Bauplan im Internet, ein kleines Kästchen mit einem Schalter. Wer auch immer das Kästchen nachbaut und den Schalter umlegt, macht einen Schritt und landet in einer Parallelwelt und auf einmal wird klar, dass es möglicherweise unendliche viele Parallelwelten gibt, eine neben der anderen, “die lange Erde”. Die verschiedenen Geschichten, die Pratchett und Baxter in diesem Buch entspinnen, machten dieses Buch für mich zu einem “Nur-eine-Seite-noch”-Buch.

Die lange Erde von Terry Pratchett und Stephen Baxter gibt es bei Amazon [Werbelink], in der Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt und in jeder anderen Buchhandlung.

7. Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte von Peter Heller

Das-Ende-der-Sterne-wie-Big-Hig-sie-kannte-9783847905196_xxlMehr Dystopie! Ich lese ja sehr gerne dystopische Romane, da darf es auch mal etwas gruselig und verstörend sein. Peter Hellers “Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte” ist weder gruselig noch verstörend, es lebt zwar kaum noch jemand auf der Erde, Dürre droht und Tierarten verschwinden, aber das ist alles kein Grund, um panisch zu werden. Statt dessen lebt Hig mit seinem Hund und seinem Nachbarn auf einem verwilderten Flughafen und fliegt mit seiner Cessna über die ausgestorbene Landschaft. “Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte” ist ein leises Buch, das in klarer Sprache die Geschichte über die Welt nach der Apokalypse erzählt. Schön.

Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte von Peter Heller gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung Proust in Essen und in jeder anderen Buchhandlung. Ich schrieb außerdem im CULTurMAG darüber.

6. Among Others von Jo Walton

Among Others“Among Others” habe ich als Hörbuch auf Englisch gehört, was ich nur empfehlen kann, weil die Sprecherin mit so einen schönen walisischen Akzent spricht. (Wie authentisch der ist, müssen andere Leute entscheiden, die sich damit auskennen, ich habe jedenfalls gerne zugehört.)

1979 kommt Fantasy- und SciFi-Fan Morwenna Phelps zu ihrem unbekannten Vater nach England und bald darauf ins Internat. Was vorher passiert ist, erfährt man nur in kleinen Häppchen. Morwennas Zwillingsschwester starb bei einem Unfall, die Schwestern haben in ihrer walisischen Heimat mit Elfen kommuniziert und ihre Mutter war der schwarzen Magie verfallen. In ihrer neuen Umgebung flüchtet sich Morwenna in ihre Bücher, und versucht, sich in der Welt irgendwie zurechtzufinden. Ein magisches Coming-Of-Age-Buch mit einem Tick zu viel Namedropping, was aber für SF/F-Leser auch spaßig sein kann. Among Others ist eigentlich gar kein besonders aufregendes Buch, fühlt sich aber in seiner Einfachheit so gut und richtig an, dass es auch gar nicht mehr sein muss.

Among Others von Jo Walton gibt es bei Amazon [Werbelink], bei der Buchhandlung Buch & Bohne in München und bei jeder anderen Buchhandlung.

Astrophysik

In der Mayerschen Buchhandlung in Essen gibt es in der Spielwarenabteilung Geburtstagskörbe für Kinder. Das ist quasi das Äquivalent zu den Hochzeitstischen bei Kaufhof, nur als Plastikkorb in einem EXPEDIT-Regal und mit weniger Geschirr und Besteck und mehr Spielzeug.

(Die Diskussion, warum es in Buchhandlungen Spielwarenabteilungen gibt, soll jetzt hier übrigens auch nicht geführt werden.)

Heute lief jedenfalls eine Familie auf das Geburtagskorbregal zu.

“Da isses”, sagte die Mutter und zog einen roten Plastikkorb aus dem Regal und guckte rein.

“Ist aber schon leer”, sagte sie.

“Tja”, sagte der Vater. “Da kann man nix machen. Hat aber auch sein Gutes. Dann kann ich ja jetzt doch das Astrophysikbuch kaufen.”

Ob das Astrophysikbuch für ihn oder das Geburtstagskind sein sollte, das konnte ich allerdings auch nicht rausfinden.

Eine Tüte Gemischtes (mit ohne Gluten)

Ich habe mich gerade wieder dabei ertappt, wie ich darüber nachdachte, dass ich ja mal wieder was von Neal Stephenson lesen könnte. Oder spezifischer: Ich dachte daran, dass ich ja möglicherweise etwas von Neal Stephenson ZUM ZWEITEN MAL lesen könnte.

Es ist jetzt so, dass die Bücher von Neal Stephenson schon sehr gut sind, aber es ist auch so, dass ich erstens dicke Bücher für überschätzt halte (es sei denn, sie sind von Walter Moers, dann nicht) und dass ich zweitens genug Bücher auf dem SUB* habe, als dass ich jetzt nicht dringend überhaupt irgendein Buch zum zweiten Mal lesen müsste. Zumal aus irgendeinem dunklen Winkel meines Gehirns tatsächlich explizit “Baroque Cycle” geflüstert wurde und das eigentlich nun wirklich nicht mein Ernst sein kann.

Ich habe keine Ahnung, woher diese Idee kommt, aber ich befürchte da eine massive Fehlfunktion. Eventuell muss ich zum Jahresende mal auf meine Grundfunktionen überprüft und gegebenenfalls auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden. Das kann so nicht richtig sein.

Ich bin ja vermutlich allergisch gegen irgendwas. Das wirkt sich so aus, dass ich regelmäßig zu Hustenanfällen neige, in die ich mich auch schön hineinsteigern kann. Das klingt eklig und fühlt sich auch eklig an, mehr passiert aber eigentlich nicht. Ich habe das jetzt schon seit Jahren, irgendwann vor zehn Jahren war ich mal bei drei bis vier Ärzten und habe mich durchchecken lassen, es fand aber niemand was, noch nicht mal der HNO-Arzt, der mir einen Schlauch durch die Nase schob. Und da ich auch Arzttermine gerne vor mir her prokrastiniere und außerdem nicht noch mal einen Schlauch durch die Nase geschoben bekommen möchte, ist seitdem nichts mehr passiert.

Einen gewissen zeitlichen Kausalzusammenhang kann ich lediglich insofern feststellen, dass ich häufiger nach dem Essen huste, allerdings auch mal direkt nach dem Aufstehen (ohne Frühstück) und gefühlt häufiger im Winter. Auf jeden Fall AUCH im Winter, was Pollenflug also weitgehend ausschließt. Im Moment habe ich den Verdacht, es könnte Glutenunverträglichkeit sein. Alternativ Lactoseintoleranz, da ich aber auch schon nach einem Burger hustete, ist das mit dem Gluten wahrscheinlicher. Jetzt ist es aber so, dass ich weder Glutenunverträglichkeit noch Lactoseintoleranz besonders gut finde und das nicht haben möchte. Ich mache das also wie mein Vater, der sich beharrlich weigert, sich den Blutdruck messen zu lassen, weil sonst nachher irgendwas Unangenehmes dabei rauskommen könnte und prokrastiniere den Besuch beim Allergologen weiter vor mir her. Die unbestechliche Logik ist nämlich, dass solange niemand eine Glutenunverträglichkeit bei mir feststellt, ich auch keine Glutenunverträglichkeit habe.

Menschen in meinem Umfeld sehen das übrigens anders und finden, ich sollte mal dringend zum Arzt. Aber ist auch klar, die haben ja dann auch keine Glutenunverträglichkeit. Aber ich dann.

Wo wir gerade bei lustigen Ärztegeschichten sind. Ich erzählte neulich im Bus mal wieder die Geschichte, wie ich bei der medizinischen Einstellungsdingsbumsuntersuchung damals bei der Ausbildung auf ganzer Linie gescheitert bin. Aus irgendeinem Grund versage ich bei diesen Untersuchungen immer kläglich, obwohl ich sonst eigentlich normal gesund bin.

Was ich gar nicht kann, ist dieses Lungenmessgerät, wo man in diese Klopapierrolle pusten soll. Da brauche ich mindestens drei Versuche, bis verwertbare Ergebnisse rauskommen. Beim Hörtest wurde mir nicht genau genug erklärt, was passieren würde, also wartete ich geduldig darauf, dass es irgendwann “PIEP!” machte, um dann stolz auf das eine oder andere Ohr zu zeigen, und merkte dann irgendwann, dass der Ton wohl eher langsam eingefadet wurde, was ich in der ganzen Erwartung ob eines “PIEP!” überhaupt nicht registriert hatte. Was beim Sehtest war, weiß ich nicht mehr, aber gucken kann ich ja eh nicht so gut, das ist kein Fensterglas in meiner Brille, das hat Funktion.

Komplett versagt habe ich dann bei dem Kniereaktionstest mit dem Hämmerchen. Ich kenne das so, dass man irgendwo sitzt und das Bein baumeln lässt und sonst nichts tun muss, das macht der Körper ja von alleine, wenn er denn ordentlich funktioniert. Die Betriebsärztin bestand aber darauf, das Ganze im Liegen zu machen. Warum, weiß ich nicht. Es ist aber auch so, dass mein Körper und ich eine eher gestörte Kommunikation haben und er nicht immer das macht, was ich ihm sage, was er tun soll. Die Ärztin sagte mir also, ich solle jetzt das Bein mal ganz locker lassen, ich sagte dem Bein das, das Bein hörte mir aber nicht zu. Vielleicht fand es die Aktion auch einfach albern. Während die Ärztin mich also in immer lauterem Ton anfuhr, ICH SOLLTE DOCH EINFACH MAL LOCKER LASSEN!, weigerte sich das Bein konsequent, diesen Anweisungen Folge zu leisen. Letztlich durfte ich dann die Beine baumeln lassen und es stellte sich raus, dass bei Hämmerchenschlag ausreichend Reaktion vorhanden war.

Einstellungsuntersuchungen kann ich also nicht, obwohl ich mir immer sehr viel Mühe gebe.

Es gibt Leute, die überlegen, ob sie in Geschichten, die sie mir erzählen, Hunde mit einbauen, damit ich sie mir besser merken kann. Ich merke das nur an und weise darauf hin, dass diese Idee nicht annähernd so absurd ist, wie sie vielleicht auf den ersten Blick klingt.

*SUB – Stapel ungelesener Bücher

Wir haben da was gemacht: Science-Fiction und Fantasy im CULTurMAG

Ich war nicht nur auf der Buchmesse, ich hab auch noch Sachen über Bücher (und ein bisschen was über Filme) geschrieben.

Diesen Samstag gibt es nämlich eine kleine Sonderausgabe des CULTurMAGs mit extra viel Science-Fiction und Fantasy. Elly Bösl und ich haben Bücher gelesen und darüber geschrieben, Kerstin Schoof hat Essays von William Gibson gelesen und eine Leseprobe von “Träume Digitaler Schläfer” von Anja Kümmel, das gerade als eBook beim neuen CULTurBOOKS-Verlag erschienen ist, gibt es obendrauf.

Wer sich das genauer angucken will, der klickt einfach hier. Ich wünsche viel Spaß.

Frankfurter Buchmesse in wenigen, aber dafür umso aussagekräftigeren Bildern

Tagsüber gibt’s viele Bücher, teilweise in sinnlos hohen, aber sehr eindrucksvollen Regalen.

Bücher

Abends gibt es sinnlos viele Sektgläser.

IMG_3191

Und deswegen muss ich mich jetzt erstmal erholen.

Zum Deutschen Buchpreis

Ich habe, einfach weil es mich interessierte und weil es geht, die Leseproben der zwanzig nominierten Bücher für den diesjährigen Deutschen Buchpreis gelesen und mir ein paar Gedanken dazu gemacht, wie es wohl sein kann, dass dieser Preis an mir so komplett vorbeigeht.

Das habe ich dann aufgeschrieben und heute kann man es im aktuellen CULTurMAG nachlesen. Bitte hier entlang, viel Vergnügen!

(Das Leseprobenheftchen habe ich bei Proust in Essen bekommen. Anscheinend sind die auch schon mal gerne ausverkauft, man muss also vielleicht ein bisschen Glück haben, wenn man auch eins haben möchte.)