Gelesen: Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde

China im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao arbeitet als Bestäuberin, denn seit die Bienen verschwunden sind, muss diese Arbeit von Menschen erledigt werden. Nahrungsmittel sind kostbar geworden, die großen Städte verfallen, überall auf der Welt. Dann hat ihr Sohn Wei-Wen einen Unfall und in Taos Leben ist nichts mehr wie vorher.

USA im Jahr 2007: Der Imker George ist stolzer Besitzer einer Bienenzucht. Überall stehen die selbstgezimmerten Bienenkästen, der Hof eine Familientradition, die vermutlich bei ihm enden wird, denn sein Sohn Tom möchte lieber schreiben. Doch damit mag sich George nicht abfinden und so gerät seine Welt zunehmends aus den Fugen. Und dann verschwinden die Bienen.

England im Jahr 1852: Williams Sauvage liegt im Bett und ist verzweifelt. Als Wissenschaftler hat er versagt, sein Mentor lacht über ihn, sein Lebensmut ist dahin. Dann findet er neue Hoffnung in der Konstruktion eines modernen Bienenstocks und macht sich an die Arbeit.

Drei Geschichten, die vor allem erst einmal eines gemeinsam haben: Die Bienen. Kleine Tiere, die so wichtig sind für unsere Welt und die für jeden Charakter in diesem Buch eine besondere Bedeutung haben.

Maja Lunde wechselt zwischen den drei Erzähl- und Zeitebenen relativ flott hin und her, dabei ist jede Geschichte für sich erzählenswert und spannend. Gemein ist Tao, George und William die Verzweiflung über die Welt im Allgemeinen und auch im Konkreten. Die harte Arbeit auf dem Feld und der Unfall des Kindes, die Abkehr des Sohnes von dem Lebenskonzept des Vaters und das Gefühl, im Leben nichts erreicht zu haben.

Erstaunlich ist dabei auch, mit welch überschaubarem Personal Lunde auskommt, drei kleine Welten, drei nuclear families und die Bienen, die auf die ein oder andere Weise ihr Schicksal begleiten und mitbestimmen, durch allgegenwärtige An- oder eben Abwesenheit. Als Leser ist man so sehr nah dran an den Figuren mit ihren Fehlern, Ängsten und Hoffnungen. Nebenbei lernt man noch etwas über Bienen, die Konstruktion von Bienenstöcken und das Imkerleben und kann das Buch als klügerer Mensch zuklappen.

Trotz allem ist Die Geschichte der Bienen kein pessimistisches oder trauriges Buch. Auch wenn nicht jede Figur am Ende ihr Glück finden kann, so bleibt doch am Ende die Hoffnung und die Einsicht, dass es vielleicht nicht immer jeder alles das bekommen kann, was er gerne möchte, aber die Welt als metaphorischer großer Bienenstock noch nicht verloren ist.

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Verlagsseite des Buches

Bericht über das Buch in der Zeit

Schullektüre

Gestern dachte ich über Schullektüre nach, also über all die Bücher, die ich während meiner Schulzeit lesen musste oder durfte, je nach dem, wie man’s sieht. Anstoß war eine Diskussion über Marlen Haushofers Die Wand und das Wort „Schulpflichtlektüre“, dass ich sofort anzweifelte.

Ich hatte immer das Gefühl, dass es zwar einen Schullektürekanon gibt, die Lehrer aber einigermaßen freie Hand hatten, was die konkrete Auswahl des zu lesenden Buches anging. Es musste halt je nach Stufe und Lehrplan eine bestimmte Epoche oder eine bestimmte Gattung sein, aber darüber hinaus schien es keine zwingenden Vorgaben zu geben.

Wie ich jetzt weiß, ist das nicht komplett richtig. Mindestens mit der Einführung des Zentralabiturs gibt es zum Beispiel für NRW Pflichtlektüren für die Oberstufe, in den letzten Jahren war das immer der Faust und irgendwas von Kafka. Aber damals(TM) gab es ja kein Pflichtabitur. Allerdings habe ich als Schülerin auch nie ernsthaft hinterfragt, warum wir jetzt lesen, was wir lesen und ob es in irgendeinem Lehrplan steht oder der Lehrer oder die Lehrerin halt einfach dieses Buch bestimmt hat. Wenn es da noch weitere Informationen gibt, bin ich sehr dankbar.

Eine kleine Twitterumfrage ergab zumindest, dass selbst jemand, der an der gleichen Schule war wie ich, allerdings ein paar Jahre später und sogar teilweise die gleichen Lehrer hatte, vollkommen andere Bücher gelesen hat. Dementsprechend vermute ich immer noch, dass es sowas wie „Pflichtlektüre“ nur in sehr geringem Maße gibt und das meiste in der Hand des einzelnen Lehrers liegt. Davon auszugehen, dass ein Buch allgemein bekannt ist, nur weil man selber es in der Schule gelesen hat, kann also ein Irrweg sein. Ich bin zum Beispiel komplett um Goethe herumgekommen und wäre ich nicht in einer gescheiterten Theater-AG gewesen, hätte ich – zumindest in der Schule – nichts von Schiller gelesen.

Eine vollständige Liste kann ich nicht versprechen, da mir sicherlich Bücher entfallen sind, die ich im Laufe von 9 Jahren Gymnasium im Rahmen irgendeines Unterrichts gelesen habe, aber an die meisten kann ich mich immerhin noch erinnern.

Deutsch

In der Unterstufe gab es Pole PoppenspälerDer Schimmelreiter und Der kaukasiche Kreidekreis. An alle drei habe ich nur vage Erinnerungen, gerade ersteres empfand ich als eher anstrengend und wenig erbaulich. Brecht war da noch am ehesten zugänglich, wobei die gesamte Klasse in einer Arbeit über Brecht versagte, weil niemand seinen Sarkasmus verstand und wir alle komplett zu dem Schluss kamen, Brecht hätte Kirche geil gefunden. Tja.

In der Mittelstufe gab es dann Das Schiff EsperanzaDas Parfum und Draußen vor der Tür und Homo Faber. Das Parfum war eine willkommene Abwechslung, endlich mal was ordentliches, was richtig erwachsenes. Draußen vor der Tür haben wir kollektiv gehasst. In der Unterstufe ist man ja noch etwas zu klein zum aktiven Hassen von Literatur, in der neunten Klasse hingegen ist man genau im richtigen Alter. Auch Homo Faber mochte ich eigentlich ganz gerne, während meine Cousine sich sehr ausgiebig über dieses Buch beschwerte.

In der Oberstufe kann ich mich nur noch an Effi Briest und an Das Spiel ist aus erinnern. Effi Briest war das einzige Buch, das ich nicht zu Ende gelesen habe (und trotzdem eine Zwei in der Klassenarbeit), weil ich es unfassbar lang und ebenso langweilig fand. Das Spiel ist aus lasen wir im Literaturkurs. Der Plan war eigentlich, das Buch als Theaterstück aufzuführen. Das scheiterte an mehreren Dingen. Zum einen mussten alle Nebendarsteller drei bis fünf Rollen übernehmen, das Bühnenbild gab Rätsel auf, aber im Nachhinein erfuhr ich, dass es vor allem daran scheiterte, dass der Hauptdarsteller die Hauptdarstellerin nicht küssen wollte.

Das kann allerdings noch nicht alles sein, und vage in meinem Hinterkopf tummeln sich noch Jakob der Lügner und Die Verwandlung. Vermutlich haben wir die auch irgendwann gelesen.

Englisch

Bei Englisch erinnere ich mich nur an sehr weniger Bücher, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass das alles gewesen sein soll. Allerdings fängt man da ja auch später mit dem Lesen ganzer Bücher an, insofern mag es stimmen.

Im Gedächtnis geblieben sind An Inspector CallsEducating RitaDeath of a Salesman und Animal Farm. Wobei ich die letzten beiden tatsächlich sehr mochte und an die anderen beiden zumindest keine negativen Erinnerungen habe.

Französisch

Französisch hatte ich später als Leistungskurs, was auch die erstaunlich lange Liste der Schullektüren erklärt. All meine bittere Ablehnung gegenüber dem Zentralabitur entstammt auch vor allem diesem Kurs, weil ich hier am deutlichsten erlebt habe, wie es ist, wenn sich ein Lehrer auf die Schüler einstellt und eben nicht einfach das Standardprogramm durchzieht.

In Französisch also (meines Wissens alles in der Oberstufe): Lucien Lacombe, La guerre de troie n’aura pas lieu, Les petits enfants du siécle, Rhinocéros und Les Précieuses ridicules. An keines der Bücher habe ich eine schlechte Erinnerung, ich fand sie alle auf ihre Art gut. Besonders hängengeblieben ist aber Les petits enfants du siécle, das war ja fast schon feministische Literatur und – OBACHT! – von einer Frau geschrieben!

 

Womit wir beim letzten Punkt angekommen wären: Die Frauenquote. Wenn ich alle Bücher zusammenzähle, die ich in diesen drei Fächern gelesen habe (und an die ich mich erinnern kann), komme ich auf 19 Autoren und 1 Autorin. Das ist nicht nur eine schlechte Quote, das ist auch scheiße, wenn es um die Vermittlung von Diversität in der Kultur geht. In der Schule lernt man – oder zumindest: lernte ich – implizit: Relevante Literatur wird von Männern geschrieben. Dass es danach auch bei grundsätzlich Literaturaffinen jungen Menschen etwas dauern kann, bis sie entdecken, dass es auch viele Frauen im Literaturbetrieb gibt, die auch großartige Bücher schreiben, ist wenig verwunderlich. Heute sieht meine Quote Gott sei Dank besser aus, aber leider muss man sagen, dass ich mir das Wissen um gute Autorinnen selbst aneignen musste. Hier hat die Schule auf ganzer Linie versagt.

Ansonsten scheint mir die Auswahl eigentlich ganz gut durchmischt. Nicht alles fand ich damals gut. Ich vermute auch, dass ich Draußen vor der Tür heute sogar mögen würde, vielleicht lese ich das einfach irgendwann noch mal. Dass mir Goethe, Schiller, Shakespeare und Konsorten vorenthalten wurden, habe ich gut überlebt. Ich habe heute auch nur eine sehr grobe Vorstellung davon, was im Faust passiert, aber na ja. Vielleicht lese ich mir gleich die Inhaltszusammenfassung in der Wikipedia durch. Das muss reichen.

Gelesen im Juli 2017

Cold Comfort Farm von Stella Gibbons

Ein Klassiker, der genremäßig sehr schwer zu packen ist. Gesellschaftssatire mit ein bisschen Science-Fiction vielleicht, aber letztlich ist es ja auch egal.

Flora Poste, Anfang 20 und gerade Waise geworden muss ihr Leben planen. Arbeiten kommt nicht in Frage, denn, so denkt sie, sie hat ausreichend viele Verwandte, die sie sicherlich bei sich unterbringen können. Ihre Wahl fällt auf Cold Comfort Farm, einer düsteren Farm mit seltsamen Bewohnern irgendwo in Sussex. Obwohl Flora dort nicht gerade herzlich empfangen wird, lässt sie sich nicht beirren. Schnell ist sie sich sicher, dass ihre Aufgabe hier sein wird, der Farm und ihren Bewohnern zu helfen, ob sie das wollen oder nicht, da sie alleine offensichtlich nicht dazu in der Lage sind. Es ist ein bisschen wie Austens Emma, nur sympathischer.

Das Buch wurde 1932 veröffentlicht, spielt aber 1946. Das ist für Leser aus dem Jahr 2017 etwas verwirrend, tut dem Spaß aber keinen Abbruch. Große Empfehlung, als nächstes wird die Verfilmung geguckt.

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Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt von Jaroslav Kalfar

Jakub Procházka ist der einzige Passagier an Bord der JanHus1, dem ersten Raumschiff der tschechischen Geschichte, auf dem Weg zur mysteriösen Choprawolke. Vier Monate hin, Daten und Wolkenstaub sammeln, und dann wieder vier Monate zurück. Jakub ist ein Held, aber gleichzeitig der einsamste Mensch der Welt. Dann verlässt ihn seine Frau Lenka und gleichzeitig entdeckt er ein seltsames spinnenartiges Wesen mit menschlichen Lippen, dass in seinen Erinnerungen wühlt und seinen Nutellavorrat vertilgt.

Das ist die eine Seite der Geschichte von „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“, die andere Seite ist Jakubs Vergangenheit, seine Kindheit in der sozialistischen Tschechoslowakei, die mit dem Fall des eisernen Vorhangs und gleichzeitig mit dem Tod seiner Eltern endet. Sein Vater, so stellt sich heraus, war ein hoher Regierungsbeamte, der auch vor Folter nicht zurückschrak und schnell holt die Vergangenheit den Jungen ein und wirft sein Leben durcheinander.

Alles das und noch viel mehr findet sich in diesem Buch und auch, wenn mir die Science-Fiction-Anteile ein bisschen zu kurz kamen, war es gerade der Einblick in das Tschechien der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, der mich begeistert hat. Vielleicht, weil auch meine Familie dort Wurzeln hat, auch wenn das sehr lange her ist, vielleicht auch, weil es so nah und doch so weit weg ist.

Das alles ist angenehm ruhig, beinahe schon anachronistisch, zumindest aber mit viel Nostalgie erzählt, die Figuren sind gut entwickelt und so fügt sich nachher alles zusammen, und mal wieder könnte man die Rolling Stones bemühen, denn auch Jakub bekommt nicht unbedingt das, was er wollte, aber vielleicht genau das, was er brauchte.

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Die Unglückseligen von Thea Dorn

Ich weiß ja nie, was ich von Thea Dorn halten soll. Einerseits finde ich gut, wie sie sich im literarischen Betrieb durchsetzt, andererseits ist sie mir schon unangenehm durch Subkulturschelte aufgefallen.

In Die Unglückseligen erzählt sie die Geschichte des unsterblichen Johann Wilhelm Ritter und der Molekularbiologin Johanna Mawet. Während Ritter mit seinem Schicksal hadert, forscht Mawet an der Unsterblichkeit. Als sich die Wege der beiden zufällig in den USA kreuzen, glaubt Johanna diesem runtergekommenen seltsamen Mann kein Wort und hält ihn für einen Verrückten. Doch nach und nach kann er sie davon überzeugen, dass er tatsächlich über 200 Jahre alt ist und wird zu Johannas Versuchsobjekt.

Die Unglückseligen ist ein Buch über Wahnsinn und Obsession, über Verfall und Unsterblichkeit. Es ist zweifellos gut geschrieben, wenn auch an der ein oder anderen Ecke vielleicht doch etwas zu aufgesetzt, und sicherlich keine leichte Lektüre, liest sich aber insgesamt recht flüssig weg. Ich bin noch unschlüssig, was ich vom Ende halten soll, das dann doch so ganz anders war, als ich es mir vorgestellt habe. Immerhin wundert man sich auf den letzten 150 Seiten nicht mehr so arg über den Titel des Buches. Die Unglückseligen ist irgendwie eine Art Wissenschafts-Science-Fiction mit historischem Zeug für Intellektuelle. Wenn man jetzt „Genau mein Ding!“ denkt, ist man gut aufgehoben.

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Nahe Jedenew von Kevin Vennemann

Ein Bücherschrankfund. Ich arbeite ja nebenberuflich an meinem Kunstprojekt „Die gesamte Suhrkamp-Bibliothek aus Bücherschränken zusammenklauben“. Es zieht sich etwas, aber mit viel Geduld denke ich, dass ich schon in ein- oder zweihundert Jahren einen schönen Regenbogen im Schrank stehen habe.

So landete jedenfalls auch Vennemanns Nahe Jedenew bei mir und weil es so schön dünn ist und gerade Wochenende war, habe ich direkt angefangen, reinzulesen. Worum es geht, muss man sich auch als Leser erst erschließen. Ich habe noch während der Lektüre angefangen, dem Buch hinterher zu googeln, um mehr über den Autor und den Hintergrund der Geschichte zu erfahren. Dann aber weiß man: Es geht um zwei Mädchen, Zwillinge, irgendwo in einem polnischen Dorf, in dem die katholische Bevölkerung in einer Nacht ihre jüdischen Nachbarn umbringen, die Höfe plündern und anzünden. Die beiden Mädchen fliehen in ihr Baumhaus und beobachten von da aus, wie die Idylle ihrer Kindheit ein jähes Ende findet. Sprachlich vermischen sich ihre Erinnerungen und die Erzählungen der Erwachsenen mit dem Grauen der Gegenwart. Das ist erst anstrengend, wenn man sich dann aber reingelesen hat, sehr wirkungsvoll. Ungefähr so stelle ich mir einen modernen Klassiker vor, im besten aller Sinne.

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Die Chaos-Walking-Trilogie von Patrick Ness

Der erste Teil war ein Bücherschrankfund, mitgenommen, weil ich das Buch sowieso auf der Wunschliste hatte. Und weil es dann eben tatsächlich sehr gut und spannend war, habe ich die beiden anderen Teile als e-Books dann direkt auch gelesen.

Ganz vorneweg: Wer die Panem-Bücher mochte und etwas ähnliches sucht, der kann exakt hier aufhören zu lesen und sich zum Buchhandel seiner Wahl begeben.

Für alle die, die etwas mehr wissen wollen: Todd lebt in Prentisstown, einer Siedlung auf einem fremden Planeten, in der es nur Männer gibt, seit die Frauen durch einen Virus alle getötet wurden. Dieser Virus wurde von den Spackle freigesetzt, die auf diesem Planeten leben und gegen die Menschen Krieg führten. Ein unangenehmer Nebeneffekt des Virus: Die Gedanken aller Menschen werden hörbar und Tiere können sprechen. Todd ist mit fast dreizehn der jüngste Einwohner von Prentisstown. Mit dreizehn wird er zum Mann erklärt werden, aber vorher kommt alles anders. Todd entdeckt bei einem seiner Streifzüge durch den Sumpf ein Loch in dem allgegenwärtigen Gedankenlärm und ehe er es sich versieht, wird er von seinen Zieheltern weggeschickt. Nur mit einer Karte und einer Ahnung, warum und wohin er gehen soll, ist Todd auf einmal ganz allein auf der Flucht.

Damit habe ich zwar wirklich nur die allerersten Kapitel der Buchreihe angerissen, aber alles andere wäre in der Tat zu viel verraten. Die Geschichte ist spannend, voller Wendungen und Überraschungen, es geht um Freundschaft und Menschlichkeit und die Frage, wie viel wir bereit sind, von uns selbst zu opfern, um zu überleben.

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AchtNacht von Sebastian Fitzek

Mein erster Fitzek und ich war etwas unterwältigt. Die Geschichte ist verhältnismäßig einfach erzählt: Benjamin Rühmann will im Leben einfach nichts gelingen. Die Tochter liegt nach einem Selbstmordversuch im künstlichen Koma, von seiner Frau ist er getrennt und jetzt ist er auch noch aus seiner Coverband geflogen. Zu allem Überfluss ist auf ihn aber auch noch ein Kopfgeld von 10 Millionen Euro ausgesetzt. Er ist Kandidat der AchtNacht, einer Jagd, bei der dem, der ihn tötet eben genau dieser Gewinn zusteht. Zwölf Stunden lang ist er vogelfrei und das ganze Land ist hinter ihm her.

Das klingt spannend und – hier das Positive – ist es auch. Nicht ohne Grund habe ich das Buch an einem Tag weggelesen, flott geschrieben, mit guten bis durchschnittlichen Wendungen (die finale Wendung war mir allerdings etwas zu simpel) und interessanten Ideen. Die Hauptfiguren sind ausreichend gut gearbeitet, während der ein oder andere Nebencharakter allerdings schon etwas zu überspitzt gezeichnet ist.

Aber. Die ganze Szenerie war mir nicht konkret und glaubwürdig genug. Spielt die Geschichte in der Gegenwart, so ist mir die krasse Zeichnung der Gewalt zu unglaubwürdig. Spielt die Geschichte in der Zukunft, so gibt es hierfür keinerlei Anzeichen, dafür hätte es zumindest das ein oder andere Detail gebraucht. Es gibt keine richtige Verortung und so fühlt sich das Setting insgesamt zu wischiwaschi an, als hätte der Autor es sich an entscheidenden Stellen zu einfach gemacht, was zu Gunsten der Spannung, aber eben zu Lasten des Gesamtgefühls geht.

Man kann das gut als Zwischendurchlektüre lesen, dem Hype wird es nicht gerecht.

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Gelesen im Juni 2017

Du bellst vorm falschen Baum von Judith Holofernes

Etwas durchwachsen, einige Gedichte sind toll, andere etwas zu gewollt. Judith Holofernes Stärke sind kreative Wortspiele, damit übertreibt sie es aber manchmal, so dass es unnötig anstrengend wird und man „Ja ja ja, ich hab das Konzept jetzt verstanden!“ rufen möchte. Tatsächlich funktionieren ihre Texte eventuell mit Musik besser, aber hier jammern wir jetzt schon auf sehr hohem Niveau.

Ohne Abstriche toll sind die Bilder von Vanessa Karré, allein dafür lohnt sich das Buch eigentlich schon.

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The Next Together von Lauren James

Eine sehr nette YA-Zeitreisenromanze mit Science-Fiction-Anteilen. Die Geschichte von Katherine und Matthew wird auf insgesamt vier Zeiteebenen erzählt.

1745 wird Carlisle von schottischen Rebellen belagert. Katherine kommt aus gutem Hause und lebt nach dem Tod von Eltern und Großeltern bei ihrer Tante. Dort verliebt sie sich in Matthew, einem Bediensteten und überzeugt ihn, als Mann verkleidet bei der Verteidigung der Stadt helfen zu dürfen. 1854 ist Katy, Waisenkind und wieder als Junge verkleidet, mit dem Kriegsjournalisten Matthew auf dem Weg zum Krimkrieg, von dem aus Matthew über die Zustände der britischen Soldaten berichten will. 2019 werden die Wissenschaftler Katherine und Matthew als vermeintliche Terroristen erschossen, weil sie eine gefährliche Biowaffe in Umlauf bringen wollten. Und 2039 treffen die Studenten Kate und Matt sich im Labor und kommen ihrer gemeinsamen Vergangenheit auf die Spur.

Das ist alles ganz nett und insgesamt ohne größere Logikbrüche erzählt, man erfährt das ein oder andere über die britische und europäische Geschichte, die Charaktere sind gut ausgearbeitet und die Story kommt gut voran. Die Autorin erlaubt sich einige Freiheiten bei dem zu Grunde liegenden Überbau, der die Reinkarnation von Kate und Matt erst ermöglicht. Wer, wie und warum die armen Protagonisten immer wieder auferstehen und die Welt retten müssen wird hier nur angerissen, das ist auf der einen Seite nicht schlimm, lässt auf der anderen Seite aber auch mutmaßen, dass es hier das größte Konsistenzproblem gibt.

Aufgehübscht mit Chatprotokollen, Landkarten und Notizzettel-Konversationen am Kühlschrank ist das eine – im besten Sinne des Wortes – nette Zwischendurchlektüre, die man ohne Probleme all denen empfehlen kann, die weder auf besondere literarische Kniffe noch auf eine epische Geschichte aus sind.

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Gray von Leonie Swann

Nach zwei Schafskrimis und einem Flohfantasyroman wendet sich Leonie Swann unseren gefiederten Freunden zu. Gray ist zwar das namensgebende Tier des Buches, aber zur Abwechslung wird diese eher klassische Detektivgeschichte nicht aus der Sicht des Graupapageis erzählt. Ein Student des spleenigen Dozenten Augustus Huff stürzt in den Tod. Ein vermeintlicher Unfall, doch bald vermutet Huff etwas anderes. Der Student hinterlässt den plappernden Papageien Gray, der es sich auf Huffs Schulter gemütlich macht und mit dessen Hilfe dieser sich aufmacht, das Rätsel zu lösen.

Ich habe Gray als Hörbuch gehört und musste mehrfach ansetzen, was aber nur bedingt am Buch lag. Tatsächlich ist Gray insofern kein Buch zum Nebenbeihören, weil es doch einer gewissen Konzentration bedarf, den Faden nicht zu verlieren. Der Papageiroman bleibt ein bisschen hinter Glennkill und dem fantasiereichen Dunkelsprung zurück, das ist trübt das Lesevergnügen aber nicht. Wer noch auf der Suche nach einem sympathischen Whodunnit mit tendenziell sonderbarem Personal für den Sommer ist, der sollte sich Gray schleunigst in die Reisetasche packen.

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Saturday Night Biber von Anja Rützel

Alles an diesem Buch ist schön.

Anja Rützel, eigentlich Expertin auf dem Gebiet des Trash-TV, offenbart in Saturday Night Biber ihr anderes kurioses Hobby: Absurde und weniger absurde Tierarten und die absurden Hobbys und Veranstaltungen, die es rund um diese Tiere gibt.

Anja Rützel steigt im Winter auf einen Berg, um zwischen Hirschen zu sitzen, kuschelt mit einer Kuh (50 Euro für eine halbe Stunde), hält sich Schaben als Haustiere, geht zum Kaninhop-Turnier, lernt, wie man Tiere ausstopft und verliebt sich in den Ameisenbären Ernst-Einar und reist ihm bis auf die Isle auf Wight hinterher. Sie lässt sich zum Biberberater ausbilden und lernt, wie man ein Alpaka fängt.

Über das alles schreibt sie mit dem Blick eines Menschen, der zwar Menschen okay, Tiere aber grundsätzlich und in wirklich fast allen Farben, Formen und Eigenheiten um Längen besser findet. Diese Liebe fürs Tier spricht aus jedem Satz und aus jeder detailgefütterten Fußnote, die einem alle wichtigen Fun und Not-so-fun Facts über Biber, Tapire, Ameisenbären, Kühe oder Kaninchen verrät. Man lernt also auch dauernd etwas, es ist kaum auszuhalten. Außerdem ist es witzig und originell geschrieben, es gibt also keinen, wirklich keinen einzigen Grund, dieses Buch nicht zu lesen.

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Die Intelligenz der Bienen von Randolf Menzel und Matthias Eckoldt

Der Neurobiologe Randolf Menzel und der Journalist und Schriftsteller Matthias Eckoldt erklären, wie Bienen so ticken, im höchst wissenschaftlichen Sinne. Das ist interessant, aber auch nicht so ganz einfach. Ich habe hier ausführlich rezensiert.

Die Intelligenz der Bienen von Randolf Menzel und Matthias Eckoldt [Amazon-Werbelink]

 


Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky

Dass ich diesen Satz jetzt direkt wieder schreiben kann, erfreut mich: Alles an diesem Buch ist schön.

Fangen wir aber mit dem Problem, das ich mit Mariana Lekys Büchern habe, direkt an, dann haben wir’s hinter uns. Das Problem ist, dass ich bei ihren Büchern irgendwann immer sehr viel und rotzig weinen muss. Das sieht dann sicher nicht schön aus, aber wenn man währenddessen alleine auf der Couch liegt, sieht es ja niemand.

Ansonsten ist wirklich alles an diesem Buch schön. Die Geschichte, die Figuren, die Sprache, die Ideen, alles ist schön. Mariana Leky schafft schon wieder den kaum möglichen Spagat zwischen alten traditionellen Geschichten und moderner Sprache, nichts davon wirkt gekünstelt oder aufgesetzt, alles ist gleichzeitig skurril, magisch und ganz bodenständig.

In einem Dorf mitten im Westerwald lebt Selma, die aussieht wie Rudi Carrell. Immer, wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt jemand im Dorf und diese Nacht hat Selma von einem Okapi geträumt. So fängt alles an, und Selmas Enkelin Luise erzählt, wie es dann weitergeht. Mit dem Optiker, der in Selma verliebt ist und ihr jahrelang Briefanfänge schreibt. Mit Elsbeth, die für alles ein Wundermittel hat. Mit der traurigen Marlies, die ganz allein in dem Haus wohnt, in dem sich ihre Tante erhängt hat. Mit Luises Vater, der einen Hund anschafft, um seinen Schmerz zu externalisieren. Mit Luises Mutter, die nicht weiß, ob sie ihren Mann verlassen soll. Mit Martin, Luises bestem Freund und seinem Vater, der Jäger und Alkoholiker ist und vor dem Selma die Rehe schützen muss.

Das ist alles mit viel Humor und Liebe erzählt und es muss schon ein sehr, sehr gutes Buch kommen, um „Was man von hier aus sehen kann“ als meine Lieblingsbuch des Jahres 2017 vom Treppchen zu schubsen.

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Gelesen: Die Intelligenz der Bienen von Randolf Menzel und Matthias Eckoldt

Ich habe ein Jahr gebraucht, um Die Intelligenz der Bienen auszulesen und das sagt vermutlich auch schon einiges aus. Zusammengefasst habe ich mir irgendwie etwas anderes versprochen, wobei das ja noch nicht grundsätzlich ein Problem ist, solange da, was man bekommt dann auch gut ist.

Gut ist das Buch, das der Neurobiologe Randolf Menzel zusammen mit dem Autor Matthias Eckoldt geschrieben hat, auf jeden Fall, nur die Zielgruppe scheint mir nicht so ganz definiert worden zu sein. Für den Laien ist das alles eine Ecke zu kompliziert, da hilft auch der Bio-LK und der jahrelange Vorbildung als Entomologentochter nichts. Für den Experten (das kann ich allerdings nicht beurteilen) ist es hingegen vermutlich zu trivial.

Randolf Menzel beschreibt, wie das Hirn der Bienen funktioniert, was man daraus für das Leben und die Wahrnehmung der Bienen und der Zusammenarbeit der Bienen ableiten kann und mit welchen Versuchen er und seine Mitwissenschaftler langsam, aber sicher zu diesen Ergebnissen gekommen sind. Dazu gibt es einen Einblick in seine Wissenschaftlerkarriere, die Rückschläge und Erfolge in der Forschung, die Hindernisse des bürokratischen Unilebens und die Tücken der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Immerhin hat mich das Buch deswegen zum Pluspunkt „Autor beschreibt eigene Irrwege oder falsche Annahmen im Verlauf seiner Arbeit“ für Kathrin Passigs automatischer Sachbuchkritik inspiriert.

Das alles wird angenehm unprätentiös und mit deutlichem Hang zur Selbstkritik erzählt, schon alleine deswegen habe ich das Buch gerne gelesen, auch wenn es mich immer wieder an meine Grenzen getrieben hat. Wohlwollend vermute ich, dass das Thema „Bienenneurologie“ einfach ein komplexes und kompliziertes Thema ist. Ein geduldigerer Leser hätte vermutlich auch bei der ein oder anderen Stelle zurückgeblättert, nebenbei gegoogelt oder jede Fußnote nachgeschlagen, aber dieser Leser war ich leider nicht. So ist nicht jedes Detail der Bienenhirnforschung auch sicher bei mir angekommen, ein besseres Verständnis habe ich trotzdem.

Zum Ende hin wird es dann auch wieder etwas gefälliger, in den letzten Kapiteln geht es um die Zusammenarbeit im Bienenstock, um den Schwänzeltanz, um Orientierung und um den Einfluss von Pflanzenschutzmitteln auf die Bienen. Das war insgesamt etwas näher an meiner Nicht-Neurobiologen-Realität, und ich kam mir nicht zwischen lauter Fachbegriffen und Versuchsaufbauten ganz verloren vor.

Wer sich für Bienen und ihre Bienenköpfchen interessiert, ist hier richtig, muss sich aber auf eine fordernde Lektüre einstellen.

Randolf Menzel und Matthias Eckoldt: Die Intelligenz der Bienen, erschienen 2016 im Knaus Verlag, 391 Seiten [Amazon-Werbelink]

Verlagsseite

Gelesen im Mai 2017

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid von Fredrik Backman

Aus Versehen das gekürzte Hörbuch gehört, das kommt bestimmt nicht wieder vor.

Abgesehen davon hat die Geschichte von Elsa, ihrer Oma und den Briefen, die Elsa nach dem Tod ihrer Oma persönlich bei den Nachbarn in Elsas Haus vorbeibringen soll, sehr großen Spaß gemacht. Oma ist anders und Elsa ist auch anders und deswegen ist Oma auch Elsas beste und einzige Freundin. Und dann stirbt Oma und schickt Elsa auf eine Schatzsuche mit unbekanntem Ziel. Elsa weiß nur, dass sie die Briefe persönlich abgeben muss und in jedem Brief entschuldigt sich Oma bei jemandem für etwas und so erfährt Elsa nach und nach die Geschichten der Menschen in ihrem Haus und was sie miteinander und mit ihrer Oma zu tun haben.

Das ist alles bewegend, aber eben auch humorvoll und vor allem nicht übertrieben oder anderweitig nervig geschrieben. Die Figuren zwar immer etwas spleenig, aber nicht unglaubwürdig. Vielleicht muss ich doch noch das Buch lesen, um rauszufinden, was im Hörbuch alles rausgelassen wurde. Ich hätte ja auch die anderen Hörbücher von Frederik Backman direkt im Anschluss gehört, aber auf Spotify gab es immer nur die gekürzte Version und so was passiert mir nicht noch mal.

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Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche von Alina Bronsky

Im Bücherschrank gefunden, „Och ja, why not?“ gedacht und nicht enttäuscht worden, im Gegenteil. Erzählt wird die Geschichte von Rosa, einer Tartarin, die fast alle um sie herum für Idioten hält, allen voran ihr Mann und ihre unscheinbare Tochter Sulfia. Dann wird Sulfia schwanger, die Abtreibung auf dem Küchentisch misslingt und Rosas Enkelin Aminat kommt auf die Welt, das schönste, beste und klügste Kind, das sich Rosa je erträumen könnte, so dass sie die Erziehungspflicht ganz bei sich sieht, denn niemand anders könnte es besser als sie. Doch das Leben will nicht immer so wie Rosa und Sulfia will auch nicht immer so wie Rosa, und überhaupt kommt alles immer wieder anders, bis Rosa ihre Chance darin sieht, Sulfia mit einem Deutschen zu verkuppeln, um endlich mit ihr und Aminat in den Westen zu kommen. Aber auch dieser Plan hat seine Tücken. Am Ende ist dann alles anders, nichts so, wie es sein sollte und trotzdem irgendwie auch gut.

Das liest sich wunderbar flott, mit Schärfe und Humor. Vor allem ist Rosa eigentlich eine unerträgliche Frau, voller Spott und Überheblichkeit, gleichzeitig Heldin und Antiheldin, aber vor allem auch nur ein Mensch, der das Glück sucht und dabei eben Fehler macht.

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Alleine bist du nie von Clare Mackintosh

Eines Tages findet Zoe eine Anzeige in der Zeitung mit ihrem Foto und einer Telefonnummer. Sie ahnt noch nicht, dass sie das unfreiwillige Datingobjekt einer obskuren Webseite ist, die die Alltagsroutinen von Frauen an interessierte Kunden verkauft. So weit, so einigermaßen spannend. Es wäre auch alles ein ganz solider, okayer britischer Krimithriller gewesen, wenn es nicht so unsagbar viel schlimmes Mansplaining gegeben hätte. Alter Vatter!

Die Hauptperson, weiblich, geschieden, zwei Kinder, hat keine Ahnung von Technik, erst müssen ihr irgendwelche Männer die Datenschutzeinstellungen von Facebook erklären („Huch, wie sind Sie denn jetzt an meinen Bilder gekommen?“), dann wird ihr erklärt, was ein Proxy ist UND ZWAR MEHRFACH VON UNTERSCHIEDLICHEN MÄNNERN, weil die sich natürlich alle supidupi auskennen, wenn es um Technik geht. Der Sohn interessiert sich auch für IT „das einzige Schulfach, wo er freiwillig hingeht“, obwohl sie in der Familie lange gar keinen Rechner hatten. Als sie selber dann mal ein Passwort erraten muss, probiert sie es mit dem Geburtsdatum.

Die einzige Frau, die sich mit Technik irgendwie auskennt, ist eine von den Bösen, aber auch das ist nur so halb wahr, weil dann natürlich klar wird, dass auch die Hilfe benötigen musste, weil sie das nie und nimmer alleine hingekriegt haben könnte.

Ich habe schon bei der ersten Mansplaining-Szene mit den Augen gerollt, aber es zog sich leider durchs Buch. Der Rest ist solide Krimithriller-Kost mit ein paar Logiklöchern. Eventuell waren es aber gar keine Löcher und ich habe nur irgendwelche Details nicht mitbekommen, weil ich gerade mit Augenrollen beschäftigt war.

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Verirren: Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene von Kathrin Passig und Aleks Scholz

Während der Lektüre war ich vor allem dauertrauig, dass ich Kathrin Passig zur Zeit der Buchentstehung noch nicht kannte. Vielleicht war das aber auch ein Glück für Kathrin, denn so konnte ich sie damals nicht fortwährend mit Verirrungs- und Orientierungsanekdoten nerven.

Kathrin Passig und Aleks Scholz haben hier einen Ratgeber zum professionellen und vor allem absichtlichen Verirren. Mit absichtlichem Verirrenkenne ich mich aus, wobei es bei mir strictly speaking immer eher zielloses Rumlaufen ist, das Verlaufen ergibt sich oder eben nicht. Das Buch zeigt die Vorteile des Verirrens auf, hilft Einsteigern bei den ersten Verirrungsversuchen, nimmt die Angst vorm Verirren, indem es Tipps zum Nicht-beim-Verirren-Sterben gibt und es werden Geschichten des Verirrens anderer Personen erzählt, bei denen man sowohl lernen kann, wie man es macht als auch wie man es besser nicht macht.

Schon während des Lesens hatte ich die ganze Zeit Lust, mich mal ordentlich zu verirren und immerhin habe ich jetzt schon damit angefangen, jenseits des Bürgersteigs zu laufen und mich in der Gegend etwas aufmerksamer umzuschauen. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich im Blog noch gar nicht die Geschichte erzählt habe,  wie wir mal beim Wandern gescheitert sind und irgendwann ohne Handy, aber dafür bei aufziehendem Gewitter an einer Felswand hingen. Die Geschichte hätte ich auch Kathrin Passig damals erzählen können, aber das Buch wurde einfach zu früh geschrieben.

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Caraval von Stephanie Garber

Nope. Nope nope nope.

Ich habe mich zugegebenermaßen im Vorfeld nicht groß mit der Geschichte von Caraval beschäftigt, ich dachte, och ja, ein YA-Fantasy-Buch mit Schnitzeljagd-Schatzsuche-Plot, das kann ja so verkehrt nicht sein. Ich habe nicht viel erwartet, ich wollte nur angemessen unterhalten werden, das Cover war hübsch, die Rezensionen okay.

Es war aber vor allem wirklich, wirklich irre langweilig. Die ganze Stereotypen – geschenkt! Das ist YA-Fantasy, natürlich tragen die Mädels magische Kleider und verlieben sich in den feschen Seemann, der sie auf die Insel entführt hat und unter dessen ruppiger Schale doch ein sensibler, feiner Mensch steckt. Das wäre ja alles okay gewesen, wenn nicht wirklich alle Charaktere mehr oder weniger blutleer rumlaufen und motivationslose Dinge tun würden. Die ganze Welt ist kartonartig konstruiert, es steckt nichts dahinter, man kann jede Szenerie mit dem kleinen Finger umschubsen. Noch nicht mal die Schatzsuche war irgendwie spannend, die Hinweise ergeben nur im Rückblick einen Sinn, wenn man alles das, was der Protagonistin eher zufällig passiert, im Nachgang interpretiert. Wie diese Schatzsuche überhaupt funktionieren soll, bleibt unklar, aber das fügt sich auch in den Rest des Buches, es ist ein einziges Deus ex Machina, nur mit magischen Kleidern.

Falls doch noch jemand die Story interessiert. Scarlett lebt mit ihrer Schwester Tella auf irgendeiner Insel und leidet unter ihrem gewalttätigen Vater. (Auch hier muss man sich auf die Behauptungen der Protagonistinnen und der Autorin verlassen, die Angst vor dem Vater wird zwar dauernd erwähnt, auf den Leser springt aber nichts davon über.) Jetzt steht sie kurz vor ihrer Hochzeit mit einem Grafen, den sie nur von seinen Briefen kennt, der sie aber immerhin von der Insel wegholen wird und das ist ja schon mal besser als auf der Insel bleiben. Wenige Tage vor der Hochzeit bekommt sie eine Einladung von Master Legend zu seinem legendären Spiel Caraval, einer Art Schnitzeljagd-Schatzsuche, bei der der Sieger einen Wunsch frei hat. Der Seemann Julian bringt Scarlett und Tella auf die Insel, dann ist Tella aber weg und wie sich rausstellt ist sie der Schatz, den die Teilnehmer finden sollen. Bla bla bla, nein, ich habe wirklich nicht viel erwartet, aber hey, eine Schatzsuche auf der magischen Insel eines geheimnisvollen Fremden auf der Flucht vor einem bösen Vater, DA HÄTTE MAN DOCH WAS DRAUS MACHEN KÖNNEN! (Zefix!)

Das einzige Überraschende war, dass der Twist, den ich vermutete, doch nicht so eintraf, sondern halt anders. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich auch schon aufgegeben, weil mir eigentlich fast alles an der Geschichte mittlerweile egal war. Die Protagonistin ist nervig und der Rest der Figuren uninteressant. Es gibt ein paar nette Nebencharaktere und die ein oder andere hübsche Idee, aber da die Autorin nun mal alles nur mit Buntstiften auf Pappkarton gemalt hat anstatt sich ein paar mehr Gedanken über eine glaubwürdige, konsistenten und vor allem lebendige Welt zu machen, funktioniert hier ungefähr nichts.

Caraval von Stephanie Garber [Amazon-Werbelink]

 

The Long Way to a Small Angry Planet von Becky Chambers

The Long Way to a Small Angry Planet erzählt die Geschichte der Crew der Wayfarer, die Wurmlöcher im Weltall bohrt und damit ihr Geld verdient. Rosemary hofft auf ein neues Leben auf diesem kleinen zusammengebastelten Schiff, denn auf dem Mars kann sie nicht mehr bleiben. Dann bekommt die Crew den Auftrag einen Tunnel von einem weit entfernten Planeten zu bohren, höchst lukrativ, aber eben auch ein langer, gefährlicher Weg bis dahin.

Dieses Buch hat vor allem erst mal Spaß gemacht. Es wird gerne mit Firefly verglichen, was meines Erachtens tatsächlich sehr naheliegend und nachvollziehbar ist. Chambers hat ein gutes Händchen, sowohl was die verschiedenen Spezies als auch die einzelnen Charaktere angeht. Die Eigenheiten der Figuren und Spezies werden durchdacht und mit offensichtlicher Liebe zum Detail entwickelt.

Die Geschichte selber ist episodenhaft erzählt, was mir allerdings erst richtig aufgefallen ist, weil im Online-Buchclub darüber diskutiert wurde. So kommt die Story etwas langsamer in Gang, dafür bekommt man aber ein gutes Gefühl für die Welt, in der die Crew der Wayfarer unterwegs ist. Kritisiert wurde auch, dass der ein oder andere Konflikt etwas zu einfach aufgelöst wurde und die Crew insgesamt ein bisschen zu perfekt und harmonisch wirkt. Tatsächlich würde ich diese Kritikpunkte rein objektiv bestätigen, subjektiv haben sie mich nicht gestört. Statt dessen habe ich mich sehr über ein bisschen flauschige Raumschiff-Lektüre gefreut und direkt im Anschluss die erste Folge Firefly geguckt.

The Long Way to a Small Angry Planet von Becky Chambers [Amazon-Werbelink]

Noch mehr gelesen im April 2017

Nun also die zweite Hälfte, der erste Teil war hier.

The Roanoke Girls von Amy Engel

Na ja, nu. Das fällt sehr unter guilty pleasure und insgesamt war alles recht vorhersehbar. Die Roanoke-Farm steht irgendwo mitten in Kansas und alle Roanoke-Mädchen sterben oder laufen irgendwann weg. Lane ist die einzige, die zurückkommt, als ihre Cousine Allegra eines Tages verschwindet. Das ist so ungefähr die Prämisse, mit der ich geködert wurde und das erste Rätsel (Was ist los auf der Roanoke-Farm?) wird ziemlich schnell gelöst und ist wenig überraschend. Das zweite Rätsel (Who killed Allegra Roanoke?) braucht dann immerhin noch etwas und ist etwas weniger überraschend.

Dafür ist die Stimmung recht überzeugend eingefangen und die Figuren in all ihrer Stereotypie immerhin erstaunlich wenig schablonenhaft entwickelt. Außerdem liest es sich schnell weg, das ist ja auch was

The Roanoke Girls von Amy Engel [Amazon-Werbelink]

 

Pupu und die gelben Briefe von Jan de Zanger

Ich habe bei Goodreads die gelesenen Bücher aus dem Jahr 1994 nachgetragen, weil ich damals ein paar Wochen lang ein Bücherjournal pflegte. Man kann das hier im Techniktagebuch bewundern. Jedenfalls gab es da ein paar Bücher, die ich noch mal lesen wollte. Neu aufgelegt werden diese wohl nicht mehr, so dass ich sie gebraucht bestellt habe.

Pupu ist die junge Großmutter von Abé und tot. Sie ist die Treppe hinunter gestürzt, ein Unfall heißt es, und Abé ist kreuzunglücklich. Dann findet er aber Hinweise von Pupu, die ihn zu den gelben Briefen führen, die sie vor ihrem Tod bekommen hat und die darauf hindeuten, dass es eben kein Unfall war. Das klingt wie schwere Kost, ist aber letztendlich spannungsmäßig ungefähr auf dem Level einer Drei-Fragezeichen-Folge. Das ist aber auch okay, denn es ist ja ein Kinderbuch und genau so sollte man es auch lesen.

Pupu und die gelben Briefe von Jan de Zanger [Amazon-Werbelink]

 

Das Haus des Schweigens von Gillian Cross

Hier gilt das gleich wie schon oben beschrieben. Auch dieses Buch las ich im Sommer 1994 und wollte es jetzt noch mal lesen, nicht mehr aufgelegt, gebraucht gekauft und so weiter. Hier geht es um die Geschwister Stephen und Hannah, die in dem wunderlichen Haus über einem Wasserfall wohnen. Die Kinder mit der Mutter auf der einen Seite des Wasserfalls, der Vater mit dem seltsamen Onkel auf der anderen. Irgendwann muss etwas vorgefallen sein, aber Stephen erinnert sich nicht mehr und alle anderen schweigen sich tot. Da kommt der junge Student Nick, der sich für die Geschichte des Hauses interessiert und setzt die Ereignisse in Gang, die das Geheimnis um Roscoe’s Leap lüften sollen.

Das ist alles adäquat geheimnisvoll und spannend erzählt und liest sich recht fix runter. Die Figuren sind gut ausgearbeitet, die Szenerie ansprechend, auch hier bewegen wir uns vom Spannungsniveau grob auf Rocky-Beach-Niveau. Das bedeutet auch, dass die Auflösung weniger spektakulär ist, als man es so gewohnt ist, aber genau das macht die Geschichte dann wieder sympathisch und sogar irgendwie wirklichkeitsnah. Muss ja eben auch nicht immer alles spektakulär sein.

Das Haus des Schweigens von Gillian Cross [Amazon-Werbelink]

 

The Perfect Girl von Gilly Macmillan

Noch so ein Thriller, aber dieses Mal mit weniger guilty pleasure. Klang ganz vielversprechend, kostete fürs Kindle nur einen Euro. Es geht um das Klavierwunderkind Zoe, die Schuld am Tod von drei Mitschülern hat und deswegen auch Zeit abgesessen hat. Die Ehe der Eltern ging darüber zu Bruch, jetzt will ihre Mutter mit neuem Mann, neuem Namen und neuer Stadt auch ein neues Leben beginnen. Bei dem ersten Klaviervorspiel in diesem neuen Leben kommt es aber direkt zu einem unschönen Zwischenfall, so dass die Fassade bröckelt. Am nächsten Tag ist Zoes Mutter tot.

Die Geschichte entwickelt sich gut, jedes Kapitel wird aus einer anderen Perspektive erzählt, man kann recht schon sehen, wie sich die Fäden entspinnen und wieder zusammengeführt werden. Das ist alles keine große Literatur, macht aber Spaß und ist dabei nicht unintelligent. Wer etwas fürs Sofa oder den Liegestuhl sucht, ist bei The Perfect Girl gut aufgehoben.

The Perfect Girl von Gilly Macmillan [Amazon-Werbelink]

 

Mrs. Flax und Töchter von Patty Dann

Im Bücherschrank gefunden. Ich weiß noch, wie ich es 1994 gelesen habe, vor allem aber habe ich den Film (deutscher Titel: Meerjungfrauen küssen besser) wirklich sehr, sehr, sehr oft gesehen. Ich bin dementsprechend quasi unfähig, dieses Buch zu bewerten, weil ich den Film so liebe, und es schwierig ist, Buch und Film auseinanderzuhalten. Die 15-jährige Charlotte zieht im Jahr 1963 zum x-ten Mal mit ihren unkonventionellen Mutter Mrs. Flax und ihrer kleinen Schwester Kate um. Ihren Vater kennt sie nicht, das unstete Leben ihrer Mutter verachtet sie und überhaupt will sie Nonne werden und wartet auf ein Zeichen von Gott.

Zumindest habe ich es jetzt, 23 Jahre, nachdem ich es zum ersten Mal gelesen habe und etliche Male, die ich den Film gesehen habe, später, auch sehr gerne gelesen. Es passiert nicht viel, die Figuren sind ein bisschen weniger ausgearbeitet als im Film, aber es gab ein unangenehmes „Und das fand ich als Teenager gut?“-Gefühl, im Gegenteil. Das ist ein nettes Jugendbuch, ob es heute noch funktioniert, kann ich schlecht beurteilen. Auf jeden Fall muss ich dringend die DVD ausgraben, ich habe akute Nostalgie.

Mrs. Flax und Töchter von Patty Dann [Amazon-Werbelink]

 

Die unsichtbare Bibliothek von Genevieve Cogman

Vielleicht nicht das geeignete Buch, um es als Hörbuch zu hören. Ich musste es drei Mal neu anfangen, weil ich immer wieder weggedriftet bin und irgendwann nicht mehr wusste, worum es geht. Dabei ist die Geschichte gar nicht so kompliziert und eigentlich angenehm quirky und hätte mir mehr zusagen müssen, als sie es dann letztendlich tat.

Es geht um Irene, die als Bibliothekarin der „unsichtbaren Bibliothek“ durch Parallelwelten reist, um seltene Bücher zu finden und in die Bibliothek zu bringen. Ihr neuer Auftrag, eine Erstausgabe eines Märchenbuchs der Grimms zu besorgen, führt sie nach London, wo sie es auf einmal mit einem Mord an einem Vampir, Elfen, der rivalisierenden Bibliothekarin Bradamant und dem mysteriösen Alberich zu tun hat.

Irgendwann nimmt die Geschichte an Fahrt auf und dann wird es tatsächlich auch spannend, aber insgesamt konnte mich das ganz nicht so mitnehmen, wie ich es mir gehofft hatte. Ich habe auch den leisen Verdacht, dass die Übersetzung eher so mittel ist, denn es werden dauernd Dinge „erinnerlich“ und irgendwann werden „schockierende Blicke“ ausgetauscht, wo vermutlich eher „schockierte Blicke“ gemeint waren.

Vielleicht wäre es im Original und nicht als Hörbuch besser gewesen, aber ich probiere es jetzt nicht aus.

Die unsichtbare Bibliothek von Genevieve Cogman [Amazon-Werbelink]

Gelesen im April 2017

Es ist wieder sehr viel geworden, deswegen zunächst mal nur die erste Hälfte und teilweise im Schnelldurchlauf.

Die Modernisierung meiner Mutter von Bov Bjerg

Als Hörbuch bei Spotify gehört. Ein Erzählungsband mit alten (und neuen?) Geschichten von Bov Bjerg, der mich ja mit Auerhaus sehr glücklich gemacht, gelesen vom Autor selbst. Das passt sehr gut, Bov Bjerg liest schön lakonisch, gelegentlich sogar scheinbar desinteressiert an den eigenen Geschichten. Diese wiederum sind schön alltäglich-skurril, es geht um schreckliche Schinkennudeln, die Mutter, die ihren Führerschein, den Onkel, der sich einen Posten bei der Bank erschleicht, um am Ende in die USA zu verschwinden, um eine ungewollte Münzsammlung und einem astronomisch uninteressierten Horoskopschreiber. Die Zeit bezeichnet das alles hier als „Regio-Porn“, und da hat sie vermutlich ein bisschen recht, genau das macht es aber auch so sympathisch.

Die Modernisierung meiner Mutter von Bov Bjerg [Amazon-Werbelink]

 

Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk

Endlich auch mal gelesen, oder vielmehr auch gehört, weil auch bei Spotify. Außerdem schwärmt Angela davon, ich dachte, dann probiere ich das mal. Auch hier liest der Autor, das klingt immer ein bisschen, als ob er es eilig hätte und jetzt mal schnell fertig machen würde, aber ich glaube, so liest Heinz Strunk einfach.

Wahrscheinlich kennt schon jeder das Buch, es ist ja auch nicht gerade vor kurzem erst erschienen. Heinz Strunk berichtet von seiner Zeit als Musiker in einer Unterhaltungsband, in der er eher zufällig landet, aus der er aber auch so schnell nicht wieder rauskommt. Während er mit Tiffanys („Es heißt Tiffanys, nicht die Tiffanys!“) von einem Schützenfest zum anderen tourt, muss er sich außerdem noch um seine kranke Mutter kümmern, vielleicht auch mal eine Freundin finden und am besten vielleicht doch noch rausfinden, ob es ein Leben jenseits von Tiffanys gibt.

Jedenfalls ist das Buch nicht zu Unrecht überall gelobt worden, das ist alles schlimm-schrecklich-schön und bietet einen Blick in eine Welt, von der man nicht weiß, ob man es überhaupt alles so genau wissen will.

(Außerdem habe ich während der Lektüre die Wörter „Volker hört die Signale“ gegoogelt, und nu ja, jetzt habe ich nicht nur einen weiteren Witz aus den Känguru-Chroniken endlich kapiert, sondern auch festgestellt, dass er da gar nicht zum ersten Mal gemacht wurde.)

Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk [Amazon-Werbelink]

 

Utopia von Thomas Morus

Was für die Bildungsquote gemacht und den Klassiker gelesen. Wenn man sich mal durch die Einleitung gearbeitet hat, liest es sich auch erstaunlich flüssig, da darf man sich nicht abschrecken lassen.

In Utopia entwirft Thomas Morus in Form eines Reiseberichtes eine ideale Gesellschaft auf der Insel „Utopia“. Hier sind alle Menschen gleich, arbeiten gemeinsam und füreinander, leiden keinen Hunger und müssen nicht übermäßig schuften, Bildung und Kunst werden als hohes Gut gesehen und stehen allen Interessierten offen.

Tatsächlich ist die von Morus entworfene ideale Gesellschaft immer noch hierarchisch und patriarchisch organisiert, vieles davon wirkt heute, auch im Hinblick auf gegenwärtige Dystopieliteratur, eher wie etwas, dass man ganz sicher nicht haben will. Todesstrafe ist zwar in Utopia eher das letzte aller Mittel, aber nicht verboten, niedere Arbeiten werden von Sklaven verrichtet (die sich immerhin die Freiheit verdienen können), die Utopianer erobern auch schon mal fremdes Land, wenn sie der Meinung sind, das wäre für die Leute besser oder halt neues Land brauchen und die Frauen haben gefälligst den Männern Bericht über ihre Verfehlungen zu erstatten. Mir fehlt leider zu viel Wissen, um die Ideen Morus‘ sinnvoll in ihren geschichtlichen Kontext einzuordnen und den Grad der Progressivität einschätzen zu können. Unklar ist außerdem, wie satirisch Utopia tatsächlich gemeint war, es bleiben also einige Fragen offen, die mich aber nur neugieriger gemacht haben auf andere Klassiker der Utopieliteratur. (Frau Diener, hören Sie das?) So oder so hat sich die Lektüre also gelohnt.

Utopia von Thomas Morus [Amazon-Werbelink]

 

Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre

Hauptsächlich gelesen, weil bei einer Hörbuchdiskussion im Techniktagebuchchat unter anderen der Name Benjamin von Stuckrad-Barre fiel, als es um gute vorlesende Autoren ging. Ich hielt von Stuckrad-Barre immer für überschätzt, ich kannte nur einige Kurzgeschichten und fand die bis auf eine eher so mittel.

Panikherz ist aber super, ich habe das Hörbuch in wenigen Tagen durchgehört, das ist vor allem beachtlich, weil mich die Person Benjamin von Stuckrad-Barre überhaupt nicht interessiert hat. Er schreibt von seiner Kindheit als jüngster Pfarrerssohn erst in einem Kaff, dann später in der Großstadt Göttingen, von seiner Liebe zu Udo Lindenberg und dann natürlich von der ganzen Medienwelt, in die er so reingerutscht ist, vom Erfolg, den Drogen, dem Alkohol, der Magersucht, den Klinikaufenthalten, den ganzen anderen Prominenten, mit denen er so zu tun hatte und überhaupt seinem Leben eben.

Dabei fällt vor allem auf, dass von Stuckrad-Barre sehr geerdet und wenig eitel schreibt, auch die vielen Promiszenen sind mir nicht negativ aufgefallen, im Gegenteil, von Stuckrad-Barre bleibt dabei ein Fanboy, das macht es glaubwürdig. Und selbst dann, wenn er zynisch rumätzt, auf andere Leute, die irgendwo Erfolg haben, bleibt am Ende die Erkenntnis stehen: „Schade, dass ich das nicht bin.“ So viel Selbstreflektion macht sympathisch, am Ende erzählt da nicht jemand, der sich selber so geil findet, weil er mit diesen ganzen berühmten Leuten abhängt, sondern, der es immer noch nicht so ganz selber fassen kann, dass er da ist, wo er ist.

Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre [Amazon-Werbelink]

 

Junge rettet Freund aus Teich von Heinz Strunk

Wo ich schon mal dran war, gleich das nächste Buch von Heinz Strunk gehört. In Junge rettet Freund aus Teich erzählt Heinz Strunk von seiner Kindheit und Jugend. Aufgewachsen bei seinen Großeltern und seiner Mutter wächst Mathias sehr behütet auf, eine Kindheit zwischen Geborgenheit und Abenteuern, erst recht, als Mathias in den Ferien zur Großtante geschickt wird, wo er erst von einem Bauern übers Feld gejagt und dann mit den Bauernsöhnen am Baggersee die erste Zigarette raucht.

Als bekennender Nostalgiejunkie trifft dieses Buch mein Herz genau an der richtigen Stelle und wärmt es ganz ausgezeichnet. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer Fleisch ist mein Gemüse mag, wird wohl auch Junge rettet Freund aus Teich mögen.

Mein Lieblingssatz aus einer Rezension bei Goodreads ist übrigens: „Zum Ende wurde mir allerdings zuviel gewichst.“ Das stimmt aber nicht, es wird gar nicht so viel gewichst.

Junge rettet Freund aus Teich von Heinz Strunk [Amazon-Werbelink]

 

The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood

Endlich, endlich gelesen, aus diversen Gründen, die Thematik ist ja aktueller denn je und außerdem wurde das Buch gerade neu verfilmt, es wurde also langsam Zeit.

Das für mich Überraschendste an dem Buch war, dass eigentlich die ganze Zeit nichts passiert. Ich wartete die ganze Zeit auf eine Eskalation, die nicht kam. The Handmaid’s Tale ist Geschichte von Offred, die als Magd in einem totalitären Amerika namens Gilead lebt, in dem Frauen keine Rechte mehr haben, noch nicht mal mehr lesen dürfen und aufgrund ihrer erhofften Fruchtbarkeit einem hochrangigen Ehepaar zugeteilt wird, um ihnen Kinder zu gebären.

Während auf der einen Seite die ganze Zeit nichts passiert, passiert natürlich doch sehr viel. In Rückblenden erfährt man von Offreds Leben vor Gilead, ihrem Mann und ihrem Kind, ihrem Fluchtversuch, ihrer feministischen Mutter und unorthodoxen Freundin Moira, der Zeit im Umerziehungscenter. Auch die neue Weltordnung mit ihren öffentlichen Hinrichtungen und Massengebeten, dem abendlichen Bibelstündchen, allen Regeln und Gesetzen, wird auseinandergelegt, in jedem erschreckenden, gleichzeitig unvorstellbaren und gleichzeitig doch so gut vorstellbaren Detail.

Das ist alles hochspannend, in hohem Maße und im besten Sinne feministisch und eben leider auch immer noch oder schon wieder aktuell. Und das, obwohl die ganze Zeit nichts passiert.

(Ich verlinke hier auf das amerikanische Original, weil das Buch gerade bei Vintage Classics in einer Reihe von Science-Fiction-Klassikern mit tollen quasi interaktiven Covern erschienen ist und ich jetzt sowieso alles aus dieser Reihe haben – und natürlich auch lesen – möchte.)

The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood [Amazon-Werbelink]

 

Der gelbe Vogel von Myron Levoy

Als Kind oder Jugendliche gelesen, das weiß ich noch, und damals sehr beeindruckt. Am Ende habe ich geweint, das weiß ich auch noch, die Geschichte um das jüdische Mädchen Naomi, die verstört in einem New Yorker Hausflur sitzt und Papier zerreißt und den Jungen Alan, der von seinen Eltern dazu genötigt wird, sich um Naomi zu kümmern und das aus mehreren Gründen doof findet, hat mich damals sehr erschüttert.

Naomi musste in Frankreich mit ansehen, wie ihr Vater von Nazis erschlagen wurde, so viel kann man glaube ich erzählen, ohne zu viel zu verraten. Zuerst erscheint sie Alan wie ein hoffnungsloser Fall, das verrückte Mädchen, was soll er überhaupt mit ihr und warum ausgerechnet er? Dann schafft er es aber, Naomi ein erstes Lächeln zu entlocken und so entsteht ganz langsam eine Freundschaft zwischen den beiden Kindern.

Beim nochmaligen Lesen doch etwas über die arg altmodische Erzählweise gestolpert, die Figuren alle eher angedacht als ausgefüllt und die Dialoge etwas gestelzt. Weinen musste ich jetzt auch nicht mehr. Aber es ist eben auch ein Kinderbuch und im Zielgruppenalter hat es bei mir wunderbar funktioniert, insofern ist die Kritik vielleicht auch nicht ganz gerechtfertigt.

Der gelbe Vogel von Myron Levoy [Amazon-Werbelink]

Gelesen im März 2017

Irgendwie ist die Leseliste in den letzten Monaten zu kurz gekommen. Noch nicht mal, weil ich wenig gelesen hätte, im Gegenteil, ich habe sehr viel gelesen, deswegen und aus anderen Gründen erschien mir das aufschreiben als besonders aufwändig und da habe ich es vor Schreck einfach gelassen. Das ist aber natürlich auch kein Zustand und deswegen soll es jetzt wieder weitergehen.

 

William Shakespeare: Der Sturm

Gelesen, weil ich vorher Hag-Seed von Margaret Atwood [Amazon-Werbelink] gelesen hatte, eine Variante des Themas, in dem außerdem eben genau dieses Theaterstück aufgeführt wird und dann hatte ich in Hag-Seed so viel über Der Sturm gelesen, dass ich es auch mal selber lesen musste. Ich brauchte mehrere Anläufe, bis es dann in einer Kombination „Lesen und gleichzeitig das aufgeführte Stück auf Spotify hören“ ganz gut funktionierte (darüber berichtete ich auch im Techniktagebuch). Insgesamt kann man gelegentlich eigentlich auch mal Shakespeare lesen. Oder hören. Oder beides. Der Sturm ist übrigens eine etwas vertrackte Rachegeschichte auf einer magischen Insel, aber am Ende wird immerhin alles gut. Puh.

William Shakespeare: Der Sturm [Amazon-Werbelink]

 

Robert Jackson Bennett: Die Stadt der tausend Treppen

Als Hörbuch gehört, aber vorher schon viel davon gehört, unter anderem, weil es für meinen Onlinebuchclub gelesen wurde, allerdings in einem Monat, wo ich wohl selber nicht so viel Zeit hatte oder etwas anderes lieber lesen wollte oder was weiß ich. Ganz blöder Fehler, so im Nachhinein, das Buch ist super. Es scheint da dieses Genre „Fantasy mit komplexen politischen Systemen und Ränkespielen“ ein, da fallen auch so tolle Bücher wie The Traitor Baru Cormorant und The Goblin Emperor [Amazon-Werbelink] rein, die ich beide sehr geliebt habe, und Die Stadt der tausend Treppen reiht sich da ein. In der Stadt Bulikov, die in der Gunst der (real existierenden) Götter stand, jetzt aber nach dem Fall der Gottheiten nur eine Kolonie des Inselreiches Saypur ist, wird ein saypurischer Wissenschaftler ermordet. Die junge Shara tritt auf und soll als Diplomatin den Fall klären, aber natürlich ist nichts wie es scheint, und vor allem ist Shara keine Diplomatin, sondern eine Agentin. Das ist alles sehr verzwickt und ich habe gelegentlich zurückspulen müssen, weil man sehr gut aufpassen muss, um nicht den Faden zu verlieren. Die bislang einzige Amazon-Rezension der deutschen Übersetzung trägt die Überschrift „Anspruchsvoller politischer Agententhriller im Fantasy-Gewand“ und das trifft es ziemlich genau.

Robert Jackson Bennett: Die Stadt der tausend Treppen [Amazon-Werbelink]

 

Sarah Kuttner: Mängelexemplar

Im hiesigen Bücherschrank gefunden mit vielen Bleistiftnotizen mit spanischen Übersetzungen, anscheinend sollte das Buch beim Deutschlernen helfen. Ich habe das Buch einfach ohne weiteren Edukationshintergrund gelesen und war sehr angetan. Ich wollte gerade schreiben, dass das ja eigentlich nicht so mein Genre ist, aber dann müsste ich sagen, mit was für einem Genre man es hier zu tun hat und das ist mir direkt zu kompliziert. Karo verliert erst ihren Job und dann ihren Freund, den sie aber sowieso eher hatte, damit sie nicht so allein ist. Trotzdem ist sie jetzt erst allein und dann auch noch allein mit Panikattacken. Die Diagnose ist simpel: Karo hat eine Depression und da muss sie jetzt irgendwie raus, obwohl sie die Depression gar nicht bestellt hat und gar nicht haben will. Das liest sich alles so schön unselbstverliebt und flockig, mit sympathisch unperfekten Figuren, dass es einem egal ist, dass in der Geschichte gar nicht so passiert. Eigentlich ganz schön dumm von mir, dass ich das nicht schon längst gelesen habe.

Sarah Kuttner: Mängelexemplar [Amazon-Werbelink]

 

Ellen Kutnow (Hrsg.): Some of the Best From Tor.com (2016 Edition)

Nur als e-Book erhältlich ist die Sammlung Kurzgeschichten, die 2016 auf Tor.com veröffentlicht wurden. Dafür ist es umsonst und lohnt sich. Tor.com ist eine Webseite für Science Fiction, Fantasy und alles, was sich noch im Einzugsbereich dieser Genre so aufhält. Ich lese eher selten Kurzgeschichten, völlig zu Unrecht, wie ich dann feststelle, wenn ich es doch tue. Dabei decken die Geschichten in dieser Sammlung von klassischer Fantasy bis zu Marsbesiedelungs-Science-Fiction alles ab, das ist also ein großer Spaß, vielleicht sogar oder gerade für Leute, die sich mal in die Vielfalt des Genres ein bisschen reinlesen wollen.

Ellen Kutnow (Hrsg.): Some of the Best From Tor.com (2016 Edition) [Amazon-Werbelink]

 

Edward St. Aubyn: Schöne Verhältnisse

Noch ein Bücherschrankfund, schon viel davon gehört, deswegen gleich eingesteckt. Ein Buch voll mit unangenehmen und hilflosen Menschen, die entweder viel Geld haben oder gerne vieles hätten oder zumindest mit Leuten mit viel Geld Umgang pflegen und es zwar etwas unangenehm finden, dass der Hausherr seine Frau demütigt, aber mei, was will man da schon machen? Man ist beim Lesen deswegen auch dauernd leicht peinlich berührt von der eigenen passiven Voyeurstätigkeit, aber als Leser gilt ja noch mehr, mei, was man da schon machen?

Dafür liest es sich sehr schön und – soweit man das für dieses Buch sagen kann – stimmungsvoll, ich habe jedenfalls trotz allem instantanes Frankreichfernweh bekommen. Ein Buch für Leute, die es gerne etwas zynischer und mit schwarzem Humor hätten. Ob ich die anderen Bücher der Reihe noch lese, schaun mer mal, ich halte einfach mal bei den hiesigen Bücherschrankbesuchen die Augen offen.

Edward St. Aubyn: Schöne Verhältnisse [Amazon-Werbelink]

 

Michael Ende: Niemandsgarten

Am Grabbeltisch eines Bahnhofsbuchhandlung gefunden, dann lag es relativ lange auf dem Bücherstapel und da ich gerade versuche, eben diesen jetzt abzuarbeiten, habe ich mich mal drangemacht. Das Buch beinhaltet fertige, halbfertige und bruchstückhafte Werke aus dem Nachlass von Michael Ende und ist spannend, aber auch mit Vorsicht zu genießen, denn man merkt einigen Sachen an, dass sie unfertig sind. Es gibt komplett fertige Theaterstücke neben Skizzen für ein Ballett, Briefe an Leser oder kurzen Ideen. Der titelgebende Niemandsgarten ist eine Geschichte, in der sich viele Elemente aus der Unendlichen Geschichte wiederfinden.

Wenn man sich aber ein bisschen durchkämpft, wird man sehr belohnt, da macht es auch nichts, dass ein und die gleiche Geschichte in zwei Theaterstücken in komplett anderen Settings erzählt wird, im Gegenteil, es ist sehr spannend, wenn man sehen kann, wie sich Geschichten entwickeln, welche unterschiedlichen Herangehensweisen man wählen kann und am Ende auch, warum manche Dinge funktionieren, aber andere nicht. Michael Ende, so heißt es, wäre erst fertig gewesen, wenn es bei seinen Geschichten nicht nur um die Geschichte selber, sondern auch um eine Idee gegangen wäre. Der Einblick in seinen Zettelkasten macht deutlich, wie das gemeint ist. Wer sich für Michael Ende interessiert und kein Problem damit hat, Geschichten zu lesen, die einfach mal mittendrin abbrechen, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen. Ich habe dafür erst mal meine Wunschliste um weitere Ende-Bücher erweitert.

Michael Ende: Niemandsgarten [Amazon-Werbelink]

 

Michael Ende: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Auch ein Bücherschrankfund und eines der Bücher von Michael Ende, das ich nicht schon in meiner Kindheit gelesen hatte. Es geht um ein den Zauberer Beelzebub Irrwitzer und seine Tante Tyrannja Vamperl, die schlimme Pakte mit dem Teufel geschlossen haben, bei denen es um nichts weniger geht als um die Zerstörung der Erde. Allerdings sind sie ein bisschen spät dran und wenn bis Mitternacht die Erde nicht am Ende ist, steht es schlecht um sie. Aber da gibt es noch den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch, der einem alle Wünsche erfüllen soll und so hecken sie den ultimativen Plan zur Weltzerstörung aus. Und dann gibt es noch den Raben Jakob Krakel und Irrwitzers Kater Maurizio di Mauro, die vom Hohen Rat der Tiere eingeschleust wurden, um die beiden Bösewichte zu beobachten und jetzt in dieser Silvesternacht nur kurz die Welt retten müssen. Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch ist eindeutig ein Kinderbuch, aber ein sehr gutes. Ob es wirklich zeitlos ist, bleibt dahingestellt, aber ich hatte bei vielen Themen das Gefühl, dass sie heute noch genauso aktuell – wenn nicht noch aktueller – sind wie Ende der Achtziger.

Michael Ende: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch [Amazon-Werbelink]

 

Catherynne M. Valente: Die wundersame Geschichte von September, die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelte

Noch ein Kinderbuch, diesmal als Hörbuch, das gab es nämlich auf Spotify und hat mich wegen des langen Titels ein paar Nerven gekostet, wie ich hier im Techniktagebuch berichtete. Es geht um September, die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelt. Okay, das war jetzt nur so mittelwitzig. Es geht aber tatsächlich um September, die sich jeden Tag sehr langweilt und deswegen nicht zögert, als sie von einem Grünen Wind aufgeschnappt und mit einer fliegenden Leopardin ins Feenland bringt. Dort häufen sich dann die Abenteuer, September trifft den Bibliowurm „A bis L“, verliert ihren Schatten, wird zum Baum und muss sich am Ende tatsächlich ein Schiff bauen. Das ganze ist vollgestopft mit fantasievollen Ideen und Figuren, irgendwie sprang bei mir der letzte Funke aber nicht über. Trotzdem eine Empfehlung, für alle, die moderne Märchen mögen.

Catherynne M. Valente: Die wundersame Geschichte von September, die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelte [Amazon-Werbelink]

 

Sarah Kuttner: 180 Grad Meer

Nach dem Bücherschrankfund habe ich die anderen Bücher von Sarah Kuttner auf Spotify gefunden, gelesen von ihr selber. 180 Grad Meer ist das letzte Buch von Sarah Kuttner und handelt von Jule, die aus lauter Selbst- und Welthass sehr schlechte Entscheidungen trifft, und auf einmal mit den Konsequenzen leben muss. Ihr Freund will sie nicht mehr sehen, also packt sie kurzerhand ihre Koffer und fährt zu ihrem Bruder nach London, um irgendwie klar zu kriegen, was sie eigentlich will und wie es weitergehen soll und warum sie eigentlich so ist, wie sie ist. Als ob Jules Verhältnis zur depressiven Mutter und dem größtenteils abwesenden Vater nicht schon ohne Krebs kompliziert genug wäre, wird sie in England zu allem Überfluss noch mit der Krebserkrankung ihres Vaters konfrontiert. Um den Kopf frei zu kriegen fasst sie einen Plan, der 180 Grad Meer und einen geliehenen Hund beinhaltet und spätestens da hatte sie mich ja sowieso.

Aber auch ohne Hund ist 180 Grad Meer das vielleicht kompakteste Buch von Sarah Kuttner. Ich habe etwas zu lange gebraucht, um ihre Bücher zu entdecken, es hat sich aber gelohnt und jetzt freue ich mich schon auf das nächste. (Es gibt doch ein nächstes?)

Sarah Kuttner: 180 Grad Meer [Amazon-Werbelink]

 

Sarah Kuttner: Wachstumsschmerz

Charlotte ist Schneiderin und Gelegenheitsmodel und mit Flo zusammen. Nächster Schritt: Erste gemeinsame Wohnung. Der Plan sieht vor, dass man sich nicht auf die Nerven geht, sondern alles wie vorher macht, aber halt zusammenwohnt, und wenn man mal was alleine machen will, dann macht man das. Ein naiver Plan, wie sich rausstellt, denn natürlich ändert sich doch viel mehr und Lotte merkt, wie ihr zunehmend Luft und Platz fehlt. Das junge Paar steuert sehr kontrolliert auf eine kleine Katastrophe hin, die in kleinen Briefen an den abwesenden Flo auch im Buch schon vorweggenommen wird.

Auch das wieder eine kleine Geschichte, in der gar nicht so viel passiert, die aber durch eine liebevolle Figurenzeichnung und gute, oft sogar sehr witzige Dialoge, überzeugt. Und auch hier kann ich das Hörbuch empfehlen, denn Sarah Kuttner schafft es, mir das Innenleben ihrer Alltagsheldinnen noch ein bisschen näher zu bringen.

Sarah Kuttner: Wachstumsschmerz [Amazon-Werbelink]

Büchermythen auf ihre Alltagstauglichkeit getestet

Im Goodreads-Blog fand ich heute einen Artikel mit der schönen Überschrift 20 Problems Only Book Lovers Understand und habe natürlich direkt draufgeklickt. Es handelt sich um 20 Zitate von Goodreads-Nutzern, die über Facebook und Twitter reintröpfelten. Weil ich sowieso schon immer mal was über Bücher- und Lesermythen schreiben wollte, nehme ich das mal zum Anlass, mir diese Probleme dahingehend anzugucken, ob sie auf mein Leben zutreffen oder eher nicht.

1. „The urge to buy books even though you still have too many books to read at home.“ Rie VdWarth

Jup. Ich arbeite gerade daran, meinen SUB (Stapel ungelesener Bücher) abzuarbeiten, bevor ich neue Bücher kaufen, aber es ist sehr, sehr, sehr schwierig.

2. „Feeling sad for people who don’t really exist.“ Kimberly Moniz

Jo, auch irgendwie. Das ist ja auch der Sinn von Geschichten, egal ob im Film, in Serien oder in Büchern. Wobei ich relativ selten beim Lesen weinen, bei Filmen oder Serien aber sehr schnell und viel. Aber traurig sein kann man ja auch ohne zu weinen.

3. „RUNNING OUT OF SHELF SPACE!!!“ Kim

Der Grund, warum ich einen eBook-Reader besitze. Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht letztens noch mal Regale kaufen musste.

4. „Getting interrupted when you are on the last few pages of a book.“ Sobe Daya

Schlimm, passiert aber selten, weil ich eher in Situationen lese, bei denen mich gar nicht so viel stören kann, also vor allem in der Bahn und zu Hause. Wenn man in der Bahn auf den letzten Seiten ist, kann man im Zweifel auch im Gehen weiterlesen. Ich habe das mehrfach getestet.

5. „The book hangover. When a good book finishes but you can’t start a new one because you’re still too immersed in the last book to move on.“ Meagan Lewis

Hab ich nicht. Wenn ich ein Buch fertig gelesen habe, bin ich froh, dass ich endlich mit dem nächsten anfangen kann, weil ich mich schon so drauf freue.

6. „Wanting every book in a library section but knowing it is impossible to read all of them.“ Richard Azia

Ich will nicht alle Bücher lesen, aber vermutlich mehr, als ich im Leben schaffen werde. Kathrin Passig hat mal eine Zahl genannt, die sie als voraussichtlich noch zu schaffende Zahl bis zu ihrem Tod lesbarer Bücher geschätzt hat. Es war gar keine so große Zahl. Haha, dachte ich, aber ich bin ja jünger als Kathrin und rechnete meine Zahl aus. Es war ungefähr der gleiche Wert und dann war ich kurz deprimiert.

7. „Waiting so long for a sequel that you forget what happened in the first book.“ Jessica Luong

Ja. Deswegen lese ich auch lieber entweder alle Teile direkt hintereinander oder eben Bücher ohne Fortsetzung.

8. „When you’re lying in bed and it’s all cold in your room—and the hand holding the book freezes to death, even though the rest of you is warm under the blankets.“ Alina Marie Swan

In solchen Fällen mache ich die Heizung an. Das Problem mit den kalten Fingern habe ich eher beim Pokémon-Go-Spielen im Winter.

9. „Finishing a book and having to wait a whole year to read the next in the series.“ Sarah Scanion

Siehe Antwort 7. Allerdings habe ich auch schon ein bisschen Angst vor dem nächsten Buch der „A Song of Ice and Fire“-Reihe (auch bekannt als „Game of Thrones“), weil ich ungefähr alles aus den Büchern vergessen habe, aber auch nicht noch mal alles lesen möchte.

10. „Trying to keep the book dry while reading in the bath.“ Patricia Boland

Ich nehme auch mein iPhone und mein Kindle mit ins Bad. Mir ist wirklich noch nie etwas beim Baden in die Wanne gefallen.

11. „Ordering a book online and getting the book with the movie cover. A book with a movie cover just doesn’t feel the same.“ Anna RN

Damit habe ich keine Erfahrung, ich lese aber ja sowieso viel als eBook. Wahrscheinlich wäre ich auch etwas betrübt, würde aber aus eben diesem Grund auch schon bei der Bestellung aufs Cover achten. Eventuell liegt es aber auch daran, dass ich fast immer das Buch Jahre vor dem Film gelesen habe.

12. „Not being able to read and eat lunch at the same time because you don’t have a third arm.“ Bernadette

Man braucht aber doch nur eine Hand zum Essen. Versteh ich nicht.

13. „When someone borrows your book and doesn’t return it for ages!“ Pallavi B

Wenn man Bücher verleiht, muss man entweder sehr klarstellen, dass man es wiederhaben will und aktiv regelmäßig darauf hinweisen oder man geht davon aus, dass man es nicht wieder bekommt. Ich verleihe gerne Bücher, sollte ich sie wirklich nicht wiederbekommen, kann ich sie mir neu kaufen. Bücher, bei denen mir das tatsächliche und konkrete Objekt Buch etwas bedeutet, weil zum Beispiel eine Autorensignatur drin ist, verleihe ich dann eben nicht oder nur an ausgewählte Personen.

14. „Deciding. Which. Book. To. Read. First.“ Monique Balsamo

Verstehe ich nicht. Dieses Problem habe ich nicht. Im Zweifel halt das, was oben auf dem Stapel liegt.

15. „Getting to a ‚can’t stop reading‘ spot in the book and it’s 3:00am.“ Joan Chesley

Dann liest man weiter und ist am nächsten Tag sehr müde.

16. „When you have a book with you, but it’s not the one you wanted to read right then.“ Virginia Osborne

Dieses Problem habe ich nicht. Das überlegt man sich vorher und lebt dann mit den Konsequenzen. Oder man hat halt einen eBook-Reader, wo sowieso alles drauf ist. Wenn man dann allerdings im Urlaub ist und der eBook-Reader-lose Mann hat alle seine Bücher schon ausgelesen und ist der Meinung, das wäre doch mal eine Superidee, den eBook-Reader zu testen und man muss dann die Bücher vom Mann lesen, ist aber sehr schnell damit durch, dann ist das doof. Aber wer konnte das schon ahnen?

17. „Being forced to stop reading by other obligations, but choosing to ignore those obligations. Then getting in trouble.“ Feel Like Fangirling

Ich glaube, das ist mir noch nicht passiert.

18. „Packing for a trip and never being able to bring enough books.“ Erika Gallion

Ich kann’s ja nicht oft genug sagen: Dafür gibt es eBook-Reader! Zefix!

19. „Having a book fall on your face because you’re reading on your back while holding the book up.“ Manuel Cedillo

Das ist tatsächlich ein Problem und passiert mir auch, gerade, wenn ich schon etwas müde bin. Da ist es übrigens egal, ob man ein Buch oder einen eBook-Reader hält, es ist bei beiden unangenehm.

20. And the ultimate book lovers‘ dilemma: „So many books, so little time.“ Navy Reading

Siehe Antwort 6.