Kategorie: Bücherzeug

Gelesen im Januar 2015

Es wird kleine Änderungen geben, ich habe nämlich beschlossen, die Detailinformationen zum Buch wegzulassen. Das ist nämlich erstaunlicherweise erschreckend viel Arbeit und hat mich beim letzten Mal in tiefe Verwirrung gestürzt, weil es natürlich gerade bei älteren Büchern immer unterschiedliche Erscheinungsdaten gibt und dann weiß man nicht, nimmt man das von der Erstausgabe oder das von der, die man gelesen hat und was ist, wenn man ein eBook liest, das einen anderen Verlag hat als die Druckausgabe. Es ist kompliziert und deswegen gibt es jetzt Autor und Buchtitel und bei Übersetzungen noch den Übersetzer und das war’s. Außerdem noch der Link zum ethisch unkorrekten Amazon, aber den muss ja niemand benutzen. Davon bekomme ich aktuell alle zwei bis vier Monate einen Gutschein zusammen, von dem ich neue Bücher kaufen oder andere Leute von ihrem Wunschzettel beschenken kann.

Im Januar sah es etwas mau ist. Ich war krank und im Stress und habe deswegen nur drei Bücher geschafft. Dafür waren alle  sehr gut, es hat sich also doch gelohnt.

 

The Golem and the Jinni von Helene Wecker

Wollte ich eigentlich noch im Dezember fertig hören, das hat aber nicht ganz geklappt, also ist es ins nächste Jahr gerutscht. The Golem and the Jinni erzählt die Geschichte von… man ahnt es fast… einem Golem und einem Jinni. Beide stranden Anfang des 20. Jahrhunderts in New York. Der Golem mit ihrem Erschaffer, der auf der Schiffsüberfahrt stirbt und sie so quasi herrenlos zurücklässt. Einzig ein alter Rabbi erkennt, wer sie wirklich ist, nimmt sie auf, gibt ihr einen Namen und erklärt ihr, wie die Welt funktioniert. Im syrischen Viertel wird zur gleichen Zeit ein Jinni aus seiner Flasche befreit und muss sich genau wie der Golem in dieser neuen Welt zurecht finden. Es bleibt natürlich nicht aus, dass sich dieses gleiche und doch so ungleiche Paar findet und gleichzeitig gemeinsam und jeder für sich die Möglichkeiten eines Daseins in der menschlichen Welt auslotet.

Wunderschön erzählt mit viel New-York-Lokalkolorit und viel Fantasie. Natürlich ist das irgendwie im weitesten Sinne Fantasy, aber wirklich nur im allerweitesten. Das kann also auch jeder lesen, der es sonst nicht so mit magischen Gestalten hat.

Helene Wecker: The Golem and the Jinni (auf Deutsch: Golem und Dschin, übersetzt von Annette Grube) [Amazon-Werbelink] 

 

Radiance von Catherynne M. Valente

Für den Online-Buchclub gelesen und sofort geliebt, obwohl es etwas fordernd ist. Radiance spielt in einer Alternativwelt, in der alle Planeten besiedelt (und besiedelbar) sind und in der auf der anderen Seite Filme eine große Rolle spielen (Stummfilme allerdings, denn der Tonfilm konnte sich aus Patentgründen nicht durchsetzen). Einer der bedeutendsten Regisseure ist Percival Unck, Vater von Severin Unck, die in seine Fußstapfen tritt und beim Drehen einer Dokumentation in einer verlassenen Stadt auf der Venus einfach verschwindet. Um diesen Vorfall dreht sich das Buch. Catherynne M. Valente hat aber nicht einfach eine normal von Anfang bis Ende erzählte Geschichte daraus gemacht, sondern präsentiert Versatzstücke, die als Puzzle die gesamte Geschichte ergeben. Interviews, persönliche Berichte der Menschen, die mit Severin zu tun hatten oder sogar bei ihrem Verschwinden dabei waren, Drehbücher und transkribierte Filmaufnahmen. Man reist einmal von Planet zu Planet und darf sich das Leben von Severin zusammenreimen. Das ist alles ganz großartig, ein Art-Deco-Film-Noir-Stück im Weltraum. Nicht einfach zu lesen zwar, aber ganz grandios. Das erste Buch des Jahres mit guten Chancen auf mein Lieblingsbuch des Jahres 2016.

Bisher noch keine deutsche Übersetzung, ist aber angekündigt.

Catherynne M. Valente: Radiance [Amazon-Werbelink]

 

Alles außer irdisch von Horst Evers

Als Hörbuch gehört, weil Horst Evers so schön liest. Diesmal keine Kurzgeschichten und auch kein Krimi, sondern eine Science-Fiction-Komödie. Wer jetzt an Douglas Adams denkt, liegt nicht so falsch, aber im Gegenzug zu vielen Nachahmern, die ich mit mäßiger Begeisterung gelesen habe, muss sich Horst Evers mit seinen Einfällen nicht verstecken. Es beginnt mit Goiko Schulz, 36 und nicht gerade auf der Gewinnerseite der Leben, bis er immerhin durch eine Kette von seltsamen Fügungen ein Ticket für einen Flug nach New York gewinnt. Und zwar nicht irgendeinem Flug, sondern dem ersten Flug vom neu eröffneten Flughafen BER. Das Glück wird allerdings schnell getrübt als ein riesiges Raumschiff auf den Flughafen stürzt und damit alles noch seltsamer wird als vorher schon. Und Goiko steckt natürlich mittendrin und muss die Welt retten. Er soll mit einer Truppe außerirdischer Artenretter zum interplanetaren Gerichtshof fliegen, um da für die Erde zu sprechen. Aber dann geht die Tür des Raumschiffs nicht zu und es wird alles nur noch komplizierter.

Die Story kennen wir natürlich aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, aber Horst Evers hat genug eigene Einfälle, um aus der Grundidee seine ganz eigene Geschichte zu basteln, mit tollen abgefahrenen Ideen, fantastischen außerirdischen Lebensformen und ein bisschen Zeitreise obendrauf. Das war super, ich könnte es eigentlich gleich noch mal lesen (oder hören). Ebenfalls eine große Empfehlung.

Horst Evers: Alles außer irdisch [Amazon-Werbelink]

Gelesen im Dezember 2015

Robert Galbraith: Der Seidenspinner

Der zweite Teil der Cormoran-Strike-Serie. Wieder als Hörbuch gehört und wieder sehr angetan. Robert Galbraith bzw. J.K. Rowling hat ein Händchen für detailreiches Worldbuilding, es passt immer alles wunderbar zusammen, viel Personal, als geübter Seriengucker sieht man die Figuren der (noch nicht existenten) Miniserie quasi vor sich.

In diesem Teil geht es um einen verschwundenen Schriftsteller und sein Manuskript, in dem er auf wenig sympathische Art und Weise sämtliche Freunde, Bekannte und die halbe ihm bekannte Literaturszene auseinander nimmt. Verdächtige gibt es also genug, aber vor allem müsste erst mal eine Leiche gefunden werden.

Das ist solide Krimikost, es gibt nichts zu beanstanden, den dritten Teil werde ich wohl auch lesen (oder hören).

Der Seidenspinner von Robert Galbraith (übersetzt von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz), erschienen 2014 bei Blanvalet, 672 Seiten, 19,99 Euro [Amazon-Werbelink] 

 

Jack Finney: Time and Again

Für den Online-Buchclub gelesen, wobei sich im Nachhinein rausstellte, dass es sich eigentlich weder um Science Fiction noch Fantasy handelte, sondern eher um historische Fiktion, die halt irgendwie einen Zeitreiseaufhänger hatte.

Der Zeichner Simon „Si“ Morley wird von einem seltsamen Mann angesprochen und in ein geheimes Zeitreiseprojekt eingeweiht. Der Zeitreisemechanismus hat hier weniger mit irgendwelchen Maschinen zu tun, es gibt zwar ein bisschen wissenschaftliches Hintergrundgedöns, auf jeden Fall ist die Idee vor allem mal etwas anderes, deswegen werde ich jetzt auch nicht zu viel verraten.

Si reist ins New York von 1882 zurück, um den Ursprung eines Briefes zurückzuverfolgen, der in der Familie seiner Freundin zu großem Unglück führte. In die Geschichte verwoben ist dann natürlich noch eine Liebesgeschichte, außerdem erfreulich viele Zeichnungen und Fotos. Während die Geschichte bis zur Hälfte des Buches etwas behäbig mäandert, nimmt dann alles deutlich Fahrt auf und wird überraschend spannend. Eines der Bücher, bei denen man sich fragt, warum sie nicht schon längst verfilmt wurden, die Geschichte bietet sich wirklich an. Wirklich gern gelesen, wenn Finney eins drauf hat, dann das New York sowohl der Siebziger Jahre als auch das von 1882 so detailreich zu beschreiben, dass man selber mitten drin ist.

Time and Again von Jack Finney, englische Erstausgabe erschienen 1970 bei Simon & Schuster, 400 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Mercedes Lackey: Arrows of the Queen

Recht einfache, aber durchaus gut zu lesende YA-Fantasy aus den Achtzigern. Ebenfalls für den Online-Buchclub gelesen, da weiß man ja nicht immer, was einen erwartet. Während vielfach die wohl etwas holprige Sprache und die etwas antiklimaktische Storyführung bekrittelt wurden, fand ich eigentlich nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Manchmal finde ich es ganz entspannend, wenn in einem Buch nicht an jeder Ecke Action ist. Was die Sprache angeht, so vermute ich, dass mich immer noch die Tatsache, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist, davor bewahrt, allzu nölig zu sein. Es geht um Talia, die aus ihrer patriarchalen Familie ausbricht und von einem Pferd (ja ja) aufgegabelt und zur Königin gebracht wird. Wie sich rausstellt, wurde sie von diesem Pferd, dass eben kein gewöhnliches Pferd ist, sondern ein „Companion“, die mit ihren menschlichen Partnern die Botschafter des Landes sind. Dann gibt es ein bisschen Hogwarts, weil Talia eben erst mal alles mögliche lernen muss und ja ja, Zauberpferde, Magie, Schulen, das ist alles sehr Mädchenfantasy, aber so schön unaufgeregt geschrieben und mit einigen überraschenden feministischen Ideen, das man auch damit viel Spaß haben kann. Außerdem liest es sich sehr fix.

Arrows of the Queen von Mercedes Lackey, englische Erstausgabe erschienen 1987 bei DAW Books [Amazon-Werbelink]

 

Herman Melville: Bartleby the Scrivener

Meike Winnemuth erwähnte die Figur Bartleby in ihrem Buch „Um es kurz zu machen“ (Rezension hier) und ich fand die Idee der höflichen Ablehnung „Nein, ich möchte lieber nicht“ sofort sehr entzückend. Die Geschichte des Schreibers Bartleby, der sich zunehmend der Gesellschaft und letztlich auch sich selbst entzieht, ist allerdings eher bedrückend. Auf jeden Fall aber ein Klassiker, den zu lesen sich definitiv lohnt. Das englische Original gibt es fürs Kindle für umsonst.

Bartleby the Scrivener von Herman Melville, englisch Erstausgabe erschienen 1853 [Amazon-Werbelink]

 

Jens Andersen: Astrid Lindgren. Ihr Leben

Die neueste Biographie über Astrid Lindgren. Ich musste erstaunt feststellen, dass ich eigentlich sehr wenig über die schwedische Kinderbuchautorin wusste. Nach der Lektüre würde ich gerne noch mehr erfahren, das ist alles sehr inspirierend und spannend. Ich habe das nicht ohne Grund vor Weihnachten noch schnell überall als wunderbares Geschenk angepriesen. Beim nächsten Elternbesuch müsste ich im Keller mal nach meinen alten Büchern suchen, denn die Figuren und Geschichten von Astrid Lindgren haben mich viele Jahre begleitet.

Eine ausführliche Rezension folgt noch.

Astrid Lindgren von Jens Andersen (übersetzt von Ulrich Sonnenberg), erschienen 2015 im Knaus Verlag, 448 Seiten, 26,99 Euro [Amazon-Werbelink]

 

Kathrin Passig und Johannes Jander: Weniger schlecht programmieren

Das Buch ist natürlich schon aus drei Gründen super: Erstens, weil Kathrin Passig es geschrieben hat, zweitens, weil der Titel super ist und drittens, weil ich drin vorkomme.

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Laut Kathrin Passig war ich zwar nicht Zielgruppe für das Buch, denn es geht im Wesentlichen darum, schlechten Programmierern dabei zu helfen, weniger schlecht zu programmieren, ich habe es trotzdem sehr gerne gelesen und obwohl mir vieles bekannt war, auch das ein oder andere neue gelernt. Außerdem finde ich es durchaus auch legitim, mal etwas lesen und dabei zustimmend mit dem Kopf zu nicken.

Im Prinzip hat auch Monika Scheele-Knight schon alles gesagt, was man über dieses Buch wissen muss. Offensichtlich lassen sich viele Tipps zum besseren Programmieren auch ohne Probleme auf völlig andere Lebensbereiche anwenden.

Weniger schlecht programmieren von Kathrin Passig und Johannes Jander, erschienen 2013 bei O’Reilly, 456 Seiten, 24,90 Euro [Amazon-Werbelink]

 

Fyodor Dostoyevsky: Notes from the Underground

Irgendwo von dem Buch gehört und spontan in den Titel verliebt. Das Buch selber ist zwar ein Klassiker und deshalb quasi automatisch gut, ich war aber nur so mittel beeindruckt. Dazu muss man aber auch sagen, dass ich das Buch in einer Phase gelesen habe, als es um meine Aufmerksamkeit nicht so super stand. Das hat es vermutlich auch nicht verdient. Der erste Teil ist ein Stream of Consciousness des Erzählers über das Wesen der Menschen und überhaupt. Im zweiten Teil erfährt man dann etwas mehr über die Geschichte des Erzählers, einem recht frustrierten und mäßig sympathischen Jungspund, der permanent zwischen Neid und Anbiederei schwankt, und seinen Beweggründen, in den Untergrund abzutauchen. Da wurde es dann auch etwas interessanter. Wahrscheinlich gibt es mehr in diesem Buch zu entdecken, als es mein Gemütszustand beim Lesen zuließ. Hauptsächlich deswegen auf Englisch gelesen, weil es auch dieses Buch für umsonst fürs Kindle gab.

Notes from the Underground von Fyodor Dostoyevsky (leider lässt sich in der Kindleausgabe der Übersetzer nicht ausfindig machen), russische Erstausgabe erschienen 1864 [Amazon-Werbelink]

Gelesen im November 2015

Im November 2015 entdeckte ich, dass es auf Spotify auch Hörbücher gibt, oder, wie ich im Techniktagebuchchat enthusiastisch verkündete: „Das ändert alles!“

Folglich „las“ ich drei Hörbücher und nutzte die restliche Zeit, eine Wagnerbiographie hinter mich zu bringen, die aber gar keine war.

Horst Evers: Der König von Berlin

Mein erster Roman von Horst Evers, als Hörbuch gehört, gelesen von Horst Evers himself. Überhaupt kann man sich die Sachen von Horst Evers ziemlich gut von ihm vorlesen lassen. In seinem Berlin-Krimi wird eine Leiche in einem Garten gefunden, niemand weiß, wer der Mann ist oder warum in seiner Wohnung so viel Bargeld gefunden wurde. Kommissar Lanner, frisch aus Cloppenburg in der Großstadt übernimmt den Fall und nutzt unfreiwillig jede Situation, um sich bei den Kollegen lächerlich zu machen. Dazu kommen sein ehemaliger Schulfreund und Aushilfskammerjäger, die Erben der größten Kammerjägerfirma von Berlin und deren Sekretärin, eine ehrgeizige Kollegin von Lanner und noch diverse skurrile Figuren.

Das (vor)liest sich flockig runter, erstens wegen Horst Evers, aber dann eben auch, weil die Story Spaß macht und man wissen will, wer es denn war und warum und überhaupt. Große Empfehlung.

Der König von Berlin von Horst Evers, erschienen 2012 bei rororo Rowohlt, 384 Seiten, 9,99 Euro [Amazon-Werbelink]

 

Gillian Flynn: Cry Baby

Der Erstling von Gone Girl-Autorin Gillian Flynn, erstmals auf Englisch erschienen im Jahr 2006. Auch wieder ein Krimithriller, nur, dass es diesmal eine junge Journalistin ist, die in ihren kleinen Heimatort geschickt wird, um über den Mord an zwei Mädchen zu berichten. Insgesamt ist in diesem Buch so ziemlich jede Figur auf irgendeine Art kaputt, allen voran die Protagonistin Camille und ihre Familie. Das liest sich insgesamt teilweise etwas unangenehm und kleinstadtklaustrophobisch, allerdings im wertfreien Sinne, so war es sicherlich auch gedacht. Tatsächlich habe ich das Buch sehr zackig durchgehört, wenn Gillian Flynn eins kann, dann den Leser bei der Stange zu halten.

Das Buch heißt im Original übrigens Sharp Objects und hat sinnigerweise neben dem neuen englischen Titel den deutschen Untertitel „Scharfe Schnitte“. Abgeheftet unter: Verlagsentscheidungen, die man nicht verstehen muss. Ansonsten sehr düster, ziemlich spannend, und mit schönen Überraschungen.

Cry Baby von Gillian Flynn (übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg), erschienen 2014 im Fischer Verlag, 336 Seiten, 9,99 Euro  [Amazon-Werbelink]

 

Martin Geck: Richard Wagner – Biographie

Las ich als Rezensionsexemplar in der Hoffnung, etwas über Wagners Leben zu erfahren. Das Wörtchen Biographie ist aber irreführend, ich erfuhr vor allem viel über Wagners Musik. Das ist nicht schlimm, aber eben nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Außerdem nichts für Wagnernewbies, es wird einfach zu viel Wissen vorausgesetzt. Ich schrieb bereits hier darüber.

Richard Wagner: Biographie von Martin Geck, erschienen 2012 im Siedler Verlag, 416 Seiten, 14,99 Euro (broschiert) [Amazon-Werbelink]

 

Thomas Hettche: Pfaueninsel

Auch als Hörbuch gehört und damit hatte ich dann die interessantesten Hörbücher auf Spotify auch durch. Pfaueninsel stand auch schon länger auf der Liste, ich war aber wegen durchwachsenen Kritiken etwas zögerlich. Zu unrecht, wie sich rausstellte, ich mochte Pfaueninsel sehr.

Es geht um die Pfaueninsel in der Havel bei Potsdam. Inspiriert wurde der Roman wohl von einer Randnotiz, einem Ereignis, als bei einer Feier ein auf der Insel lebender Kleinwüchsiger bei einem Unfall ums Leben kam. Die Geschichte wird aus der Sicht von Marie erzählt, der Schwester des umgekommenen Christian, ebenfalls kleinwüchsig und quasi Inventar dieser Insel, die dem König gehört und auf der noch ein Riese, ein Südseeinsulaner und diverse Tiere leben, zur allgemeinen Unterhaltung. Das Schicksal von Marie wird dabei sehr schön anschaulich und bewegend durch die Jahre geschildert. Ein fremdbestimmtes Leben, bei dem Marie trotz widriger Umstände immer ihre Würde bewahrt.

Also nicht von den etwas enttäuschten Kritiken verunsichern lassen, das ist ein schönes, ruhiges Buch, das einen auf eine kleine bunte Insel im vorletzten Jahrhundert entführt

Pfaueninsel von Thomas Hettche, erschienen 2014 bei Kiepenheuer&Witsch, 352 Seiten, 19,99 Euro [Amazon-Werbelink]

Gelesen: Richard Wagner von Martin Geck

9783570552391_CoverDass ich mir ehegattenbedingt gelegentlich Wagneropern angucke und anhöre, sollte treuen Lesern dieses Blogs hinlänglich bekannt sein. Dass ich im Sommer 2014 sogar bei den Festspielen in Bayreuth war und an drei von vier Abenden während des ersten Aktes einschlief, hat vielleicht auch der ein oder andere mitbekommen. Ich bin also nicht komplett unbeleckt und habe schon einige Stunden damit verbracht, mir abgefahrene Alliterationen vorsingen zu lassen.

Von Wagner selber weiß ich das, was man eben so weiß und noch ein bisschen mehr. Das kommt davon, wenn man einen Musikwissenschaftler mit Wagnerfaible heiratet, da macht man nix. Ich dachte aber, ich könnte mein Wissen etwas erweitern und las nun Wagner von Martin Geck.

Wagner ist eine Biographie, das steht jedenfalls auf dem Buch drauf. Ich habe mehrfach nachgesehen, um mich zu vergewissern. Nach der Lektüre muss ich wohl mein Verständnis des Begriffs „Biographie“ erweitern. Alternativ könnte es aber auch sein, dass es sich bei Gecks Wagnerbuch um alles mögliche, aber sicher nicht um eine Biographie handelt. Das macht das Buch nicht schlechter, man bekommt nur nicht ganz das, was man sich erhofft hat.

Erhofft hatte ich mir Informationen und Geschichten rund um Wagner und sein Leben. So ein Leben enthält ja viel: Familie, Freunde, Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Hochs und Tiefs, Arbeit und Reisen und was weiß ich nicht noch. In Wagner geht es vor allem um: Musik. Das ist prinzipiell nicht falsch, auch in Wagners Leben ging es vermutlich vor allem um Musik. Es sind bislang unbestätigte Vermutungen meinerseits, dass Wagner aber zwischendurch auch noch etwas anderes tat. Ich werde ein anderes Buch finden müssen, um diese Vermutung zu bestätigen.

Geck jedenfalls hat hier keine Biographie geschrieben, sondern eine musikwissenschaftliche, geschichtliche, politische und gesellschaftliche Analyse und Einordnung des Werks. Schon beim Durchblättern fällt auf, dass es mehr Notenbeispiele als Bilddokumente gibt. Das ist auch interessant, aber eben nicht das, was vorne drauf steht.

Zudem fordert Geck den Leser auch. Wagner ist nichts für Wagner-Neulinge. Wer nicht mindestens drei bis acht Wagneropern gesehen hat, braucht möglicherweise gar nicht erst mit dem Lesen anfangen, denn Geck geht davon aus, dass man sich mit den Geschichten bereits auskennt. Alternativ kann man vielleicht parallel dazu in der Wikipedia alles aufarbeiten, was Geck voraussetzt, das verlängert die Lektürezeit dann zwar, aber man versteht zumindest, worum es eigentlich geht und wer Alberich ist, und wer Wotan, was in Tristan und Isolde eigentlich passiert und worum es in Parsifal geht.

Trotz all der Vorwarnungen, ich möchte nicht von dem Buch abraten. Wenn man alle Voraussetzungen erfüllt, die für Gecks Wagnerbiographie benötigt werden, lernt man eine Menge. Geck verschwendet keinen Satz für Geplänkel, in jedem Absatz steckt eine Fülle von Informationen. Er schreibt angenehm unaufgeregt, trotzdem ist sein Enthusiasmus für Wagner jederzeit spürbar. Geck lehrt statt zu belehren und freut sich sichtbar, sein Wissen weiterzugeben.

Nachdem ich jetzt also quasi alles über Wagneropern weiß (oder zumindest wissen sollte), was man wissen kann, muss ich nur noch eine Wagnerbiographie finden, die auch wirklich eine ist. Aber da wird sich ja was finden lassen.

Richard Wagner von Martin Geck, erschienen 2012 im Siedler Verlag, 416 Seiten, 14,99 Euro (broschiert) [Amazon-Werbelink]

Martin Geck in der Wikipedia

Das Buch auf der Verlagsseite

Lieblingsbücher des Jahres 2015 wählen

Jedes Jahr ab so November fangen die großen Leseportale an, für die besten Bücher des letzten Jahres abstimmen zu lassen. Ich finde das ja immer ein bisschen zu früh. Im November sind es noch zwei Monate bis Ende 2015, da lese ich noch locker sechs bis zehn Bücher und wer weiß, ob da nicht dann auf einmal doch noch ein besseres Buch dabei ist.

Beim meines Wissens größten Leseportal Deutschlands (jedenfalls gefühlt) LovelyBooks kann man hier in verschiedenen Kategorien abstimmen. Dabei sind auch so schöne Kategorien wie „Schönster Buchtitel“. Das finde ich positiv, denn dann kann man auch mitmachen, wenn man gar nicht so viel gelesen hat, oder jedenfalls nicht so viel, was 2015 in Deutschland erschienen ist.

Dann gibt es noch Goodreads, mein Buchportal of choice, was vor allem daran liegt, dass es das vor LovelyBooks gab (ich habe seinerzeit noch mühselig eine bereits beachtliche digitale Bibliothek vom vermutlich noch älteren LibraryThing zu Goodreads umgezogen) und dass dann doch ein relevanter Anteil meiner Lektüre auf Englisch ist und ich das auf Goodreads besser abgebildet sehe. Das mag aber auch Gewohnheit sein, davon befreit man sich ja auch manchmal nur mit etwas Anstrengung. Auf Goodreads jedenfalls darf man auch abstimmen, und zwar hier.

Wo man also mitmacht, hängt ein bisschen von den Lesepräferenzen ab, wer mehr auf Deutsch liest, wird bei LovelyBooks fündiger werden, wer eher auf Englisch liest, wird vielleicht mit Goodreads glücklicher. Wer beides macht, der stimmt einfach auf beiden Portalen ab. So habe ich das jedenfalls gemacht.

Zwei schöne Nebeneffekte gibt es auch noch: Erstens findet man in den Abstimmungsrunden sicher immer viel neue Leseinspiration und zweitens verlost LovelyBooks fünf Bücherpakete für berichtende Blogger. Letzteres zu verraten ist natürlich sehr sehr dumm von mir, schon allein, was meine Gewinnschancen angeht, aber ich bin halt ein netter Mensch, und stehe außerdem auf Transparenz.

Was ich gewählt habe, verrate ich nicht, dafür wird es im Januar (oder Februar oder vielleicht auch März) wieder die persönlichen Top Ten des Jahres 2015 geben. Und außerdem muss ich ja noch sechs bis zehn Bücher lesen.

Gelesen: Um es kurz zu machen von Meike Winnemuth

Meike Winnemuth am Strand

Meike Winnemuth trug ein Jahr immer das gleiche Kleid, nur um zu gucken, wie das geht. Dann machte sie bei „Wer wird Millionär“ mit, gewann viel Geld und zog ein Jahr um die Welt, jeden Monat in einer anderen Stadt un schrieb darüber. Ihr Blog „Vor mir die Welt“ haben nicht nur ich, sondern auch viele andere Menschen mit Begeisterung und Fernweh verfolgt. Daraus wurde ein nicht minderschönes Buch mit dem Titel „Das große Los“, das ich bereits hier in höchsten Tönen pries. Jetzt hat sie ein neues Buch veröffentlicht: „Um es kurz zu machen – Über das unverschämte Glück auf der Welt zu sein“, eine Sammlung von Kolumnen, einmal quer durch alle Themenbereiche.

Es geht um Lieben, Hassen, Trödeln, Genießen, Abspecken, Ausprobieren, Aussehen und Einsehen. Meike Winnemuth schreibt darüber, wie sie sich von ihrem Auto trennen muss, dass ihr Jahre lang die Treue hielt, darüber, wie heilsam es sein kann, im Kino zu weinen, und darüber, wie jeder Mensch ein massenkompatibles Gericht haben sollte, dass er spontan auf den Tisch bringen kann, wenn sich ungeplant Gäste einfinden. Sie schreibt über unnütze und doch so wichtige Küchengeräte und darüber, wie man sich in einem Hotelzimmer am schönsten einigelt und auf dem Bett ein Picknick mit dem schönsten Junkfood des bereisten Landes veranstaltet. Es geht um die Freuden des Alleinseins und die Freuden der Geselligkeit. Um die Freuden des Schönseins und die der Nachlässigkeit. Die Freuden des Loslassens und die des Festhaltens.

Ich habe das Buch am französischen Atlantik quasi in einem Zug gelesen und würde behaupten, es gibt vielleicht keinen passenderen Ort, um dieses Buch zu lesen. Aber man kann natürlich auch nur ein oder zwei kleine Texte lesen und die Freude, die Meike Winnemuth hier großzügig teilt, über einen längeren Zeitraum verteilen. Lediglich die Kolumnen, bei denen es ums Aussehen und Stylen geht, fielen etwas ab, aber da bin ich vermutlich einfach auch nicht die richtige Zielgruppe.

Am Ende des Buches ist man tatsächlich glücklicher und hat nebenbei noch den einen oder anderen Trick gelernt, wie man sich das eigene Leben etwas einfacher, aufregender und schöner machen kann. Dann ist man nicht nur dankbar, auf dieser Welt zu sein, sondern auch dankbar, dass es auf dieser Welt Menschen wie Meike Winnemuth gibt. Was mich angeht, sammle ich jetzt auch meine Zwei-Euro-Münzen und lasse sie in eine Eulenspardose plumpsen. Und davon kaufe ich mir dann im nächsten Urlaub ein unnützes Küchengerät.

Um es kurz zu machen von Meike Winnemuth, erschienen 2015 im Knaus Verlag, 208 Seiten [Amazon-Werbelink]

Meike Winnemuths Webseite

Meike Winnemuths Kolumne im Stern

Gelesen im Oktober 2015

Der Oktober war dominiert von Hörbüchern. Dabei kann man hübsch blöde kleine Spiele (Two Dots!) auf dem iPhone spielen oder aus dem Zugfenster starren.

Salman Rushdie: Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte

Als Hörbuch gehört und außerdem mein erster Rushdie. War vielleicht beides oder zumindest in der Kombination ein Fehler, denn das Buch konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen, obwohl es doch vom Inhalt so klang, als könnte es genau mein Buch sein. Alte Mythologie verwoben mit der Welt, irgendwie ein bisschen apokalyptisch, ein bisschen märchenhaft. Hat aber leider gar nicht funktioniert, ich war eigentlich von so gut wie allen Charakteren mindestens einmal ganz furchtbar genervt, kein Identifikationspotential, wenn ich sie überhaupt auseinanderhalten konnte. Letzteres könnte aber auch ein Hörbuchproblem sein, das hatte ich bei „Dunkelsprung“ von Leonie Swann auch, da habe ich dann das Buch gelesen und da ging’s. Die Story, soweit ich sie noch zusammenkriege: Irgendwas mit alten Dschinns, die durch einen Riss zwischen den Welten von der Märchenwelt in unsere kommen und dann ist großer Weltuntergang mit Gekämpfe und zwischendurch auch ein bisschen Sex. Ich weiß ja nicht. Zudem fand ich das Buch sehr männlich, im negativen Sinne, da war so ein unterschwelliger Testosteronspiegel. Es gibt zwar auch starke Frauenfiguren, die waren mir aber dann wieder zu rar gesät und zu funktionshaft. Vielleicht muss es noch mal ein anderer Rushdie sein.

(Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte ergeben übrigens 1001 Nacht, wer sich über den Titel des Buches wundern sollte.)

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte von Salman Rushdie, deutsche Übersetzung von Sigrid Ruschmeier, erschienen 2015 im Bertelsmann Verlag, 384 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Jenny Erpendeck: Gehen, ging, gegangen

Das Buch, das als ganz großer Anwärter für den Deutschen Buchpreis gehandelt wurde, höchstaktuell, weil es um Flüchtlinge geht, in diesem Fall afrikanische Flüchtlinge, die sich einfach mitten in Berlin auf einen Platz setzen, um sichtbar zu werden. So erfährt auch der emeritierte Professor Richard davon und versucht jetzt in der Leere, die der Tod seiner Frau und der Verlust seines Jobs hinterlassen haben, mehr über diese Menschen herauszufinden. Das ist alles sehr schön eindringlich und in klarer Sprache geschrieben. Ich mochte das Buch, obwohl ich mich immer gefragt habe, ob das alles realistisch ist. Und das ist vielleicht das Hauptproblem, wenn ein Thema auf einmal so brisant wird, man kommt nicht umher, die Geschichte, die ja letzten Endes dann eben nur eine Geschichte ist, zu hinterfragen und auf seine Plausibilität zu überprüfen. Und weil man es eben nicht weiß, scheitert man ganz kläglich. Da kann das Buch aber nichts für.

Gehen, ging, gegangen von Jenny Erpenbeck, erschienen 2015 im Knaus Verlag, 352 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Seth Dickinson: The Traitor Baru Cormorant

Für den Online-Buchclub gelesen. Sehr politische Fantasy, auf der einen Seite mag ich das, weil es mich fordert, auf der anderen Seite merke ich dann immer, wie wenig politisch sensibel ich bin und wie ich meistens die etwas elaborierteren politischen Ränkespiele nicht durchblicke. Baru Cormorant wächst auf einer Insel mit ihrer Mutter und ihren zwei Vätern auf, die von dem Empire of Masks erobert wird. Die Masquerade räumt ordentlich auf, eine Beziehung besteht aus Mann und Frau, alles andere ist sexuell unhygienisch und wird bestraft.

Einer von Barus Vätern verschwindet, sie hingegen wird als Savant auf die Schule aufgenommen und sieht ihre einzige Chance darin, das System von innen zu zerstören. Was auf der anderen Seite bedeutet, dass sie innerhalb des Systems so weit aufsteigen muss, dass sie diese Chance überhaupt wahrnehmen kann. Doch dann wird sie als Imperial Accountant nach Aurdwynn versetzt, wo viele kleine Regionen nicht nur gegen die Masquerade rebellieren, sondern auch darüberhinaus um Machtstellungen konkurrieren. Klingt kompliziert, ist es auch. Darüber hinaus aber sehr spannend, wenn man bereit ist, sich in einer Fantasy-Geschichte auf sehr viel, sehr vielschichtiges politisches Zeug einzulassen. Sehr gern gelesen, große Empfehlung, auch wenn es sicherlich nicht ein Buch für jeden ist. Ich habe keine deutsche Übersetzung gefunden.

The Traitor Baru Cormorant von Seth Dickinson, erschienen 2015 bei Pan MacMillan, 400 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Antoine de Saint-Exupéry: Vol de nuit (deutsch: Nachtflug)

Auf Französisch gelesen und dabei festgestellt, dass ich entweder zu wenig Flugvokabular habe oder einfach nicht so richtig aufgepasst habe, denn ich habe deutlich weniger verstanden als mir lieb war und musste die Geschichte dann in der Wikipedia nachlesen. Da klingt sie sehr hübsch. Es geht um einen Flieger, der in einem Nachtflug in einen Sturm gerät und die Personen auf der Erde, die auf irgendeine Art mit dem Piloten verbandelt sind. Da ist der Mann, der den Nachtflug angeordnet hat, die Frau des Piloten und die Menschen, die verstreut über Südamerika versuchen, Kontakt mit dem Piloten zu halten. Vielleicht sollte ich das Buch noch mal lesen, jetzt, wo ich weiß, worum es geht. Kurz genug zum mehrfach lesen ist es ja. Oder mal das Scheitern eingestehen und auf Deutsch lesen. Gibt’s zumindest auf französisch für einen Euro fürs Kindle.

Vol de Nuit von Antoine de Saint-Exupéry, erschienen 1997 bei Gallimard (die Originalausgabe erschien 1930), 187 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Robert Galbraith/Joanne K. Rowling: Der Ruf des Kuckucks

Als Hörbuch gehört. Wenn man einmal drin ist, ist das allerbeste britische Krimiunterhaltung. Aber ich mochte ja schon Ein plötzlicher Todesfall. Das Model Lula stürzt vom Balkon. Die Untersuchungsergebnisse sagen: Selbstmord. Doch der Bruder von Lula will nicht daran glauben und engagiert den Privatdetektiv Cormoran Strike, um den Fall aufzurollen und zu beweisen, dass es doch Mord war. Wenn Joanne K. Rowling etwas kann, dann eine sehr dichte Welt mit vielen glaubwürdigen Personen erschaffen. Das hat bei Harry Potter funktioniert und funktionierte genauso in Ein plötzlicher Todesfall und jetzt eben auch in Der Ruf des Kuckucks. Mal abgesehen davon, dass man sich das ganze richtig gut als Miniserie vorstellen kann und das meine ich in diesem Fall sehr positiv. Der zweite Band steht jedenfalls schon auf meinem Audible-Merkzettel.

Der Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith/Joanne K. Rowling, deutsche Übersetzung von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz, erschienen 2013 bei Blanvalet, 640 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Kerstin Gier: Silber – Das dritte Buch der Träume

Und noch ein Hörbuch, einfach, weil ich die ersten beiden Bände schon gehört hatte und spannend genug fand, außerdem sehr gut gelesen. Das ist jetzt mal wieder Jugendliteratur. Es geht um Liv Silver, die in London in einer Patchworkfamilie wohnt: Liv, ihre Schwester Mia, ihre Mutter, deren Freund und dessen beiden Kinder Grayson und Florence. Außerdem das österreichische Kindermärchen Lotti, die quasi dauernd backt, ein sehr sympathischer Charakter. Liv hat schon im ersten Band gelernt, wie man kontrolliert träumen und sich in die Träume anderer Menschen schleichen kann. Es ist allerdings sehr kompliziert, die Handlung des dritten Buchs zu beschreiben, ohne auf die ersten beiden Bücher Bezug zu nehmen. Im dritten Band kommt es jedenfalls zum großen Finale, denn wer in den Träumen anderer Menschen Macht hat, der nutzt diese nicht immer zum Guten. Manche Aspekte der Geschichte sind etwas konstruiert und überzogen (es kommen Dämonensekten vor und… nu ja, Lotti spricht anscheinend auch auf Englisch mit sehr österreichischem Akzent), insgesamt lässt sich das ganze aber sehr flüssig und spannend lesen bzw. hören und ist mal eine gelungene Abwechslung, wenn man kurz vorher noch komplizierte politische Fantasy gelesen hat. Macht Spaß und unterhält souverän. Mehr will man ja manchmal gar nicht.

Silber – das dritte Buch der Träume von Kerstin Gier, erschienen 2015 bei Fischer FJB, 464 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Gelesen im September 2015

Im September waren wir zwei Wochen im Urlaub, ich habe also noch mehr gelesen als sonst so üblich.

Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Harari erzählt die Geschichte der Menschheit von der Stein- bis in die Neuzeit. Tatsächlich fand ich vor allem die frühen Kapitel sehr spannend und erkenntnisreich. Danach wurde es irgendwann etwas schnell und verwirrend, vielleicht habe ich aber auch nur zu schnell gelesen, das mache ich gerne so, ich vergesse auch immer schnell wieder, was ich so alles gelesen habe, bei Sachbüchern ist das nicht immer von Vorteil. Aber die interessantesten Dinge bleiben trotzdem hängen und so weiß ich jetzt, dass sich die ersten Bauern vermutlich weniger gesund und ausgewogen ernährt haben wie ihre Vorgänger, die noch gejagt und gesammelt haben. Und man kann sich eben die Frage stellen, ob Fortschritt immer so super ist, aber das fragen wir uns ja sowieso dauernd.

Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah Harari, deutsche Übersetzung von Jürgen Neubauer, erschienen 2013 bei der Deutschen Verlags-Anstalt, 528 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Meike Winnemuth: Um es kurz zu machen: Über das unverschämte Glück, auf der Welt zu sein

Dass Meike Winnemuth eine tolle Frau ist, die tolle Sachen macht, um dann tolle Bücher darüber zu schreiben, das muss ich hier hoffentlich keinem erzählen. Das hier ist eine Sammlung ihrer Kolumnen aus diversen Zeitschriften. Ich habe das stilecht auf einem kleinen Strandstühlchen im Sand am Meer gelesen. Das liest sich zackig durch, na komm, eine Geschichte noch, huch, Buch zu Ende! Ein Buch zum Glücklichmachen. Gelacht habe ich auch. Eine ausführliche Rezension folgt.

Um es kurz zu machen von Meike Winnemuth, erschienen 2015 im Knaus Verlag, 208 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Ned Beauman: Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort

Vom Klappentext her hatte ich wirklich eine komplett andere Geschichte erwartet, irgendwas vollkommen absurdes mit Teleportationsmaschinen und so weiter. Tatsächlich kommt eine Teleportationsmaschine vor, diese ist aber nur der Aufhänger für die Geschichte von Egon Loeser, erfinderischer Bühnenbilder und überzeugt davon, dass die Welt ihm noch irgendwas schuldig ist. Dieser trifft im Berlin des Jahres 1931 auf einer Party auf seine ehemalige Nachhilfeschülerin Adele Hitler (keine Verwandtschaft) und ist von da an von dem Gedanken besessen, eben diese ins Bett zu bekommen. Was sich schwieriger rausstellt als gedacht, so dass Egon Loeser von Berlin über Paris bis nach Los Angeles jagt, immer auf der Suche nach Adele und immer vom Pech und dem Gefühl verfolgt, alle anderen hätten es besser als er. Das macht den Protagonisten nicht unbedingt sympathischer, das Buch ist aber dennoch ein großer Spaß und tatsächlich doch noch schön absurd, nur eben nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort von Ned Beauman, deutsche Übersetzung von Robin Detje, erschienen 2013 im Dumont Verlag, 416 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Megan Shepherd: The Cage

Im Urlaub abends angefangen und durchgelesen. Wie spät es dann war, weiß ich nicht, ich habe absichtlich nicht auf die Uhr geschaut. Das spricht schon mal für das Buch. Die Geschichte: Fünf Jugendliche wachen in einer seltsamen Umgebung auf. Alles ist da: Wüste, Meer, Wald und eine kleine Stadt, in der sie versorgt werden, aber was sollen sie hier? Ab hier gibt es Spoiler, also aufgepasst: Tatsächlich sind die fünf Teenager gefangen in einem Habitat von Außerirdischen. Was der Plan ist, das verrate ich jetzt natürlich nicht. Das Buch ist offensichtlich ausreichend spannend, sonst hätte ich es ja nicht in einem Zug gelesen. Die Geschichte wird gut durchgezogen und hat alles, was eine ordentliche YA-Science-Fiction braucht, da kann man nicht klagen. Aber: Ich war bis zum Schluss nicht sicher, ob mir das alles nicht zu absurd ist. Wirklich erklären kann ich nicht, was mich gestört hat, es war eher so ein dumpfes Gefühl, dass ich hier als Leser etwas zu leicht um den Finger gewickelt wurde. Auf der anderen Seite wurde ich ordentlich unterhalten, also ist es vielleicht auch egal. Eine deutsche Übersetzung konnte ich bislang nicht finden, kommt aber bestimmt auch.

The Cage von Megan Shepherd, erschienen 2015 bei Balzer & Bray, 405 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Maximilian Buddenbohm: Zwei, drei, vier: Wie ich eine Familie wurde

Es bot sich an, auch mal etwas von Herrn Buddenbohm zu lesen. Das heißt, ich lese ja dauernd etwas von Herrn Buddenbohm, nur eben in seinem Blog und nicht als Buch. Letzteres kann man aber auch schön machen. In diesem Buch schreibt Maximilian Buddenbohm davon, wie er die Herzdame kennenlernte, sie heiratete und mit erst dem einen und dem anderen Sohn eine richtige Familie mit allem drum und dran wurde. Auch für Leute wie mich, die ja dank Blog das Gefühl haben könnten, eh alles zu wissen, standen da noch viele neue Dinge drin. Und amüsant war es auch noch, aber das sind wir ja aus dieser Ecke nicht anders gewohnt.

Zwei, drei, vier: Wie ich eine Familie wurde von Maximilian Buddenbohm, erschienen 2010 im Paulinus Verlag, 200 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Naomi Novik: Uprooted

Sehr schöne Fantasy, wirklich, das habe ich – das kann ich schon mal vorwegnehmen – sehr gerne gelesen. Alle zehn Jahre kommt der Drachen von seiner Burg und wählt ein junges Mädchen aus, dass für zehn Jahre bei ihm bleiben wird. Was in diesen zehn Jahren passiert, weiß niemand, aber alle im Dorf wissen, dass Kasia die Auserwählte sein wird. Kasia, die schöne, kluge. Auch Agnieszka, Kasias beste Freundin, weiß das. Und dann kommt natürlich alles anders, man verrät wirklich überhaupt nichts, wenn man sagt, dass der Drachen (der kein Drachen ist, sondern nur ein geheimnisvoller Mann) Agnieszka auswählt. Denn die Geschichte geht dann in eine völlig andere Richtung, als man so gewohnt ist. Das ist alles sehr schön geschrieben, sehr dicht und spannend. Auch so ein Buch, bei dem ich mit dem Lesen nicht aufhören wollte.

Uprooted von Naomi Novik, erschienen 2015 im Del Rey Verlag, 448 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

John Green: Paper Towns

John Green mal wieder. Den schätze ich ja schon wegen seiner Videos für Mental Floss. Seine Jugendbücher gehen ja auch weg wie warme Semmel und werden dann verfilmt und gehen dann noch mehr weg wie warme Semmel. Paper Towns heißt in der deutschen Übersetzung Margos Spuren und kam auch kürzlich in die Kinos. Quentin ist seit jeher in seine Nachbarin Margo verliebt, in der High School gehört er aber eher zu den Außenseitern, während Margo zu den hippen Leuten gehört. Dann steht sie eines Tages bei ihm am Fenster und fordert ihn auf, ihr bei einem kleinen Rachefeldzug zu helfen, der sie eine Nacht lang quer durch die Stadt treibt. Am nächsten Tag ist Margo verschwunden. Quentin ist davon überzeugt, dass Margo ihm Spuren hinterlassen hat, die ihm zeigen, wo sie ist und begibt sich mit seinen Freunden auf die Suche. Das Buch endet lustigerweise sehr antiklimaktisch und man muss ein bisschen nachdenken, bis man versteht, dass es vielleicht nie um Margo ging, sondern um das, was Quentin bewegt, um sie zu finden. Sehr solide Jugendliteratur, da muss man sich um die Jugend von heute nicht sorgen, wenn sie wirklich sowas liest.

Paper Towns von John Green (deutsch Margos Spuren, übersetzt von Sophie Zeitz), erschienen 2009 im Speak Verlag, 336 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Ingrid Jonach: When the World was Flat (and we were in love)

Noch mal YA-Science-Fiction. Girl meets boy. Boy ist etwas schwer zugänglich, yadayadayada, hatten wir alles schon, liest sich aber in diversen Variationen ja immer ganz flockig, gerade im Urlaub. Wenn es dann zum Science-Fiction-Teil kommt, wird es irgendwann meines Erachtens etwas unlogisch, vielleicht habe ich aber nur nicht aufgepasst. Die Pointe kann ich dann auch wieder nicht vorwegnehmen, deswegen darf hier auch wieder kein Buzzword fallen, denn dann wäre schon wieder alles verraten. Ich hab’s gern gelesen, trotz bekannten Mustern und anfechtbarer Logik. Man liest das so runter und ist dabei gut unterhalten, mehr will man ja manchmal gar nicht. Die Kindle-Version kostet auch nur 2 Euro, da kann man wirklich nicht meckern.

When the World was Flat (and we were in love) von Ingrid Jonach, erschienen 2013 bei Angry Robots, 272 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Armin Maiwald: Aufbau vor laufender Kamera

Die Autobiografie von Armin Maiwald. Anfang des Jahres waren wir bei der Lesung, das war schon sehr interessant. Maiwald ist übrigens der, der Die Sendung mit der Maus erfunden hat. Ich bin immer wieder irritiert, dass niemand den Namen kennt und ich das jedes Mal erklären muss. Maiwald schreibt also alles auf, von seiner Kindheit im und nach dem Krieg, von den ersten Schritten beim Fernsehen, von seiner Familie und überhaupt allem. Man lernt eine Menge über die Geschichte des Fernsehens, man ahnt ja gar nicht, was früher alles nicht oder nur mit sehr viel Aufwand überhaupt funktionierte. Man lernt auch eine Menge über Köln. Maiwald schreibt ungefähr so, wie er auch seine Sachgeschichten erzählt. Bei jedem anderen Autoren hätte mich das vielleicht verwirrt, hier passt es. Sehr tolles, persönliches Buch.

Aufbau vor laufender Kamera von Armin Maiwald, erschienen 2015 bei Kiepenheuer & Witsch, 336 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Mathias Malzieu: Der kleinste Kuss der Welt

Ein schönes kurzes Märchen voll mit wunderbaren Sätzen. Das bisher beste Buch von Mathias Malzieu. Ich habe hier darüber geschrieben.

Der kleinste Kuss der Welt von Mathias Malzieu, deutsche Übersetzung von Sonja Finck, erschienen 2015 bei carl’s books, 144 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Inger-Maria Mahlke: Wie ihr wollt

Eines der Bücher, dass mir beim Anlesen der Bücher auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gut gefiel und dann noch auf die Shortlist kam. Erzählt wird die Geschichte von Mary Grey, die bei der englischen Königin in Ungnade fiel und seit Jahren Hausarrest hat. Mary Grey erzählt selber und schreibt in ihrer Gefangenschaft ihre Geschichte auf, die letztlich auch die Geschichte des Kampfs um die Macht ist. Das Ganze ist auf der einen Seite ganz flott und amüsant erzählt, allerdings kommt man durch Zeitsprünge und etwas verwirrende Bezeichnungen der weiteren Verwandtschaft schnell durcheinander und muss entweder mit der Verwirrung leben oder dauernd bei Wikipedia nachschlagen. Da hilft auch der Stammbaum oder das kurze Personenregister im Buch nicht so viel. Zudem bleiben die Figuren (was auch an der allgemeinen Verwirrung liegt) sehr unnahbar. Was zurückbleibt: Das ganz gute Gefühl, dass man selber nie und nimmer in die Intrigen einer Königsfamilie verwickelt sein möchte. Ein gutes Buch, doch doch, man muss sich eben drauf einlassen. Ob’s für den Buchpreis reicht, keine Ahnung, ich habe die anderen Bücher nicht gelesen und auch vermutlich einen anderen Geschmack als die Juroren. Ungewöhnlich und – um mal ein Klischee zu bedienen – mutig ist es allemal.

Wie ihr wollt von Inger-Maria Mahlke, erschienen 2015 im Berlin Verlag, 272 Seiten [Amazon-Werbelink]

Gelesen: Der kleinste Kuss der Welt von Mathias Malzieu

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„Der kleinste je verzeichnete Kuss. Ein grelles Licht, und dann nichts.

Sie war fort.

So plötzlich, wie sie aufgetaucht war, war sie auch wieder verschwunden. Als wäre ihr Mund ein magischer Schalter – wenn man ihn umlegt, löst sie sich in Luft auf. Zurück blieb nur die asthmatische Melodie ihrer Lungen in d-Moll.“

Der Protagonist des Buches, ein deprimierter Erfinder, küsst eine Frau, die daraufhin unsichtbar wird und verschwindet. Betört von dem kleinsten je verzeichneten Kuss macht sich der Mann auf die Suche nach der unsichtbaren Frau, trifft auf die Apothekerin Louisa, der er sein Leid klagt und die ihn an den Privatdetektiv Gaspard Neige vermittelt, der ihm seinen abgerichteten Papagei Elvis leiht, der ihm bei der Suche helfen soll.

So einfach, so gut. Malzieus Märchen zeichnen sich eben auch weniger durch eine komplexe Handlung aus, sondern durch die wirklich wunderbare Sprache, die einem immer wieder ein verträumtes „Hach!“ entfahren lässt. Das war schon bei Die Mechanik des Herzens und Metamorphose am Rande des Himmels so, zumindest gefühlt ist es bei Der kleinste Kuss der Welt noch eine Spur besser, schöner, perfekter. Kleine Sätze wie Schokoladenküsse, und zwar nicht die, die man bei uns kaufen kann, sondern die von dem Protagonisten fabrizierten Schokoladenküsse, die nicht nur so heißen, sondern auch genauso schmecken: Wie ein Kuss eben.

Während mich Die Mechanik des Himmels noch etwas unterwältigt zurückgelassen hatte, läuft Malzieu bei Der kleinste Kuss der Welt zu seiner Hochform auf. Hier passt alles, nichts wirkt fehl am Platz, man wird von der Geschichte mitgenommen, vor allem aber von den wunderbaren Ideen und den schönen Sätzen, in die diese Ideen gepackt wurden. Deswegen eignen sich möglicherweise auch ein paar Zitate am besten dazu, herauszufinden, ob Der kleinste Kuss der Welt ein Buch ist, das einem gefallen könnte.

„Als erstes pflanzte ich einen Mundharmonikabaum auf die Dielen. Mittlerweile erntete ich ungefähr ein Instrument pro Woche. Später kamen Ukulelen dazu, eine alte Gitarre aus Mississippi und schließlich eine ganze Skateboardfamilie. Ich begann sogar, Kampfeichhörnchen zu züchten, die sich im Dachboden einnisteten. Sie wärmten mir das Herz und machten mir Mut.“

„Ich hatte vor, mich als Vertreter für magische Krawatten auszugeben. Ich verstand etwas vom Fach, weil ich ein paar Jahre zuvor am Strand von Palavas-les-Flots lebendige Hotdogs verkauft hatte: warme Welpen zwischen zwei riesigen Brotscheiben.“

„Sie weckten das Werwolfeichhörnchen, das in meinem roten Blutkörperchen schlummerte. Normalerweise erwacht es nur, wenn mein Melancholiewert 80 % überschreitet und ich es großzügig mit Whisky-Cola begieße, aber jetzt lief es zu Hochtouren auf und schoss in meinem Körper Feuerwerksraketen ab.“

Wer bei diesen Sätzen eher „Hach!“ als „Hä?“ sagt, dem sei diese ungewöhnliche, aber nie alberne Liebesgeschichte wärmstens an sein Kampfeichhörnchenherz gelegt.

Der kleinste Kuss der Welt von Mathias Malzieu, deutsch von Sonja Finck, erschienen 2015 bei carl’s books, 144 Seiten, 12,99 Euro (Broschiert). Erhältlich bei Amazon [Werbelink], bei der Halder-Buchhandlung in Winnenden und in jedem anderen Buchladen.

Gelesen im August 2015

Patrick Ness: Die Nacht des Kranichs

Blieb etwas hinter den Erwartungen zurück, konnte aber in den richtigen Momenten auch verzücken. Ich schrieb bereits hier darüber.

Die Nacht des Kranichs von Patrick Ness, deutsche Übersetzung von Sibylle Schmidt, erschienen 2014 im Hanser Verlag, 320 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Zoë Beck: Schwarzblende

Eigentlich für meinen Mann gekauft, damit er auch mal was von Frau Beck liest, danach habe ich es auch gelesen, erstens, weil ich wollte und zweitens, weil mein Mann sich mit mir darüber unterhalten wollte. Kameramann Niall wird durch einen Zufall mitten in einen Terroranschlag reingezogen. Zwei Männer ermorden mitten am Tag und mitten in London einen Mann im Namen des islamischen Staaten. Erst wird Niall verdächtigt, mit beteiligt zu sein, dann bekommt er den Auftrag, eine Dokumentation über den Fall zu drehen. Und dann kommt natürlich alles ganz anders und tatsächlich auch ganz anders, als man es als Leser erwartet.

Zoë Beck schreibt wie gewohnt sehr straight und schnörkellos, Schwarzblende liest sich quasi von alleine. Über die überraschende Auflösung muss man dann auch erst mal nachdenken oder – wie in unserem Fall – diskutieren. Es wird spannend, düster und auch deutlich politisch und wer mal wieder genau so einen Thriller lesen will, kann hier sehr schön zugreifen.

Schwarzblende von Zoë Beck, erschienen 2015 im Heyne Verlag, 416 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Patricia Cammarata: Sehr gerne, Mama, du Arschbombe

Noch mehr Bücher von Menschen, die ich kenne. Hurra! Patricia Cammarata aka Das Nuf schreibt jetzt nicht nur auf ihrem Blog, sondern auch in höchstoffiziellen Büchern über das Leben mit Kindern. Das ist nicht nur amüsant sondern auch in hohem Maße lehrreich, erst recht für kinderlose Menschen wie mich. Eine ausführliche Rezension folgt, ansonsten kann man aber schon beim Familienbetrieb und bei Frau Nessy nachlesen, wie sie das Buch fanden.

Sehr gerne, Mama, du Arschbombe von Patricia Cammarata, erschienen 2015 bei Bastei Lübbe, 240 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Nina Fröhlich: 100 Dinge, die man im Liegen machen kann

Liegen. Ganz mein Thema. Ich berichtete hier darüber.

100 Dinge, die man im Liegen machen kann von Nina Fröhlich, 2015 erschienen im Goldmann Verlag, 186 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

„Wir nennen es Wirklichkeit“: Denkanstöße zur Netzkultur

Letztes Jahr irgendwann gekauft, schon allein, weil Texte von Kathrin Passig, Moritz Metz und Holger Klein dabei waren, alles Leute, die ich kenne (schon wieder). Es handelt sich um eine Reihe von Essays zu unterschiedlichen Aspekten der Netzkultur über Post Privacy, Datenschutz und die digitale Bohème bis hin zu Podcasts und Mobbing. Wie zu erwarten fand ich einige Texte mehr und andere weniger interessant, etwas gelernt habe ich aber jedes Mal. In Teilen vielleicht etwas akademisch, aber hey, es ist der Reclam-Verlag, das war zu erwarten. Ansonsten habe ich viele bunte Post-Its ins Buch geklebt, es hat sich also auch immer wieder etwas merkens- und wieder nachschlagenswertes gefunden.

„Wir nennen es Wirklichkeit“: Denkanstöße zur Netzkultur, herausgegeben von Peter Kemper, Alf Mentzer und Julika Tillmanns, 2014 erschienen im Reclam Verlag, 258 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Joanna Rakoff: Lieber Mr. Salinger

Joanna Rakoff arbeitete in den Neunziger Jahren direkt nach dem Studium in New York City für genau die Agentur, die auch J.D. Salinger vertritt (bzw. vertrat) und hat jetzt ein Buch darüber geschrieben. Es geht um die Agenturarbeit, ihre Kollegen und ihre Chefin, und natürlich auch ihr Leben vor und nach der Arbeit mit ihrem Freund, der sich als missverstandener Schriftsteller geriert und die kleine Wohnung, die im Winter über den Herd geheizt werden muss, weil es keine Heizung gibt. Das ganze mäandert erstmal so etwas rum, man ist unsicher, ob man das jetzt wirklich alles so interessant ist, gewinnt aber an Fahrt und wird vor allem ab der Stelle spannend, als es um die gescheiterte Veröffentlichung von Salingers Kurzgeschichte „Hapworth 16, 1924“ geht. Ich habe ja als Teenager alles von Salinger gelesen, was man so bekommen konnte (was überschaubar ist) und weiß noch, wie aufgeregt war, als es hieß, es sollte ein neues Buch erscheinen, was dann eben doch nicht passiert ist. Kann man schön machen, vor allem, wenn man wie ich ein gewisses Faible für Salinger und/oder New York City hat. Ausführliche Rezension führt.

Lieber Mr. Salinger von Joanna Rakoff, deutsche Übersetzung von Sabine Schwenk, 2015 erschienen im Albrecht Knaus Verlag, 304 Seiten [Amazon-Werbelink]

 

Andreas Brendt: Boarderlines

Beim Surfurlaub ein Buch übers Surfen gelesen. Kann man gut machen. Berichtet habe ich hier darüber.

Boarderlines von Andreas Brendt, erschienen 2015 im CONBOOK Verlag, 416 Seiten [Amazon-Werbelink]