Kategorie: Bücherzeug

Bücher in Kameras halten

Mein Hauptproblem ist ja, dass ich bei vielen Dingen immer sehr schnell „Das kann ich auch!“ denke und das anschließende Problem ist dann, dass ich das auch ausprobieren möchte. Das Internet ist dabei nicht hilfreich, denn erstens findet man da viele Dinge, bei denen man „Das kann ich auch!“ denkt und zweitens hilft es einem dann noch dabei, das selber auszuprobieren.

Nach eingehender Beschäftigung mit dem Phänomen Booktuber inklusive tiefgehender Rercherche bin ich jetzt also irgendwie selbst eine, zumindest ein bisschen. Im ersten Versuch halte ich nur Bücher in die Kamera, die ich für den anstehenden Urlaub bestellt habe. Der Nachteil dieser Unboxing-Videos ist, dass man die Bücher ja noch nicht gelesen hat und dementsprechend wenig darüber zu sagen weiß. Der Vorteil ist, dass man quasi nix dafür machen muss, aber von diesem Vorteil hat nur der Booktuber selber etwas.

Nachdem das erste Video dann schon mal gemacht und hochgeladen war, habe ich ein wirklich schlimmes Buch gelesen und das dann gleich zum Anlass genommen, noch mal ein Video zu drehen. Der Vorteil: Immerhin wusste ich diesmal, worüber ich rede. Der Nachteil: Im Prinzip rege ich mich eine Viertelstunde nur auf, aber zwischendurch gibt es immerhin eine lobende Erwähnung von Bov Bjergs Auerhaus.

Dafür lerne ich bei jedem Mal ein bisschen mehr: Wie man die Kamera ordentlich positioniert, wie man das ganze zusammenschneidet, wie man andere Bilder einbindet, wie man Sound einbettet, wie man Standbilder erstellt und und und… Zu irgendwas wird es also bestimmt gut sein und sei es nur, dass ich noch mal beweise, dass man wirklich ganz dringend die Hände zum Reden braucht und auf jeden Fall seine beiden Freunde Gin und Tonic mit zur Rezensionsparty mitbringen sollte.

Gelesen im Juli 2016

Erst dachte ich, ich hätte wenig gelesen, es stellt sich aber raus, dass ich immerhin ganz knapp vier Bücher geschafft habe, davon allerdings drei als Hörbuch. Das fünfte Buch habe ich abgebrochen, weil es mir zu doof war und das will nun wirklich was heißen.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann

Schon überall sonst gefühlt hochgelobt, auf Spotify gab es das Hörbuch und ich war sehr angetan, eventuell sollte man das auch unbedingt als Hörbuch hören, denn Thees Uhlmann liest selbst und einige sprachliche Eigenheiten, die etwas eigenwillig wirken, funktionieren enorm gut, wenn man weiß, wie Thees Uhlmann liest.

Als es eines Morgens klingelt, öffnet der Protagonist die Tür und vor ihm steht der Tod, der ihm eröffnet, dass er jetzt leider mitkommen muss, ein paar Minuten hätte er noch, dann wäre aber Schluss. Dann klingelt aber auch Sophia, die Ex-Freundin des Erzählers und auf einmal kommt alles durcheinander, das Sterben wird verstorben, statt dessen ziehen Sophia, der Tod und der Erzähler durch die Straßen, trinken Bier in einer Kneipe und brechen am nächsten Tag zusammen zur Mutter des Protagonisten auf.

Das ganze ist so unglaublich liebevoll und witzig erzählt, dass man gar nicht möchte, dass das Buch endet. Die Freude des Todes, einmal auch am Leben teilzuhaben und etwas zu unternehmen, die Frotzeligkeit von Sophia und natürlich der Erzähler, der es sich während seiner letzten Tage nicht nehmen lässt, die Welt insgesamt doch ganz gut zu finden und noch einmal ganz besonders zu lieben. Das Buch hat jede Lobhudelei aber sowas von verdient.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann [Amazon-Werbelink]

 

Broken House von Gillian Flynn

Kurzgeschichte von Gillan Flynn, die ja vor allem mit Gone Girl bekannt wurde. Auch hier spielt sie mit Psychothriller- und Horrorelementen, die Story ist schön doppelbödig und liest bzw. hört sich schnell runter. Die Protagonistin ist Nerdy und arbeitet in einem Salon für Wahrsagerei und sexuelle Dienstleistungen. Ihre Chance sieht sie gekommen, als sie Susan Burke trifft, die davon überzeugt ist, dass es in ihrem Haus spukt. Auf knapp 60 Seiten bringt Flynn ausreichend viele überraschende Wendungen unter und auch sonst kann man das schön zwischendurch lesen oder wie ich auf Spotify als Hörbuch hören.

Wenn der Verlag endlich mal aufhören würde, die Originaltitel von Gillian Flynn mit anderen englischen Titeln zu ersetzen (Broken House heißt im Original The Grownup), wäre ich noch einen Ticken glücklicher, denn so weiß man nie, welches Buch man schon kennt und ob die vorliegende Version das Original oder die deutsche Übersetzung ist.

Broken House von Gillian Flynn [Amazon-Werbelink]

 

Time Traders von Andre Norton

Für den Onlinebuchclub gelesen und eher so hm gefunden. Man kann auch leider nicht sagen „Nicht vom komischen Cover irritieren lassen!“, denn das wäre irreführend, das Cover passt leider hervorragend zum Buch. Aber gut, dann habe ich jetzt mal Pulp Science-Fiction aus den fünfziger Jahren gelesen, das kann man ja mal machen.

Der Name sagt es schon, es geht um Zeitreisen, wobei die Mechanismen eher dürftig erklärt werden, die Amerikaner sind hinter irgendwelchen Artefakten her, die sie in der Vergangenheit vermuten, die Russen sind die Gegenspieler und irgendwo dazwischen ein Antiheld-Held, der die ganzen sehr sehr langen und sehr sehr weiligen 150 Seiten des Buches nur rumreagiert. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, ist es vielleicht ganz okay, Stimmen im Onlinebuchclubforum freuten sich über die anscheinend ganz gut gelungene Darstellung der Glockenbecherkultur. Manche lasen aus Versehen den zweiten Band der Reihe, weil es die englische Ausgabe fürs Kindle umsonst mit beiden Büchern gibt, das vorne aber nicht drauf steht. Das zweite Buch scheint besser zu sein. Ich war nach 150 Seiten froh, dass es vorbei war und habe aber immerhin gelernt, dass es die Glockenbecherkultur gab.

Time Traders von Andre Norton [Amazon-Werbelink]

 

The Last Wish von Andrzej Sapkowski

Auch für den Onlinebuchclub gelesen bzw. gehört. Ebenfalls nicht meins, aber sehr viel besser als Time Traders, so dass ich heilfroh war. The Last Wish ist das erste Buch der Witcher-Reihe (auf der auch die gleichnamige Computerspielreihe basiert) von Andrzej Sapkowski, polnische Fantasy also, kann man ja auch mal machen.

The Last Wish ist eigentlich eine Reihe von Kurzgeschichte, sieben insgesamt, die von einer groben Rahmenhandlung umfasst werden. Ich habe etwas gebraucht, um reinzukommen, dann war das aber alles sehr unterhaltsam und sogar mit einem angenehm trockenen Humor versehen. Geralt ist der Witcher, der hier von Abenteuer zu Abenteuer wandert, immer wieder sind Märchenthemen mit eingebaut, so dass man schon ein lustiges Suchspiel aus den Geschichten basteln kann, das fand ich recht amüsant. Und auch sonst wird hier eine schöne komplexe Fantasywelt gebaut, mit bekannten und neuen Elementen, da kann man nicht meckern. Falls ich nicht 500 Bücher als Leseproben auf dem Kindle und um die 20 Bücher auf dem Stapel neben dem Bett liegen hätte, ich würde durchaus in Betracht ziehen, die Reihe weiterzulesen. Die Hauptfiguren schön komplex, der Unterhaltungsgrad hoch, die Geschichten ausreichend spannend und fantasievoll, da kann man nicht klagen.

The Last Wish von Andrzej Sapkowski [Amazon-Werbelink]

 

Abgebrochen:

Macht von Karen Duve

Auf Vorschlag probiert, gab es Gott sei Dank als Hörbuch bei Spotify, so dass ich wenigstens kein Geld dafür ausgegeben habe, denn Herrgott, was hätte ich mich geärgert, hätte ich dafür bezahlt. Karen Duves Macht wurde ja schon in zahlreichen anderen Medien zerrissen und ich kann hier nichts zur Ehrenrettung des Buches schreiben.

Ungefähr bis zur Stelle der ersten Vergewaltigung gehört, dann entschieden, dass ich sowas nicht unbedingt mehrere Stunden lang ertragen muss, also das letzte Kapitel gehört, um wenigstens zu wissen, wie es ausgeht, so neugierig war ich immerhin. Dann damit weitergemacht, das Buch rückwärts zu hören, was erstaunlicherweise total gut ging, anscheinend verpasst man nicht so viel, wenn man die Mitte einfach weglässt, alles, was man zum Verständnis braucht, kann man sich ganz gut zusammenreimen und eigentlich ist es auch egal.

Und mit egal hätten wir auch eine ganz gute Zusammenfassung zu diesem Buch. Die Intention ist spannend genug, die Zukunftsvision tatsächlich ganz interessant und zumindest scheinbar detailliert, letztlich bleibt aber alles egal. Es geht um den 70-jährigen Sebastian, der dank der Verjüngungspillen Ephebos (leider krebserregend, but so what?) wie Ende 30 aussieht, und der schönen neuen Welt, in der Staatsfeminismus herrscht und es Fleisch und Benzin nur gegen CO2-Gutscheine gibt und blablabla, jedenfalls steht Sebastian dieser untergehenden Welt sehr verbittert gegenüber und hat seine Frau kurzerhand im Keller angekettet, um sie zu demütigen und irgendwie seine Machtposition als Mann zumindest zwischendurch genießen zu können. Macht ist dann auch zu allem Überfluss noch aus der Sicht von Sebastian geschrieben, so dass man auch noch dauernd Rechtfertigungslitaneien lesen muss. Im Prinzip ist es ein langer, sehr langer, extrem langer Facebookkommentarthread zu einem Feminismusthema mit besonders kruden Ansichten, nur in besser geschrieben. Aber ich lese keine Facebookkommentarthreads mit kruden Ansichten, schon rein aus Mentalhygienegründen und Karen Duve schreibt zwar gut und gelegentlich sogar ganz witzig, aber nicht gut genug, als dass es den Rest wieder wettmachen dürfte.

Man muss diese Bewertung natürlich mit Vorsicht genießen, ich habe vielleicht ein grobes Viertel des Buches gelesen bzw. gehört, eventuell sogar ein Drittel und kenne den ganzen Mittelteil nicht, vielleicht steckt ja da irgendwas Sinnstiftendes drin, am Anfang und am Ende habe ich jedenfalls nichts gefunden und nach einer kurzen Hörpause beschlossen, dass ich mir das nicht weiter antun muss. Um 400 Seiten zu lesen brauche ich bessere Argumente als kalkulierte Provokation.

Macht von Karen Duve [Amazon-Werbelink]

Urlaubslektürepläne

Auch dieses Jahr geht es in den Frankreichurlaub, ganze drei Wochen werden wir an der Atlantikküste verbringen, Surfen, Essen und auch zu einem guten Anteil Rumliegen. Beim Rumliegen kann man auch schöne Dinge tun. Schlafen zum Beispiel, schlafen finde ich super. Nichts tun ist auch eine gute Wahl, einfach mal nichts tun. Alternativ kann man auch lesen und wie jedes Jahr plane ich, im Urlaub ein Buch nach dem anderen zu lesen und habe mir dementsprechend schon eine Urlaubslektüreliste angefertigt. Sie ist grob unterteilt in drei Themengebiete, die hier auch nicht im Detail zu diskutieren sind. Eventuell passen die Bücher nämlich gar nicht in das von mir ausgedachte Themengebiet, klingen aber so oder sind aufgrund einer nicht mehr nachvollziehbaren Assoziationskette dort gelandet. Da ich ja auch keines der Bücher gelesen habe, kann es auch sein, dass meine Vorstellung vom Inhalt nicht dem tatsächlich Vorzufindenden entspricht. Das ist mir aber egal.

Romane von klugen jungen Frauen, im besten Fall mit Nostalgieanteil

    

Alexandra Tobors Buch steht ohnehin schon auf der Wunschliste, bevor sie überhaupt mit dem Schreiben angefangen hat. Ich hätte es auch schon längst gelesen, war aber der Meinung, es gehört unbedingt in Frankreich am Strand gelesen. Von Kirsten Fuchs Mädchenmeute habe ich auch nur gutes gehört, mal abgesehen davon, dass ich 2014 Kurzgeschichten von ihr gelesen habe und sehr lachen musste. Empfehlenswert ist hier auch der Podcast von Viertausend Hertz. Vea Kaiser habe ich auf der LitBlogCon im Juni im Interview erlebt und war sehr angetan. Hier ist die Spannung also auch groß, denn von ihr habe ich tatsächlich bislang noch nichts gelesen.

 

Moderne Literatur mit irgendwie was mit Science Fiction von deutschen AutorInnen

      

Alles fünf Bücher von jungen deutschen bzw. deutschsprachigen AutorInnen, die irgendwas mit Science Fiction oder Dystopie zu tun haben, oder so klingen, als würden sie es. Katharina Hartwell ist mir immer wieder so dazwischengeflattert, eigentlich weiß ich nicht, worum es geht, bilde mir aber ein, immer „Das klingt aber interessant“ gedacht zu haben. Das muss reichen. Leif Randt und Valerie Fritsch wurden beide schon von Andrea Diener gelesen und in ihrem Tsundoku-Podcast rezensiert, das klang auch so, als würde ich das mögen. Bei Roman Ehrlich sieht es wieder ähnlich aus wie bei Hartwell, eigentlich weiß ich nicht, worum es geht, aber ich erinnere mich, dass ich „Klingt super, will ich lesen!“ dachte. Meinem Vergangenheits-Ich traue ich Lektüreauswahlkompetenz zu. Und Saša Stanišić, den sollte ich sowieso längst gelesen haben, wenn ich meiner Literaturfilterblase so trauen kann.

 

Nicht-deutsches Science-Fiction- und/oder Fantasy-Zeugs von jetzt und von früher von Autoren, die ich sowieso super finde oder immer schon mal lesen wollte

        

Zwei Bücher von David Mitchell, die ich noch nicht gelesen habe! Was ist hier nur falsch gelaufen? Skandal! Ich habe weder bei Slade House noch bei The Bone Clocks nur den Hauch einer Ahnung, worum es gehen könnte, aber es ist fucking David Mitchell. Da macht man nix falsch. (Klopf auf Holz, das hätte ich bei Dave Eggers ja auch mal gesagt und dann kam Der Circle.) Das gleiche gilt für Nick Harkaway, da habe ich The Gone Away World geliebt. Lem gehört eher zur Kategorie „Sollte ich auch mal gelesen haben“ und von Lindqvist habe ich So finster die Nacht gelesen und für gut befunden und verspreche mir außerdem ein Buch, das ich dann auch meinem Mann weitergeben kann, ansonsten haben wir bei unser Genrepräferenz eher wenig Überschneidungen.

 

Wer sich an meiner Lektüreplanung beteiligen will, ich nehme immer noch gerne Tipps an, kann aber für nichts garantieren. Ich habe aktuell um die 600 Leseproben auf dem Kindle, es ist also unklar, ob ich je alles werde lesen können, was ich lesen möchte. Es muss auch nicht zu den drei Themenbereichen passen, wenn doch, ist das aber umso superer. Wer sich durch Sachspenden beteiligen will, für den habe ich eine Sommerlektürewunschliste bei Amazon gebastelt. Die ist nicht ganz so überfordernd wie die überfüllte andere Wunschliste und ich werde garantiert in Frankreich am Strand an den edlen Spender denken.

Alexandra Tobor bei Rowohlt
Betreutes Lesen zu Minigolf Paradiso
Kirsten Fuchs bei Rowohlt
Webseite von Kirsten Fuchs
Vea Kaiser bei KiWi
Webseite von Vea Kaiser

Katharina Hartwell beim Berlin Verlag
Katharina Hartwell in der Wikipedia
Leif Randt bei KiWi
Leif Randt in der Wikipedia
Roman Ehrlich bei Dumont
Roman Ehrlich beim Bachmann-Preis
Valerie Fritsch bei Suhrkamp
Webseite von Valerie Fritsch
Saša Stanišić bei Random House
Webseite von Saša Stanišić

David Mitchell bei Rowohlt
David Mitchell in der Wikipedia
Nick Harkaway bei Random House
Webseite von Nick Harkaway
Stanislaw Lem bei Suhrkamp
Stanislaw Lem in der Wikipedia
John Ajvide Lindqvist bei Bastei Lübbe
Webseite von John Ajvide Lindqvist

Alle Links zu Büchern sind Amazon-Affiliate-Links, wer sich also selber Urlaubslektüre bei Amazon kauft, der macht, dass ich ein bisschen was davon abbekomme. Wer sich von meinen Vorschlägen inspiriert Bücher im Buchhandel kauft, der macht den Buchhandel glücklich. So oder so hat man nachher ein hoffentlich tolles Buch.

Gelesen im Juni 2016

Long Dark Dusk von James P. Smythe

Der zweite Teil der Australia-Trilogie von James P. Smythe. Den ersten Band las ich im Mai und war sehr angetan, dementsprechend kam der zweite Teil direkt hinterher. Andere Szenerie, aber auch hier alles schön zackig und spannend erzählt. Der dritte Band kommt erst im Oktober, wird aber auch gekauft und gelesen.

(Zur Story kann man nicht viel sagen ohne die entscheidenden Stellen im ersten Band zu verraten. Insofern sollte man sowieso mit dem ersten Band anfangen und dann weiß man ja, ob man weiterlesen will.)

Long Dark Dusk von James P. Smythe [Amazon-Werbelink]

 

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren von Boris Hänßler

Warum man das Internet auch lieben kann, Teil 293: Überraschend hatte ich eine Mail im Postfach, jemand schrieb, er würde meinen Blog lesen und hätte auf meiner Wunschliste sein Buch entdeckt, ob er mir das schicken könnte, einfach so, ich muss es auch gar nicht rezensieren, sozusagen als Sachspende.

Der Jemand war Boris Hänßler und sein Buch heißt Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren und ist voll mit Geschichten aus der Zeit vor dem Internet. Das passt ganz hervorragend zu meiner momentanen Nostalgiestimmung. Boris Hänßler erzählt davon, wie man früher keine Handynummern austauschen konnte, sondern sich die Festnetznummer eines Mädchens auf den Arm schreiben ließ, um ihn wenig später schon nicht mehr lesen zu können und sich dann mit detektivischem Geschick, Telefonbüchern und Ausdauer durch die Anschlüsse mit passendem Nachnamen im Nachbardorf zu telefonieren. Er erzählt von Brieffreundschaften per International Youth Service und vom Offlinekaufen und -umtauschen und natürlich noch von all den anderen Dingen, die anders waren, als man noch kein Internet hatte.

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren ist zwar mit einem schönen nostalgischen Blick erzählt, dabei schwingt Hänßler aber nie die „Früher war alles besser!“-Keule, so dass man mit dem Buch vor allem Spaß haben kann, ohne sich fünf Minuten später für den Blick aufs Smartphone irgendwie schlecht fühlen zu müssen. Früher war es schön und heute ist es auch schön und irgendwo dazwischen wurde das Internet erfunden.

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren von Boris Hänßler [Amazon-Werbelink]

 

Updraft von Fran Wilde

Für den Online-Buchclub gelesen. Kirit lebt über den Wolken in einem der Türme der Stadt, Türme aus Knochen, die immer weiter in die Höhe wachsen, teilweise mit Brücken verbunden, teilweise nur auf dem Flugweg zu erreichen, der üblichen Fortbewegung der Menschen in Fran Wildes Updraft.

Als Kirit die Gesetze des Turmes bricht und sich bei einem Angriff der Skymouths nicht im Turm verschanzt, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Anstatt ihre Mutter als Lehrling bei ihren Handelsausflügen zu begleiten, steht ihr eine Zukunft als Singer im höchsten Turm der Stadt, dem Spire bevor, eine Zukunft abgeschnitten von ihrem Zuhause, ihrer Familie und ihrer Freunde, eine Zukunft voller Pflichten und Verantwortung.

Fran Wilde erschafft hier eine komplexe Welt, die auf den ersten Seiten in ihrer Seltsamkeit etwas schwer zu greifen ist, sich dann aber sehr schön entwickelt. Leider werden zu viele Dinge im Unklaren gelassen, zumindest im Online-Buchclub-Forum wurde über einige Details diskutiert. Wen das nicht stört, bekommt hier tolle YA-Fantasy in einer meines Wissens so noch nicht da gewesenen Szenerie. Ich habe das sehr gerne gelesen und bin gespannt auf den zweiten Teil, der im Herbst erscheinen soll.

Updraft von Fran Wilde [Amazon-Werbelink]

 

Hinten sind Rezepte drin: Geschichten, die Männern nie passieren würden von Katrin Bauerfeind 

Katrin Bauerfeind, die ich noch aus Ehrensenf-Zeiten kenne, hat ihr zweites Buch geschrieben, ein Buch über Frauen, das aus Marketinggründen direkt mit einer Lüge im Titel daher kommt. Hinten, das ist enttäuschend, sind nämlich überhaupt keine Rezepte drin.

Ansonsten sind das nette Geschichten, die zwar auch mal die üblichen Klischees bestätigen, aber glücklicherweise meistens ganz gut die wirklich schlimmen Stereotypen umschiffen und dabei die ganze Männer-Frauen-Thematik mit einem liebevollen Blick auf die Dinge auseinandernehmen.

Hinten sind Rezepte drin ist nicht der große Wurf, der Geschlechterklischees komplett auf den Kopf stellt, aber man kann es gut zwischendurch lesen ohne das schlimme Dinge passieren. Das Hörbuch gibt es bei Storify und da habe ich es auch gehört. Das hat den weiteren Vorteil, dass Katrin Bauerfeind selber liest und das ist dann tatsächlich ein großes Vergnügen.

Hinten sind Rezepte drin: Geschichten, die Männern nie passieren würden von Katrin Bauerfeind [Amazon-Werbelink]

 

Standardsituationen der Technologiekritik: Merkur-Kolumnen von Kathrin Passig

Sechs Kolumnen aus dem Merkur über Internet und digitale Welt von Kathrin Passig mit ihrem üblichen differenzierten und undogmatischen Blick auf komplizierte Dinge, der in Techniktagebuchkreisen als „Kathrin-Zen“ bekannt ist und als möglicherweise höchste Erkenntnisstufe unserer aufgeregten neuen Welt als erstrebenswerter Gemütszustand gilt.

Es geht um das Standardverhalten der Menschen bei neuen Dingen, um Kommentarkultur oder Selbstquantifizierung und wie es bei Kathrin Passig immer so ist, gibt es keine klaren Antworten, dafür aber kluge und unterhaltsame Essays über Dinge, über die man so vielleicht noch nicht nachgedacht hat.

Standardsituationen der Technologiekritik: Merkur-Kolumnen von Kathrin Passig [Amazon-Werbelink]

Gelesen im Mai 2016

The Jewel And Her Lapidary von Fran Wilde

The Jewel and her Lapidary entpuppte sich als Kurzgeschichte der Autorin Fran Wilde, die gerade mit Updraft ganz gut in der SF/F-Szene gehandelt wird. Erzählt wird die Geschichte von Lin, dem Jewel und Sima, ihrem Lapidary, ihrer Vertrauensperson, die mit den Juwelen sprechen oder vielmehr diese kontrollieren kann. Die Juwele wiederum haben Kräfte, die das Tal schützen. Dann kommt es aber zum Sturz, denn der Lapidary von Lins Vater, dem König, verrät die Familie und das Tal, Lin ist die einzige Überlebende und gerät in Gefangenschaft. Das Hauptproblem der Geschichte ist, dass hier auf wenigen Seiten eine sehr anspruchsvolle und komplexe Fantasywelt erschaffen wird und man als Leser ein bisschen überrollt wird. Zu wenig wird erklärt, zu viel muss man sich irgendwie zusammenreimen. Dabei ist die Grundidee spannend und die Figuren trotz der Kürze gut entwickelt. Sollte ein Roman folgen, kommt er sicherlich auf die Leseliste.

The Jewel And Her Lapidary von Fran Wilde [Amazon-Werbelink]

 

Aurora von Kim Stanley Robinson

Aurora erzählt die Geschichte eines Generationenraumschiffs, das seit über hundert Jahren auf dem Weg in ein neues Sonnensystem ist und dort einen neuen Planeten besiedeln soll. Das Schiff besteht aus vielen Biomen, also Mini-Biotopen, in denen möglichst viele Spezies die lange Fahrt überleben sollen. Freyas Mutter Devi ist die Chefingenieurin des Schiffs und muss immer ran, wenn wieder irgendwo irgendwas kaputt geht und niemand weiß, warum und was zu tun ist. Doch der Mond Aurora, der als vielversprechender Kandidat für eine Besiedlung gewählt wurde, ist bald erreicht. Aurora ist so ein Buch, von dem man gar nicht so viel erzählen darf, ohne wesentliche unerwartete Storyelemente zu verraten. Statt dessen sei einfach eine große Empfehlung ausgesprochen, das ist ein ganz tolles Buch, vielleicht sogar für nicht Genre-Leser, denn letztlich werden neben den üblichen Science-Fiction-Themen auch viele ethisch-moralische Fragen gestellt. Wie viel darf sich Wissenschaft anmaßen? Welche Risiken ist man bereit einzugehen? Welche neuen Wegen soll man beschreiten und welche nicht? Dazu noch sehr nahbare Charaktere und fertig ist ein tolles Buch.

Aurora von Kim Stanley Robinson [Amazon-Werbelink]

 

Way Down Dark von James P. Smythe

Auch eine Science-Fiction-Geschichte, die auf einem Generationenschiff spielt, diesmal aber YA und etwas weniger komplex, dafür aber flotter erzählt. Chan lebt auf der Australia, einem Schiff, dass nach dem Verfall der Erde auf Reise geschickt wurde. Mit den Jahrzehnte verwahrloste das Schiff mehr und mehr, Gangs bilden sich, allen voran die gewalttätigen und unberechenbaren Lows, die auf den unteren Ebenen des Schiffs leben und ihr Territorium immer weiter ausweiten. Chan, die ihrer Mutter bei deren Tod versprochen hat, egoistisch zu sein und nicht zu sterben, merkt, dass sie das Versprechen nicht einlösen kann, mischt sich immer wieder in Angriffe ein und wird so zur Zielscheibe der Lows. In den Tiefen des Schiffs entdeckt sie dann ein Geheimnis, dass alles, was sie über ihr Leben auf der Australia zu wissen glaubte, ändert. Ja ja, das ist YA-Dystopie, das kennen wir alles schon irgendwie so oder so ähnlich, aber Way Down Dark ist verdammt spannend geschrieben, so dass ich kaum mit dem Lesen aufhören konnte und direkt zum zweiten Teil gegriffen habe, als ich durch war. Der dritte kommt im Oktober und ja, den werde ich auch lesen. Wer kein Problem mit typischen YA-Elementen hat, wird auch mit Way Down Dark gut unterhalten.

Way Down Dark von James P. Smythe [Amazon-Werbelink]

 

Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier

Wollte ich erst nicht lesen, weil ich dachte, ach ja, klar, dann gibt’s auch direkt das passende Buch dazu. Dann wurde es aber von Katrin Rönicke mehrfach empfohlen und dann habe ich mir das entsprechende Hörbuch gekauft und war sehr angetan. Die beiden Journalisten der SZ, mit denen alles auch begann, erzählen die Geschichte der Panama Papers von der ersten Kontaktaufnahme bis kurz vor der öffentlichen Enthüllung. Spannend sind dabei nicht nur die einzelnen Verwicklungen der Staatschefs, Diktatoren, Banken und Geschäftsleute, sondern auch die Hintergründe. Da müssen neue Rechner gekauft werden, weil die Datenmenge nicht mehr durchsucht werden kann, das Journalistennetzwerk ICIJ wird ins Boot geholt und vor allem wird recherchiert und geschrieben. Das ist alles sehr gut zu lesen und zu hören. Weil ich gegen Ende etwas schwächelte, hab ich etwas gemacht, was ich sonst weder bei Büchern noch Hörbüchern mache: Ich habe gleich noch mal von Anfang angefangen.

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Gelesen im April 2016

Schlaft doch, wie ihr wollt: Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern von Stephanie Grimm

Ein Buch übers Schlafen trifft ja ähnlich mein Spezial-Expertisengebiet wie ein Buch übers Liegen. In diesem Fall steckt aber sogar Wissenschaft dahinter, und so erfährt man, was man übers Schlafen schon so alles weiß, aber auch erstaunlicherweise, was man alles noch nicht so weiß. Es geht um Schlafphasen, ums Träumen, wofür Schlafen überhaupt gut ist, über das Schlafen in verschiedenen Kulturen und natürlich auch darum, wie viel Schlaf gut für uns ist und warum wir ganz dringend ausreichend viel schlafen sollen. Als große Verfechterin des Vielschlafens habe ich mich sehr über dieses Buch gefreut. Der populärwissenschaftliche Ansatz geht hier auch gut auf, die Autorin verheddert sich nicht in komplizierten wissenschaftlichen Zusammenhängen, man fühlt sich beim Lesen aber auch nicht chronisch unterfordert, das ist alles schön runtergebrochen und angemessen zusammengefasst. Für mehr und besseres Schlafen!

Schlaft doch, wie ihr wollt: Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern von Stephanie Grimm [Amazon-Werbelink]

 

The Fifth Season von N. K. Jemisin

Für den Online-Buchclub gelesen. Ganz grandiose Fantasy von N. K. Jemisin. Im Prinzip konnte ich nur deswegen im Zug nach Berlin nicht meinen Vortrag für die re:publica vorbereiten, weil ich wirklich ganz dringend weiterlesen wollte. Dabei beginnt die Geschichte sehr sperrig, durch die ersten Kapitel muss man sich durcharbeiten, dann kommt aber alles in Fahrt, und man versteht, wie diese Welt funktioniert. Die Erde in The Fifth Season ist zerbrochen, ein riesiges Erdbeben ist der Auslöser, man richtet sich auf Jahre oder gar Jahrzehnte harten Lebens ein. Diese fünfte Jahreszeit gibt es immer wieder, Auslöser sind tektonische Ereignisse, die das Gesamtgefüge so durcheinander bringen, dass es in dieser Jahreszeit immer ums nackte Überleben geht.

In diesem Zusammenhang lernen wir Damaya, Syenite und Essun kennen, drei Frauen, orogenes, also Menschen, die die Bewegungen der Erde nicht nur spüren, sondern auch kontrollieren können und von den anderen gefürchtet sind, weil ihre Fähigkeiten unkontrolliert eine Gefahr darstellen. Irgendwo gefangen zwischen Macht und Unterdrückung werden orogenes respektiert und gleichermaßen gehasst.

So schlecht es sich beschreiben lässt, so fesselnd ist dieses Buch, wenn man sich eben erstmal reingelesen hat. Keine leichte Fantasylektüre, dafür umso lohnenswerter.

The Fifth Season von N. K. Jemisin [Amazon-Werbelink]

#rpTEN-Nachlese, Teil 1

Mittlerweile im vierten Jahr habe ich mich auf der re:public rumgetrieben und mittlerweile im dritten Jahr mit eigenen Vorträgen. Der erste davon war direkt am Montag, weswegen ich auch am Montag nicht viel anderes gemacht habe, als mit Leuten zu reden, eine Präsentation zu Ende vorzubereiten, dann immerhin noch einen Vortrag angeguckt habe und dann weiter mit Leuten geredet habe, bis ich dachte, ich treffe vielleicht doch kurz vorher noch mal den anderen Menschen, mit dem ich zusammen auf der Bühne stehen sollte (das ist eine längere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden kann).

Es hat dann aber alles doch überraschend gut geklappt, fast so, als hätten wir uns vorher lange und detailliert abgesprochen und nicht einfach glücklicherweise zum gleichen Thema unterschiedliche Sichtweisen angestrebt.

Angucken kann man das ganze hier, ich rede im zweiten Teil (ab ungefähr Minute 15) darüber, warum Science Fiction gut für uns ist. Man kann sich das aber schön alles angucken, denn auch Uri erzählt ja interessante Dinge über Science Fiction und was wir von ihr lernen können.

Und was ich sonst noch in Berlin so allgemein und auf der re:publica so im Besonderen erlebt habe, das erzähle ich dann alles in den nächsten Tagen.

[Werbung] Der Pfau von Isabel Bogdan als Hörbuch

„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“

So beginnt der erste Roman von Isabel Bogdan und man ist sofort mittendrin in der Geschichte. Besagter Pfau lebt auf einem Anwesen in den schottischen Highlands, genauer gesagt auf dem Anwesen von Lord und Lady McIntosh, die die kleinen Cottages an Feriengäste vermieten, weitab von allem, nur die Natur und natürlich die Pfauen.

Und dann wird einer der Pfauen verrückt und greift alles an, was blau ist und glänzt. Das ist einerseits nicht so schlimm, denn in der Natur gibt es recht selten Dinge, die blau sind und glänzen. Es sei denn natürlich, man hat eine Gruppe von Bankern aus London zu Gast, die für ein Teambuildingevent weit, weit weg nach Schottland geschickt wurden, samt Teambuildingcoach und Köchin und samt dem neuen blauen Auto der Teamchefin.

Es kommt, wie es kommen wird, das Auto muss leiden und Lord McIntosh trifft eine schwere Entscheidung zu Ungunsten des verrückten Pfaus. Aber hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende, im Gegenteil, sie fängt erst an, und der arme Pfau muss gleich mehrere Tode sterben.

Isabel Bogdan übersetzt seit Jahren und hat mit Sachen machen schon ein Sachbuch geschrieben. Außerdem bloggt sie und so konnte man der Entstehungsgeschichte des Buches fast live beiwohnen, von der ersten Kurzgeschichte über die Coverlüftung bis zur Lesereise. So war die Freude bei mir umso größer, als bekannt wurde, dass es nicht nur ein Hörbuch geben, sondern dass Christoph Maria Herbst das Hörbuch einlesen würde. Man hätte sich keinen anderen Sprecher für diese Geschichte wünschen können.

Dementsprechend hielt ich mich beim Verkaufstag auch zurück, sondern wartete ein paar Tage auf meinen neuen audible-Credit, um ihn schnurstracks gegen das Hörbuch zu Der Pfau einzulösen und in den nächsten Tagen jede freie Minute zum Hören zu nutzen. Die Geschichte vom verrückten Pfau, seinem verfrühten Ableben und den sich daraus ergebenen Missverständnisse und Verwirrungen ist raffiniert erzählt und am Ende lernt man auch als Leser die wichtigste Teambuildinglektion: Kommunikation ist wichtig.

In einem Interview mit dem Argon Verlag, bei dem das Hörbuch erschienen ist, erzählt Herbst auch von den Herausforderungen bei der Aufnahme:

Die größte Herausforderung bei diesem Hörbuch war für mich sicher, mich selbst ganz stark zurückzunehmen, um der Erzählweise gerecht zu werden. Ich komme ja beispielsweise ganz stark vom Dialog, wo ich den Figuren dann gerne Erkennungsmerkmale verpasse, Eigenarten. In Der Pfau gibt es nicht eine einzige direkte Rede. Alles wird indirekt erzählt, was auf der einen Seite diese britische Distinguiertheit verstärkt und einen zunächst ein wenig auf Abstand hält, mir auf der anderen Seite aber auch ganz neue Möglichkeiten eröffnete, nämlich nur durch kleinere Tempowechsel oder dezente Modulationen diese lebendige Welt zu kreieren.

Der Pfau bekommt eine All-inclusive-rundum-glücklich-Empfehlung und das Hörbuch noch ein Extrasternchen obendrauf. Kleinere Nebenwirkungen wie das dringende Bedürfnis, Urlaub in Schottland zu machen, sind nicht ausgeschlossen, man könnte beinahe vermuten, sie seien erwünscht, nicht zuletzt basiert die Geschichte (man glaubt es kaum) auf einer wahren Begebenheit. Isabel Bogdan hat eine wunderbar typisch britische Verwechslungskomödie geschrieben, die Christoph Maria Herbst mit offensichtlichem Spaß eingelesen hat.

Isabel Bogdan: Der Pfau, erschienen 2016 bei Kiepenheuer & Witsch, Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst erschienen im Argon Verlag und u.a. erhältlich bei audible.

Gelesen im März 2016

The Sword of Shannara von Terry Brooks

Für den Online-Buchclub gelesen und nein. Einfach nein. Ich weiß, dass es ein Fantasy-Klassiker ist und in den Siebzigern anscheinend gefeiert wurde, aber nein. Mal abgesehen von dem allzu offensichtlichen Einfluss Tolkiens (zwei einfache junge Männer aus einem heimeligen Tal werden auf einem seltsamen großen alten weisen Mann auf eine Mission geschickt, von der das Schicksal des ganzen Landes abhängt) und des doch sehr einfachen Sprachstils, es kommen einfach keine Frauen in diesem Buch vor. Na gut, es kommt eine Frau vor, die irgendwann in der zweiten Hälfte auftaucht und dann wird noch zwei oder drei Mal die Existenz anderer weiblicher Wesen am Rande erwähnt. Die anderen Bücher der Reihe sollen besser sein, vielleicht liest man einfach eines von denen, wenn man unbedingt etwas aus den Shannara-Chroniken lesen will. Aber nicht das hier.

The Sword of Shannara von Terry Brooks [Amazon-Werbelink]

 

All the Birds in the Sky von Charlie Jane Anders

Ebenfalls für den Online-Buchclub gelesen und geliebt. Es geht um Patricia und Laurence. Während Patricia magische Kräfte an (klingt schlimmer als es im Buch ist), ist Laurence ein Tech-Wunderkind. Beide leben in einer Welt, in der sie niemand versteht, nicht die Eltern, nicht die Mitschüler und so finden sie sich, werden Freunde, zunächst eher aus einer Notwendigkeit. Aber einer verrät den anderen und dann tritt noch ein Auftragskiller auf, der die Apokalypse aufhalten will, die in seiner Vision von den beiden ausgelöst wird. Erst Jahre später treffen sich Patricia und Laurence in San Francisco wieder, beide haben vermeintlich ihren Platz in der Welt gefunden, wenn da nicht tatsächlich der drohende Weltuntergang anstünde und sie sich für eine Seite entscheiden müssten. Klingt seltsam, ist es auch, aber gleichzeitig packend geschrieben, mit tollen Figuren und genau der richtigen Menge an Absurdität.

All the Birds in the Sky von Charlie Jane Anders [Amazon-Werbelink]

 

Sommernovelle von Christiane Neudecker

Ein astreines Sommer-Nostalgiebuch. Die fünfzehnjährige Panda fährt mit ihrer besten Freundin Lotte über Pfingsten auf eine Nordseeinsel, um auf eine Vogelstation zu helfen. Wir sind im Jahr 1988 und die beiden Mädchen wollen die Welt retten, vor dem sauren Regen und den Atomkraftwerken und dem Müll, der am Strand rumliegt. Und dann geht es natürlich doch um mehr, um die erste Liebe und die erste Enttäuschung und die Frage, wem man trauen kann, wenn man fünfzehn ist und die Welt retten will. Das ist alles ganz wunderbar in eine Atmosphäre gepackt, die man auf jeder Seite spüren kann. Ich habe auch schon hier darüber geschrieben.

Sommernovelle von Christiane Neudecker [Amazon-Werbelink]

 

The Color Purple von Alice Walker

Ein Klassiker wieder, und zwar völlig zu recht. In Briefen wird die Geschichte der Schwarzen Celie erzählt, die es nicht leicht im Leben hat und von einem misshandelnde Vater zum schlagenden Ehemann geschubst wird, sich dann aber doch mutig und in kleinen Schritten ihre Freiheit erkämpft. Ich habe mich in wenigen Tagen durch das Buch gefräst, man könnte sich fast fragen, warum ich das nicht schon viel früher gelesen habe.

The Color Purple von Alice Walker [Amazon-Werbelink]

 

Hab ich selbst gemacht von Susanne Klingner

Susanne Klingner kenne ich vom Lila Podcast, den ich hier auch allen ganz dringend ans Herz legen möchte. Vor ein paar Jahren beschloss sie, ein Jahr lang alles selbst zu machen, vom Brot über Seife bis zum selbstgenähten Designerkleid. Ihr Mann steht der Unternehmung skeptisch gegenüber, Susanne zieht das Ding aber durch, mit allen Erfolgen und Rückschlägen, von denen es auch einige gibt, doch genau das macht das Buch so schön. Es ist kein „Man kann alles selber machen, wenn man will“-Buch, sondern ein „Man kann vermutlich alles selber machen, aber bei manchen Dingen lohnt sich der Stress nicht“-Buch. Jedenfalls habe ich wahrscheinlich nicht ohne Grund diesen Frühling wieder damit angefangen, Brot selbst zu backen. Die Inspiration lässt sich also nicht wegleugnen. Ein sympathisches, schönes Buch mit der ein oder anderen Anleitung und einer ehrlichen Sicht auf den Selbermachtrend.

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Wenn’s brennt von Stephan Reich

Auch ein Coming-of-Age-Roman, nur spielt die Geschichte diesmal in der Gegenwart und die Jugendlichen wollen nicht so sehr ihre Welt retten als vielmehr irgendwie mit ihr klarkommen, was mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Es wird geraucht und getrunken und am Ende kommt es nicht ganz unerwartet zu einer Katastrophe. Auch dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen, wobei ich den Figuren ihren Erfahrungshorizont nicht immer abgenommen habe, das war aber ein kleines Problem in einem ansonsten sehr packenden Roman. Auch über dieses Buch habe ich schon geschrieben.

Wenn’s brennt von Stephan Reich [Amazon-Werbelink]

 

Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith

Der dritte Teil der Cormoran-Strike-Reihe von Robert Galbraith alias J.K. Rowling. Wieder als Hörbuch gehört, was mich ein Wochenende lang zu Hörbuchtauglichen Aktivitäten nötigte (Liegen geht dann nicht, dann schlafe ich ein). Dieser Teil führt uns weiter in die Vergangenheit des Privatdetektivs Cormoran Strike, denn es wird persönlich. Seine Assistentin Robin bekommt ein abgetrenntes Frauenbein geschickt und Strike muss sich damit auseinandersetzen, wer aus seiner Vergangenheit ihm so viel Böses können wollte. Im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern hatte ich diesmal ein bisschen Probleme der Story zu folgen, außerdem treten die persönlichen Probleme und die Beziehung der beiden Hauptfiguren deutlich mehr in den Vordergrund. Nichtsdestotrotz hat Galbraith/Rowling hier wieder einen schönen dichten Krimi mit Vollausstattung geschrieben. Den vierten Teil lese bzw. höre ich dann sicher auch.

Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith [Amazon-Werbelink]

 

A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab

Auch für den Online-Buchclub gelesen. (Zur Erklärung: Das erste Buch war für den Februar, hat sich aber ewig in die Länger gezogen, so dass ich erst im März fertig wurde. Das Buch für März hatte ich in wenigen Tagen durch und als dann das Buch für April feststand, habe ich das auch ganz fix gelesen.) Wieder eine Fantasy-Geschichte, diesmal irgendwo in London, wobei es eben nicht ein London gibt, sondern drei oder vielmehr vier. In Grey London gibt es keine Magie, White London wird von tyrannischen Zwillingen regiert und in Red London fließt die Magie wie die Themse durch die Stadt. Früher waren die Städte verbunden, bis Black London unterging und sicherheitshalber alle Türen zwischen den alternativen Welten geschlossen wurden. Nur noch zwei Menschen haben die Fähigkeit, zwischen den Londons zu wechseln, einer davon ist Kell. Als er einen illegalen Botengang annimmt und einen geheimnisvollen Stein von einem London ins andere schmuggelt, gerät alles aus den Fugen. Dann ist da noch die Diebin Lila aus Grey London, die Kell erst bestiehlt und ihm dann durch die Welten folgt, um die ein oder andere Katastrophe aufzuhalten (oder selbst zu provozieren). Das ist alles sehr flott geschrieben, erinnert an YA (was nicht wundert, da V.E. Schwab auch YA-Romane schreibt). Dass die Geschichte an der ein oder anderen Stelle noch etwas unausgegoren ist, stört da nicht groß, dafür macht das alles zu viel Spaß.

A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab [Amazon-Werbelink]

Gelesen im Februar 2016

Im Februar zu wenig gelesen und dann auch noch nicht dazu gekommen, die Monatsreview zu schreiben. Dann wollte ich das zusammen mit den Märzbüchern machen, im März habe ich aber so furchtbar viel gelesen, dass es dann ein sehr langer Beitrag werden würde, also jetzt doch wieder als einzelner Beitrag. Muss man jetzt nicht verstehen, ist halt einfach so.

Fünf Wochen im Ballon von Jules Verne

Auf Französisch gelesen, einfach, weil ich mein Französisch irgendwie fit halten muss und die Verne-Bücher fürs Kindle umsonst sind. Dafür kann man dann darüber diskutieren, ob man jetzt gerade mit Verne sein Französisch besonders fit hält, denn die Sprache ist ja nun nicht die modernste. In Fünf Wochen im Ballon geht es genau um das, nämlich eine West-Ost-Durchquerung Ost-West-Durchquerung von Afrika in einem Heißluftballon, drei Mann in einem Ballon quasi. Das ist insgesamt ganz spannend, vor allem zum Schluss kommt noch mal Action auf, es ist aber auch typisch Verne und damit teilweise auch ein bisschen anstrengend und streckenweise etwas zäh, zumal, wenn man es im Original liest.

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Der Pfau von Isabel Bogdan

Der erste Roman von Isa, lange sehnlichst erwartet und im Februar endlich erschienen. Ich habe mich für die Hörbuchversion, gelesen von Christoph Maria Herbst entschieden. Irgendwo in den schottischen Highlands leben Lord und Lady McIntosh auf einem alten Landsitz und vermieten die Cottages an Touristen, die mal ganz entspannte Tage mitten im Nichts verbringen wollen. Dann spielt eines Tages ein Pfau verrückt und attackiert alles, was blau ist und glänzt. Und dann kommt auch noch eine Reisegruppe aus London zu einer Teambuildingmaßnahme. Vier Banker, die Chefin, die Kommunikationstrainerin und eine Köchin nisten sich für ein Wochenende mehr oder weniger freiwillig ein. Und dann kommt es natürlich so, wie es kommen muss, der Pfau geht auf das blaue Auto der Chefin los, Lord McIntosh muss handeln und dann wird aus dem ruhigen Wochenende doch ein ganz und gar verzwicktes, an dem ein armer verrückter Pfau nicht nur einen, sondern gleich mehrere Tode sterben muss.

Das ist alles sehr flockig erzählt und von Christoph Maria Herbst schön vorgelesen, man kann es in einem Rutsch weglesen und danach vielleicht direkt den nächsten Schottlandurlaub buchen, das Anwesen der McIntoshs gibt es nämlich wirklich, man achte auf die Widmung im Buch.

Isabel Bogdan: Der Pfau [Amazon-Werbelink]

 

Planet der Algorithmen von Sebastian Stiller

Ein Buch über Algorithmen für Leute, die noch nicht so viel über Algorithmen wissen, die aber gerne lernen wollen, worum es eigentlich geht, schon allein, weil wir in unserer Welt immer mehr mit Algorithmen zu tun haben. Das klingt erst mal gut und ist auch ordentlich umgesetzt, irgendwo ungefähr zur Hälfte hat mich der Autor aber verloren. Ich habe zwar vermutlich auch ein bisschen mehr mit Algorithmen zu tun als der Durchschnittsleser und die Zielgruppe, spätestens bei dem ein oder anderen deutlich theoretischen Teil wurde es mir dann aber doch zu… nun ja… theoretisch. Entweder bestimmte Aspekte lassen sich nicht einfach erklären oder man braucht ein paar Seiten und Beispiel mehr dazu. So war es jedenfalls nicht gut gelöst, trotzdem gibt es in diesem Buch viele gute Erklärungen, was Algorithmen sind und wie sie – ganz grob zusammengefasst – funktionieren. Eine ausführliche Rezension folgt demnächst.

Sebastian Stiller: Planet der Algorithmen [Amazon-Werbelink]