Kategorie: Bücherzeug

Gelesen im Mai 2016

The Jewel And Her Lapidary von Fran Wilde

The Jewel and her Lapidary entpuppte sich als Kurzgeschichte der Autorin Fran Wilde, die gerade mit Updraft ganz gut in der SF/F-Szene gehandelt wird. Erzählt wird die Geschichte von Lin, dem Jewel und Sima, ihrem Lapidary, ihrer Vertrauensperson, die mit den Juwelen sprechen oder vielmehr diese kontrollieren kann. Die Juwele wiederum haben Kräfte, die das Tal schützen. Dann kommt es aber zum Sturz, denn der Lapidary von Lins Vater, dem König, verrät die Familie und das Tal, Lin ist die einzige Überlebende und gerät in Gefangenschaft. Das Hauptproblem der Geschichte ist, dass hier auf wenigen Seiten eine sehr anspruchsvolle und komplexe Fantasywelt erschaffen wird und man als Leser ein bisschen überrollt wird. Zu wenig wird erklärt, zu viel muss man sich irgendwie zusammenreimen. Dabei ist die Grundidee spannend und die Figuren trotz der Kürze gut entwickelt. Sollte ein Roman folgen, kommt er sicherlich auf die Leseliste.

The Jewel And Her Lapidary von Fran Wilde [Amazon-Werbelink]

 

Aurora von Kim Stanley Robinson

Aurora erzählt die Geschichte eines Generationenraumschiffs, das seit über hundert Jahren auf dem Weg in ein neues Sonnensystem ist und dort einen neuen Planeten besiedeln soll. Das Schiff besteht aus vielen Biomen, also Mini-Biotopen, in denen möglichst viele Spezies die lange Fahrt überleben sollen. Freyas Mutter Devi ist die Chefingenieurin des Schiffs und muss immer ran, wenn wieder irgendwo irgendwas kaputt geht und niemand weiß, warum und was zu tun ist. Doch der Mond Aurora, der als vielversprechender Kandidat für eine Besiedlung gewählt wurde, ist bald erreicht. Aurora ist so ein Buch, von dem man gar nicht so viel erzählen darf, ohne wesentliche unerwartete Storyelemente zu verraten. Statt dessen sei einfach eine große Empfehlung ausgesprochen, das ist ein ganz tolles Buch, vielleicht sogar für nicht Genre-Leser, denn letztlich werden neben den üblichen Science-Fiction-Themen auch viele ethisch-moralische Fragen gestellt. Wie viel darf sich Wissenschaft anmaßen? Welche Risiken ist man bereit einzugehen? Welche neuen Wegen soll man beschreiten und welche nicht? Dazu noch sehr nahbare Charaktere und fertig ist ein tolles Buch.

Aurora von Kim Stanley Robinson [Amazon-Werbelink]

 

Way Down Dark von James P. Smythe

Auch eine Science-Fiction-Geschichte, die auf einem Generationenschiff spielt, diesmal aber YA und etwas weniger komplex, dafür aber flotter erzählt. Chan lebt auf der Australia, einem Schiff, dass nach dem Verfall der Erde auf Reise geschickt wurde. Mit den Jahrzehnte verwahrloste das Schiff mehr und mehr, Gangs bilden sich, allen voran die gewalttätigen und unberechenbaren Lows, die auf den unteren Ebenen des Schiffs leben und ihr Territorium immer weiter ausweiten. Chan, die ihrer Mutter bei deren Tod versprochen hat, egoistisch zu sein und nicht zu sterben, merkt, dass sie das Versprechen nicht einlösen kann, mischt sich immer wieder in Angriffe ein und wird so zur Zielscheibe der Lows. In den Tiefen des Schiffs entdeckt sie dann ein Geheimnis, dass alles, was sie über ihr Leben auf der Australia zu wissen glaubte, ändert. Ja ja, das ist YA-Dystopie, das kennen wir alles schon irgendwie so oder so ähnlich, aber Way Down Dark ist verdammt spannend geschrieben, so dass ich kaum mit dem Lesen aufhören konnte und direkt zum zweiten Teil gegriffen habe, als ich durch war. Der dritte kommt im Oktober und ja, den werde ich auch lesen. Wer kein Problem mit typischen YA-Elementen hat, wird auch mit Way Down Dark gut unterhalten.

Way Down Dark von James P. Smythe [Amazon-Werbelink]

 

Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier

Wollte ich erst nicht lesen, weil ich dachte, ach ja, klar, dann gibt’s auch direkt das passende Buch dazu. Dann wurde es aber von Katrin Rönicke mehrfach empfohlen und dann habe ich mir das entsprechende Hörbuch gekauft und war sehr angetan. Die beiden Journalisten der SZ, mit denen alles auch begann, erzählen die Geschichte der Panama Papers von der ersten Kontaktaufnahme bis kurz vor der öffentlichen Enthüllung. Spannend sind dabei nicht nur die einzelnen Verwicklungen der Staatschefs, Diktatoren, Banken und Geschäftsleute, sondern auch die Hintergründe. Da müssen neue Rechner gekauft werden, weil die Datenmenge nicht mehr durchsucht werden kann, das Journalistennetzwerk ICIJ wird ins Boot geholt und vor allem wird recherchiert und geschrieben. Das ist alles sehr gut zu lesen und zu hören. Weil ich gegen Ende etwas schwächelte, hab ich etwas gemacht, was ich sonst weder bei Büchern noch Hörbüchern mache: Ich habe gleich noch mal von Anfang angefangen.

Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier [Amazon-Werbelink]

Gelesen im April 2016

Schlaft doch, wie ihr wollt: Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern von Stephanie Grimm

Ein Buch übers Schlafen trifft ja ähnlich mein Spezial-Expertisengebiet wie ein Buch übers Liegen. In diesem Fall steckt aber sogar Wissenschaft dahinter, und so erfährt man, was man übers Schlafen schon so alles weiß, aber auch erstaunlicherweise, was man alles noch nicht so weiß. Es geht um Schlafphasen, ums Träumen, wofür Schlafen überhaupt gut ist, über das Schlafen in verschiedenen Kulturen und natürlich auch darum, wie viel Schlaf gut für uns ist und warum wir ganz dringend ausreichend viel schlafen sollen. Als große Verfechterin des Vielschlafens habe ich mich sehr über dieses Buch gefreut. Der populärwissenschaftliche Ansatz geht hier auch gut auf, die Autorin verheddert sich nicht in komplizierten wissenschaftlichen Zusammenhängen, man fühlt sich beim Lesen aber auch nicht chronisch unterfordert, das ist alles schön runtergebrochen und angemessen zusammengefasst. Für mehr und besseres Schlafen!

Schlaft doch, wie ihr wollt: Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern von Stephanie Grimm [Amazon-Werbelink]

 

The Fifth Season von N. K. Jemisin

Für den Online-Buchclub gelesen. Ganz grandiose Fantasy von N. K. Jemisin. Im Prinzip konnte ich nur deswegen im Zug nach Berlin nicht meinen Vortrag für die re:publica vorbereiten, weil ich wirklich ganz dringend weiterlesen wollte. Dabei beginnt die Geschichte sehr sperrig, durch die ersten Kapitel muss man sich durcharbeiten, dann kommt aber alles in Fahrt, und man versteht, wie diese Welt funktioniert. Die Erde in The Fifth Season ist zerbrochen, ein riesiges Erdbeben ist der Auslöser, man richtet sich auf Jahre oder gar Jahrzehnte harten Lebens ein. Diese fünfte Jahreszeit gibt es immer wieder, Auslöser sind tektonische Ereignisse, die das Gesamtgefüge so durcheinander bringen, dass es in dieser Jahreszeit immer ums nackte Überleben geht.

In diesem Zusammenhang lernen wir Damaya, Syenite und Essun kennen, drei Frauen, orogenes, also Menschen, die die Bewegungen der Erde nicht nur spüren, sondern auch kontrollieren können und von den anderen gefürchtet sind, weil ihre Fähigkeiten unkontrolliert eine Gefahr darstellen. Irgendwo gefangen zwischen Macht und Unterdrückung werden orogenes respektiert und gleichermaßen gehasst.

So schlecht es sich beschreiben lässt, so fesselnd ist dieses Buch, wenn man sich eben erstmal reingelesen hat. Keine leichte Fantasylektüre, dafür umso lohnenswerter.

The Fifth Season von N. K. Jemisin [Amazon-Werbelink]

#rpTEN-Nachlese, Teil 1

Mittlerweile im vierten Jahr habe ich mich auf der re:public rumgetrieben und mittlerweile im dritten Jahr mit eigenen Vorträgen. Der erste davon war direkt am Montag, weswegen ich auch am Montag nicht viel anderes gemacht habe, als mit Leuten zu reden, eine Präsentation zu Ende vorzubereiten, dann immerhin noch einen Vortrag angeguckt habe und dann weiter mit Leuten geredet habe, bis ich dachte, ich treffe vielleicht doch kurz vorher noch mal den anderen Menschen, mit dem ich zusammen auf der Bühne stehen sollte (das ist eine längere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden kann).

Es hat dann aber alles doch überraschend gut geklappt, fast so, als hätten wir uns vorher lange und detailliert abgesprochen und nicht einfach glücklicherweise zum gleichen Thema unterschiedliche Sichtweisen angestrebt.

Angucken kann man das ganze hier, ich rede im zweiten Teil (ab ungefähr Minute 15) darüber, warum Science Fiction gut für uns ist. Man kann sich das aber schön alles angucken, denn auch Uri erzählt ja interessante Dinge über Science Fiction und was wir von ihr lernen können.

Und was ich sonst noch in Berlin so allgemein und auf der re:publica so im Besonderen erlebt habe, das erzähle ich dann alles in den nächsten Tagen.

[Werbung] Der Pfau von Isabel Bogdan als Hörbuch

„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“

So beginnt der erste Roman von Isabel Bogdan und man ist sofort mittendrin in der Geschichte. Besagter Pfau lebt auf einem Anwesen in den schottischen Highlands, genauer gesagt auf dem Anwesen von Lord und Lady McIntosh, die die kleinen Cottages an Feriengäste vermieten, weitab von allem, nur die Natur und natürlich die Pfauen.

Und dann wird einer der Pfauen verrückt und greift alles an, was blau ist und glänzt. Das ist einerseits nicht so schlimm, denn in der Natur gibt es recht selten Dinge, die blau sind und glänzen. Es sei denn natürlich, man hat eine Gruppe von Bankern aus London zu Gast, die für ein Teambuildingevent weit, weit weg nach Schottland geschickt wurden, samt Teambuildingcoach und Köchin und samt dem neuen blauen Auto der Teamchefin.

Es kommt, wie es kommen wird, das Auto muss leiden und Lord McIntosh trifft eine schwere Entscheidung zu Ungunsten des verrückten Pfaus. Aber hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende, im Gegenteil, sie fängt erst an, und der arme Pfau muss gleich mehrere Tode sterben.

Isabel Bogdan übersetzt seit Jahren und hat mit Sachen machen schon ein Sachbuch geschrieben. Außerdem bloggt sie und so konnte man der Entstehungsgeschichte des Buches fast live beiwohnen, von der ersten Kurzgeschichte über die Coverlüftung bis zur Lesereise. So war die Freude bei mir umso größer, als bekannt wurde, dass es nicht nur ein Hörbuch geben, sondern dass Christoph Maria Herbst das Hörbuch einlesen würde. Man hätte sich keinen anderen Sprecher für diese Geschichte wünschen können.

Dementsprechend hielt ich mich beim Verkaufstag auch zurück, sondern wartete ein paar Tage auf meinen neuen audible-Credit, um ihn schnurstracks gegen das Hörbuch zu Der Pfau einzulösen und in den nächsten Tagen jede freie Minute zum Hören zu nutzen. Die Geschichte vom verrückten Pfau, seinem verfrühten Ableben und den sich daraus ergebenen Missverständnisse und Verwirrungen ist raffiniert erzählt und am Ende lernt man auch als Leser die wichtigste Teambuildinglektion: Kommunikation ist wichtig.

In einem Interview mit dem Argon Verlag, bei dem das Hörbuch erschienen ist, erzählt Herbst auch von den Herausforderungen bei der Aufnahme:

Die größte Herausforderung bei diesem Hörbuch war für mich sicher, mich selbst ganz stark zurückzunehmen, um der Erzählweise gerecht zu werden. Ich komme ja beispielsweise ganz stark vom Dialog, wo ich den Figuren dann gerne Erkennungsmerkmale verpasse, Eigenarten. In Der Pfau gibt es nicht eine einzige direkte Rede. Alles wird indirekt erzählt, was auf der einen Seite diese britische Distinguiertheit verstärkt und einen zunächst ein wenig auf Abstand hält, mir auf der anderen Seite aber auch ganz neue Möglichkeiten eröffnete, nämlich nur durch kleinere Tempowechsel oder dezente Modulationen diese lebendige Welt zu kreieren.

Der Pfau bekommt eine All-inclusive-rundum-glücklich-Empfehlung und das Hörbuch noch ein Extrasternchen obendrauf. Kleinere Nebenwirkungen wie das dringende Bedürfnis, Urlaub in Schottland zu machen, sind nicht ausgeschlossen, man könnte beinahe vermuten, sie seien erwünscht, nicht zuletzt basiert die Geschichte (man glaubt es kaum) auf einer wahren Begebenheit. Isabel Bogdan hat eine wunderbar typisch britische Verwechslungskomödie geschrieben, die Christoph Maria Herbst mit offensichtlichem Spaß eingelesen hat.

Isabel Bogdan: Der Pfau, erschienen 2016 bei Kiepenheuer & Witsch, Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst erschienen im Argon Verlag und u.a. erhältlich bei audible.

Gelesen im März 2016

The Sword of Shannara von Terry Brooks

Für den Online-Buchclub gelesen und nein. Einfach nein. Ich weiß, dass es ein Fantasy-Klassiker ist und in den Siebzigern anscheinend gefeiert wurde, aber nein. Mal abgesehen von dem allzu offensichtlichen Einfluss Tolkiens (zwei einfache junge Männer aus einem heimeligen Tal werden auf einem seltsamen großen alten weisen Mann auf eine Mission geschickt, von der das Schicksal des ganzen Landes abhängt) und des doch sehr einfachen Sprachstils, es kommen einfach keine Frauen in diesem Buch vor. Na gut, es kommt eine Frau vor, die irgendwann in der zweiten Hälfte auftaucht und dann wird noch zwei oder drei Mal die Existenz anderer weiblicher Wesen am Rande erwähnt. Die anderen Bücher der Reihe sollen besser sein, vielleicht liest man einfach eines von denen, wenn man unbedingt etwas aus den Shannara-Chroniken lesen will. Aber nicht das hier.

The Sword of Shannara von Terry Brooks [Amazon-Werbelink]

 

All the Birds in the Sky von Charlie Jane Anders

Ebenfalls für den Online-Buchclub gelesen und geliebt. Es geht um Patricia und Laurence. Während Patricia magische Kräfte an (klingt schlimmer als es im Buch ist), ist Laurence ein Tech-Wunderkind. Beide leben in einer Welt, in der sie niemand versteht, nicht die Eltern, nicht die Mitschüler und so finden sie sich, werden Freunde, zunächst eher aus einer Notwendigkeit. Aber einer verrät den anderen und dann tritt noch ein Auftragskiller auf, der die Apokalypse aufhalten will, die in seiner Vision von den beiden ausgelöst wird. Erst Jahre später treffen sich Patricia und Laurence in San Francisco wieder, beide haben vermeintlich ihren Platz in der Welt gefunden, wenn da nicht tatsächlich der drohende Weltuntergang anstünde und sie sich für eine Seite entscheiden müssten. Klingt seltsam, ist es auch, aber gleichzeitig packend geschrieben, mit tollen Figuren und genau der richtigen Menge an Absurdität.

All the Birds in the Sky von Charlie Jane Anders [Amazon-Werbelink]

 

Sommernovelle von Christiane Neudecker

Ein astreines Sommer-Nostalgiebuch. Die fünfzehnjährige Panda fährt mit ihrer besten Freundin Lotte über Pfingsten auf eine Nordseeinsel, um auf eine Vogelstation zu helfen. Wir sind im Jahr 1988 und die beiden Mädchen wollen die Welt retten, vor dem sauren Regen und den Atomkraftwerken und dem Müll, der am Strand rumliegt. Und dann geht es natürlich doch um mehr, um die erste Liebe und die erste Enttäuschung und die Frage, wem man trauen kann, wenn man fünfzehn ist und die Welt retten will. Das ist alles ganz wunderbar in eine Atmosphäre gepackt, die man auf jeder Seite spüren kann. Ich habe auch schon hier darüber geschrieben.

Sommernovelle von Christiane Neudecker [Amazon-Werbelink]

 

The Color Purple von Alice Walker

Ein Klassiker wieder, und zwar völlig zu recht. In Briefen wird die Geschichte der Schwarzen Celie erzählt, die es nicht leicht im Leben hat und von einem misshandelnde Vater zum schlagenden Ehemann geschubst wird, sich dann aber doch mutig und in kleinen Schritten ihre Freiheit erkämpft. Ich habe mich in wenigen Tagen durch das Buch gefräst, man könnte sich fast fragen, warum ich das nicht schon viel früher gelesen habe.

The Color Purple von Alice Walker [Amazon-Werbelink]

 

Hab ich selbst gemacht von Susanne Klingner

Susanne Klingner kenne ich vom Lila Podcast, den ich hier auch allen ganz dringend ans Herz legen möchte. Vor ein paar Jahren beschloss sie, ein Jahr lang alles selbst zu machen, vom Brot über Seife bis zum selbstgenähten Designerkleid. Ihr Mann steht der Unternehmung skeptisch gegenüber, Susanne zieht das Ding aber durch, mit allen Erfolgen und Rückschlägen, von denen es auch einige gibt, doch genau das macht das Buch so schön. Es ist kein „Man kann alles selber machen, wenn man will“-Buch, sondern ein „Man kann vermutlich alles selber machen, aber bei manchen Dingen lohnt sich der Stress nicht“-Buch. Jedenfalls habe ich wahrscheinlich nicht ohne Grund diesen Frühling wieder damit angefangen, Brot selbst zu backen. Die Inspiration lässt sich also nicht wegleugnen. Ein sympathisches, schönes Buch mit der ein oder anderen Anleitung und einer ehrlichen Sicht auf den Selbermachtrend.

Hab ich selbst gemacht von Susanne Klingner [Amazon-Werbelink]

 

Wenn’s brennt von Stephan Reich

Auch ein Coming-of-Age-Roman, nur spielt die Geschichte diesmal in der Gegenwart und die Jugendlichen wollen nicht so sehr ihre Welt retten als vielmehr irgendwie mit ihr klarkommen, was mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Es wird geraucht und getrunken und am Ende kommt es nicht ganz unerwartet zu einer Katastrophe. Auch dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen, wobei ich den Figuren ihren Erfahrungshorizont nicht immer abgenommen habe, das war aber ein kleines Problem in einem ansonsten sehr packenden Roman. Auch über dieses Buch habe ich schon geschrieben.

Wenn’s brennt von Stephan Reich [Amazon-Werbelink]

 

Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith

Der dritte Teil der Cormoran-Strike-Reihe von Robert Galbraith alias J.K. Rowling. Wieder als Hörbuch gehört, was mich ein Wochenende lang zu Hörbuchtauglichen Aktivitäten nötigte (Liegen geht dann nicht, dann schlafe ich ein). Dieser Teil führt uns weiter in die Vergangenheit des Privatdetektivs Cormoran Strike, denn es wird persönlich. Seine Assistentin Robin bekommt ein abgetrenntes Frauenbein geschickt und Strike muss sich damit auseinandersetzen, wer aus seiner Vergangenheit ihm so viel Böses können wollte. Im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern hatte ich diesmal ein bisschen Probleme der Story zu folgen, außerdem treten die persönlichen Probleme und die Beziehung der beiden Hauptfiguren deutlich mehr in den Vordergrund. Nichtsdestotrotz hat Galbraith/Rowling hier wieder einen schönen dichten Krimi mit Vollausstattung geschrieben. Den vierten Teil lese bzw. höre ich dann sicher auch.

Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith [Amazon-Werbelink]

 

A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab

Auch für den Online-Buchclub gelesen. (Zur Erklärung: Das erste Buch war für den Februar, hat sich aber ewig in die Länger gezogen, so dass ich erst im März fertig wurde. Das Buch für März hatte ich in wenigen Tagen durch und als dann das Buch für April feststand, habe ich das auch ganz fix gelesen.) Wieder eine Fantasy-Geschichte, diesmal irgendwo in London, wobei es eben nicht ein London gibt, sondern drei oder vielmehr vier. In Grey London gibt es keine Magie, White London wird von tyrannischen Zwillingen regiert und in Red London fließt die Magie wie die Themse durch die Stadt. Früher waren die Städte verbunden, bis Black London unterging und sicherheitshalber alle Türen zwischen den alternativen Welten geschlossen wurden. Nur noch zwei Menschen haben die Fähigkeit, zwischen den Londons zu wechseln, einer davon ist Kell. Als er einen illegalen Botengang annimmt und einen geheimnisvollen Stein von einem London ins andere schmuggelt, gerät alles aus den Fugen. Dann ist da noch die Diebin Lila aus Grey London, die Kell erst bestiehlt und ihm dann durch die Welten folgt, um die ein oder andere Katastrophe aufzuhalten (oder selbst zu provozieren). Das ist alles sehr flott geschrieben, erinnert an YA (was nicht wundert, da V.E. Schwab auch YA-Romane schreibt). Dass die Geschichte an der ein oder anderen Stelle noch etwas unausgegoren ist, stört da nicht groß, dafür macht das alles zu viel Spaß.

A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab [Amazon-Werbelink]

Gelesen im Februar 2016

Im Februar zu wenig gelesen und dann auch noch nicht dazu gekommen, die Monatsreview zu schreiben. Dann wollte ich das zusammen mit den Märzbüchern machen, im März habe ich aber so furchtbar viel gelesen, dass es dann ein sehr langer Beitrag werden würde, also jetzt doch wieder als einzelner Beitrag. Muss man jetzt nicht verstehen, ist halt einfach so.

Fünf Wochen im Ballon von Jules Verne

Auf Französisch gelesen, einfach, weil ich mein Französisch irgendwie fit halten muss und die Verne-Bücher fürs Kindle umsonst sind. Dafür kann man dann darüber diskutieren, ob man jetzt gerade mit Verne sein Französisch besonders fit hält, denn die Sprache ist ja nun nicht die modernste. In Fünf Wochen im Ballon geht es genau um das, nämlich eine West-Ost-Durchquerung Ost-West-Durchquerung von Afrika in einem Heißluftballon, drei Mann in einem Ballon quasi. Das ist insgesamt ganz spannend, vor allem zum Schluss kommt noch mal Action auf, es ist aber auch typisch Verne und damit teilweise auch ein bisschen anstrengend und streckenweise etwas zäh, zumal, wenn man es im Original liest.

Jules Verne: Fünf Wochen im Ballon [Amazon-Werbelink]

 

Der Pfau von Isabel Bogdan

Der erste Roman von Isa, lange sehnlichst erwartet und im Februar endlich erschienen. Ich habe mich für die Hörbuchversion, gelesen von Christoph Maria Herbst entschieden. Irgendwo in den schottischen Highlands leben Lord und Lady McIntosh auf einem alten Landsitz und vermieten die Cottages an Touristen, die mal ganz entspannte Tage mitten im Nichts verbringen wollen. Dann spielt eines Tages ein Pfau verrückt und attackiert alles, was blau ist und glänzt. Und dann kommt auch noch eine Reisegruppe aus London zu einer Teambuildingmaßnahme. Vier Banker, die Chefin, die Kommunikationstrainerin und eine Köchin nisten sich für ein Wochenende mehr oder weniger freiwillig ein. Und dann kommt es natürlich so, wie es kommen muss, der Pfau geht auf das blaue Auto der Chefin los, Lord McIntosh muss handeln und dann wird aus dem ruhigen Wochenende doch ein ganz und gar verzwicktes, an dem ein armer verrückter Pfau nicht nur einen, sondern gleich mehrere Tode sterben muss.

Das ist alles sehr flockig erzählt und von Christoph Maria Herbst schön vorgelesen, man kann es in einem Rutsch weglesen und danach vielleicht direkt den nächsten Schottlandurlaub buchen, das Anwesen der McIntoshs gibt es nämlich wirklich, man achte auf die Widmung im Buch.

Isabel Bogdan: Der Pfau [Amazon-Werbelink]

 

Planet der Algorithmen von Sebastian Stiller

Ein Buch über Algorithmen für Leute, die noch nicht so viel über Algorithmen wissen, die aber gerne lernen wollen, worum es eigentlich geht, schon allein, weil wir in unserer Welt immer mehr mit Algorithmen zu tun haben. Das klingt erst mal gut und ist auch ordentlich umgesetzt, irgendwo ungefähr zur Hälfte hat mich der Autor aber verloren. Ich habe zwar vermutlich auch ein bisschen mehr mit Algorithmen zu tun als der Durchschnittsleser und die Zielgruppe, spätestens bei dem ein oder anderen deutlich theoretischen Teil wurde es mir dann aber doch zu… nun ja… theoretisch. Entweder bestimmte Aspekte lassen sich nicht einfach erklären oder man braucht ein paar Seiten und Beispiel mehr dazu. So war es jedenfalls nicht gut gelöst, trotzdem gibt es in diesem Buch viele gute Erklärungen, was Algorithmen sind und wie sie – ganz grob zusammengefasst – funktionieren. Eine ausführliche Rezension folgt demnächst.

Sebastian Stiller: Planet der Algorithmen [Amazon-Werbelink]

Gelesen: Sommernovelle von Christiane Neudecker und Wenn’s brennt von Stephan Reich

Sommernovelle und Wenn's brennt

Zwei Bücher, die gleicher und ungleicher nicht sein könnten: Die Sommernovelle von Christiane Neudecker und Wenn’s brennt von Stephan Reich. In beiden Büchern geht es um Teenager, Ferien, die Frage, was kommt und die Frage, was eigentlich ist. Deswegen ergibt es auch Sinn, beide zusammen zu rezensieren, denn so sehr sich viele Themen ähneln, so sehr unterscheiden sich die Bücher in so vielen anderen Dingen, und das macht gerade das spannende aus.

In Sommernovelle fährt Panda, deren wirklichen Namen wir nie erfahren mit ihren besten Freundin Lotte auf eine Insel in der Nordsee, um als Freiwillige in einer Vogelstation zu arbeiten. Es ist Pfingsten 1989, Panda und Lotte sind 15 Jahre alt, sie sind zum ersten Mal alleine von zu Hause weg, voll mit Ideen und Plänen, die Welt zu verbessern, die ohnehin am Abgrund steht. Saurer Regen, Tschernobyl und all das, Pandas Doc Martens, die sie sich vom angesparten Taschengeld geleistet hat und zu Hause hat der Vater Krebs. Auf der Vogelstation arbeiten Hiller und Sebald, zwei alte Männer, das mürrische Fräulein Schmidt und die Studenten Melanie und Julian. Der Professor, der die Station leitet, ist abwesend. Während Panda sich von Hiller beibringen lässt, wie man den Himmel liest, was in diesem Fall bedeutet, die Anzahl der Vögel eines Vogelschwarms zu schätzen, verliebt sich Lotte in Julian. Vögel beobachten, Vögel zeichnen, Vögel zählen, Eier zählen, Touristenführungen machen, das alles während eines heißen Pfingstfrühlings Ende der Achtziger Jahre.

Zu Hause hatten wir im Herbst mit der Umwelt-AG ein kleines Wäldchen säubern müssen. Mit Handschuhen und Greifzangen hatten wie moosüberzogene Safttüten eingesammelt, Kondome und poröse Plastikfetzen aus dem Gestrüpp gezogen, verrostete Dosen aus dem angrenzenden Weiher gefischt. Schon im Frühling lag dort wieder genauso viel Müll herum wie vorher. Aber davon durften wir uns nicht beirren lassen, das war mir klar. Aufgeben galt nicht. Aufgeben war feige.

Als wir auf den Deich traten, blendete mich einen Moment lang das Watt. Der Himmel spiegelte sich in dem feuchten Film, den das zurückweichende Meer auf dem schlammigen Boden hinterließ und die Priele reflektierten das Licht und zogen glimmende Goldadern.

Christiane Neudecker wird auch zugeschrieben, dass sie eine Meisterin der Atmosphäre sei und nichts könnte richtiger sein. Ich war nur einmal an der Nordsee (und dann noch nicht mal auf einer Insel) und bin immerhin grob sechs Jahre jünger als Panda und Lotte, aber selten kam mir eine Geschichte so vertraut vor. Die Ängste und Sorgen, die Vorstellungen von der Welt, manche richtig, manche naiv falsch, das alles war sechs Jahre später gar nicht so viel anders. Auch ohne große Weltretterphantasien, aber immerhin mit einem Vater, der auf einer biologischen Station gearbeitet hat und mit einem Kinderzimmer voller Tierposter, die mein Vater mir mitbrachte oder die ich sorgfältig aus dem Tierfreund rauslöste, war es mir ein Leichtes, mich in Panda einzufühlen und die detaillierten, aber auch für Landschaftsbeschreibungsmuffel wie mich immer stimmigen und nie langweiligen Beschreibungen lassen den Leser einen heißen Spätfrühling auf einer Nordseeinsel so mit erleben als wäre man selber dabei. Sommernovelle ist eines der wenigen Bücher, bei denen man sich beim Zuklappen schon recht sicher sein kann, dass man es auf jeden Fall noch mal lesen wird.

Wenn’s brennt von Stephan Reich spielt hingegen in der Gegenwart, irgendwo auf dem Dorf in den Sommerferien. Der sechzehnjährige Erik, der die Geschichte erzählt, wird nach den Ferien die Lehre bei der Post anfangen, während sein bester Freund Finn, seine Freundin Nina und Kumpel Nelson, der eigentlich Sascha heißt, in der Kreisstadt in die Oberstufe gehen werden, Abitur machen, studieren, was auch immer. Erik ist es eigentlich auch egal, wie ihm so vieles egal ist.

Man trifft sich auf dem Schotter, um zu saufen und zu kiffen, einfach so, weil man das eben macht und weil es auf dem Dorf auch nichts besseres zu tun gibt. Zu Hause will niemand so richtig sein, Erik verachtet seine Eltern für ihre Spießbürgerlichkeit, nur mit seinem behinderten Bruder Tim kann er reden, schon allein, weil der ihm nicht antworten kann, ihm keinen Stress machen, keine Forderungen stellen. Finns Mutter schläft seinen Kunstlehrer, sein Vater ist in Hamburg mit seiner neuen Paris-Hilton-Schnitte und Nelson lebt mit seinem Bruder bei der Oma, bei der sie die Eltern irgendwann abgeliefert haben, um danach zu verschwinden.

So passiert eigentlich die ganze Zeit nichts und doch sehr viel, all der Scheiß, den man anscheinend macht, wenn man keine Perspektive hat, einen alles ankotzt, man nur weg will, aber nicht weiß wohin, wenn die Eltern sich nicht interessieren und nach den Ferien sowieso alles anders ist. Und so steuern die Freunde in Wenn’s brennt genauso mäandernd wie zielstrebig auf die erwartbare Katastrophe zu.

Nelson kommt mir entgegen, er hat eine Flasche Wodka in der einen und einen Plastikbecher in der anderen, und natürlich muss ich mit ihm trinken. Ich gehe pissen, ich höre auf zu pissen, ich vergesse, dass ich Finn suchen wollte, und suche Nina, aber dann fällt es mir wieder ein und ich suche Finn, was ich aber wieder vergesse, also hole ich mir ein Bier. Als ich mit dem nassen Beck’s aus dem Bad komme, steht Karin vor mir, die etwas sagt, das ich nicht verstehen, und mir in den Schritt greift. Sie lacht ganz laut und schrill, aber ich kann sie nicht verstehen, die Musik ist zu laut.

Wenn’s brennt ist gleichermaßen spannend wie liebevoll geschrieben und bewegt sich irgendwo zwischen harten Ausdrücke, Schlägereien und Saufgelagen und nostalgischen Erinnerungen, Freundschaftsbeweisen und der immer wiederkehrenden Erkenntnis, dass es so vermutlich auch nicht ewig weitergehen kann. So fremd mir dieser Aspekt des Jugendlichenseins ist, aus Eriks Sicht wirkt es gar nicht so fremd, alles ergibt irgendwie Sinn, was soll man auch tun, mit 16 auf dem Dorf, wenn einen die Eltern nicht verstehen und die Lehre bei der Post der einzige Zukunftsplan ist, weil nie ein anderer zur Verfügung stand.

Ein bisschen störend sind die Popkulturreferenzen, bei denen man sich irgendwann fragt, ob Jugendliche, die mit 16 außer Rumhängen, Trinken und Kiffen wirklich nicht viel anderes im Sinn haben, wirklich all diese Filme und Bücher gesehen und gelesen haben. Bis zu einem gewissen Grad mache ich da noch mit, und die Szene, in der Erik fast gerührt über die Platte mit Dust in the Wind spricht, die sein Vater irgendwo haben muss, ist dann eben genau das: Rührend und auch gar nicht so unglaubwürdig. Spätestens bei der Referenz auf Die Welt ohne uns von Alan Weisman fand ich es aber doch etwas zu viel. An solchen Stellen stellt sich doch der Verdacht ein, dem Autor würde seine eigene popkulturelle Erfahrung und die des Erzählers (der immerhin knapp fünfzehn Jahre jünger ist als er) etwas zu sehr durcheinanderwürfeln.

Während sich die Teenagerleben in Neudeckers Sommernovelle sehr versöhnlich mit der Welt zeigen, wo die Sorgen zwar auch groß sind, aber auch nach allem Verrat durch die Erwachsenenwelt die Hoffnung darauf, es besser zu machen, nicht stirbt, so treten die Jugendlichen in Wenn’s brennt auf der Stelle, wollen oder können nicht und selbst wenn, wüssten sie nicht wie und die es wollen und können und wissen, die gehen eben. Und so erzählen Sommernovelle und Wenn’s brennt irgendwie die gleiche Geschichte und könnten doch unterschiedlicher nicht sein.

Sommernovelle von Christiane Neudecker [Amazon-Werbelink]

Wenn’s brennt von Stephan Reich [Amazon-Werbelink]

Nicht so gute Bücher 2015

Die schönsten Bücher des Jahres 2015 habe ich ja schon hier und hier vorgestellt. Allerdings habe ich leider auch Bücher gelesen, mit denen ich gar nicht glücklich war. Da ich erstens einfach zufriedenzustellen bin und zweitens ja schon ganz gut weiß, was mir gefallen könnte und was nicht, lese ich selten Bücher, die ich doof finde. Ich gehöre allerdings auch zu der Sorte Mensch, die Bücher zu Ende lesen, auch wenn sie sie schlecht finden. Außer, wenn es Bücher von Pynchon sind, da versage sogar ich.

Drei schlechte Bücher waren es dieses Jahr, davon eines von einem Lieblingsautoren (bitte hier ein kurzes, aber schweres Seufzen imaginieren) und eines, dass ungefähr alle anderen super fanden. Die Bücher fand ich aus unterschiedlichen Gründen schlecht, aber dazu kommen wir gleich.

 

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte von Salman Rushdie

Ich habe schon hier darüber geschrieben und es hat sich leider auch in der Retrospektive nichts geändert. Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte hat eine tolle Prämisse, die wie gemacht für mich schien, Salman Rushdie kann auch schreiben, aber an jeder Stelle hatte ich das Gefühl, dass es irgendwie zu viel ist, zu aufgesetzt, zu prätentiös und gleichzeitig auf eine sehr unangenehme und unpassende Weise machohaft.

Worum es überhaupt ging, habe ich schon fast wieder vergessen. Eine Geschichte von Flaschengeistern, Djinnis und Ifrits (Ifriten? Was ist die Mehrzahl von Ifrit?), einer Welt im Chaos, fliegenden Menschen und viel Sex und Gewalt. Das ist alles pompös und sprachgewaltig und letztlich in seiner ganzen Pompösität und Sprachgewaltigkeit so irre belanglos, dass man sich am Ende fragt, was der ganze Zauber nun eigentlich sollte.

Ich gehe mal davon aus, dass es nicht das beste Buch von Salman Rushdie ist und werde vielleicht beizeiten mal etwas anderes von ihm lesen.

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Der Circle von Dave Eggers

Dave Eggers, oh, Dave Eggers, wie liebe ich Dave Eggers. You Shall Know Our Velocity hat genauso einen besonderen Platz in meinem Bücherherz wie seine Romanversion von Where the Wild Things Are. Aber irgendwas reitet ihn in den letzten Jahren und er schreibt immer seltsamere Bücher. Bücher mit Prämissen, mit irgendwelche aktuellen Bezügen, mit gesellschaftskritischen Ansätzen oder was-weiß-ich. Während A Hologram for the King da noch irgendwie ganz amüsant war, ist Der Circle wirklich eine zweifach unangenehme Lektüre.

Zunächst (und das ist das Positive), weil die Geschichte um eine junge Uniabsolventin, die sich in die quasi sektenhaften Fänge eines großen Softwarekonzerns begibt, einen tatsächlich zum Nachdenken bringt. Wie transparent wollen wir wirklich sein? Was macht es mit unserem Leben, wenn wir alles ständig mit allen teilen und gleichzeitig das Gefühl haben, dauernd alles zu verpassen? Die Fragen, die Dave Eggers aufwirft, sind nicht falsch, auch wenn sie meines Erachtens eher in dem populäreren Problemen der neuen Social-Media-Welt rumwühlen und es deutlich spannendere, aber vielleicht weniger plakative Themen gibt, über die man auch mal reden könnte. Viel schlimmer und unangenehmer ist aber die zeigefingerartige, eindimensionale und wirkliche simple Weise, mit der uns Dave Eggers diese Geschichte präsentiert.

Wenn mich eines an Büchern wirklich ärgert, ist es, wenn ich das Gefühl habe, der Autor würde den Leser für dumm halten. Alles ist so eindeutig präsentiert, dass man sich an keiner Stelle fragen muss, was der Autor einem sagen wollte. Es gibt nur Schwarz und Weiß, Graustufen sind nicht vorgesehen. Dazu kommt die wirklich schwache Charakterzeichnung aller Figuren, insbesondere der Protagonistin, der offensichtlich naivsten Uniabsolventin der Vereinigten Staaten aller Zeiten. Herrjegottnochmal, man möchte sie alle paar Seiten ein bisschen schütteln, kann aber nicht und es gibt auch niemand anders im Buch, der es für einen erledigt.

Darauf noch eine der wirklich albernsten Transparenzmetapherszenen, die man sich ausdenken kann, bei der (Achtung Spoiler!) ein unsichtbarer Tiefseehai alle anderen unsichtbaren Tiefseefische auffrisst. Herrjeaberwirklichmal! Neben der ganz okayen Prämisse muss man Dave Eggers zumindest zugute halten, dass sich Der Circle zackig liest und man zumindest nicht lange für dieses zudem viel zu seitenstarke Buch braucht. Hoffen wir, dass er demnächst wieder zur Besinnung kommt.

Der Circle von Dave Eggers [Amazon-Werbelink]

(Wenn man lieber etwas wirklich Schönes von Dave Eggers lesen will, so greife man bitte zu Ihr werdet noch merken, wie schnell wir sind [Amazon-Werbelink] oder Bei den wilden Kerlen [Amazon-Werbelink]. Beide Bücher bekommen meine uneingeschränkte Leseempfehlung.)

 

Der Marsianer von Andy Weir

Und nun zu dem Buch, das alle Nase lang irgendwer irgendwem empfiehlt, und dem ich nun wirklich so herzlich wenig abgewinnen konnte, dass es leider auch zu den (meinen) schlechtesten Büchern 2015 zählt. Ich habe es in der deutschen Übersetzung als Hörbuch gehört und kann nun nicht ganz sagen, ob es am Hörbuch, an der Übersetzung oder vielleicht doch einfach am Original lag, es hat mich aber in meinem Verdacht beschlichen, dass man sehr gut merkt, wenn Bücher self-published sind.

Was man dem Buch lassen muss: Auch hier ist die Prämisse super und alles das, was einen wesentlichen Teil der Prämisse ausmacht, ist auch gut umgesetzt. Mark Watney strandet auf dem Mars, nachdem er bei einem Sturm von seiner Truppe losgerissen wurde und es nicht mit ins Shuttle zum Raumschiff schaffte. Jetzt gilt es, die Zeit zu überbrücken, bis eine Chance besteht, wieder abgeholt zu werden und unter deutlich widrigen Umstände als einizige Mensch auf dem Mars zu überleben. Das ganze ist gespickt mit wissenschaftlichem Dings und nach allem, was man hört, an dieser Stelle auch durchaus gut gemacht.

Aber herrje, das letzte Mal habe ich so dermaßen stereotype Figuren bei Dan Brown und Andreas Eschbach gelesen, was genau der Grund dafür ist, dass ich keine Bücher von Dan Brown und Andreas Eschbach mehr lese. Man wünscht sich ein Lektorat, dass mal darauf hingewiesen hätte, dass die Story zwar echt gut ist, die Charakter aber vielleicht doch mal ein bisschen weniger klischee- und schablonenhaft und vor allem nicht so furchtbar eindimensional gestaltet werden könnten. Der Protagonist kommt dabei noch am besten weg, ist aber gefühlsmäßig anscheinend auch behindert, denn außer ein paar Witzen fällt ihm zu seiner widrigen Situation auch nicht viel ein. Wo jeder realistische Charakter doch vielleicht das ein oder andere Mal kurz zusammengebrochen und verzweifelt ein paar Marssteine durch die Gegend gekickt hätte, baut Mark Watney Kartoffeln an. Das ist zwar sinnvoller, führte aber bei mir dazu, dass ich für keine der Figuren besonders großes Interesse aufbringen konnte.

An dieser Stelle wird eben auch klar: Ein gutes Buch ist mehr als eine gute Story. Wem eine gute Story reicht, der wird aber vermutlich auch mit Der Marsianer ausreichend glücklich. Es sei ihm gegönnt. (Und Andy Weir im Übrigen auch, in Interviews kommt er sehr sympathisch rüber.)

The Martian von Andy Weir [Amazon-Werbelink]

Bücher 2015 – Plätze 5 bis 1

Die Plätze 10 bis 6 findet man hier.

 

5. Station Eleven von Emily St. John Mandel

Ich nenne es „literarische Science-Fiction“. Station Eleven ist ein Dystopieroman, der in der Zeit nach einer Pandemie spielt, die den Großteil der Menschheit dahingerafft hat (wie viele es tatsächlich sind, erfährt man nicht, denn woher sollte die Information kommen, wenn die Welt zusammenbricht). Kirsten war ein junges Mädchen, als der Virus ausbrach und zieht jetzt mit einem Traveling Circus durch das nordwestliche Amerika. Das Leben ist gefährlich, denn nie weiß man, was einen in der nächsten Stadt erwartet. Wo in einem Dorf die Menschen zumindest einen Versuch an Zivilisation versuchen, herrscht im nächsten Dorf ein Tyrann. In einem zweiten Erzählstrang geht es um den Schauspieler Arthur Leander, der am Abend des Ausbruchs der Krankheit auf der Bühne starb. Seine Geschichte und die der Menschen des Traveling Circus sind miteinander verknüpft. Eine schöne Geschichte, sehr ruhig und liebevoll erzählt. Ich habe auch hier darüber geschrieben.

Station Eleven gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Logbuch in Bremen und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

4. Astrid Lindgren. Ihr Leben von Jens Andersen

Die Biografie von Astrid Lindgren, geschrieben von Jens Andersen, der auch schon die Biografie von Hans Christian Andersen schreib. Wer Astrid Lindgren ist, muss man glaube ich tatsächlich niemandem erklären, ich bin mit ihren Büchern aufgewachsen und habe mir (der Familienlegende nach) mit den Bullerbü-Büchern das Lesen beigebracht. Ihr Leben war genauso ungewöhnlich wie doch irgendwie normal. Mit 19 wurde sie von einem viel älteren verheirateten Zeitungsverleger schwanger und entschied sich für das Kind, aber gegen den Mann. Es folgte ein eigentlich ganz normales Leben in Schweden, sie heiratet, bekommt noch eine Tochter, findet Bürojobs bei Zeitungen und Verlagen, bis sie selber mit Pippi Langstrumpf erst Schweden und dann die Welt erobert. Die Biografie ist sehr nah dran am Leben (soweit man das beurteilen kann), liest sich wunderbar und hat bei mir ausgelöst, dass ich jetzt eigentlich auch alles andere über Astrid Lindgren (Die Kriegstagebücher! Der Briefwechsel mit der jungen Sara!) lesen will. Große Empfehlung, sicherlich auch immer als Geschenk. Ich habe auch hier darüber geschrieben.

Astrid Lindgren. Ihr Leben gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung marx und co in Frankfurt und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

3. The Sparrow von Mary Doris Russell

Auch The Sparrow ist ein Science-Fiction-Roman, durch den man sich etwas durchbeißen muss. Der Jesuitenpriester Emilio Sandez leitet eine Expedition zu einem anderen Planeten, von dem aus Transmissionen mit Musik auf die Erde gesendet wurden. Mit einem umgebauten Asteroiden erreichen sie den Planeten, landen und finden sich auf einer neuen Welt wieder. Sie werden von den Runa aufgegabelt, die friedlich in Dörfern leben und vom Jagen und Sammeln leben. Außer den Runa leben noch die Jana’ata auf dem Planeten, deren Zivilisation weiter entwickelt ist. Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt, Emilio ist als einziger von der Expedition zurückgekehrt, verstümmelt und verbittert. Man fand ihn in einem Bordell, was auf der Erde selbstverständlich einen Skandal bedeutet und auch bei den Jesuiten nicht gerade mit Freude und Verständnis aufgenommen wird. Was wirklich passiert ist, das erzählt Emilio in The Sparrow, einem trotz aller schrecklichen Ereignissen, die dort beschrieben werden, irgendwie versöhnlichen Buch, das nebenbei noch die Geschichte davon erzählt, wie auch nur das scheinbar harmloseste Eingreifen in eine andere unbekannte Kultur katastrophale Folgen haben kann.

The Sparrow gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Bücherträume in Mülheim an der Ruhr und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

2. Die Bienen von Laline Paull

Flora 717 ist eine Biene. Eigentlich ist sie eine Arbeiterbiene, aber Arbeiterbienen sind stumm und Flora kann sprechen. Das ermöglicht dieser kleinen, struppeligen Biene eine Tour durch den Bienenstock, die anderen Bienen eigentlich vorenthalten ist, denn im Bienenstock hat jeder eine Aufgabe, die er von Geburt bis zum Tod erfüllt. Flora hingegen kommt auf die Kinderstation, wird zum Sammeln nach draußen geschickt und dann passiert noch etwas komplett Skandalöses: Sie legt ein Ei! In diesem Buch erfährt man mehr über Bienen als man je wusste, dass es zu erfahren gab. (Außer natürlich, man ist Entomologentochter, dann weiß man natürlich, dass es unendlich viel über Bienen zu erfahren gibt.) Katrin Rönicke verstand das Buch als Parabel, ich habe es eigentlich eher als Versuch gesehen, einen Bienenstock irgendwie für die menschliche Vorstellung fassbar zu machen. Tatsächlich habe ich einige Dinge noch mal bei Wikipedia nachgelesen, um rauszufinden, wie nah die Geschichten an der Realität sind (Antwort: wirklich sehr nah). Aber eigentlich ist es auch egal, denn Die Bienen ist vor allem ein mutiges, unkonventionelles und höchst spannendes Buch. Es steht nicht umsonst auf meinem Platz 2 für das Jahr 2015. Ich habe auch hier davon erzählt.

Die Bienen gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Die Schatulle in Osterholz-Scharmbeck und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

1. Uprooted von Naomi Novik

Agnieszka lebt in einem kleinen Dorf. Alle zehn Jahre kommt der Dragon und holt sich ein Mädchen, das für die nächsten zehn Jahre in seinem Turm wohnt und für ihn arbeitet. (Der Dragon, man merkt es schon, ist gar kein Drache, sondern ein mächtiger Zauberer.) Niemand weiß, was in diesem Turm passiert, aber alle wissen, dass die zehn Jahre vorbei sind und Kasia, Agnieszkas Freundin, die Auserwählte sein wird. Und dann wird es (wer hätte es gedacht) eben doch Agnieszka, die aus ihrem Leben herausgerissen wird und sich in einem ganz anderen Leben wiederfindet. Tatsächlich entwickelt sich Uprooted von hier ab überraschend anders weiter als man erwartet, Novik erzählt eine vielschichtige, spannende Geschichte, die an ein altes russisches oder polnisches Märchen erinnert mit komplexen Charakteren und unvorhergesehenen Wendungen. Uprooted mag eine sehr klassische Fantasygeschichte sein, gleichzeitig ist sie so souverän und einfallsreich geschrieben, dass man sich von dieser Genreklassifizierung auf keinen Fall abhalten sollte. Ich schrieb auch hier darüber.

Uprooted gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Buchstabe in Neustadt und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

Bücher 2015 – Plätze 10 bis 6

Wie immer viel zu spät kommt hier der erste Teil meiner zehn Lieblingsbücher im Jahr 2015. Entscheidend ist dabei immer das Jahr, in dem ich gelesen habe, nicht das Erscheinungsdatum des Buches. Und wie wir es aus Funk und Fernsehen kennen, räumen wir das Feld von hinten auf und starten mit den Plätzen 10 bis 6.

 

10. All the Light We Cannot See von Anthony Doerr

Als Hörbuch gehört und sehr gemocht. All the Light We Cannot See spielt während des zweiten Weltkriegs und erzählt die Geschichte des blinden französischen Mädchens Marie-Laure, das mit seinem Vater vom besetzten Paris in die kleine Stadt Saint-Malo flieht. In einem zweiten Strang wird die Geschichte des deutschen Waisenjungen Werner erzählt, der aufgrund seines Talents für elektronische Geräte in einer Eliteschule der Nazis ausgebildet wird und nach Frankreich geschickt wird, um gegen den französischen Widerstand vorzugehen. Natürlich kreuzen sich die Wege der beiden Figuren irgendwann, aber das ist für dieses Buch eigentlich fast nebensächlich, weil die beiden komplett unterschiedlichen Geschichten auch für sich sehr spannende Perspektiven ermöglichen. Ein schönes Buch, gleichzeitig grausam und liebevoll.

All the Light We Cannot See gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei Literatur Moths in München und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

9. Der kleinste Kuss der Welt von Mathias Malzieu

Das dritte Buch des französischen Autors (und Sängers) Mathias Malzieu… WÄhrend ich das erste Buch noch etwas holprig fand, hat mich Der kleinste Kuss der Welt schon wegen all der schönen Sätze und absurden Bilder begeistert. Im Gegensatz zum Erstling schafft es Malzieu diesmal auch, Nähe zu den Figuren zu erzeugen. Es geht um einen deprimierten Erfinder, der eine Frau küsst, die daraufhin unsichtbar wird. Auf der Suche nach dieser geheimnisvollen und so schwer fassbaren Frau begegnet der sympathische Antiheld unter anderem der Apothekerin Louisa und einem Privatdetektiv mit Papagei. Das ist alles sehr herrlich absurd und gleichzeitig wunderbar poetisch. Ein modernes Märchen mit viel subtilem Witz. Ich habe auch hier darüber geschrieben.

Der kleinste Kuss der Welt gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Rote Zora in Merzig und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

8. Annihilation von Jeff VanderMeer

Erster Teil einer Trilogie über die seltsame Area X, die irgendwo im Süden der USA auf einmal entstanden ist und nur durch eine Art unsichtbare Mauer vom Rest der Welt getrennt ist. Durch einen geheimen Durchgang werden seit Jahren Forschergruppen in dieses geheimnisvolle Gebiet gelassen, doch alle Expeditionen (bis auf die erste) schlagen fehl, von Massenselbstmord bis zu Teilnehmern, die an ganz anderen Stellen der Welt wieder auftauchen und wenige Zeit später an Krebs erkranken. Nun wird das zwölfte Team in den unbekannten Bereich geschickt, vier Frauen, eine Anthropologistin, eine Vermesserin, eine Psychologin und eine Biologin, die namenlose Erzählerin der Geschichte. Natürlich wird auch bei dieser Expedition die geheimnisvolle Area X ihrem Ruf gerecht. Eine seltsame topographische Unmöglichkeit und seltsame Lebewesen bringen das Gefüge des Teams schnell durcheinander. Annihilation wirft mehr Fragen auf als es beantwortet, bleibt immer eigenwillig und geheimnisvoll und bildet so eine seltsame Mischung aus gut lesbar und herausfordernd. Die nächsten beiden Teile habe ich direkt am Anschluss gelesen und kann so schon mal verraten, dass dort zwar einige Fragen tatsächlich geklärt werden, die Geschichte aber nichts von ihrer geheimnisvollen Sperrigkeit einbüßt.

Annihilation gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Lesebar in Ochsenhausen und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.

 

7. The Traitor Baru Cormorant von Seth Dickinson

Ein sehr politischer und demensprechend auch etwas sperriger Fantasyroman. Die titelgebende Verräterin Baru Cormorant wächst recht behütet auf einer Insel auf. Die Gesellschaft auf ihrer Heimatinsel zeichnet sich durch große Liberalität aus, Polyamorie und Homosexualität sind Normalität, Baru hat eine Mutter und zwei Väter und ein insgesamt schönes Kinderleben, bis das Empire of Masks die Insel einnimmt und mit seinen strengen Regeln und Doktrinen ordentlich aufräumt. Baru lernt auf einer Schule der neuen Herrscher alles, was sie wissen muss, um später selber eine Rolle innerhalb des Machtgefüges einnehmen zu können. Sie passt sich an und wird zum Musterschüler, alles nur, um innerhalb des Regimes eine Stelle einnehmen zu können, die ihr erlaubt, das System von innen zu zerschlagen. Doch der Weg dorthin ist lang und steinig und erfordert von Baru mehr als einmal, Opfer zu bringen und sich gegen ihre Überzeugungen zu stellen, um sich nicht zu verraten. Das spannende und gleichzeitig schwierige an dieser Geschichte waren die strategischen Überlegungen und die vielen Beziehungen, immer wieder wechselnd, bröckelig und unsicher. Eine Geschichte, in der die Kategorien gut und böse nicht funktionieren. Ich habe auch hier darüber geschrieben.

The Traitor Baru Cormorant gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], und vermutlich auch bei anderen Buchhandlungen, auch wenn ich bei meiner Suche keine gefunden habe, die es im Online-Sortiment hatte.

 

6. Aufbau vor laufender Kamera von Armin Maiwald

Armin Maiwald hat seine Biografie geschrieben und ich lege sie (mal wieder) jedem ans Herz, der sich irgendwie für Armin Maiwald, Die Sendung mit der Maus, Fernsehgeschichte, Kölner Anekdoten, Hausrenovierungen interessiert oder für alles zusammen oder der einfach nur ein schönes Buch lesen will. Armin Maiwald kommt während des zweiten Weltkrieges in Köln zur Welt, nachdem die Familie mehrfach ausgebombt wurde, wächst er aber ein paar Jahre in Bayern auf, bevor die Familie nach dem Krieg wieder in die Heimatstadt zurückkehrt. Fast durch Zufall landet Maiwald beim Fernsehen und auch wenn man weiß, wo das ganze irgendwann endet, so ist der Weg dorthin gespickt mit vielen spannenden Geschichten, Schwierigkeiten und Zufällen. Schön auch: Armin Maiwald schreibt ungefähr genauso, wie man es aus seinen Sachgeschichten aus der Sendung mit der Maus kennt. Es fällt nicht wirklich schwer, im Kopf die bekannte Stimme erklingen zu lassen. Für alle, die es doch noch direkter mögen, gibt es aber auch das Hörbuch, das von ihm selbst eingelesen wurde. Ich schrieb auch hier darüber.

Aufbau vor laufender Kamera gibt es bei Amazon [Amazon-Werbelink], bei der Buchhandlung Scheuermann in Duisburg und in jedem anderen Buchhandel um die Ecke.