Kategorie: Bücherzeug

Der Deutsche Buchpreis hat ein Männerproblem

Gestern wurde die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2016 bekanntgegeben und – großes Wunder – von sechs Büchern wurde exakt eines von einer Frau geschrieben. Während die Longlist immerhin noch eine Frauenquote von 30 Prozent hatte, liegt diese bei der Shortlist nun bei 17 Prozent. Erwartungsgemäß wurde dies sofort in den sozialen Netzwerken thematisiert und diskutiert und wie jedes Jahr wurden die gleichen Argumente ausgepackt, um dem Vorwurf einer möglichen Ungleichberechtigung entgegenzutreten. Es ginge halt um Qualität, in der Jury säßen genug Frauen, und außerdem hätten bisher mehr Frauen als Männer den Buchpreis dann tatsächlich gewonnen.

Jedes dieser Argumente ist für sich zunächst nachvollziehbar und faktisch richtig. Trotzdem bringen sie uns nicht weiter und lenken vor allem vom Offensichtlichen ab: Der Deutsche Buchpreis hat ein Frauenproblem. Vielmehr müsste man sogar sagen: Der Deutsche Buchpreis hat ein Männerproblem.

Wenn mir etwas komisch vorkommt, mache ich als erstes das, was am einfachsten ist: Ich gucke es mir genauer an. Das habe ich beim Deutschen Buchpreis schon vor ein paar Jahren gemacht, da kam mir nämlich auch schon was komisch vor. Also erstellte ich eine Exceltabelle und trug für jedes Jahr (den Preis gibt es seit 2005) die Anzahl der von Frauen geschriebenen Büchern für Longlist, Shortlist und Hauptpreis ein, außerdem die Anzahl der Frauen in der Jury. Wer sich jetzt fragt, warum man mit sowas seine Zeit verplempert, für den habe ich die Antwort hier schon mal aufgeschrieben.  Das Ergebnis war wenig überraschend und doch ernüchternd:

Statistik Deutscher Buchpreis

Auf die Longlist kommen insgesamt zwanzig Bücher. Die schlechteste Quote hatte der Buchpreis hier in den Jahren 2006 und 2008 mit jeweils nur vier von Frauen geschriebenen Bücher, die Quote lag also bei satten 20 Prozent. Tatsächlich wird es mit der Zeit besser und wir hatten in den Jahren 2011 und 2015 die jeweils beste Quote von 40 Prozent mit jeweils acht von Frauen geschriebenen Büchern. In keinem Jahr waren zumindest die Hälfte der Bücher von Frauen verfasst, von einer Quote über 50 Prozent ganz zu schweigen. Auch noch im Jahr 2014 blieb es bei nur fünf Büchern, also 25 Prozent.

Auf der Shortlist sieht es insofern besser aus, als dass in den letzten zwölf Jahren immerhin drei Mal die Hälfte der Bücher von Frauen geschrieben war, nämlich 2011, 2013 und 2015. Dieses Jahr landete aber wieder nur ein einziges Buch auf der Shortlist, was einer Quote von 17 Prozent entspricht und schon in den Jahren 2006, 2008 und 2012 der Fall war. Immerhin: In keinem einzigen Jahr landeten nur von Männern verfasste Bücher auf der Shortlist. Der Vollständigkeit halber angemerkt sei auch noch, dass in keinem Jahr mehr als die Hälfte der Bücher von Frauen geschrieben wurde.

Bei den Preisträgern sieht es tatsächlich gut aus. Von bisher elf Preisträgern waren sechs Frauen, hier liegen wir also bei über 50 Prozent (Hurra! Jubel!). Bei allem, was man an Spekulationen über die diesjährigen Shortlistkandidaten hört, ist es wahrscheinlich, dass der Preis dieses Jahr an einen Mann geht, dann wären wir im zwölften Jahr des Buchpreises bei einer Frauengewinnquote von 50 Prozent. Das ist schön.

Zuletzt noch zur Jury: Diese besteht aus sieben Personen, eine 50-Prozent-Quote ist also mathematisch nicht möglich. Seit 2010 wird die Jury, in der vorher auch schon einmal nur eine oder zwei Frauen saßen, gleichberechtigt besetzt, die Zahlen sehen verdächtig danach aus, als wäre dies auch eine bewusste Entscheidung. Das bedeutet, dass seitdem immer entweder drei oder vier Frauen in der Jury saßen. Auch hier kann man nicht meckern.

Soweit also zu den Zahlen. Schön ist: Die stehen fest und sind objektiv. Es kann also niemand sagen, dass aber im Jahr Wann-auch-immer ja wohl mehr Bücher von Frauen auf der Liste stehen, denn das stimmt schlichtweg nicht.

Zusammengefasst lässt sich sagen:

  • In keinem einzigen Jahr waren weder auf der Longlist als auch auf der Shortlist mehr von Frauen als von Männern verfasste Bücher vertreten.
  • Das beste Verhältnis auf der Longlist war 8:12 in zwei Jahren.
  • In allen anderen Jahren waren weniger als acht der für die Longlist nominierten Bücher von Frauen geschrieben.
  • In drei (von zwölf) Jahren und ausschließlich auf der Shortlist betrug die Quote exakt 50 Prozent.
  • Frauen gewinnen den Buchpreis genauso häufig (wenn nicht öfter, nach der Frankfurter Buchmesse wissen wir mehr) wie Männer.
  • Die Jury ist seit 2010 gleichberechtigt besetzt, mit entweder drei oder vier Frauen von insgesamt sieben Mitgliedern.

Kommen wir also zu den Gegenargumenten, die diese Beobachtungen entweder ignorieren oder deren Aussagekraft in Frage stellen.

 

Argument 1: Es geht um Qualität.

Natürlich geht es um die Qualität. Anders ausgedrückt sagt dieses Argument aber immer irgendwie: Frauen können wohl nicht so gut schreiben wie Männer. Denn wie anders lässt sich zwischen der Beobachtung, dass Männer den Deutschen Buchpreis dominieren und der Aussage, es ginge halt um Qualität eine Verbindung schaffen.

Wenn Frauen bessere Bücher schreiben würden, dann würden sie schon häufiger auf der Longlist landen? Seriously? Wir haben nicht genug gute von Frauen geschriebenen Bücher in Deutschland, als dass wir jedes Jahr zehn finden würden, die für einen Preis in Frage kämen?

Wir reden hier ja nicht von einem, oder zwei Jahren, sondern von allen. Von allen Jahren. In jedem verdammten Jahr scheint es unmöglich, zehn Bücher zu finden, die des deutschen Buchpreises würdig wären und die von Frauen geschrieben wurden. Ich habe keine Liste aller in diesem Jahr erschienenen Bücher vorliegen, behaupte aber ganz frech, dass das wohl kaum sein kann.

 

Argument 2: Es gewinnen aber mehr Frauen als Männer den Buchpreis.

Das ist, mit Verlaub, ja nicht der Punkt. Es ist hoch erfreulich, dass sich in der letzten Instanz eine gute 50-Prozent-Quote zeigt. Umso verblüffender, dass es vorher so gar nicht klappen wird.

Zumal ich die Tatsache, dass Frauen im gesamten Entscheidungsprozess unterrepräsentiert sind, und dann doch mit erstaunlicher Regelmäßigkeit gewinnen, erst recht irritierend finde. Das heißt doch auf der anderen Seite, dass Frauen eben doch genauso gut schreiben können wie Männer (falls das ernsthaft angezweifelt wurde), gerade dann ist es doch verwunderlich, warum es so schwer scheint, auch für die Longlist ausreichend viele von Frauen geschriebener Bücher zu finden.

 

Argument 3: Es sitzen teilweise mehr Frauen als Männer in der Jury.

Die Fehlannahme hier ist, dass man unterstellt, Männer würden halt Männer gut finden und Frauen ignorieren. Statt dessen scheint das Problem ja genderübergreifend zu sein.

Es ist vielmehr anzunehmen, dass die Vorstellung, von Männern geschriebene Bücher wären besser oder zumindest Buchpreiskompatibler so in den Köpfen festsitzt, dass sich auch die weiblichen Jurymitglieder davon nicht lösen können. Es ist eben ein Kultur- oder ein Branchenproblem und keines, dass sich so einfach über eine gleichberechtigte Juryzusammensetzung lösen lässt.

 

Nun fehlen mir doch die ein oder andere Information, die sicherlich zur Einschätzung oder zur weiteren Analyse hilfreich wäre. Beispielsweise weiß ich nicht, welche Bücher von den Verlagen überhaupt als Buchpreiskandidaten eingereicht wurden. Möglicherweise ist die Quote hier noch viel, viel schlimmer und die Jury macht jedes Jahr schon das beste daraus.

Wenn das der Fall wäre, stellten sich wieder zwei anschließende Fragen:

  • Wie ist das Verhältnis der eingereichten Bücher?
  • Warum glauben Verlage, dass von Männern geschriebene Bücher besser für den Buchpreis geeignet seien?

(Ich wäre durchaus interessiert an einer Liste aller eingereichten Bücher, um sie auf das Geschlechterverhältnis durchzuzählen.)

Vielleicht haben wir ein ganz anderes Problem und Männer werden in der Literaturbranche als die für die ernste, wichtige Literatur wahrgenommen, während Frauen eher so für die Unterhaltung gut sind. Die Autorin Catherine Nichols hat das Experiment gewagt und nach den recht erfolglosen Versuchen, unter ihrem richtigen Namen einen Agenten für ihr Manuskript zu gewinnen, die gleichen Anfragen unter einem männlichen Pseudonym rausgeschickt. Auf einmal kamen Antworten und Manuskriptanfragen. Auf Jezebel hat sie darüber geschrieben.

 

Auch zu beachten ist, dass es hier nicht um Einzelfälle geht. Es geht nicht um das eine Jahr, in dem mal nur fünf Frauen auf die Longlist kamen. Es geht um jedes fucking Jahr, in dem die beste Quote bei 40 Prozent lag. Wir haben hier kein Problem, dass sich mit „Na ja, in dem Jahr gab es halt nicht so viele gute Bücher von Frauen“ beantworten ließe. Es fordert ja auch niemand eine alljährliche 50-Prozent-Quote. Nur am Ende, wenn wir alle Jahr betrachten, sollte eben etwas in der Art dabei herauskommen. Wenn sich jedes Jahr das gleiche Bild zeigt, dann ist es ein Strukturproblem und vor allem: Dann ist es auch ein Problem.

Das einfachste Argument ist dann immer: „So ist es eben.“

Wenn eben nur soundsoviele von Frauen geschriebener Bücher eingereicht wurden und wenn sich davon nur soundsoviele für die Longlist eigneten: Da kann man dann halt nix machen! Die Jury kann ja schlecht weniger nominieren oder selber schnell noch Bücher schreiben lassen. Dann muss sich eben erst was in der Welt ändern, dann ändert sich auch was am Preis.

Tatsächlich aber hat ein öffentlich wirksamer Buchpreis immer auch eine Verantwortung und diese Verantwortung kann auch beinhalten, Realitäten herzustellen. Man kann Realitäten herstellen, indem man ganz einfach durch eine gleichberechtigte Besetzung der Longlist vermittelt, dass es keinen qualitativen Unterschied zwischen von Männern und von Frauen geschriebenen Büchern gibt. Man kann auf diesem Wege einfach behaupten, dass das so ist. Und wenn man das lang genug macht, dann setzt es sich auch in den Köpfen fest, dann wird es normal, dann wird es Realität. Man muss es sich nur trauen.

Dass es auch anders geht, beweist unter anderem der Bachmannpreis jedes Jahr. Hier lesen in manchen Jahren sogar mehr Frauen als Männer ihre Texte vor. Ob das daran liegt, dass die Autoren und Autorinnen die Texte selber einreichen, ob die Kurzform Frauen irgendwie angenehmer ist als Männern oder ob intern darauf geachtet wird, das Verhältnis ausgeglichen zu halten, all das kann ich nicht sagen. Ich beobachte nur, was am Ende rauskommt und kann nur mutmaßen, warum das so ist.

Am Ende ist es auch immer eine Kulturfrage. In einem Wettbewerb, bei dem die Mechanismen, die eine geringe Frauenquote begünstigen, nie analysiert und hinterfragt werden, wird sich auch nichts ändern. Und offensichtlich ist das auch nicht gewollt. Unklar bleibt, was dabei schaden könnte. Am Ende kommt noch raus, dass nichts dagegen spräche, auf eine gerechtere Verteilung zu achten. Wenn man da ein paar Jahre eine strenge Quote einführen muss, damit es in vermutlich recht kurzer Zeit zur Selbstverständlichkeit wird und die Regeln dann wieder gelockert werden können, ich denke, das würde der Deutsche Buchpreis auch gut überleben.

Gelesen im August 2016

Ich und die Menschen von Matt Haig

Kein gutes Buch, sogar ein ziemlich schlechtes, das einen die ganze Zeit mit kitschigen, sinnlosen Sätzen plagt und dem Leser mit Holzhammermethode einbläuen will, dass erst die Fehler der Menschen sie so liebenswert machen. Es geht um einen namenlosen Außerirdischen, der auf die Erde kommt und in die Haut eines Mathematikers schlüpft, um jegliche Hinweise auf den von ihm erbrachten Erweis einer Vermutung zu vernichten, weil diese den Menschen mehr Fortschritt bringen würde als sie verantworten können. Ich habe schon in diesem Video darüber geredet. Immerhin sind die Szenen mit dem Hund nett.

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Auerhaus von Bov Bjerg

Danach zum Glück direkt ein sehr erfreuliches Buch gelesen (bzw. gehört). Auerhaus ist eine Jugendgeschichte aus den Achtzigern. Kurz vor dem Abitur versucht Frieder sich das Leben zu nehmen. Er überlebt und zieht nach dem Aufenthalt in der Therapie mit drei Freunden in ein Haus. Hier kann jeder ein bisschen auf jeden aufpassen, es wird am Esstisch diskutiert, Partys gefeiert und der Dorfweihnachtsbaum gefällt. Das ist alles sehr wunderbar erzählt und vollkommen zu Recht von allen gelobt.

Auerhaus von Bov Bjerg [Amazon-Werbelink]

 

Dornenmädchen von Karen Rose

Auch wieder unerfreulich, auf Spotify als Hörbuch gehört. Ich hatte mir irgendwas in Richtung Gillian Flynn oder Paula Hawkins vorgestellt, bekam aber einen albernen romantischen Krimithriller. Hätte ich mich vorher über die Autorin und ihre Bücher informiert, hätte ich etwas ahnen können, aber nun, so hab ich jetzt aus Versehen mal ins Genre reingeschnuppert und weiß Bescheid, dass es nichts für mich ist. Die Story selber ist okay, irgendwas mit Serienmördern, jungen Mädchen, einer Protagonistin, die vor einem Stalker fliehen und einem Detective mit seltsamen Augen und puh… aus Teilen hätte man was machen können, aber sexy times hin und her, so schnell wie da Leute scharf aufeinander sind, während irgendwo anders gerade Mädchen gefoltert werden, das ist schon arg gewollt. Nein nein nein, das war ein Versehen. Nix mehr von Karen Rose für mich.

Dornenmädchen von Karen Rose [Amazon-Werbelink]

 

The Last Days of New Paris von China Miéville

Der neue Miéville, eher eine Novelle als ein Roman, aber so voll mit Inhalt, dass man doch sehr lange damit beschäftigt ist. Es geht um den Widerstandskämpfer Thibaut, der in einem abgeriegelten Paris gegen Nazis, Dämonen und manifs kämpft. Manifs sind Manifestationen surrealistischer Künstler, die sich nach dem sogenannten S-Blast, einer geheimnisvollen Explosion in einem Pariser Café, materialisierten. So bevölkern die Ideen der Surrealisten die Straßen von Paris, Frauen-Fahrrad-Hybriden, Tische mit Fuchsköpfen und -schwänzen, ein riesiger Elefant, wild zusammengesetzte vorzügliche Leichen. Dabei trifft Thibaut auf eine amerikanische Fotografin, die die Geschehnisse dokumentieren und wieder nach draußen bringen will. Das ganze ist abgedreht wie bei einem Miéville-Buch zu erwarten ist, aber so atmosphärisch, das es mir noch immer im Kopf nachhallt. In Fußnoten erfährt man glücklicherweise auch etwas über die seltsamen manifs und kann während des Lesens die Google Bildersuche anschmeißen. Große Empfehlung, wenn man kein Problem mit sehr seltsamen Geschichten hat.

The Last Days of New Paris von China Miéville [Amazon-Werbelink]

 

Planet Magnon von Leif Randt

Leif Randt erzählt eine Science-Fiction-Geschichte, die in einem anderen Sonnensystem spielt. Alle Planeten sind bevölkert, inklusive des Müllplaneten Toadstools, der zur Lagerung alles anfallenden Mülls genutzt wird. Die Gesellschaft organisiert sich in Kollektiven, die um Mitglieder werben. Regiert wird alles von einer künstlichen Intelligenz, die stets die für die Gemeinschaft besten Entscheidungen trifft. Erschüttert wird diese Welt von dem Kollektiv der gebrochenen Herzen, das sich der Vorstellung eines perfekten Lebens verweigert und statt dessen Emotionalität zelebriert und gewissermaßen auf ein Recht auf das Unglücklichsein pocht. Insgesamt eine schicke Geschichte, bei der mir irgendwas gefehlt hat, ohne dass ich es näher benennen könnte. Leif Randt erzählt flott und detailliert, die Figuren machen Spaß und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte entweder etwas zu sehr an der Oberfläche blieb oder ich vielleicht irgendwas nicht kapiert hatte. Trotzdem eine Empfehlung, schon wegen der vielen schönen Ideen und gut beschriebenen Welten, die in diesem Buch stecken.

Planet Magnon von Leif Randt [Amazon-Werbelink]

 

Minigolf Paradiso von Alexandra Tobor

Minigolf Paradiso habe ich mir extra für den Urlaub aufgehoben, und es dann an einem Tag weggelesen. Alexandra Tobor hat wieder die Zeitmaschine angeworfen und ist in die Neunziger zurückgereist. Sie erzählt die Geschichte von Malina, einer Migrantin, die mit ihren Eltern als Kind aus Polen nach Deutschland gekommen ist. Malina ist jetzt 16, fühlt sich wie unsichtbar und ihr einziger Freund ist ein toter Punk, dem sie Vogelschädel ans Grab bringt und Briefe schreibt. Der Großvater ist tot, zur Oma in Polen besteht kein Kontakt mehr, Malina fühlt sich allein und ohne Wurzeln. Dann fahren ihre Eltern ohne sie in Urlaub und auf einmal kommt alles ganz anders: Malina findet heraus, dass ihr Opa noch lebt, findet ihn auf einem heruntergekommenen Minigolfplatz und steckt auf einmal mitten drin in einem Road Movie, das sie bis nach Polen führt.

Minigolf Paradiso ist wunderschön erzählt, mit zahlreichen Anspielungen auf die neunziger Jahre, bei denen mein Herz aufging. Die Story bleibt trotz ihrer Skurrilität immer glaubwürdig und berührend. Große Empfehlung, und das sage ich nicht nur, weil die Autorin meinem Exemplar eine Tüte Knisterkaugummi beigelegt hatte.

Auf ihrem Blog bietet Alexandra Tobor ein betreutes Lesen an. Mehr Hintergrundwissen zu den schönen Neunzigern kann nämlich nie schaden.

Minigolf Paradiso von Alexandra Tobor [Amazon-Werbelink]

Bücher in Kameras halten

Mein Hauptproblem ist ja, dass ich bei vielen Dingen immer sehr schnell „Das kann ich auch!“ denke und das anschließende Problem ist dann, dass ich das auch ausprobieren möchte. Das Internet ist dabei nicht hilfreich, denn erstens findet man da viele Dinge, bei denen man „Das kann ich auch!“ denkt und zweitens hilft es einem dann noch dabei, das selber auszuprobieren.

Nach eingehender Beschäftigung mit dem Phänomen Booktuber inklusive tiefgehender Rercherche bin ich jetzt also irgendwie selbst eine, zumindest ein bisschen. Im ersten Versuch halte ich nur Bücher in die Kamera, die ich für den anstehenden Urlaub bestellt habe. Der Nachteil dieser Unboxing-Videos ist, dass man die Bücher ja noch nicht gelesen hat und dementsprechend wenig darüber zu sagen weiß. Der Vorteil ist, dass man quasi nix dafür machen muss, aber von diesem Vorteil hat nur der Booktuber selber etwas.

Nachdem das erste Video dann schon mal gemacht und hochgeladen war, habe ich ein wirklich schlimmes Buch gelesen und das dann gleich zum Anlass genommen, noch mal ein Video zu drehen. Der Vorteil: Immerhin wusste ich diesmal, worüber ich rede. Der Nachteil: Im Prinzip rege ich mich eine Viertelstunde nur auf, aber zwischendurch gibt es immerhin eine lobende Erwähnung von Bov Bjergs Auerhaus.

Dafür lerne ich bei jedem Mal ein bisschen mehr: Wie man die Kamera ordentlich positioniert, wie man das ganze zusammenschneidet, wie man andere Bilder einbindet, wie man Sound einbettet, wie man Standbilder erstellt und und und… Zu irgendwas wird es also bestimmt gut sein und sei es nur, dass ich noch mal beweise, dass man wirklich ganz dringend die Hände zum Reden braucht und auf jeden Fall seine beiden Freunde Gin und Tonic mit zur Rezensionsparty mitbringen sollte.

Gelesen im Juli 2016

Erst dachte ich, ich hätte wenig gelesen, es stellt sich aber raus, dass ich immerhin ganz knapp vier Bücher geschafft habe, davon allerdings drei als Hörbuch. Das fünfte Buch habe ich abgebrochen, weil es mir zu doof war und das will nun wirklich was heißen.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann

Schon überall sonst gefühlt hochgelobt, auf Spotify gab es das Hörbuch und ich war sehr angetan, eventuell sollte man das auch unbedingt als Hörbuch hören, denn Thees Uhlmann liest selbst und einige sprachliche Eigenheiten, die etwas eigenwillig wirken, funktionieren enorm gut, wenn man weiß, wie Thees Uhlmann liest.

Als es eines Morgens klingelt, öffnet der Protagonist die Tür und vor ihm steht der Tod, der ihm eröffnet, dass er jetzt leider mitkommen muss, ein paar Minuten hätte er noch, dann wäre aber Schluss. Dann klingelt aber auch Sophia, die Ex-Freundin des Erzählers und auf einmal kommt alles durcheinander, das Sterben wird verstorben, statt dessen ziehen Sophia, der Tod und der Erzähler durch die Straßen, trinken Bier in einer Kneipe und brechen am nächsten Tag zusammen zur Mutter des Protagonisten auf.

Das ganze ist so unglaublich liebevoll und witzig erzählt, dass man gar nicht möchte, dass das Buch endet. Die Freude des Todes, einmal auch am Leben teilzuhaben und etwas zu unternehmen, die Frotzeligkeit von Sophia und natürlich der Erzähler, der es sich während seiner letzten Tage nicht nehmen lässt, die Welt insgesamt doch ganz gut zu finden und noch einmal ganz besonders zu lieben. Das Buch hat jede Lobhudelei aber sowas von verdient.

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann [Amazon-Werbelink]

 

Broken House von Gillian Flynn

Kurzgeschichte von Gillan Flynn, die ja vor allem mit Gone Girl bekannt wurde. Auch hier spielt sie mit Psychothriller- und Horrorelementen, die Story ist schön doppelbödig und liest bzw. hört sich schnell runter. Die Protagonistin ist Nerdy und arbeitet in einem Salon für Wahrsagerei und sexuelle Dienstleistungen. Ihre Chance sieht sie gekommen, als sie Susan Burke trifft, die davon überzeugt ist, dass es in ihrem Haus spukt. Auf knapp 60 Seiten bringt Flynn ausreichend viele überraschende Wendungen unter und auch sonst kann man das schön zwischendurch lesen oder wie ich auf Spotify als Hörbuch hören.

Wenn der Verlag endlich mal aufhören würde, die Originaltitel von Gillian Flynn mit anderen englischen Titeln zu ersetzen (Broken House heißt im Original The Grownup), wäre ich noch einen Ticken glücklicher, denn so weiß man nie, welches Buch man schon kennt und ob die vorliegende Version das Original oder die deutsche Übersetzung ist.

Broken House von Gillian Flynn [Amazon-Werbelink]

 

Time Traders von Andre Norton

Für den Onlinebuchclub gelesen und eher so hm gefunden. Man kann auch leider nicht sagen „Nicht vom komischen Cover irritieren lassen!“, denn das wäre irreführend, das Cover passt leider hervorragend zum Buch. Aber gut, dann habe ich jetzt mal Pulp Science-Fiction aus den fünfziger Jahren gelesen, das kann man ja mal machen.

Der Name sagt es schon, es geht um Zeitreisen, wobei die Mechanismen eher dürftig erklärt werden, die Amerikaner sind hinter irgendwelchen Artefakten her, die sie in der Vergangenheit vermuten, die Russen sind die Gegenspieler und irgendwo dazwischen ein Antiheld-Held, der die ganzen sehr sehr langen und sehr sehr weiligen 150 Seiten des Buches nur rumreagiert. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, ist es vielleicht ganz okay, Stimmen im Onlinebuchclubforum freuten sich über die anscheinend ganz gut gelungene Darstellung der Glockenbecherkultur. Manche lasen aus Versehen den zweiten Band der Reihe, weil es die englische Ausgabe fürs Kindle umsonst mit beiden Büchern gibt, das vorne aber nicht drauf steht. Das zweite Buch scheint besser zu sein. Ich war nach 150 Seiten froh, dass es vorbei war und habe aber immerhin gelernt, dass es die Glockenbecherkultur gab.

Time Traders von Andre Norton [Amazon-Werbelink]

 

The Last Wish von Andrzej Sapkowski

Auch für den Onlinebuchclub gelesen bzw. gehört. Ebenfalls nicht meins, aber sehr viel besser als Time Traders, so dass ich heilfroh war. The Last Wish ist das erste Buch der Witcher-Reihe (auf der auch die gleichnamige Computerspielreihe basiert) von Andrzej Sapkowski, polnische Fantasy also, kann man ja auch mal machen.

The Last Wish ist eigentlich eine Reihe von Kurzgeschichte, sieben insgesamt, die von einer groben Rahmenhandlung umfasst werden. Ich habe etwas gebraucht, um reinzukommen, dann war das aber alles sehr unterhaltsam und sogar mit einem angenehm trockenen Humor versehen. Geralt ist der Witcher, der hier von Abenteuer zu Abenteuer wandert, immer wieder sind Märchenthemen mit eingebaut, so dass man schon ein lustiges Suchspiel aus den Geschichten basteln kann, das fand ich recht amüsant. Und auch sonst wird hier eine schöne komplexe Fantasywelt gebaut, mit bekannten und neuen Elementen, da kann man nicht meckern. Falls ich nicht 500 Bücher als Leseproben auf dem Kindle und um die 20 Bücher auf dem Stapel neben dem Bett liegen hätte, ich würde durchaus in Betracht ziehen, die Reihe weiterzulesen. Die Hauptfiguren schön komplex, der Unterhaltungsgrad hoch, die Geschichten ausreichend spannend und fantasievoll, da kann man nicht klagen.

The Last Wish von Andrzej Sapkowski [Amazon-Werbelink]

 

Abgebrochen:

Macht von Karen Duve

Auf Vorschlag probiert, gab es Gott sei Dank als Hörbuch bei Spotify, so dass ich wenigstens kein Geld dafür ausgegeben habe, denn Herrgott, was hätte ich mich geärgert, hätte ich dafür bezahlt. Karen Duves Macht wurde ja schon in zahlreichen anderen Medien zerrissen und ich kann hier nichts zur Ehrenrettung des Buches schreiben.

Ungefähr bis zur Stelle der ersten Vergewaltigung gehört, dann entschieden, dass ich sowas nicht unbedingt mehrere Stunden lang ertragen muss, also das letzte Kapitel gehört, um wenigstens zu wissen, wie es ausgeht, so neugierig war ich immerhin. Dann damit weitergemacht, das Buch rückwärts zu hören, was erstaunlicherweise total gut ging, anscheinend verpasst man nicht so viel, wenn man die Mitte einfach weglässt, alles, was man zum Verständnis braucht, kann man sich ganz gut zusammenreimen und eigentlich ist es auch egal.

Und mit egal hätten wir auch eine ganz gute Zusammenfassung zu diesem Buch. Die Intention ist spannend genug, die Zukunftsvision tatsächlich ganz interessant und zumindest scheinbar detailliert, letztlich bleibt aber alles egal. Es geht um den 70-jährigen Sebastian, der dank der Verjüngungspillen Ephebos (leider krebserregend, but so what?) wie Ende 30 aussieht, und der schönen neuen Welt, in der Staatsfeminismus herrscht und es Fleisch und Benzin nur gegen CO2-Gutscheine gibt und blablabla, jedenfalls steht Sebastian dieser untergehenden Welt sehr verbittert gegenüber und hat seine Frau kurzerhand im Keller angekettet, um sie zu demütigen und irgendwie seine Machtposition als Mann zumindest zwischendurch genießen zu können. Macht ist dann auch zu allem Überfluss noch aus der Sicht von Sebastian geschrieben, so dass man auch noch dauernd Rechtfertigungslitaneien lesen muss. Im Prinzip ist es ein langer, sehr langer, extrem langer Facebookkommentarthread zu einem Feminismusthema mit besonders kruden Ansichten, nur in besser geschrieben. Aber ich lese keine Facebookkommentarthreads mit kruden Ansichten, schon rein aus Mentalhygienegründen und Karen Duve schreibt zwar gut und gelegentlich sogar ganz witzig, aber nicht gut genug, als dass es den Rest wieder wettmachen dürfte.

Man muss diese Bewertung natürlich mit Vorsicht genießen, ich habe vielleicht ein grobes Viertel des Buches gelesen bzw. gehört, eventuell sogar ein Drittel und kenne den ganzen Mittelteil nicht, vielleicht steckt ja da irgendwas Sinnstiftendes drin, am Anfang und am Ende habe ich jedenfalls nichts gefunden und nach einer kurzen Hörpause beschlossen, dass ich mir das nicht weiter antun muss. Um 400 Seiten zu lesen brauche ich bessere Argumente als kalkulierte Provokation.

Macht von Karen Duve [Amazon-Werbelink]

Urlaubslektürepläne

Auch dieses Jahr geht es in den Frankreichurlaub, ganze drei Wochen werden wir an der Atlantikküste verbringen, Surfen, Essen und auch zu einem guten Anteil Rumliegen. Beim Rumliegen kann man auch schöne Dinge tun. Schlafen zum Beispiel, schlafen finde ich super. Nichts tun ist auch eine gute Wahl, einfach mal nichts tun. Alternativ kann man auch lesen und wie jedes Jahr plane ich, im Urlaub ein Buch nach dem anderen zu lesen und habe mir dementsprechend schon eine Urlaubslektüreliste angefertigt. Sie ist grob unterteilt in drei Themengebiete, die hier auch nicht im Detail zu diskutieren sind. Eventuell passen die Bücher nämlich gar nicht in das von mir ausgedachte Themengebiet, klingen aber so oder sind aufgrund einer nicht mehr nachvollziehbaren Assoziationskette dort gelandet. Da ich ja auch keines der Bücher gelesen habe, kann es auch sein, dass meine Vorstellung vom Inhalt nicht dem tatsächlich Vorzufindenden entspricht. Das ist mir aber egal.

Romane von klugen jungen Frauen, im besten Fall mit Nostalgieanteil

    

Alexandra Tobors Buch steht ohnehin schon auf der Wunschliste, bevor sie überhaupt mit dem Schreiben angefangen hat. Ich hätte es auch schon längst gelesen, war aber der Meinung, es gehört unbedingt in Frankreich am Strand gelesen. Von Kirsten Fuchs Mädchenmeute habe ich auch nur gutes gehört, mal abgesehen davon, dass ich 2014 Kurzgeschichten von ihr gelesen habe und sehr lachen musste. Empfehlenswert ist hier auch der Podcast von Viertausend Hertz. Vea Kaiser habe ich auf der LitBlogCon im Juni im Interview erlebt und war sehr angetan. Hier ist die Spannung also auch groß, denn von ihr habe ich tatsächlich bislang noch nichts gelesen.

 

Moderne Literatur mit irgendwie was mit Science Fiction von deutschen AutorInnen

      

Alles fünf Bücher von jungen deutschen bzw. deutschsprachigen AutorInnen, die irgendwas mit Science Fiction oder Dystopie zu tun haben, oder so klingen, als würden sie es. Katharina Hartwell ist mir immer wieder so dazwischengeflattert, eigentlich weiß ich nicht, worum es geht, bilde mir aber ein, immer „Das klingt aber interessant“ gedacht zu haben. Das muss reichen. Leif Randt und Valerie Fritsch wurden beide schon von Andrea Diener gelesen und in ihrem Tsundoku-Podcast rezensiert, das klang auch so, als würde ich das mögen. Bei Roman Ehrlich sieht es wieder ähnlich aus wie bei Hartwell, eigentlich weiß ich nicht, worum es geht, aber ich erinnere mich, dass ich „Klingt super, will ich lesen!“ dachte. Meinem Vergangenheits-Ich traue ich Lektüreauswahlkompetenz zu. Und Saša Stanišić, den sollte ich sowieso längst gelesen haben, wenn ich meiner Literaturfilterblase so trauen kann.

 

Nicht-deutsches Science-Fiction- und/oder Fantasy-Zeugs von jetzt und von früher von Autoren, die ich sowieso super finde oder immer schon mal lesen wollte

        

Zwei Bücher von David Mitchell, die ich noch nicht gelesen habe! Was ist hier nur falsch gelaufen? Skandal! Ich habe weder bei Slade House noch bei The Bone Clocks nur den Hauch einer Ahnung, worum es gehen könnte, aber es ist fucking David Mitchell. Da macht man nix falsch. (Klopf auf Holz, das hätte ich bei Dave Eggers ja auch mal gesagt und dann kam Der Circle.) Das gleiche gilt für Nick Harkaway, da habe ich The Gone Away World geliebt. Lem gehört eher zur Kategorie „Sollte ich auch mal gelesen haben“ und von Lindqvist habe ich So finster die Nacht gelesen und für gut befunden und verspreche mir außerdem ein Buch, das ich dann auch meinem Mann weitergeben kann, ansonsten haben wir bei unser Genrepräferenz eher wenig Überschneidungen.

 

Wer sich an meiner Lektüreplanung beteiligen will, ich nehme immer noch gerne Tipps an, kann aber für nichts garantieren. Ich habe aktuell um die 600 Leseproben auf dem Kindle, es ist also unklar, ob ich je alles werde lesen können, was ich lesen möchte. Es muss auch nicht zu den drei Themenbereichen passen, wenn doch, ist das aber umso superer. Wer sich durch Sachspenden beteiligen will, für den habe ich eine Sommerlektürewunschliste bei Amazon gebastelt. Die ist nicht ganz so überfordernd wie die überfüllte andere Wunschliste und ich werde garantiert in Frankreich am Strand an den edlen Spender denken.

Alexandra Tobor bei Rowohlt
Betreutes Lesen zu Minigolf Paradiso
Kirsten Fuchs bei Rowohlt
Webseite von Kirsten Fuchs
Vea Kaiser bei KiWi
Webseite von Vea Kaiser

Katharina Hartwell beim Berlin Verlag
Katharina Hartwell in der Wikipedia
Leif Randt bei KiWi
Leif Randt in der Wikipedia
Roman Ehrlich bei Dumont
Roman Ehrlich beim Bachmann-Preis
Valerie Fritsch bei Suhrkamp
Webseite von Valerie Fritsch
Saša Stanišić bei Random House
Webseite von Saša Stanišić

David Mitchell bei Rowohlt
David Mitchell in der Wikipedia
Nick Harkaway bei Random House
Webseite von Nick Harkaway
Stanislaw Lem bei Suhrkamp
Stanislaw Lem in der Wikipedia
John Ajvide Lindqvist bei Bastei Lübbe
Webseite von John Ajvide Lindqvist

Alle Links zu Büchern sind Amazon-Affiliate-Links, wer sich also selber Urlaubslektüre bei Amazon kauft, der macht, dass ich ein bisschen was davon abbekomme. Wer sich von meinen Vorschlägen inspiriert Bücher im Buchhandel kauft, der macht den Buchhandel glücklich. So oder so hat man nachher ein hoffentlich tolles Buch.

Gelesen im Juni 2016

Long Dark Dusk von James P. Smythe

Der zweite Teil der Australia-Trilogie von James P. Smythe. Den ersten Band las ich im Mai und war sehr angetan, dementsprechend kam der zweite Teil direkt hinterher. Andere Szenerie, aber auch hier alles schön zackig und spannend erzählt. Der dritte Band kommt erst im Oktober, wird aber auch gekauft und gelesen.

(Zur Story kann man nicht viel sagen ohne die entscheidenden Stellen im ersten Band zu verraten. Insofern sollte man sowieso mit dem ersten Band anfangen und dann weiß man ja, ob man weiterlesen will.)

Long Dark Dusk von James P. Smythe [Amazon-Werbelink]

 

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren von Boris Hänßler

Warum man das Internet auch lieben kann, Teil 293: Überraschend hatte ich eine Mail im Postfach, jemand schrieb, er würde meinen Blog lesen und hätte auf meiner Wunschliste sein Buch entdeckt, ob er mir das schicken könnte, einfach so, ich muss es auch gar nicht rezensieren, sozusagen als Sachspende.

Der Jemand war Boris Hänßler und sein Buch heißt Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren und ist voll mit Geschichten aus der Zeit vor dem Internet. Das passt ganz hervorragend zu meiner momentanen Nostalgiestimmung. Boris Hänßler erzählt davon, wie man früher keine Handynummern austauschen konnte, sondern sich die Festnetznummer eines Mädchens auf den Arm schreiben ließ, um ihn wenig später schon nicht mehr lesen zu können und sich dann mit detektivischem Geschick, Telefonbüchern und Ausdauer durch die Anschlüsse mit passendem Nachnamen im Nachbardorf zu telefonieren. Er erzählt von Brieffreundschaften per International Youth Service und vom Offlinekaufen und -umtauschen und natürlich noch von all den anderen Dingen, die anders waren, als man noch kein Internet hatte.

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren ist zwar mit einem schönen nostalgischen Blick erzählt, dabei schwingt Hänßler aber nie die „Früher war alles besser!“-Keule, so dass man mit dem Buch vor allem Spaß haben kann, ohne sich fünf Minuten später für den Blick aufs Smartphone irgendwie schlecht fühlen zu müssen. Früher war es schön und heute ist es auch schön und irgendwo dazwischen wurde das Internet erfunden.

Als wir zum Surfen noch ans Meer fuhren von Boris Hänßler [Amazon-Werbelink]

 

Updraft von Fran Wilde

Für den Online-Buchclub gelesen. Kirit lebt über den Wolken in einem der Türme der Stadt, Türme aus Knochen, die immer weiter in die Höhe wachsen, teilweise mit Brücken verbunden, teilweise nur auf dem Flugweg zu erreichen, der üblichen Fortbewegung der Menschen in Fran Wildes Updraft.

Als Kirit die Gesetze des Turmes bricht und sich bei einem Angriff der Skymouths nicht im Turm verschanzt, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Anstatt ihre Mutter als Lehrling bei ihren Handelsausflügen zu begleiten, steht ihr eine Zukunft als Singer im höchsten Turm der Stadt, dem Spire bevor, eine Zukunft abgeschnitten von ihrem Zuhause, ihrer Familie und ihrer Freunde, eine Zukunft voller Pflichten und Verantwortung.

Fran Wilde erschafft hier eine komplexe Welt, die auf den ersten Seiten in ihrer Seltsamkeit etwas schwer zu greifen ist, sich dann aber sehr schön entwickelt. Leider werden zu viele Dinge im Unklaren gelassen, zumindest im Online-Buchclub-Forum wurde über einige Details diskutiert. Wen das nicht stört, bekommt hier tolle YA-Fantasy in einer meines Wissens so noch nicht da gewesenen Szenerie. Ich habe das sehr gerne gelesen und bin gespannt auf den zweiten Teil, der im Herbst erscheinen soll.

Updraft von Fran Wilde [Amazon-Werbelink]

 

Hinten sind Rezepte drin: Geschichten, die Männern nie passieren würden von Katrin Bauerfeind 

Katrin Bauerfeind, die ich noch aus Ehrensenf-Zeiten kenne, hat ihr zweites Buch geschrieben, ein Buch über Frauen, das aus Marketinggründen direkt mit einer Lüge im Titel daher kommt. Hinten, das ist enttäuschend, sind nämlich überhaupt keine Rezepte drin.

Ansonsten sind das nette Geschichten, die zwar auch mal die üblichen Klischees bestätigen, aber glücklicherweise meistens ganz gut die wirklich schlimmen Stereotypen umschiffen und dabei die ganze Männer-Frauen-Thematik mit einem liebevollen Blick auf die Dinge auseinandernehmen.

Hinten sind Rezepte drin ist nicht der große Wurf, der Geschlechterklischees komplett auf den Kopf stellt, aber man kann es gut zwischendurch lesen ohne das schlimme Dinge passieren. Das Hörbuch gibt es bei Storify und da habe ich es auch gehört. Das hat den weiteren Vorteil, dass Katrin Bauerfeind selber liest und das ist dann tatsächlich ein großes Vergnügen.

Hinten sind Rezepte drin: Geschichten, die Männern nie passieren würden von Katrin Bauerfeind [Amazon-Werbelink]

 

Standardsituationen der Technologiekritik: Merkur-Kolumnen von Kathrin Passig

Sechs Kolumnen aus dem Merkur über Internet und digitale Welt von Kathrin Passig mit ihrem üblichen differenzierten und undogmatischen Blick auf komplizierte Dinge, der in Techniktagebuchkreisen als „Kathrin-Zen“ bekannt ist und als möglicherweise höchste Erkenntnisstufe unserer aufgeregten neuen Welt als erstrebenswerter Gemütszustand gilt.

Es geht um das Standardverhalten der Menschen bei neuen Dingen, um Kommentarkultur oder Selbstquantifizierung und wie es bei Kathrin Passig immer so ist, gibt es keine klaren Antworten, dafür aber kluge und unterhaltsame Essays über Dinge, über die man so vielleicht noch nicht nachgedacht hat.

Standardsituationen der Technologiekritik: Merkur-Kolumnen von Kathrin Passig [Amazon-Werbelink]

Gelesen im Mai 2016

The Jewel And Her Lapidary von Fran Wilde

The Jewel and her Lapidary entpuppte sich als Kurzgeschichte der Autorin Fran Wilde, die gerade mit Updraft ganz gut in der SF/F-Szene gehandelt wird. Erzählt wird die Geschichte von Lin, dem Jewel und Sima, ihrem Lapidary, ihrer Vertrauensperson, die mit den Juwelen sprechen oder vielmehr diese kontrollieren kann. Die Juwele wiederum haben Kräfte, die das Tal schützen. Dann kommt es aber zum Sturz, denn der Lapidary von Lins Vater, dem König, verrät die Familie und das Tal, Lin ist die einzige Überlebende und gerät in Gefangenschaft. Das Hauptproblem der Geschichte ist, dass hier auf wenigen Seiten eine sehr anspruchsvolle und komplexe Fantasywelt erschaffen wird und man als Leser ein bisschen überrollt wird. Zu wenig wird erklärt, zu viel muss man sich irgendwie zusammenreimen. Dabei ist die Grundidee spannend und die Figuren trotz der Kürze gut entwickelt. Sollte ein Roman folgen, kommt er sicherlich auf die Leseliste.

The Jewel And Her Lapidary von Fran Wilde [Amazon-Werbelink]

 

Aurora von Kim Stanley Robinson

Aurora erzählt die Geschichte eines Generationenraumschiffs, das seit über hundert Jahren auf dem Weg in ein neues Sonnensystem ist und dort einen neuen Planeten besiedeln soll. Das Schiff besteht aus vielen Biomen, also Mini-Biotopen, in denen möglichst viele Spezies die lange Fahrt überleben sollen. Freyas Mutter Devi ist die Chefingenieurin des Schiffs und muss immer ran, wenn wieder irgendwo irgendwas kaputt geht und niemand weiß, warum und was zu tun ist. Doch der Mond Aurora, der als vielversprechender Kandidat für eine Besiedlung gewählt wurde, ist bald erreicht. Aurora ist so ein Buch, von dem man gar nicht so viel erzählen darf, ohne wesentliche unerwartete Storyelemente zu verraten. Statt dessen sei einfach eine große Empfehlung ausgesprochen, das ist ein ganz tolles Buch, vielleicht sogar für nicht Genre-Leser, denn letztlich werden neben den üblichen Science-Fiction-Themen auch viele ethisch-moralische Fragen gestellt. Wie viel darf sich Wissenschaft anmaßen? Welche Risiken ist man bereit einzugehen? Welche neuen Wegen soll man beschreiten und welche nicht? Dazu noch sehr nahbare Charaktere und fertig ist ein tolles Buch.

Aurora von Kim Stanley Robinson [Amazon-Werbelink]

 

Way Down Dark von James P. Smythe

Auch eine Science-Fiction-Geschichte, die auf einem Generationenschiff spielt, diesmal aber YA und etwas weniger komplex, dafür aber flotter erzählt. Chan lebt auf der Australia, einem Schiff, dass nach dem Verfall der Erde auf Reise geschickt wurde. Mit den Jahrzehnte verwahrloste das Schiff mehr und mehr, Gangs bilden sich, allen voran die gewalttätigen und unberechenbaren Lows, die auf den unteren Ebenen des Schiffs leben und ihr Territorium immer weiter ausweiten. Chan, die ihrer Mutter bei deren Tod versprochen hat, egoistisch zu sein und nicht zu sterben, merkt, dass sie das Versprechen nicht einlösen kann, mischt sich immer wieder in Angriffe ein und wird so zur Zielscheibe der Lows. In den Tiefen des Schiffs entdeckt sie dann ein Geheimnis, dass alles, was sie über ihr Leben auf der Australia zu wissen glaubte, ändert. Ja ja, das ist YA-Dystopie, das kennen wir alles schon irgendwie so oder so ähnlich, aber Way Down Dark ist verdammt spannend geschrieben, so dass ich kaum mit dem Lesen aufhören konnte und direkt zum zweiten Teil gegriffen habe, als ich durch war. Der dritte kommt im Oktober und ja, den werde ich auch lesen. Wer kein Problem mit typischen YA-Elementen hat, wird auch mit Way Down Dark gut unterhalten.

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Panama Papers: Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier

Wollte ich erst nicht lesen, weil ich dachte, ach ja, klar, dann gibt’s auch direkt das passende Buch dazu. Dann wurde es aber von Katrin Rönicke mehrfach empfohlen und dann habe ich mir das entsprechende Hörbuch gekauft und war sehr angetan. Die beiden Journalisten der SZ, mit denen alles auch begann, erzählen die Geschichte der Panama Papers von der ersten Kontaktaufnahme bis kurz vor der öffentlichen Enthüllung. Spannend sind dabei nicht nur die einzelnen Verwicklungen der Staatschefs, Diktatoren, Banken und Geschäftsleute, sondern auch die Hintergründe. Da müssen neue Rechner gekauft werden, weil die Datenmenge nicht mehr durchsucht werden kann, das Journalistennetzwerk ICIJ wird ins Boot geholt und vor allem wird recherchiert und geschrieben. Das ist alles sehr gut zu lesen und zu hören. Weil ich gegen Ende etwas schwächelte, hab ich etwas gemacht, was ich sonst weder bei Büchern noch Hörbüchern mache: Ich habe gleich noch mal von Anfang angefangen.

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Gelesen im April 2016

Schlaft doch, wie ihr wollt: Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern von Stephanie Grimm

Ein Buch übers Schlafen trifft ja ähnlich mein Spezial-Expertisengebiet wie ein Buch übers Liegen. In diesem Fall steckt aber sogar Wissenschaft dahinter, und so erfährt man, was man übers Schlafen schon so alles weiß, aber auch erstaunlicherweise, was man alles noch nicht so weiß. Es geht um Schlafphasen, ums Träumen, wofür Schlafen überhaupt gut ist, über das Schlafen in verschiedenen Kulturen und natürlich auch darum, wie viel Schlaf gut für uns ist und warum wir ganz dringend ausreichend viel schlafen sollen. Als große Verfechterin des Vielschlafens habe ich mich sehr über dieses Buch gefreut. Der populärwissenschaftliche Ansatz geht hier auch gut auf, die Autorin verheddert sich nicht in komplizierten wissenschaftlichen Zusammenhängen, man fühlt sich beim Lesen aber auch nicht chronisch unterfordert, das ist alles schön runtergebrochen und angemessen zusammengefasst. Für mehr und besseres Schlafen!

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The Fifth Season von N. K. Jemisin

Für den Online-Buchclub gelesen. Ganz grandiose Fantasy von N. K. Jemisin. Im Prinzip konnte ich nur deswegen im Zug nach Berlin nicht meinen Vortrag für die re:publica vorbereiten, weil ich wirklich ganz dringend weiterlesen wollte. Dabei beginnt die Geschichte sehr sperrig, durch die ersten Kapitel muss man sich durcharbeiten, dann kommt aber alles in Fahrt, und man versteht, wie diese Welt funktioniert. Die Erde in The Fifth Season ist zerbrochen, ein riesiges Erdbeben ist der Auslöser, man richtet sich auf Jahre oder gar Jahrzehnte harten Lebens ein. Diese fünfte Jahreszeit gibt es immer wieder, Auslöser sind tektonische Ereignisse, die das Gesamtgefüge so durcheinander bringen, dass es in dieser Jahreszeit immer ums nackte Überleben geht.

In diesem Zusammenhang lernen wir Damaya, Syenite und Essun kennen, drei Frauen, orogenes, also Menschen, die die Bewegungen der Erde nicht nur spüren, sondern auch kontrollieren können und von den anderen gefürchtet sind, weil ihre Fähigkeiten unkontrolliert eine Gefahr darstellen. Irgendwo gefangen zwischen Macht und Unterdrückung werden orogenes respektiert und gleichermaßen gehasst.

So schlecht es sich beschreiben lässt, so fesselnd ist dieses Buch, wenn man sich eben erstmal reingelesen hat. Keine leichte Fantasylektüre, dafür umso lohnenswerter.

The Fifth Season von N. K. Jemisin [Amazon-Werbelink]

#rpTEN-Nachlese, Teil 1

Mittlerweile im vierten Jahr habe ich mich auf der re:public rumgetrieben und mittlerweile im dritten Jahr mit eigenen Vorträgen. Der erste davon war direkt am Montag, weswegen ich auch am Montag nicht viel anderes gemacht habe, als mit Leuten zu reden, eine Präsentation zu Ende vorzubereiten, dann immerhin noch einen Vortrag angeguckt habe und dann weiter mit Leuten geredet habe, bis ich dachte, ich treffe vielleicht doch kurz vorher noch mal den anderen Menschen, mit dem ich zusammen auf der Bühne stehen sollte (das ist eine längere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden kann).

Es hat dann aber alles doch überraschend gut geklappt, fast so, als hätten wir uns vorher lange und detailliert abgesprochen und nicht einfach glücklicherweise zum gleichen Thema unterschiedliche Sichtweisen angestrebt.

Angucken kann man das ganze hier, ich rede im zweiten Teil (ab ungefähr Minute 15) darüber, warum Science Fiction gut für uns ist. Man kann sich das aber schön alles angucken, denn auch Uri erzählt ja interessante Dinge über Science Fiction und was wir von ihr lernen können.

Und was ich sonst noch in Berlin so allgemein und auf der re:publica so im Besonderen erlebt habe, das erzähle ich dann alles in den nächsten Tagen.

[Werbung] Der Pfau von Isabel Bogdan als Hörbuch

„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“

So beginnt der erste Roman von Isabel Bogdan und man ist sofort mittendrin in der Geschichte. Besagter Pfau lebt auf einem Anwesen in den schottischen Highlands, genauer gesagt auf dem Anwesen von Lord und Lady McIntosh, die die kleinen Cottages an Feriengäste vermieten, weitab von allem, nur die Natur und natürlich die Pfauen.

Und dann wird einer der Pfauen verrückt und greift alles an, was blau ist und glänzt. Das ist einerseits nicht so schlimm, denn in der Natur gibt es recht selten Dinge, die blau sind und glänzen. Es sei denn natürlich, man hat eine Gruppe von Bankern aus London zu Gast, die für ein Teambuildingevent weit, weit weg nach Schottland geschickt wurden, samt Teambuildingcoach und Köchin und samt dem neuen blauen Auto der Teamchefin.

Es kommt, wie es kommen wird, das Auto muss leiden und Lord McIntosh trifft eine schwere Entscheidung zu Ungunsten des verrückten Pfaus. Aber hier ist die Geschichte noch nicht zu Ende, im Gegenteil, sie fängt erst an, und der arme Pfau muss gleich mehrere Tode sterben.

Isabel Bogdan übersetzt seit Jahren und hat mit Sachen machen schon ein Sachbuch geschrieben. Außerdem bloggt sie und so konnte man der Entstehungsgeschichte des Buches fast live beiwohnen, von der ersten Kurzgeschichte über die Coverlüftung bis zur Lesereise. So war die Freude bei mir umso größer, als bekannt wurde, dass es nicht nur ein Hörbuch geben, sondern dass Christoph Maria Herbst das Hörbuch einlesen würde. Man hätte sich keinen anderen Sprecher für diese Geschichte wünschen können.

Dementsprechend hielt ich mich beim Verkaufstag auch zurück, sondern wartete ein paar Tage auf meinen neuen audible-Credit, um ihn schnurstracks gegen das Hörbuch zu Der Pfau einzulösen und in den nächsten Tagen jede freie Minute zum Hören zu nutzen. Die Geschichte vom verrückten Pfau, seinem verfrühten Ableben und den sich daraus ergebenen Missverständnisse und Verwirrungen ist raffiniert erzählt und am Ende lernt man auch als Leser die wichtigste Teambuildinglektion: Kommunikation ist wichtig.

In einem Interview mit dem Argon Verlag, bei dem das Hörbuch erschienen ist, erzählt Herbst auch von den Herausforderungen bei der Aufnahme:

Die größte Herausforderung bei diesem Hörbuch war für mich sicher, mich selbst ganz stark zurückzunehmen, um der Erzählweise gerecht zu werden. Ich komme ja beispielsweise ganz stark vom Dialog, wo ich den Figuren dann gerne Erkennungsmerkmale verpasse, Eigenarten. In Der Pfau gibt es nicht eine einzige direkte Rede. Alles wird indirekt erzählt, was auf der einen Seite diese britische Distinguiertheit verstärkt und einen zunächst ein wenig auf Abstand hält, mir auf der anderen Seite aber auch ganz neue Möglichkeiten eröffnete, nämlich nur durch kleinere Tempowechsel oder dezente Modulationen diese lebendige Welt zu kreieren.

Der Pfau bekommt eine All-inclusive-rundum-glücklich-Empfehlung und das Hörbuch noch ein Extrasternchen obendrauf. Kleinere Nebenwirkungen wie das dringende Bedürfnis, Urlaub in Schottland zu machen, sind nicht ausgeschlossen, man könnte beinahe vermuten, sie seien erwünscht, nicht zuletzt basiert die Geschichte (man glaubt es kaum) auf einer wahren Begebenheit. Isabel Bogdan hat eine wunderbar typisch britische Verwechslungskomödie geschrieben, die Christoph Maria Herbst mit offensichtlichem Spaß eingelesen hat.

Isabel Bogdan: Der Pfau, erschienen 2016 bei Kiepenheuer & Witsch, Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst erschienen im Argon Verlag und u.a. erhältlich bei audible.