Ein paar Fernsehtipps für den 25.12.

Der Heilige Abend ist vorbei, der Magen ist voll und das Wetter ist doof. Auch am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es viele gute Gründe, auf dem Sofa vor dem Fernseher zu liegen und ich habe hier ein paar Tipps, wie man die Zeit auch halbwegs stilvoll nutzen kann.

Das fliegende Klassenzimmer am Montag, 25.12. um 7:00 im MDR
Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Erich Kästner aus dem Jahr 1954.

Der Krieg der Knöpfe am Montag, 25.12. um 10:15 auf ARD alpha
Neuverfilmung des französischen Kinderbuches aus dem Jahr 2011. Die Jungs aus zwei französischen Dörfern führen seit Jahre Krieg gegeneinander.

Casper am Montag, 25.12. um 12:15 auf RTL II
Möglicherweise etwas harmlos, aber schon wegen Christina Ricci eine Empfehlung. Die Geschichte um den kleinen freundlichen Geist, der Freundschaft mit einem Mädchen schließt.

Die Fahrten des Odysseus am Montag, 25.12. um 13:55 auf arte
Italienische Verfilmung aus dem Jahr 1954 über die sagenhaften Abenteuer des Odysseus. Bildungsfernsehen!

Das Wirtshaus im Spessart am Montag, 25.12. um 14:15 auf Hessen
LILO PULVER! Ansonsten geht’s in dem Film nach Vorlage von Wilhelm Hauff um Räuber, es ist schön nostalgisch und na ja: LILO PULVER!

Ostwind – Zusammen sind wir frei am Montag, 25.12. um 15:20 auf 3SAT
Moderner Mädchenpferdefilm nicht nur für Mädchen oder Pferdefans. Und Cornelia Froboess kehrt als Oma der14-jährigen Protagonistin Mika endlich auf einen Pferdehof zurück, das ist doch auch was.

Sissi, die junge Kaiserin am Montag, 25.12. um 15:55 im Ersten
Lasst mich! Es ist Sissi!

Old Shatterhand am Montag, 25.12. um 16:00 im RBB
Als adäquate Alternative zu österreichischen Kaiserinnen kann ich aber französische Indianer anbieten. Oder so.

Schwarzwaldklinik am Montag, 25.12. um 16:40 auf ZDF neo
Fünf Folgen der sensationellen Krankenhausserie aus den glorreichen Achtzigern, der ich aktuell hoffnungslos verfallen bin. Alles ist toll! Und schlimm! Und toll!

Paris, Paris – Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück am Montag, 25.12. um 16:50 auf ONE
Französisch-deutsch-tschechische Musicaltragikomödie aus dem Jahr 2008. Noch nie davon gehört, klingt aber schon von den Rahmenbedingungen her verlockend.

Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin am Montag, 25.12. um 17:35 im Ersten
Siehe oben.

Vaille, Zimt und Mandelsplitter am Montag, 25.12. um 19:10 auf arte
Doku über das wichtigste Thema der Welt: WEIHNACHTSGEBÄCK!

Miss Marple – Der Wachsblumenstrauß am Montag, 25.12. um 20:15 auf Kabel Eins
Die britische Hobbydetektivin ermittelt in einer Verfilmung aus dem Jahr 1963. Lohnt eigentlich immer.

Vom Winde verweht am Montag, 25.12. um 20:15 auf arte
Wer sehr viel Zeit mitbringt oder sehr viel Erholung braucht oder beides, der kann auf arte dreieinhalb Stunden lang Südstaatenmelodram gucken. Aber offen gesagt ist mir auch gleichgültig, was Sie so Weihnachten treiben.

La vie en rose am Montag, 25.12. um 20:15 auf Servus TV
Die großartige Marion Cotillard spielt die großartige Edith Piaf. Wer braucht noch mehr Gründe?

Während du schliefst am Montag, 25.12. um 21:55 auf 3SAT
Sehr bezaubernde Liebeskomödie aus der Zeit als sehr viele mehr oder weniger bezaubernde Liebeskomödien gedreht wurden. Aber diese hier ist wirklich sehr bezaubernd und auch noch sehr weihnachtlich.

Rocky Horror Picture Show am Montag, 25.12. um 0:05 auf Kabel Eins
Das Gegenprogramm zur besinnlichen Weihnachtszeit kommt zu später Stunde für Leute, die den Film nicht sowieso auf DVD oder BluRay im Haus haben, WIE ES JEDER NORMALE MENSCH HABEN SOLLTE!

 

EXTRA EXTRA EXTRA: Sendetermine für Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

10:05 Uhr im Ersten
16:05 Uhr im MDR
21:45 Uhr auf Hessen

Ein paar Fernsehtipps für den 24.12.

Ich finde es absolut in Ordnung, wenn nicht sogar höchstgemütlich, Teile der Weihnachtstage auf dem Sofa vorm Fernsehen zu verbringen. Wer diese Meinung teilt, für den habe ich hier ein paar Tipps, wie man den Heiligen Abend besonders besinnlich begehen kann. Programmhinweise für die anderen beiden Weihnachtstage folgen.

Das doppelte Lottchen am Sonntag, 24.12. um 9:45 im MDR
Die Verfilmung des Kästner-Romans über die Zwillinge, die als… aber mal ehrlich, die Geschichte sollte jeder kennen, und wenn nicht, wird es höchste Zeit. Jedenfalls handelt es sich um die Verfilmung von 1950 und das ist ebenso großartig wie Weihnachtstauglich.

Pippi in Taka-Tuka-Land am Sonntag, 24.12. um 11:55 im ZDF
Pippi Langstrumpf in der Verfilmung von 1969. Mehr braucht man glaube ich nicht sagen.

Die Nordsee von oben am Sonntag, 24.12. um 13:05 auf arte
Landschaft von oben. Finde ich ja immer gut und faszinierend.

Michel in der Supperschüssel am Sonntag, 24.12. um 13:20 im ZDF
Eine weitere Lindgren-Geschichte, diesmal über den frechen Michel in einer Verfilmung von 1971.

Sissi am Sonntag, 24.12. um 13:30 im Ersten
Yeah. Haters gonna hate, also Ruhe jetzt!

Oben am Sonntag, 24.12. um 15:05 beim RTL
Bezaubernder Pixarfilm. Wirklich bezaubernd. Wer während der ersten fünfzehn Minuten nicht weint, hat ein Herz aus Stein.

Familie Heinz Becker am Sonntag, 24.12. um 15:15 im Ersten und um 18:00 im SWR
Falls jemand eine grobe Vorstellung davon haben will, wie Weihnachten bei meinen Großeltern ablief. Erst Loriot, dann Heinz Becker gucken, irgendwo dazwischen kann man es verorten. („Der Opa schubst mich immer!“)

Die Geister, die ich rief am Sonntag, 24.12. um 15:25 auf SAT.1
Tolle Variation der Dickens’schen Weihnachtsgeschichte mit Bill Murray als fiesem Medienmogul. Ich finde ja, Bill Murray ist immer ein Argument.

Weihnachten bei den Hoppenstedts am Sonntag, 24.12. um 15:45 im Ersten
Der Loriotklassiker, wo es puff macht und die Kühe umfallen. Bester deutscher Nostalgiehumor.

Die Feuerzangenbowle am Sonntag, 24.12. um 20:15 im Ersten
Der Klassiker mit Heinz Rühmann zur besten „Bescherung ist vorbei, was machen wir jetzt?“-Stunde.

The Sound of Music am Sonntag, 24.12. um 20:15 auf arte
Musical über die Novizin Maria, die den verwitweten Baron von Trapp heiratet und dann sehr viel singt. Ein Klassiker besetzt mit Julie Andrews und Christopher Plummer aus dem Jahr 1965.

Der Nussknacker am Sonntag, 24.12. um 20:15 auf 3SAT
Aufführung des Balletts von Tschaikowski nach dem Märchen von E.T.A. Hoffmann, dirigiert von Manuel Legris. (Ich habe keine Ahnung von Ballett und weiß nicht, was das bedeutet, aber es bedeutet bestimmt irgendwas.)

Das kalte Herz am Sonntag, 24.12. um 21:40 im RBB
Alte DDR-Verfilmung von 1950 des Märchens von Wilhelm Hauff. Ich habe es relativ sicher auch schon mal gesehen und mich arg gefürchtet.

Christmas Songs am Sonntag, 24.12. um 23:10 auf arte
Doku über amerikanische Weihnachtslieder von jüdischen Komponisten. Falls man am Heiligen Abend noch was für die Bildung tun will.

Manche mögen’s heiß am Sonntag, 24.12. um 0:50 im ZDF
Ein Klassiker von Billy Wilder, den sogar mein Vater liebt, der ansonsten mit Filmen nicht viel anfangen kann. Wer ihn noch nicht kennt, und zur später Stunde noch wach ist, sollte die Chance nutzen.

 

EXTRA EXTRA EXTRA: Sendetermine für Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

12:05 Uhr im Ersten
13:35 Uhr im WDR
15:05 Uhr im NDR
16:40 Uhr im SWR
20:15 Uhr im RBB

Gelesen: Wir Strebermigranten von Emilia Smechowski

Emilia ist fünf, als ihre Eltern die Koffer für einen Urlaub in Italien packen, sie und ihre kleine Schwester in den Polski Fiat setzen und losfahren. Aber eben nicht nach Italien, sondern nach Deutschland, über die Grenze, erst in die DDR und dann nach West-Berlin. Niemand durfte etwas wissen, im Auto sind Badeanzüge und ein Zelt, das deutsche Wörterbuch haben die Eltern zu Hause vergessen.

In Deutschland angekommen lernen Emilia und ihre Schwester vor allem eins: Nicht auffallen. Und außerdem: Nicht Polnisch sein. So wie die Kinder in der Schule strebsam versuchen, immer die besten zu sein, so werden die Eltern zu Musterdeutschen. Eigenheim, Auto, ein guter Job, drei Kinder. Wenn die Mutter Freunde einlädt, gibt es Tomate mit Mozzarella nach einem Rezept aus der Brigitte, keine Piroggen und keine Żurek. Alles Polnische wird abgestreift, aber weil man eben nicht seine ganze Vergangenheit abstreifen kann, bleibt eine Leere zurück, die auch Emilia spürt. Sie stürzt sich in die Musik, will Sängerin werden, eine Auflehnung gegen die elterlichen Pläne, die Flucht nach vorne in ein eigenes Leben. Bis sie erkennt, dass sie nicht allein ist, dass sie umgeben ist von Menschen mit polnischen Wurzeln, ähnlichen Biographien und auch alle unsichtbar. Strebermigranten, die sich so gut anpassten, dass man sie gar nicht mehr als Migranten wahrnimmt. Erst da macht sich Emilia auf die Suche nach ihrer eigenen polnischen Identität.

Wir Strebermigranten ist ein wunderschönes, aber auch tieftrauriges Buch, denn es handelt von Menschen, die nicht das Glück hatten, einfach sie selbst sein zu dürfen oder es sich selber verboten. Es handelt von verlorener Heimat und dem Gefühl, nie Teil von etwas zu sein. Es handelt von Leuten, die sich so sehr anpassen, dass sie vergessen, wer sie sind und was sie wollen. Es handelt von Eltern und Kindern und Großeltern, vom Wunder des Westens und vom Wunder des Ostens.

Ein Buch, dass ich vielleicht deswegen als so traurig empfand, weil es das Gegenteil von meiner Geschichte ist. Weil ich vermuten muss, dass gar nicht so weit weg von mir genau solche Geschichten stattfanden, ohne dass ich es merkte (das war ja auch genau der Sinn). Weil es tatsächlich ein unsichtbares Stück deutscher Geschichte ist.

Am Ende aber auch ein hoffnungsvolles Buch, weil es auch davon erzählt, wie sich Emilia und die anderen Strebermigranten langsam ihre Identität und damit auch ihre Geschichte zurückerobern.

Nur für den Fall, dass ich das ganze Lob zu subtil verteilt haben sollte, hier also noch mal im Klartext: Lest dieses Buch! Verschenkt dieses Buch! Denn, auch wenn so vieles daran traurig ist, so lässt es einen doch glücklich und satt zurück. Fast so, als hätte man polnische Piroggen im Bauch.

Wir Strebermigranten von Emilia Smechowski [Amazon-Werbelink]

Das Buch auf der Verlagsseite bei Hanser

Emilia Smechowski auf Twitter

 

Lieblingstweets im Dezember (Teil 1)

VERSICHERUNGEN FÜR HANDRÜHRGERÄTE! SCHLESISCHER MOHNKUCHEN! MEISENKNÖDEL! ABGELAUFENE GRILLSOSSEN! LEERE KÄSETHEKEN! BALD IST WEIHNACHTEN! HURRA!

Gelesen im November 2017

Die Spur der Bücher von Kai Meyer

Mein ambivalentes Verhältnis zu Büchern von Kai Meyer bleibt bestehen. Ich bewundere die Fähigkeit, sich immer wieder neue Welten ausdenken, manche Bücher finde ich mehr, andere weniger fesselnd, aber zumindest greife ich immer wieder zu.

Die Spur der Bücher spielt im gleichen Universum wie Die Seiten der Welt, eine Welt in der Büchern eine Magie innewohnt, die bestimmte Menschen, die sogenannten Bibliomanten, für sich nutzen können. Mercy Amberdale hat die Bibliomantik aufgegeben, seit sie bei einem missglückten Auftrag einen Freund verlor und versucht, ein ruhiges Leben in diesem alternativen viktorianischen England zu führen, umgeben von Büchern. Dann wird ein Buchhändler gefunden, verbrannt inmitten seiner Bücher, ohne dass eines davon zu Schaden kam. Unversehens gerät Mercy in eine Geschichte und muss sich dabei auch den Schatten der Vergangenheit stellen.

Das ist alles Kai-Meyer-typisch gut und detailliert geschrieben, handwerklich gibt es nichts auszusetzen, so richtig mag der Funke bei mir aber nicht überspringen. Ein bisschen zu typisch die Figuren, ein bisschen zu unkonkret das magische System. Kann man machen, muss man aber nicht.

Die Spur der Bücher von Kai Meyer [Amazon-Werbelink]

 

Boy in a White Room von Karl Olsberg

Alter, ist das schlecht. Die Story fängt okay an, wird dann etwas absurd, könnte aber noch halbwegs konsequent und in sich stimmig zu Ende geführt werden, was dann aber nicht passiert. Statt dessen wird immer alles noch absurder und am Ende gab es drei bis fünf Plottwists, die aber alle im Nachhinein die ganze Geschichte vorher komplett unsinnig erscheinen lassen.

Zu allem Überfluss ist das Buch wirklich nicht gut geschrieben, also wirklich ernsthaft nicht gut geschrieben. Figuren sagen schlimme Sachen wie „Wir mussten dich doch von diesem skrupellosen Verbrecher befreien!“ und in den Dialogen werden Information so unsubtil weitergegeben, dass man sich als Leser fragen muss, ob der Autor Angst hatte, dass man die Geschichte nur versteht, WENN MAN WIRKLICH ALLES GANZ DEUTLICH UND MEHRFACH SAGT.

Nicht lesen. Es gibt so viele okaye Jugendbücher mit ähnlicher Thematik, die besser geschrieben sind und bei denen die Handlung nicht von Seite zu Seite absurder wird. Bitte nicht lesen.

Boy in a White Room von Karl Olsberg [Amazon-Werbelink]

 

Rotherweird von Andrew Caldecott

An Rotherweird habe ich lange gesessen und deswegen auch immer wieder ein paar Probleme gehabt, weil ich das Personal nicht hundertprozentig auseinanderhalten konnte.

Das Dorf Rotherweird liegt irgendwo in England und genießt einen Unabhängigkeitsstatus, der aber nur mit der Einschränkung gilt, dass keine lokale Geschichte vor 1800 studiert werden darf. Dafür wird besonderen Wert auf die wissenschaftliche Ausbildung gelegt, das Dorfvolk bleibt unter sich, nur selten dürfen sich Außenseiter niederlassen. Jonah Oblong ist so ein Außenseiter, ein Lehrer, der die kurzfristig freigewordene Stelle des alten Geschichtslehrers übernehmen soll.

Zeitgleich macht der geheimnisvolle Sir Veronal Slickstone Furore, der in das lange leerstehende Manor House zieht, zusammen mit seiner Frau (die gar nicht seine ist) und seinem Sohn (der gar nicht seiner ist).

Damit hätten wir nur zwei kleine Handlungsstränge angerissen, denn es passiert viel in Rotherweird, so viel, dass ich anfangs das Gefühl hatte, ein Flickwerk vor mir zu haben, zu viele Ideen auf einmal, alles ein bisschen zu fransig. Gott sei Dank irrte ich und wurde belohnt, denn im Laufe der Geschichte fügen sich die verschiedenen Puzzlestücke nach und nach zusammen und am Ende ist nichts Flickwerk, sondern eine komplexe, vielschichtige und mit Liebe zum Detail und zur Fantasie ausgearbeitete Geschichte. Sehr lohnenswert, wenn man etwas längeren Atem hat.

Rotherweird von Andrew Caldecott [Amazon-Werbelink]

 

Gather the Daughters von Jennie Melamed

Man könnte Gather the Daughters relativ leicht mit anderen Büchern und Filmen vergleichen, das würde aber wesentliche Teile des Plots schon verraten und deshalb wird darauf an dieser Stelle verzichtet.

Auf einer Insel leben Frauen, Männer und Kinder in einem streng religiösen Regiment. Auf dem Festland, in den wastelands, so erfahren sie von den Wanderern, den Männenr, die die Insel regelmäßig verlassen, herrscht Not und Elend, auf der Insel haben sie Glück.

Doch das Glück lässt sich nicht immer spüren, vor allem nicht, wenn man ein Mädchen ist. Sobald die Mädchen gebärfähig sind, werden sie schnellstens mit einem Mann verkuppelt und hoffentlich bald geschwängert. Dann bleibt nur die Hoffnung, dass das Kind gesund zur Welt kommt und die Frau die Geburt überlebt.

Leise Rebellion kündigt sich an, als ein Mädchen beobachtet, wie die Leiche der schwangeren Amanda aus dem Meer gezogen wird. Auf einmal sind sich die Mädchen nicht mehr sicher, ob alles so ist, wie es ihnen erzählt wird und ob es wirklich keine andere Alternative für sie gibt. Unter der Anführerin Janey, die sich seit Jahren erfolgreich an der Menstruation vorbei hungert, gruppieren sich die Mädchen und lehnen sich gegen die Herrschaft der Alten auf.

Gather the Daughter ist ein krasses Buch, die Welt der Mädchen ist bitter und hoffnungslos. Auch wenn (sexuelle) Gewalt meist nur angedeutet wird, gibt es keine Zweifel darüber, was passiert. Die Geschichte dieses Sommers der Auflehnung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, doch konsequent nur von den Mädchen. Am Ende bleiben viele Fragen offen, aber dieses Buch wirkt lange nach.

Gather the Daughters von Jennie Melamed [Amazon-Werbelink]

 

Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist

Das Erdbeben in Chili kam mir in irgendeinem Zusammenhang unter, so dass ich es mir aufs Kindle lud und dann erst mal nicht las. Weil ich aber nicht nur den Papierbücherstapel, sondern auch den elektronischen etwas kleiner lesen möchte, kam jetzt die Kurzgeschichte dran.

Erzählt wird die Geschichte zweier Liebenden, deren Liebe direkt mal ins Desaster führt. Der Verführer wird ins Gefängnis gesperrt, die Verführte erst schwanger und dann zum Tode verurteilt. Am Tag der Urteilsvollstreckung erschüttert ein Erdbeben die Stadt und die beiden können sich retten.

Für ein glückliches Ende reicht es nicht, ich grüble immer noch, in welchem Zusammenhang mir das Buch unterkam, eventuell ging es um Amokläufe, so viel sei schon mal gesagt, damit man das Buch nicht liest, wenn man gerade etwas aufmunternde Lektüre braucht. Ansonsten ist es zwar etwas deprimierend, aber durchaus spannend und ganz abgesehen davon auch nicht allzu lang.

Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist [Amazon-Werbelink]

Lieblingstweets im November (Teil 2)

BERATER FÜR KALLIGRAPHISCHE FRAGEN! BEDINGUNGSLOSE GRUNDLEBKUCHEN! RÜHREI-PIPELINES! BACHBLÜTENOTFALLBIER! WEIHNACHTSKNOBLAUCHPILZE!

Deutschlandskizze #1

Mörfelden-Walldorf, Goldener Apfel, Oktober 2017

Wir sitzen im Goldenen Apfel, mit voller Absicht, ich wollte das hessischste aller hessischen Restaurants dieser Stadt, ich wollte Äppelwoi trinken und vielleicht nicht Handkäs mit Musik essen, aber auf der Speisekarte zumindest die Option haben, es theoretisch bestellen zu können, wenn ich wollte. Statt dessen habe ich hessisches Cordon Bleu, mit Käse, Schinken und Kraut gefüllt und ein großes Glas Apfelwein.

An den Wänden hängen alte Fotografien von Mörfelden-Walldorf und Menschen, die auf Feldern stehen, bestimmt sind es mörfeldisch-walldorfische Felder und Menschen.

Der Wirt des Hauses unterhält sich mit dem Ehepaar am Tisch hinter mir. Der Soundso, der gegenüber von der Tankstelle wohnt, den sieht man auch nicht mehr häufig. Ja, der hat Krebs und die Frau ist ja auch tot, das ist alles nicht schön. Und im Haus wo früher der Herr Dings gewohnt hat, da ist jetzt jemand neues eingezogen, eine Familie, da muss man auch mal sehen. Welches Haus ist das noch mal? Wenn man von der Sowiesostraße Richtung Daundda fährt, dann auf der rechten Seite, das weiße. Ach, das, jaja.

Nach einer Viertelstunde wissen wir ungefähr alles über all in Mörfelden-Walldorf, so fühlt es sich wenigstens an, so groß kann das ja hier nicht sein (über 32.000 Einwohner, sagt das Onlinelexikon).

Wir sind zu satt für Nachtisch, bezahlen und fahren weiter Richtung Süden. „Exakt so habe ich mir das vorgestellt“, sage ich. Durch die Gegend fahren und in vollkommen unspektakulären Städten in Dorfkrügen, goldenen Irgendwassen und Marktschänken sitzen und dabei mit den aktuellsten Neuigkeiten versorgt werden. Exakt so habe ich mir das vorgestellt, als wir Berthold Bulliver zu uns holten.

Goldener Apfel

Lieblingstweets im November (Teil 1)

DER DEUTSCHESTE FEIERTAG! EDLE SCHMUCKSCHUBER! ZURÜCKFRÖBELN! PFIRSICH-MARACUJA-JOGHURT! BRAUSEPULVER!

Gelesen im Oktober 2017

The Strange Case of the Alchemist’s Daughter von Theodora Goss

Ein hübsches Fantasyabenteuer. Nachdem auch ihre Mutter gestorben ist, muss Mary Jekyll, die Tochter von Dr. Jekyll ihr Leben neu organisieren und stößt dabei auf einen Hinweis aus der mysterlösen Vergangenheit ihres Vaters. In einem Heim für gefallene Mädchen findet sie Diana Hyde, die Tochter von Mr. Hyde, dem seltsamen Freund ihres Vaters. Plötzlich steckt sie mittendrin in einer Mordserie in London, hinter der eine Vereinigung steht, die in irgendeiner Verbindung zu ihrem Vater steht.

Theodora Goss greift diverse Themen und Figuren aus klassischen Horror- und Mysterygeschichten auf, man kann also schon versprechen, dass es nicht bei Jekyll, Hyde, Holmes und Watson bleibt. Die Geschichte, die in der ersten Hälfte etwas rummäandert, bevor etwas mehr Schwung in die Sache kommt, wird immer wieder unterbrochen von den Stimmen der Protagonistinnen, die gemeinsam ihre Geschichte aufschreiben und sich dabei nicht immer einig sind. Zusammen ist The Strange Case of the Alchemist’s Daughter zwar keine überragende literarische Überraschung, macht aber dafür beim Lesen großen Spaß und sei daher von Herzen empfohlen.

The Strange Case of the Alchemist’s Daughter von Theodora Goss [Amazon-Werbelink]

 

Slated von Teri Terry

Zwischendurch habe ich dann zur Abwechslung mal wieder etwas YA-Dystopie gelesen. In Slated (deutsche Übersetzung: Gelöscht) geht es um Kyla, deren Erinnerungen komplett gelöscht wurden. Diese Löschung ist die Strafe für minderjährige Kriminelle, die auf diesem Weg noch eine zweite Chance erhalten sollen. Kyla kommt in eine neue Familie, bekommt eine Schwester, die ebenfalls eine Gelöschte ist und muss sich nun irgendwie in ihrer neuen Welt zurecht finden.

Natürlich ist auch in dieser Geschichte nichts so, wie es scheint, man weiß nicht, wem man trauen kann und wem nicht. Auf der Suche danach, wer sie wirklich ist oder vielmehr war, wird klar, dass sie belogen wurde. Vor allem aber merkt sie, dass sie anders ist, denn nicht alle ihre Erinnerungen sind verloren.

Slated ist ordentliche YA-Science-Fiction, allerdings nicht überdurchschnittlich. Während ich den ersten Band recht schnell und zugegebenermaßen auch gierig ausgelesen habe, verließ mich das Interesse, auch den zweiten und dritten Teil zu lesen dann erstaunlich schnell. Kann man machen, tut nicht weh, unterhält gut, ist aber auch nicht mehr.

Slated von Teri Terry [Amazon-Werbelink]

 

The Murders of Molly Southborne von Tade Thompson

In dieser Novelle geht es um Molly Southborne. Immer, wenn Molly blutet entsteht ein Klon, der ihr früher oder später nach dem Leben trachtet. Mollys Leben ist geprägt von der Angst zu Bluten und der Selbstverständlichkeit, sich selbst immer und immer und immer wieder umzubringen oder vielmehr umbringen zu müssen. Klingt seltsam, funktioniert aber gut und ist eine gelungene und ungewöhnliche Horrorgeschichte, die auch im Gedächtnis haften bleibt.

The Murders of Molly Southborne von Tade Thompson [Amazon-Werbelink]

 

Die Weisheit der Bienen von Jack Mingo

Das nächste Bienenbuch. Ich lese jetzt einfach alle Bücher über Bienen. Nach Fiktion und Neurowissenschaften jetzt ein Erfahrungsbericht eines Hobbyimkers über das Leben mit Bienen. Der Amerikaner Jack Mingo kam als junger Lehrer auf die Idee, für die Schule einen Bienenstock anzuschaffen und blieb dann an den Bienen hängen. In Die Weisheit der Bienen erzählt er nun davon, wie es ist Bienen zu haben, was sie einen lehren können und wie man mit ihnen umgeht. Es geht um die Geschichte des Imkerns, um die Praktikalitäten, die Schwierigkeiten und die Freuden.

Das ist alles hübsch geschrieben, bleibt aber, das ahnt man schon, wenn man die Dicke (bzw. Dünne) und die Schriftgröße des Büchleins sieht, sehr an der Oberfläche. Auf der anderen Seite ist Die Weisheit der Bienen damit das perfekte Kontrastprogramm zum umfangreichen, aber dafür etwas sperrigen Die Intelligenz der Bienen.

Jack Mingo gibt sein Wissen in Anekdoten und mit viel Humor weiter, so dass man immer wieder darüber nachdenkt, ob man nicht auch einen Bienenstock… vielleicht, nur einen kleinen…? Die vernünftige Antwort lautet: Nein! Aber man kann bei konkreten Bienenbedürfnissen einfach noch mal durch dieses Buch blättern, das reicht vielleicht auch.

Die Weisheit der Bienen von Jack Mingo [Amazon-Werbelink]

 

Der Club von Takis Würger

Nach den vielen Lobeshymnen auf dieses Buch, habe ich Der Club von Takis Würger als Hörbuch gehört. Allerdings konnte mich das Buch nicht so packen, wie ich es gehofft habe. Es geht um den Waisen Hans Stichler, der von seiner unnahbaren Tante nach Cambridge geholt wird, um dort für sie die Geschehnisse im elitären Pitt Club auszuspionieren. Schnell wird klar, dass hier etwas Schreckliches passiert und ehe Hans sich versieht, steckt er schon mitten drin und muss sich entscheiden, wie weit er gehen soll, um die ganze Wahrheit ans Licht zu bringen.

Ich war, kurz gesagt, etwas enttäuscht. Vielleicht wäre es besser gewesen, hätte ich nicht so hohe Erwartungen an das Buch gehabt. Eventuell funktioniert das Buch als Hörbuch nicht so gut, wobei ich die Umsetzung sehr gelungen fand, insofern zweifle ich, dass es daran lag.

Dabei ist das Buch auch nicht schlecht, nur eben nicht so irre gut, wie ich es mir ob der vielen Empfehlungen vorgestellt hatte. Fürs nächste Mal merken: Auch Bücher, die gefühlt jeder toll findet, am besten komplett ohne Erwartungshaltung lesen. Aber wie soll das gehen?

Der Club von Takis Würger [Amazon-Werbelink]

 

He Said/She Said von Erin Kelley

Vor fünfzehn Jahren beobachtete Laura ein großes Verbrechen und beging in einem Moment der Verzweiflung ein kleineres. Seitdem leben sie und ihr Mann versteckt aus Angst vor Beth, der Frau, die sie damals in ihr Leben ließ und die sich als gefährlicher entpuppte, als sie sich vorstellen konnte.

Jetzt ist ihr Mann Kit auf dem Weg in den Norden. Kit jagt Sonnenfinsternissen hinterher, und die nächste findet in einer der einsamsten Gegenden Europas statt. Laura bleibt schwanger zu Hause, während ihre Gedanken nur um Kit, Beth und ihre Vergangenheit kreisen.

He Said/She Said ist zunächst mal ein solider Thriller, der aber von Anfang an eine so düstere Stimmung aufbaut, dass man mit einem nagenden Gefühl des drohenden Unheils kaum mit dem Lesen aufhören kann. Wozu ist Beth fähig? Und was geschah damals überhaupt? Es ist eine Geschichte der kleinen Lügen mit großen Folgen und der Frage, wem man vertrauen kann.

He Said/She Said von Erin Kelley [Amazon-Werbelink]

 

Der goldene Handschuh von Heinz Strunk

Weiter im Strunkschen Gesamtwerk. Als ich berichtete, dass mir Jürgen von allen bisherigen Strunkbüchern eindeutig am tristestes vorkam, was ja andererseits der Grund dafür war, warum ich es so toll fand, fragte Angela, wie es mir dann wohl erst mit Der goldene Handschuh gehen würde, in dem ja wirklich überhaupt nichts Schönes vorkäme und alles nur schrecklich wäre.

Tatsächlich kommt in diesem Buch überhaupt nichts Schönes vor und alles ist schrecklich. Strunk erzählt die Geschichte des Hamburger Serienmörders Honka, aber vor allem auch die Geschichte des goldenen Handschuhs, einer heruntergekommenen Kneipe, in der sich die Verlierer der Gesellschaft treffen. Der Ton ist hart, drastisch, teilweise eklig und voller Gewalt. Nichts hier ist schön, es geht nicht ums Leben, sondern ums Überleben, den Figuren steckt oft noch der Krieg im Nacken, von allen verlassen wird erniedrigt oder man lässt sich erniedrigen.

Doch die Tristesse in diesem Buch ist eine andere als in Jürgen, denn sie hat so gar nichts mit meiner Lebenswelt zu tun. Das beruhigt auf der anderen Seite, denn so kann man Der goldene Handschuh immerhin noch mit ein bisschen Abstand lesen, während man sich bei Jürgen stets fragen musste, ob die Hauptfigur nicht vielleicht doch einfach im Haus gegenüber wohnen könnte.

Der goldene Handschuh von Heinz Strunk [Amazon-Werbelink]

 

Soloalbum von Benjamin von Stuckrad-Barre

Im Bücherschrank gefunden und gelesen, nachdem ich nach dem großartigen Panikherz doch noch mal wissen wollte, was die damals alle so an den Büchern gefunden haben.

Das Debüt von von Stuckrad-Barre lässt mich aber etwas unterwältigt zurück. Ja, ohne Frage, er kann schreiben und vielleicht muss man das alles aus der Zeit und unter Berücksichtigung seines Alters sehen, aber Herrgott, ist das alles unsympathisch. Der Ich-Erzähler wurde gerade von seiner Freundin verlassen und ergeht sich in Selbstmitleid, wenn er nicht mal wieder davon überzeugt ist, dass er und seine Kumpels die geilsten sind, schon allein, weil sie wissen, welcher Musikgeschmack der richtige ist.

Es wäre einfacher, wenn das Buch eindeutig ironisch wäre, aber ich fürchte, das ist es nicht. Mal abgesehen davon, dass man die ganze Geschichte so ähnlich auch in Panikherz lesen kann, nur eben mit dem nötigen Abstand, den von Stuckrad-Barre vielleicht brauchte, um mit sich selber ins Reine zu kommen.

Soloalbum von Benjamin von Stuckrad-Barre [Amazon-Werbelink]