Tagebuchbloggen, 10.10.2018 – Rantmode on

Ich wollte mich eigentlich nicht mehr ärgern und tue es trotzdem immer und dann auch meistens öffentlich, weil mich Dinge so elend aufregen.

Letztens war es zum Beispiel ein Literaturpodcast, über den ich mich aufregen musste. Dabei war das Urspungsaufregelevel noch im Rahmen, ich störte mich lediglich daran, dass von allen vorgestellten Büchern lediglich eins von einer Frau war und alle Interviewpartner männlich. Besonders fiel es mir deswegen auf, weil vier der Bücher auch noch thematisch sehr nah beieinander waren, nämlich alles Coming-of-Age-Romane mit jungen, männlichen Protagonisten. Solche Schieflagen ärgern mich. Wenn ich eine Sendung plane und merke, dass ich vier Coming-of-Age-Romane von männlichen Autoren mit männlichen Protagonisten habe, dann prüfe ich, ob ich nicht doch als kleinen Ausgleich vielleicht nicht noch ein thematisch ähnliches Buch einer Autorin mit einer weiblichen Sicht habe. Natürlich ist eine Sendung über den aktuellen Literaturbetrieb auch immer von den tatsächlichen Neuerscheinungen abhängig, aber ich behaupte, dass in jeder Woche auch Bücher von Autorinnen erscheinen. Steile These, ich weiß.

So weit, so schön. Ich habe mich geärgert und meinem Ärger auf Twitter Luft gemacht. Der Tweet war etwas missverständlich formuliert, da ich die Sendung so zusammenfasste, dass Männer über Bücher von Männern über Männer reden würden, was insofern falsch war, als dass die Moderatorinnen beide weiblich waren. Jedoch: Ich erwarte auch so viel Transferleistung, dass man besprochene Inhalte und Interviewpartner von einem festen Moderatorenteam trennen kann. Bei Anne Will ist auch nicht Anne Will die Quotenfrau, sondern die eine eingeladene Frau.

Daraufhin wurde mir jedenfalls von einer der Moderatorinnen eine „Wahrnehmungsstörung“ diagnostiziert und auf meine kurzen Hinweis auf die tatsächlich Verhältnisse, geantwortet, das wäre eben mal so und es wäre auch mal umgekehrt und alles wäre prima. Das ist natürlich gelogen, ich habe die letzten Wochen zurückgescrollt und gezählt und in keiner Sendung gab es ein derart unausgeglichenes Verhältnis zugunsten von von Frauen geschriebener Bücher über Frauen (die Interviewpartner ließen sich schlechter nachvollziehen).

Ich fand die Literaturagenten auf Radio Eins eigentlich immer eine sehr schöne Sendung mit interessanten Buchtipps, und habe sie deswegen auch schon an anderen Stellen ausdrücklich gelobt, aber ich habe die Sendung nach diesem kurzen und wenig fruchtbaren Austausch aus dem Podcatcher geschmissen. Mir war schon vorher der teilweise dünkelhafte Tonfall, wenn es um SF/F-Literatur ging, unangenehm aufgefallen, da konnte ich aber irgendwie noch drüber weghören. Wer jedoch so mit Hörern umgeht und noch nicht mal bereit ist, sich mit Kritik auseinanderzusetzen (ob berechtigt oder nicht, lässt sich ja oft klären), dem brauche ich meine Zeit nicht zu schenken.

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Auf einem ganz anderen Level schlimm war eine Diskussion in einem Musikerforum, bei der ich gestern beteiligt war. Ich bin in diesem Forum eigentlich nicht aktiv, wurde aber auf einen Thread aufmerksam gemacht, in dem es um die Frage geht, wieso es so wenige weibliche Produzentinnen gibt.

Ich kenne mich in der Branche nicht aus, vermute die Gründe sind aber ähnlich gelagert wie in anderen männerdominierten Bereichen auch. Das führe ich hier jetzt aus Platz- und Nervengründen nicht näher aus, es ist eine komplexe Gesamtlage, an der niemand konkret Schuld hat, an der man aber sehr schnell etwas verbessern könnte, wenn man nur wollte. (Spoiler: Oft wollen die Leute halt nicht.)

Jedenfalls habe ich gestern von explizit frauenfeindlichen Kommentaren über die üblichen langweiligen Klischeevorstellungen („Frauen mögen Technik nicht so.“) bis zu Schulbuchdefinitionen des Begriffes „transphob“ so alles gelesen, was ich eigentlich immer gerne erfolgreich verdrängen würde. Da der Thread mittlerweile geschlossen wurde, konnte ich kein schönes Schlusswort schreiben, dabei hatte ich es schon im Kopf vorformuliert: „Wer sich immer noch fragt, warum so wenig Frauen Produzentinnen sind, der muss sich nur die letzten Seiten durchlesen und kennt die Antwort.“

Na ja. Das erstaunlichste an dieser Geschichte ist vielleicht, dass ich mich immer noch über solche Diskussionen wundern kann, aber ich bin eben doch hoffnungslose Optimistin.

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Das bringt einen aber auch zur nächsten Frage, nämlich, ob es vielleicht hier tatsächlich ein Wahrnehmungsproblem ist. Natürlich ist der Musikproduktionsbereich ein Männerbereich, man muss sich hier nur die Liner Notes in der CD-Sammlung angucken. Wenn man aber etwas genauer hinguckt und sich die richtigen Künstlerinnen raussucht, hat man auf einmal einen ganzen Strauß an Frauen, die sehr wohl selber produzieren und mixen. Eventuell findet man sie allerdings auch nicht in Foren, in denen man für die These, dass Frauen „halt nicht so kreativ“ seien, Dankeschöns von anderen Leuten bekommt.

Ich werde da mal weitersuchen, weil mich diese Frage jetzt interessiert. Außerdem schadet es nie, im Ernstfall direkt konkrete Beispiele runterrattern zu können, sollte das Thema noch mal irgendwo aufploppen.

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In other news können sich interessierte Menschen schon mal so grob den 25.1.2019 im Kalendar freihalten. Die Gesangslehrerin hat jetzt mit mir und zwei anderen Schülerinnen einen Plan entwickelt und wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, gibt es an genau diesem Abend ein Konzert in Essen-Steele, an dem jede von uns eine halbe Stunde Musik machen wird. Wir wissen noch nichts genaues, aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass es auf jeden Fall sehr toll werden wird.

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The Taste kommt wieder, eine meiner Lieblingskochsendungen. Ich mag Sendungen, bei denen Menschen nett zu einander sind und kreative Dinge tun. Die dürfen dann auch vier Stunden dauern, allerdings habe ich parallel auch Gruselstorys hier in den Kommentaren gelesen. Sagen wir: Ich mag Sendungen, bei denen man nebenbei rumtüddeln kann, die dürfen dann auch gerne vier Stunden dauern.

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Steuerrückerstattung! \o/

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Immer noch keine Strumpfhosen im ALDI-Prospekt. Auf nix ist mehr Verlass.


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Tagebuchbloggen, 7.10.2018

Der Klavierlehrer hat jetzt ein Smartphone mit WhatsApp und Spotify. „Von Spotify haben Sie mir ja erzählt, das ist toll.“

Es erleichtert aber auch etwas, weil ich sonst üblicherweise immer erst kurz vorher wusste, ob ich es zum Unterricht schaffe oder nicht und dann aber nie Bescheid sagen konnte. Ich finde es sehr gut, dass er jetzt ein Smartphone hat.

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Seit kurz vor dem Südafrikaurlaub haben wir das neue noch größere Bett. Aus dem alten neuen Bett habe ich meinen Mann angeblich immer rausgeschubst, ich weiß davon nichts, ich habe sehr gut geschlafen. Jedenfalls reichten 1,60 Meter Breite auf einmal nicht mehr und weil die Bettenfirma sehr kulant war, durften wir noch einmal gegen 1,80 Meter Breite umtauschen.

Jedenfalls gehe ich jetzt manchmal einfach schon um 22 Uhr ins Bett, weil es da so unfassbar weich und gemütlich ist und schlafe dann oft auch schnell ein, weil es so unfassbar weich und gemütlich ist.

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Auf Netflix Hilda durchgebinged, die schönste Zeichentrickserie, die ich seit langem sah. Ich mochte ja schon Disenchantment sehr gerne, aber Hilda ist noch so viel besser. Die Comics stehen schon lange auf meiner Wunschliste (HINT! HINT!), die Serie kann ich von ganzem Herzen empfehlen, wirklich.

Eine Folge Maniac versucht, aber nicht wirklich reingekommen und dann nicht weitergeguckt. Mal gucken, ob ich der Serie noch eine zweite Chance gebe.

Statt dessen mit der spanischen Serie Élite angefangen. Nachdem uns schon Haus des Geldes so gefesselt hat, schien das eine gute Anschlussserie zu sein und bislang sind wir sehr zufrieden. Es irritiert etwas, dass drei der Hauptdarsteller aus Haus des Geldes mitspielen.

Außerdem gehört, dass Zumbo’s Just Desserts eine zweite Staffel bekommt. Nachdem ich sehr viele Schwierigkeiten am Anfang der ersten Staffel hatte, war ich zum Ende hin immer begeisterter, was eben eher an den Kandidaten und weniger an den Moderatoren lag, und bin schon ganz hibbelig, dass es jetzt doch weitergeht.

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Auf Spotify The Wife Between Us [Amazon-Werbelink] gehört. Diese Mystery-Thriller à la Gone Girl sind aktuell ja so das große Ding, aber sie eignen sich wirklich sehr gut, wenn die intellektuelle Kapazität gerade nicht für mehr ausreicht. Ich habe die meisten Twists nicht kommen sehen, was nichts heißen muss, ich bin generell nicht so gut darin, Twists kommen zu sehen, auch wenn mir ein zentrales Thema des Buches (SPOILERGASLIGHTINGSPOILER) relativ schnell klar war.

Vor und nach dem Urlaub habe ich allerdings ein viel interessanteres Buch gelesen, nämlich Wir letzten Kinder Ostpreußens
[Amazon-Werbelink]  von Freya Klier. Das Buch hatte ich meiner Oma, die in Memel aufgewachsen ist, zu Weihnachten geschenkt, eher zufällig hatte ich es im Buchladen entdeckt. Jedenfalls war sie sehr begeistert und ich durfte es mit ausleihen, aber nur, wenn ich es auf jeden Fall wieder zurückbringe, denn sie will es noch mal lesen. In diesem Buch werden die Geschichten mehrerer Kinder erzählt, die in den letzten Kriegsjahren in Ostpreußen lebten. Vom jüdischen Junge Michael Wieck, der die Belagerung von Königsberg erlebte bis zu der dreijährigen Roswitha-Anne, die von einer Estin mitgenommen und adoptiert wird. Obwohl die Struktur des Buches etwas verwirrend ist, und der Schreibstil gelegentlich etwas zu einfach wirkt, ich habe viel gelernt. Auf der Suche nach mehr Ostpreußenlektüre bin ich auch auf Ulla Lachauer gestoßen, das wird dann wohl eines der nächsten Bücher und nach dem Lesen selbstverständlich an Oma weitergegeben.

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Ich habe immer noch keine neuen Strumpfhosen. Der Einzelhandel ruft für Baumwollstrümpfe Fantasiepreise aus. Ich wäre sogar bereit, diese auszugeben, wenn ich mir einigermaßen sicher wäre, dass die Strumpfhosen länger als eine Saison halten würden. Jetzt warte ich weiter, ob ALDI dieses Jahr wieder Wollstrumpfhosen für einen Fünfer hat und schlage dann zu.


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Bemerknisse zu Südafrika, Pt. 1

Wir waren eine Woche in Südafrika. Das kann man machen, ist allerdings ein bisschen kurz. Wenn man allerdings erstens eine Hochzeit in der Reiseplanung hat und außerdem seht viele Leute, die sich auskennen, kann man in sechs Tage doch eine Menge Erlebnisse packen.

Folgendes habe ich zu bemerken:

Hinkommen

  • Nach Südafrika fliegt man üblicherweise über Nacht. Da es keine Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Südafrika gibt, ist das sehr sinnvoll, man fliegt abends los und kommt morgens an. Die Zeit dazwischen könnte man sich schön mit Schlafen vertreiben, allerdings sitzt man auf sehr wenig Platz in einem sehr unruhigen Raum, wenn man also mehr als vier Stunden unruhigen Schlaf bekommt, gehört man zur Gewinnerseite.
  • Fluglinien werden immer arschlochiger, seit unbekannter Zeit möchte man Geld für Sitzplatzauswahl haben. Da wir das erstens nicht wussten und zweitens zu geizig dafür gewesen wären, und drittens andere Menschen ihren Gangplatz nicht gegen einen Platz in der Mitte tauschen wollen, saßen wir auf dem Rückflug nicht nebeneinander, sondern hintereinander, danke vielmals.
  • Terminal 3 in Heathrow hat schönere Geschäfte als Terminal 5, aber Terminal 5 hat die besseren Restaurants. Man muss sich da über die eigenen Prioritäten klar werden. Der Transfer funktioniert überraschend reibungslos, Heathrow bleibt also mein Lieblingstransferflughafen.
  • Das Unterhaltungsprogramm im Flugzeug wird immer besser. Ich habe die halbe zweite Staffel „The Good Place“ geguckt, „A Wrinkle in Time“ und „Ocean’s 8“.
  • Auf Kurzstreckenflügen gibt’s noch nicht mal mehr Gratisnüsschen.

Unterwegs

  • Der Bräutigam erzählte uns schon, dass man in Afrika Geduld haben muss. Der Bräutigam hatte recht. Wenn man schon eine Viertelstunde am Schalter des Autoverleihs steht und niemand da ist und auch niemand weiß, wo derjenige, der da sein sollte, sein könnte, und man dann aber per Telefon doch noch irgendwen erreichen konnte, der demjenigen Bescheid gesagt hat, dann kommt irgendwann dieser jemand in sehr gemütlichem Schritttempo zum Schalter geschlendert. Das macht uns hektische Europäer dann einerseits etwas nervös, auf der anderen Seite stellt man sich schnell die Frage, ob wir nicht diejenigen sind, die irgendwas grundlegend falsch verstanden haben.
  • In Johannesburg wohnt man hinter Mauern, Gittern, Stacheldrähten und elektrischen Zäunen. Man fährt mit dem Auto irgendwohin, läuft dann ein überschaubares Areal durch die Gegend und steigt dann wieder ins Auto, um irgendwo anders hinzufahren.
  • Linksverkehr ist okay, das größte Problem ist, dass in Linksverkehrautos Blinker und Scheibenwischer vertauscht sind.
  • „You just have to be careful and watch out, then nothing can happen.“ „Tozelle, we’re Europeans, the problem is we don’t even know what to look out for.“
  • Schilder, die man nicht sehen möchte, wenn man alleine im Auto in der Dämmerung unterwegs ist: „Hijacking Hotspot – Next 6 km“. Bei den Gastgebern dann: „Oh, I bet, they are everywhere and we don’t even see them anymore.“
  • An südafrikanischen Kreuzungen gilt angeblich so eine Art „Rechts-vor-links“, in Wirklichkeit aber darf zuerst fahren, wer zuerst da war und das klappt erstaunlich gut.
  • Fünfzehn Minuten unpaved gravel road. I’m just sayin‘.
  • Den Aufschlag fürs Navi kann man sich sparen und lieber in eine SIM-Karte investieren. 80 Prozent der Adressen, die ich eingeben wollte, kannte das Navi nicht.
  • Vor jeder Fahrt mit den Einheimischen abchecken, ob die Route so rein sicherheitstechnisch okay ist. Kannte ich bislang auch nicht.
  • Die Lieblingsfarbe von südafrikanischen Autobesitzern ist weiß.

Hugenpöttchen, 3.10.2018

Ich werde zum nachträglichen Geburtstagsessen eingeladen und nach acht Jahren, die wir mittlerweile in Essen wohnen, sind wir zum ersten Mal im Hugenpöttchen.

Wir entscheiden uns fürs Kürbismenü, obwohl wir beide keine Kürbisfans sind. Das Menü überzeugt aber, lediglich die Portionen sind alle ein bisschen zu groß, zumindest für ein Vier-Gang-Menü. Irgendwo im Park findet eine chinesische Hochzeit statt und auf der anderen Seite des Burggrabens sitzt ein einsamer Mann und isst Kuchen, glaube ich. Zusammengefasst ist es eher unverständlich, dass wir zum ersten Mal hier sind, gute Küche, gute Weine (Weingut Klaus Gallé), guter Service. Beim nächsten Mal dann vielleicht doch das besternte Laurushaus nebenan als kleine Steigerung?

Hugenpöttchen, 3.10.2018

Aperitif: Belsazar Rosé Tonic

Brotauswahl mit Butter und Dip

Kürbis-Gewürz-Risotto mit roten Garnelen

Cremesuppe vom Butternut-Kürbis mit Erdnuss-Crunch und Gremolata

Auf der Haut gebratener isländischer Rotbarsch mit eingelegtem Kürbis, Grapefruit, Kartoffelflan und Tamarassauce

Saftiger Schokoladenkuchen mit Zwetschgenkompott und Popcorneis

Lieblingstweets im September (Teil 1)

KARL DER KÄFER! RUDI CARRELL! SCHWIMMERLAUBNIS! KOMMACHAOS! HYGGE! HYGGE HYGGE HYGGE!

Tagebuchbloggen, 13.9.2018

Versucht, meinen Mann wenigstens einmal dazu zu bringen, Dirty Dancing mit mir zu gucken, das hat sogar eine gute halbe Stunde funktioniert, aber dann habe ich doch alleine weitergeguckt. Tatsächlich gucke ich sonst immer nur so die letzten zwanzig Minuten, weil ich zufällig einschalte und dann bleibe ich dabei hängen. Gestern noch mal den ganzen Film geguckt und natürlich ist das alles Popcornkino, aber es ist auch kein schlechtes Popcornkino und die Musik ist halt gut.

Interessant wird es vor allem dann, wenn man sich bestimmte Szenen des Filmes mal vor Augen führt. Die Abtreibungsproblematik wird zum Beispiel in keiner Weise moralisiert, in der Wikipedia steht dazu folgendes:

Abortion rights advocates have called the film the „gold standard“ for cinematic portrayals of abortion,[24] which author Yannis Tzioumakis described as offering a „compassionate depiction of abortion in which the woman seeking an abortion was not demonized with the primary concerns being her health and preserving her capacity to bear children at a future time rather than the ethical dilemma that might or might not inform her decision, a portrayal that is not necessarily available in current films.“[25]

https://en.wikipedia.org/wiki/Dirty_Dancing#CriticalResponse

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Eigentlich wollte ich ja aber über Keksteig-Start-Ups schreiben. Nun begab sich das so, dass am Dienstag in „Die Höhle der Löwen“ ein wirklich sympathisches Ehepaar, das in Berlin eine Keksteigbar aufgemacht hat. Eine Keksteigbar ist so was ähnliches wie eine Eisdiele, nur dass man statt Eisbällchen Keksteigbällchen bekommt.

Wer sich jetzt fragt, wie das sein kann, man weiß doch genau, dass roher Keksteig nicht gesund ist, wegen Salmonellen, OGOTTOGOTT, in dem Teig werden werde Eier noch Backpulver verarbeitet. Ich weiß das nicht nur, weil das in der Sendung ausführlich besprochen wurde, sondern weil ich selber 2011 ein paar Mal Keksteigpralinen nach diesem Rezept herstellte, die – glauben Sie mir das einfach – unglaublich lecker sind. Das Rezept selber ist von 2010, es ist mehr oder weniger Keksteig ohne Eier und Backpulver.

Ich saß also vor dem Fernsehen und beschimpfte die wirklich nette Keksteigmenschen mehrfach, DASS SIE DAS NICHT ERFUNDEN HÄTTEN, WIRKLICH NICHT, ICH HAB SCHON VOR SECHS (sieben, wie sich herausstellte) KEKSTEIGPRALINEN GEMACHT, EIER UND BACKPULVER WEGLASSEN IST NICHT EINEN NEUARTIGEN KEKSTEIG ERFINDEN UND AUSSERDEM GIBT ES DAS SCHON SEIT JAHREN IN NEW YORK (na ja, okay seit 2016 vermutlich). Ich kramte sogar wütend meine Backmagazine heraus und suchte, bis ich einen Artikel aus einem Heft von Anfang 2011 fand, in dem Keksteigrezepte vorgestellt wurden.

Nun ist es auch gar nicht so, dass ich glaube, dass die netten Menschen gelogen haben, sie schienen wirklich von ganz alleine auf die Idee gekommen zu sein. Trotzdem kam die Sprache nicht einmal darauf, dass es eventuell nur unter Umständen ganz vielleicht keine grandios neue Idee sei, auf die vorher nur noch niemand gekommen sei (KEKSTEIGPRALINEN 2011!), entweder wurde es also verschwiegen oder niemand kam auf die Idee, mal nachzugucken, ob es sowas schon gibt und ich weiß gar nicht so genau, was ich seltsamer finde.

Ich gönne den Keksteigmenschen aber ihre Idee und ihren Erfolg, verwundert bin ich nach wie vor.

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Ich möchte ansonsten meine weiteren prophetischen Foodtrendriecher an dieser Stelle noch mal kurz festhalten:

  • 2008 kaufte ich manisch mehrere französische Rezeptbücher für Macarons in Colmar, denn von dieser Süßigkeit wusste man in Deutschland noch nichts.
  • 2009 lief ich aufgeregt durch Hong Kong, um endlich mal Bubble Tea zu probieren. Von der Existenz von Bubble Tea wusste ich seit 2006, weil damals eine amerikanische Freundin dieses Bild auf Flickr veröffentlichte.
  • Ende 2012 fuhr ich für einen Abend von Hanau nach München und zurück, um eventuell Poutine essen zu können. Wie sich herausstellte, gab es aus ressourcetechnischen Gründen keine Poutine, ich aß statt dessen Pizza mit Bacon und Ahornsirup. 2014 oder 2015 irrte ich noch durch Berlin, weil es dort eventuell einen Laden gab, in dem ich Poutine kriegen könnte, der hatte aber montags geschlossen. Gerade habe ich von einem zweiten Restaurant in Essen erfahren, das Poutine serviert und wir wissen alle, wenn der Hype im Ruhrgebiet ankommt, ist er schon vorbei.
  • Und na ja, das mit dem Keksteig, 2011, Sie wissen schon.

Okay, es waren vier Foodtrendriecher, aber sie waren sehr spezifisch und ich bin sicher, es waren nicht die letzten.

Wenn ich Sie also auf die kulinarischen Trends der nächsten fünf bis zehn Jahre vorbereiten darf: Ich erwarte eine massive Vermehrung von Ramen-Bars und endlich endlich deutlich bessere mexikanische Küche in Deutschlands Großstädten, also weniger Chili con carne und mehr Mole, Kaktusblätter, vernünftige Tacos und Flan. Mark my words, you heard it here first.


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Tagebuchbloggen 8.9. bis 12.9.

Am Wochenende hatte ich sturmfrei, weil mein Mann seine Eltern am Bodensee besuchte. Die Zeit konnte ich aber dann nur am Samstagmorgen nutzen, weil ich ab frühem Nachmittag mit einer sich bereits am Freitag ankündenden Erkältung mehr oder weniger bis Dienstag flach lag.

Vorher erledigte ich noch folgende Dinge:

  • Großeinkauf beim Asia-Supermarkt, wo ich auch einen vietnamesischen Kaffeefilter und vietnamesischen Kaffee erstand, mir jetzt also jederzeit ca phe sua da machen kann.
  • Beim Feinkostsupermarkt kaufte ich drei Kalmare, weil Jamie Oliver in seiner Netflix-Serie sehr appetitlich aussehende frittierte Calamari gemacht hat und das alles gar nicht so schwierig aussah. Dazu später mehr.
  • Bei Wonderwaffel in der Essener Innenstadt aß ich eine Waffel mit weißer Schokolade, Kirschen und Haselnüssen und war wirklich sehr angetan von der Fluffigkeit des Waffelteigs.
  • Dann erstand ich noch eine Flasche Mandelsirup bei einem hiesigen Spirituosenladen. Es ist erstaunlich schwierig, Mandelsirup aufzutreiben. Amaretto ist kein Problem, Mandelsirup gibt es hingegen offensichtlich nur in sehr gut ausgestatteten Märkten

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Nach einem eigentlich sehr erfolgreichen Vormittag dann eben flachliegen, viel trinken und mehr oder weniger Netflix leergucken. Ich habe die gesamten zwei Staffeln „Don’t Trust the Bitch in Apartment 23“ in vier Tagen durchgeguckt, außerdem die Verfilmung des Musicals „Les Misérables“ von 2012, bei deren Ende ich sehr geweint habe. Dann war ich nicht sicher, ob ich mir emotional endgültig den Rest geben sollte und noch irgendwas anderes schwer emotionales gucken sollte, entschied mich dann aber für „Findet Dorie“. Es ist schon etwas her, dass ich „Findet Nemo“ geguckt habe, aber ich mochte den Nachfolger eventuell noch etwas lieber, schon allein wegen Hank, dem grantigen Septopus, der im Original von Ed O’Neill gesprochen wird. Ich guckte dann am nächsten Tag einfach noch mal „Findet Dorie“, weil ich den Film so mochte und ich hätte eigentlich schon wieder Lust drauf. Das ist mir das letzte Mal bei „Frances Ha“ passiert und davor glaube ich das letzte Mal bei „Chihiros Reise ins Zauberland“.

Außerdem gesehen: „Julie und Julia“, die Hälfte von „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ und eine Folge „My Little Pony“. Dazu gab es Orangensaft, Ingwertee, Wasser und diverse Suppen.

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Überhaupt Suppen. Ich kaufte im Asia-Laden auch eine Packung Tom-Yum-Paste und weiß jetzt, wie man daraus eine ziemlich gute Tom Yam Gai macht. Man braucht nur noch ein bisschen Brühe (eigentlich Hühnerbrühe, ich hatte aber nur noch Rinderbrühe im Haus), Fischsoße und was auch immer man so in seiner Tom Yam Gai mag. Also Brühe mit der angemessenen Menge Tom-Yum-Paste (steht auf der Packung) zum Kochen bringen, in meinem Fall eine halbe Zwiebel, eine halbe Möhre, ein bis zwei Frühlingszwiebeln, einen großen Champignon, ein bisschen Chilischote, vier bis sechs Kirschtomaten und so grob ein Drittel Hähnchenbrust klein schnippeln und in die heiße Brühe geben. Da etwas mitkochen, mit Fischsoße abschmecken, fertig.

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Wo ich mit dem Kauf der Tom-Yum-Paste quasi prophetenhafte Weitsicht in Hinblick auf meine Erkältung bewies, war das mit den Kalmaren eher ein Problem. Sie mussten ja weg, wenn man aber auf eins mit einer Erkältung sicher keinen Hunger hat, dann sind das Meeresfrüchte. Weil sie aber weg mussten, lernte ich dann Sonntagabend noch, wie man Kalmare küchenfertig macht, was ein bisschen weniger einfach war als mir Jamie Oliver versprochen hatte, aber auch tatsächlich gar nicht so kompliziert. Irgendwas anderes machte ich aber anscheinend grundlegend falsch, die Panade haftete nicht gut an den Kalmarstücken und so blieb es eher beim guten Willen und ich behielt die Erkenntnis, dass das Ausnehmen und Präparieren von Kalmaren durchaus machbar ist, an der Zubereitung aber noch geübt werden muss. Es tut mir sowohl leid für die Tiere, die weitestgehend umsonst starben und für mein Konto, denn die Tiere waren nicht günstig. So ist das dann aber eben mit diesem ganzen Kochgedöns, auch da wird man unter anderem aus Fehlern klug.

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Der Montag war der schlimmste Erkältungstag mit konstant erhöhter Temperatur den ganzen Tag über. Dienstag ging schon etwas besser, aber auch noch nicht gut. Ich blieb zu Hause, hörte Drei-Fragezeichen-Hörspiele  und spielte ein Würfelspiel namens „Einfach clever“ auf dem Smartphone. Schlimmes Suchtpotential, ich kann davon guten Gewissens eigentlich nur abraten. Es gibt ansonsten nicht viel zu berichten.

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Gestern schleppte ich mich dann hustend auf die Arbeit. Ich möchte an dieser Stelle nicht diskutieren, warum das nötig war, es war halt nötig aus diversen Gründen, die mit Kollegen und Kunden zu tun hatten und mit einer insgesamt realistischen Einschätzung meinerseits, wie viel ich mir zumuten kann und wie es mir geht. Was ich nicht wusste war, dass die Firma just diesen Tag zum „Mehr-bewegen-Aktionstag“ auserkoren hatte, am Aufgang zum Gebäude lustigen Dehngummibänder verteilt wurden UND DIE VERDAMMTEN ROLLTREPPEN AUSGESCHALTET WAREN! Ich bin ja all for mehr Bewegung, aber ich möchte doch selbst entscheiden, wann ich Treppen laufe und wann ich Rolltreppe fahre und an diesem Morgen wollte ich sehr dringend Rolltreppe fahren.

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Dafür fuhr ich dann abends mit dem Leihrad zum Music Store in Köln-Kalk, wo mein Mann gerade konsumierend aktiv war und das kam so. Im November ist des Schwiegervaters 80. Geburtstag, und der wünschte sich anscheinend Klavierunterhaltung zur Feier. Es gibt allerdings kein Klavier in der Feierlokalität, mein Schwiegervater dachte, wir würden halt eins mitbringen. Das ist weniger absurd, als es klingt, bis vor kurzem besaßen wir tatsächlich ein Stage Piano, das wurde aber zwischenzeitlich an einen jungen Jazzmusiker verkauft und bis gestern hätten wir dann auch kein Klavier „zum Mitbringen“ gehabt. Jetzt haben wir wieder eins, es hat viele Blinkenlights und noch mehr Sounds, durch die ich mich dann abends erfolgreich durchklimperte. Im Moment steht es im Wohnzimmer, ich finde aber nach wie vor auch die Idee eines Schlafzimmersynthesizers reizvoll. Ansonsten kann man es aber auch sehr bequem durch die Wohnung schleppen und einfach dahin stellen, wo gerade ein Klavier gebraucht wird. Sehr praktisch.

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Ich darf nicht vergessen, noch aufzuschreiben, warum ich mich am Dienstagabend so über die Keksteigbarbetreiber bei „Die Höhle der Löwen“ aufregte. Aber das dann ein andermal.

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Es ist jetzt definitiv Herbst, auch erkennbar an den Kastanien auf dem Boden. Ich habe immer noch keine neuen Strumpfhosen. Der erste Versuch im normalen Kaufhaus schlug fehl, weil ich für die Neupreise von Markenwaren nicht bereit war. Eventuell warte ich wieder, bis ALDI Baumwollstrumpfhosen für 7 Euro oder so hat und decke mich dann damit ein.


Wer gerne liest, was ich hier schreibe und mir eine Freude machen will, kann mir etwas von der Wunschliste spendieren oder Geld ins virtuelle Sparschwein werfen.  Die Firma dankt.

La Petite Cave de Jeannette, 4.9.2018

Zum 51. Geburtstag meines Mannes endlich wieder bei Jeannette und Peter Schnitzler im La Petite Cave de Jeannette in Essen-Rüttenscheid gewesen, wie immer ein schöner, entspannter Abend mit gutem Essen und leckeren Weinen. Das Konzept mit einer kleinen, wechselnden Karte bewährt sich, wir nahmen das Vier-Gänge-Überraschungsmenü.

Schnitzlers 4.9.2018

La Petite Cave de Jeannette, 4.9.2018

Austern und Crevettes Roses (aktuell noch nicht im Bild, wird aber nachgeliefert)

Gemischte Antipasti

Saibling auf getrüffeltem Wirsing

Entrecôte vom Dry-Aged-Rind mit Pfeffersauce und wildem Brokkoli

Zitronentarte mit Lavendel im Glas

Schnitzlers 4.9.2018Schnitzlers 4.9.2018Schnitzlers 4.9.2018Schnitzlers 4.9.2018

Lieblingstweets im August (Teil 2)

KÜNDIGUNG DES ERWACHSENENABONNEMENTS! JOHH-IRVING-ROMANE! GEHÄKELTE DECKCHEN! THERMOMIX-VERTRETER! UND NIRGENDWO DIN A4-QUERFORMAT!